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Full text of "Zentralblatt für Herz- und Gefäßkrankheiten 5.1913"

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Zentralblatt für Herz- 


und Gefässkrankheiten. 


Unter Mitarbeit von 

Geh. Rat Prof. Dr. L. Aschoff, Freiburg i. Br.; Sr. Exz. Geh. Rat Prof. Dr. Ch. 
Bäumler, Freiburgi.Br.; Prof. Dr.E.Barfe, Paris; Prof. Dr. L.Brauer, Hamburg; 
Prof. Dr. F. Chvostek, Wien; Prof. Dr. H. Ehret, Straßburg, Eis.; Prof. Dr. 
W. Einthoven, Leiden; Prof. Dr. D. Gerhardt, Würzburg; Prof. Dr. J. Grober, 

{ ena; Prof. Dr. A. Hasenfeld, Budapest; Prof. Dr. H. E. Hering, Köln a. Rh.; 
)ozent Dr. M. Herz, Wien; Geh. Rat Prof. Dr. H. Hochhaus, Köln; Prof. Dr. A. 
Hoffmann, Düsseldorf; Prof. Dr. A. Reith. London; Hofrat Prof. Dr. K. 
v. K6tly. Budapest; Prof. Dr. A. v. Koranyi, Budapest; Prof. Dr. F. Koväcs, 
Wien; Geh. Rat Prof. Dr. Fr. Kraus, Berlin; Dr. Th. Lewis, London; Geh. Rat 
Prof. Dr. O. Lubarsch, Kiel; Dr. J. Mackenzie, London; Geh. Rat Prof. Dr. 
Fr. Martius, Rostock; Prof. Dr. O. Müller, Tübingen; Prof. Dr. E. Münzer, 
Prag; Prof. Dr. G. F. Nikolai, Berlin; Hofrat Prof. Dr. K. v. Noorden, Frankfurt 
a.M.; Prof. Dr. W. Obrastzow, Kiew; Prof.Dr.Th.v.Openchowski, Charkow; 
Prof. Dr. N. Ortner, Wien; Reg.-Rat Prof. Dr. J. Pal, Wien; Prof. Dr. L. Rdnon, 
Paris; Prof. Dr. H. Sahli, Bern; Prof. Dr. A. Samojloff, Kasan; Prof. Dr. J. 
Strasburger, Frankfurt a.M.; Prof. Dr. A. Strubeil, Dresden; Prof. Dr. H. 
Vierordt, Tübingen; Direktor Dr. F. Volhard, Mannheim 


Herausgegeben von 

Professor Dr. J. G. MÖNCKEBERG 


in Düsseldorf. 


BAND V 

(]anuar — Dezember 1913) 

-mit 37 Abbildungen im Text und 6 Tafeln. 



DRESDEN UND LEIPZIG 

VERLAG VON THEODOR STEINKOPFF 

1913. 

L — J 







Inhaltsverzeichnis 


(Autoren- und Sachregister befindet sich am Schluß des Bandes.) 


Seite 

I. Originalarbeiten. 

Th. Oreedel (Bad Nauheim) u. J. 6. 
Mönckeberg (Gießen), Ein Fall 
von kongenitaler Pulmonal¬ 
stenose .2 

WelssbeliiyElektrokardiographische 
Untersuchungen über die Ein¬ 
wirkung von kohlensauren Sol¬ 
bädern auf das Herz .... 57 
H.E. Hering (Köln a.Rh.), Zur klini¬ 
schen Diagnose aus dem E.-K. 105 
Th. Oroedel (Bad Nauheim), Er¬ 
widerung auf vorstehenden Ar¬ 
tikel . • . . 110 

H. E. Hering (Prag), Bemerkungen 
zur vorstehenden Erwiderung . 111 

B. Ohm (Berlin), Die diastolischen 
Schwankungen des Venenpulses 153 

R.8tampf (Breslau), Die Beteiligung 
des Herzens an der Amyloid¬ 
erkrankung ..201 

C. J- Bothberger u. H. Winterberg 

(Wien), Zur Diagnose der ein¬ 
seitigen Blockierung der Reiz¬ 
leitung in den Tawara’schen 
Schenkeln.206 

E. Münzer (Prag), Klinisches und 
Theoretisches zur Lehre vom 

Pulsus altemans.249 

E. Magnus-Ableben (Würzburg), 
Über einen Fall v. Herzalternans 265 
E. 8ilbermann (Kudowa), Über 
Pulswellengeschwindigkeit u.ihre 
diagnostische Bedeutung . . . 297 

A. Strnbell (Dresden), Über intra¬ 
venöse Digitalistherapie . . . 345 
E. Münzer (Prag), Bemerkungen z. 
Aufsatze Silbermann „Über Puls¬ 
wellengeschwindigkeit und ihre 
diagnostische Bedeutung“ . . 359 


Suite 

H. 8ehmiedl (Brünn), Beitrag zur 
Kenntnis der Adams - Stokes- 

schen Krankheit.393 

E. Silbermann (Kudowa), Erwide¬ 
rung auf die Bemerkung des 
Herrn Prof. Münzer z. Aufsatz 
„Über Pulswellengeschwindig¬ 
keit und ihre diagn. Bedeutung 408 
A. Weber (Gießen), Ein Fall von 
Adams-Stokes’scher Krankheit. 441 
E. Münzer (Prag), Die Erkrankungen 
des Herzgefäßsystems im Lichte 
moderner Untersuchungsmetho¬ 


den. 1. Teil.489 

— - 2. Teil.537 


11. Bücherbesprecbungen. 48, 
128,222—223,271 - 272,320,333—334, 
368, 464, 560 


111. Internationale Biblio¬ 
graphie, bearbeitet von Fritz 
Loeb (München). 49—56, 95—104, 
139—152,194-200, 287-296,335 bis 
344, 387-392, 431—440, 477-488, 
526-536, 569—584 


IV. R e f e r a t e. 11—32,33—48,70-80, 
81—95,112—127, 130-138, 156-176, 
177-193, 208—222, 245—248, 268 bis 
271, 273 - 281, 316-320, 321-333, 
360-367, 369-387, 408—415, 417 bis 
425, 444- 465, 465-477, 502—511, 

513-525, 555-560, 561-568 

V. Kongreßberichte. 223- 224, 

225—245, 282—287, 426—431, 
511-512 












Zentralblatt 

für 

Herz-nnd defässkrankheiten 

Unter Mitarbeit von 

Geh. Rat Prof. Dr. L. Aschoff, Frelborg i. Br.; Sr. Ext. Geh. Rat Prof. Dr. Ch Baumler, Frei borg 
i. Rr.; Prof. Dr, E. Bari£, Paris; Prof. Dr. L. Brauer. Hamburg ; Prof. Dr. F. Chvostbk. Wien; Prof. 
Dr. H. Ehret. Stras barg i. Eis.; Prof. Dr.W. Einthoven. Leiden; Prof. Dr. D. Gerhardt, Würxburg; 
Prof Dr G. A Gibson Edinburgh; Prof Dr. J Grober, Jena; Prof. Dr. A Hasenfeld, Budapest; 
Prof. Dr. H. E. Hering, Prag; Dozent Dr. M. Herz Wien; Geh. Rat Prof. Dr. H. Hochhaus. Köln; 
Prof. Dr. A. Hoffman n, Düsseldorf; Prof. Dr. A. Keith, London ; Hofrat Prof. Dr K. y. Kätly. Bu apest; 
Prof. Dr. A. r, Koranyi, Budapest; Prof. Dr. F. KovÄcs. Wien; Geh Rat Prof. Dr. Fr Kraus Berlin; 
Dr. Th. Lswis, London; Geh. Rat Prof. Dr. 0. Lubarsch, Düsseldorf; Dr. J Mackenzie, London; 
Geh. Rat Prof Dr. Fr. Martius, Rostock; Prof. Dr O. Müller Tübingen; Prot. Dr E. MÜnzbr, Prag; 
Prof. Dr. G. F. Nikolai, Berlin; Hofrat Prof. Dr. K v Noorden, Wien; Prof. Dr. W. Obrastzow, 
Kiew; Prof Dr Th. ▼. Openchowski, Charkow; Prof. Dr N. Ortnrr, Wien; Reg -Rat Prof Dr. J. Pal, 
Wien; Prof. Dr. L. Rknon, Paris; Prof. Dr. H Sahli, Bern; Prof Dr A. Samojloff, Kasan; Prof. 
Dr. J. Stoasburger, Breslau; Prof Dr. A. Strubsll, Dresden; Prof. Dr. H. Vikrordt Tübingen; 

Direktor Dr. F. Volhard, Mannheim. 


Herausgegeben rem 

Professor Dr. J. 0. Mönckeberg, Gießen. 


Erscheint am L and 15. 


Dresden und Leipzig 

Preis halbjährlich 

jedes Monats. 


Verlag von Theodor Steinkopff. 

M. 8.—. 


Y. Jahrgang. 1. Januar 1913. Nr. 1. 


Zum Beginn des neuen Jahrganges. 

Mit vorliegender Nummer beginnt der V. Jahrgang des »Zentralblatts 
für Herz- und Gefäßkrankheiten". 

Bei dem Redaktions- und Verlagswechsel im Anfang des vorigen 
Jahres wandten sich die Unterzeichneten an alle die, denen der Weiter¬ 
ausbau und die Fortentwicklung des Spezialgebietes am Herzen liegen, 
mit der Bitte um tatkräftige Unterstützung in ihren Bestrebungen, durch 
Originalarbeiten und Referate ein möglichst lückenloses Bild des jeweiligen 
Standes der Forschung auf dem Gesamtgebiete der Herz- und Gefä߬ 
pathologie zu liefern. Dieser Apell hat bereits nach wenigen Monaten zu 
einer derartigen Materialfülle geführt, daß Redaktion und Verlag schon 
jetzt vor der Notwendigkeit stehen, eine grundsätzliche Änderung in der 
Erscheinungsweise der Zeitschrift eintreten zu lassen, wenn das Zentral¬ 
blatt seiner Hauptaufgabe, rasch und vollständig zu referieren, in Zukunft 
gerecht werden soll. 

Das Zentralblatt wird vom Beginn des V. Jahrganges ab 
zweimal monatlich (am 1. und 15. jedes Monats) 
herausgegeben werden, und zwar soll jedesmal die erste Nummer des Monats 
neben Referaten, Bücherbesprechungen, sowie Vereins- und Kongre߬ 
berichten eine Originalarbeit, die zweite die »Internationale 
Bibliographie" enthalten. 















2 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Die hierdurch entstehenden größeren Kosten bedingen, daß der 
Abonnementspreis um ein Geringes erhöht werden muß und zwar wird 
der Preis für das Semester auf M. 8.— festgesetzt. 

Herausgeber und Verleger hoffen durch diese Erweiterung einem 
allgemeinen Wunsche zu entsprechen, da sie von verschiedenen Seiten 
auf das Bedürfnis einer Änderung in diesem Sinne aufmerksam gemacht 
worden sind. 

Der Verleger: Die Redaktion: 

Theodor Steinkopff. J. G. Mönckeberg. 


Ein Fall 

von kongenitaler Pulmonalstenose 

und die sich daraus ergebenden Schlüsse für die Initial - Zacke 
des Elektrokardiogrammes. 

Von 

Th. Groedel (Bad-Nauheim) und J. G. Mönckeberg (Gießen). 

I. Teil (J. G. Mönckeberg). 

Am 16. Juli 1912 wurden mir von Herrn Dr. Th. Groedel (Bad 
Nauheim) die in Formol konservierten Brustorgane eines 13jährigen Mäd¬ 
chens, bei dem die klinische Diagnose auf kongenitale Pulmonalstenose 
und Verdacht auf Septumdefekt gestellt worden war, mit der Bitte um 
genaue anatomische Untersuchung des Herzens und der großen Gefäße, 
speziell auch des Atrioventrikularsystems übergeben. 

Das Herz war stark vergrößert und zwar ausschließlich im Kammer¬ 
abschnitt, in welchem wiederum der rechte Ventrikel weit voluminöser 
erschien als der linke. Bei der Betrachtung des Herzens von vorn her 
fiel sofort das verschiedene Kaliber und die abnorme Stellung der beiden 
großen Arterien auf: die Aorta war im Anfangsteil über doppelt so um¬ 
fangreich wie der Stamm der Lungenarterie und ging rechts von der 
Pulmonalis aus der Kammerbasis hervor (Abbildung 1.) Der aufsteigende 
Teil der Aorta verjüngte sich gegen den Bogen zu; dieser gab die Arteria 
anonyma und die linke Carotis dicht hintereinander und in einiger Ent¬ 
fernung von letzterer die linke Subclavia ab. Die Aorta trat über den 
rechten Hauptbronchus nach hinten und verlief links von der Wirbelsäule 
abwärts; der absteigende Teil hatte ein gegen die Norm eher etwas ver¬ 
mindertes Kaliber. Aus der linken Subclavia ging dicht an ihrem Ur¬ 
sprung (* in der Abbildung) aus der Aorta eine gut bleistiftdicke Arterie 
hervor, die in geschlängeltem Verlaufe sich hinter der Aorta nach ab¬ 
wärts wendete, an der Hinterfläche der Trachea verlief und an deren 
Teilungsstelle sich gabelte; die Teilungsprodukte zogen mit den Haupt¬ 
bronchen, ebenfalls in geschlängeltem Verlaufe, zu den beiden Lungenhilus, 
teilten sich dort weiter und traten in die Lungen ein. Der aus der Sub¬ 
clavia entspringende Ast mußte demnach als unpaare Arteria bronchialis 



0 


ORIGINALE 


3 


aufgefaßt werden. — Die zunächst etwas vor und links von der Aorta 
verlaufende Lungenarterie schob sich nach oben zu links an der Aorta 
vorbei schräg nach hinten und teilte sich in normaler Weise in die beiden 
Hauptäste, von denen der rechte hinter der Aorta ascendens und dem 
oberen Kavatrichter zum Hilus der rechten, der linke vor der Aorta des- 
cendens zum Hilus der linken Lunge verlief. Der Ductus arteriosus resp. 
das Ligamentum Botalli fehlte vollständig. 

Nach Eröffnung der einzelnen Herzabschnitte erwiesen sich die engen 
Vorhöfe als normal; das Foramen ovale war geschlossen. Die beiden 
Kammern standen durch ein in der Septumebene bis 27* cm weites Fo¬ 
ramen interventrikulare in Verbindung mit einander. Der vordere und 
untere Rand dieses Septumdefektes wurde von dem glatten und zarten 
Endokard des Ventrikelseptums gebildet, während hinten eine schmale 
sichelförmige Membran, das Septum membranaceum, den Defekt begrenzte. 
Über dem Defekte »ritt" die weite Aorta in der Weise, daß sie von der 
Verlängerung des Kammerseptums nach oben fast genau halbiert wurde. 
An der Aorta konnte man eine vordere, eine linke und eine rechte Klappe 
unterscheiden; aus dem Sinus Valsalvae der vorderen entsprang die rechte, 
aus dem der linken Klappe die linke Koronararterie. Die Klappen waren 
völlig intakt. — Der rechte Ventrikel erwies sich als stark erweitert, seine 
Wandung namentlich im arteriellen Teil als hochgradig hypertrophisch. 
Den Klappenapparat der Pulmonalis stellte ein pürzelartiges, in den Stamm 
der Lungenarterie hineinragendes Gebilde dar, das auf seiner Höhe ein 
für eine dünne Sonde eben durchgängiges Lumen aufwies. Um das 
Lumen herum, sowie an den der Pulnionaliswand zugekehrten Abhängen 
des pürzelartigen Gebildes fanden sich kleine festsitzende warzige stein¬ 
harte Exkreszenzen; das ganze Gebilde war völlig starr und an ihm war 
auch nicht eine Andeutung von einer Gliederung in einzelne Klappen zu 
erkennen. Die Wandung der Lungenarterie und ihrer Äste erschien auf¬ 
fallend dünn, wie die entsprechend großer Venen etwa. — Der linke Ven¬ 
trikel war ziemlich eng, seine Wandung von ungefähr derselben Dicke 
wie die der rechten Kammer im Conus arteriosus. An dem atrioventri¬ 
kulären Klappenapparate war nichts besonderes zu konstatieren; der Septum¬ 
defekt wurde nach rechts vom medialen Trikuspidalsegel partiell gedeckt. 

Es handelte sich demnach um eine Pulmonalstenose mit Rechts¬ 
stellung der Aorta, großem subaortalem Septumdefekt, Fehlen 
des Ductus arteriosus, geschlossenem Foramen ovale und 
starker exzentrischer Hypertrophie des rechten Ventrikels. Die 
»Trias der Erscheinungen“ — Pulmonalstenose, Rechtsstellung der Aorta, 
subaortaler Septumdefekt — sicherte die Diagnose auf angeborenen 
Herzfehler, auf eine Herzmißbildung. Die verkalkten verrukösen Exkres¬ 
zenzen am Pulmonalostium ließen aber darauf schließen, daß auf dem 
Boden der kongenitalen Stenose im extrauterinen Leben weitere, (wahr¬ 
scheinlich) entzündliche Veränderungen Platz gegriffen und eine Verstär¬ 
kung der Stenosierung des Ostiums herbeigeführt hatten. 

Die starke Ausbildung der von der linken Subclavia abgehenden un- 
paaren Arteria bronchialis bei Fehlen des Ductus arteriosus ließ erkennen, 
daß sich der Kreislauf in diesem Falle folgendermaßen gestaltet haben 
mußte: das Körpervenen bl ut gelangte in normaler Weise aus dem rechten 
Vorhof durch das Trikuspidalostium in den rechten Ventrikel; hier fand 
eine Teilung des Blutstroms statt: während ein Teil des Blutes den nor¬ 
malen Weg einschlug und von der stark hypertrophischen Konusmusku- 



4 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


latur durch das verengte Pulmonalostium in die Lungenarterie und den 
kleinen Kreislauf getrieben wurde, gelangte das übrige venöse Blut durch 
das große Foramen interventrikulare resp. direkt in das Vestibulum aortae, 
mischte sich hier mit dem durch das linke Herz aus den Lungen kom¬ 
menden arterialisierten Blute und strömte weiter in die Aorta und den 
großen Kreislauf. Von diesem gemischten Blute gelangte ein Teil durch 
die erweiterte unpaare Arteria bronchialis zu den Lungen und wurde hier 
mit dem durch die Lungenarterie zugeführten Blute arterialisiert Rein 
arterielles Blut war also nur in den Lungenvenen und im linken Herzen 
vorhanden. — Wahrscheinlich war ursprünglich die Pulmonalstenose nicht 
so hochgradig, so daß mehr venöses Blut direkt durch die Lungenarterie 
in die Lungen getrieben wurde. Durch die zu Schrumpfung und Ver¬ 
kalkung führenden (sekundären) Prozesse am Pulmonalostium wurde dessen 
Lumen schließlich so stark verengt, daß die Bronchialarterie fast die aus¬ 
schließliche Blutversorgung des kleinen Kreislaufs übernehmen mußte, 
wofür das klinisch festgestellte allmähliche Schwinden des systolischen 
Geräusches über der Pulmonalis spricht — 

Die mit Rechtsstellung der Aorta und subaortalem Septumdefekt ein¬ 
hergehende angeborene Pulmonalstenose wird auf eine Fehlbildung des 
Septum trunci zurückgeführt. Die Teilung des Truncus arteriosus erfolgt 
normaliter in der Weise, daß zwei Längsieisten (Abbildung 2, a und b) 
gegen das Lumen des Truncus vorwachsen, schließlich aufeinander treffen, 
mit einander verschmelzen und so den Truncus in zwei ungefähr gleich 
weite Rohre, die Aorta und die Pulmonalis, teilen, deren Lage zu ein¬ 
ander durch eine spiralige Drehung der Leisten resp. des aus ihnen ent¬ 
standenen Septum trunci bedingt wird. In der Abbildung 2 ist die Lage 
der Leisten und der durch ihre Verschmelzung entstehenden beiden 
großen Gefäße in verschiedenen Querschnittshöhen (oben, in der Mitte, 
unten) schematisch dargestellt. Führt nun aus irgend einem Grunde, z. B. 
wegen mangelhafter Entwicklung des den Ductus arteriosus liefernden 
linken sechsten Aortenbogens, nur die eine Leiste (a) die spiralige Drehung 
beim Herabwachsen im Truncus aus, verläuft die andere (b) dagegen 
grade oder nur etwas schräg nach abwärts, so resultiert hieraus, wie aus 
der Abbildung 3 ersichtlich ist, eine Teilung des Truncus in zwei Gefäße, 
deren Kaliber im oberen Abschnitte der Norm entspricht, unten aber 
völlig ungleich ist: die Aorta wird im Anfangsteil weiter, die Pulmonalis 
erheblich enger als normal. Die Enge der Pulmonalis, die nach dem 
Schema am Ostium ihren höchsten Grad erreicht, zieht meist eine Ver¬ 
bildung der Klappen nach sich, weil die Leisten, aus denen das Truncus¬ 
septum entsteht, bei der Bildung der Semilunarklappen eine wesentliche 
Rolle spielen; fehlerhafte Anlage der Leisten wird daher oft zu Klappen¬ 
fehlbildung führen. Es muß ferner bei dem fehlerhaften Teilungsmodus, 
wie aus der Abbildung 3 ohne weiteres hervorgeht, eine Rechtsstellung 
der Aorta im Anfangsteil zustande kommen, während im oberen Abschnitte 
die Stellung der beiden großen Gefäße den normalen Verhältnissen ent¬ 
spricht. Vergegenwärtigt man sich weiter, daß die beiden Leisten, um 
sich mit einander zu vereinigen, bei einer derartigen Truncusteilung 
sehr viel weniger weit vorzuwachsen brauchen, als bei der normalen, das 
aus ihnen hervorgehende Septum trunci mithin sehr viel geringere Aus¬ 
dehnung im Querschnitt besitzt, so leuchtet ein, daß dieses schmale Septum 
bei seinem Herabwachsen in den Ventrikel zum Verschluß des Foramen 
interventriculare nicht ausreichen kann, daß ein Septumdefekt also bestehen 



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ORIGINALE 


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bleiben wird, zumal die Richtung, in der das Septum in den Ventrikel 
herabwächst, von der Norm abweicht und auch dadurch sein Zusammen¬ 
treffen mit dem Septum ventriculorum in Frage gestellt wird. — 

Aus dem von der Norm abweichenden Verlaufe des Truncusseptums 
lassen sich also alle Erscheinungen, die die anatomische Untersuchung 
des vorliegenden Falles aufgedeckt hat, ableiten. Die Erkenntnis, daß es 
sich um eine reine Mißbildung des Jruncusseptums handelte, machte es 
nach den Erfahrungen bei analogen Fällen von vornherein unwahrschein¬ 
lich, daß die Untersuchung des Atrioventrikularsystems und des Sinus¬ 
knotens irgendwelche angeborene Abweichungen von der Norm aufdecken 
würde. Da aber am Pulmonalostium sich zu den angeborenen extrauterin 
erworbene Veränderungen hinzugesellt hatten, die, wie die mikroskopische 
Untersuchung zeigte, zweifellos entzündlicher Genese waren, so konnten 
eventuell auch die spezifischen Muskelsysteme sekundär erkrankt sein. 
Die mikroskopische Untersuchung, die auf Serienschnitten ausgeführt wurde, 
ergab, daß der Sinusknoten in seiner Lage und seiner Struktur sich voll¬ 
kommen normal verhielt. Das Atrioventrikularsystem nahm seinen Ursprung 
in der dicht hinter und über dem zentralen Bindegewebskörper und vor 
dem Sinus coronarius gelegenen Muskulatur des Vorhofseptums. Der 
zentrale Bindegewebskörper fand sich hinter dem Septumdefekt und war 
gegenüber der Norm nach hinten verschoben. Er wurde in schräger 
Richtung von hinten oben rechts nach vorn unten links von dem außer¬ 
ordentlich gefäßreichen Knoten des Atrioventrikularsystems durchsetzt, der 
als Stamm links subendokardial am unteren Rande des Septumdefekts nach 
vorn weiter verlief, um sich an der tiefsten Stelle des Defekts in den 
rechten und den linken Schenkel zu teilen. Infolge der nach hinten ver¬ 
schobenen Lage des zentralen Bindegewebskörpers erschien der Stamm 
lang ausgezogen, im übrigen zeigte aber das ganze System keinerlei Ver¬ 
änderungen. — In dieser Beziehung bestätigte der vorliegende Fall dem¬ 
nach die Resultate früherer Untersuchungen von angeborenen Herzfehlern, 
bei denen ebenfalls das System stets vorhanden war^fund [bis auf Ab¬ 
weichungen im-Verlaufe sich als intakt erwiesen hatte. 


Art anon A carotis 



Fig. 1. 


Fig. 2. 


Fig. 3. 





G ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


II. Teil. (Th. Groedel). 

Das im Vorhergehenden von Herrn Prof. Dr. Mönckeberg be¬ 
schriebene Herz stammt von einer Patientin, die ich zum ersten Male im 
Juni 1910 zu sehen bekam. 

Frl. N., damals 11 Jahre alt, stammt aus einer gesunden Familie; 
ihre Geburt hatte normalen Verlauf. In ihrem ersten Lebensjahre wurde 
gelegentlich einer Erkältung bereits, ein Herzleiden festgestellt. Im zwei¬ 
ten Lebensjahre erkrankte sie an Scharlach, der eine Herzschwäche hinter¬ 
ließ. Schon im ersten Lebensjahre war den Eltern die bläuliche Farbe 
des Gesichtes und der Finger aufgefallen. 

Status am 6. 6. 10: Zartgebautes, normalgroßes Mädchen, fettarme 
Haut, starke Cyanose des ganzen Körpers, spez. des Gesichtes, der Hände 
und Füße; die Finger zeigen Trommelschlägelbildung. Das Flerz mißt im 
Röntgenbilde nach rechts von der Mittellinie 3,3 cm, nach links 6,4 cm; man 
hört über der Pulmonalis ein lautes systolisches Geräusch; der Puls schwankt 
zwischen 80 und 100; der min. Blutdruck beträgt 60 mm, der max. 90 
mm Hg; der Urin zeigt normalen Befund; das Ekg., Fig. 1, weist eine 
stark negative Initialschwankung auf. — Patientin fühlt sich in der Ruhe 
vollkommen wohl, kann aber nur kurze Strecken gehen, da sofort Atem¬ 
not auftritt 


t— < —i— i 

Fig. 1. 

Diagnose: Kongenitale Pulmonalstenose mit Verdacht auf Septumdefekt. 

29. Mai 1911: Status wie 1910. Die Cyanose hat etwas zuge¬ 
nommen, das Geräusch über der Pulmonalis ist schwächer geworden, der 
Puls hält sich ständig auf 100; der Blutdruck ist der gleiche, ebenso das 
Ekg. Orthodiagramm nach rechts 3,3 cm, nach links 6,8 cm; Patientin 
hat an Körpergröße zugenommen.*) 

24. Mai i 91 2: Im vergangenen Winter hat Patientin eine infektiöse 
Halsentzündung durchgemacht, nach der eine allgemeine Schwäche zurück¬ 
geblieben ist; Gesicht, Hände, Füße und Zunge zeigen jetzt eine fast 
schwarzblaue Farbe; das Geräusch über der Pulmonalis ist kaum noch 
zu hören; der Puls schwankt zwischen 100 und 120; der Blutdruck ist 
wie früher, ebenso das Ekg. und der Urinbefund; das Herz ist im Ortho¬ 
diagramm 3,4 cm nach rechts, 7,2 cm nach links groß; die Körpergröße 
hat wiederum zugenommen; Patientin ist so schwach, daß sie kaum noch 
gehen kann. — Mitte Juli tritt eine leichte fieberhafte Erkrankung auf; 
Patientin klagt über Druckgefühl im Leib und im Kopf, sowie quälenden 
Brechreiz; nach drei Tagen erfolgt plötzlich der Exitus. 

Die Sektion bestätigte die intra vitam gestellte Diagnose. Bei Er¬ 
öffnung der Brusthöhle nahm ich besonders darauf Bedacht, die Lage 
des Herzens festzustellen: es lag der ganze rechte Ventrikel nach vorne 
der Brustwand zu, der linke vollkommen dorsalwärts, sodaß das Septum 
ventriculorurn genau in der Frontalebene stand; der Sulcus coronarius 

*) Ein aus dieser Zeit stammendes Röntgenphotogramm befindet sich auf 
Tafel VI, Abb. 4 in F. M. Groedel’s Röntgendiagnostik der Herz- und Ge¬ 
fäßerkrankungen (München 1909). 





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ORIGINALE 


7 


verlief senkrecht von oben nach unten, das Septum fibrosum atrioventri¬ 
kulare stand vollkommen in der Sagittalebene. — Außer der Lage des 
Herzens war es von Wichtigkeit, zu wissen, ob eine Schädigung 
des Reizleitungssystems vorhanden war; dieses hat sich, wie im Vorher¬ 
gehenden auseinandergesetzt wurde, als vollkommen intakt erwiesen. 

Es handelt sich somit um einen Fall von angeborenem Herzfehler, 
bei dem das Ekg. drei Jahre hintereinander bis zum Exitus eine negative 
Initialschwankung aufweist, bei dem das Reizleitungssystem vollkommen 
intakt ist, bei dem jedoch das Herz, gegenüber der Norm, seine Lage 
gänzlich verändert hat. 

Die neg. Initialschwankung des Ekg. bei angeborenen Vitien ist als 
pathognomonisch zum ersten Male von G. F. N i co 1 a i und S te r i o p u 1 o auf¬ 
gestellt und von einer Reihe anderer Untersucher immer wieder gefunden 
worden. Ich selbst habe unter 15 Fällen, bei denen die Diagnose auf 
kongenitales Vitium gestellt wurde, die überwiegend neg. Initialzacke nie¬ 
mals vermißt. — Ferner ist festzustellen, daß bei den bisher mikroskopisch 
untersuchten kongenitalen Vitien das Reizleitungssystem immer intakt ge¬ 
funden wurde; es fehlten jedoch bis jetzt die elektrokardiographischen 
Kurven der zur mikroskopischen Untersuchung gelangten Fälle, und da¬ 
her war ein Rückschluß auf die negative Initialschwankung nicht zu ziehen. 
— Nachdem nun in unserem Falle eine negative Initialschwankung vor¬ 
handen, das Reizleitungssystem, entsprechend früheren Untersuchungen, 
intakt ist, drängt sich die Frage auf, ob wir aus der abnormen Lagerung 
des Herzens eine Erklärung für die Negativität der J-Zacke finden können. 

Zu diesem Zwecke müssen wir etwas weiter ausholen. Wie wir 
durch die erstmaligen Untersuchungen Nicolai’s w’issen, erhalten wir bei 
künstlicher Reizung des rechten und linken Ventrikels ein verschieden¬ 
artig aussehendes Ekg.; bei Reizung des rechten Ventrikels, resp. der Basis 
des Herzens, beginnt das Ekg. mit einer positiven, bei Reizung des linken 
Ventrikels, resp. der Spitze des Herzens, mit einer negativen J-Zacke; 
diese Formen mit ihren Übergängen waren bereits als das Ekg. der 
ventrikulären Extrasystolen bekannt. Eine weitere Stütze, daß rechter und 
linker Ventrikel ihr eigenes Ekg. besitzen, findet sich in den Untersuch¬ 
ungen von Eppinger und C. J. Rothberger; je nachdem diese Autoren den 
rechten oder linken Schenkel des Reizleitungssystems durchtrennten, er¬ 
hielten sie das isolierte Ekg. desjenigen Ventrikels, dessen Reizleitungs¬ 
system intakt war. Da nun die beiden Kammern des Herzens den Reiz 
gleichzeitig zugeführt bekommen, jede Kammer jedoch für sich in Er¬ 
regung gesetzt wird, so muß das Ekg., das wir bei der indirekten Ab¬ 
leitung erhalten, die algebraische Summierung der Ekg. beider Kammern 
darstellen. Zu dieser Anschauung hat sich besonders H. E. Hering bekannt 
und in letzter Zeit auch A. Hoffmann und Selenin. 

Die Form des normalen Ekg. unterliegt bei den verschiedenen In¬ 
dividuen großen Schwankungen, und aus diesem Grunde wurde mit der 
Zeit davon Abstand genommen, eine Normalform aufzustellen. So spricht 
auch Nicolai in jüngster Zeit nur noch von einem Ekg.-Kanon; die 
Form, die er für diesen Ekg.-Kanon ausrechnen ließ, zeigt ein bedeuten¬ 
des Überwiegen des positiven Teiles der Initialschwankung über den ne¬ 
gativen. — Wir wollen bei unseren Erörterungen davon absehen, wie weit 
die verschiedenen in betracht kommenden Faktoren Einfluß auf die Form 
des Ekg. haben .können, und uns nur die Frage vorlegen, wie w r eit die 
Hcrzlage die Form des Ekg. beeinflußt. Wenn bis jetzt von dem Einfluß der 



8 


ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND OEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Lage des Herzens auf das Ekg. die Rede war, so wurde stets die Lage des 
ganzen Herzens in betracht gezogen; man sprach von Tropfenherzen, von 
quergestellten Herzen, von Dextroversionen (Situs inversus kommt hierbei 
selbstverständlich nicht in betracht) u. a. m. Man wies nach, daß ein 
Tropfenherz eventl. die gleiche Form des Ekg. zeigt, wie ein quergestelltes 
Herz, ja, daß ein vollkommen in die rechte Brusthälfte hineingezogenes 
Herz, wie es häufig nach in der Jugend überstandenen Pleuritiden zu 
finden ist, denselben Typ des Ekg. aufweisen kann, wie ein vollkommen 
normal gelagertes Herz u. a. m. Aus alle dem wollte man folgern, daß 
das Ekg. nur von sehr zweifelhaftem Werte für die Diagnostik sei, ab¬ 
gesehen für die Allorhythmien. Nie dagegen war die Rede davon, wie 
die verschiedenen Herzkammern, von denen jede ihr eigenes Ekg. besitzt, 
zu den gewöhnlichen Ableitungsstellen liegen. Wir wollen hier nur die 
Ableitung, rechter Arm, linker Arm (Abltg. 1.) berücksichtigen, da gerade 
bei dieser Ableitung fast konstant das für die betr. Krankheit typische 
Bild erhalten wird; doch glaube ich, daß auf Grund meiner Erklärungs¬ 
versuche die Form des Ekg. auch für die übrigen Ableitungen, d. h. die 
Positivität resp. Negativität der Initialschwankung bei diesen, zu deuten 
ist. Normalerweise liegen, wie in Fig. 2 rein schematisch angedeutet ist, 
der rechte Ventrikel nach vorne, der linke Ventrikel nach rückwärts, je¬ 
doch so, daß das Septum ventriculorum nicht in der Frontalebene, son¬ 
dern in einer Ebene steht, die vom Rücken und medianwärts vom An¬ 
satzpunkte des rechten Armes ausgeht und innerhalb der linken Mammillar- 
linie endet, außerdem noch der rechten Brustwand zugeneigt ist, sodaß 
der rechte Ventrikel auf dem Zwerchfell aufruht, der linke Ventrikel da¬ 
gegen den rechten nach oben zu etwas überragt; ferner steht das Septum 
fibrosum atrioventriculare, die Grenze von Vorkammer und Kammer, in 
einer Ebene, die etwas außerhalb des linken Randes der Wirbelkörper 
beginnt und am rechten Sternalrand die Brustwand erreicht. Auch diese 
Ebene ist nicht senkrecht gestellt, sondern nach der linken Brustwand zu 
geneigt. Vergleichen wir nun in Fig. 2 die Entfernung des rechten und 
linken Ventrikels von dem indirekten Ableitungspunkte, dem rechten Arme, 
so sieht man, daß der rechte Ventrikel dem Ableitungspunkte näher liegt, 
als der linke Ventrikel. Wenn nun tatsächlich das Ekg. des Gesamtherzens 
die algebraische Summe der Ekg. der beiden Herzhälften ist, so muß 
notwendigerweise bei normal gelagertem Herzen das Ekg. des rechten Ven¬ 
trikels überwiegen, und wir finden tatsächlich bei den meisten gesunden 
Menschen das Überwiegen des positiven Teiles der Initialschwankung über 
den negativen. Hierbei muß man sich darüber klar sein, daß bei der 
durch den verschiedenen Körperbau etc. bedingten Verschiedenheit der 
Herzlage das Ekg. des einen Menschen nie genau dem eines anderen 
gleichen kann; je nachdem der rechte Ventrikel resp. der linke dem Ab¬ 
leitungsorte näher liegt, wird sich ein Überwiegen des einen oder des 
anderen Kammerekg. in dem Individualekg. ausdrücken. 

Für die Erklärung der pathologischen Ekg. gehen wir auch am besten 
von dem Ekg. selbst aus. Eine negative Initialschwankung wurde bis 
jetzt festgestellt: bei angeborenen Vitien (Pulmonalinsuffizienz, Pulmonal¬ 
stenose, offener Ductus Botalli), bei Trikuspidalinsuffizienz und einem Teil 
der Mitralstenosen; alle diese Vitien haben als gemeinsames die Hyper¬ 
trophie des rechten Ventrikels. 

In einer Arbeit mit F. M. Groedel (Dtsch. Archiv f. klin. Med., 
93) wurde festgestellt, daß bei Hypertrophie des rechten Ventrikels 



o 


ORIGINALE 


9 


im Orthodiagramm der linke Ventrikel bogen nicht vom linken Ventrikel 
allein, sondern vom rechten Ventrikel oder vom linken plus rechten 
Ventrikel gebildet wird; der rechte Ventrikel kann sich bei seiner 
Hypertrophie nicht nach rechts ausdehnen, da er dort den rechten 
Vorhof vor sich her schieben müßte, der durch die Cava inferior 
und superior oben und unten fixiert ist und wohl eine Drehbewegung 
um die Achse der beiden Cavae machen kann, sich aber nicht vom 
rechten Ventrikel wegschieben läßt Die Drehbewegung kann nur so weit 
stattfinden, bis das Herz sich an die Brustwand anpreßt, kann also nur 
geringgradig sein; dagegen findet der rechte Ventrikel Platz sich bis zu 
einem gewissen Grade nach links, speziell aber nach oben links in der 
Richtung der Pulmonalarterie auszudehnen. Hierbei dreht sich nun, wie 
es sich auch aus unserem Falle ergibt, das Herz um seine verschiedenen 
Achsen und verlagert den linken Ventrikel vollkommen nach rückwärts 
(s. Fig. 4). Auch G. F. Nicolai konnte, ebenso wie ich, in einem Falle 
von angeborenem Vitium die geschilderte Herzlage konstatieren. (Brief¬ 
liche Mitteilung.) 



Vergleichen wir diese Herzlage mit der als normal bezeichneten, so 
sehen wir jetzt das Septum ventriculorum vollkommen in die Frontal¬ 
ebene, die Ebene der Atrioventrikular-Grenze in die Sagittalebene einge¬ 
stellt Hierdurch ist der linke Ventrikel dem rechten Arme näher gerückt 
worden, der rechte Ventrikel hat sich dagegen vom rechten Arme entfernt 
Es wird bei der Summation der Kammerekg. das Ekg. des linken Ven¬ 
trikels, der jetzt dem Ableitungspunkte näher liegt, über das des rechten 
Ventrikels überwiegen, und wir erhalten somit in Fällen von Hypertrophie 
des rechten Ventrikels das Ekg. des linken Ventrikels. 

Fragen wir uns ferner, bei welchen Vitien, resp. sonstigen Kreislaufs¬ 
erkrankungen, wir eine positive Initialschwankung finden; es ist dies der 
Fall bei den Erkrankungen der Aortenklappen, der Sklerose der großen, 
spez. aber der kleinen Blutgefäße und der Schrumpfniere. 

Bei allen diesen Erkrankungen finden wir eine Hypertrophie des 
linken Ventrikels; der linke Ventrikel hat seine leichteste Ausdehnungs¬ 
möglichkeit nach links vorne; nach rechts hinten würde er den rechten 
Vorhof gegen die Wirbelsäule und die dort herabziehenden Gebilde an¬ 
pressen; nach rechts vorne kann er sich nur so weit vorschieben, bis er 
den rechten Ventrikel an die Brustwand anpreßt. Hierbei wird das Herz 
um die Cava-Achse, soweit dies eben möglich ist, gedreht (s. Fig. 3). Es 
wird in noch weit höherem Maße als bei normal gelagertem Herzen der 
rechte Ventrikel gegenüber dem linken Ventrikel dem rechten Arme ge¬ 
nähert, und das Ekg. der rechten Kammer wird bei der algebraischen 
Summe überwiegen, d. h. das Resultat ergibt eine stark positive J-Zacke. 
Wir erhalten somit bei Hypertrophie des linken Ventrikels in der Haupt¬ 
sache das Ekg. des rechten Ventrikels. 

Es bleibt uns nun noch das Ekg. der Mitralinsuffizienz übrig, sowie 
diejenigen Ekg. bei Mitralstenosen, die eine positive Initialschwankung 



10 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


haben. Bei der Mitralinsuffizienz haben wir eine Hypertrophie beider 
Ventrikel, außerdem eine ziemliche Hypertrophie des linken Vorhofes; 
es arbeiten sich somit die beiden Ventrikel bei der Hypertrophie ent¬ 
gegen und außerdem verhindert der hypertrophierte linke Vorhof eine zu 
starke Drehbewegung des Herzens von rechts nach links durch den rechten 
Ventrikel. Das Resultat ist derartig, daß in vielen Fällen beide Ventrikel 
gleich weit vom Ableitungspunkte, dem rechten Arme, entfernt sind, und 
das Ekg. der Mitralinsuffizienz muß demnach das Ekg. der beiden 
Kammern in gleichem Maße aufweisen, d. h. die Initialschwankung muß 
halb positiv, halb negativ sein, wie es sich auch tatsächlich in den meisten 
Fällen ergibt. Zum Schluß noch diejenigen Fälle von Mitralstenose, bei denen 
die Initialschwankung positiv ist. Ebenso wie bei der Mitralinsuffizienz hyper- 
trophiert auch bei der Mitralstenose der linke Vorhof, während bei allen 
anderen Klappenerkrankungen mit isolierter Hypertrophie des rechten Ventri¬ 
kels noch eine Hypertrophie des rechten Vorhofes vorhanden ist, die die Dreh¬ 
bewegung des Herzens nach links unterstützt. Je nach dem Grade der Hyper¬ 
trophie und der Herzlage, vor Akquirierung der Krankheit, wird der hyper¬ 
trophische linke Vorhof der Drehbewegung durch den hypertrophierten rechten 
Ventrikel einen gewissen Widerstand entgegensetzen; außerdem aber finden 
wir die Mitralstenose in den seltensten Fällen als reinen Klappenfehler; 
meistens ist damit eine, wenn auch auskultatorisch schwer nachweisbare 
Mitralinsuffizienz verbunden; je nach dem Grade der Mitralinsuffizienz 
erhalten wir dann die mehr positive oder mehr negative Initialschwan¬ 
kung; auf alle Fälle ist diese immer niedrig und wird in selteneren 
Fällen absolut negativ. 

Auf Grund dieser Ausführungen möchte ich folgende Zusammen¬ 
fassung aufstellen: 

Das bei der indirekten Ableitung (rechte Hand, linke Hand), er¬ 
haltene Ekg. des Menschen ist die algebraische Summe der beiden 
Kammerekg. 

Die Form dieses Ekg. hängt ab von der Lage der einzelnen Kam¬ 
mern zu den Ableitungspunkten. 

Da bei den einzelnen Kreislaufsstörungen immer bestimmte Ab¬ 
schnitte des Herzens in Mitleidenschaft gezogen werden, so muß bei 
jeder Kreislaufserkrankung das Herz, resp. der rechte und linke Ventrikel 
infolge der eintretenden Formveränderungen eine bestimmte Lage ein¬ 
nehmen. Hierdurch entstehen für gleiche Erkrankungen immer die 
gleichen Bedingungen für die Ableitung des Ekg. und somit für jede 
Erkrankung ein typisches Ekg. Diese Typen sind von einer Reihe von 
Autoren immer wieder erkannt worden und konnten auch von mir an 
einem Material von mehreren tausend Kurven festgestellt werden. 

Entspricht bei einer durch physikalische Methode diagnostizierten 
Kreislaufstörung das Ekg. dem Typ derselben nicht, so weist dies darauf 
hin, daß neben der diagnostizierten Erkrankung noch eine andere Ur¬ 
sache für die Kreislaufstörung besteht, vorausgesetzt, daß die Diagnose 
richtig war und nicht Bildungsabnormitäten an der Veränderung des be¬ 
treffenden Elektrokardiogrammtypus Schuld sind. 

Es ist somit das Ekg. bei allen Kreislaufstörungen, nicht nur, wie 
behauptet wurde, bei tien Allorhvthmien allein, von großem diagnostischen 
Werte. 




O RjEFERATE 11 

Referate. 

L Niraale ml pathologische Aiatinic und Histologie. 

Oppenheimer, B. S. and Oppenheimer, Adele. Nerve fibrils 
in the sino-auricular node. (Joum. of exper. med. 16, 613, 1912.) 

Die Verff. untersuchen mit Hilfe der vitalen Methylenblaufärbung 

die nervösen Elemente des Sinusknotens beim Schwein, Schaf, Kalb, 

Ochsen, Hund und auch beim Menschen. Im Herzen des Menschen, 
des Hundes und der Huftiere treten Zweige der subepikardialen Nerven 
in die Muskulatur des Knotens ein; außerdem findet man, besonders 

beim Schwein, Schaf, Ochsen und Kalb im Sinusknoten einen Plexus von 
Nervenfasern, ähnlich wie im Atrio-Ventrikularbiindel. Auffallend ist, 
daß im Sinusknoten des Menschen und Schweines nur wenige, in den 
Herzen der übrigen untersuchten Spezies gar keine Ganglienzellen zu 
finden waren. Nach den innigen Beziehungen, welche zwischen den 
Nerven- und Muskelfasern bestehen, ist der Sinusknoten vom histologischen 
Standpunkt als neuromuskuläres Organ zu bezeichnen. 

J. Rothberger (Wien). 

Stuckey, M. W. Ober die Veränderungen der Kaninchenaorta bei 
der Fütterung mit verschiedenen Fettsorten. (Zentralbl. f. allg. Path. u. 
path. Anat. 23, 20.) 

In Fortsetzung seiner früheren Untersuchungen fütterte St. Kanin¬ 
chen mit verschiedenen Fettsorten (Ochsenfett, Leberthran, Sonnenblumen¬ 
samenöl, Ochsenhirnsubstanz) und kam zu folgendem Ergebnis: Nach 
zwei Monaten fanden sich keinerlei Gefäßveränderungen. Nach 4 Monaten 
zeigten nur die Tiere, die mit Hirnsubstanz gefüttert waren, Veränderungen 
an der Aorta, die identisch waren mit den vom V. früher durch Eigelb 
hervorgerufenen; die Aorta zeigte kleine gelblich weiße Verdickungen. 
Die Lipoide der Hirnsubstanz wirken analog denjenigen des Eigelbs; auf 
die Ernährung und das Wachstum der jungen Tiere wirken sie günstiger 
als die übrigen gebrauchten Fette. Schönberg (Basel). 

Schwarz, Friedr. Zur Kasuistik und Entstehung der Aneurysmen 
des Sinus Valsalvae aortae dexter. (Dissertation, Erlangen 1912, 31 S.) 

1. Die Aneurysmen des Sinus Valsalvae aortae sind selten, vielleicht 
weil bei der Art der Ausbreitung der allgemeinen Arteriosklerose der 
größte Teil des Sinus von Veränderungen verschont bleibt. 2. Unter den 
drei Sinus ist der rechte sowohl durch seine dünne Wand, wie durch 
seine topographische Lage zu Schädigungen der Wand und deshalb zur 
Aneurysmenbildung prädisponiert. 3. Die wichtigste Bedingung zur Ent¬ 
stehung des Aneurysmus ist die Wandschädigung, die zum größten Teil 
durch atherosklerotische, zum kleineren durch endokarditische Prozesse 
verursacht ist. Eine große Rolle in der Ätiologie der Aneurysmen des 
rechten Sinus spielt die Lues. 4. Unterstützend bei der Entstehung können 
wirken Blutdrucksteigerung und vielleicht Traumen. 5. Der Weg der 
typischen Aneurysmen des rechten Sinus geht nach abwärts zum rechten 
Ventrikel und Ventrikelseptum. 6. Bestimmend für den Weg ist die 
diastolische Rückstoßwelle, die sowohl bei der Entstehung wie bei der 
Ausbreitung die Richtung gibt und die Aneurysmen des rechten Sinus 




12 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


so als diastolisch entstandene kennzeichnet 7. Klinisch treten die Aneu¬ 
rysmen des rechten Sinus in Erscheinung durch Druck auf die Um¬ 
gebung, durch Verengerung des Ventrikellumens, durch Aorteninsuffizienz 
und schließlich durch die Perforation. Fritz Loeb (München). 

Ca 11 well, W. Aneurysm of the anterior cusp of the mitral valve 
in a case of staphylococcal endocarditis. (British Bed. Journal 2701, 840, 
1912.) 

Septische Endokarditis (Staphylokokkenreinkultur aus dem Blute ge¬ 
züchtet) bei einem 16 j. Burschen. Eingangspforte nicht aufgedeckt Er¬ 
folglose Vaccinebehandlung. Bei der Autopsie fanden sich Verdickung 
der Aortenklappen, Auflagerungen auf der hinteren und eine aneurysma¬ 
tische Ausbuchtung der vorderen Mitralklappe gegen den Vorhof zu. Der 
Aneurysmasack war zum Teil von Blutgerinnseln erfüllt. In der Milz 
fand sich ein Abszess, der Staphylokokken in Reinkultur enthielt. 

S. Kreuzfuchs (Wien). 

Steinmeier, A. Anenrysma spurium bei Aortitis syphilitica. (Diss. 
Götti ngen, 1912.) 

Ausführliche, klinische wie anatomisch-histologische Beschreibung eines 
eigenartigen Falles, bei dem es nach Bildung eines großen, scharfrandigen, 
wie ausgestanzt aussehenden, kreisrunden Substanzverlustes in der Aorten¬ 
wand zu einem Aneurysma spurium gekommen war, welches sich derartig 
in den Ausgangsteil des rechten Ventrikels vorwölbte, daß es zu einer 
Pulmonalstenose und durch Verwachsung zweier Klappen mit dem vor¬ 
gewölbten Tumor auch zu einer Pulmonal-Insuffizienz kam. Daneben 
bestanden Aortenveränderungen, wie sie zuerst von Döhle und der 
Heller'schen Schule beschrieben wurden und den sicheren Schluß auf 
eine stattgehabte luetische Infektion zulassen. Die Heller’sche Aortitis 
führt in seltenen Fällen nicht nur zu einer partiellen Herabsetzung der 
Widerstandskraft der Gefäßwand, sondern durch den Zerfall größerer 
Gummen auch zu einer völligen Zerstörung der Wand und damit zur 
Perforation, resp. zum Aneurysma spurium. 

Die Arbeit ist illustriert durch zwei sehr gute Photogramme. Auf 
dem einen sieht man den Tumor sich direkt unter den Pulmonalklappen 
in den Ausgangsteil des Ventrikels vorwölben. Auf dem anderen ist die 
höckerig-runzlige Beschaffenheit der Innenfläche der Aorta deutlich er¬ 
kennbar. Über der Semilunarklappe sieht man den scharf randigen, kreis¬ 
runden Defekt in der Aortenwand, der sehr an die Bilder erinnert, die 
durch zerfallende Gummen des weichen Gaumens und der Haut hervor¬ 
gerufen werden. Es ist an dieser Stelle eben nicht, wie in den miliaren 
Gummen in den übrigen Teilen der Aorta zu einer bindegewebigen Um¬ 
wandlung gekommen, sondern zu einem käsigen Zerfall. Die einzelnen 
Stücke wurden dann allmählich vom Blutstrom fortgeschwemmt und das 
Blut wühlte sich teils in das umgebende Gewebe ein, teils buchtete es 
dasselbe vor. H. Netter (Pforzheim). 

Gifford, A. H. Aneurysm of the snperior mesenteric artery with 
rupture. (British Med. Journal 2687, 1478, 1912.) 

Mitteilung eines Falles von Aneurysma der Arteria mesenteriea superior 
und der Aorta mit Ruptur in die Bursa omentalis. Es bestanden Schmerzen 
im Epigastrium und es ließ sich daselbst ein orangengroßer, pulsierender, 




REFERATE 


13 


unverschieblicher Tumor nachweisen. Bei der Obduktion fand man ein 
spindelförmiges Aneurysma der Aorta an der Ursprungsstelle des Truncus 
coeliacus und ein Aneurysma ani Beginne der Arteria mesenterica Superior, 
das in die Bursa omentalis durchgebrochen war. Durch das Foramen 
Winslowii hat sich das Blut teilweise in die Peritonealhöhle ergossen. 

S. Kreuzfuchs (Wien). 

Quednau, Emil. Beitrag zur Kenntnis der ausgedehnten Throm¬ 
bose der Aorta thoracica und der Arteria meseraica superior mit ihren 
Asten. (Elisabethkrankenh. u. path. Inst. Königsberg. Dissertation. Königs- 
• berg 1912.) 

Ausgedehnte Aortenthrombose ist sehr selten. Bisher 20 Fälle be¬ 
kannt Vorliegender Fall besonders bemerkenswert wegen der im Titel 
genannten Komplikation. Betrifft eine 32 jährige Frau. Mit Diagnose 
Appendicitis acuta operiert. Exitus. Sektion ergibt außer dem Titel¬ 
befund Lungentuberkulose, beginnende eitrige Peritonitis, Obliteration des 
Proc. vermif. Pleuraadhaesionen, Niereninfarkte. Die Aortenwand zeigt 
nirgends schwerere Veränderungen. An der Anheftungsstelle des Thrombus 
verschiedene linsengroße, gelbe, etwas erhabene Flecken. Vielleicht ätiolo¬ 
gischer Zusammenhang mit der kavernösen Lungenphthise. Vielleicht 
tuberkulöse Erkrankung der Aortenintima. — Verf. führt aus der Literatur 
3 Fälle an, in welchen wie im vorliegenden auf Grund einer falschen 
Diagnose operiert wurde, Fritz Loeb (München). 

Levy-Franckel (Paris). Pathogenie et anatomie pathologique de 
I’aortite chronique et de l’athlrome infantiles. (Arch. Mal. du Coeur. 
Oct. 1912.) 

Anatomisch findet man bei Kindern sowohl Arteriitis, als auch Atherom, 
welche ätiologisch meist durch Syphilis bedingt sind; als andere Infektions¬ 
krankheiten kommen Rheumatismus und Chorea, Tuberkulose, Skarlatina, 
Typhus abdominalis in Betracht, sowie Intoxikationen durch Alkohol — Bier 
in einem Falle Chiaris — und Autointoxikation bei Thyro'idinsuffizienz 
(Haushalter et Jeandelize) und bei Nephritis. Die Einzelheiten der 
anatomischen Befunde des Verfassers, welche mit den schon beschriebenen 
Fällen meist übereinstimmen, mögen im Original nachgelesen werden; er 
hat deren 11 studiert und den 34 in der Literatur bestehenden hinzu¬ 
gefügt A. Blind (Paris). 


II. Plysiolsgii nd ixucrimntelli Patholioii. 

Einthqven, W. Ober die Deutung des Elektrokardiogramms. 
(Pflüger’s Arch. 149, 65, 1912.) 

Verf. beginnt mit den Entstehung eines monophasischen und eines 
diphasischen Aktionsstroms und kritisiert dann die zur Erklärung des 
Ekg. ersonnenen Theorien von Eppinger und Rothberger, Gotc.h 
und Nikolai; auch die neue Nomenklatur Nicolai's wird abgelehnt, 
da weder R als Initialzacke, noch T als Finalschwankung bezeichnet 
werden kann; man findet nämlich auch bei Gesunden häufig nach T 
noch eine Zacke U. Bezüglich der eigenen Erklärung des Ekg. greift 
Verf. auf seine schon vor Jahren gegebene Deutung zurück, welche mit 
den physikalisch-physiologischen, sowie mit den anatomischen Tatsachen 


14 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


übereinstimmt und, wie in einem Nachtrage erwähnt wird, durch die 
unter Garten’s Leitung ausgeführten Untersuchungen von Clement 
bestätigt worden ist. Das Wichtigste dabei ist die Annahme, daß die 
Zackengruppe Q, R, S durch die fast gleichzeitige Erregung der ganzen 
Kammermuskulatur entsteht; die nahezu horizontale Strecke von S bis T 
entspricht dem Verharren im Zustande der Kontraktion; die Nachschwan¬ 
kung beruht darauf, daß die rechte Herzhälfte länger kontrahiert bleibt 
als die linke. Wichtig ist ferner die Annahme, daß die Zacke Q bezw. 
R und der erste Herzton auf demselben Vorgänge beruhen, obwohl eine 
Zeit von 0.3 Sek. dazwischenliegt. Im Anschlüsse an die Erwähnung 
der vorläufig unerklärlichen Tatsache, daß die horizontale Strecke zwischen 
P und R etwas tiefer liegen kann als die Strecke zwischen T und P, be¬ 
merkt Verf., daß man auf die Deutung des Ekg. kein allzugroßes Ge¬ 
wicht legen soll. J. Rothberger (Wien). 

Leontowitsch, A. Elektrokardiogrammstudien über die Wirkung 
der Ca-Salze der Ringer’schen Lösung auf das Herz. (Beitrag zur Bedeu¬ 
tung der T-Zacke des Elektrokardiogramms.) (Pflüger’s Arch. 147, 
473, 1912.) 

Verf. versucht am herausgeschnittenen Froschherzen mit Hilfe des 
Elektrokardiogramms den geeigneten Ca-Gehalt der Ringer’schen Lö¬ 
sung festzustellen und findet, daß der Zusatz von 6 ccm der 5 % Lösung 
auf 1 Liter das normale E. K. am besten erhält. Durch Variation der 
zugesetzten Ca-Menge lassen sich jedoch alle' möglichen Ekg.-Formen 
darstellen, welche näher beschrieben werden. Der auf diese Weise zu¬ 
standekommende Übergang einer normalen Nachschwankung in große 
diphasiche Schwankungen soll auf die genetische Zusammengehörigkeit 
dieser Erscheinungen hinweisen. Eine Verkürzung der Dauer der R-Zacke 
wird als Ca-Wirkung beschrieben. (Die Kritik der gewonnenen Kurven 
und die Technik der Aufnahmen lassen viel zu wünschen übrig. Das 
vom Verf. beschriebene ..elektrische Flimmern des Herzens", ein «sonder¬ 
bares Zittern der Galvanometersaite'' bei regelmäßig schlagendem Herzen, 
ist wohl ebensowenig ernst zu nehmen, wie die »elektrischen Krämpfe 
vom R-Typus". Ref.) J. Rothberger (Wien). 

He gl er, C. Ober postmortale Elektrokardiogramme. (Biolog. Ver¬ 
ein Hamburg. Sitzung am 15. Oktober 1912.) 

Unter Hinweis auf seine im Dezember 1911 im biologischen Verein 
Hamburg demonstrierten Elektrokardiogramme von 1—2 Stunden zuvor 
abgestorbenen Feten wird eine Reihe von Kurven projiziert, aus denen 
sich ergibt, daß nicht blos beim Fetus, sondern auch beim Erwachsenen 
keineswegs mit dem Zeitpunkt des klinisch festgestellten Todes auch sofort 
der im Elektrokardiogramm verzeichnete Aktionsstrom aufhört. Vielmehr 
dauert derselbe mehrere Minuten, ja bis zu % Stunde (bei Feten bis 
2 1 /* Stunden) noch fort und liefert teils ziemlich normale, nur sehr ver¬ 
langsamt sich folgende Ausschläge, teils stark veränderte Elektrokardiogramme. 
Ein gesetzmäßiges Verhalten, etwa regelmäßiges früheres Aufhören der 
Vorhofszacken gegenüber dem Ventrikelkomplex, oder sich steigernde 
Dissoziation konnte Vortragender ebenso wenig feststellen, wie Robinson, 
der kürzlich (Journal of experim. med. 16, 291) ähnliche Re¬ 
sultate veröffentlichte. Prinzipiell wichtig ist die aus solchen Beobach¬ 
tungen mit besonderer Deutlichkeit sich ergebende Inkongruenz von 
mechanischer Tätigkeit und elektrischem Geschehen. (Autorreferat.) 



O REFERATE 15 


Hering, H. E. (Prag). Die Lokalisation im Herzen. (Wiener kl. 
Wschr. 40, 1912.) (In Vortragsform.] 

Nach einem historischen Überblick über die Entwicklung unserer 
Kenntnisse von der Anatomie, Physiologie und Pathologie der Herz¬ 
bewegung weist Vf. hin auf die Wichtigkeit der Untersuchung auch des 
extrakardialen Herznervensystems, da wir allein mit Hilfe unserer rein 
kardialen klinischen (graphischen) Methoden nicht erkennen können, ob 
die jeweilige pathologische Ursache abnormaler Herzaktion an den spezi¬ 
fischen Muskelsystemen selbst oder an dem sie innervierenden extra¬ 
kardialen Nervensystem ihren Angriffspunkt hat. Zur Differenzierung 
schlägt Heri'ngvor, in einschlägigen Fällen insbesondere den Dehio’schen 
Atropinversuch, sowie den Czermak’schen Vagusdruckversuch niemals zu 
unterlassen. Hinweis auf eigene derartige Untersuchungen, u. a. Er¬ 
wähnung eines Falles, bei dem die Vorhofsfrequenz bei Atropin- und 
Vagusdruckversuch sich so gut wie gar nicht änderte, d. h. bei dem der 
Vagus auf die nomotope Reizbildungsstelle (Sinusknoten) keinen Einfluß 
hatte. »Es hatte also in diesem Falle diese Stelle eine pathologische 
Änderung erfahren in dem Sinne, daß der Vagus nicht mehr auf sie ein¬ 
wirkte; damit hing scheinbar auch die vorhandene Vorhofstachysystolie 
zusammen, die auch durch Digitalis nicht beeinflußt wurde, während 
letztere die Überleitungsstörung verstärkte.“ — Experimentelle und klinische 
Feststellung, daß Vaguserregung einen Extrasystolen-fördernden Einfluß 
hat. Zusammenfassend betont Flering, daß die extrakardialen Herznerven 
einen wesentlichen, aber oft nur koeffizienten (mitwirkenden) Einfluß auf 
Herzstörungen besitzen. Die feinere Lokalisation im Herzen hat also 
auch praktische Bedeutung dadurch, daß nervöse Herzstörungen durch 
die neueren Untersuchungsmethoden als solche erkannt werden können. 

E. Stoerk (Wien). 

Hering, H. E. (Prag). Zur Theorie der natürlichen Reizbildung im Herzen 
und ihrer Beziehung zur Reaktionsfähigkeit (Pflüger’s Arch. 148, 608, 1912.) 

Verf. nimmt im Gegensätze zu Th. W. Engel mann an, daß die Reiz¬ 
bildung rhythmisch erfolgt; dieselbe ist unabhängig von der Reaktions¬ 
fähigkeit, beide ändern sich aber unter normalen Verhältnissen im allge¬ 
meinen gleichsinnig; doch wird durch Auslösung jeder Systole das Herz 
vorübergehend reaktionsunfähig gemacht. Das Tempo der rhythmischen 
Reizbildung wird auf dem Blutwege und dem extrakardialen Reflexwege, 
nicht aber rückläufig auf dem Leitungswege durch das Herz selbst regu¬ 
liert. Die normale Systole beeinflußt nicht den Ort der Reizbildung, von 
dem sie ausgegangen ist; nur Extrasystolen können auf dem Wege des 
Leitungsreizes die normale Reizbildung beeinflussen; dasselbe gilt umge¬ 
kehrt für die Interferenz zwischen dem normalen Leitungsreiz und der 
abnormen Reizbildung. Der Reizbildung und der Reaktionsfähigkeit 
liegen koordinierte Vorgänge zugrunde, beiden kommt für das Zustande¬ 
kommen der Systole die gleiche Bedeutung zu. Verf. nimmt ferner an, 
daß die Ursprungsreize — u. z. sowohl die normalen, als auch die 
heterotopen bei atrioventrikulärer Automatie — Schwellenreize von unge¬ 
fähr gleicher Stärke sind und daß nur ihre Bildungsgeschwindigkeit 
variiert. Es ist nicht notwendig, anzunehmen, daß bei rascherer oder 
langsamerer Schlagfolge sich die Stärke der Reize ändert. Die Über¬ 
legungen des Verf. werden zum Schlüsse noch einmal als »Herztheorie" 
kurz zusammengefaßt. J. Rothberger (Wien). 



16 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Hering,H.E.(Prag). Die Reizbildongsstellen dersupraventrikulären Ab¬ 
schnitte des Säugetierherzens und des menschlichen Herzens. (Pflügers 
Arch. 148, 169, 1912.) 

Verf. bringt zunächst die von der rechten Aurikel eines wiederbe¬ 
lebten Menschenherzens gewonnenen Suspensionskurven, welche die nach 
operativen Eingriffen auftretenden Veränderungen in der Schlagfolge 
zeigen. Koch hatte dieses Herz histologisch untersucht und daran 
physiologische Bemerkungen geknüpft, gegen welche Verf. Stellung nimmt; 
ferner betont er, daß die Orte der histologisch-spezifischen Knotenstellen 
als die Hauptreizbildungsstellen des Säugetierherzens zu betrachten sind, 
daß es aber außer diesen Knotengegenden noch andere automatisch tätige 
Stellen im rechten Vorhofe gibt. Man. kann im allgemeinen den Kopf¬ 
teil des Sinusknotens als den Ausgangspunkt der normalen Ursprungs¬ 
reize ansehen, aber der allmähliche Übergang der Ausläufer des Sinus¬ 
knotens in die gewöhnliche Vorhofsmuskulatur läßt es unentschieden, wo 
die Funktion der Reizbildung aufhört. J. Roth b er ge r (Wien). 

Erlanger, I. Sinns Stimulation as a factor in the regnrgitation of 
the heari (Journ. of exper. med. 16, 452, 1912.) 

Das nach Chloroforminhalation oder Asphyxie stillstehende Hunde¬ 
herz kann leichter wiederbelebt werden, wenn außer der Massage die 
Sinusgegend faradisch gereizt wird. Dort, wo Herzmassage allein un¬ 
wirksam war, trat der Erfolg nach der kombinierten Behandlung auf. Es 
ist dabei ziemlich gleichgültig, ob. die Vorhöfe durch den faradischen 
Reiz zu koordinierten Schlägen oder zum Flimmern gebracht werden. 
Manchmal besteht im ersten Stadium der Wiederbelebung zunächst voll¬ 
ständiger Block, die Kammern schlagen langsam, automatisch; aber bald 
wird die Leitung zwischen Vorhöfen und Kammern wieder hergestellt und 
die Herzaktion bessert sich zusehends. Aber auch dann kann wiederholte 
Reizung der Sinusgegend noch wohltätig wirken, indem dadurch der 
Wiederanstieg des Blutdruckes beschleunigt wird. Die Reizung der Sinus¬ 
gegend kann auch ohne Eröffnung des Thorax ausgeführt werden, indem 
man eine gebogene, -zur Reizung adaptierte Sonde durch die Brustwand 
einsticht Die Gefahr, dabei Herz oder Lunge zu verletzen oder durch 
unrichtige Orientierung die Ventrikel zum Flimmern zu bringen, ist 
gering. Die Methode ist wahrscheinlich auch am Menschen anwendbar. 

J. Rothberger (Wien). 

Lewis, Th. Fibrillation of the anrides: its effects upoa the dr- 
cnlation. (Journ. of exp. med. 16, 395, 1912.) 

70% aller Fälle von Unregelmäßigkeit des Herzschlages beruhen 
auf Vorhofflimmern; die durch dasselbe bedingten Störungen des Kreis¬ 
laufes studiert Verf. an 5 Hunden und 37 Katzen. Flimmern wird durch 
faradische Reizung der Vorhöfe erzeugt, wobei der Thorax nach Anlegung 
der Elektroden wieder geschlossen wird. Der arterielle Druck fällt meist, 
es kommt aber auch vor, daß er unverändert bleibt oder ansteigt; bald 
aber paßt sich der Kreislauf den geänderten Bedingungen an und der 
Druck kehrt zur Norm zurück. Der Druck in den Venen (femoralis) 
ändert sich im entgegengesetzten Sinne, zeigt aber nur geringe Schwan¬ 
kungen. Das Stromvolum und das Schlagvolum des Herzens ändern sich 
gleichsinnig mit dem arteriellen Druck. Die Erklärung liegt offenbar in 
der Beschleunigung der Kammerkontraktionen, infolge des Vorhofflimmerns. 




D 


REFERATE 


17 


Verf. zieht daher zum Vergleich Tachykardie bei normaler Sukzession 
heran, indem er den rechten Vorhof rhythmisch reizt. Es zeigt sich 
dabei, daß gleichstarke regelmäßige und die unregelmäßige Beschleu¬ 
nigung in ungefähr gleichem Maße den Druck zum Sinken bringen, doch 
ist die Flimmer-Arhythmie fast immer etwas wirksamer (die in Betracht 
kommende Beschleunigung geht bis 180—330 pro Min.), da eine große 
Reihe von Schlägen keine Wirkung auf den Druck üben können. Der 
Ausfall der Vorhofsvstolen beim Flimmern kann nicht das Ausschlag¬ 
gebende sein, weil bei den hohen Graden regelmäßiger Tachykardie die 
As auf die vorangehenden Vs fallen, also auch unwirksam sind. Es 
kommt vielmehr fast ausschließlich, insbesondere für die Schwankungen 
des Druckes die Beschleunigung der Kammerschläge in betracht, von 
•denen bei den höheren Graden der Tachykardie viele effektlos bleiben; 
sowie die Tachykardie nachläßt, steigt der Druck. Das Herzvolum nimmt 
sowohl bei der regelmäßigen, wie bei der Flimmertachykardie ab, solange 
die Herzaktion nicht ungenügend wird. J. Rothberger (Wien). 

Ritchie, W. T. The action of the vagus on the human heart 

(The Quarterly Journal of Medicine 6 , 47, 1912.) 

»Die Wirkung der Vagi auf das menschliche Herz ist eine ganz 
ähnliche wie die der Vagi auf das Herz der -anderen Säugetiere. Kom¬ 
pression des rechten Vagus kann die Zahl und die Stärke der Vorhof¬ 
schläge herabsetzen, die Vorhofsystole verlängern, und kann die Ober¬ 
leitungsfähigkeit des Atrio-Ventrikularbündels herabsetzen. Die hemmende 
Wirkung des Vagus auf den Vorhof des Menschen stellt sich ganz all¬ 
mählich ein und schwindet gewöhnlich auch allmählich, auch wenn die 
Kompression noch anhält. Kompression des rechten Vagus vermochte 
nicht die Erregbarkeit des im Zustande der fibrillären Kontraktion oder 
des Flimmerns befindlichen Vorhofmuskels des Menschen herabzusetzen. 
Herabsetzung der Überleitungsfähigkeit bildet wahrscheinlich einen wich¬ 
tigen Faktor bei der Erzeugung des Flimmerns im Herzen des Menschen, 
ln drei Fällen vollständiger atrio-ventrikulärer Dissoziation hatten die 
Vagi keinen sichtlichen Einfluß auf die Ventrikel. Bei Herzen mit nor¬ 
malem Rhythmus und guter Überleitungsfähigkeit des Atrio-ventrikular- 
bündelsystems kann die Kompression des Vagus die Zahl und die Stärke 
der Ventrikelkontraktionen herabsetzen, in selteneren Fällen auch die Dauer 
der Ventrikelsystole verlängern. Die Herabsetzung der Ventrikelschläge 
ist gewöhnlich dem Grade der Verlangsamung der Vorhofschläge pro¬ 
portional. 

In manchen Fällen entziehen sich die Vorhöfe der Vagushemmung 
früher als die Ventrikel. Extrasystolen können während des Ausfalles der 
Vagushemmung. auftreten. 

Die hemmende Wirkung der Kompression des linken Vagus ist in 
der Regel geringer als die der Kompression des rechten Vagus und die 
Wirkung der letzteren ist fast genau der Wirkung des Atropins entgegen¬ 
gesetzt." S. Kreuzfuchs (Wien). 

Angyan, I. v. Der Einfluß der Vagi auf die automatisch schlagende 
Kammer (auf den idio-ventrikuliren Rhythmus). Aus der Kardiographischen 
Abteilung der Univ. College Hosp. med. School in London. (Pflüger’s 
Arch. 149, 175, 1912.) 

Lewis und Mathison hatten gefunden, daß man bei Katzen alle 



18 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Stadien von Herzblock durch Asphyxie erzeugen kann; Verf. prüft nun an 
8 Tieren, bei welchen nach der Wiedereinleitung der künstlichen Atmung 
der Block vorüberging, die Wirkung der Vagi während der Dissoziation. 
Den Tieren wurde die Medulla durchschnitten, der Thorax jedoch nicht 
eröffnet, sondern nur das Elektrokardiogramm bei Abteilung II aufge- 
nomnien. Verf. fand nun, daß die Vagusreizung bei komplettem Block 
gewöhnlich eine allmähliche Verlangsamung der Kammerschläge zufolge 
habe; diese tritt sofort ein, meist aber erst 1—IV 2 Sek. nach Beginn der 
Reizung, um erst nach dem Ende derselben ihren Höhepunkt zu er¬ 
reichen. Auch vollständiger Stillstand bis zu 4 Sek. kommt vor. Dabei 
fanden sich keine Unterschiede zwischen den beiden Vagis. Verf. schließt 
aus seinen Versuchen, daß die natürliche Reizerzeugung im „Schritt¬ 
macher“ der automatisch schlagenden Kammer dem hemmenden Einfluß 
beider Vagi unterworfen sei; die meisten Vagusfasern verlaufen im His’- 
schen Bündel. Wird durch Zerstörung dieses letzteren die Kammer- 
automatie erzeugt, so muß die Vagusreizung wirkungslos sein. Als 
Nachwirkung der Vagusreizung tritt Abschwächung bezw. Aufhebung des 
Herzblocks auf. Während ferner beim künstlich geatmeten Tiere die 
Vagusreizung häufig von atypischen Kontraktionen begleitet ist, trifft man 
diese niemals an, wenn man im asphyktischen Block den Vagus reizt; 
dementsprechend ist auch die Verlangsamung im letzteren Falle oft 
größer als beim normal geatmeten Tiere. J. Rothberger (Wien). 

E i n t h o ve n, W. und W i e r i n ga. Ungleichartige Vaguswirkungen auf 
das Herz, elektrokardiographisch untersucht. (Pflüger’s Arch. 149, 48, 1912.) 

Verf. beschreibt bei morphinisierten Hunden verschiedene Grade 
zentraler Vagusreizung; diese äußert sich in Verkleinerung der Vorhofs¬ 
zacke und der Nachschwankung, Bradykardie oder verschiedenen Graden 
von Überleitungsstörung bis zu vollständiger Dissoziation. Bei dieser 
kommen häufig atypische Kontraktionen vor, welche Verf. durch Hemmung 
in einem Tawara’schen Schenkel erklärt. Alle diese, nach Morphin auf¬ 
tretenden Veränderungen der Herztätigkeit lassen sich sofort aufheben, 
wenn man das Vaguszentrum durch große Dosen Morphin (ca. 1 gr.) 
lähmt, oder die Vagi durchschneidet, oder endlich ihre Endigungen im 
Herzen durch Atropin unerregbar macht. Zur Erklärung der beschriebenen 
Erscheinungen nimmt Verf. an, daß der Vagus nicht nur Fasern zu den 
Vorhöfen und zum Ta wara’schen Knoten abgebe, sondern auch zu den 
beiden Schenkeln des Reizleitungssystems. J. Rothberger (Wien). 

Clark, A. J. The influence of the ions upon the action of digitalis. 

(Proceed. Royal Society 5, Therapeut. Section, 181.) 

Versuche an isolierten Froschherzen nach einer von Hartung an¬ 
gegebenen von Clark modifizierten Durchströmungsmethode. 

Resultate: 1. Die Wirkung des Digitoxins hängt ganz von der Kon¬ 
zentration des Mittels ab, außer es werden nur sehr kleine Flüssigkeits¬ 
mengen verwendet. 

2. Das Digitoxin und das Strophantin haben keine diastolische Wirkung 
auf das durchströmte Froschherz. 

3. Bei der Einwirkung des Digitoxins und des Strophantins auf das 
Froschherz werden nun geringe Mengen absorbiert, doch ist die Menge 
keine so geringe, als daß die Möglichkeit einer chemischen Verbindung 
dieser Mittel mit dem Herzmuskel ausgeschlossen wäre. 



D REFERATE 19 

4. Die systolische Wirkung des Digitoxins auf das Froschherz hängt 
von dem Vorhandensein von Kalzium ab. 

5. Verringerung des Kalkgehaltes der Ringerlösung verringert die 
systolische Einwirkung des Digitoxins. 

6. Die Anwesenheit eines Überschusses von Alkali oder das Fehlen 
von Kalium erhöht in geringem Grade die systolische Wirkung des 
Digitoxins. 

7. Überschuß von Kalzium oder von Blutserum hat keinen Einfluß 
auf die systolische Wirkung des Digitoxins. S. Kreuzfuchs (Wien). 

Cushny, A. B. The action of the digital» series in heart disease. 

(Proceed. Royal Society 5. Therapeut. Section, 200.) 

Das Digitalis w'irkt auf den Herzmuskel selbst, wahrscheinlich indem 
es seine Ernährung bessert, die Erregung des Ventrikels herabsetzt und 
diesen gleichzeitig weniger empfänglich macht für die Vorhofsimpulse. 
Das Digitalis übt eine ähnliche Wirkung aus wie die Bettruhe. 

S. Kreuzfuchs (Wien). 


III. Iliiik. 
i) Hirz. 

Lewis, Th. Electro-cardiography and its importance in the clinical 
examination of heart affections. (British Med. Journal 2686, 2687, 2689. 
1421, 1479, 65; 1912. 

»Die galvanometrische Untersuchung des Herzens ist von mehreren 
Gesichtspunkten aus wichtig. Sie kann Anhaltspunkte für eine Hypertrophie 
der Wand der einen oder der anderen Herzkammer bieten; sie kann 
kleine Läsionen in der Muskulatur genau lokalisieren. Sie informiert uns, 
ob der Herzschlag seinen Ausgangspunkt vom normalen Impulszentrum 
oder weiter weg von demselben nimmt. Im letzteren Falle belehrt sie 
uns, daß der Rhythmus nicht mehr unter der normalen nervösen Kontrolle 
steht — eine Tatsache, die für die Behandlung des Falles von fundamen¬ 
taler Bedeutung ist. Sie belehrt uns auch innerhalb bestimmter Grenzen, 
wo die neuen Schläge ihren Ursprung haben. Sie liefert eine gesonderte 
Aufzeichnung der Vorhof- und der Ventrikelkontraktion und gibt genau¬ 
esten Aufschluß über das zeitliche Verhältnis der Kontraktionen der ein¬ 
zelnen Kammern, so daß sie häufig ein Licht wirft auf physikalische Zei¬ 
chen, die sonst im Unklaren blieben. Sie gestattet uns mit vollkommener 
Sicherheit die Funktionstüchtigkeit des Atrioventrikularbündels festzustellen. 
Sie gestattet weiter die Differenzierung der verschiedenen Formen der 
raschen und der langsamen Herzaktion, denen eine ganz verschiedene 
Bedeutung zukommt. Sie liefert eine Analyse jeglicher Form von Irre¬ 
gularität der Herzaktion, eine Analyse, die an Genauigkeit von keiner 
anderen Methode erreicht wird. Während uns aber die Methode im 
Wesentlichen über den Zustand des Muskels aufklärt, vermag sie auch bei 
der Diagnose von Läsionen der Klappen wertvolle Dienste zu leisten. 
Sie gewährt uns einen besseren Einblick in die Funktionen des Herz¬ 
muskels als irgend eine andere klinische Untersuchungsmethode und ge¬ 
stattet uns in exaktester Weise das Herz als ein lebendes und in Be¬ 
wegung befindliches Organ zu studieren. 



20 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Die Aufschlüsse, die uns die Elektrokardiographie gewährt, haben 
nicht blos ein rein wissenschaftliches Interesse, sondern sie haben auch 
einen großen und zunehmenden praktischen Wert, indem sie eine Richt¬ 
schnur für die Behandlung der Patienten bilden. Es gibt nur wenige 
Herzkrankheiten, bei denen unsere Kenntnis durch Anwendung dieser 
Methode nicht bereichert würde, auch werden durch dieselbe immer neue 
Tatsachen zu Tage gefördert, die von wesentlicher prognostischer und 
therapeutischer Bedeutung sind. Die Zeit ist nicht ferne, wo eine Herz¬ 
untersuchung als unvollständig gelten wird, wenn nicht auch diese neue 
Methode herangezogen wird." Dies die Schlußfolgerungen der eingehen¬ 
den Studie L.’s, die sich zu einer kurzen Wiedergabe nicht eignet 

S. Kreuzfuchs (Wien). 

Strubell, A. Über die Klinik des Elektrokardiogramms. (Deutsche 
Med. Wochenschrift 38, 988, 1912.) 

Strubell vertritt die Bedeutung des Elektrokardiogramms als eine für 
den Arzt wichtige Methode und verurteilt die Versuche, das Elektrokardio¬ 
gramm nicht als Ausdruck der Erregung sondern als den der Erregbar¬ 
keit des Herzens aufzufassen. — Die Tatsache, daß Lageveränderungen 
des Körpers und die Ableitung von verschiedenen Punkten des Körpers 
auch verschiedene elektrokardiographische Bilder geben, beeinträchtiget 
nach dem Verfasser die Verwendbarkeit des Elektrokardiogramms für die 
vergleichende Beurteilung klinischer Fälle nicht und berechtigt nicht zu 
der Forderung einiger Autoren (August Hoffmann und H. E. Hering), 
mindestens mit 3 verschiedenen Ableitungen zu arbeiten. 

Nach Strubell genügt eine Ableitung vollkommen und er verlangt 
möglichst große Reihen von Beobachtungen zur Schaffung von Ver- 
gleichsresültaten und ist der Ansicht, daß man auf Grund eines großen 
Materials bei einer Ableitung imstande ist, für eine bestimmte Erkrankung 
oder Funktionszustand des Herzens charakteristische Veränderungen nach¬ 
zuweisen. 

Die im folgenden den einzelnen Bestandteilen des Elektrokardio¬ 
gramms des normalen, organisch und funktionell erkrankten Herzens ge¬ 
gebene Deutung des Verfassers kann nicht in einem kurzen Referat 
wiedergegeben werden, und es muß diesbezüglich auf den Originalartikel 
verwiesen werden. 

Verfasser polemisiert dabei speziell dagegen, daß aus dem Elektro¬ 
kardiogramm stets bestimmte anatomische Diagnosen gestellt werden 
müßten, will vielmehr durch dasselbe gerade über das funktionelle Ver¬ 
halten des Herzens Aufschluß schaffen. Die Elektrokardiographie er¬ 
möglicht es uns häufig, sehr frühzeitig abnorme funktionelle Zustände des 
Herzens aufzudecken und in Verbindung mit der Blutdruckmessung und 
dem Röntgenverfahren klärt sie uns auf über Grad und Fortschreiten 
der Arteriosklerose. 

Bezüglich der Leistungen der Elektrokardiographie zur Klarstellung 
der Arhythmie, der ventrikulären Extrasystolen, der Reizleitungsstörungen 
und des Ada ms-Stokes'sehen Symptomenkomplexes deckt sich des Ver¬ 
fassers Ansicht mit der allgemeinen Anschauung. 

Zum Schluß bringt Verfasser eine Anzahl von Kurven zur Erläute¬ 
rung des Gesagten. Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

Hoffmann, A. (Düsseldorf). Die klinische Bedeutung des typischen 
Kammer-Elektrokardiogramms. (Deutsche Med, Wochenschrift 38,1531,1912.) 




0 


REFERATE 


21 


Hoffmann’s Ansichten über das Zustandekommen des typischen 
und atypischen Elektrokardiogramms unterscheiden sich wesentlich von 
den diesbezüglichen Erklärungsversuchen Nicolai's und seiner Schule. 
Nicolai erklärt das Elektrokardiogramm folgendermaßen: Der durch das 
atrioventrikuläre Bündel den Kammern zugeleitete Reiz bringt zunächst 
die Papillarmuskeln zur Kontraktion, es entsteht die Zacke R-S, dann 
kontrahiert sich das ganze Herz sowohl die quer verlaufenden Fasern 
des Triebwerks als auch die Längsfasern gleichzeitig, wodurch die Kurve 
gradlinig weiter läuft als Ausdruck eines mehrfach sich kompensierenden 
Geschehens; zum Schluß kontrahieren sich die äußeren Spiralfasern, es 
entsteht die Zacke S. 

Das von der Form des typischen Kardiogramms abweichende 
atypische entsteht nach Nicolai dadurch, daß der Extrareiz nicht auf 
dem Wege der von ihm für den regulären Reiz angenommenen Bahn ver¬ 
laufe, sondern sich gradlinig über das ganze Herz verbreite. Neuerdings 
nimmt Nicolai, an, daß der Extrareiz, falls er auf diesem Weg die nor¬ 
male Leitungsbahn erreicht, nunmehr den gebahnten Weg folge. Er 
supponiert also 2 Leitungsmöglichkeiten am Herzen, einmal durch die 
präformierte Bahn für reguläre Reize und andererseits eine gradlinige 
Ausbreitung über und durch den ganzen Herzmuskel für die Extrareize. 

Es ist nach Hoffmann bei diesen Erklärungen durch Nicolai 
und seine Schüler nur fraglich: warum werden bei der Extrasystole ganz 
andere als die gebahnten Straßen für die Erregung genommen, warum 
geht nur der normale Reiz so streng seinen vorgeschriebenen Weg, wenn 
andere Reize ihn verschmähen? 

Weiterhin ist es doch auffallend, daß bei der Erklärung von Nico¬ 
lai der wichtigste Teil des Herzmuskels, das Triebwerk, in der Kurve 
überhaupt keinen Ausdruck findet, sondern nur die Papillarmuskeln als 
Zacke R-S und das letzte Ende der äußeren weniger bedeutungsvollen 
Muskellagen in der Finalzacke F-T. Trotzdem wollen Nicolai und seine 
Schüler aus dem Verlauf der elektrischen Kurve Rückschlüsse auf Kraft 
und Dignität des Herzmuskels ziehen. 

Hofjfmanns Anschauungen stützen sich auf experimentelle Grund¬ 
lagen. Selenin weist mit Hoffmann nach, daß das typische Elektro¬ 
kardiogramm sich aus einer gegenseitigen Komponente des Einzelelektro¬ 
kardiogramms der beiden Ventrikel erklären läßt, und konnte durch rein 
physikalische Vorgänge den komplexen Vorgang bei der Entstehung des 
Elektrokardiogramms dartun. 

Die bisher fehlende Kenntnis des isolierten einzelnen Ventrikelelektro¬ 
kardiogramms vermittelt uns nun Hoffmann durch seine Versuche. 
Während der Schreibung des Elektrokardiogramms wird beim tief narko¬ 
tisierten Tier der rechte Ventrikel vom Septum rasch abgetrennt. Darauf¬ 
hin zeigt das Elektrokardiogramm des linken Ventrikels einfache dipha- 
sische Schwankung, deren Zacke nach unten gerichtet ist. Dasselbe beim 
abgeschnittenen rechten Ventrikel, der noch einige Zeit spontane Zuk- 
kungen zeigt. 

Das Elektrokardiogramm jedes einzelnen Ventrikels hat also nicht 
die Form des typischen Elektrokardiogramms, sondern die isolierten Ven¬ 
trikel zeigen bei spontaner Tätigkeit eine einfache diphasische Schwankung, 
was darauf schließen läßt, daß der Reiz im Herzen auch in der Norm 
geradlinig geleitet wird. 

Die in den beiden Ventrikeln entstehenden Ströme nehmen einen 




22 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


entgegengesetzten Verlauf, es müssen sich bei ungefähr gleichzeitiger Kon¬ 
traktion der beiden Ventrikel die beiden entgegengesetzt gerichteten Aus¬ 
schläge kompensieren,und so entsteht das typische Kammerelektrokardiogramm. 

Kleine Verschiebungen in der Lage des Herzens haben Veränderungen 
in der Höhe der Zacke zur Folge. Denselben Effekt haben zeitliche 
und dynamische Dissoziation der Ventrikel, weil dadurch die beiden 
Komponenten des Ventrikelelektrokardiogramms sich verändern und sich 
nicht mehr kompensieren. 

Welche der genannten Ursachen aber zu der Veränderung des 
Elektrokardiogramms geführt hat, läßt sich aus der Form desselben nicht 
erkennen. Aus denselben Gründen ist es auch unmöglich, die Elektro¬ 
kardiogramme verschiedener Menschen unmittelbar zu vergleichen. Die 
Aktionsströme des Herzens sind nach Hoff mann und anderen von der 
Kontraktion zum Teil unabhängig. Die Größe der Zacken und 
ihr Verhältnis untereinander erlauben also keine funktionsdiagnostischen 
Schlüsse. Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

Gerhardt. Beiträge zur modernen Herzdiagnostik. Medizinische 
Gesellschaft in Basel. (Deutsche Med. Wochenschrift 38, 48, 1912.) 

Herr Gerhardt berichtet über Fälle von Funktionsstörungen am 
His’schen Überleitungsbündel und ihre klinischen Symptome. Trotz 
anatomischer Läsion kann sich die Funktion des Überleitungssystems 
wiederherstellen und andererseits können durch Vagusreizung schwere 
Überleitungsstörungen ausgelöst werden, wie ein Fall von Karotistumor, 
der den Vagus beteiligte und Adams-Stokes'sehe Anfälle herbeige¬ 
führt hatte, wahrscheinlich macht. — Auch bei Infektionskrankheiten 
kommt nicht selten Überleitungserschwerung vor. Desgleichen spielen 
Überleitungsstörungen eine Rolle bei Arhythmia perpetua mit einer Fre¬ 
quenz von 50—60 oder wo sie wieder rhythmisch wird ohne Deutlich¬ 
werden der Vorhofspulse. 

In einem interessanten Fall bestand früher Adams-Stokes, dann 
abwechselnd totale und partielle Dissoziation mit gut registrierbarem 
Venenpuls und neuerdings langsam abwechselnd regelmäßiger Puls und 
Arhythmia perpetua. 

Die Annahme, daß die Arhythmia perpetua durch Flimmern der Vor¬ 
höfe verursacht ist, stimmt hiermit überein. 

Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

Hegler, C. Adams-Stokes’scher Symptomenkomplex. (Ärztlicher 
Verein in Hamburg). (Deutsche med. Woch. 38, 530, 1912.) 

Hegler stellt eine 78 jährige Frau vor mit allgemeiner Arteriosklerose, 
Schrumpfniere und ebenfalls auf arteriosklerotischen Veränderungen be¬ 
ruhendem typischem Adams-Stokes'schem Symptomenkomplex mit völliger 
Dissoziation der Vorhöfe und der Ventrikel mit ca. 30 Kontraktionen der 
Herzkammern und der ungefähr 3 fachen Anzahl Vorhofskontraktionen. 

Das Elektrokardiogramm zeigt 10 Kammersystolen bei 33 Vorhofs¬ 
zacken. Während des Anfalls aufgenommene Kardiogramme zeigen das 
Aussetzen jeder Herztätigkeit während 20—30 Sekunden. — Nach körper¬ 
licher Anstrengung weist das Elektrokardiogramm noch Extrasystolen von 
seiten des rechten Ventrikels auf. Die arteriosklerotische Veränderung im 
Myokard muß sich also nicht nur auf das His’sche Bündel, sondern auch 
auf den linken Tawara'schen Schenkel erstrecken. 



o 


REFERATE 


23 


Die das klinische Bild vervollständigenden Anfälle von Bewußtlosig¬ 
keit blieben nach Einleitung einer Atropinkur vollständig aus. 

Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H). 

Bachmann, O. A physiologic-pathological study of a case of 
heartblock occurring in a dog as a result of natural causes. (journ. of 
exp. med. 16, 25, 1912.) 

Gelegentlich einer Versuchsreihe über die Wirkung von Strophantus 
auf die automatisch schlagenden Kammern stieß Verf. auf einen Hund mit 
Überleitungsstörung. Diese war hochgradig, trat jedoch erst nach der 
zu einer gesteigerten Vorhofsfrequenz führenden Durchschneidung des 
rechten Vagus klar hervor. Die Reizung desselben stellte die Vorhöfe 
still, war aber ohne Einfluß auf die Kammerfrequenz, woraus Verf. in 
Übereinstimmung mit Erlanger schließt, daß der Vagus die Kammern 
nicht direkt chronotrop zu hemmen vermag. Verf. ließ dann in Inter¬ 
vallen von 4—7 Min. je 1 ccm 0.025% Strophantinlösung (Merck) 
in die v. femoralis einfließen und beobachtete (an Suspensionskurven) 
zunächst Verlangsamung und Irregularität der Vorhofstätigkeit, wobei der 
Block vollständig wurde; dann Frequenzzunahme der Vorhöfe und 
Kammern, wobei die letzteren die Vorhöfe bald überflügelten und auch 
nach eingetretenem Vorhofsstillstand noch sehr frequent weiterschlugen. 
Endlich trat plötzlich Ventrikelflimmern auf. Makroskopisch zeigte das 
Herz myxomatöse Verdickung am freien Ende des Scheidewandsegels der 
Tricuspidalis und die mikroskopische Untersuchung ergab, daß diese aus 
frischem Bindegewebe bestehende Verdickung einen Druck auf den 
größten Teil des His’schen Bündels ausüben mußte. Zum Schlüsse 
stellt Verf. in einer Tabelle die bisher beschriebenen Fälle von Herz¬ 
block mit den anatomischen Befunden zusammen. 

J. Rothberger (Wien). 

Le$u£, M., Frangon et G€rard (Paris). Streptococcdmie, pyohlmie 
et eodocardite vdgetante dans l’drysip&le de la face. (Presse Medicale 75, 
757, 1912.) 

Wenn man bei Gesichtsrose Blutkulturen nach Courmont und 
Lemierre — 10 cm 3 in 500 cm 8 Bouillon — anlegt, findet man un¬ 
gefähr in einem Drittel der Fälle Streptokokken im Blute. Hingegen 
fanden Verff. auf 2600 Patienten nur vier Fälle von Streptokokkenendo¬ 
karditis. Klinisch ist dieselbe schwer nachzuweisen, da Geräusche nicht 
bestehen und etwa auftretende Geräusche extrakardialen Ursprungs sind. 
Man hat nur den Eindruck schwerer Allgemeininfektion, welche auch nach 
Heilung des Gesichtserysipels nach einigen fieberlosen Tagen noch auf- 
treten kann. Anatomisch handelt es sich um Mitralendokarditis mit kleinen 
Wucherungen ohne Ulzerationen, welche häufig zu multiplen Thrombosen 
führt, die teils mechanisch, teils infektiös Schaden stiften. Sowohl in den 
Thromben als auch in den Wucherungen und im Perikard sind mikro¬ 
skopisch die Streptokokken leicht nachzuweisen. Die vier angeführten 
Krankengeschichten sind sehr lesenswert. A. Blind (Paris). 

Weber, E. P. Aortic regurgitation with extreme pulsation of the 
aortic auch; diastolic shock and diastolic thrill over the heart (Proceed. 
of the Royal Soc. 5, Clinic. Section 214, 1912.) 

Fall von Aorteninsuffizienz. Die klinische Vermutung, daß es sich 



24 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


um ein Aortenaneurysma gehandelt habe, wurde durch die Röntgen¬ 
untersuchung nicht bestätigt S. Kreuzfuchs (Wien). 

Dup£ri£, R. Sur an cas d’endocardite infectieuse k Evolution pro- 
longde chez an enfant de 8 ans. (Oaz. hebdom. des sc m£d. de Bor¬ 
deaux, 52, 1911.) 

Von der rheumatischen Form abgesehen, ist die infektiöse Endo¬ 
karditis selten im Kindesalter. 

Bei einem achtjährigen Kind installiert sich, nach einem schleichen¬ 
den, durch einen typhösen Zustand mit Fieber und Gelenkschmerzen 
charakterisierten Beginn, eine Herzaffektion, die in viereinhalb Monaten 
unter den schwersten Allgemeinerscheinungen zum Tode führt In keinem 
Augenblick war die Aufmerksamkeit der Aerzte durch diese oder jene, 
bei Herzkrankheiten gewöhnlichen funktioneilen Störungen auf den Herz- 
üefäßapparat gelenkt worden; die Entdeckung derselben war eine zufällige, 
gelegentlich einer genauen Untersuchung. Dagegen offenbarten eine 
schnelle und sehr starke Abmagerung, eine livide Blässe der Hautdecken, 
die großen thermischen Schwankungen und die Tachykardie, die fast 
während des ganzen Verlaufes der Krankheit konstatiert wurden, die 
Hypertrophie von Milz und Leber kurz ante exitum, die Entwicklung 
einer hämorrhagischen Nephritis und das Auftreten einer Purpura einen 
toxisch-infektiösen Zustand von außergewöhnlicher Schwere. Der Tod trat 
nach dem Abfall der Temperatur und im Gefolge von asystolischen Er¬ 
scheinungen auf. — Die Autopsie zeigte eine enorme Kongestion von 
Lunge und Leber, multiple, frische und in Eiterung begriffene Milz- 
Infarkte, solche in den Nieren und akute Nephritis; das erweiterte und 
weiche Herz zeigte auf den beiden Klappen der Mitralis üppig wuchernde 
blumenkohlartige Vegetationen. Die Blutkultur intra vitam, die aseptische 
Punktion der Milz post mortem, die Untersuchung der Wucherungen im 
gefärbten Schnitt ergaben die Anwesenheit des Staphylococcus albus. So 
unterstützt durch die bakteriologischen Feststellungen erscheint diese Be¬ 
obachtung beim Kinde dem Autor Zug um Zug jener klinischen Form 
von infektiöser Endokarditis zu entsprechen: der Form mit langsamem, 
prolongierten Verlauf, die bei Erwachsenen in jüngster Zeit von ver¬ 
schiedenen, namentlich französischen Autoren, studiert worden ist 

H. Netter (Pforzheim). 

Miguel Conto (Rio de Janeiro). Les braits de soaffle circalaires 
de l’insuffisance mitral. (Arch. Mal. du Coeur. Nov. 1912.) 

Bei sechs Fällen von Mitralinsuffizienz konnte das systolische Geräusch 
auf einer gürtelförmigen Linie um den ganzen Thorax herum auskultiert 
werden. Nach zwei Sektionen und nach den klinischen Befunden und 
Anamnesen hängt diese Ausbreitung des Geräusches mit dem Bestehen 
pleuritischer Schwarten an der Lungenbasis und Atelektase des unteren 
Lappens zusammen. . A. Blind (Paris). 

Neumann, W. Ober Dextrovereio cordis and ihren Einfluß auf 
das Elektrokardiogramm. (Deutsche Med. Wochenschrift 38, 1920, 1912.) 

Klinisch stellt sich der besprochene Fall als eine erworbene Dextro- 
versio cordis dar infolge Zuges einer starken rechtsseitigen Pleuraschwarte 
bei gleichzeitiger rachitischer Thoraxveränderung als unterstützendem 
Momente. 




0 


REFERATE 


25 


Genauere Aufschlüsse über die Lage des Herzens sollte die Elektro¬ 
kardiographie geben. — Setzt man voraus, daß die Größe und Richtung 
der Zacken von der Lage des Herzens zu den jeweiligen Ableitungs¬ 
stellen abhängig ist, so führen die aufgenommenen Elektrokardiogramme 
im Vergleich untereinander und mit denen einer normalen Vergleichs¬ 
person zu dem Schluß, »daß bei dem Patienten die Arterien annähernd 
die normale Lage einnehmen, daß dagegen die Ventrikel, insbesondere 
die Herzspitze, nach rechts hinübergezogen sind, daß also die Ventrikel¬ 
achse sich der Vertikalen weit mehr nähert als in der Norm, dagegen 
nicht, wie man nach dem klinischem Befund annehmen könnte, von links 
oben nach rechts unten gerichtet ist“. 

Ob der heutige Stand der Kenntnis der Bedeutung der einzelnen 
Elektrokardiogrammzacken zu solchen Folgerungen berechtigt, läßt der 
Autor selbst dahingestellt 

Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.). 


Deneke, K. A. Th. (Hamburg). Die syphilitische Aortenerkrankung. 

(Aerztl. Verein zu Hamburg. Sitzung vom 3. XII., 1912.) 

Die Zahl der an Spätfolgen der Lues Erkrankten ist eine ungeheure! 
Nach der Statistik_ der Gothaer Lebensversicherungs-Gesellschaft haben 
Syphilitiker eine Ȇbersterblichkeit" von 68%. Im Krankenhaus St. Georg 
wurde 1909/1911 bei 54 Fällen eine syphilitische Aortenerkrankung als 
Todesursache nachgewiesen gegenüber 29 Todesfällen infolge anderer 
Lues-Spätfolgen. Insgesamt wurden im Krankenhaus und in der Privatpraxis 
in den letzten 4 Jahren 173 Fälle syphilitischer Aortenerkrankung von 
Deneke beobachtet; auf dieses Material stützen sich die folgenden Dar¬ 
legungen. 

Unter den 173 Fällen befanden sich 148 Männer (77 von ihnen 
gaben Infektion zu) und 24 Frauen (nur 2 gaben Infektion zu); ein Mal 
bestand heriditäre Lues. Erschwerend für die Anamnese ist der meist 
große Zeitabstand zwischen Infektion und Auftreten subjektiver Krank¬ 
heitszeichen : Minimum 5 Jahre, Maximum 44 Jahre, Durchschnitt 20 Jahre. 

Wassermann’sche Reaktion wurde bei 164 Fällen ausgeführt, davon 
waren 142 = 87% positiv, 6 mal ergab sich ein fraglicher, 16 mal nega¬ 
tiver Ausfall; 13 der letzten Fälle waren schon mit Hg behandelt worden. 
In den letzten Jahren wurde — bei verfeinerter Technik — kaum mehr 
ein negativer Ausfall beobachtet. Neben Syphilis spielen Alkohol, Tabak, 
Beruf keine ausschlaggebende Rolle. Das Alter der Erkrankten spricht 
meist schon gegen Arteriosklerose (im Durchschnitt 43.—45. Lebensjahr). 

Nach Besprechung der pathologischen Anatomie geht Vortragender 
auf die Symptome ein, die im Beginn sehr unbestimmt sein können: 
Herzbeschwerden bei blasser Gesichtsfarbe mit leicht gelblichem Hauch 
müssen neben der Anamnese die Aufmerksamkeit darauf lenken. In aus¬ 
geprägten Fällen lassen sich drei Gruppen unterscheiden: 

a) Koronarsklerose: Angina pectorisartige Anfälle, 14 Fälle; oft 
Mors subitanea. 

b) Aorteninsuffizienz: (78 Fälle, sowie 46 Fälle von Aorteninsuffi¬ 
zienz — Aneurysma). Gegen polvarthritische Aorteninsuffizienz 
ist im einzelnen Fall zu verwerten: positiver Wassermann, 



26 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


blasse Hautfarbe; Celerität des Pulses, Doppelton und diastolisches 
Geräusch weniger ausgesprochen, der systolische Druck meist 
nicht erhöht. 

c) Aneurysma im engeren Sinn (19 Fälle), mit den bekannten 
Symptomen. 

Von Komplikationen ist Tabes am häufigsten: unter 153 darauf¬ 
hin genau untersuchten Fällen hatten 63 = 40°/o Tabes, 17 weitere Fälle 
waren tabesverdächtig. 

Der Verlauf ist abhängig von der Schädigung der Kreislauforgane, 
von der Malignität der luetischen Infektion und der Art der Behandlung; 
meist erfolgt schon Vz —1 Jahr nach Beginn der subjektiven Beschwerden 
der Tod (an anderweitigen Lueskomplikationen, an Tuberkulose, Infek¬ 
tionskrankheiten, durch Ruptur eines Aneurysmas, im stenokardischen 
Anfall). 

Die Prognose ist demnach eine sehr trübe: von 140 bis 1. Januar 
1912 in Behandlung genommenen Fällen sind jetzt schon */$ gestorben. 

Therapie: nur energische, nachhaltige, eventuell wiederholte anti¬ 
luetische, wenn möglich bis zum Verschwinden der Wassermann-Reak¬ 
tion fortgesetzte Kur (Schmierkur, Ri cord'sehe Pillen, Zittmann 
Dekokt) kann nützen; Rückfälle lassen sich dann aber auch besser ver¬ 
meiden als bei Myokarditis. Salvarsan (bei nicht allzu schwer Kranken) 
hatte häufig günstigen Erfolg. Je frühzeitiger die syphilitische 
Aortitis erkannt wird, um so günstiger ist der Erfolg der Be¬ 
handlung. C. Hegler (Hamburg). 

Fränkel, E. (Hamburg). Anatomische und röntgenologische Demonstra¬ 
tionen aus dem Gebiete der Verkalkungen. (Biologische Abteilung des 

ärztlichen Vereins Hamburg. Sitzung vom 26. November 1912.) 

Der Wert der Röntgenuntersuchung für die Klärung pathologisch- 
anatomischer Fragen wird vom Vortragenden an zahlreichen Beispielen 
erläutert: die von Albers-Schönberg als Beckenflecken beschriebenen, 
vom Vortragenden als Phlebolithen gedeuteten Schatten, der Nachweis 
von verkalkten Uterusmyomen, von Dermoidkystomen mit Zähnen, von 
Trichinen im Muskel, die Verkalkung von Extremitäten-Arterien, ein 
Fall von echter Verkalkung der Milzarterie, sowie ein Fall von streifiger 
Kalkablagerung in der Vena saphena minor werden in Röntgenbildern 
vorgeführt. 

Diskussion. Herr G. F. Haenisch weist darauf hin, daß die Phle¬ 
bolithen als verkalkte Thromben tieferen Schatten geben wie die Ureter¬ 
steine; häufig zeigen sie in der Mitte eine kleine Aufhellung. Eine 
Mediaverkalkung der Arteria subclavia kann eventuell eine Lungenspitzen¬ 
verdichtung Vortäuschen. Herr Haenisch demonstriert weiterhin ver¬ 
schiedene Röntgenogramme von großem verkalkten Myom im Becken, Ver¬ 
kalkung der Aorta abdominalis neben der Wirbelsäule u. a. mehr. 

C. Hegler (Hamburg). 

Heinrich (Hamburg). Über den röntgenologischen Nachweis von Kalk¬ 
einlagen in der Aortenwand. Ärztlicher Verein in Hamburg. (Deutsche 
Med. Wochenschrift 38, 1573, 1912.) 

Heinrich demonstriert 2 Kalkplatten in der äußeren Wand des 
arcus aortae. Einen diagnostischen Nutzen bietet dieser Befund nicht, 
außerdem ist nach Heinrich dieser Befund nicht selten, wie von 



O REFERATE 27 


A. Köhler angenommen. Heinrich glaubt nicht, daß es gelingen wird, 
Kalkablagerungen in Klappen und Koronargefäßen darzustellen. 

Selbst wenn dies möglich würde, so ließe der Befund keinen Rück¬ 
schluß zu auf die Funktionstüchtigkeit der Gefäße. 

Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

Friedmann, G. A. (New York). Ein Fall von Angiosklerose der 
Darmarterien (Dyspragia intermittens angiosderotica intestinalis) mit inter¬ 
mittierendem Hinken (Dysbasia angiosclerotica). (Berl. klin. Wochschr. 
49, 2028, 1912.) 

Krankengeschichte eines 46 jährigen, sicher syphilitischen Mannes, der 
an Anfällen von äußerst schweren Darmkoliken litt. Im späteren Verlauf 
der Krankheit gesellte sich noch intermittierendes Hinken eines Beines 
hinzu. Gallensteine, Magengeschwür, Duodenalgeschwür konnten sicher 
ausgeschlossen werden. Auch für Tabes kein Anhaltspunkt. Somit wurde 
die Diagnose auf Angiosklerose der Darmarterien gestellt. Antiluetische 
Behandlung besserte das intermittierende Hinken, nicht aber die Darm¬ 
schmerzen. F. Weil (Beuthen). 

Langmead, F. A case of thoracic aneurysm not connected with 

the aorta. (Proceed. Royal Soc. 5, Klin. Sektion 194, 1912.) 

55j. Frau. Vor 2 Jahren Hemiplegie. Seit einem Jahre Atemnot, 
Schmerzen im Thorax und Abdomen. Am Rücken, besonders links ge¬ 
schlängelte und pulsierende Gefäße. Links vom zweiten und dritten 
Dorsalwirbel eine leicht prominente Stelle von Dreimarkstückgröße mit 
geringer Pulsation; Schwirren und lautes systolisches Geräusch. Im 
Röntgenbilde zeigt sich ein scharfbegrenzter, fast kreisrunder Schatten, 
zwischen der dritten und vierten Rippe, weiter rückwärts nahe der Wirbel¬ 
säule gelegen. Herz und Aorta normal. L. faßt die Erkrankung als 
Aneurysma einer Interkostalarterie auf. S. Kreuzfuchs (Wien). 

Mathieu, P. et Wat rin, J. Systoles ventriculaires inefficaces et 
pouls veineux jugulaire. (Compt. rend. hebdom. Soc. de Biol. 1912, 
29. Juni.) 

Die in Rede stehenden Vorgänge wurden an einem 10jährigen Kind 
der Klinik Haushalter beobachtet, das Oedeme der u. E. und des 
Stammes hatte und an einer tuberkulösen Pleuro-Perikarditis mit Leber¬ 
schwellung und tracheo - bronchialer Adenopathie litt (Syndrom von 
Hutinel). Es waren Pulsationen in der Jugularisgegend besonders rechts, 
welche die Aufmerksamkeit erregten. Der klinischen Inspektion erschienen 
sie in der Zahl von drei, davon eine von großer, präsystolischer Ampli¬ 
tude, denen zwei andere, weniger große folgten. 

Mit Hilfe graphischer Aufzeichnungen konnten schließlich folgende 
Schlüsse gewonnen werden: 

Zunächst zeigt die Jugularis-Kurve zwei große, genau gleiche Os¬ 
zillationen, das Ganze hat das Aussehen eines aurikuloventrikulären venösen 
Jugularis-Pulses mit seinen drei Spitzen a, s und v und seinen zwei De¬ 
pressionen x und y, eine Deutung, die sich mit den vom Sphygmogramm 
der Radialis (90 Pulse) gegebenen Aufschlüssen und mit dem Fehlen jeg¬ 
lichen Geräusches am Herzen in Beziehung bringen läßt. 

Aber die gleichzeitige Aufschreibung des Kardiogramms und des 
Sphygmogramms zeigten, daß die Zahl der Herzkontraktionen nicht der 



28 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKrtEH EN V. 


0 


Zahl der arteriellen Pulsationen entspricht und daß eine Ventrikelsystole 
von zwei für die arterielle Zirkulation wirkungslos ist. Außerdem nimmt 
diese Feststellung die Möglichkeit, die eine der Jugularis-Erschütterungen 
auf Rechnung der Karotis-Pulsation zu setzen. 

Andernteils zeigt die gleichzeitig aufgenommene Herz- und Jugularis- 
kurve, daß jeder der zwei großen Oszillationen des Jugularis-Pulses eine 
Herzkontraktion entspricht, wodurch die Deutung eines Vorhof-Kammerpulses 
und die Hypothese ausscheidet, daß die eine dieser beiden großen 
Oszillationen des Phlebogramms auf einer Vorhofsystole beruhen könnte. 
(Dissoziation zwischen Vorhof und Ventrikel.) 

Die graphische Analyse zeigt, daß die erste große Oszillation des 
Phlebogramms (s, x, v) der Kammer-Phase der wirksamen Systole ent¬ 
spricht; die zweite große Oszillation, von der vorausgehenden durch die 
Depression y getrennt, entspricht der wirkungslosen Systole, sie ist 
charakterisiert durch s mit zeitweiliger Andeutung von v. 

Diese verschiedenen Tatsachen und die Übereinstimmung der Elemente 
des Kardiogramms und des Jugularis-Phlebogramms lassen die Autoren 
einen venösen Puls mit allen Merkmalen des venösen, ventrikulären Pulses 
annehmen, ohne daß eine Bestimmung des Anteils möglich wäre, welcher 
bei dieser Erscheinung einem Rückfluß durch Trikuspidal-Insuffizienz oder 
einer Fortpflanzung durch die hypertrophischen Tracheo-Bronchialdrüsen 
zukommt, in anbetracht teils des Fehlens eines klinisch wahrnehmbaren 
Geräusches, teils des Vorhandenseins einer leichten Leber-Pulsation. 

H. Netter (Pforzheim). 

Johnstone, W. A case of abnormal pulse rhythm. (British Med. 
Journal 2701, 841.) 

65 j. gesunder Mann mit zeitweise abnormem Pulsrhythmus. Pulsus 
trigeminus, dann Pause, dann volle Systole, dann wieder ziemlich lange 
Pause, darauf Pulsus trigeminus. Blutdruck erhöht. Systolisch 195 mm Hg, 
diastolisch 120 mm Hg. S. Kreuzfuchs (Wien). 


IV. Mitbilik. 

Armstrong, H. G. The subjektive Methode for estimating blood 
pressure. (British Med. Journal 2699, 681, 1912.) 

Der Moment, in welchem beim Nachlassen des Druckes der Manchette 
die Passage des Blutes in dem komprimiert gewesenen Gefäße wieder 
frei wird, kann auch vom Untersuchten mit hinlänglicher Genauigkeit 
angegeben werden (subjektive Methode). Es empfiehlt sich sowohl nach 
der auskultatorischen als auch nach der subjektiven Methode zu unter¬ 
suchen und die Werte zu vergleichen. S. Kreuzfuchs (Wien). 

Cottin, E. (Genf). De'renregistrement du poulsloesophagien. (Arch. 
Mal. du Coeur. Sept 1912.) 

Technische Ratschläge, nach Aufnahme mehrerer Hundert Oesopha- 
guspulsaufzeichnungen, bilden den Gegenstand dieser Arbeit. Rote, halb¬ 
harte Kautschuksonde von 4 mm innerem Durchmesser und von 60 cm 
Länge, mit einem seitlichen Auge wird vorgezogen; auf dieselbe befestigt 
man mit Seidenfaden den Finger eines chirurgischen Handschuhes und 
bedeckt den Faden mit einem Gummiring. Es ist meist überflüssig, Luft 




REFERATE 


29 


O 


in diesen Finger einzublasen. Zwischen 30 und 40 cm vom Ende in 
die Sonde graduiert. Am oberen Ende wird eine Glasröhre in die Sonde 
eingeschoben und mit einer Marcy’schen Trommel in Verbindung ge¬ 
bracht. Man kann ein Sphygmoskop einschalten, doch sind die Resultate 
ohne dasselbe besser. Die beste Entfernung von den Zähnen ist von 
32—37 cm; man probiert aus, wo die Ausschläge der Nadel am deut¬ 
lichsten sind. 

Um die Sonde einzuführen, widerrät Verf. das Cocain. Man kann 
entweder die Sonde bis zu 35 cm einführen oder man kann sie bis in 
den Magen bringen, um sie dann langsam bis zur besten Stelle herauf¬ 
zuziehen. Meist muß man den Patienten sitzen lassen; nur geübte Kranke 
können in Rücken- oder Seitenlage die Sonde verschlucken. Dies ist 
wichtig, da die zum Vergleich der Vorhofskurven so wichtigen Kardio¬ 
gramme meist nicht aufgenommen werden können; man muß sich meist 
mit Sphygmogrammen der Radialis, Brachialis oder Karotis einerseits, mit 
dem Jugularvenenpuls andererseits begnügen. Der berußte Zylinder soll 
ziemlich schnell rotieren und mit Stimmgabel soll die Zeit notiert werden. 

A. Blind (Paris). 

Etienne, G. (Nancy). Quelques mdthodes cliniques d’dtude] de la 
valeur du coeur. (Paris Medical 46, 1912.) 

Die Kraft des Herzmuskels kann klinisch durch folgende zwei Metho¬ 
den ziemlich richtig geprüft werden: die erste beruht auf dem Reflex 
Abrams: reizt man die Präkordialgegend durch Abreibungeu mit einem 
Tuche oder mit Gummi, so verkleinert sich die Herzdämpfung; ist ein 
Herzmuskel kräftig, so ist die Verminderung der Dämpfungsoberfläche 
bedeutend; ist der Muskel schwach, so tritt diese Verminderung kaum 
oder gar nicht auf. Dabei muß man darauf achten, die Perkussion, 
welche die normale Dämpfung bestimmt, leicht, schnell und mit möglichst 
wenigen Schlägen zu bewerkstelligen. — Die zweite Methode basiert auf 
dem Reflexe Livieratos; dieser Reflex tritt auf, wenn man auf die 
Mittellinie des Abdomens vom Nabel zum Sternum eine Reihe kurzer, 
tiefer und rascher Schläge ausführt, und besteht in einer Vergrößerung 
der Herzdämpfung. Je widerstandsfähiger das Herz ist, desto geringer 
ist das Anwachsen der Dämpfung. Unter anderen Beobachtungen sei 
folgende angeführt als Beispiel: ein 54jähriger Gichtkranker mit schwerer 
Myokarditis, elendem und arhythmischem Pulse, Oedem der Beine, Lungen¬ 
stauung, reagiert stark nach Livierato; aber auch nach Abrams; Ver¬ 
such einer Royatkur mit bestem Erfolge; im folgenden Winter kann er 
im Gebirge jagen und bleibt dauernd gesund. A. Blind (Paris). 


V. Thorapit. 

Hoffmann, A. (Düsseldorf). Die Behandlung der akuten Kreislauf- 
schwScbe, insbesondere bei akuten Infektionskrankheiten. (Deutsche med. 
Woch. 38, 1865, 1912.) 

Die akute Kreislaufschwäche kann ihre Ursache haben entweder in 
einem primären Versagen des Herzens, wie z. B. bei der Verengerung 
der Koronararterien, oder in einer plötzlichen Lähmung der Gefäßmusku¬ 
latur, wie z. B. bei Schädigung des Vasomotorenzentrums durch Bakterien- 



30 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 

toxine oder auf neurogener Basis bei Vasomotorenlähmung besonders im 
Splanehnikusgebiet, wie bei der einfachen Ohnmacht. In leichten Fällen 
von Kreislaufschwäche, wie z. B. bei der Ohnmacht infolge Gehirnanämie 
genügen Tieflagerung des Kopfes, Hochlagerung der Beine und des Ab¬ 
domens, Hautreize und Reizung der Nasenschleimhaut Bei schweren 
Fällen von primärer Herzschwäche Senfteige, heiße Hand- und Fußbäder, 
Aderlaß von mindestens 3—400 ccm oder Abbinden der Glieder, Ein¬ 
atmung von Sauerstoff. Wo man hiermit nicht auskommt, treten die 
Arzneimittel in ihre Tätigkeit. Auf das erkrankte Herz wirkt der Kampfer 
verstärkend auf die Herztätigkeit, viel anregender wirkt der Kampfer auf 
die Gefäße, Atmung und Gehirnfunktionen. Die Gefäße verengern sich. 
Injektionen von Digalen intravenös wirken innerhalb weniger Minuten. 
Ganz eklatant ist häufig, aber nicht immer die Wirkung von Strophantin, 
intravenös gegeben. Der Patient soll aber vorher nicht unter Digitalis¬ 
wirkung sein. Manchmal empfiehlt es sich, ein Beruhigungsmittel, z. B. 
0,01 Morphin, vorher zu geben. 

Die in einen primären Versagen der Vasomotoren begründete akute 
Kreislaufschwäche ist häufiger der Gegenstand ärztlicher Behandlung. Vor 
allem bei Infektionskrankheiten z. B. bei Erysipel, septischen Erkrankungen, 
Eiterungen in den serösen Höhlen, Diphtherie, Dysenterie, Cholera und 
ganz besonders häufig bei der Pneumonie. Auch hier ist der Kampfer 
häufig im Gebrauch. 

Wo das Herz selbst funktionell geschwächt ist, wird man Herz- und 
Vasomotorenmittel geben. Die prophylaktische Darreichung von Digitalis 
per os ist verlassen, man hält sich an Kampfer und Coffein. Das Coffein 
verengert die Gefäße besonders im Splanehnikusgebiet und wird in einem 
seiner Doppelsalze in 20 prozentiger Lösung gegeben, 1 ccm 2 stündlich, 
subkutan. 

Coffein und Kampfer wirken, wie fast alle Vasomotorenmittel, nicht 
auf die Koronararterien des Herzens, die nicht vom sympathischen, son¬ 
dern vom autonomen kranialen (Vagus) Nervensystem innerviert werden, 
sondern sie sollen sogar eine erweiternde Wirkung auf die Koronar¬ 
arterien haben. 

Neuerdings sind weitere wirksame Vasomotoren- und Herzmittel be¬ 
kannt geworden, so das Adrenalin und Pituitrin. 

Das letztere wirkt schwächer als das Adrenalin, so daß dieses ent¬ 
schieden vorzuziehen ist. Die Wirkung desselben ist gefäßverengend, 
hauptsächlich in bezug auf das Splanehnikusgebiet, und herzstimulierend. 
Die ursprünglich ausschließlich intravenöse Anwendung ist gefährlich 
wegen der auf das Herz ungünstig wirkenden hochgradigen, aber rasch 
wieder abfallenden Blutdrucksteigerung und wird beschränkt auf Kreis¬ 
laufschwäche in der Narkose. — 

Bei mehr subakuter Kreislaufschwäche, wie bei den Infektionskrank¬ 
heiten ist am zweckmäßigsten die unter Umständen alle 2 Stunden wieder¬ 
holte subkutane Injektion von 1 ccm einer V 00 Lösung von Suprareninum 
hydrochloricum, eventuell nach vorausgegangener Injektion von Kampfer, 
Coffein oder Strophantin. Eine direkte Kreislaufwirkung des Äthers im 
günstigem Sinn ist bisher nicht festgestellt. Der Alkohol wirkt in kleinen 
Dosen verengernd auf die Gefäße des Körperinnern und soll an Alkohol 
gewohnten Menschen bei Eintritt der Kreislaufschwäche bei akuten In¬ 
fektionskrankheiten nicht versagt werden, während er sonst entbehrlich ist. 

Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.). 



o 


REFERATE 


31 


Hochhaus, H. (Cöln). Die Behandlung der Arteriosklerose. 

(Deutsche med. Woch. 38, 1529, 1912.) 

Die Arteriosklerose gibt nicht nur in vorgerücktem Alter, sondern 
auch in mittleren Jahren die Veranlassung zu Kreislaufstörungen. Ätio¬ 
logisch kommt in Betracht: Körperliche und geistige Überanstrengung, 
seelische Erregungen, Mißbrauch von Alkohol, Tabak, Tee und Kaffee, zu 
reichliche Ernährung, Diabetes, Gicht, Fettleibigkeit und Nephritis, toxische 
und infektiöse Krankheiten, besonders Lues. 

Die Neigung zu der Erkrankung ist erblich. Gewöhnlich kommen 
einige der genannten Momente zusammen. Eine wichtige Rolle spielen 
auch noch nervöse Momente beim Zustandekommen einiger Erscheinungs¬ 
formen der Erkrankung, z. B. bei der Stenokardie und dem intermittieren¬ 
den Hinken. 

Die anatomischen Veränderungen etablieren sich in der Intima, er¬ 
greifen Media und Adventia erst sekundär, und betreffen nur selten das 
ganze Gefäßsystem, meist nur einzelne Organe. Die Schwierigkeit resp. 
Unmöglichkeit einer Frühdiagnose verhindeit meist das Einsetzen der Be¬ 
handlung im Frühstadium. Ein Mittel zur Rückbildung der einmal ge¬ 
setzten anatomischen Veränderungen existiert nicht. Die uns zu Gebote 
stehenden Mittel sind einmal solche, welche geeignet sind, die ursächlichen 
Schädlichkeiten zu beseitigen und allgemein kräftigend zu wirken und dann 
solche, welche imstande sind, die lokalen Beschwerden zu bekämpfen. 
Die Einschränkung des Genusses von Alkohol, Tabak, Kaffee und Tee 
hält Hochhaus für zweckmäßiger als das absolute Verbot. Ebenso nur 
Einschränkung der Berufsarbeit, nicht Aufgabe des Berufes. — Behandlung 
von Gicht, Diabetes, Nephritis, psychische Beeinflussung, Vermeiden des 
Wortes „Verkalkung“. Sehr wichtig ist die Ernährung. Eine Milchkur 
ist nur vorübergehend, etwa zur Behandlung einer Nephritis oder von 
schweren Kreislaufstörungen, berechtigt. Eine gemischte Diät mit nicht 
zu viel Eiweißstoffen ist im allgemeinen die nützlichste. Bezüglich der 
Flüssigkeitsmenge wird empfohlen, nur in Ausnahmefällen unter 1500 ccm 
herunterzugehen. 

Das Jod übt häufig eine günstige Wirkung aus, mit Intervallen 
mehrere Jahre fortgesetzt. Ärztliche Überwachung und Berücksichtigung 
der Schilddrüse ist dabei notwendig. 

Das Diuretin, Nitroglyzerin, das Natrium nitrosum und das Amyl- 
nitrit bewähren sich besonders bei arteriosklerotischen Krankheitszuständen 
des Herzens, besonders bei stenokardischen Anfällen, sind aber nach 
Hochhaus zur Allgemeinbehandlung nicht empfehlenswert. 

Wichtige Mittel zur Allgemeinbehandlung sind noch milde hydria- 
tisebe Prozeduren, Kochsalz- und Kohlensäurebäder, vorsichtige Wider¬ 
standsgymnastik und Massage. 

Bei der häufig sich einstellenden Herzinsuffizienz steht obenan das 
Digitalis. 

Beim Hervortreten größerer subjektiver Beschwerden besonders von 
seiten des Herzens: Brom, Baldrian, kalte und besonders warme Herz¬ 
umschläge oder Kühlschlange. 

Kuren in Homburg, Kissingen, Nauheim sind häufig von ausge-. 
zeichnetem Erfolg begleitet. 

Besteht Schrumpfniere, ist salzarme Kost und mäßige Flüssigkeits¬ 
beschränkung am Platze und die den erhöhten Blutdruck herabsetzenden 
Mittel. Fellner verordnet diesbezüglich speziell das Vasotonin subkutan. 



32 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Beim intermittierenden Hinken kommen alle eine bessere Durch¬ 
blutung der betreffenden Extremität bezweckenden Mittel in Betracht, z. B. 
warme Fußbäder und Umschläge, Frottieren, galvanischer Strom u. s. w. 

Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.). 

Rosin, H. Pathologie und Therapie des kardialen Asthmas. (Deut¬ 
sche Med. Wochenschrift 38, 727, 1912.) 

H. Rosin bespricht die subjektiven und objektiven Symptome der 
Pathogenese, Diagnose und Therapie. Bei letzterer wird neben der 
medikamentösen Behandlung besonders auf eine Reihe physikalischer 
Hilfsmittel hingewiesen, die viel zu wenig in Anwendung kommen, vor 
allem auf den Aderlaß nicht unter 200 ccm. — Im einzelnen muß auf 
den Aufsatz selbst verwiesen werden. 

Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

A. Houlgrave. A case of ulcerative endocarditis. (British Med. 
Journal 2701, 841, 1912.) 

Fall von Endocarditis mit gutem Erfolge mit Sauerstoffinhalation 
behandelt S. Kreuzfuchs (Wien). 

Nenadovics, L. (Franzensbad). Ober die Beeinflussung des Reiz¬ 
leitungssystems des Herzens durch das natürliche Kohlensäurebad mit in¬ 
direkter Abkühlung. (Mönch, med. Wochenschr. 59, 2104, 1912.) 

N. kühlt durch seinen »Bäderregulator" das C02-Bad indirekt da¬ 
durch ab, daß er kaltes Wasser durch den Doppelboden der Metallwanne 
leitet. Seine Beobachtungen an einem Patienten glaubt er dahin deuten 
zu sollen, daß die Wirkung der bisher gekannten und gebrauchten CO*- 
Bäder als eine Herzschonung und Arterienübung, die der neuen Bäder 
mit indirekter Abkühlung als eine tonisierende Herzübung und Arterien¬ 
schonung aufzufassen sei. S. Schoenewald (Bad Nauheim). 

Josu6 et Qodlewski (Paris). Pression arterielle et digitaline. 
(Sociite Medicale des Hopitaux de Paris, 8 nov. 1912.) 

Bei zahlreichen normalen oder herzkranken Menschen haben thera¬ 
peutische, sogar etwas starke Dosen Digitalin den Blutdruck nicht erhöht; 
er steigt nur bei Asystolie, wenn das Mittel den insuffizienten Herzmuskel 
gestärkt hat Die Furcht der Hygertension soll deshalb die Digitalin¬ 
darreichung nicht einschränken. Übrigens kommen Anstiege des Blut¬ 
drucks von 4 bis 5 cm bei Patienten vor, welche gar kein Medikament 
einnehmen. — Le Gendre denkt, daß diese Schwankungen des Blut¬ 
druckes ins rechte Licht gestellt werden sollten, um falsche Diagnosen von 
Hypertension zu vermeiden. — Ri bi er re sieht auch hohen Blutdruck 
nicht als eine Kontraindikation des Digitalins an und erinnert, daß der¬ 
selbe anfallsweise auftreten kann und ebenso gefährlich oder gefährlicher 
ist als konstanter Überdruck; so sieht man bei frischer Bleiintoxikation 
bei Überdruckanfällen Gefäßrupturen z. B. in den Meningen Vorkommen. 
Er erinnert an die Einteilung Vaquez’s in Hypertension passagfcre, 
oscillante und continue. A. Blind (Paris). 


b'ttr die Redaktion verantwortlich: Profesaor Dr. J. O. Mönckeberg, Gießen. WUhelmstraße 9. 
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Nr. 2. 


Referate. 

I. Riruli ui palfcölPflisci ) Auttiii ui Histiligii. 

Parisot, jacquet (Nancy). L’ath6rome aortique chez les animaux. 
(ler Congres de Pathologie comparee, Paris 17.—23. Oct. 1912.). 

Aortenatherom kommt bei Haustieren und wilden Tieren, gerade wie 
beirrt Menschen, oft zur Beobachtung; namentlich bei Herbivoren, speziell 
beim Kaninchen und beim Hasen findet sich dasselbe von 7 bis 30 Pro¬ 
zent. Makroskopisch und mikroskopisch sind die Alterationen denjenigen 
der Menschen und den bei Tieren experimentell erzeugten ganz gleich. 
Perron cito denkt, es wäre interessant, zu erforschen, ob zwischen diesem 
Atherom und parasitären Infektionen der Tiere ein Zusammenhang bestände. 

A. Blind (Paris). 

Tschechowskaja, A. I. Zur Frage des Aneurysma dissecans. 
(Russki Wratsch 38, 1912.) 

Beschreibung zweier typischer Fälle von Aneurysma dissecans der 
aufsteigenden Aorta. In den Wandungen des Gefäßes wurden schwere 
Degenerationsveränderungen in der Media ohne Entzündungserscheinungen 
gefunden. Da im ersten Falle die Aneurysmabildung nach einer puer¬ 
peralen Infektion, im zweiten im Laufe der Cholera asiatica stattfand, 
glaubt Verf. die Entstehung der Aneurysmen in Zusammenhang mit diesen 
Erkrankungen bringen zu können. N. Anitschkow (St. Petersburg). 

Schulgin, M. Zur Frage über die Histogenese der Rhabdomyome 

des Herzens. (Charkower pathologisch-anatomische Festschrift für Prof. 
Dr. M. N. Nikiforow [Moskau]. Charkow, 1911.) 












34 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Verf. führt die Beschreibung zweier Fälle von angeborenen multiplen 
Rhabdomyomen des Herzens an, die sich in der Form einzelner Knoten 
in der Wand des linken Ventrikels befanden. Histologisch bestanden die 
Geschwülste aus quergestreiften Muskelfasern, die verschiedene Stadien 
der Diffeienzierung ihrer kontraktilen Substanz zeigten und den Fasern 
des Reizleitungssystems glichen. Nach ihrer Genese können die 
Rhabdomyomknoten als abgesprengte gewucherte Embryonalkeime der 
Herzmuskulatur betrachtet und somit zur Gruppe der Hamartome 
Albrechts gerechnet werden. N. Anitschkow (St Petersburg). 

Goworow, A. Ein Fall von Herzhernie: ectopia cordis subtiloracica 
bei einem lebenden Kinde. (Charkower pathologisch - anatomische Fest¬ 
schrift für Prof. Dr. M. N. Nikiforow [Moskau]. Charkow, 1911.) 

Infolge eines ausgedehnten Defekts der vorderen Brust- und Bauch¬ 
wand lag das Herz im betreffenden Falle frei außerhalb der Brusthöhle. 
Der Herzbeutel fehlte dabei vollkommen. Im Herzen fand Verf. eine 
mangelhafte Entwicklung der ganzen linken Hälfte und einen Defekt in 
der Kammerscheidewand. Trotz dieser Entwicklungsfehler blieb das 
Kind nach der Geburt 18 St. am Leben. 

N. Anitschkow (St Petersburg). 

Meyer, W. R. Zur Lehre von den spontanen Herzrupturen. (Charkower 
pathologisch-anatomische Festschrift für Prof. Dr. M. N. Nikiforow 
[Moskau]. Charkow, 1911.) 

Nach ausführlicher Besprechung der Literaturangaben über spontane 
Herzruptur, ihre Pathogenese und Statistik, führt Verf. 11 eigene Beobach¬ 
tungen an, wobei die Rißspalte in 10 Fällen sich in der Wand des linken 
und nur in einem in der des rechten Ventrikels befand, ln 2 Fällen 
waren 2 Rupturen an demselben Herzen vorhanden. Die Mehrzahl der 
an Herzruptur Gestorbenen befand sich im Alter von 50—60 Jahren. 
Überhaupt scheint in Rußland die Herzruptur besonders oft in diesem 
Alter vorzukommen, was auch aus den Angaben anderer russischer Autoren 
(Rachmanow u. a.) hervorgeht. Von Interesse ist dabei, daß in West- 
Europa dieses Alter etwas höher ist und zwar den 60—80 Jahren ent- 
• spricht (s. die statistischen Angaben Böttgers, Abbts u. a.). Die Ur¬ 
sache dieses Umstandes kann man darin erblicken, daß die arteriosklero¬ 
tischen Gefäßveränderungen, die in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle 
der Herzruptur zu Grunde liegen, bei Russen in einem jüngeren Alter, 
als bei anderen Völkern vorzukommen scheinen. In allen seinen Fällen 
konnte Verf. eine Nekrose der Herzmuskeln infolge einer Thrombose der 
Äste der Koronararterien konstatieren, wobei die letzteren immer chronische 
sklerotische Prozesse in ihren Wandungen aufwiesen. Eine einfache 
Nekrose der Muskelfasern genügt aber für die Entstehung einer Herz¬ 
ruptur nicht. Dazu sind noch jene Momente von Wichtigkeit, die eine 
Schwäche des interstitiellen Myokardgewebes hervorrufen, wie z. B. ent¬ 
zündliche Prozesse, wenn sie das elastische Gewebe zum Schwund bringen, 
oder ausgedehnte Fettinfiltration. Die Fälle von Herzruptur auf Grund 
primärer Veränderungen der Muskelfasern selbst ohne Sklerose der Koro¬ 
nargefäße und Thrombenbildung hält Verf. für eine Seltenheit. 

N. Anitschkow (St. Petersburg). 

Cohn, A. E. und Lewis, Th. Beschreibung eines Falles von kom¬ 
plettem Herzblock mit anatomischer Untersuchung. (Heart 4, 7, 1912.) 




REFERATE II 


35 


Bei einem 77 jährigen Herrn, der seit 1905 an Herzbeschwerden litt 
und dessen Krankengeschichte 1906 von Dr. Mc. Dade bereits publiziert 
wurde (Lancet p. 653), wurde 1911 kompletter Herzblock (88:34) mit 
Hypertrophie des linken Ventrikels konstatiert. Bald darauf starb er im 
Koma. Makroskopisch wurde eine Atherosklerose der Aorta, der Koronar¬ 
arterien und der Herzklappen gefunden. Bei der mikroskopischen Unter¬ 
suchung erwies sich der Sinusknoten als intakt; im Myokard fanden sich 
zahlreiche Schwielen; der Atrioventrikularknoten war platt und klein und 
zeigte nicht die charakteristische Anordnung und Struktur seiner Fasern; 
die unteren Partien des rechten Schenkel zeigten partielle Atrophie; der 
linke Schenkel war oben schmal, unten breiter; der Hauptstamm des 
Bündels wurde von dichtem Bindegewebe durchsetzt, die Zahl seiner 
Muskelfasern war stark reduziert; zwischen lezteren fanden sich weite 
Blutsinus. Die Veränderungen, die demnach zu einer völligen Kontinui¬ 
tätsunterbrechung nicht geführt hatten, wurden als Residuen entzündlicher 
Prozesse angesprochen. J. G. Mönckeberg (Gießen). 


II. Plfsiiliilt ul ixiirlmtilli Pitliliiii 

Janeway, Th. and Park, E. The question of epinephrin in the 
drcnlation and Hi relation to blood pressure. Qoum. of exper. med. 16, 
541, 1912.) 

Ein Beitrag zur Frage, ob der hohe Blutdruck bei Nierenkranken 
auf erhöhter Adrenalinsekretion beruht. Die Verff. modifizieren die 
Methode Meyer's, indem sie die Wirkung auf herausgeschnittene Streifen 
nicht nur der Carotis, sondern auch der Coronaria prüfen. Nur dann 
ist Epinephrin vorhanden, wenn die Carotis verengt, die Coronaria aber 
erweitert wird. So zeigte sich, daß im defibrinierten Blut und im Serum 
ein gefäßverengender Körper vorhanden ist, der in gleicher Weise auf 
Carotis und Coronaria wirkt, also mit Adrenalin nichts zu tun hat; er 
wirkt ähnlich wie Chlorbaryum, greift direkt an der glatten Muskulatur 
an und hat keine Beziehungen zum Sympathicus. Nicht defibriniertes 
normales Menschenblut (ungerinnbar gemacht durch Zusatz von 0,5% 
Natr. citr. oder Hirudin) zeigt keine Spur einer vasokonstriktorischen 
Wirkung. Bei sechs Patienten mit hohem Blutdruck (5 chron. Nephritis, 
1 ohne deutliche Nierenaffektion) konnte ebenfalls weder Epinephrin, noch 
eine andere gefäßverengende Substanz gefunden werden. Manchmal trat 
allerdings an einer Arterie Verengerung auf, welche ohne die kontrollierende 
Prüfung an der Coronaria als positives Ergebnis aufgefaßt worden wäre. 
Das zur Hemmung der Gerinnung zugesetzte Natriumcitrat erschwert 
jedoch den Nachweis kleiner Epinephrinmengen, Hirudin steigert die 
Empfindlichkeit. (Geprüft durch Zusatz kleiner Adrenalinmengen zu 
normalem Blut) J. Rothberger (Wien). 

Park, E. Observation« with regard to the action of epinephrin on 
the coronary artery. (Joum. of exp. med. 16, 532, 1912.) 

Verf. äußert zunächst Bedenken gegen die Angabe von Barbour, 
nach welcher menschliche Koronargefäße im Gegensatz zu denen ge¬ 
schlachteter Tiere durch Nebennierenpräparate verengt werden sollen; es 
seien zu wenig Versuche ausgeführt worden und die übrigens patholo¬ 
gischen Gefäße wären erst 2—7 Stunden nach dem Tode geprüft werden; 



36 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


ein Vergleich mit den Gefäßen gesunder, frisch geschlachteter Tiere sei 
daher nicht ohne weiteres zulässig. Die an Koronararterien von Ochsen 
ausgeführten eigenen Versuche des Verf. zeigen eine Erweiterung nach 
Epinephrin; diese ist aber nicht als aktive Erweiterung aufzufassen, sondern 
als plötzlicher Abfall des Tonus, der aber nicht völlig vernichtet wird. 
Der Grad der Dilatation ist nicht konstant und hängt nicht ausschlie߬ 
lich von der Konzentration des Epinephrins ab, sondern von anderen 
Faktoren. So wird die Dilatation bedeutend ausgiebiger, wenn das 
Epinephrin auf eine tonisch stark kontrahierte Koronararterie wirkt (manch¬ 
mal tritt nämlich eine allmählige Kontraktion nach 1—2stündigem Aufent¬ 
halt in Locke'scher Flüssigkeit auf); es ist daher nicht zulässig, aus dem 
Grade der Erweiterung die Konzentration der verwendeten Epinephrin¬ 
lösung quantitativ bestimmen zu wollen. Eine primär verengende Wirkung 
ließ sich selbst in sehr verdünnten Lösungen (1 :50—200 Millionen) 
nicht nachweisen; dementsprechend wurde auch kein Anhaltspunkt ge¬ 
wonnen für die Annahme sympathischer Vasokonstriktoren (Brodie und 
Cullis). J. Rothberger (Wien). 

Liebmann, E. Experimentelle Untersuchungen Aber den Einfluß des 
Kampfers auf den kleinen Kreislauf. (Arch. f. exp. Path. u. Pharmakol. 
68 , 59, 1912.) 

Um ein Urteil über den Einfluß des Kampfers auf den kleinen Kreis¬ 
lauf und die Art seines Zustandekommens gewinnen zu können, mußte 
Liebmann eine komplizierte Methodik anwenden, die es gestattete, gleich¬ 
zeitig auch die Veränderungen im großen Kreislauf und im r. Ventrikel 
zu erkennen. Dies war umso notwendiger, als trotz zahlreicher Arbeiten 
keine Klarheit über den Einfluß des Kampfers auf den großen Kreislauf 
herrscht. Zur Beurteilung der Lungenzirkulation benutzte Liebmann 
das Plethysmogramm der r. Lunge nach einer von Cloetta angegebenen 
Methode; um den Einfluß des möglicherweise veränderten Respirations¬ 
vorganges auszuschalten, mußte am kurarisierten, nicht atmenden Tier bei 
konstantem Sauerstoffzufluß gearbeitet werden. Nachdem durch Kontroll- 
versuche gezeigt war, daß der Kampfer einen Einfluß auf die Bronchial¬ 
muskulatur nicht hat, konnte angenommen werden, daß das Lungen- 
plethysmogram ausschließlich die Schwankungen der Blutfüllung angab. 
in einzelnen Fällen wurde außer dem Druck im r. Ventrikel und in der 
Karotis, auch noch der Druck in einem Seitenast der Art. pulmonalis 
registriert. Trotz zahlreicher Unterschiede im einzelnen hatte doch die 
Mehrzahl der Versuche ein gleichsinniges Resultat. Und zwar ergab sich 
in Übereinstimmung mit Winterberg für den großen Kreislauf in der 
Mehrzahl der Fälle eine Blutdrucksenkung, der eine kurz dauernde Stei¬ 
gerung vorausgehen konnte. Entsprechend der hierdurch herabgesetzten, 
dem rechten Herzen zuströmenden Blutmenge sank ebenfalls der Druck 
im r. Ventrikel. Am Lungenplethysmogram dagegen zeigte sich in 40 
von 59 Versuchen im Anschluß an die Kampferinjektion als Dauerwirkung 
eine Steigerung der Kurve, über das frühere Niveau, also eine Hyperämie 
der Lunge. Zu auffallenden Befunden führte die gleichzeitige Registrierung 
des Drucks in der r. Kammer und in dem Seitenast der Art. pulmonalis. 
Es konnte nämlich der Druck in der r. Kammer und in der Karotis er¬ 
heblich herabsinken, ohne daß das in den Ast der pulmonalis eingebundene 
Manometer eine entsprechende Senkung zeigte. Dies wird auf Fehler¬ 
quellen zurückgeführt, die darin liegen, daß die pulmonalis durch ihre 



o 


REFERATE II 


37 


dünne Wandung, ihren geringen Tonus einer sehr elastischen Membran 
vergleichbar und sehr wenig geeignet für ein manometrisches System ist. 
Die praktische Bedeutung der gewonnenen Resultate — Erweiterung der 
Gefäße im großen und kleinen Kreislauf, Verminderung des Drucks in 
der r. Kammer — liegt nach Lieb mann darin, daß durch die als 
Kampferwirkung festgestellte Hyperämie der Lunge bei gleichzeitiger Ent¬ 
lastung des r. Herzens der günstige Einfluß erklärt werden kann, der für eine 
kontinuierliche Kampferkur bei Lungentuberkulose beschrieben wurde. 

K. Fleischhauer (Berlin). 

Ogawa, S. Beiträge zur Gefäßwirkung des Adrenalins. (Arch. f. 
exp. Path. u. Pharmakologie 67, 7, 1912.) 

Nach einer von Kasztan und Fahrenkamp ausgearbeiteten Me¬ 
thode durchströmte Ogawa die Gefäßgebiete von überlebenden Nieren, 
Darm und Extremitäten mit Ringer’scher Lösung, der r. und 1. Adrenalin 
in verschiedener Konzentration zugesetzt wurde. Die Ausflußmenge in 
der Zeiteinheit diente als Maß der gefäßverengernden oder -erweiternden 
Wirkung des Adrenalins. Unterschiede der geprüften Gefäßgebiete zeig¬ 
ten sich einmal in der verschiedenen Höhe eines zu Gefäß Verengerungen 
führenden Schwellenwertes, zweitens in dem Verlauf der gefäßerweitern¬ 
den Adrenalinwirkung. Das adrenalinempfindlichste unter den unter¬ 
suchten Organen ist die Niere; ihre Gefäße zeigten stets auch eine se¬ 
kundäre ausgesprochene Erweiterung; an den Extremitäten ist diese 
sekundäre Erweiterung geringer, am Darm nur ausnahmsweise vorhanden. 
Dagegen können an den Darmgefäßen Adrenalinkonzentrationen die noch 
nicht verengernd wirken — 1:50 Millionen 1. Adrenalin — eine pri¬ 
märe Erweiterung verursachen. Erklärt werden die Beobachtungen durch 
die Annahme, daß Adrenalin gleichzeitig die rezeptiven Substanzen der Vaso¬ 
konstriktoren und der Vasodilatatoren erregt. K. Fleischhauer (Berlin). 

Archangelski, N. M. Ober die Wirkung der organischen and 
anorganischen Arsenverbindungen auf das isolierte Herz. (Aus dem phar¬ 
makologischen Laboratorium der Kaiserl. Militär- mediz. Akademie zu St. 
Petersburg. Prof. Dr. N. P. Krawkow.) (Inaug. Dissert. St Peters¬ 
burg 1912.) 

Auf Grund von 26 Experimenten mit Lösungen von AS 2 O 8 , NaAs02, 
HsAsOi und Naa H As 0< ebenso wie von Kakodylsäure, kakodylsaurem 
Natron, Atoxyl, Arsazetin, Arrhenal, Hektin und Salvarsan kommt Ver¬ 
fasser zu folgenden Schlüssen: Die anorganischen Arsenverbindungen, 
besonders AssOs (in Konzentration 1:10000—1:100000) üben eine viel 
giftigere Wirkung auf das Herz, als die organischen aus. Die ersteren 
rufen dabei wahrscheinlich dauerhafte Veränderungen im Herzen hervor, 
da die Arbeit desselben sogar nach einem langen nachfolgenden Durch¬ 
fließen der normalen Ringer-Locke’schen Flüssigkeit nicht vollkommen 
wieder hergestellt sein kann. Die Wirkung von As 2 0 3 unterscheidet sich 
von der der HsAsO^-Säure darin, daß die erste der genannten Verbin¬ 
dungen die Amplitude der Herzkontraktionen anfangs erhöht, dann aber 
herabsetzt und dabei den Herzrhythmus beschleunigt; die zweite 
setzt die Amplitude sofort herab, ohne sie anfangs zu erhöhen und ver¬ 
zögert den Rhythmus. Unter den organischen Arsenverbindungen sind 
die Kakodylsäure und Hektin die giftigsten; sie rufen in einer Konzen¬ 
tration von 1:1000—1:2500 eine Erschlaffung der Herzkontraktionen 



38 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 

und eine Arhythmie hervor. In denselben Konzentrationen sind die 
anderen organischen Arsenverbindungen fast unwirksam. Salvarsan bezw. 
seine Oxydationsprodukte weisen sogar in einer Konzentration 1:5000 
keine giftige Wirkung auf das isolierte Herz auf. 

N. Anitschkow (St Petersburg). 

Troitzki, P. W. und Petrowa, M. K. Die mikroskopischen Ver¬ 
änderungen des Kaninchenherzens unter dem Einfluß einer dauernden An¬ 
wendung kleiner Dosen von Digitalis. (Rußki Wratsch 38, 1012.) 

Verff. führten 6 jungen Kaninchen täglich kleine Dosen von Digalen, 
Digitoxin und Digitalin intravenös ein. Die Dauer der Versuche betrug 
38—122 Tage, wobei die Tiere außer einer beträchtlichen Abmagerung 
keine anderen pathologischen Erscheinungen aufwiesen. Das Verhältnis 
zwischen Herz-, Nieren- und Körpergewichten war nur bei 2 Tieren 
in der Weise im Vergleich zu den Konfrontieren geändert, daß man, sich 
auf die Angaben von Tan gl stützend, veranlaßt war an eine Hyper¬ 
trophie des Herzens zu denken. Da aber gerade dieselben Tiere beson¬ 
ders stark abgemagert waren, konnte man auch die Voraussetzung nicht 
ausschließen, daß die Abweichung der genannten Zahlenverhältnisse nur 
auf Grund der Abmagerung entstanden war. Die mikroskopischen Ver¬ 
änderungen der untersuchten Herzen bestanden hauptsächlich in einer 
parenchymatösen Degeneration der Muskelfasern mit einem Verlust der 
Querstreifung, was besonders deutlich in der Muskulatur des linken Ven¬ 
trikels und in den Papillarmuskeln zu sehen war. Nur in einem Falle 
gelang es, eine diffuse Wucherung des interstitiellen Bindegewebes zu 
konstatieren. Die Nervenganglien des Herzens wiesen bei keinem der 
Versuchstiere etwaige Veränderungen auf. 

N. Anitschkow (St Petersburg). 

Carrel, A. Permanent intubation of the thoracic aorta. (Journ. 
of exper. nied. 16, 17, 1912.) 

Verf. berichtet über 10 Versuche, in welchen er an mittelgroßen 
Hunden in die der Länge nach aufgeschlitzte Aorta thoracica Glas- oder 
Aluminiumröhrchen einführte. Diese Röhrchen waren 45 mm lang und 
maßen 9—10 mm im Durchmesser; sie paßten nicht in jede Aorta und 
wurden daher durch zwei mäßig stark angezogene Ligaturen befestigt, 
worauf der Längsschlitz der Aorta vernäht wurde. Es zeigte sich, daß 
unter Umständen das Blut mehr als drei Monate lang durch ein Glas¬ 
rohr fließen kann, ohne daß Gerinnung eintritt. Dagegen bildet sich 
immer dann ein das Lumen des Gefäßes teilweise oder ganz verschließen¬ 
der Thrombus, wenn die Wand der Aorta verletzt ist. Es ist daher 
wahrscheinlich, daß bei Verwendung glattrandiger, der Größe der Aorta 
angepaßter Röhrchen aus Gold bessere Resultate erzielt werden. Even¬ 
tuell könnte das Röhrchen statt mit Paraffin mit einem Stück einer Vene 
ausgekleidet werden, um der Gerinnung sicherer vorzubeugen. Weitere 
Versuche sollen lehren, ob die Methode soweit verbessert werden kann, 
um mit Erfolg bei Menschen mit Aortenaneurysma angewandt zu werden. 

j. Rothberger (Wien). 

Hasebroek, K. (Hamburg). Über die Dikrotie des Arterienpulses 
nach Versuchen mit ihrer künstlichen Erzeugung in elastischen Röhren. 

• Pflüger's Arch. 147, 417, 1912.) 

Verf. sucht an Gummischläuchen, welche aus einer Mariotte’schen 



0 


REFERATE 11 


39 


Flasche rhythmisch gespeist werden, die Dikrotie des Arterienpulses da¬ 
durch nachzumachen. daß er mit Hilfe eines den Schlauch umschließenden, 
wassergefüllten Mantelrohres immer in der Endphase des primären Strom¬ 
stoßes eine kurzdauernde Pression ausübt. Aus den mit einem Sphygmo- 
graphen aufgenommenen „Pulsbiidern" glaubt Verf. schließen zu können, 
»daß eine Zunahme der Dikrotie .... unabhängig vom absoluten Blut¬ 
druck auf irgendwelche Zunahme gesteigerter physiologischer Eigentätig¬ 
keit der Gefäßwandungen hinweist". J. Rothberger (Wien). 

Henderson, Y. Über die Quelle einiger von Hermann Stranb 
vertretenen Ansichten aber den Mechanismus der Herztätigkeit (Pflügers 
Arch. 147, 111, 1912.) 

Verf. sucht durch Gegenüberstellung von Zitaten darzutun, daß 
Straub, welcher die Ansichten des Verf. früher als irrtümlich bezeichnet 
habe, dieselben nun in seiner neuen Arbeit (Pflüger 143, p. 69, 1911) 
als seine eigenen anführe. J. Rothberger (Wien). 

• 

Straub, H. Bemerkungen zu der Mitteilung von Y. Henderson. 

(Pflügers Arch. 147, 443, 1912.) 

Verf. hebt hervor, daß das Neue seiner Untersuchungen in der 
neuen, vollständig originellen Methodik liege, welche die Kurven von 
Herzvolum und Innendruck ohne Entstellung registriere, während bei 
Henderson die Masse und dementsprechend auch die notwendig ge¬ 
wordene Dämpfung zu groß war. J. Rothberger (Wien). 

Krylow, D. D. Die Erhöhung des Blutdrucks in der Lehre von 
der experimentellen Arteriosklerose. (Wratschebnaja Gazeta No. 14/15, 1911.) 

Verf. hat 4 Versuche an jungen Hammeln ausgeführt, wobei die 
Tiere nach der Methode von Klotz im Laufe von 3 Monaten 1—2 mal 
täglich für V* —15 Minuten an den hinteren Extremitäten aufgehängt wur¬ 
den. Die bei diesen Tieren gefundenen Gefäßverändeningen bestanden 
fast ausschließlich in einer Hypertrophie der Media, die in späteren Sta¬ 
dien auch degenerative Veränderungen aufwies. Oberhaupt waren aber 
diese Veränderungen viel schwächer als jene, die Klotz an Kaninchen 
erzeugt hat. Verf glaubt dieselben in eine Reihe mit den Veränderungen 
des Adrenalintypus stellen zu können. 

N. Anitschkow (St. Petersburg). 

Muchadse, G. Zur Frage über den Einfluß des künstlich ver¬ 
kleinerten Kreislaufs auf den allgemeinen Blutdruck. (Inaug.-Dissert. 
St. Petersburg, 1912.) 

Auf Grund von 47 Versuchen an Hunden kommt Verf. zum Schluß, 
daß die Unterbindung großer Venen, besonders der Pfortader, ein enormes 
Sinken des Blutdrucks hervorruft, wobei derselbe sich nicht mehr wieder 
restituieren kann. Bei der Unterbindung der hinteren Hohlvene an der 
Stelle ihrer Bifurkation ist das Sinken des Blutdrucks nicht so stark und 
der Blutdruck kann sich allmählich wiederherstellen, obwohl er nie die frühere 
Höhe erreicht. Beim Menschen hat die Anwendung der Klapp'sehen Me¬ 
thode des verkleinerten Blutdrucks fast keinen Einfluß auf den allgemeinen 
Blutdruck. Dagegen werden die Methoden von Dawbarn und von 
Zur-Verth die erste von einem Sinken (auf 6—20 mm), die zweite 
von einer geringen Erhöhung des Blutdrucks begleitet. 

N. Anitschkow (St. Petersburg). 



40 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 

III. Kliiik. 

i) Im. 

Müller, H. (Greifswald). Die Größenveränderungen des Herzens vor 
und nach der Entbindung. Medizinischer Verein in Greifswald. (Deutsche 
Med. Wochenschrift 38, 42, 1912.) 

Müller berichtet über die von ihm mit Jaschke angestellten rönt¬ 
genologischen Messungen der Herzen Schwangerer. 

Die Veränderungen der Transversaldimension betrugen durchschnitt¬ 
lich 0,8 bei Aufnahme, V 2 Monat vor und nach der Entbindung. — Der 
Zwerchfellstand war vor der Entbindung durchschnittlich nur um 1,2 cm 
höher als nach der Entbindung. Berücksichtigt man die hieraus resul¬ 
tierende Zunahme der Ausdehnung des Herzschattens, so ergibt sich eine 
höchst minimale Vergrößerung des Herzens vor der Entbindung. 

Die Form des Herzschattens erlaubte in keinem Fall die Annahme 
einer Dilatation; auch eine Hypertrophie konnte • nicht mit Sicherheit 
erwiesen werden, selbst unter Würdigung des Umstandes, daß die linke 
Begrenzung der Herzsilhouette vor der Entbindung in wenig ausge¬ 
sprochener Weise gerundeter im Sinne einer Hypertrophie erschien. 

Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

Klages R. (Frauenklinik, Düsseldorf). Tod in der Schwangerschaft in¬ 
folge Erkrankung des Herzens. (Münch, med. Wochenschr. 59, 1324,1912.) 

Der klinische Verlauf und der anatomische Befund eines in der 
Schwangerschaft zum Exitus gekommenen Falles zeigen von neuem, daß 
die Gefahr eines Herzfehlers für eine Schwangere an und für sich nicht 
groß ist, daß vielmehr erst Komplikationen des Herzfehlers eine Gefahr 
schaffen: Herzmuskelerkrankungen, Nephritis usw. 

S. Schoenewald (Bad Nauheim). 

Fürst Jewachow, S. W. Zur Frage über die Veränderungen des 
Herzens im Laufe der Schwangerschaft (Inaug. Dissert. St. Petersburg 
1912.) 

Verf. hat die Schwankungen der Herzdimensionen an einer Reihe 
von Röntgenbildern bei 10 Wöchnerinnen in der Zeitperiode von 1 bis 
8—10 Tage nach der Geburt verfolgt. Die Arbeit enthält eine ausführ¬ 
liche Besprechung der Technik der Röntgenaufnahmen für die exakteste 
Bestimmung der Herzgröße mit besonderer Berücksichtigung verschiedener 
Fehlerquellen, die dank dem Druck benachbarter Organe u. s. w. entstehen 
können. Im Laufe der normalen Schwangerschaft scheint die Herzgröße 
unverändert zu bleiben. N. Anitschkow (St. Petersburg). 

Lankhorst, J. Jets over de beoordeeling van hartpatienten. (Neder- 
landsch Tijdschrift voor Geneeskunde, 14. September 1912.) 

Beschreibung eines Falles von Herzunregelmäßigkeit infolge einer 
Vagusneurose, welche die Übertragung der Impulse vom Sinus zur Vor¬ 
kammer vollständig blockierte, und von Fällen von extrasystolischer Un¬ 
regelmäßigkeit. Verf. betont, daß die erste postextrasystolische Herzkon¬ 
traktion stärker sein muß als die anderen. Diese Erscheinung kann die 
kompensatorische Pause allein nicht erklären durch die längere Ruhe. 
Nach Verf. hat die Extrasystole einen wirklich verstärkenden Einfluß auf 



o 


REFERATE lila 


41 


die Kontraktilität: die Verstärkung bleibt nämlich bei anderen Rhythmus¬ 
abweichungen mit Pausen vollständig aus. Für die Prognose ist die 
Anamnese äußerst wichtig. Wybauw (Spaa). 

Cobliner, W. (Berlin). Blutdruckmessungen bei erwachsenen 
Dipbtheriekranken. (Dissertation, Berlin, 1912.) 

Bei einer großen Anzahl schwerer Diphtheriefälle treten tiefe und 
langanhaltende Blutdrucksenkungen auf. Der weitere Verlauf dieser Fälle 
ist fast durchweg ein komplizierter, nicht selten tötlich. Die Blutdruck¬ 
senkung ist, nachdem die primären schweren Krankheitserscheinungen 
zurückgegangen sind, bei vielen dieser Fälle das erste Zeichen einer noch 
bestehenden Intoxikation und hat somit eine prognostische Bedeutung. 
Sehr häufig folgen der Blutdrucksenkung schwere Herzstörungen. Die 
Frage, ob analog den Ergebnissen der Tierexperimente das Serum einen 
günstigen Einfluß auf den Blutdruck ausübt, läßt Verf. unentschieden. 

Fritz Loeb (München). 

Pottenger, F. M. Blood pressure in pulmonary tuberculosis. 

(New York Med. Journ. 96 , 418, 1912.) 

n 1. Zur Erzeugung eines niedrigen Blutdruckes bei der Tuberkulose 
tragen bei: die Wirkung der Toxine, die gestörte Zwerchfelltätigkeit, ins¬ 
besondere aber, wenn die Krankheit fortschreitet, die Schwäche des Herz¬ 
muskels und der allgemeine Kräfteverfall. 

2. Zur Erzeugung eines hohen Blutdruckes tragen bei: Zunahme der 
Zahl der Herzschläge, Hypertrophie des Herzens und Verdickung der 
Arterienwandungen." S. Kreuzfuchs (Wien). 

Schlieps, W. Ober pseudokardiale und kardiale Geräusche im 
Kindesalter ohne pathologische Bedeutung. (Jahrb. f. Kinderhlk. Bd. 76, 
H. 3, 1912.) 

Systolische Geräusche sind im Kindesalter sehr häufig, sichere Myo¬ 
karditiden sehr selten. Von 273 Kindern der Poliklinik boten 100 ein 
systolisches Geräusch. Zwei Hauptgruppen akzidenteller Herzgeräusche 
werden unterschieden. Drei Fünftel boten die Symptome von Herzlungen¬ 
geräuschen. Diese sind meist weich und leise, am deutlichsten außerhalb 
der Spitze oder im 2. linken J. R., unmittelbar an den Herzton an¬ 
schließend, zu hören. Bei tiefem lnspirium, nach forcierter Bewegung 
und psychischer Erregung werden sie deutlicher. 

Die zweite Gruppe findet sich durchweg bei blassen, schlaffen, 
muskelschwachen und neuropathischen Kindern. Diese Geräusche sind 
am intensivsten über der Herzspitze selbst zu hören und zeichnen sich 
durch ihre Konstanz oder nur geringe Beeinflußbarkeit durch Respiration, 
Lagewechsel, Bewegung usw. aus. Durch psychische Erregung werden 
sie im Gegensatz zu den kardiopulmonären Geräuschen zum Verschwinden 
gebracht. Verf. erklärt diese Geräusche durch eine Herabsetzung der 
Tonusfunktion des Herzens oder einzelner Teile desselben und schlägt 
daher für dieselben den Namen atonische Herzgeräusche vor. Sie sollen 
sich meist bei solchen Kindern finden, bei dem die Körpergewichtskurve 
mit der Längenwachstumskurve nicht gleichen Schritt zu halten vermag. 
Bisweilen findet sich ein atonisches Geräusch zugleich mit einem kardio¬ 
pulmonären Geräusch bei ein und demselben Kind. Differentialdiagnostisch 
wichtig ist die Beeinflussung der atonischen Geräusche durch psychische 



4 2 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Erregung, durch Kompression der Bauchaorta oder Hochheben der Beine. 
Wichtig ist ferner die Beobachtung der Pulsfrequenz und des Sphygmo- 
gramms; zeigen sich nach Anstrengungen am Sphygmogramm charak¬ 
teristische Veränderungen, so ist das Geräusch nicht harmloser Natur. 
Die kardiopuimonären Geräusche therapeutisch anzugreifen, ist natürlich 
unnötig; gegen die atonischen Geräusche empfiehlt Verf. Ernährung mit 
wenig Milch, ausreichenden Mengen von Fleisch und Kohlehydraten, viel 
Gemüse und Früchte, sowie eine Kräftigung der Skelettmuskulatur mit 
maßvollen Anstrengungen. Die akzidentellen Herzgeräusche der Kinder 
als wanämische" zu bezeichnen, ist unzulässig, da Anämie und Herz¬ 
geräusche im Kindesalter in keinem ursächlichen Zusammenhang stehen. 

H. Netter (Pforzheim). 

Hagen, Georg. Beitrag zur Kasuistik der Concretio cordis mit 
Berücksichtigung der Indikationsstellung für die Cardiolysis. (Dissertation, 
Frei bürg i. Br., 1912.) 

Die Diagnose der Concretio cordis ist, falls die Anamnese Anhalts¬ 
punkte für eine vorausgegangene Perikarditis bietet und der lokale Befund 
am Herzen damit in Einklang steht, aus den pathognomonischen Symp¬ 
tomen mit großer Wahrscheinlichkeit zu stellen. Diese sind: systolische 
Einziehung der regio cordis und diastolisches Thoraxschleudern, diasto¬ 
lischer Venenkollaps, Pulsus paradoxus, Stauungserscheinungen, abnormer 
Atemmechanismus. Dabei ist die mechanische Behinderung der Herz¬ 
tätigkeit, insbesondere die systolische Einziehung und das diastolische Thorax¬ 
schleudern als ein sehr wesentliches diagnostisches Moment zu erachten. 
Fehlen dieses Symptoms spricht, in Berücksichtigung der vielfachen indi¬ 
viduellen I.okalisationsmöglichkeiten von Adhäsionen, nicht gegen die 
Diagnose, wenn von Fall zu Fall Gründe gefunden werden, welche die 
fehlende Mitbewegung des Thorax erklärlich machen. Die Kardiolyse ist 
die gegebene Therapie für alle diejenigen Fälle von Concretio cordis, 
wo durch Mitbewegung des Thorax eine nachweisbare mechanische Be¬ 
hinderung der Herztätigkeit stattfindet. Es empfiehlt sich, bevor man zur 
Operation schreitet, sich über die funktionelle Tätigkeit des Herzens Ge¬ 
wißheit zu verschaffen, indem man den Versuch einer leidlichen Kom¬ 
pensation der Herzkraft wenigstens für den Zustand der Bettruhe macht. 
Eine Kompensierung auch gegenüber der Mehrleistung, welche das Stehen 
und Umhergehen bei außer Bett befindlichen Patienten erfordert, wird 
meist nicht mehr zu erreichen sein. Eine bereits ausgebildete' Stauungs¬ 
zirrhose soll keine Kontraindikation zum chirurgischen Eingriff abgeben, 
da bei einem noch leistungsfähigen Herzen mit größter Sicherheit auf 
Rückbildung der nicht lokal bedingten Stauungen gerechnet werden kann 
und Aussicht auf Nachlassen der Zirkulationsstörungen in der Leber be¬ 
steht. Es wurde drei Monate nach der Kardiolyse bei einem Patienten 
an der Herzspitze ein positives systolisches Phänomen beobachtet, dessen 
Genese nicht mit absoluter Sicherheit eruiert werden konnte. Verf. 
empfiehlt, auf sein Vorkommen bei weiteren Fällen zu achten. 

Fritz Loeb (München). 

Mouriquand, G. et Bouchut, L. (Lyon). Angine de poitrine et 
tabac. (Arch. des Mal. du Coeur. Oct. 1912.) 

Ein 34 jähriger Mann, der seit Jahren ungefähr 30 Zigaretten und 
5 bis b Zigarren täglich rauchte, kam mit Angina pectoris auf die Ab- 




o 


REFERATE lila 


43 


teilung und erlag nach vier Monaten nach einigen Anfällen. Er stellte 
Syphilis sehr entschieden in Abrede. Leider war die Wassermann- 
sche Reaktion im Jahre 1907 noch nicht erfunden. Bei der Sektion fand 
sich am Ostium der rechten Art. coronaria eine Atheromplatte, welche 
alle Charaktere des syphilitischen Atheroms aufwies: Die Intima ist durch 
fibro-hyaline Wucherung verdickt, in der Media finden sich neugebildete 
Kapillaren mit Diapedese und fibröse Wucherungen, welche die elastischen 
Membranen durchsetzen und unterbrechen. 

Obwohl Tabakrauchen jeweils bei diesem Patienten die Lage ver¬ 
schlechterte und neue Anfälle hervorrief, glauben Verff. nach diesem 
anatomisch-histologischen Befunde die Aortitis als syphilitica betrachten zu 
müssen und nicht ihren Ursprung im Tabakmißbrauch sehen zu dürfen. 
Das Aortenatherom der Kaninchen nach Nikotin- oder Tabakinfuss- 
einspritzung sieht wohl dieser Alteration etwas ähnlich, aber es ist immer 
schwer, ohne weiteres vom Tier auf den Menschen zu schließen, beson¬ 
ders da beim Kaninchen die Intima nur aus einer einzigen Zellschicht 
besteht und da somit jeder pathologische Prozeß die Media ergreifen 
muß. Die Autoren leugnen nicht die leichten Herzstörungen nach Tabak, 
lassen aber die Frage nach seiner ätiologischen Bedeutung bei Aorten¬ 
atherom offen. A. Blind (Paris). 

Balard (Bordeaux). Utilite de l’oscillomltrie dans la mort apparente 
d’un nouveaa-nl en plriode agonique. (Paris Medical 48, 511, 1912.) 

Ein neugeborenes Kind schien tot und alle Untersuchungsmethoden 
bekräftigten die Diagnose, mit Ausnahme des Oszillometers, dessen Nadel 
eine halbe Einteilung der Skala 52 mal per Minute durchlief. Man pflegte 
das scheintote Kind weiter, aber es erlag trotzdem. Man fand bei der 
Sektion in seinem Schädel ein Blutgerinnsel von 54 Gr. Diese Methode 
könnte vielfach bei zweifelhaftem Tode Anwendung finden. 

A. Blind (Paris). 

Lipschitz, L. Das Verhalten des Herzens bei sportlichen Maximal- 
leistungen. Ein Beitrag zur Frage der akuten Dilatation des Herzens nach 
starken körperlichen Anstrengungen. (Dissertation, Berlin 1912, 46 S.) 

I. Das Elektrokardiogramm zeigt folgendes: Änderung 
der Überleitungszeit zwischen Vorhof und Kammer ist nicht kon¬ 
stant (berechnet an der Strecke A—J). A—J ist nach der Leistung 22 mal 
größer und 18 mal kleiner als in der Ruhe. Die Systolen dauer ist 
nach der Anstrengung 28 mal größer als vorher (berechnet an der Strecke 
zwischen Ai und E), 12mal kleiner. Die Dauer der Diastole (be¬ 
rechnet an der Strecke zwischen F und A) ist nach der Anstrengung 
34 mal größer, 6 mal kleiner als vor der Anstrengung. Herzperiode 
(Strecke A—A) ist verkürzt. Vorhof zacke A ist in 26 Fällen nachher 
größer, in 9 Fällen kleiner als vorher, unverändert in 5 Fällen. Die 
Ventrikelzacke J ist in 24 Fällen nach der Anstrengung kleiner, in 
15 Fällen größer als vorher. Jp ist nachher in 19 Fällen größer, in 
10 kleiner als vorher; in 11 Fällen unverändert. Die Finalschwankung 
F ist in 23 Fällen nachher größer als vorher, in 12 Fällen kleiner, 5 mal 
unverändert. 

II. Der Blutdruck. Das Blutdruckmaximum ist von 36 Fällen 
30mal nach der Anstrengung höher als in der Ruhe, das Blutdruck¬ 
minimum ist darunter 27mal nachher größer als vorher. 



44 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. D 


III. Das Röntgen bi Id. Von 65 Teleröntgenogrammen wiesen 
19 Fälle Vergrößerungen der Herzfigur auf; es ist deshalb berechtigt, 
auf eine Dilatation des Herzens in diesen Fällen zu schließen. Es kommen 
nach akuten, kurzdauernden Anstrengungen, wie sie in vorliegenden Fällen 
das Wettlaufen mit sich brachte, schon Dilatationen des im allgemeinen 
gesunden Herzens vor. Andererseits sah Verfasser in den meisten Fällen 
(43 mal unter 65) Verkleinerung der Herzfigur in Übereinstimmung mit 
den meisten früheren Autoren. Fritz Loeb (München). 

Kahler (Freiburg i. B.). Über Bronchostenose bei Vorhofsvergrößerung. 

(XIX. Vers, des Vereins Deutscher Laryngologen, Hannover 1912. Prager 
med. W. 38, 1912.) 

Durch die Arbeiten von Stoerk und Kovacs über die Pathologie 
des Herzens und die topographischen Beziehungen des vergrößerten 
Herzens zu den übrigen Organen des Mediastinums angeregt, hat Kahler 
eine Anzahl von Kranken mit Herzfehlern bronchoskopisch untersucht, 
um zu prüfen, ob die von Stoerk an Ausgüssen des Tracheo-Bronchial- 
baumes nachgewiesenen, durch den vergrößerten Vorhof bedingten Stenosen 
der Bronchien auch in vivo nachzuweisen, ob dieselben nur in der Diastole 
zu sehen oder dauernd zu finden seien. Untersucht wurden 11 Fälle 
von Mitralstenose, 1 Fall von reiner Mitralinsuffizienz und 1 Fall von 
Aorteninsuffizienz. In allen Fällen von Mitralstenose fanden sich deut¬ 
liche Verengerungen des linken Bronchus, entsprechend der Vorhofsdilatation 
graduell verschieden von ganz leichten Abflachungen der Bronchialwand 
im vorderen, unteren Quadranten bis zu sehr beträchtlichen Stenosen. 
In dem Fall von Aorteninsuffizienz fand sich eine leichte Abflachung des 
linken Bronchus, wohl als Folge der Hochdrängung des linken Atriums 
durch den mächtig vergrößerten linken Ventrikel. 

Typische Erscheinungen waren die stets deutlich sichtbare pulsatorische 
Hebung der unteren Wand des linken Bronchus bei jugendlichen Per¬ 
sonen, wohl wegen der größeren Nachgiebigkeit der Bronchialwand eine 
deutliche diastolische Zunahme der Stenose. Der Befund wird als so 
typisch bezeichnet, daß bei Erhebung desselben schon bronchoskopisch 
die Wahrscheinlichkeitsdiagnose auf Mitralstenose gestellt werden kann. 
Dies geschah bei zwei zwecks Feststellung der Ursache einer Recurrens- 
lähmung bronchoskopierten Personen, bei denen die auf bronchoskopischem 
Weg gestellte Diagnose durch die interne Untersuchung ihre Bestätigung 
fand. H. Netter (Pforzheim). 


b) Milt. 

Nordinan et Maurin. De l’athlrofne aortique chez les jeunes sujets. 

(La Province medicale, 7, 1912.) 

Zu den wenig zahlreichen Mitteilungen über Aorten-Atherom bei 
jugendlichen Personen, worauf schon Par rot die Aufmerksamkeit gelenkt 
hat, bringen die Autoren zwei neue hinzu; es sind autoptische Zufalls¬ 
funde bei einem 17- resp. 15 jährigen, mit bloßem Auge sichtbare, in¬ 
krustierte Kalkplaques des aufsteigenden Teils der Aorta, bei völligem 
Freisein des Bogens und absteigenden Teils. Es fand sich im einen Fall 
auch noch eine Endocarditis aortica mit feinen adhärenten Granulationen 
etw'as unterhalb des freien Randes der valvulae sigmoideae. Die Neben¬ 
nieren erwiesen sich makroskopisch als normal. 



o 


REFERATE 111 b 


45 


ln ätiologischer Hinsicht ist zu bemerken, daß es sich in einem Fall 
um eine schnell ablaufende Pyämie unbestimmter Natur, im anderen um 
akute Bazillose mit einem vielleicht hinzu getretenen Typhus handelte. 

. Zur Erklärung solcher Fälle erscheint den Autoren die mechanische 
Theorie des Atheroms wenig befriedigend, selbst unter der neuen Form, 
die man ihr gegeben hat, wenn man von Druckschwankungen toxischer 
Art spricht, mögen sie nun direkt oder durch Vermittlung des Sympathikus 
entstehen. Beide Kranke starben schnell und der eine hatte in seiner 
Kindheit keine ernsthafte Krankheit überstanden. Außerdem hatte derselbe 
Kranke eine Endocarditis aortica und bei aller Verschiedenheit des Endo¬ 
kards der Klappen und des Endoarteriums der Aorta erscheint es den 
Autoren logischer, toxisch-infektiöse Faktoren zu beschuldigen, die sich auf 
dem elastiko-muskulären Gewebe lokalisierten, als plötzliche Druck¬ 
änderungen mit Überlastung, Hyperplasie und Nekrose der Gefä߬ 
haut. — Die makroskopische Prüfung der Nebennieren war, wie gesagt, 
negativ. Für die Zukunft aber dürfte eine mikroskopische Untersuchung 
derselben bei Kindern mit Atherom angezeigt sein, um die Frage nach 
dem Nebennieren-Ursprung dieses Atheroms zu klären, da Kinder eine 
weit weniger verwickelte pathologische Vergangenheit haben als Er¬ 
wachsene. Die Autoren denken jedenfalls vielmehr an eine elektive Wirkung 
toxisch-infektiöser Faktoren auf die elastiko-muskulären Gefäßschichten. 
Das Adrenalin würde wahrscheinlich nur als toxischer Faktor wirken. 

H. Netter (Pforzheim). 

Bol lag, Karl. Untersuchungen Ober den Kalkstoffwechsel bei- 
Atherosklerose. (Aus der med. Univ. Klinik Zürich.) (Dissertation, Zürich, 
40 S., 1912.) 

Aus den Untersuchungen des Verfassers ergibt sich vor allem die 
Tatsache, daß von 17 bei Atherosklerotikern angestellten Kalkstoff¬ 
wechselbilanzen unter gleichen Versuchsbedingungen nur in 2 Fällen 
eine deutliche Kalkretention stattfand; in einem Fall lautet das Ergebnis 
unentschieden, in allen übrigen Fällen aber resultierte eine auffällige 
Mehrausscheidung von CaO. An Nebenbefunden erwähnt Verfasser: 
Vorwiegende Milchnahrung mit ihrem sehr hohen Kalkgehalt besitzt auf 
die Kalkausscheidung in einzelnen Fällen einen steigernden Einfluß. 
Dieser ist jedoch nicht konstant. Die Ansicht, daß auch der kranke 
Körper sich an die Kalkzufuhr anpaßt, und die Höhe der Ausscheidung 
danach regelt, trifft nach den vorliegenden Versuchen wenigstens bei der 
Atherosklerose nicht zu. Während im gesunden Organismus von der 
mit der Nahrung aufgenommenen Kalkmenge 5—10 % im Harn ausge¬ 
schieden werden, ist diese Zahl bei der Atherosklerose bedeutend 
schwankender und beträgt nach den Erfahrungen des Verfassers im 
Mittel über 14%. Während der gesunde Erwachsene täglich 0,15—0,5 gr 
Harnkalk ausscheidet, sind die Grenzen dieser Zahlenwerte bei der 
Atherosklerose viel weiter, bei den vorliegenden Fällen 0,0032—1,5722 gr. 

Fritz Loeb (München). 

Brandenstein, S. (Bertin). Dysbasia arteriosclerotica und Plattfuß. 
(Berl. klin. Wochschr. 49 , 2027, 1912.) 

ln nicht seltenen Fällen (3 werden als Beispiel angeführt) besteht 
neben doppelseitigem Plattfuß noch Dysbasia arteriosclerotica, die dann 
meist übersehen wird. Die Behandlung mit Plattfußeinlagen schadet nur, 
w r eil dadurch Druck auf die schlecht ernährten Glieder ausgeübt wird. 



46 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 

Dagegen war die Behandlung der arteriosklerotischen Gefäß Veränderung 
mit Jodkali, Herzmitteln und Heißluft von befriedigendem Erfolg begleitet. 

F. Weil (Beuthen). 

Lang, G. Über den arteriellen Druck bei der Cholera asiatica 
und seine Veränderungen unter dem Einflüsse großer Kochsalzinfusionen. 

(D. Arch. f. klin. Med. 108, H. 3 u. 4, 1912.) 

Im Stadium algidum der asiatischen Cholera fällt im Durchschnitt 
der mittlere Blutdruck nicht, weil, während der maximale fällt, der mini¬ 
male steigt; der Pulsdruck ist also stark vermindert. Nur in den 
schwersten Fällen sinkt der mittlere Druck, weil der minimale nicht 
steigt oder auch fällt. 

Diese Veränderung des Blutdruckes ist eine Folge der Verkleinerung 
des Gesamtblutvolumens durch den Wasserverlust und einer konsekutiven 
Gefäßverengerung. 

Da nach Infusion von 2 Litern alle Blutdruckwerte im Mittel der 
Norm am nächsten kommen, ist anzunehmen, daß damit das normale 
Gesamtblutvolumen erreicht und der Wasserverlust des Blutes und der 
Gewebe ersetzt ist. 

Wenn man dem Cholerakranken mehr infundiert als sein Körper 
Flüssigkeit verloren hat, dann erfolgt eine Überfüllung des Herzgefä߬ 
systems; dabei steigen alle Blutdruckwerte über die Norm, weil die Ge¬ 
fäße sich nicht erweitern. Die Pulsfrequenz nimmt zu. In den dem 
Stadium algidum folgenden Tagen ist nicht selten auch ohne Cholera¬ 
typhoid eine Blutdrucksteigerung zu beobachten. Für das Cholera¬ 
typhoid ist eine Blutdrucksteigerung die Regel. 

ln der Regel sollen im Stadium algidum 2 Liter, bei der ersten 
Infusion 2,5, höchstens 3 Liter infundiert werden. Die Blutdruckmessung 
gibt über die nötigen Menge guten Aufschluß. Bei Infusion größerer 
Mengen muß man mit einer Erschwerung und Vergrößerung der Herz¬ 
arbeit rechnen. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 


IV, M'thifik. 

Obrastzow, W. P. Über unmittelbare Perkussion mit einem Finger. 

Über isolierte Perkussion. (D. Arch. f. klin. Med. 108, 1 u. 2 H. 1912.) 

Verf. benutzt bei der Perkussion nur den Zeigefinger der rechten 
Hand, und zwar die Weichteile der 3. (Nagel-) Phalange; um die Stärke 
des Schlages dieses Fingers zu vergrößern, stützt er den ulnaren Rand 
des Zeigefingers auf den radialen Rand des Mittelfingers und führte dann 
Schläge auf den zu perkuttierenden Körperteil aus, indem er den Zeige¬ 
finger vom Mittelfinger herabschnellen ließ. 

Bei der Untersuchung des Herzens, wobei die linke Hand des Unter¬ 
suchers einerseits den Brustkorb beschwert, andrerseits von der Unter¬ 
suchungsstelle beim Weibe die Mamma, beim Manne die Fettfalten der 
Mammilla entfernt, fand er die Grenzen der absoluten Herzdämpfung 
beim Gesunden wie folgt: Die obere Grenze liegt bei erwachsenen Frauen 
auf der 4. Rippe, bei erwachsenen Männern im 4. Interkostal raum, die 
rechte Grenze bei Männern auf der linken Sternallinie, bei Frauen rückt 
sie nach innen zu vor und nähert sich der Mittellinie. Die linke Grenze, 
sowie die Stelle des Herzstoßes liegen um so weiter nach außen hin, je 



D 


REFERATE V 47 


höher die obere Herzgrenze liegt und je näher zur Mittellinie sieh die 
rechte Herzgrenze befindet und zwar bei Männern um 1—2 cm nach 
innen zu von der linea mammillaris, bei Frauen auf der linea medio- 
clavicularis. 

Bei der Bestimmung der oberen Grenze der absoluten Herzdämpfung 
und der oberen Grenze der absoluten Leberdämpfung auf der rechten 
Mammillarlinie fand Verf., daß zwischen diesen beiden Grenzen ein 
strenger Parallelismus besteht und daß der Unterschied in der Lage dieser 
beiden Grenzen immer zwei Rippen beträgt, d. h. wenn die obere Herz¬ 
grenze auf der 4. Rippe liegt, so liegt die obere Lebergrenze auf der 
6. Rippe usf. 

Der größere Teil der Arbeit beschäftigt sich weiterhin mit den Per¬ 
kussionsformen der übrigen Organe. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Kürt, L. Zur Sensibilitätsprüfung des Herzens. (Ges. für innere 
Medizin und Kinderh. Wien. Innere Section. 20. Juni 1912.) (Wiener 
klin. Rundschau No. 30, 1912.) 

Vortr. hat an acht Fällen die Empfindlichkeit des Herzens gegen 
einen schwachen faradischen Strom geprüft, wobei die Versuchsperson 
eine Elektrode in der Hand hielt und die andere senkrecht auf die Brust 
aufgesetzt und langsam gegen das Herz geführt wurde. Die Versuchs¬ 
personen empfanden an den Grenzen der tiefen Herzdämpfung eine 
wesentliche Abschwächung des Stromes, eine noch stärkere Abschwächung 
stellte sich an der Grenze der absoluten Herzdämpfung ein. Vortr. hat 
das schon früher von ihm beschriebene Organgefühl beim Beklopfen über 
dem Herzen bei chronischer Myokarditis untersucht; es w'ar in der Regel 
nachweisbar, außerdem war über dem linken vorderen Herzabschnitt, mit 
wenigen Ausnahmen, eine gegen Beklopfen besonders empfindliche Zone 
zumeist in der Höhe der fünften Rippe oder etwas höher, zu finden. 
Bef Angina pectoris vera konnte ebenfalls das Organgefühl über dem 
Herzen durch Beklopfen hervorgerufen werden; das dabei auftretende Ge¬ 
fühl erinnerte einen Kranken an den Schmerz beim wirklichen Anfall, 
ln einigen Fällen war eine hypersensible Zone in der Gegend der fünften 
Rippe nachzuweisen. H. Netter (Pforzheim). 

Balard, P. De rapplication de l’oscillomltrie ä la fois & l’exploration 
du pouls et de la tension arterielle chez le nouveau -ne. (Compt. rend. 
hebdom. Soc. de Biol., 27. April 1912.) 

Mit dem Oszillometer von Pachon wird die Exploration des Pulses, 
mit der einfachen Palpation beim Säugling meist unmöglich, eine äußerst 
einfache und leichte Sache. Gleichzeitig läßt sich mit ihm auch der 
Blutdruck messen. H. Netter (Pforzheim). 


V. Tfciripis. 

Vaquez, H. et Laubry, Ch. (Paris). Sur le traitement specifique 
des aortites syphilitiques et des anävrysmes de l’aorte. (Paris Medical 
49, 527, 1912 und Arch. Mal. du Coeur. Sept. 1912.) 

Aneurysma aortae kann als eine Varietät der syphilitischen Aortitis 
angesehen werden und soll wie diese durch eine systematische und aus¬ 
gedehnte antiluetische Kur behandelt w'erden. Arsenobenzol kann in Dosen 



4« ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


von 0,15 Qr. bis 0,20 Or. in 80 bis 100 gr leicht alkalischer physio¬ 
logischer Kochsalzlösung je einmal wöchentlich drei Wochen hindurch 
intravenös eingespritzt werden; ebenso Neosalvarsan in Dosen von 0,30 
Gr., welches in weniger Flüssigkeit löslich ist und somit den Kreislauf 
weniger belastet. Tritt nach Arsenobenzol Lungenödem auf, was nicht 
ganz selten ist, so ist Aderlaß und Morphiumeinspritzung indiziert Diese 
Komplikation hat zwar nie zum Exitus geführt, schränkt aber doch die 
Indikation des Salvarsans ein. Als Quecksilberpräparate geben Verff. der 
intravenösen Injektion von 0,01 Gr. Quecksilbercyanat den Vorzug, alle 
zwei Tage eine bis zwölf Einspritzungen, oder Hydrargyrum bijodatum 
0,02 Gr. Natrium jodatum 0,02 Gr. Solutio aquosa Natri chlorati a 7/1000 
1 cm 8 . Die Beschwerden — Schmerz, Angina pectoris, Heiserkeit — 
verschwinden schnell; treten sie wieder auf, so ist eine neue Serie In¬ 
jektionen indiziert. JNa und JK in Dosen von 1 bis 2 gr pro die per 
os, oder Lipiodol oder Jodipin subkutan leisten gute Dienste. Es ist auf¬ 
fallend wie verschieden diese Mittel bei den verschiedenen Patienten wir¬ 
ken: jede Metdode kann versagen, während eine andere günstig wirkt, 
ohne daß der Grund dieser ungleichen Wirkung eruierbar wäre. Man 
muß in solchen Fällen eine nach der anderen, Salvarsan als die letzte, 
probieren. A. Blind (Paris). 

Schwarzman n, J. S. Über die durch die Zirkulationsorgane bedingte 
Kontraindikation zur Salvarsanbehandlung. (Therapeut. Obozrenie 6, 1912.) 

Verf. faßt seine Ausführungen in folgenden Punkten zusammen: Als 
Kontraindikation für „606" dienen i 1. die funktionelle Unzulänglichkeit 
des Herzens, unabhängig von anatomischen Veränderungen desselben; 
2. akute entzündliche Prozesse; 3. Veränderungen im atrio-ventrikulären 
Bündel; 4. während 24 Stunden nach Salvarsaninjektion soll man genau 
auf den zweiten Aortenton achten, denn die an demselben etwa vorhan¬ 
denen Veränderungen ermöglichen es, den Zustand der Vasomotoren zu 
erkennen. L. N e n a d o v i c s (Franzensbad). 


Bücherbesprechungen. 

Eysselsteijn, G. van. Die Methoden der künstlichen Atmung. 

Mit einem Vorwort von Prof. K. F. Wenckebach. (Berlin, 1912, Verlag 
von Julius Springer. 122 S. Preis 3.20 M. broschiert.) 

In dem Werkchen sind mit großem Fleiße die Methoden zur Er¬ 
rettung Ertrunkener vom Altertum bis zu den heut geübten Verfahren ge¬ 
sammelt, beschrieben und einer eingehenden kritischen Würdigung unter¬ 
zogen worden. Verf. zeigt hierbei, daß bei der Ausbildung der Methoden 
der künstlichen Atmung und bei ihrer Beurteilung viel zu sehr das Vo¬ 
lumen der ein- und ausgetriebenen Luft als alleiniger maßgebender Faktor 
angesehen und die Bedeutung der Atmung als Förderungsmittel der Zir¬ 
kulation nicht beachtet worden ist. „Auf die künstliche Atmung kommt 
es in der Tat an. Aber nicht in dem Sinne, daß man möglichst viel 
Luft in die Lungen hinein und aus ihnen herauszutreiben sucht. Die 
künstliche Atmung muß das mächtigste Hilfsmittel sein, das erschöpfte 
Herz zu erneuter Kontraktion zu reizen und ihm die Arbeit zu erleichtern.“ 
Das Buch empfiehlt sich durch eine klare und fesselnde Darstellung des 
immerhin etwas trockenen Gegenstandes. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 



INTERNATIONALE BIBLIOGRAPHIE 


49 


Internationale Bibliographie. 

Bearbeitet von 

Dr. Fritz Loeb (München). 

IX. 

AI brecht, E. Entgegnung auf den Vortrag d. Herrn Prof. Dr. Hoke: 
»Über die sogenannte Atemreaktion des Herzens“. (Prag. m. W. 
37, 499, 1912.) 

Alglave, P. Resultats imm£diats et £loign6s de la r£section totale des 
varices essentielles superf. des membres infer. (Presse m. 20, 453, 
1912.) 

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tion trough the large surgical arteries. (South, m. j. 5, 346, 1912.) 

Amblard, L. Arteriosclerose et bains thermolumineux. 0* de med. 
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Zimmern etCottenot, Resultats et techniquede l’irradiation des glandes 
surr6nales dans l’hypertension arterielle. (Bull, et mem. soc. d. 
radiolog. de Paris 4, 174, 1912.) 


Für die Redaktion verantwortlich: Professor Dr. J. G. Mftnckeberg, Gießen, Wilhelm streß« 9. 
Verlag: Theodor Stelnkopff, Dresden u. Leipzig. Druck: Pr. Tittel Nacht., Dresden 





Zentralblatt 

für 

Herz-ond defässkrankheiten 

Unter Mitarbeit von 

Geh. Rat Prof. Dr. L. Abchoff, Freibarg i> Br.; Sr. En. Geh. Rat Prof. Dr. Cb. BXuklu, Freibarg 
I. Br.; Prof. Dr. E. Baiu Poris; Prof. Dr. L. Brauer, Hamborg; Prof. Dr. F. Chvostbk, Wien; Prot. 
Dr. H. Ehret, Strassborg i. EU.; Prof. Dr. W. Einthoven, Leiden; Prof. Dr. D. Gerhardt, WOrsberg; 
Prof. Dr. G. A. Glbson t, Edinburgh; Prof. Dr. J. Grober, Jena; Piof. Dr. A. Hasbnfkld, Budapett; 
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Dr. J. Strasburger, Breslau; Prof. Dr. A. Strubell, Dresden; Prof. Dr. H. Virroedt, Tübingen; 

Direktor Dr. F. Volhard, Mannheim. 

Herausgegeben tob 

Professor Dr. J. 0. Mönckeberg, Gießen. 


Erscheint am 1. und 15. 

Dresden and Leipzig 

Preis halbjährlich 

jedes Monats. 

Verlag von Theodor Stolniopff. 

M. 8.—. 


T. Jahrgang. 1. Februar 1913. Mr. 3. 


Elektrokardiographische Unter¬ 
suchungen über die Einwirkung von 
kohlensauren Solbädern auf das Herz. 

Von 

Prof. Dr. W e i s s b e i n. 

(Aus dem Fürstlichen Baineologischen Laboratorium in Bad Salzuflen.) 

Bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts hinein galt allge¬ 
mein der feststehende Grundsatz, Herzkranke von der Behandlung durch 
Bäder aller Art auszuschließen. Man nahm von fast sämtlichen hydria- 
tischen Prozeduren und von allen baineotherapeutischen Heilfaktoren an, 
daß sie auf das Herz eine zu starke Einwirkung ausübten und somit eine 
Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Herzkranken bedeuteten. 
Zu gleicher Zeit und unabhängig von einander haben um das Jahr 1870 
Jacob 1 ) und Ben ecke 2 ) u. 8 ) den erfolgreichen Versuch gemacht, 
Herzkranke in kohlensäurehaltigen Mineralwässern baden zu lassen, ersterer 
in einem kohlensäurereichen Stahlbade, letzterer in einem kohlensäure- 
reichen Solbade. Die Veröffentlichungen dieser beiden Autoren yeran- 
laßten ein eifriges Studium der Einwirkung kohlensäurehaltiger Bäder auf 
das Herz, das sich besonders an die Namen Jacob, Benecke, Schott, 
Stifler, Senator und Frankenhäuser, Otfried Müller, Straßburger, 
Goldscheider, um nur einige der hervorragendsten zu nennen, anschließt. 

ln der Praxis hat sich die therapeutisch wertvolle Einwirkung der 
Kohlensäurebäder auf das Herz sehr bald als sicher und unwiderleglich 










58 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


feststellen lassen. Die theoretische Erklärung der Art und Weise, wie die 
Kohlensäurebäder auf das Herz einwirken, hat dagegen die verschiedensten 
Anschauungen erlebt. Die älteren Physiologen und in neuerer Zeit Hugo 
Winternitz 4 ) vertraten den Standpunkt, daß die Kohlensäure durch die 
Haut resorbiert wird, in die Blutbahn gelangt und von hier aus ihre 
Wirkung innerlich entfaltet. Diese Annahme von Winternitz ließ 
man bald fallen. Zurzeit herrscht die Ansicht vor, daß die Einwir¬ 
kung der Kohlensäurebäder auf das Herz mit dem Reiz zusammenhängt, 
den sie auf die peripheren Nervenendigungen in der Haut, speziell auf 
die Vasomotoren der Kapillaren ausüben (Kisch 5 ). Es erfolgt zunächst 
eine Erweiterung der Kapillaren, wodurch ein lebhafter Zufluß des Blutes 
aus den großen Gefäßen in sie hinein veranlaßt wird. Auf diesen Blut¬ 
zufluß in die Kapillaren, der sich durch eine lebhafte Rötung der Haut 
dokumentiert, folgt dann eine Verengerung der Kapillargefäße; die Haut 
wird blaß, und es tritt eine stärkere Füllung der großen Blutgefäße ein. 
Die erste Phase in der Änderung der Zirkulation, die Anfüllung der 
Kapillargefäße in der Haut mit Blut, hat eine Vermehrung der Strom¬ 
intensität in den peripheren Arterien und eine Entlastung der großen Blut¬ 
gefäße zur Folge, die wiederum eine Erleichterung der Herzarbeit ver¬ 
anlaßt, sodaß hier ein herzschonendes Moment vorliegt. Die darauf 
folgende Kontraktion der Muskulatur der Hautkapillaren, die zweite Etappe 
der Einwirkung der Kohlensäurebäder, führt zu einer stärkeren Anfüllung 
der großen Gefäße mit Blut, wodurch eine Belastung des Herzens eintritt. 
Das ist als das herzübende Momentanzusprechen. Die Wechselwirkung 
des herzschonenden und herzübenden Einflusses entspricht aber gerade 
den Anforderungen, die an ein Herzmittel gestellt werden. Diese Er¬ 
klärung wird heute im allgemeinen als zutreffend angenommen. Dagegen 
ist die Frage noch unentschieden, ob die Reizwirkung auf die Nerven¬ 
endigungen der Kapillargefäße nur auf physikalische oder auch auf che¬ 
mische Einflüsse der Kohlensäure zurückzuführen ist. Der ersteren An¬ 
sicht entspricht die Theorie von Senator und Frankenhäuser 6 ), welche 
darin gipfelt, daß die Verschiedenheit der Wärmekapazität und der 
Wärmeleitung des Wassers einerseits und der Kohlensäure andererseits 
innerhalb der Temperaturgrenzen von 28—35° C. wechselnde Reiz¬ 
wirkungen auf die Endigungen der Wärme- und Kältenerven in der Haut 
ausüben. Goldscheider’) u. 8 ) dagegen vertritt den Standpunkt, daß 
bei den Kohlensäurebädern die Kohlensäure als solche einen ihr typischen 
chemischen Reiz auf die Nervenendigungen ausübt. 

Wie dem auch sein mag, ob die Kohlensäure resorbiert wird und 
innerlich wirkt oder von der Haut aus reflektorisch auf physikalischem 
bezw. chemischem Wege, so haben jedenfalls die bisherigen physikalischen 
Untersuchungen im Verein mit der subjektiven Beobachtung der Patienten 
unzweifelhaft erwiesen, daß unter den Herzheilmitteln die Kohlensäure¬ 
bäder in allererster Reihe stehen. 

Die älteren Balneologen haben auch die Beeinflussung des kranken 
Herzens durch Solbäder gekannt und gewürdigt. So hat namentlich 
Keller 9 ) betont, daß die Solbäder eine sichere und unbestrittene Ein¬ 
wirkung auf die Zirkulation haben, die sich in Kräftigung des Herz¬ 
muskels, Verlangsamung der Herzaktion, Steigerung des Blutdrucks, 
besserer Blutverteilung äußert. Stifler 10 ) hat von 7°/oigen Salzbädern 
von 34° C. und 25 Minuten Dauer zunächst eine Steigerung des Blut¬ 
drucks gesehen, die gegen Ende des Bades abnahm, um nach Schluß des 



□ 


ORIGINALE 


59 


Bades ganz allmählich und langsam weiter zu sinken. Dabei wurde der 
Puls hoch und zeigte eine deutliche Markierung der Elevation und Rück¬ 
stoßelevation, sowie allgemein erhöhte Qefäßspannung. Die günstige Ein¬ 
wirkung der Solbäder auf das Herz schien in neuerer Zeit in Vergessen¬ 
heit geraten zu sein, wie z. B. auch Clar n ) dem Salzgehalt der kohlen¬ 
säurereichen Quellen nur eine untergeordnete Bedeutung zuschrieb. Erst 
durch die Untersuchungen von Nicolai l2 ) wurde wieder unsere Auf¬ 
merksamkeit auf die Bedeutung der Solbäder für die Herztherapie gelenkt 
und damit die Richtigkeit der Anschauung der älteren Baineologen über 
die günstige Einwirkung von Solbädern auf den Zirkulationsapparat be¬ 
stätigt. 

Unstreitig ist nun die Kombination von Kohlensäure und Sole im 
Mineralwasser hinsichtlich der Herztherapie als besonders glücklich zu be¬ 
zeichnen ; deshalb erfreuen sich gerade die kohlensäurehaltigen Solquellen 
eines wohlbegründeten Rufes als Herzheilbäder. 

Wenn wir nun in der Literatur verfolgen, auf welche Beobachtungen 
sich die ersten Untersuchungen hinsichtlich der Kohlensäurebäder er¬ 
streckten, so finden wir da Angaben über die subjektiven Äußerungen der 
Patienten, über die Kontrolle der Herztätigkeit durch Auskultation und 
Perkussion, sowie über die Beobachtung des Pulses. In Bezug auf die 
subjektive Beeinflussung der Patienten geben alle älteren Balneologen, 
z. B. Beiiecke 13 ), Scholz 14 ) und andere an, daß Herzkranke sich nach 
den kohlensäurehaltigen Bädern wohler fühlten, nicht nur wenn es sich 
um nervöse Herzstörungen handelt, sondern auch bei organischen Fehlern. 
Der Veränderung der Herzgröße, wie sie sich durch die Auskultation und 
Perkussion feststellen ließ, haben die Balneologen in den 70er Jahren 
vielleicht eine zu große Bedeutung beigelegt. Das mag daher stammen, 
daß sie die Ansicht vertreten haben, die man jetzt wohl allgemein ver¬ 
lassen hat, daß jedes vergrößerte Herz ein krankes Herz ist. Das Be¬ 
streben der Baineotherapeuten aus dieser Zeit ging auch stets dahin, eine 
Verkleinerung des vergrößerten Herzens zu erzielen. Das dürfte ihnen 
wohl auch in denjenigen Fällen, in denen es sich um eine reine Dilatation 
gehandelt hat, gelungen sein. So hat Hensen an der Curschmann- 
schen Klinik verschiedentlich ein Zurückweichen der Herzgrenzen durch 
Kohlensäurebäder um 1 — 1‘/* cm beobachten können (zitiert nach 
Kisch 16 ). August Schott 16 ) hat sogar angegeben, daß unter dem Ein¬ 
flüsse einer 4 wöchentlichen Kur mit kohlensauren Solbädern die größte 
Breite der Herzdämpfung von 22 auf 11 cm zurückgegangen sei, eine 
Angabe, die allerdings vielfach bestritten wurde. Als Ursache für die 
Möglichkeit einer Verkleinerung der Breite eines dilatierten Herzens inner¬ 
halb mäßiger Grenzen dürfte die in der gesamten balneologischen Literatur 
angegebene Kräftigung des Tonus der Herzmuskulatur unter dem Einfluß 
von kohlensäurehaltigen Bädern anzusehen sein. Typisch ist dafür der 
Ausspruch von Jacob 17 ), daß die Kohlensäure die Energie der Herz¬ 
systole ausgesprochen steigert, auch wenn sie den Druck senkt. Im Zu¬ 
sammenhang damit dürfte die Beobachtung von Hensen stehen, die 
auch von anderen Autoren gemacht wurde, daß die Harnmenge an Bade¬ 
tagen nicht selten vermehrt erscheint. Was den Pulsschlag angeht, so war 
man früher allgemein der Ansicht, daß das Kohlensäurebad den Puls 
verlangsamt. Das hat schon im Jahre 1864 Kernig 18 ) betont, und 
später traten für die Pulsverlangsamung unter dem Einfluß der kohlen¬ 
säurehaltigen Bäder Schott 19 ) ein, sowie Kisch 20 ), der als Zahl der 



60 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Pulsverlangsamung 15—20 Schläge in der Minute angibt, ferner Stifler 81 ), 
der eine deutliche Markierung der Katadikrotie dabei festgestellt hat. 
Jacob 28 ) hat in seiner ersten Publikation auch eine Pulsverlangsamung 
unter dem Einfluß des Kohlensäurebades festgestellt, aber dabei die wich¬ 
tige Beobachtung gemacht, daß der Pulsverlangsamung in den ersten 
Momenten eine Beschleunigung voraufgeht. Ähnlich wie Stifler 28 ) be¬ 
obachtete auch Kisch 84 ), daß der Puls infolge seiner Verlangsamung voller 
und kräftiger wurde. Die Auffassung, daß die Kohlensäure die Ursache 
für die Pulsverlangsamung in den Kohlensäurebädern sei, hat man 
wieder fallen gelassen, nachdem man besonders unter dem Einfluß 
der Untersuchungen von Gräupner 26 ), Otfried Müller 26 ) und 
Straßburger 87 ) die Temperatur der kohlensauren Bäder mehr in den 
Bereich der Untersuchungen hineingezogen hat. Dagegen ist die ältere 
Beobachtung, daß bei Herzarhythmien unter dem Einfluß der Kohlen¬ 
säurebäder der Herzschlag regelmäßiger wird, unwidersprochen geblieben. 

In neuerer Zeit spielte die Untersuchung und Beobachtung des Blut¬ 
drucks und des Schlagvolumens eine hervorragende Rolle. Hinsichtlich 
des Blutdrucks wurde im allgemeinen eine Steigerung durch die Kohlen¬ 
säurebäder angegeben, so von Schott 28 ) u. a. 89 ). Nach letzterem Autor 
ist diese Druckzunahme nicht konstant. Hensen 30 ) fand bei Klappen¬ 
fehlern und Myokarderkrankungen unter dem Einfluß von Kohlensäure- 
bädem »überwiegend Blutdrucksteigerungen, die selbst eine Stunde nach 
dem Bade noch 20—30 und selbst 36 mm betrugen." Grödel 81 ) führte 
diese Erscheinung auf eine Tonussteigerung der peripheren Gefäße zurück. 
Stifler 82 ) gibt an, daß unter dem Einfluß des Kohlensäurebades der 
Blutdruck sofort sinkt, dann gegen Schluß des Bades ansteigt und nach 
dem Bade sofort wieder sinkt, während das 7%ige Salzbad, wie wir 
bereits gesehen haben, zunächst eine Steigerung des Blutdrucks zeigt, 
dann ein allmähliches langsames Sinken. Bei den kohlensauren Solbädern 
kommt nach demselben Autor 8S ) zunächst die Salzwirkung zur Geltung, 
die aber bald durch die zwar langsamere, aber intensivere Wirkung der 
Kohlensäure modifiziert wird. Nach Aufhören des flüchtigen peripheren 
Kohlensäurereizes dauert dann die Salzwirkung noch bedeutend nach. Es 
ließ sich übrigens im allgemeinen feststellen, daß dem günstigeren Be¬ 
finden der Herzkranken unter dem Einfluß der Kohlensäurebäder auch 
gewöhnlich eine Veränderung des Blutdrucks entsprach. Bei Herzschwäche 
zeigte sich eine Steigerung des Blutdrucks, bei Überlastung des Herzens 
dagegen eine Herabsetzung. Schon Jacob 84 ) gibt an, daß die Kohlen¬ 
säurebäder den Blutdruck im Sinne einer Regulation beeinflußten, indem 
sie ihn bei niedrigem Stande steigerten, bei einer Erhöhung dagegen 
herabsetzten. Er führte diese Erscheinung auf eine Beeinflussung des 
Vagus zurück. Die experimentellen Tierversuche von Ad. Bickel 85 ) haben 
ergeben, daß alsbald nach dem Beginn des Bades der Blutdruck in der 
Karotis ansteigt, daß aber der Endeffekt der Behandlung im allgemeinen 
eine Blutdrucksenkung war. Hinsichtlich des Schlagvolumens zeigte sich 
unter dem Einfluß des Kohlensäurebades eine Steigerung, die dadurch 
hervorgerufen wird, daß die Funktion des Herzens eine namhafte Kräfti¬ 
gung erfährt. Nach Stifler 86 ) kann diese Zunahme des Schlagvolumens 
sehr bedeutend werden und eine Abszissenlänge von 17 mm erreichen. 

Da aber bei all diesen Untersuchungsmethoden nur der periphere 
Teil des Zirkulationsapparates untersucht wurde und sich hierdurch große 
Fehler einschlichen, so war neben der Kontrolle der Herzgröße durch 



ORIGINALE 


61 


den Orthodiagraphen die Einführung des Elektrokardiogramms in die 
Diagnostik der Herzkrankheiten durch Kraus und Nicolai 87 ) von ein¬ 
schneidendster Bedeutung. 

Röntgenuntersuchungen des Herzens im Kohlensäurebad wurden von 
Selig 38 ) angestellt. Es ergab sich, daß dilatierte Herzen unter dem Ein¬ 
fluß von kohlensauren Bädern von 33° C. nach jedem Bade eine Ver¬ 
kleinerung der Herzfigur bis um 1 cm zeigten, die am Ende der Kur 
bestehen blieb. Auch die Brüder Grödel 39 ) stellten durch orthodia- 
graphische Untersuchungen eine mäßige Verkleinerung der dilatierten 
Herzen unter dem Einfluß der kohlensauren Bäder fest und konstatierten, 
daß die von älteren Baineologen angegebenen ungeheuren Zahlen in der 
Rückbildung des Herzens unter dem Einfluß der kohlensauren Bäder der 
Kontrolle der Orthodiagraphie nicht Stand halten. Das Elektrokardio¬ 
gramm teilt nun mit dem Orthodiagraphen die Eigenschaft der Objektivität. 
Während uns der Orthodiagraph ein objektives Bild über die Größe und 
Form des Herzens bezw. seiner Veränderungen gibt, läßt das Elektro¬ 
kardiogramm die Funktion des Herzens genau beobachten. Mit Hilfe des 
Elektrokardiogramms kann man die Herzarbeit direkt ablesen und die 
Herztätigkeit unabhängig von allen peripherischen Einflüssen studieren. 
Die Aktionsströme des Herzens, die wir hierbei messen, sind der Aus¬ 
druck der mechanischen Tätigkeit des Herzens. Aus diesem elektrischen 
Äquivalent, das wir aufschreiben, können wir die mechanischen Vorgänge 
berechnen, wobei es ganz gleichgiltig ist, ob wir beim Tierversuch die 
Ströme vom freigelegten Herzen ableiten, oder ob wir beim Menschen die 
Elektroden an der unversehrten Körperfläche anlegen. Elektrokardio- 
graphische Untersuchungen über die Wirkung von Bädern auf den mensch¬ 
lichen Organismus, insbesondere auf das Herz, haben den Vorteil der 
Ausschaltung aller subjektiven Einflüsse und erschließen der baineologischen 
Forschung ein neues Arbeitsfeld. 

Zunächst war es erforderlich, den Einfluß der Temperatur der Bäder 
auf das Elektrokardiogramm zu studieren. Auf Veranlassung von Nicolai 
haben Rheinboldt und Goldbaum 40 ) in der zweiten medizinischen 
Klinik der Charite den Einfluß indifferenter warmer und kalter Bäder 
untersucht und gefunden, daß die heißen Bäder die J-Zacke und in un¬ 
bedeutendem Maße auch die F-Zacke vergrößern und daß die kalten 
Bäder die J-Zacke verkleinern und die F-Zacke stark vergrößern. Da 
Kraus und Nicolai nach dem Verhältnis der J-Zacke zur F-Zacke die 
Güte des Herzens beurteilen, so ergibt sich aus den genannten Unter¬ 
suchungen, daß die kalten Bäder das Herz günstiger beeinflussen, als die 
warmen. Dabei hat sich gezeigt, daß die sogenannten indifferenten Bäder 
(34—36° C.) eine deutliche Übergangsstellung zwischen den kalten und 
heißen Bädern einnehmen und daher besser wohl in Bezug auf die Herz¬ 
wirkung als lauwarme Bäder zu bezeichnen sind. 

Die Untersuchungen von Rheinboldt und Goldbaum haben sich 
auf die künstlichen Kohlensäurebäder erstreckt und ergeben, daß der 
Kohlensäurezusatz die günstige Einwirkung der kalten Bäder auf das 
Herz erhöht. 

Wollte man nun zu dem Studium der Einwirkung natürlicher 
kohlensäurereicher Solbäder auf das Herz übergehen, so mußte man 
die weiteren Versuche in erster Linie dahin ausdehnen, ob und in¬ 
wieweit die Wirkung von sogenannten indifferenten Bädern durch 
Zusatz von Sole abgeändert wird. Diese Versuche wurden von 



62 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. D 


Golodecz auf Veranlassung von Nicolai in der 2. medizinischen Klinik 
der Charite ausgeführt und erstreckten sich auf eine Anzahl von herz¬ 
gesunden Menschen, denen 8—10 Tage lang täglich morgens zwischen 
8 bis 9 Uhr, also eine bis zwei Stunden nach ihrem Frühstück, Voll¬ 
bäder von immer genau der gleichen Temperatur (34° C.) verabfolgt 
wurden, die abwechselnd ohne Zusatz und mit Zusatz einer solchen Menge 
von Salzufler Badesalz versehen wurden, daß die letzteren der Zusammen¬ 
setzung des Leopoldsprudels entsprachen, der in Salzuflen zu Bädern ver¬ 
wendet wird. Es wurde so die Wirkung von 54 Bädern untersucht und 
an der Hand genauer Ausmessungen von 240 Elektrokardiogrammen, die 
eine absolute Einstimmigkeit zeigten, unzweifelhaft konstatiert, daß bei 
Solezusatz zu den Bädern sich recht auffällige Veränderungen im Elektro¬ 
kardiogramm ergeben, vor allem eine außerordentlich große Erhöhung der 
F-Zacke, dann aber auch eine starke Verkleinerung der Jp-Zacke. 

Die Versuche mit dem Salzufler Solezusatz wurden immer in gleicher 
Weise angestellt, wobei die Hände der Versuchspersonen mit feuchten 
Tuchelektroden umwickelt wurden, die durch Gummibinden geschützt 
waren. Je 1 Elektrokardiogramm wurde vor dem Bade aufgenommen, 
dann während des halbstündigen Bades in Abständen von 10 Minuten 
und das letzte Elektrokardiogramm 10 Minuten nach dem Bade. Die 
Kontrollversuche mit den reinen Wasserbädern bestätigten die früheren 
Untersuchungen auf diesem Gebiete, nämlich das Auftreten einer mäßigen 
Erhöhung der J-Zacke und der F-Zacke unter dem Einfluß des lauwarmen 
Vollbades. Das Resultat sämtlicher Badeversuche, wie sie in der Charite 
zur Ausführung kamen, ist in Tabelle I übersichtlich zusammengestellt. 

I. Tabelle der Zackengrößen. 


(Mittelwerte aus 54 Wasser- und Solbäderversuchen.) 




j 

m 

1 

A ! 

JP 

J/F 

Mittelwerte 

Vor dem Bad 

10 

3,1 

1,4 

3,5 

! 3,2 

aus 

Nach 10 Minuten 

10,1 

3,8 

1,5 

3,0 

2,7 

30 Wasserbäder- 

Nach 20 Minuten 

9,7 

3,8 

1,5 

3,2 

3,6 

Versuchen 

Nach 30 Minuten 

9,6 

3,6 

1,4 

3,5 

2,7 


Nach dem Bad 

9,8 ' 

3,2 

1,3 

3,2 

3,1 



J 

F 

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JP~ 

J/F 

Mittelwerte 

Vor dem Bad 

10 

3,1 

1,4 

3,8 

3,2 

aus 

Nach 10 Minuten 

9,2 

4,2 

1,5 

2,3 

2,2 

24 Solbädcr- 

Nach 20 Minuten 

10,2 

4,6 

1,6 

1,6 

2,2 

Versuchen 

Nach 30 Minuten 

9,7 

4,5 

1,6 

1,9 

2,2 


Nach dem Bad 

10 

3,9 

1,5 

3,8 

2,6 


Das Schema der Abbildung I zeigt graphisch die Einwirkung der 
Wasser- und Solbäder auf die einzelnen Zacken des Elektrokardiogramms 
(A, j, F.). 

Auf Grund seiner Untersuchungen mit dem Salzufler Solbad kam 
Nicolai zu dem Schluß, daß man den Solbädern, denen frühere 




D 


ORIGINALE 


63 


Therapeuten eine so ungemein große Bedeutung beimaßen, infolge ihrer 
günstigen Einwirkung auf das gesunde Herz wieder mehr Be¬ 
achtung schenken müßte. 



Einwirkung von Wasser- und Solbädern gleicher Temperatur auf die einzelnen 
Zacken des Elektrokardiogramms. -Wasserbad. ■' Solbad. 

Wenn auch zurzeit den Solbädern allein in der Herztherapie nur 
eine bescheidenere Rolle eingeräumt wird, so genießen sie in ihrer Kom¬ 
bination mit der Kohlensäure, also als kohlensaure Solbäder, seit ihrer 
Empfehlung durch Be necke bei der Behandlung von Herzkranken einen 
wohlberechtigten Ruf. Es lag nahe, die bisherigen Untersuchungen 
dahin zu ergänzen, daß man die Einwirkung von natürlichen Kohlen¬ 
säuresolbädern auf das Herz an der Hand elektrokardiographischer Auf¬ 
nahmen in einem Kurort selbst nachprüfte, in dem auch die geeigneten 
Versuchspersonen leichter zur Verfügung stehen. Es ist deshalb besonders 
erfreulich, daß die Fürstliche Badeverwaltung in Salzuflen ein eigenes 
balneologisches Laboratorium eingerichtet hat, das mit allen Hilfsmitteln 
der modernen Herzdiagnostik ausgestattet ist, und es somit ermöglichte, 
die in der Charite begonnenen Versuche zum ersten Mal an Ort und 
Stelle fortzusetzen. 

Die Versuche wurden so angeordnet, daß bei herzgesunden Personen 
zunächst im lauwarmen Wasserbad von 34° C. und dann in kohlensauren 
Thermalbädern von gleicher Temperatur mit dem elektrokardiographischen 
Apparat von Nicolai-Huth Aufnahmen gemacht wurden, und zwar vor 
dem Bade, während des Bades nach 15 und 30 Minuten und 5 Minuten 
nach dem Bade. Vergleichen wir die Resultate, die bei den lauwarmen 
Wasserbädern erzielt wurden mit den Ergebnissen des kohlensauren 
Thermalsolbades, so finden wir unter dem Einflüsse des Thermalsolbades 
eine Erhöhung der F-Zacke und eine auffallend starke Verkleiner¬ 
ung der J-Zacke, wie aus der beigefügten Tabelle 11 ersichtlich ist. 
Das Verhältnis der J-Zacke zur F-Zacke sinkt während des kohlensauren 
Thermalbades um ca. 2 0%, während des einfachen Wasserbades dagegen 
nur um ca. 3%. Nach dem Wasserbad ist sogar das Verhältnis J:F 






64 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEITEN V. O 





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der Blder 

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1 W. + 2K.S. 

1 W. + 2K.S. 

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wieder etwas angestiegen, im Gegensatz hierzu ist es jedoch nach dem 
kohlensauren Thermalbad immer noch um ca. 19°/« herabgesetzt. 

Da nun nach Kraus und Nicolai aus dem Verhältnis der Initial¬ 
zacke zur Finalschw'ankung ein Rückschluß auf die Leistungsfähigkeit des 
Herzens gezogen werden kann, so ergibt sich, daß die Thermalsolbäder 
das Herz außerordentlich günstig beeinflussen. 

Hervorzuheben ist noch, daß bei den kohlensauren Thermal¬ 
solbädern auch die Jp-Zacke stark verkleinert wird. 

Vergleichen wir unsere bei den kohlensauren Thermalbädern erzielten 
Ergebnisse mit dem Resultat der in der II. medizinischen Klinik der Charite 
angestellten Solbäder-Versuche (siehe schematische Abb. II), so finden wir 
einen auffallenden Unterschied zwischen der Wirkung der ein- 





ORIGINALE 


65 


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Zahl 

der Blder 

2W. + 8K.S. 

3W. + 7 K. S. 

1 W. + 6K.S. 

2W. + 6K.S. 

1 W.+4K S. 

1 W. + 2K.S. 

1 W. + 2K.S. 

1 W. + 1 K. S. 

1W. + 1K.S. 

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fachen Solbäder und der kohlensäurehaltigen Thernialsolbäder. 
Während des einfachen Solbades wird die F-Zacke um ca. 25—30% erhöht, 
hingegen während des kohlensauren Solbades um etwa 8%. Die elektro- 
kardiographischen Aufnahmen nach den Solbädern ergeben übereinstimmend 
eine Erhöhung der F-Zacke um ca. 20%. Besonders auffallend 
wird die J-Zacke beeinflußt, die während des einfachen Solbades um 
3—8% sinkt, im kohlensauren Thermalsolbad aber um 13 —19% 
herabgesetzt wird. 

Wenn Nicolai schon auf Grund seiner Badeversuche unter Ver¬ 
wendung der Salzufler Sole den Schluß ziehen konnte, daß derartige Sol¬ 
bäder bei der Behandlung von Kranken mit hohem Blutdruck eine Rolle 
zu spielen berechtigt wären, so trifft dies in noch höherem Maße für die 





ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


III. Tabelle der Zackengrößen. 

Herzkranke. 


Patienten * Art des B * d «‘‘ Untersn 2 ,un * s 


merlcungen 


No. I 
Patientin 
Frau H. 


No. li 
Patient 
Herr W. 


No. III 
Patient 
Knabe P. 


No. IV 
Patient 
Kind N. 


No. V 
Patient 
Herr Sch. 


No. VI 
Patient 
Herr P. 


Kohlen¬ 

saures 

Thermalbad 


Vor dem Bad 15,75 2,0 1,5 6,71 7,9 Arterio- 

Nach 8 Minuten! 19,0 4,0 1,5 4,0 4,8 sklerosemit 

Nach 15 Minut. 20,0 3,0 2,0 3,51 6,7 H yP ertonie - 

Nach dem Bad 19,d 3,0 2,0 5,01 6,3 


Kohlen- Vor dem Bad 26,0i 2,013,0 5,0 13,01 H eri«n$' 

saures * Nach 8 Minuten 1 14,0* 2,0 1,5 1 2,0 7,0 j systolisches n 

Thermalbad! Nach 15 Minut. 1 11,51 2,0 j 1,25 1,5 5,7 

| Nach dem Bad j 23, Ol 2,5 3,0 4,0 9,2 1 «"Extrasystole 


Thermal¬ 

sprudelbad 


Vor dem Bad ||20,0 
Nach 8 Minuten | 17,5 
Nach 15 Minut. i 16,C 
Nach dem Bad, 27,C 



4,5 5,7 Mitral- 


3.5 3,8 
3,0 4,0 

4.5 5,4 


Kohlen- Vor dem Bad j 
saures Nach 8 Minuten 
Thermalbad Nach 15 Minut. | 
Nach dem Badi 


Kohlen- 


7,0 3,0 2,0 4,0! 2,3 

6,3 3,5 1,75 3,3 1,8 

7.5 4,5 2,5 3,0, 1.6 

6.5 5,01 2,5 3,7 1,3 


Vor dem Bad 'j 20,0 3,0 j 2,5 j 4,5! 
Nach 8 Minuten i' 11,5 3,0 j 2,0! 2,0; 


Thermalbad Nach 15 Minut. 12,21 3,5,2,25j 2,5 3,5 
Nach dem Bad 24,0, 4,0 3,5 I 3,5 6,0 


Thermal¬ 

sprudelbad 


|Vor dem Bad 
i Nach 8 Minuten 
Nach 15 Minut. 
Nach dem Bad 


19,0 1,0 1,51 6,0 

15,C 1,5 1,25 4,5 
19, Ci 1,5 ! 1,5 | 5,5 


Insuffizienz. 


Herzneurose. 

Extra¬ 

systolen. 


Mäß. Dilatnt.des 
Herzens, systol. 
Geräusch an der 
Spllze,Verstärk. 
des II. Pulmonal- 
tons. Blutdruck 
150 mm Hg. 


Arteriosklerose. 
Stenokard. An¬ 
fälle. Blutdr.= 
170 mm Hg. 
Herz allseit. ver¬ 
breit., systol.Ge¬ 
räusch a. Spitze. 


No. VII 
Patient 
N. 


No. VIII 
Patient 
P. 


No. IX 
Patientin 
Frl. W. 


Kohlen¬ 

saures 


Vor dem Bad 
Nach 8 Minuten 


Thermalbad l Nach 15 Minut. 


13,0 4,0! 2,0 7,2 
10,0 3,5 j 1,25 3,5 ! 
8,5| 3,5 1,5 j 3,0 


Herzneurose. 


Nach dem Bad || 11,0| 4,0 1,5 i 6,5 


3,0 2,5 5,01 7,0 

2.5 2,0, 4,5 4,0 

3.5 2,5 4,0! 4,5 

4,0 2,51 6,01 6,0 


Kohlensaur. Vor dem Bad 36,0| 3,5 ; 2,0 

Thermalbad NachSMinuien 25,0 3,0 1,5 

SiÄ Nach “'«j 3 -5; '•° 

Nach dem Bad 33,3[ 3,51 2,0 





Mitral¬ 

stenose. 


No. X Kohlen- Vor dem Bad 12,0 2,5 

Patientin saures Nach 8 Minuten 8,0 2,5 

Frl. L. Thermalbad Nach 15 Minut. 7,5 2,5 


12,0 2,5 2,5 6,0 
8,0 2,5 2,5 4,5 


2,5 6,0 4,8 1 
2,5' 4,5 i 3,2 jj 
2,0 3,5 j 3,0 


INach dem Bad I 12,0 3,0 3,0 3,0 j 4,0 


Myokarditis. 


































o 


ORIGINALE 


67 


(Fortsetzung.) 


Name der 
Patienten 

Art des Bades 


J 

F 

A 

JP 

J/F 

Be- 

| merkungen: 

No. XI 

Kohlen- 

Vor dem Bad 

26,0 

6,0 

2,0, 

4,5 

4,3 

Extra- 

Patientin 

saures 

Nach 8 Minuten 


5,0 

L5 

2,5 

4,0 

systolen- 

arhythmie. 

Frau B. 

Thermalbad 

Nach 15 Minut. 

18,5 

4,5 

1,25' 3,5 

4,1 





6,5 

2,0 

4,5 

MM 


No. XII 

i 

Thermal- : 

Vor dem Bad 

15,0 1,25 

1,5 

9,0 

12,0 

Arterio¬ 

Patient 

Nach 8 Minuten 

12,0 2,5 

2,0 

4,5 

4,8 

sklerose. 

Herr H. 

sprudelbad 

Nach 15 Minut. 

11,0 

2,5 

2,0 

4,5 

4,4 



lj Nach dem Bad 

il9,0 

2,5 

2,0 

8,0 

7,6 



kohlensauren Therrnalsolbäder zu, da hier die J-Zacke geradezu auf¬ 
fallend stark nach der günstigen Seite hin beeinflußt wird, ln 
dieser Richtung summieren sich also während des kohlensauren Thermal¬ 
solbades die Reize der beiden Komponenten Sole und Kohlensäure in 
ihrer Wirkung auf die Herzfunktion. Nach dem Bade steigt die J-Zacke 
im wesentlichen wieder zu ihrer gewöhnlichen Höhe an, dagegen zeigt hier 
die F-Zacke, wie bereits angeführt, im Vergleich zu den vor dem Bade 
gefundenen Werten eine durchschnittliche Erhöhung von 20%- Wir er¬ 
sehen hieraus, daß sich die günstige Wirkung des kohlensauren Thermal¬ 
solbades noch über das Bad hinaus erstreckt. 

Unsere Versuche würden also für die alte Anschauung von Stifter 
sprechen, daß im kohlensauren Solbad die Einwirkung der Sole auf den 
Organismus fortdauert, wenn der Reiz der Kohlensäure schon aufgehört hat. 

Wollte man ein abschließenderes Urteil über die Wirkung der kohlen- 



Einwirkung von Solbädern und kohlensauren Thermalbädern auf die einzelnen 
Zacken des Elektrokardiogramms (A. J. F.).-Solbad.-Kohlen¬ 

saures Thermalsolbad. 
















68 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


sauren Thermalsolbäder gewinnen, so mußte man die Untersuchungen 
auch auf herzkranke Personen ausdehnen. Bei Herzkranken konnte man 
aber die elektrokardiographischen Untersuchungen nur so ausführen, daß 
man die Badezeit ihrem Befinden entsprechend abkürzte, wobei hervor¬ 
gehoben werden soll, daß die Einwirkung der kohlensauren Thermalsol¬ 
bäder sich bei Herzkranken in wesentlich prägnanterer Weise 
kenntlich machte, als bei Herzgesunden. 

Wir konnten eine große Reihe von Herzkranken, die uns von den 
Herren Dr. Strunk, Dr. Ruppert und Dr. Siebert in entgegenkommen¬ 
der Weise für unsere wissenschaftlichen Untersuchungen überwiesen wur¬ 
den, im stillen Thermalbad und im Sprudelbad beobachten. Auf Tabelle 111 
sind die Zackengrößen von 12 Herzkranken zusammengestellt. Abgesehen 
von Fall 1, in dem eine Erhöhung der J-Jacke w'ährend des Bades auf¬ 
trat, zeigte sich übereinstimmend eine starke Erniedrigung der J- Zacke 
(sogar bis um ca. 50°/»). Auch das Verhältnis der J-Zacke zur F-Zacke 
wurde durchschnittlich um etwa 40% herabgesetzt Die kohlensauren 
Thermalsolbäder zeigen also bei Herzkranken trotz kürzerer 
Dauer eine wesentlich stärkere Einwirkung auf die Herzfunktion, 
ln den meisten Fällen sahen wir nach 15 Minuten eine günstigere Einwirkung 
als nach 8 Minuten, nur in 3 Fällen fanden wir den besten Erfolg des Bades 
nach 8 Minuten. In den von uns beobachteten Fällen von Arteriosklerose 
zeigte sich, wenn sie nicht schon zu sehr vorgeschritten waren, eine durch¬ 
aus günstige Beeinflussung der Herztätigkeit. So ist z. B. in Fall 12 nicht 
nur die J-Zacke erniedrigt, sondern auch das Verhältnis der J-Zacke zur 
F-Zacke herabgesetzt und das Verhältnis der F-Zacke zur A-Zacke ge¬ 
bessert worden. Hervorgehoben sei noch, daß wir bei einer Reihe von 
Patienten nach einstündiger Ruhezeit, die sich an. das Bad anschloß, 
elektrokardiographische" Aufnahmen machen konnten, aus denen sich ergab, 
daß die günstige Einwirkung der kohlensäurehaltigen Thermalsolbäder auf 
die Herzfunktion nicht nur 5 Minuten nach dem Bade anhält, sondern 
sich auch nach einer Stunde noch deutlich feststellen läßt. 

Von nicht unerheblicher praktischer Bedeutung dürfte die Tatsache 
sein, daß es sowohl bei den Solbädern, wie auch bei den kohlensäure¬ 
haltigen Thermalsolbädern ein gewisses Optimum der Einwirkung 
gibt, das individuellen Schwankungen unterworfen ist, die bei herzkranken 
Patienten besonders deutlich hervortreten. 

Für die Beurteilung und den Erfolg einer Badekur sind deshalb elektro- 
kardiographische Untersuchungen von besonderem Wert. Das Elektro¬ 
kardiogramm gibt dem Badearzt ein vorzügliches Mittel an die Hand, um 
bei jedem einzelnen Herzkranken gesondert die Dauer der Badezeit fest¬ 
stellen zu können, in der die günstigste Einwirkung auf das Herz statt¬ 
findet. Ober diese Zeit hinaus das Bad auszudehnen, wäre nicht ratsam, 
da unsere diesbezüglichen Beobachtungen bei Herzkranken gezeigt haben, 
daß hierdurch leicht eine Abschwächung der guten Wirkung, ja sogar 
eine nachteilige Beeinflussung der Herzfunktion eintreten kann. 

Die Elektrokardiographie eröffnet daher dem Badearzt neue bedeut¬ 
same Perspektiven. Vor allem stellt sie eine wertvolle Bereicherung seiner 
diagnostischen Hilfsmittel dar und bietet ihm die Möglichkeit einer 
genaueren Dosierung der Bäder je nach dem Krankheits¬ 
zustand des einzelnen Patienten. 



o 


ORIGINALE 


69 


Literatur. 

1) Jacob, Grundzüge einer rationellen Balneotherapie. (Berlin 1870.) 

2) Ben ecke, Über die kohlensäurehaitigen Bäder in Nauheim. Berl. 

klin. Woch. 22, 1870. 

3) Derselbe, Zur Therapie des Gelenkrheumatismus und der ihm ver¬ 

bundenen Herzkrankheiten. Berlin. 

4) Winternitz, H. Über die Wirkung verschiedener Bäder, insbesondere 

auf den Gaswechsel. Deutsches Archiv für klin. Medizin 1902. 

5) Kisch, Die Erleichterung der Herzarbeit durch baineotherapeutische 

Mittel. 23. Balneol. Kongr. 1903. 

6) Senator und Frankenhäuser, Zur Kenntnis der Wirkung von 

Kohlensäure- und anderen gashaltigen Bädern. Therapie der 
Gegenwart 1. 1904. 

7) Goldscheider, Über die Einwirkung der Kohlensäure auf die sen¬ 

siblen Nerven der Haut. Archiv f. Anatomie u. Physiologie. 1887. 

8) Derselbe, Zur physiologischen Wirkung der Kohlensäurebäder. 32. Bal- 

neologischer Kongr. 1911. 

9) Keller, Über die Solbadbehandlung während der Gravidität. 32. Bal- 

neologischer Kongr. 1911. 

10) Stifler, Über physiologische differente Bäderwirkung. 20. Balneol. 

Kongr. 1899. 

11) Clar, Vorlesungen über Balneologie. Leipzig und Wien 1907. 

12) Nicolai, Über den Einfluß verschiedener Bäder auf das Herz. 33. Bal- 

neologischer Kongr. 1912. 

13) Benecke, a. a. O. 

14) Scholz, Die Behandlung der chronischen Herzkrankheiten. 9. Balneol. 

Kongr. 1837. 

15) Kisch, a. a. 0. 

16) Schott, A. Zitiert nach Selig Röntgenuntersuchungen des Herzens 

im Kohlensäurebad. 31. Balneol. Kongr. 1910. 

17) Jacob, Methodik und Bedeutung der Blutdruckmessung f. Pathologie 

und Therapie der Zirkulation. 

18) Kernig, Experimentelle Beiträge zur Kenntnis der Wärmeregulierung 

beim Menschen. (Dorpat 1864.) 

19) Schott, Die Behandlung der Herzkrankheiten. 9. Baln. Kongr. 1887. 

20) Kisch, a. a. O. 

21) Stifler, a. a. O. 

22) Jacob, a. a. O. 

23) Stifler, a. a. 0. 

24) Kisch, a. a. O. 

25) Gräupner, Nauheimer Mineralbäder und einfache Wasserbäder, ihr 

Einfluß auf den Blutdruck und die Herztätigkeit. Allg. Mediz. 
Zentral-Ztg. 61 und 62, 1896. 

26) Müller, Otfried. Über den Einfluß von Bädern und Duschen auf den 

Blutdruck den Menschen. Deutsches Arch. f. klin. Medizin 1902. 

27) Straßburger, Über Blutdruck, Gefäßtonus und Herzarbeit bei 

Wasserbädern verschiedener Temperaturen u. bei kohlensäure¬ 
haltigen Solbädern. Deutsches Archiv f. klin. Medizin 1905. 

28) Schott, a. a. 0. 

29) Kisch, a. a. O. 

30) Henssen, zitiert nach Kisch a. a. 0. 

31) Grödel, Die Balneotherapie der chron. Herz- und Gefäßkrankheiten. 

33. Baln. Kongr. 1912. 

32) Stifler, a. a. 0. 

33) Derselbe, Über physiol. Bäderwirkung. 20. Balneol. Kongr. 1899. 

34) Jacob, a. a. O. 

35) Bickel, Ad. Physiologische Untersuchungen zur Bäderwirkung auf 

den Kreislauf. 33. Baln. Kongr. 1912. 

36) Stifler, a. a. O. 

37) Selig, a. a. O. 

38) Grödel, 2 u. 3: Monatsschr. f. physikal.-diätische Heilmethoden 1909. 

39) Rheinboldt und Goldbaum, Zeitschrift für experimentelle Patho¬ 

logie 1911. Band 9. 

40) Kraus und Nicolai, Das Elektrokardiogramm des gesunden und 

kranken Menschen. (Leipzig 1910.) 




70 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 

Referate. 

I. Niriali uni Ntliligiscki Iiatiiii uni listiloiii 

Cohn, A. E. und Lewis, Th. Vorhofflimmern und kompletter Herz¬ 
block. Beschreibung eines Falles von Adams-Stokes’schem Symptomen- 
komplex mit anatomischer Untersuchung. (Heart 4, 15, 1912.) 

Der Fall wurde bereits in drei Arbeiten (Mackenzie, Lewis und 
Mack, Lewis) besprochen. Pat. wurde 1865 geboren, akquirierte 1887 
Syphilis und hatte seine ersten Anfälle 1894. Im November 1908 kon¬ 
statierte Mackenzie einen Puls von 30 Schlägen in der Minute. Später 
wurde Vorhofflimmern außerdem festgestellt. Pat. starb in einem Anfall 
am 8. Juli 1911. Makroskopisch fand sich am Herzen als wichtigste Ver¬ 
änderung ein chronisches Aneurysma der Hinterwand des linken Ventrikels 
nahe der Basis, das sich nach rechts zwischen Koronarsinus und Septum 
membranaceum vorwölbte. Die mikroskopische Untersuchung ergab, daß 
das obere Drittel des Sinusknoten gänzlich durch dichtes altes Bindegewebe 
zerstört und von Fettgewebe um- und durchwachsen war; in den unteren 
zwei Dritteln war ebenfalls das Bindegewebe vermehrt. Die Knotenarterie 
zeigte stellenweise deutliche Endarteriitis. Die Aneurysmenwand bestand 
ausschließlich aus dichtem alten Bindegewebe mit Kalkeinlagerungen. Der 
Atrioventrikularknoten stand außer Zusammenhang mit der Vorhofsmusku- 
latur, war sonst aber intakt. Seine Arterie zeigte ebenfalls endarteriitische 
Veränderungen. Der hintere Teil des A-V-Bündelstammes zeigte eine 
Kontinuitätsunterbrechung durch derbes Bindegewebe; der vordere Teil 
sowie die Teilungsstelle und die oberen Abschnitte beider Schenkel waren 
total zerstört und durch dichtes Bindegewebe ersetzt. 

Die anatomische Untersuchung dieses äußerst interessanten Falles hat 
demnach die Ansicht bestätigt, daß die Ventrikelaktion bei Vorhofflimmern 
nur dann eine regelmäßige ist, wenn totale atrioventrikuläre Dissoziation 
gleichzeitig besteht. Außerdem entsprach das Elektrokardiogramm dieses 
Falles genau dem, das Eppinger und Rothberger nach experimenteller 
Durchschneidung der beiden Schenkel aufgenommen haben. Es scheint 
demnach eine Kontinuitätsunterbrechung beider Schenkel klinisch aus dem 
Elektrokardiogramm diagnostizierbar zu sein. 

J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Fa Icon er, A. W. und Dean, G. Beobachtungen bei einem Fall 
von Vorhofflimmern mit langsamer Kammeraktion. (Heart 4, 87, 1912.) 

Der Fall betraf einen 55 jährigen Mann, der mit 35 Jahren an Ge¬ 
lenkrheumatismus erkrankt und seit 6 Jahren arbeitsunfähig war. Nach 
dreimonatlichem Aufenthalt im Hospital starb er. Die aufgenommenen 
Kurven ließen erkennen, daß es sich um Vorhofflimmern mit hochgradigem 
Herzblock, der zeitweilig wahrscheinlich komplett war, handelte. Makro¬ 
skopisch lag ein komplizierter Klappenfehler vor. Die mikroskopische 
Untersuchung zeigte im Sinusknoten perivaskuläre Infiltration und Gefä߬ 
veränderungen; der A-V-Knoten und der hintere Teil des Stammes waren 
von dichtem Bindegewebe durchwachsen, sodaß stellenweise nur ein dünner 
Muskelstrang übrig blieb; außerdem fanden sich reichliche Infiltrations¬ 
herde. Auch in den übrigen Abschnitten des Systems waren Bindegewebs¬ 
vermehrung und Infiltrate nachzuweisen. Der zentrale Bindegewebskörper 



D 


REFERATE I 


71 


enthielt große Kalkherde. Im Myokard fanden sich Schwielen und Ge¬ 
fäßveränderungen. J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Jackson, L. Experimentelle rheumatische Myokarditis. (Journ. 
Infect. Dis. 11, 243, 1912.) 

Verf. konstatierte das Vorkommen von »Knötchen" im Herzmuskel 
von Kaninchen, die mit Streptokokken verschiedener Stämme injiziert 
worden waren. Die Knötchen bestanden hauptsächlich aus großen mono¬ 
nukleären Zellen, den sog. »endothelialen" phagozytären Leukozyten, wäh¬ 
rend Nekrose und polymorphkernige Leukozyten fast völlig fehlten. Die 
Veränderungen wurden in verschiedenen Intervalle^ nach intravenöser In¬ 
jektion der Streptokokken studiert, von 2 Stunden bis 3 Monaten. So¬ 
wohl einmalige als wiederholte Injektionen wurden gemacht. Die Charak¬ 
teristika der Veränderungen wurden während all der verschiedenen Phasen 
ihrer Entwicklung beibehalten und stimmten genau mit den Bildern über¬ 
ein, die von Coombs und anderen als spezifisch für die Herde im 
menschlichen Herzen bei Rheumatismus angesprochen worden sind. 

Die benutzten Streptokokken stammten meist von Patienten, die an 
epidemischer Tonsillitis litten. Bei vielen war auch Arthritis zu konsta¬ 
tieren. Außerdem wurden Streptokokkus viridans und ein gewöhnlicher 
hämolytischer Streptokokkus mit gleichem Erfolge benutzt. Das Vorkommen 
dieser charakteristischen Veränderungen läßt vermuten, daß ihre Ätiologie 
bei den Tierexperimenten die gleiche ist, wie bei Patienten, die an akutem 
Gelenkrheumatismus leiden. G. C. Robinson (New York). 

Reye, Edgar. Ober die Lokalisation der Lungenembolien. (Zentrlbl. 
f. allg. Path. 23, 23, 1912.) 

An Hand des Sektionsmaterials des Eppendorfer Krankenhauses weist 
Reye nach, daß die Kretz’sehe Theorie über den Sitz der Lungen¬ 
infarkte in den einzelnen Abschnitten nach der Herkunft der Embolie sich 
am Sektionstische nicht bestätige. Unter 18 Embolien, die aus der oberen 
Hohlvene stammten, waren 10 mal die Infarkte regellos in allen Lungen¬ 
abschnitten verteilt, in 8 Fällen war der Unterlappen betroffen. Die 46 
Embolien aus der unteren Hohlvene verteilten sich folgendermaßen: 15 
mal in allen Lungenabschnitten, 26 mal im Unterlappen und 5 mal im 
Oberlappen. Schönberg (Basel). 

Camisa, Giuseppe. Zwei neue Fälle von ostium atrio-ventriculare 
sinistrum duplex. (Zentrlbl. f. allg. Path. 23, 23, 1912.) 

Kasuistische Mitteilung. In beiden Fällen bestanden klinisch keine 
auskultatorischen Symptome. Verf. betrachtet die Mißbildung als Folge 
einer abgelaufenen wahrscheinlich fötalen Endokarditis. 

Schönberg (Basel). 

Oertel, H. Ober die bei schwerer venöser Stauung auftretenden 
nicht entzündlichen Lebernekrosen mit Ikterus. (Rüssel Sage path. Instit. 
New York.) (Berl. klin. Wochschr. 49, 2019, 1912.) 

Die Arbeit sei deswegen hier besprochen, weil sie ein Krankheits¬ 
bild betrifft, das sich nur im Verlauf schwerer vorgeschrittener Zirkulations¬ 
störungen einstellt. Klinisch fiel in den von O. beschriebenen 5 Fällen 
neben der Kreislaufinsuffizienz eine schnell fortschreitende Gelbsucht auf, 
die unter rapidem subjektivem Verfall, Störungen des Pensoriums, Somnolenz 



72 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


und mitunter Delirien schnell zum Ende führte. Anatomisch charak¬ 
teristisch ist eine eigentümliche zytolytische Nekrose der Leber mit 
hämorrhagischen Extravasationen und eine dadurch bedingte, verschieden 
starke, intralobuläre Gallenstauung. Weiterhin findet sich eine bedeutende 
Fettinfiltration, die sich besonders in der mittleren Zone der Läppchen 
geltend macht, und eine relativ scharfe Abgrenzung der zerstörten Teile 
gegen die ödematös geschwollenen Zellen, welche mit strotzend gefüllten 
Gallen- und Blutkapillaren zur Peripherie des geschwundenen Gewebes 
liegen. O. nimmt an, daß sich während des Zustandes der schweren 
Leberzyanose ein zytolytisches Ferment bildet, das den Verfall des Leber¬ 
gewebes bewirkt. F. Weil (Beuthen). 

II. Flfililuii ni umNiiiiiIIi Fitkiluli 

Schott, Eduard. Das Verhalten des Elektrokardiogramms bei 
akuter parenchymatöser Degeneration des Herzmuskels. (Phosphor- und 
Arsenvergiftung.) (D. Arch. f. klin. Med., Heft 4, 1912.) 

Verf. hat fortlaufende elektrokardiographische Untersuchungen an mit 
Phosphor und Arsen experimentell vergifteten Kaninchen angestellt. 

Die Vorhofschwankung wird im ganzen etwas breiter, ihre Fußpunkte 
rücken weiter voneinander ab, die Höhe bleibt zunächst konstant, wird 
aber gegen den Höhepunkt der Vergiftung zu manchmal etwas geringer. 
Der Abstand der Vorhofschwankung vom Beginn der Initialschwankung 
ändert sich nicht wesentlich. In den Veränderungen der Form des Ven¬ 
trikelelektrokardiogramms müssen zwei Phasen unterschieden werden. Das 
erste Stadium ist das einer allgemeinen Abflachung der Zacken und zwar 
betrifft die Abflachung weniger die Initialschwankung wie die Nach¬ 
schwankung. Die Initialschwankung nimmt etwa bis zu */*—Vs ihrer ur¬ 
sprünglichen Höhe ab. Die Nachschwankung kann fast vollkommen ver¬ 
schwinden. Ein Negativwerden der Finalschwankung wurde nicht be¬ 
obachtet Aus der ersten Phase heraus erfolgt ein allmählicher Übergang 
in die zweite. Die Initialschwankung wird höher. Sie wächst um % bis 
auf das doppelte ihrer ursprünglichen Größe. Das markanteste aber ist 
das Verhalten der Finalschwankung; sie wird allmählich höher, so daß 
sie die Höhe der Initialschwankung erreichen und sogar überschreiten 
kann. Dabei ist zumeist die Entfernung zwischen Ende der Initial¬ 
schwankung und Beginn der Finalschwankung relativ groß. Die Zeit¬ 
dauer des Kammerelektrokardiogramms nimmt im ersten Stadium meist, 
aber nicht regelmäßig, etwas ab und steigt dann allmählich um 20—60 
Prozent ihres ursprünglichen Wertes an. 

Das Aussehen des Elektrokardiogramms im ganzen verändert sich 
demgemäß in der Art, daß es in allen Maßen größer wird, die einzelnen 
Zacken sich schärfer markieren mit ganz besonderem Überw’iegen dieser 
Veränderungen in der Finalschwankung. 

Verf. vermochte kurz darauf das Verhalten des Elektrokardiogramms 
bei einer tödlich verlaufenden akuten Phosphorvergiftung bei einem 22- 
jährigen Mädchen zu verfolgen. Es zeigten sich analoge Veränderungen, 
die die experimentell gefundenen Verhältnisse in vollem Grade bestätigten. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Erlanger, J. Beobachtungen zur Physiologie des Purkinje’schen 
Gewebes. (Amer. Journ. of Physiol. 30, 394, 1912.) 



D 


REFERATE II 


73 


Verf. versteht unter „Purkinje’schem Gewebe" den muskulären und 
nervösen Anteil des Reizleitungssystems. Er studierte dessen Verhalten 
besonders an den sog. falschen Sehnenfaden des 1. Ventrikels junger 
Ochsen. Die Herzen wurden mit gleichen Teilen Blut und 9°/o Koch¬ 
salzlösung durchströmt. Um Flimmern zu vermeiden, wurden die Wände 
der 1. Kammer und die Mitralsegel entfernt; dann konnten die falschen 
Sehnenfäden vermittelst einer in den Ventrikel eingeführten elektrischen 
Lampe direkt beobachtet und die Manipulationen an ihnen mit handlichen 
Instrumenten und Elektroden ausgeführt werden. Die Durchströmungs- 
flüssigkeit hatte eine Temperatur von 31—36° C. Ein Signal kündigte 
den Moment der Reizung an; die Bewegungen des Herzens wurden auf 
der Trommel eines Hürthle’schen Kymographen registriert. Sechs von 
27 Experimenten fielen befriedigend aus. Die falschen Sehnenfäden aller 
sechs Fälle enthielten Purkinje'sches Gewebe; zwei enthielten daneben 
Myokardgewebe, doch hatte dessen Anwesenheit keinen Einfluß auf das 
Resultat der Versuche. 

Bei Reizung mit einem Induktionsstrom erwiesen sich die nur Pur¬ 
kin je’sches Gewebe enthaltenden Fäden als reizbar: die Ventrikel kon¬ 
trahierten sich entsprechend, obgleich die Elektroden 1 cm von der Ven¬ 
trikelwand entfernt plaziert waren. Die Reizbarkeit der Fäden war bei¬ 
nahe die gleiche wie die der äußern und innern Wände des Herzens. 
Die Chordae tendineae reagierten nicht auf elektrische Reize, noch lei¬ 
teten sie sie. Die falschen Sehnenfäden schienen sich nur in einem Falle 
zu kontrahieren. 

Die Leitungszeit bei normaler und rückläufiger Leitung betrug un¬ 
gefähr 73 resp. 74,1 cm pro Sekunde, berechnet aus der Reaktionszeit des 
Ventrikels bei Reizung des falschen Sehnenfadens an zwei Punkten, deren 
Entfernung von einander bekannt war. Außerdem wurde die Differenz 
zwischen den Reaktionszeiten 1. bei Reizung des abgeschnittenen Endes 
des Fadens (von bekannter Länge) und 2. bei Reizung des Insertions¬ 
punktes des Fadens an der Ventrikelwand berechnet. Die Latenzperiode 
des Myokards und die des Fadens wurden als gleich angenommen. Die 
letzte Methode erschien weniger geeignet. Das Purkinje'sche Gewebe 
leitete nach beiden Richtungen mit gleicher Leichtigkeit. 

Die Leitfähigkeit des Fadens wurde folgendermaßen geprüft: wenn 
man seichte Einschnitte um den Ursprung eines falschen Sehnenfadens 
gemacht hatte, leitete er nicht mehr so gut wie vorher Impulse. Diese 
und ähnliche Versuche waren darauf gerichtet, die Theorie Tawara’s zu 
bestätigen, daß die Impulse, die das A-V-System passieren, zuerst zu den 
Papillarmuskeln geleitet werden. 

Verf. schließt mit einer Besprechung der Beziehung der Leitung im 
A-V-Bündel zu der Latenzperiode der spezifischen Muskulatur und zum 
Wesen des Knotengewebes. Alfred E. Cohn (New York). 

Moorhouse, V. H. K. Die Beziehung des Sinusknotens zum Vor¬ 
hofsrhythmus. (Amer. Journ. Physiol. 30, 358, 1912.) 

Es wurde an herausgeschnittenen und mit oxydierter Locke’scher 
Flüssigkeit durchströmten Hundeherzen bei konstantem Druck (60—70 mm 
Hg) und konstanter Temperatur (35—36° C.) experimentiert. Kurven 
wurden durch die Suspensionsmethode aufgeschrieben.' Die zu den Ver¬ 
suchen benutzten Herzen wurden histologisch kontrolliert (Serienschnitte, 
Montieren und Färben von jedem 20. Schnitt). 




74 ZENTRAl.BLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 

Wurde die den Sinusknoten enthaltende Gegend entfernt, trat 
1. Vorhofstillstand, später langsamere Schlagfolge oder 2. allmähliche Ver¬ 
langsamung der Vorhofschlagzahl ohne Stillstand oder 3. keine Änderung 
ein. Von der letzten Gruppe wurde ein zweites Stück entweder zwischen 
dem ersten und der Cava inferior oder von einer andern Stelle mit hoher 
Automatie herausgeschnitten. 

Wurde ein Bezirk entlang dem Sulcus terminalis, aber tiefer als die 
den Sinusknoten enthaltende Stelle entfernt, so waren die Resultate genau 
die gleichen. Histologische Untersuchung der zweiten Partie ergab kein 
Knotengewebe oder nur einen kleinen und schwer zu indentifizierenden 
Teil desselben. 

Wegen der Verletzung der ernährenden Gefäße wurde bei anderen 
Versuchen die betreffende Partie gequetscht, anstatt herausgeschnitten, doch 
waren die Resultate ähnliche wie bei Exzision der oberen oder der 
unteren Partien der Taenia terminalis. Diese beiden Partien wurden 
auch getrennt von einander gequetscht: die obere, den Knoten enthaltende 
hatte keine höhere Automatie als die untere, in einem Versuch hatte sogar 
die obere geringere als die untere. 

In sechs Versuchen verursachte die Entfernung eines anderen Be¬ 
zirks (z. B. des Vorhofseptums an der Einmündung der rechten Lungen¬ 
vene), der nachweislich kein Knotengewebe enthielt, Vorhofstillstand; die 
Entfernung anderer Stellen, in denen Knotengewebe enthalten war, modi¬ 
fizierte die Schlagzahl des Herzens nicht. Schließlich wurde die Zahl 
der Kontraktionen verschiedener Streifen der Vorhöfe (eingetaucht in 
Ringer-Lösung) berechnet, ohne daß Bezirke, die den Knoten enthielten, 
höhere Schlagzahl aufwiesen. Verf. schließt, daß der Sinusknoten nicht 
spezifisch die Schlagzahl des Herzens bestimmt; daß die von der Sinus¬ 
gegend abhängige Schlagzahl nicht größer ist, als die irgend eines anderen 
Teiles des Herzens; und daß Bezirke, die kein Knotengewebe enthalten, 
die normale Schlagzahl des Herzens aufrecht erhalten können. 

Alfred E. Cohn (New York). 

III. Klimt. 

a) Harz. 

Krylow, D. O. Eine neue Ansicht über die Entstehung des pulsus 
differens bei Stenosis ostii mitralis. (Berichte der Kaiserl. med. Militär- 
Akademie zu St. Petersburg. 25, 1912.) 

Die Pulsation der linken aa. radialis und carotis bei einem Patienten 
mit Stenosis ostii mitralis xwar viel schwächer als an der rechten Seite, 
wobei diese Differenz durch keine der bekannten Ursachen hervorgerufen 
zu sein schien. Verfasser glaubt dieselbe durch vasomotorische Nerven¬ 
einflüsse infolge eines Drucks des dilatierten linken Vorhofs auf benach¬ 
barte Gefäßstämme und die in ihren Wandungen verlaufenden Nerven¬ 
bündel erklären zu können. N. Anitschkow (St. Petersburg). 

Joachim, G. Über die Bedeutung des aurikulären Leberpulses. 

(D. Arch. f. klin. Med. 180, 1. u. 2. H., 1912.) 

Verf. teilt die Krankengeschichten und die Kur von 13 Fällen mit, 
in denen ein aurikulärer Leberpuls beobachtet wurde. In 5 von diesen 



o REFERATE UI b 75 

Fällen wurde die Diagnose auf Stenosis valvulae tricuspidalis gestellt, 
welche die spätere Obduktion bestätigte. In den übrigen 8 Fällen ließen 
sich aber klinische Anhaltspunkte für eine Trikuspidalstenose nicht finden 
und auch die Obduktion des einen Falles zeigte keine diesbezüglichen 
Veränderungen. Für das Auftreten von aurikulären Leberpulsen auch 
ohne Trikuspidalstenose gibt Verf. nun die Erklärung, nämlich, daß der 
rechte Vorhof dann merkbare Wellen in der Leber erzeugen kann, wenn 
die Venenanfänge mit Blut überfüllt sind, wenn die Lebervenen durch 
Stauung erweitert und dadurch für die Aufnahme von Pulswellen vorbe¬ 
reitet sind, und wenn endlich der rechte Vorhof in seiner Muskulatur 
ganz intakt, d. h. nicht überdehnt ist. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Friberger, R. (Upsala). Über Arhythmie bei gesunden Kindern. 

(Arch. f. Kinderh. 58, H. 1/2, 1912.) 

Arhythmie ist bei allen Kindern in dem Alter von 5—14 Jahren 
vorhanden Und also wenigstens für dieses Alter als physiologisch anzu¬ 
sehen. Über die ursächlichen Momente, welche die verschiedenen Grade 
der Arhythmie bedingen, hat die Untersuchung wenig Aufschluß geben 
können. Daß das Alter von Bedeutung ist, steht fest. Weder verschie¬ 
dene körperliche Entwicklung, noch ein geringeres Maß von Herzschwäche, 
noch Labilität des Nervensystems, scheinen aber einen nennenswerten Ein¬ 
fluß zu haben. Es liegt also, wenigstens nach der vorliegenden Unter¬ 
suchung, kein Grund vor, ein Kind mit arhythinischem Puls in den ge¬ 
nannten Hinsichten als minderwertig zu bezeichnen. 

H. Netter (Pforzheim). 

Hecht, A. F. (Wien). Die Schwierigkeiten der Venenpulsanalyse 
bei Bestehen von Reizleitungsverzögerungen. (Wien. Med. Wschr. 43,1912.) 

Mitteilung eines Falles: 14jähriger Knabe mit Mitralinsuffizienz und 
-Stenose, ohne Rheumatismus in der Anamnese; seit Januar 1912 Dyspnoe 
und Oedeme. Am 20. April 1912 polygraphische Pulsregistrierung. 
Diese ergibt scheinbar einen ventrikulären Venenpuls ohne jegliches Zei¬ 
chen einer Vorhofsaktion, aber vollkommen rhythmisch. Das Fehlen 
der a-Welle bei positivem Venenpuls hätte ein Vorhofflimmern ohne 
Arhythmia perpetua vorgetäuscht (unseren heutigen Anschauungen wider¬ 
sprechend!), wenn nicht die elektrokardiographische Untersuchung eine 
Erklärung des merkwürdigen Phlebogramms dahin gegeben hätte, daß die 
beiden Gipfel des Venenpulses folgendermaßen zu deuten sind: der erste 
Gipfel erwies sich als die vk-Welle (Mackenzie's e-Welle), der zweite 
ist die vs-Welle (Ventrikelstauungswelle nach Hering), der die a-Welle 
des nächstfolgenden Pulses superponiert ist. (Kurven sind dem Original 
beigegeben.) Dieser Venenpuls ist also ein aurikulärer und die ven¬ 
trikuläre Form ist nur durch eine Verzögerung in der Reizleitung vor¬ 
getäuscht. Der Fall lehrt, daß das Elektrokardiogramm überraschende Er¬ 
klärungen diagnostisch dunkler Pulskurven bringen kann, und außerdem, 
daß man — besonders bei Fehlen der Arhythmia perpetua — mit der 
Diagnose »ventrikulärer Venenpuls“ sehr vorsichtig sein muß. 

E. Stoerk (Wien). 


bl fitnii. 

Härter, Untersuchungen am arteriellen menschlichen Blute. (D. 

Arch. f. klin. Med., 108, H. 1 u. 2, 1912.) 

Zur Blutentnahme punktiert Verf. die Art. rad. kurz oberhalb des 



76 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND OEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Handgelenks mit einer 1,5 cm langen, 1,15 mm im Durchmesser halten¬ 
den Kanüle mit kurzem Schliff. Bei richtig ausgeführter Punktion ent¬ 
leert sich das Blut im pulsierenden Strahle. Nach rascher Entfernung 
der Kanüle steht die Blutung auch bei hohem Blutdruck nach Anlegung 
eines Kompressionsverbandes. Bei seinen 60 Punktionen hat Verf. bisher 
noch niemals Erscheinungen bemerkt, die auf eine Embolie hindeuteten. 
Bei 3 autoptisch kontrollierten Fällen ließen sich die Punktionsstellen der 
Radialis nicht mehr erkennen, beim 4. Falle fand sich an der Einstich¬ 
stelle im Innern der Arterie ein ganz kleiner wandständiger Thrombus. 
Die Punktion kann an derselben Arterie mehrfach vorgenommen werden. 

Blutgasanalysen bei Menschen mit gesunden Zirkulation- und Re¬ 
spirationsorganen ergaben ein kleines Schwanken im positiven und negativen 
Sinne um das maximale Sauerstoffsättigungsvermögen des Blutes, das 
höchstens 1 Volumenprozent betrug. Die gleichzeitig in dem Blute fest¬ 
gestellten CO* Mengen ergaben zwischen dem höchsten und niedrigsten 
Werte eine Differenz von 10,68°/o. Da die höheren O* Werte und die 
niedrigeren CO* Werte bei Personen gefunden wurden, die vor der 
Untersuchung nicht absolute Ruhe innegehalten hatten, so nimmt Verf. 
an, daß sie durch eine bessere Lüftung des Blutes bedingt sind. 

In sämtlichen Fällen von chronischen Herzstörungen konnte eine 
Retention von CO* nicht nachgewiesen werden. Das O 2 Defizit gegen¬ 
über dem berechneten maximalen Bindungsvermögen ist als auffallend 
gering zu bezeichnen. Chronische Veränderungen der Lungen, die sich 
langsam entwickeln, brauchen bei muskelruhigen Leuten eine größere Be¬ 
einflussung des Gasgehaltes des Blutes, selbst wenn die ausgeschaltete 
Lungenfläche mehr als die Hälfte der Atmungsfläche beträgt, nicht zu 
veranlassen. Bei akut einsetzender Beschränkung der Atmungsfläche 
kommt es auch bei Körperruhe zu einer gegenüber der Norm mangel¬ 
haften Sättigung des Blutes mit O 2 . Eine Retention von CO 2 konnte Verf. 
bei seinen Fällen nicht nachweisen. 

ln einem Falle von sekundärer Anämie überstieg die O* Sättigung 
des arteriellen Blutes das maximale Bindungsvermögen des Blutes um l,32°/o. 

Die Untersuchung des Blutes bei perniziöser Anämie ergab kein ein¬ 
deutiges Resultat inbezug auf die O 2 Sättigung wegen der verstärkten 
O 2 - Zährung. 

Bei einem Falle von Polycythämie bei Bettruhe ein O 2 -Defizit von 
3,07%, außerhalb des Bettes von 1,49%. Die CO 2 -Werte waren nor¬ 
mal. J. Ru pp er t (Bad Salzuflen). 

Rolleston, H. D. Ober den systolischen Blutdruck im Arm und 
Bein bei Aorteninsuffizienz. (Heart 4, 83, 1912.) 

Die Differenz zwischen dem maximalen systolischen Blutdruck im 
Arm und dem im Bein bei Aorteninsuffizienz ist in unkomplizierten und 
kompensierten Fällen am ausgesprochensten. Verringert wird die Differenz 
bei Dekompensation, bei Kombination mit Mitralerkrankung, in ganz 
frischen Fällen, bei Fieber, bei Applikation von heißem Wasser an den 
Beinen und beim Auftreten von paroxysmaler Tachykardie. 

J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Martinet, A. Les deux hypertensions. (Presse Medicale 99, 
1005, 1912.) 

Hypertension kann entweder funktionell sein, oder von einer anato- 



o 


REFERATE IV 


77 


mischen Läsion, meist der Nieren, abhängen. Es gibt zwei Wege, diese 
Hypertensionen zu unterscheiden: dieselben beruhen auf dem Vergleich 
der Diurese mit dem Differentialdruck einerseits, der Blutviskosität mit 
dem Differentialdruck andererseits. Bei einem nicht anatomisch ge¬ 
schädigten Menschen verhält sich je ein Zentimeter Differentialdruckes 
zu der Harnmenge von 24 Stunden wie 4:1, bei Nierensklerose wie 
5:1. Steht die Blutviskosität in direktem Verhältnis zum Blutdruck, 
so ist dieser einfach die Folge jener: so finden wir Hypertension 
bei einem Diabetiker mit Gicht und Plethora ohne Nephritis; der 
Druck ist hoch, weil das Blut sehr viskos ist. Es geht genau vor 
sich wie in einer Pravazspritze mit Öl: um dasselbe auszutreiben, muß 
man stärker drücken als wenn dieselbe mit Wasser angefüllt ist, wenn die 
Nadel gleich bleibt. Bringt man aber eine zweimal engere Nadel an, so 
muß man auch zweimal so stark drücken: dieses Experiment stellt die 
Umstände bei Arteriosklerose und Nephrosklerose dar. Die Viskosität ist 
gering, der Druck ist hoch; das Verhältnis der zwei Zahlen ist nicht 
mehr wie in der Norm 1,3 bis 1,7, sondern 2,5, 4, ja sogar 7. Diese 
einfachen Bestätigungen erlauben fast mathematisch funktionelle Hyperten¬ 
sion von läsioneller Hypertension mit allen ihren pathologischen und 
prognostischen Folgen zu unterscheiden. A. Blind (Paris). 

Martinet, A. (Paris). Loi biologique gln&rale de la diurese. 
(Presse Mddicale 85, 847, 1912.) 

Beim ersten Anblick erschreckt dieser Artikel den Kliniker, denn er 
wimmelt von Formeln; fängt er aber dessen Lektüre an, so erscheinen 
diese Gleichungen so einfach und klar, daß der erste Eindruck ganz ver¬ 
schwindet Die Diurese hängt nicht vom Maximaldruck ab, das hatte 
schon Potain bestätigt. Sie hängt mehr von dem Differentialdruck ab, 
aber auch nicht ausschließlich; neben demselben kommt in Betracht die 
Viskosität des Blutes und das Lumen der Nierengefäße. Diese Verhält¬ 
nisse lassen sich eben sehr leicht durch Formeln ausdrücken, welche die 
P o i s e u i 11 e’sche Formel über die Menge einer Flüssigkeit von gegebener 
Viskosität, welche in der Zeiteinheit durch ein Kapillarrohr von einem 
bekannten Lumen unter einem bekannten Druck ausfließt, zum Ausgangs¬ 
punkte haben. Die Richtigkeit der Schlüsse, welche M a r t i n e t aus reinen 
Formeln zieht, ist dadurch bewiesen, daß Ambard auf einem ganz 
anderen Wege bei seinen Untersuchungen über den Uratgehalt des Blut¬ 
serums und den Uratgehalt des Harnes zu einem fast gleichlautenden 
Resultate gekommen ist. Diese schönen Ergebnisse zeigen, daß unser 
Urteil über den Wert des Buches Ma rti nets (Zentralbl. S. 350) richtig war. 

A. Blind (Paris). 


IV. M'tmiik. 

Hürthle, K. Beschreibung einer Vorrichtung zur optischen Re¬ 
gistrierung von Druck- und Stromstärke. (Pflüger’s Arch. 147, 509, 1912.) 

Die in vorliegender Abhandlung beschriebenen Apparate dienen zur 
Messung der absoluten Werte von Druck- und Stromvolümen in den 
kleinsten Zeitteilchen eines Pulsschlages. Behufs Erzielung größerer Ge¬ 
nauigkeit wird die optische Registrierung der mechanischen vorgezogen. 
Zur Druckmessung dient das vom Verf. schon beschriebene Torsions- 




78 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


manometer, zur Messung der Geschwindigkeit eine für die optische Re¬ 
gistrierung adaptierte Stromuhr, deren Kolben aus Glas hergestellt ist. 
Manometer und Stromuhr werden auf einer optischen Doppelbank an¬ 
gebracht, welche es gestattet, die Ausschläge beider Instrumente gleich¬ 
zeitig auf das photographische Kymographion zu projizieren. Die ex¬ 
perimentelle Kritik zeigt, daß die Apparate mit ausreichender Genauigkeit 
funktionieren. J. Rothberger (Wien). 

Variot, G. (Paris). Les applications de la radiologie ä l’ltude des 
maladies du nourrisson. (La Clinique infantile 24, 15. Dez. 1912.) 

Der Säugling wird mit reinem Kleidchen auf ein Brettchen fest¬ 
gebunden, an welchem sich ein Haken befindet; dieser wird an ein Seil 
gehängt und so kann in wenigen Sekunden das Wickelkind in allen 
Durchmessern radiologisch untersucht werden. Das Herz ist leicht sicht¬ 
bar. Dextrokardie und angeborene Herzfehler mit oder ohne Cyanose 
sind leicht an der runden Form des Schattens und an dem Übertritt des 
Schattens nach rechts von der Wirbelsäule zu erkennen. Die beim Säug¬ 
ling so seltene Perikarditis gibt verwaschene Konturen des Herzschattens. 

A. Blind (Paris). 

Cawadias (Paris). L’&ude comparative des tensions arterielles des 
membres. Applications cliniques dans les anlvrysmes aortiques et les 
artlrites des membres inflrieures. (Societe de Biologie, 15. Dez. 1912.) 

Mit dem Pac hon'sehen Oszillometer werden viel leichter als mit 
dem Sphygmographen Pulsungleichheiten an den beiden Armen oder 
Beinen ins Licht gestellt und können dieselben zur Diagnose des Aneu¬ 
rysmas verwendet werden. Ebenso bei Arteriitis: ist das Gefäß für das 
Blut schwer durchgängig oder undurchgängig, so wird dieser Umstand 
leicht nachweisbar. A. Blind (Paris). 

Henkel, Ein neuer Apparat zur Venenpulsaufnahme. (Deutsche med. 
Wochenschrift 38, 1971, 1912.) 

Beschreibung einer Modifikation des Mackenzie'schen Instrumen¬ 
tariums, durch die das Venenpulsschreiben nicht unwesentlich vereinfacht 
wird, so daß nach Annahme des Autors auch der Praktiker zur Aus¬ 
führung der Untersuchung instand gesetzt ist. 

Robert Baumstark (Homburg v. d. H.) 

V. Tlirapie. 

Hartung, C. (Pharmakol. Instit. Leipzig). Über Digifolin, ein neues 
Digitalispräparat. (Münch, med. Wochenschr. 59, 1944, 1912.) 

Nach eingehender zusammenfassender Darstellung unserer heutigen 
pharmakologischen Kenntnisse über die in der Digitalispflanze enthaltenen 
chemischen Körper wird der Nachweis geführt, daß das von der Gesell¬ 
schaft für ehern. Industrie in Basel hergestellte neue Präparat Digifolin 
erstens die wirksamen Glykoside der Fol. Digit, enthält, zweitens frei ist 
von den schädlichen Saponinen und anderen Substanzen, welche die der 
Droge eigentümlichen unangenehmen Nebenwirkungen hervorrufen. ln 
letzerer Beziehung soll es das Digipurat übertreffen. Mitteilungen über 
die quantitativen und qualitativen Wertverhältnisse des Mittels, soweit sie 
experimentell festgestellt wurden, vervollständigen die interessante Arbeit. 

S. SchoenewaId (Bad Nauheim). 




o 


REFERATE V 


79 


Busquet, H. (Nancy). Inconstance d’action cardiotonique de la 
digitale et moyens d’y remitier. (Paris Medical 49, 541, 1912.) 

Außer der verschiedenen Wirksamkeit der Digitalis nach den ver¬ 
schiedenen Ländern und Standorten kommt die Gewissenhaftigkeit der 
Einerntung in Betracht. Die Drogenhändler suchen durch Mischung un¬ 
gleich wirkender Blätter eine mittelmäßige und gleichartige Droge darzu¬ 
stellen, welche nach Busquet und Pachon am isolierten Kaninchen¬ 
herzen geqrüft wird; der Frosch ist ein Prüfstein der Toxizität, nicht der 
Wirksamkeit, und eignet sich somit nicht zur Erprobung. Um die Fer¬ 
mente, deren Rolle Bourquelot bei der Modifikation der Wirksamkeit 
der Glykoside nachgewiesen hat, abzutöten, sollen die frischgepflückten 
Blätter möglichst schnell im geschlossenen Raume mit kalten Alkohol¬ 
dämpfen behandelt werden; nachher können sie lange Zeit aufbewahrt 
werden und behalten gleichartige Wirksamkeit. Dies ist notwendig, so¬ 
lange die Ärzte nicht ein gleiches, genau bestimmtes und immer gleich¬ 
wertiges Digitalin zu verschreiben sich angewöhnen. A. Blind (Paris). 

Martinet, A. (Paris). Action diurltique de la digitale. (Presse 
Medicale 81, 811, 1912.) 

Nach der Experimentalphysiologie und Pharmakologie hängt die 
Diurese nach Digitalis von der Erhöhung des Blutdruckes ab. Diese 
Erklärung ist unlogisch, da einerseits nach hohen Gaben bei einem ge¬ 
sunden Hunde bei sehr hohem Blutdruck die Diurese sinkt, ja sogar auf¬ 
hört. Andererseits kann man einen gesunden Hund nicht ohne weiteres 
mit einem kranken Menschen vergleichen. Die klassische Erklärung ist 
daher unrichtig. Hingegen besteht ein direktes Verhältnis zwischen dem 
Pulsdruck und der Diurese, und zwar ist dieselbe um so größer, als das 
Anwachsen des Pulsdruckes vom Abfallen des Minimaldruckes abhängt. 
Das heißt, die Digitalisdiurese hängt 1. von einer zentralen Herzaktion, 
2. von der Beschleunigung des Kreislaufes, namentlich in der Niere, ab. 
Ausnahmen von dieser Regel erklären sich aus dem Verhalten der Blut¬ 
viskosität. Normalerweise bleibt die Viskosität normal, so lange Residual¬ 
flüssigkeit — Oedeme, seröse Ergüsse — ausgeschieden werden. Darnach 
aber steigt der Viskositätswert plötzlich an, um bald darauf wieder zur 
Norm zurückzukommen. Nach Poiseuille, Fugitani, Roger und 
Garnier ist die Diurese umgekehrt proportional der Viskosität. Ihr 
Ansteigen nach der Resorption und dem Ausscheiden der Oedeme würde 
also die Diurese hemmen. — Was geht dabei in den Nierengefäßen vor? 
Da der Pulsdruck nicht mehr steigt, da die Viskosität wächst, und da in 
der zweiten Periode der Digitalisaktion die Diurese doch ansteigt, muß 
man eben annehmen, daß die Nierengefäße sich erweitern, und daß die 
Durchblutung der Nieren erhöht ist. Kasztan (Arch. f. exp. Path. und 
Pharm. 1910), Fahrencamp (ibidem 1911) und Gottlieb (Therap. 
Monatsh. 1912, Juli) haben diese Vasodilatation nach kleinen Digitalis¬ 
gaben experimentell nachgewiesen. Auf ihr beruht also die wirkliche 
Erklärung der Digitalisdiurese. A. Blind (Paris). 

Scholz, W. (Graz). Moderne Digitalistherapie. (Wiener Mediz. 
Wschr. 38, .1912.) 

Historische Übersicht über die Entwicklung der Digitalistherapie. 
Pharmakologische und klinische Hinweise, die im Original eingesehen 
werden müssen. E. Stoerk (Wien). 



80 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Fraenkel, A. (Heidelberg). Chronische Herzinsuffizienz und intra¬ 
venöse Strophantintherapie. Naturhistorisch medizinischer Verein Heidel¬ 
berg. (Deutsche med. Wochenschrift 38, 1215, 1912.) 

Bei Dekompensationszuständen des erkrankten Herzens kommt es zu 
verschiedenen Arten von Stauungen. 

Fraenkel unterscheidet die »peripherische Stauung", die Domäne 
der per os gereichten Digitalis. — Die »pulmonale Stauung" tritt meist 
so akut und bedrohlich auf, daß die Digitaliswirkung zu spät käme und 
bei der chronischen »hepatischen Stauung“ versagt die Digitalis per os. 

In diesen Fällen ist die intravenöse Strophantininjektion am Platz. 
Bei dem kardialen Asthma die einmalige, bei der hepatischen Stauung die 
Serienbehandlung. — So hat eine Patientin, die keine Medikamente mehr 
per os vertrug, in 18 Monaten 85 Injektionen 74*1 mg mit gutem Erfolg 
bekommen. Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

F o c k e, C. (Düsseldorf). Neuere Arbeiten aus dem französischen Sprach¬ 
gebiet zur physiologischen Digitalisprüfung. (Therapie der Gegenwart, 
Neue Folge, XIV. Jahrgang, 8 , Aug. 1912.) 

Focke polemisiert in seiner Arbeit gegen die 3 französischen 
Autoren F. Chevalier (Paris), Wiki (Genf) und Burmann. 

Chevalier hat in seinen Arbeiten die Arbeiten deutscher Autoren 
und spez. die Fockes nur ungenau benutzt Auch legt er seinen Be¬ 
rechnungen über den Digitoxingehalt der Digitalis falsche Zahlen aus 
den Arbeiten von Caesar und Loretz zu Grunde, wodurch er zu 
irrigen Schlüssen kommt Auch seine Formel für die Berechnung des 
Zeitintervalls, innerhalb dessen der Herzkammerstillstand eintreten soll, ist 
unrichtig; es kommen bei Chevalier Schwankungen von 28—42 Min. 
vor, während Focke die Schwankung auf 7—14 Min. einengte. 

Wiki hat ebenfalls in einer vergleichenden Studie über den fran¬ 
zösischen Codex und die Schweizer Pharmacop£e die Focke'sehen Ar¬ 
beiten über Digitalis unrichtig kritisiert. 

Schließlich hat Bu r man n seinen Arbeiten die unrichtigen Zahlen derWi k i- 
schen Arbeiten zugrunde gelegt und ist zu falschen Ergebnissen gekommen. 

Focke betont besonders die Unsicherheit der Digitoxinbestimmungen 
in den verschiedenen Digitalispräparaten, weil eben das Digitoxin als 
Gemisch ein zu wenig konstanter Begriff ist. Er hebt die Wirksamkeit 
des Digitalysatum Bürger hervor. 

Am Schlüsse seiner Arbeit bemerkt Focke, daß der Pariser joanin 
die Ergebnisse von Focke vollauf bestätigt habe und spricht den Wunsch 
aus, daß auch in Zukunft Frankreich und die Schweiz ein einheitliches 
Präparat von dem Valor 4.0 herstellen und in Gebrauch bringen mögen, 
wie es Deutschland seit Jahren schon hat. 

H. Birrenbach (Münster i. W.). 

Gesse, E. R. Über Blutgefäßnaht bei Ausschneiden von Aneurysmen 
an peripheren Gefäßen, bei Gefäßverletzungen, bei Phlebektasien der un¬ 
teren Extremitäten und bei angiosklerotischer Gangrän (auf Grund von 
58 Fällen). (Ruß. Wratsch 43, 1912) 

Die Gefäßnaht in letzterem Falle (Wi et in gs Operation) erwies sich 
als zwecklos und ist durch einfache Unterbindung der Vene zu ersetzen. 
In allen übrigen Fällen erhielt der Verf. vorzügliche Resultate. 

L. Nenadovics (Franzensbad). 


Für die Redaktion verantwortlich: Professor Dr. J. O. Mönckeberg, Gießen, Wilhelmstraße 
Verlag: Theodor Steinkopff Dresden ti. Leipzig. Druck: Fr. Tlttel Nachf., Dresden 




Zentralblatt 

für 

Herz- nid GefMranlMeo 

Unter Mitarbeit von 

Geh. Rat Prof. Dr. L. AsCHorr, Freibarg i. Br.; Sr. Exx. Geh. Rat Prot. Dr. Cu. BXumler, Freibarg 
i. Bt.; Prof. Dr. E. Bari&, Paris; Prof. Dr. L. Brauer, Hamborg; Prof. Dr. F. Chvostek, Wien ; Prof. 
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Herausgegeben von 

Professor Dr. J. 0. MOnckeberg, Gießen. 


Erscheint am 1. und 15. 

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jedes Monats. 

Verlag von Theodor Stelnkopff. 

M. 8.—. 


V. Jahrgang. 

15. Februar 1913. 

Nr. 4. 

Referate. 


L Riruli ul üütholigisdi liatiiii nd listiligii 

Argaud, R. (Alger). Sur une forme particuli&re d’lpithllioma 
vasculaire. (Arch. des Mal. du Coeur. Nov. 1912.) 

Ein Larynxkrebs hatte die Jugularvene infiziert und dieselbe wurde 
nach der Operation histologisch untersucht. Das Neoplasma bildete einen 
waizenkorngroßen, harten, granulomartigen, gestielten Auswuchs. Histo¬ 
logisch enthielt derselbe zahlreiche Qefäße und Kapillaren. Die Oberfläche 
war von der verdickten Intima bedeckt; dieselbe war mit Leukozyten dicht 
infiltriert Unter derselben fand sich junges, mehr oder minder dicht 
verfilztes Bindegewebe im myxoformativen Stadium. Dessen Räume ent¬ 
hielten zahlreiche Krebszellen sehr polymorphen Aussehens; manche der¬ 
selben sahen auffallend fixen Bindegewebszellen ähnlich; auch im Inneren 
der Kapillaren findet sich hin und wieder eine Krebszelle. Dieses sekun¬ 
däre Venenneoplasma war von einer benachbarten Lymphdrüse ausge¬ 
gangen und hatte die Lymphbahnen verfolgt, welche nach Hogan bis 
unter die Gefäßintima dringen. A. Blind (Paris). 

II Pkniiligii nd ixpiriiaittllt Pitkoligii 

Garrey, W. fL Wirkungen der Vagi auf Herzblock und Kammer- 

schlagzahh (Amer. Joum. of Physiol. 30, 45, 1912.) 

Als Versuchstiere wurden Pseudemys elegans und Ps. rugosa benutzt, 
weil bei ihnen die Vagi die Ventrikel nicht hemmen und weil die Ven- 












82 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. □ 


trikel nicht im Eigenrhythmus zu schlagen beginnen. Das Herz wurde 
entblutet und der Block durch eine GaskeH’sche Klammer hergestellt 
Es wurden solche Schildkröten ausgesucht, deren 1. Vagus keine chrono- 
trope Wirkung hatte. Bei Anbringung der Klammer an der A-V-Grenze 
und Reizung des 1. Vagus blieb die Vorhofsschlagzahl unverändert, wih- 
rend die Kammerkontraktionen verlangsamt wurden oder aufhörten. Das 
Resultat wurde auf Schwächung der Vorhofsimpulse, hauptsächlich aber 
auf Herabsetzung der Leitfähigkeit zurückgeführt. 

Bei Reizung des r. Vagus nach Herstellung des A-V-Blocks wurde 
1. der Grad des Blocks verstärkt durch Herabsetzung der Leitfähigkeit 
oder 2. die Schlagfolge des Herzens verlangsamt ohne eine Änderung im 
Grade des Blocks oder 3. Vorhofskontraktilität und Leitfähigkeit herab¬ 
gesetzt und, weil die Schlagzahl langsam war, auch der Grad des Blocks 
herabgemindert, z. B. ein 1:1 Rhythmus erzeugt 

Wenn die Kammern abgetrennt waren, wurde die Klammer an die 
Vorhöfe angelegt und zwar so, daß ein Teil von den übrigen Vorhöfen 
abgetrennt wurde. So wurde ein A-A-Block erzeugt. Reizung des r. und 
1. Vagus hatte dann genau den gleichen Erfolg wie bereits beschrieben. 

Intraventrikulärer Block wurde dadurch hervorgerufen, daß man durch 
Schnitte die unteren zwei Drittel bis auf eine schmale Gewebsbrücke von 
der Basis abtrennte. Die Brücke wurde dann gequetscht. Vagusreizung 
vergrößerte den Grad des hierbei aufgetretenen Blocks nicht, im Gegen¬ 
teil: ein derartiger Block konnte durch die Reizung verringert werden, 
sei es nun, daß ein Wechsel in der Schlagzahl eintrat oder nicht Es 
wurde konstatiert, daß die beschleunigenden Fasern im Vagusstamm für 
die Änderung des Blocks verantwortlich waren oder dafür, daß die 
Schlagzahl des proximalen Abschnitts verlangsamt wurde. 

Verf. schließt, daß bei Abschätzung der Wirkung der Vagi auf das 
Herz die Tätigkeit der beschleunigenden Fasern im Vagusstamm, der 
Grad des Blocks, die Stärke des Reizes und die Wirkung auf die Vor¬ 
hofschlagzahl stets in Rechnung gezogen werden müssen. Verschiedene 
Kombinationen können den einen oder den andern Effekt auf den Block 
ausüben. Alfred E. Cohn (New York). 

O’Connor, J. M. Ober den Adrenalingehalt des Blutes. (Arch. f. 
exp. Path. u. Pharmakologie 67, 195, 1912.) 

Die Untersuchungen CComnors gehen von der Tatsache aus, daß 
für den Adrenalingehalt des Blutes verschiedene Werte mit den biolo¬ 
gischen Methoden gefunden wurden, die an verschiedenen überlebenden 
Organen — Uterus, Gefäße, Pupillen — den bestimmten Erfolg einer 
reinen Adrenalinlösung mit der Wirkung von Blutserum verglichen. In 
eignen Versuchen kam O'Connor bei einem Vergleich der verschiedenen 
Empfindlichkeit der Testobjekte gegen reine Adrenalinlösung und anderer¬ 
seits gegen Blutserum zu der Annahme, daß im Serum noch andere Substanzen 
vorhanden sind, die die verschiedenen Organe nicht im gleichen Verhältnis 
beeinflussen wie das Adrenalin. Eine Stütze erhielt diese Annahme durch 
Versuche am Darm und an der Blase, die auf Adrenalin qualitativ 
anders reagieren als auf Blutserum (Adrenalin-Hemmung, Serum-Erregung). 
Die Möglichkeit, Adrenalin durch Sauerstoffeinwirkung zu zerstören, er¬ 
laubte es diesen, auf Darm und Blase anders — auf Uterus, Gefäße und 
Pupille wie Adrenalin wirkenden Bestandteil des Serums von den in ihm 
möglicherweise enthaltenen Adrenalin zu trennen. Es ergab sich dann 



o 


REFERATE II 


83 


in weiteren Versuchen mit Blutserum vor und nach der Adrenalinzerstörung, 
daß bei der adrenalinähnlichen Wirkung des Serums auf Uterus das 
Adrenalin nicht beteiligt ist. Der »adrenalinähnliche" Bestandteil des 
Serums entsteht bei der Gerinnung und ist im Plasma nicht enthalten. 
Hieraus ergab sich die Notwendigkeit bei der Frage nach dem Adrenalin¬ 
gehalt des Blutes Plasma und nicht Serum zu untersuchen. Die folgen¬ 
den Versuche O'Connors erwiesen, daß im Nebennieren-Venenblut, 
nicht aber im normalen Blut aus peripheren Gefäßgebieten Adrenalin 
nachweisbar ist. Die Richtigkeit dieses überraschenden Befundes wird 
auch durch Berechnungen wahrscheinlich gemacht, denen das Verhältnis 
der in der Zeiteinheit die Nebenniere durchfließenden zu der in der 
gleichen Zeit dem Herzen zuströmenden Blutmenge zugrunde gelegt 
wurde und endlich Bestimmungen über die adrenalinzerstörende Kraft 
der Gewebe bei kontinuierlichem Einlauf geringer Adrenalinmengen. 

K. Fleischhauer (Berlin). 

Galant, Wirkungen des Caffeins auf die Zirkulation. (Journ. of 
Pharmacology and Experim. Therap. März 1912.) 

Es wurde festgestellt, daß die intravenöse Injektion von 15—25 mg 
Caffein pro Kilo Tier von einer freilich nur vorübergehenden Drucksenkung 
gefolgt war, die in der Mehrzahl der Fälle 7—35 Prozent erreichen konnte. 
Bei manchen Tieren erfuhr der Blutdruck keine Änderung und ganz 
selten wurde eine mäßige Steigerung beobachtet. 

Kleine Dosen Caffein verstärken die Wirkung der Nitrite auf die 
Zirkulation. Hierbei wurde an einer kleinen Zahl von Fällen eine sekun¬ 
däre Drucksteigerung bemerkt. 

Deutlich verstärkt zeigte sich die Wirkung des Azetanilids, bei gleich¬ 
zeitiger oder unmittelbar folgender Anwendung von Caffein. Eine Ver¬ 
mehrung der Pulsfrequenz und der Herzunregelmäßigkeit wurde dagegen 
beobachtet, wenn dem Azetanilid die Einverleibung des Caffeins erst nach¬ 
folgte. Analog waren die Ergebnisse, wenn das Caffein intravenös nach 
Aethyl- oder Methylalkohol injiziert wurde. Chlorbarium, intravenös, nach 
Anwendung von Caffein zeigte sich selbst in kleinen Dosen giftig; der 
Blutdruck sank ganz plötzlich; Vs—1 nig pro Kilo Tier wirkte unter 
solchen Bedingungen tödlich, während viel größere Gaben, allein gegeben, 
ertragen wurden. H. Netter (Pforzheim). 

Coenen, H. (Chirurg. Klin. Breslau). Neue Beiträge zur Frage 
der Umkehrbarkeit des Blutstroms. (Münch, med. Wochenschr. 59, 1585, 
1912.) 

Die Behandlung der angiosklerotischen Extremitäten-Gangrän ver¬ 
mittels der arterio-venösen Gefäßfistel ist auch nach den neueren Mit¬ 
teilungen höchst unsicher in ihrer Wirkung und gefährlich, da für diese 
Operation bisher die physiologischen und anatomischen Grundbedingungen 
nicht erfüllt sind. S. Schoenewald (Bad Nauheim). 

Gibson, G. A. The relations of the circulation. (British Med. 
Journ. 2691, 163, 1912.) 

Vortrag über die Beziehungen des Nervensystems und der Drüsen 
mit innerer Sekretion zur Zirkulation. S. Kreuzfuchs (Wien). 

Bakker, Nelly. Analyse des Elektrokardiogramms des Aales. (An- 

guilla vulgaris.) (Zentralbl. f. Physiol. 26, 784, 1912.) 



84 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


Kurzer Auszug aus der in der Zeitschr. für Biologie (Bd. 59) kürzlich 
erschienenen Arbeit. Die Hauptergebnisse sind: 1. Nicht nur das Kammer¬ 
sondern auch das Vorhofselektrogramm besteht aus zwei Zacken, von 
denen eine sehr rasch, die andere langsam abläuft (Nachschwankung). 
2. Auch vom gänzlich isolierten Sinus venosus lassen sich Elektrogramme 
ableiten. 3. Das nach Abkühlung oder im Block langsam schlagende 
Herz zeigt ein Elektrogramm, in welchem die dem Vorhof und der 
Kammer zugehörigen Zacken sich trennen lassen; dagegen ist die 
Einthoven’sche Kurve stark zusammengedrängt, die beschriebenen 
Einzelheiten sind verdeckt. Alle bisherigen Erklärungen des menschlichen 
Elektrokardiogramms sind unzulänglich. J. Rothberger (Wien). 

Meek, W. J. und Eyster, J. A. E. Der Verlauf der Negativität 
bei normaler Schlagfolge des Schildkrötenherzens. (Amer. Joum. Physiol. 
30, 31, 1912.) 

Die Verff. bestimmten die Reihenfolge des Erscheinens der elektri¬ 
schen Negativität an verschiedenen Stellen von jedem Abschnitt des Schild¬ 
krötenherzens (genus chrysemis); dabei wurden nichtpolarisierbare Elek¬ 
troden benutzt, die zu einem großen Saitengalvanometer führten. Be¬ 
rührung des Herzens verursachte Irregularitäten; deshalb wurde zunächst 
von der Vorderfläche des Herzens abgeleitet. Dabei fanden die Verff., 
daß in 12 von 15 Fällen der Sinus primär negativ gegenüber der r. Vena 
cava war; in 2 Fällen war das Resultat zweifelhaft und in einem war die 
Vene primär negativ. Es sei daran erinnert, daß Garrey kürzlich zeigte, 
daß die r. Vena cava sich vor dem Sinus kontrahiert. 

24 Beobachtungen wurden zur Entscheidung der Reihenfolge bei den 
beiden Vorhöfen angestellt In 20 ging der rechte dem linken voran, in 
zwei der linke dem rechten, während in den übrigen die Kurven keine 
Entscheidung herbeiführten. 

In 66 Kurven wurde gezeigt, daß die Basis stets vor der Spitze 
negativ wurde. Die Basis links ging gewöhnlich der Basis rechts voraus 
(19 von 26 Beobachtungen). Der Muskel an der Aortenbahn wurde vor 
der linken Basis negativ, danach folgte die linke Basis in 20 von 21 Ver¬ 
suchen. Die Reihenfolge der primären Negativität an der Vorderfläche des 
Herzens war demnach: Aortenbasis, Basis links vorn, Basis rechts vorn, Spitze. 

An der Hinterfläche wurde die linke Basis in 22 von 27 Beobach¬ 
tungen vor der rechten Basis negativ. Die rechte Basis ging jedes Mal 
der Spitze voraus (6 Versuche). Beim Vergleich der Vorder- und Hinter¬ 
fläche war die Aortenbasis in 16 von 18 Experimenten vor der linken 
hinteren Basis aktiv. Die linke hintere ging der linken vorderen voraus 
(15 mal bei 23 Versuchen); die rechte vordere ging der rechten hinteren 
voraus (14 von 18 Beobachtungen). Die Verff. konstatieren deshalb, daß 
die primäre Negativität zuerst an der Aortenbasis erscheint, dann an der 
linken hinteren Basis, linken vorderen Basis, rechten vorderen Basis, 
rechten hinteren Basis, Spitze. 

Am A-V-Ring war die linke Seite in 17 von 22 Beobachtungen 
primär negativ; in allen 16 Versuchen war der vordere Teil vor der 
inken Seite negativ. Es scheint daher, daß die Reihenfolge der Negativität 
am A-V-Ring folgende ist: vorderer Teil, linke Seite, rechte Seite. Die 
Verff. schließen, daß die Kontiaktionswelle den vorderen Abschnitt des 
A-V-Ringes passiert und dann zunächst die Basis erreicht und zwar den 
Aortenteil vor den übrigen Abschnitten. 




o 


REFERATE II 


85 


Die Verff. stimmen nicht mit Gotch überein, der glaubte, daß die 
Kontraktionswelle an der venösen Basis des Herzens beginnt, zu der Spize 
vordringt und zur arteriellen Basis zurückkehrt. Sie fanden die Aorten¬ 
basis in 20 von 21 Experimenten primär negativ. Gegen die Ansicht, 
daß die Kontraktionswelle sich nach der Spitze wieder zur Basis ausbreitet, 
was sich in der T-Zacke ausdrücken soll, spricht die experimentelle Tat¬ 
sache, daß eine positive T - Zacke auch vorkommt, nachdem die arterielle 
Basis fortgeschnitten ist. Eine Anzahl weiterer Einwürfe gegen die Auf¬ 
fassung der T-Zacke als des Ausdruckes der Endkontraktion an der 
Aortenbasis wird erörtert. Die Verff. glauben, daß die T-Zacke ein 
Charakteristikum des Herzmuskels ist und »wahrscheinlich bedingt wird 
durch Differenzen in der Dauer oder der Intensität der Prozesse, die sich 
bei der Kontraktion unter den beiden Elektroden abspielen." 

Alfred E. Cohn (New York). 

Neukirch und Rona, P. Beiträge zur Physiologie des isolierten 
Siugetierherzens. (Pflügers Arch. 148, 285, 1912.) 

In Ergänzung früherer, am Darm ausgeführter Versuche prüfen die 
Verff., ob auch bezüglich des überlebenden Kaninchenherzens dieselben 
Unterschiede bestehen. Es wurden quantitative und registrierende Versuche 
ausgeführt, welche ergaben, daß ebenso wie der Kaninchendarm, so auch 
das Herz Glukose, Galaktose und Mannose zerstört, während Lävulose 
und die geprüften Disaccharide unangreifbar sind. Bei Durchspülung mit 
Locke’scher Lösung zeigte sich keine deutlich die Systolen verstärkende 
Wirkung des Zuckers; wohl aber wurde bei Verwendung von Tyr ode¬ 
scher Lösung die Herztätigkeit mächtig angefacht, wenn Glukose, Ga¬ 
laktose oder Mannose zugesetzt wurde. Lävulose und Disaccharide waren 
wirkungslos. Stark anregend wirkt auch brenztraubensaures Natrium. 

J. Rothberger (Wien). 

Stewart, H. and H a r v e y, S. The Vasodilatator and vasoconstrictor 
properties of blood serum and plastna. (Journ. of exp. med. 16, 103, 1912.) 

Die Verff. unternahmen eine systematische Untersuchung der Frage, 
ob nicht im Serum von Addisonkranken außer dem Suprarenin noch eine 
andere vasokonstriktorische Substanz enthalten sei; in der vorliegenden 
Mitteilung bringen sie zunächst die als Kontrolle aufzufassenden Versuche 
über die Sera normaler Tiere (Mensch, Hund, Kaninchen, Schaf) und ihre 
Wirkung auf überlebende Organe (Niere von Hund und Kaninchen, peri¬ 
phere Gefäße von Kaninchen und Frosch). Es zeigt sich dabei, daß so¬ 
wohl im Serum, wie im Plasma eine gefäßerweiternde Substanz vorhanden 
ist, welche in spezifischer Weise auf die Nierengefäße wirkt, an deren 
Muskulatur sie direkt angreift. Diese Substanz gehört zu den Albuminen 
und wird durch Kochen und Alkohol gefällt. Dagegen wird bei der 
Blutgerinnung ein Körper frei, welcher konstriktorisch auf die Gefäße der 
Niere und der Extremität und zwar auch direkt auf ihre Muskulatur wirkt. 
Diese Substanz ist aber kein Eiweißkörper; sie ist löslich in Alkohol 
und wird durch Kochen nicht zerstört. J. Rothberger (Wien). 

Weizsäcker, V. Arbeit und Gaswechsel am Froschherzen. 11. Wir¬ 
kung des Cyanids. (Pflügers Arch. 147, 135, 1912.) 

Frühere Untersuchungen des Verf. hatten gezeigt, daß beim Frosch¬ 
herzen das Verhältnis von Arbeit und Oxydation nicht konstant zu sein 



86 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


braucht, der Muskel also ein gegebenes Arbeitsquantum mit verschiedenen 
Sauerstoffmengen leisten kann. Die vorliegenden Versuche gelten der 
Frage, wie weit quantitativ diese Trennbarkeit von Oxydation und Kon¬ 
traktion geht. Zu diesem Zwecke setzt Verf. der Durchströmungsflüssig¬ 
keit pro Liter 0,025 bis 0,5 Milligramm Cyankalium zu, so daß die Oxy¬ 
dation bei steigender Konzentration immer mehr gehemmt wird. Dabei 
zeigt sich, daß die Arbeit selbst bei einer Einschränkung der Oxydation 
bis auf 36% der Norm nicht erkennbar leidet und daß sie immer noch 
50% der Norm beträgt, wenn überhaupt keine Oxydation mehr nach¬ 
weisbar ist. Weitere Versuche sollen entscheiden, inwieweit hier nicht 
oxydative Vorgänge eine Rolle spielen; es stellt sich heraus, daß weder 
aus der Kohlensäureproduktion noch aus der Quantität der gebildeten 
Säuren darauf geschlossen werden kann, daß etwa anaerobe Spaltungen in 
demselben Maße zunehmen, als die Oxydation abnimmt. Da das Herz: 
nach einer Stunde die Fähigkeit verliert, ohne Oaswechsel erheblichere 
Arbeit zu leisten, muß man annehmen, daß die Oxydation für die Tätig¬ 
keit auf die Dauer notwendig ist, nicht aber für die einzelne Kontraktion, 
wofür auch der Umstand spricht, daß die elektrische Erregbarkeit vom 
Grade der Vergiftung unabhängig und auch dann noch unverändert ist, 
wenn die Arbeit stark herabgesetzt, die Atmung aufgehoben ist. 

J. Rothberger (Wien). 

Weizsäcker, V. Arbeit und Gaswechsel am Froschherzen. III. Ruhe¬ 
stoffwechsel, Frequenz, Rhythmus und Temperatur. (Pflügers Arch. 148, 
535, 1912.) 

Verf. untersucht in Fortsetzung früherer Versuche, wie weit die Un¬ 
abhängigkeit der mechanischen Leistung von der Größe der Oxydation 
und der Verbrennungen geht. Er findet den Ruhestoffwechsel des durch 
Ligatur an der A-V-Grenze stillgestellten Froschventrikels bei 20° C. zu 
0,065—0,164 ccm Og pro Gramm und Stunde; bei mittlerer Herztätig¬ 
keit (30 Schläge pro Minute und 3—5 mm Hg Anfangsdruck) beträgt 
der Ruhestoffwechsel 4—12% des Arbeitsstoffwechsels. Nimmt die Frequenz 
weiter zu (15—40), so steigt auch die Oxydation, so lange das Schlag¬ 
volum nicht wesentlich abnimmt. Ist dieses letztere aber bei hohen Fre¬ 
quenzen (40—80) der Fall, dann hört der Parallelismus mit der Oxyda¬ 
tionsgröße auf, welche bei noch größerer Beschleunigung (80—225) mäßig 
abnimmt. Die Einschiebung von Extrasystolen ohne kompensatorische 
Pause erhöht den Sauerstoffverbrauch umsomehr, je größer der mechanische 
Effekt der Extrasystole ist. Die Größe des Sauerstoffverbrauches hängt 
innerhalb physiologischer Grenzen nicht von der Zahl der Erregungen 
ab, sondern vom mechanischen Effekt. Erhöhung der Temperatur steigert 
den Arbeitsstoffwechsel auch bei gleichbleibender Frequenz, ganz beson¬ 
ders aber bei gesteigerter Schlagfrequenz. Im ersteren Falle nimmt der 
Stoffwechsel zu, ohne daß die Arbeit größer geworden wäre und auch 
bei steigender Frequenz nimmt die Oxydation relativ stärker zu. Inner¬ 
halb der Temperaturen von 5—30° C. wird also der Quotient Arbeit: 
Sauerstoffverbrauch kleiner (Durchschnitt 0,74). 

J. Rothberger (Wien). 

Tsiwidis, Über die Kreislaufwirkung des Thorium X nach seiner 
Injektion beim Kaninchen. (Pflügers Arch. 148, 264, 1912.) 

Große Dosen (125000—250000 Mache-Einheiten pro kg Tier) führen 



o 


REFERATE lila 


87 


nach vorübergehender Senkung zur Steigerung des Druckes, Pulsverlang¬ 
samung und Vergrößerung der Pulsamplitude. Das Elektrokardiogramm 
(Anus-Öesophagus) zeigt Verkleinerung von P und R, Vergrößerung von 
T; erst bei ganz großen Dosen (500000 M.-E.) wird die Nachschwankung 
kleiner. J. Rothberger (Wien). 


III. Kliilk. 
a) Herz. 

Schöne, Chr. Endocarditis lenta. (Med. Verein in Greifswald). 
(Deutsche med. Woch. 38, 57^, 1912.) 

' , Schöne bespricht 3 Fälle von Endocarditis lenta, eine von Schott¬ 
mulle r zuerst beschriebene Infektion durch den Streptococcus viridans, 
der monatelang im Blut nachweisbar, für Tier und Mensch wenig pathogen 
und nur für das Endokard deletär ist, aber in den anderen Organen nur 
blande Infarkte erzeugt. Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

Spillmann, L. et Chevelle, Un cas d’endocardite aigue syphili- 
tique. (13. französ. Kongreß für innere Medizin. Paris Oktober 1912.) 

Mitteilung einer Beobachtung von akuter Endokarditis mitralis, die 
während der Sekundärperiode einer bösartigen Frühsyphilis auftrat. Die 
klinischen Erscheinungen waren Oppression, kleiner ungleichmäßiger Puls 
von 120, starkes systolisches Geräusch, ähnlich dem des auszischenden 
Dampfes an der Spitze mit Fortleitung nach der Achselhöhle. Vier intra¬ 
venöse Injektionen von Neo-Salvarsan brachten die Erscheinungen bald 
zum Verschwinden; sie wurden ausgeführt trotz der zahlreichen Gegen¬ 
anzeigen (Herzaffektion, Kehlkopfaffektion — fast völlige Aphonie, 
Albuminurie). Die akute syphilitische Endokarditis ist nach Spillmann 
bisher noch nicht beschrieben. H. Netter (Pforzheim). 

Gouget et Moreau, Accidents rhumatoTdes au cours d’une rfe- 
sorption d’oedemes. (Bull, et Mem. Soc. med. des höp. 11. Okt. 1912.) 

Die Autoren haben im Verlauf der Resorption von Ödemen bei 
einem Herz- und Nierenkranken eine lebhafte Kephalalgie mit Zerschlagen¬ 
heit, gänzlicher Anorexie, galligem Erbrechen auftreten sehen, dann, gleich¬ 
zeitig mit einer plötzlichen abundanten Harnflut (8 Liter) bei starkem 
Eiweißgehalt (7 g pro Liter) sehr lebhafte Gelenkschmerzen, die bald zu 
allgemeinen wurden, ohne Schwellung und Rötung, aber mit leichter fieber¬ 
hafter Reaktion (38°). Nach 5—6 Tagen verschwanden die Schmerzen, 
zugleich mit der Beendigung der Resorption der Ödeme. In Anbetracht 
der besonderen Umstände hinsichtlich des Auftretens dieser Arthropathien 
und ihres Zusammentreffens mit einer starken Polyurie, glaubten die 
Autoren die Annahme eines akuten Gelenkrheumatismus ausschließen und 
die Erscheinungen auf die Resorption der Ödeme zurückführen zu dürfen. 
Sie setzen diese Arthropathien denen bei der Serumkrankheit an die Seite 
und ihre Beobachtung denen von Besan<;on und de Jong (rheumatische 
Erscheinungen bei der Resorption eines pleuritischen Exsudats), und von 
Tixier und Troisier (Arthropathien in einem Fall von paroxystischer 
Hämoglobinurie). H. Netter (Pforzheim). ' 



88 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Michail off, S. Ein Fall von Tachykardie infolge eines Nearoma 
verum myelinicum. (Wratschebnaja Gazeta 19, 43, 82, 1912, nach einem 
Ref. in Zeitsch. f. Kinderh. 3, H. 3/4, 1912.) 

Der im Alter von 62 Jahren verstorbene Patient hatte seit frühester 
Kindheit an Tachykardie gelitten (Puls 120—140). Die Sektion ergab 
ein Neurom im 1.—2. Dorsalsegment. In Anbetracht des Mangels ander¬ 
weitiger Befunde und auf Grund allgemein physiologischer Betrachtungen 
wird die Pulsbeschleunigung als mechanische Folge einer Druckreizung 
der aus dem Rückenmark stammenden accelerierenden Nervenfasern erklärt 

H. Netter (Pforzheim). 

Coro ne, Andre. Bradycardie reflexe au cours d’une appendicite 
aigue. (Montpellier medical, 5. Mai 1912.) 

Nach einem kurzen historischen Rückblick gibt Verf. eine eigene 
Beobachtung an einem 22 jährigen wieder, diskutiert die hauptsächlichen 
Elemente derselben und weist auf ihre relative Seltenheit hin. 

Der Fall lehrt, daß die Bradykardie nicht durchweg ein Zeichen von 
schlimmer Vorbedeutung ist und keineswegs eine Indikation für einen 
dringlichen Eingriff abzugeben braucht. H. Netter (Pforzheim). 

Hozada Echenique, B. Un cas typique de pouls lent permanent 
chez une fille de 11 ans. (Archives de m£d. des enfants 1912, September.) 

Verf. hatte Gelegenheit, einen typischen Fall der im Kindesalter recht 
seltenen Adams-Stokes'schen Krankheit im Kinderhospital in Tucuman 
(Argentinien) zu beobachten. 

Die von Morquio publizierten Fälle unterscheiden sich von dem 
angezeigten darin, daß es sich um alle Kinder ein und derselben Familie 
handelte, und daß der Puls immerhin nicht einen gleich niederen Wert 
erreichte. 

Der Fall von Starck (1903) betraf eine Krankheit mit sehr 
schnellem Ablauf: einige Wochen nur. 

Gegen den Schuster’schen Fall läßt sich das schnelle Verschwinden 
des Symptoms und das Auftreten desselben nach einer Infektionskrank¬ 
heit anführen. So erscheint der angezeigte Fall als vielleicht einzig in 
seiner Art: er ist der alleinige in einer Familie von acht Kindern, ohne 
die Antezedentien einer infektiösen Krankheit und seine Dauer geht auf 
Juli 1910, d. h. 22 Monate zurück: Das Kind, von unbekanntem Vater 
und einer gesunden Mutter, ohne Zeichen von Syphilis und Malaria (Tu¬ 
cuman liegt in der Malariazone), hat seit einiger Zeit Anfälle, die bestehen 
in leichten Konvulsionen, Bewußtseinsverlust, Kongestion des Gesichts, 
Aussetzen der Atmung, Inkontinenz der Sphinkteren; sie dauern 1—20 
Minuten, ihr Verschwinden kündigt sich an durch Schreien, Ächzen und 
tiefes Aufatmen. Nach den Anfällen ist die Kleine kraftlos und muß 
mehrere Tage das Bett hüten. Im Juli 1910 erster Anfall, dem nach zwei 
Wochen ein neuer folgt; am 30. August desselben Jahres ein sehr starker 
Anfall, der eine ganze Stunde gedauert haben soll. Am 7. Dezember zwei 
Anfälle in 24 Stunden. Dann kommt eine achtmonatige Ruheperiode, 
worauf die Anfälle sich mit einer Häufigkeit wiederholten, daß das Kind 
in das Hospital überführt werden mußte. 

Status: Allgemeinzustand befriedigend, Intelligenz gut entwickelt Sehr 
nervöses reizbares Temperament, das Herantreten des Arztes bei der täg- 
’ liehen Visite an das Bett bewirkt schon einige Arhythmien des Pulses. 



o 


89 


REFERATE lila 


In der Präkordialgegend keine Hebung der Brustwand, nur eine leichte 
wellenförmige Bewegung derselben. Spitze im 4. Sp. i. c. Die Palpation 
bestätigt das Ergebnis der Inspektion; Herztöne deutlich, nirgends ein 
Geräusch. Herzrhythmus sehr langsam, regelmäßig; alle vier oder acht 
Systolen notiert man verkümmerte Kontraktionen, deren einige sehr spär¬ 
liche an der Radialis zu bemerken sind; eine Vorhofsystole ist nicht 
wahrnehmbar. Der Puls ist regelmäßig, von normaler Spannung, sehr 
langsam, 33 Pulsationen pro Minute; einige schnell vorübergehende 
Intermittenzen als Folge nervöser Erregung bei unvermutetem Herantreten 
an das Bett, das gleiche bei körperlicher Anstrengung. 

Einige Tage post rezept. mehrere Attacken, die von den früheren 
gänzlich verschieden sind; während jene epileptiform waren, sind diese un¬ 
verkennbar synkopal, ohne Inkontinenz, ohne Konvulsionen und Schreie. 
Die Kranke erblaßt, wird bewußtlos, die Atmung ist kaum wahrnehmbar, 
der Puls wird noch langsamer, wobei er seine Spannung verliert. Das 
dauert einige Sekunden oder Minuten, bis sich die Kranke wie von einer 
gewöhnlichen Synkope erholt. Nach diesen Anfällen wird der Puls regel¬ 
mäßig und schlägt allmählich wie sonst (33 pro Minute). 

Bei Ruhe und entsprechendem Regime verschwanden die Anfälle, 
ohne daß der Puls sein Verhalten geändert hätte. Neue Anfälle mit ver¬ 
mehrter Heftigkeit führten bald zu einer Wiederaufnahme. Die Unter¬ 
suchung ergab ein identisches Resultat, 30—34 Pulse, 3—8 Anfälle pro 
die, mit Hinterlassung hochgradiger Erschöpfung. Belladonna, Jod, Queck¬ 
silber wirkungslos. H. Netter (Pforzheim). 

Fries, Johannes. Isolierte Erregbarkeitsstörung des Ventrikels bei 
einem Fall von Diphtherie. (Diss. Würzburg 1912.) 

Bei einem 16jährigen Pat. kommt es während einer foudroyant ver¬ 
laufenden Diphtherie am siebenten Tag nach Absinken auf fast fieber¬ 
freie Temperatur zu einem plötzlichen Pulssturz auf weniger als die Hälfte 
der vorigen Schlagzahl. Dieser Zustand bleibt derselbe, bis er nach drei¬ 
mal 24 Stunden zum Exitus führt. An den Pulskurven wird gezeigt, daß 
es sich hier um eine isolierte Reizbarkeitsstörung der Ventrikel-Muskulatur 
bei normalem Fortschlagen der Vorhöfe und stets normalem a-v-Intervall 
handelt, dem entsprechend, was Wenckebach bei einer solchen Störung 
forderte, und ähnlich dem von W. 1906 beschriebenen Fall. Es fallen 
erst zwei, dann vier und fünf Ventrikel-Kontraktionen aus, trotz vor¬ 
handener Vorhofsystolen. In der Literatur fand Verf. noch drei derartige 
Fälle allerdings leichterer Art (Wenckebach, Hay, Gossage). Die Ur¬ 
sache der eigenartigen Störung wird in einer Diphtherie-Toxinwirkung 
gesehen und es wird als wünschenswert bezeichnet, bei den gar nicht so 
seltenen Bradykardien nach Diphtherie auf diese Störung das Augenmerk 
mehr noch als bisher zu richten, ob häufiger vielleicht eine spezifische Er¬ 
krankung der Erregbarkeit durch Diphtherietoxin zu finden ist. Damit 
wäre dann auch eine Unterlage für eine wirksamere Bekämpfung dieser 
gefürchteten und prognostisch ungünstigen Bradykardie gegeben. Vor¬ 
läufig, so lange nicht entscheidende Versuche über die Wirkung der 
Digitalis auf die Erregbarkeit des Herzens allein veröffentlicht sind, wird 
man mit diesem Mittel nur vorsichtig arbeiten dürfen, um nicht mehr 
Schaden als Nutzen damit zu stiften. Die Prophylaxe mit frühzeitigen 
und hohen Serumdosen und Wiederholung derselben bei den ersten 
Zeichen von Herzstörung wird auch hier der aussichtsreichste Kampf 



90 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


gegen die sekundären Schädigungen der Diphtherietoxine auf das Herz 
bleiben. — Der gediegenen Arbeit sind drei instruktive Kurven und ein 
Literaturverzeichnis von 70 Nummern beigegeben. 

H. Netter (Pforzheim). 

Schütz, J. Über ein Herzsymptom bei Meteorismus. (Prager me¬ 
dizinische Wochenschr. 313, 1912.) 

Bei Individuen, welche außer leichter Korpulenz und Zwerchfell¬ 
hochstand infolge von Meteorismus nur eine Verbreiterung der Herz¬ 
dämpfung speziell nach rechts im Stehen zeigen, welche im Liegen zurück¬ 
geht, soll man mit der Diagnose »Fettherz" sehr zurückhaltend sein und 
bei Einleitung der Therapie in erster Linie auf eine Verbesserung der 
Zirkulationsverhältnisse im Abdomen und Verminderung des Meteorismus 
hinzielen. Eine kleine Gewichtsabnahme von 2,5—3,5 Kilo ist eine sehr 
erwünschte Nebenwirkung — eine Kur jedoch, welche in erster Linie auf 
starke Gewichtsabnahme ohne genügende Berücksichtigung der Verhältnisse 
im Abdomen abzielte, könnte vor allem wegen der stärkeren Inanspruch¬ 
nahme des durch den Meteorismus ohnedies gegen erhöhte Widerstände 
arbeitenden Herzens dauernden Schaden stiften. — 

Es sei übrigens darauf hingewiesen, daß Anzeichen von wirklich be¬ 
ginnender oder fortgeschrittener Koronarsklerose nicht selten mit Meteoris¬ 
mus, Zwerchfellhochstand und dem Symptom der scheinbaren Herz¬ 
verbreiterung verbunden sind. H. Netter (Pforzheim). 

Lang, G. Über einige durch die Herzaktion verursachte Bewe¬ 
gungen der Brustwand und des Epigastriums. (D. Arch. f. klin. Med. 
108, 1 . u. 2. H., 1912.) 

Aus der umfangreichen mit zahlreichen Kurven versehenen Arbeit 
sef zusammenfassend hervorgehoben: Alle Kurven, welche die Bewegung 
der Brustwand darstellen, sind von den Knochen, resp. Knorpelteilen des¬ 
selben mit Hilfe eines frei fixierten Rezipienten aufgenommen. 

Es wurde hierbei eine gewisse Gesetzmäßigkeit dieser Brustwand¬ 
bewegungen und der vom Herzen verursachten epigastrischen Pulsationen 
festgestellt und zwar in dem Sinne, daß einem bestimmten Herzfehler 
unter bestimmten Bedingungen Brustwandbewegungen und epigastrische 
Pulsationen immer von demselben Charakter entsprechen. 

Bei dilatiertem und hypertrophiertem und gegen einen erhöhten 
Widerstand arbeitendem rechtem Ventrikel (Mitralstenose) wurden immer 
positive, der Kammersystole synchrone Pulsationen der dem rechten Ven¬ 
trikel entprechenden Brustwandpartie festgestellt. Unter denselben Ver¬ 
hältnissen wurde immer auch eine vom rechten Herzen verursachte posi¬ 
tive epigastrische Pulsation gefunden. 

Für die Aorteninsuffizienz ist charakteristisch, solange der Herz¬ 
muskel seine Kraft und seinen Tonus behält, ein systolisches Einsinken 
der der Vorderfläche des Herzens vorgelagerten Brustwandpartie und des 
Epigastriums und ein typischer positiver Spitzenstoß der 1. Kammer; so¬ 
bald der Herzmuskel erlahmt, werden das systolische Einziehen und der 
Spitzenstoß schwächer und es tritt ein protodiastolischer Vorstoß der 
Brustwand in der ganzen Herzgegend als die auffallendste Bewegung hervor. 

Bei der Mitralinsuffizienz erhält man komplizierte Kurven der Brust¬ 
wandbewegungen und der epigastrischen Pulsationen, in welchen jedoch 
systolische positive Wellen vorwiegen, welche ihre Entstehung wohl gleich- 




91 


REFERATE III b 


falls, wie bei der Mitralstenose, dem hypertrophischen, dilatierten und 
gegen einen erhöhten Widerstand arbeitenden rechten Ventrikel verdanken. 
Für die Trikuspidalinsuffizienz ist ein systolisches Einziehen und ein 
diastolisches Vorschleudern der Brustwand in der ganzen Herzgegend 
charakteristisch. 

Diesen Brustwandbewegungen kommt eine praktische Bedeutung in 
zweifacher Richtung zu: erstens haben sie als Symptome dieses oder 
jenes Herzfehlers diagnostischen Wert, zweitens können sie eine genauere 
Vorstellung von dem Zustande des betreffenden Herzabschnittes geben. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 


b) GifHi. 

H i r t z, E. (Paris). Les aortites conjugales. (Paris Medical 2, 48, 1912.) 

Nachdem H i rtz und Brau n (Soc.Medicale des Höpitaux 31. III. 1911) 
nachgewiesen hatten, wie häufig Aortitis Lues als Aetiologie beansprucht, 
wurde die Aufmerksamkeit des Verfassers auf die eheliche Aortitis gelenkt und 
hat derselbe in kurzer Zeit in seiner Privatpraxis fünf Fälle derartiger Aortitis 
conjugalis gefunden, einige bei jungen, andere bei alten Ehegatten, die 
oftmals gesunde Kinder gezeugt hatten. In der Spitalpraxis ist die Kon¬ 
frontation oft schwierig und die Patienten können nicht lange genug ver¬ 
folgt werden; in der Privatpraxis wurde die Syphilis entweder vom Manne 
einfach zugestanden oder durch Symptome von Tabes incipiens, wie 
Argyll Robertson, oder durch Wassermann’sche Reaktion außer Zweifel 
gestellt. Symptomatisch handelte es sich um Klappenfehler, um Aorten¬ 
dämpfungverbreiterung, um stenokardische Anfälle, um Herzklopfen mit 
Aortengeräuschen. Als Behandlung verwendete und empfiehlt Hi rtz die 
»blauen Pillen“ des französischen Kodex, deren Namen die Zusammen¬ 
setzung verbirgt und welche somit, ohne Aufsehen zu erregen, verschrieben 
werden können. Die Formel ist folgende: Quecksilber 5 gr, Honig 4 gr, 
Zucker 2 gr, Rosenblätterpulver 4 gr für 100 Pillen. 

A. Blind (Paris). 

Kirsch, O. Gefäßkrisen im Kindesalter. (Wiener med. Blätter 
No. 21, 1912.) (Nach einem Demonstrationsvortrag in der Ges. f. innere 
Med. u. Kinderhk. vom 13. Juni 1912.) 

Vorstellung von zwei Fällen mit paroxysmalem Auftreten von Gefä߬ 
erscheinungen, welche eine Analogie bieten zum Symptomenkomplex der 
Gefäßkrisen beim Erwachsenen (Pal). E. Stoerk (Wien). 

« 

Bi tot et Papin, Les h&nat&n&ses par artdrioscldrose gastrique. 

(Gaz. hebd. des Sc. med. de Bordeaux. 21. Juli 1912.) 

Im Verlauf der Arteriosklerose kann es zum Symptomenkomplex des 
Ulcus oder Carcinoma ventriculi, d. h. also im Besonderen zum Blut¬ 
brechen kommen. Dieses Ereignis kann ein einmaliges oder wiederholtes 
sein, zuweilen ohne weiteres von foudroyantem Typus, meist aber mit 
schnellem Verlauf. In einigen seltenen Fällen kann es sich in mehr oder 
weniger langen Intervallen während mehrerer Jahre einstellen: so war es 
in den zwei von den Autoren wiedergegebenen Beobachtungen. Anläßlich 
ihrer beiden Fälle nehmen die Autoren die Geschichte der gastrischen 
Arteriosklerose wieder auf und geben eine Übersicht über die wichtigsten 
diesbezüglichen Arbeiten. 



o 


92 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


Als bemerkenswerte Eigentümlichkeiten der beiden Fälle sei verzeich¬ 
net die Gastro-Enterostomie in einem, die Gastroskopie im andern Falle. 
Diese letztere hat übrigens, wie dies auch die Autoren bemerken, keinen 
absolut beweisenden Charakter, da ihr — für den Kranken glücklicher¬ 
weise — die Bestätigung durch die Autopsie fehlt. Im ersteren Falle wurde 
sie gemacht; im Bericht über das Ergebnis derselben wären eine Dar¬ 
stellung des histologischen Verhaltens der Magengefäße sehr erwünscht 
gewesen. H. Netter (Pforzheim). 

Marti net, A. (Paris). La polyurie paradoxale de la nephrite inter¬ 
stitielle. Diagnostie de la sclerose renale. (Presse Medicale 94, 957, 1912.) 

Bei interstitieller Nephritis ist die Diurese erhöht, heißt es in den 
didaktischen Handbüchern. Wie kommt es, daß ein in seiner Struktur 
schwer geschädigtes Organ schneller arbeitet als ein normales? Polyurie 
ist bei Nephritis interstitialis nicht so häufig, wie man denken könnte, 
kommt aber wirklich vor. Sie steht dann in engem Zusammenhang mit 
dem Differentialdruck oder der Amplitude. Nennt man diesen Differential¬ 
druck p, und das Harnquantum von 24 Stunden H, so entspricht — 

ungefähr 0,25 d. h. ein Viertel Liter bei einem normalen Menschen. Bei 
interstitieller Nephritis hingegen ergibt dieser Quotient nur 1 /e bis V12 Liter 
Urin, das heißt für einen Zentimeter Druckunterschied ist bei Nieren¬ 
sklerose die Sekretion viel geringer als bei normaler Niere. 

Die Niere arbeitet also nicht besser, sondern schlechter als normal, 
und die hohe Harnsekretion steht einfach in Zusammenhang mit dem 
großen Druckunterschied. 

Ein Beispiel mag diese Regel erläutern: bei einem gesunden Menschen 
sei der Differentialdruck p= 6, die Harnmenge H=l,5. H : p = 1,5 : 6 = 0,25; 
bei einem Patienten mit Nierensklerose sei der Differentialdruck 17, die 
Harnmenge 2,00; dann ist H:p--2:17 = 0,12, also ungefähr halb so 
groß. A. Blind (Paris). 


II. Methoiil. 

Basler, A. (Tübingen). Untersuchungen über den Druck in den 
kleinsten Blutgefäßen der menschlichen Haut. 1. Der Ochrometer, ein 
Apparat zur Ermittlung dieses Druckes. (Pflüger’s Arch. 147, 393, 1912.) 

Der Ochrometer enthält zwei mit Goldschlägerhaut überspannte 
Kästchen, in welche je ein Finger derart zu liegen kommt, daß die Farbe 
der Haut sichtbar bleibt. Ein Finger wird nun pneumatisch unter Druck 
gesetzt, bis die Haut abzublassen beginnt, der andere Finger dient, zum 
Vergleich. Der auf diese Art bestimmte Druck in den kleinsten Venen 
beträgt 94 mm Wasser (annähernd 7 mm Quecksilber). Die Genauigkeit 
dieser Methode ist eine derartige, daß der mittlere Fehler des Mittel¬ 
wertes nie größer wurde, als + 2 mm Wasserdruck. 

J. Rothberger (Wien). 

Gerhartz, H. (Rheinbach). Über die Methodik der Aufzeichnung 
reiner Herzschallkurven. (Pflüger’s Arch. 147, 437, 1912.) 

A. Hoffman 11 hatte kürzlich behauptet, daß die vom Verf. aus¬ 
gearbeitete Methode der Aufnahme von Herzschallkurven den entstellenden 
Einfluß der mechanischen Erschütterungen der Brustwand nicht eliminiert 
habe. Verf. weist nach, daß Hoff mann diese Störung mit denselben 
Mitteln zu vermeiden sucht, wie er selbst. J. Rothberger (Wien). 





93 


O REFERATE V 


V. Therapie. 

Doumer, E. Traitement de l’hypertension arterielle par rdlectri- 
satlon de l’abdomen et de la r4gion rdnale. (Compt. rend. Acad. des 
Sciences, 29. Juli 1912.) 

Für all die Fälle, in denen die Methode nach Moutier nicht sehr 
schnell auf die arterielle Drucksteigerung einwirkt, empfiehlt es sich, die 
abdominale Elektrisation auf perkutanem Wege damit zu verbinden. Vor¬ 
zugsweise soll eine starke Voltaisation zur Anwendung kommen, zu der 
ohne Nachteil die Faradisation in Form der Galvano-Faradisation treten 
kann. Auch von Wechselströmen kann man Gebrauch machen, deren 
Wirkung ebenso gut zu sein scheint. 

Die dabei zu befolgende Technik soll die gleiche sein wie bei der 
Behandlung der Colitis muco-membranacea, nur mit dem Unterschied, 
daß die eine Elektrode etwas über der Lumbalgegend, genau in der Höhe 
des 11., 12. Dorsal- und des 1. Lendenwirbels aufgesetzt werden soll. 

H. Netter (Pforzheim). 

Strubell, A. (Dresden). Über den Einfluß baineotherapeutischer 
Maßnahmen, besonders des Wechselstrombads auf das Herz und die Form 
des Elektrokardiogramms, sowie über die Bedeutung des Elektrokardio¬ 
gramms für die Klinik der Herzkrankheiten. (Med. Klin. 30, 1912.) 

Im Wechselstrombad zeigte sich eine deutliche Erhöhung der Nach¬ 
schwankung im Elektrokardiogramm. In Fällen von thyreotoxischen Herz¬ 
vergiftung, bei denen infolge der Überschwemmung des Kreislaufs mit 
Kropfgift sich eine Reizung des Herzens durch eine hier pathologische 
Erhöhung der Nachschwankung zeigt, sinkt die Höhe der Nachschwankung 
nach der Behandlung als Ausdruck eines günstigen Effektes. Eine ge¬ 
wöhnliche negative Nachschwankung wird weder durch physikalische 
noch durch medikamentöse Therapie wieder ausgeglichen. Bei Fällen 
von Herzneurose und Neurasthenie fand Verf. die Jp-Zacke besonders 
stark ausgebildet, sodaß er sie direkt mit „Neurasthenikerzacke" bezeichnet. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Selig, A. Herz- und Gefäßsystem unter dem Einflüsse von Kohlen- 
säurebädera. (Prager med. Wochenschr. No. 40. 1912.) 

Nach einer kurzen historischen Übersicht über den Stand der ein¬ 
schlägigen theoretischen Fragen, berichtet Verf. über eigene Experimente, 
die dartun, daß warme Bäder im allgemeinen das Herz verkleinern, kalte 
meist das Herz vergrößern. (Übersichtliche Tabellen.) Es gibt jedoch 
auch Ausnahmen von dieser Regel. Reine Dilatation ohne Hypertrophie 
wird durch lange fortgesetzte, konsequent durchgeführte Kohlensäure¬ 
bäderverabreichung günstig beeinflußt. Im Kohlensäurebad wird niedriger 
Blutdruck oft erhöht, hoher herabgesetzt. Die Ursachen sind noch unbe¬ 
kannt In der Hervorrufung und Übung von Druckregulierungen durch 
Anbahnung einer besseren Blutverteilung im Körper dürfte nach Ansicht 
des Verf. der Hauptwert der Kohlensäurebäder-Therapie liegen. 

E. Stoerk (Wien). 

Burwinkel, O. (Nauheim). Die Therapie der Arteriosklerose. 

(Fortschr. der Med. 30, 19 u. 20, 1912.) 

Verf. gibt eine Begriffsbestimmung und einen kurzen Abriß der 



94 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


pathologischen Anatomie, der Ätiologie, Diagnose und Prognose der 
Arteriosklerose und wendet sich dann zur Therapie der Arteriosklerose. 
Die Prophylaxe erfordert zunächst die Rückkehr zu einer einfachen, natür¬ 
lichen aber keineswegs ängstlichen Lebensweise, wobei besondere Rück¬ 
sicht darauf zu nehmen ist, wenn Arteriosklerose, Gicht, Fettsucht oder 
verwandte Krankheiten bereits in der Familie liegen. Ebenso muß die 
Psyche im Sinne einer heiteren und zufriedenen Lebensauffassung be¬ 
einflußt werden. Im Stadium der Präsklerose soll ein gemischtes, von 
Nukleinen freies, vorwiegend lakto-vegetabiles Regime; für das kardio- 
arterielle Stadium der beginnenden Herzinsuffizienz strikte Milchdiät, für das 
kardio-ektatische Stadium schwerer Herzmuskelinsuffizienz Reduktion der 
Flüssigkeit Platz greifen. Beim Aneurysma der Aorta ist die Diaeta parva 
nach Laache in Christiania von Nutzen, ferner Tuffnelskur. Ein generelles 
Verbot alkoholischer Getränke ist nicht gerechtfertigt. Unbedingt not¬ 
wendig ist Sorge für ausgiebigen und leichten Stuhl. 

Solange noch keine Zeichen von Herzmuskelschwäche bestehen, ist 
stärkere, selbst sportliche Betätigung erlaubt. Bei gefährlicher Lokalisation 
und stärkerer Entwickelung des Leidens sind alle stärkeren Anstrengungen 
auszuschließen. Durch leichte Zandergymnastik kann die periphere Zirku¬ 
lation angeregt und gehoben werden. Eine richtige Atmung soll die 
Zirkulation unterstützen. Hydro- und Balneotherapie kommen zur An¬ 
wendung, uni Tonus und Reaktionsfähigkeit der Gefäße zu erhalten und 
zu verbessern. Von klimatischen Einflüssen ist kontraindiziert der Höhen¬ 
aufenthalt bei Koronar- und starker allgemeiner Sklerose, wenn apoplektische 
Insulte vorausgegangen sind und wenn starke vasomotorische Unruhe be¬ 
steht. Die Kleidung muß warm halten, aber nicht beengen. Normale 
Betätigung des Sexuallebens bei jugendlichen Arteriosklerotikern wirkt 
meist wohltuend. Gegen die Parästhesien bedient man sich der Massage 
durch Besserung der Zirkulation mit großem Nutzen. Weiter ist von 
hoher Bedeutung für die Behandlung der Arteriosklerose der Aderlaß. 
Er bewirkt Beseitigung der Plethora, Herabsetzung pathologischer Blut¬ 
drucksteigerung und peripherer Kreislaufwiderstände, Verminderung der 
Viskosität, Erschlaffung der Gefäßwand. Bei abnorm hohem Blutdruck 
sind die hochfrequenten und hochgespannten Ströme zu versuchen. 

Von der medikamentösen Behandlung erwähnt Verf. zunächst die 
Jodtherapie und geht dann auf die neueren Mittel, Mistelextrakt, Vasotonin, 
Antiskierosin, Radium und Theobroniin ein, von denen er die Anwendungs¬ 
weise angibt, ohne in kritische Erörterungen über ihre Wirksamkeit sich einzu¬ 
lassen. Zum Schluß bespricht er den Wert der chronischen Digitalisdar¬ 
reichung bei arteriellen Kardiopathien. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Dganelidze, J. Ein Fall von durchdringender Herzwunde. Herz¬ 
naht Genesung. (Rußki Wratsch 38, 1912.) 

Bei der 2 Stunden nach der Verwundung vorgenommenen Operation 
erwies es sich, daß die 1 cm lange Wunde sich an der vorderen Wand 
des rechten Ventrikels befand. Die stark blutende Wunde wurde mit 5 
Nähten geschlossen. 40 Tage nach der Operation konnte man am Herzen 
keine pathologischen Erscheinungen außer einer unbedeutenden Er¬ 
weiterung desselben konstatieren. N. Anitschkow (St. Petersburg). 

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Bei einem 7jährigen Kind (Spondylitis tbc.) zeigten sich »links¬ 
seitige“ Extrasystolen bei Tachykardie; 1 mg Atropin blieb wirkungslos; 
1 mg Adrenalin steigerte die Pulsfrequenz (von 166 auf 176) und die 
Zahl der Extrasystolen (7,5—ll°/o vorher, 17,6% aller Systolen nach 
der Injektion), % mg resp. 1 mg Physostigmin per os (nach Kauf¬ 
mann) hatte den Erfolg, daß die Pulsfrequenz auf 150 sank und die 
Extrasystolen überhaupt ausblieben. Nach 8 Stunden allerdings wieder: 
166 Pulsschläge und 5% Extrasystolen. Die Beobachtung verdient zu¬ 
mindest theoretisches Interesse. E. Stoerk (Wien). 


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Bearbeitet von 

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Für die Redaktion verantwortlich: Professor Dr.J. O. Mönckeberg, Gießen. WUhelmetraße 9. 
Verlag: Theodor Steinkopff Dresden u. Leipzig. Druck: Pr. Tlttel Nachf., Dresden. 




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M. 8.—. 


T. Jahrgang. 1. März 1913. Nr. 5. 


Zur klinischen Diagnose aus dem 
Elektrokardiogramm. 

Von 

Prof. H. E. Hering (Prag). 

Um sich recht klar zu machen, was wir bis jetzt dem Elektro¬ 
kardiogramm eines Patienten entnehmen können, ist es am besten, sich 
in die Lage zu versetzen, es läge einem nur das Elektrokardiogramm des 
betreffenden Patienten vor. Wenn wir beim Tierexperiment durch be¬ 
sondere Eingriffe Änderungen im E.-K. hervorrufen, so wissen wir, wie 
das E.-K. vor den Eingriffen ausgesehen hat. Beim Menschen wissen 
wir aber nicht (wenigstens ist das bis jetzt so der Fall) wie das Individual- 
E.-K. 1 ) des betreffenden Patienten vor seiner Erkrankung ausgesehen hat. 
Nehmen wir bei einem Patienten eine fortlaufende Reihe von E.-K. auf 
und treten zeitweise in der fortlaufenden Kurve E.-K. auf, die anders 
aussehen als die Mehrzahl der übrigen, z. B. bei hie und da erscheinen¬ 
den Extrasystolen, so erkennen wir leicht die pathologischen Abweichungen. 
Sieht jedoch in der ganzen Reihe der E.-K. eines so aus wie das 
andere und entsprechen die zeitlichen Beziehungen der Vorhöfe zu 
den Kammern der Norm, weicht aber die Form des Vorhof- oder 
Kammer-E.-K. von den bis jetzt bekannten Individual-E.-K. uns gesund 
erscheinender Menschen — bei derselben Ableitung und Lage — ab, so 
stehen wir vor verschiedenen Schwierigkeiten. 

Wie der Name Individual-E.-K. schon besagt, sind die E.-K. der ver- 


1) Deutsche med. Wochschr. No. 46, Nov. 1912. 











106 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


schiedenen gesunden Menschen auch unter der Voraussetzung gleicher 
Aufnahmebedingungen mehr oder weniger verschieden von einander. 
Diese physiologischen Verschiedenheiten erschweren es, festzustellen, ob 
wir es bei Vorlage eines E.-K. noch mit normalen oder schon mit patho¬ 
logischen Zuständen zu tun haben. Wenn jedoch die Form des E.-K. 
sehr stark abweicht von der Form der unter gleichen Aufnahmebeding¬ 
ungen gewonnenen, uns bis jetzt bekannten Individual - E.-K. Gesunder, 
werden wir geneigt sein, an etwas Abnormes zu denken. Dieses Abnorme 
kann nun aber eventuell lediglich bedingt sein durch eine abnorme Lage 
des Herzens. Aus diesem Grunde habe ich 2 3 ) seit 1909 wiederholt, 
wie auch A. Hoffmann s ), auf diesen Umstand hingewiesen, ein Um¬ 
stand, der, wie ich erst kürzlich hervorhob, schon Wallerund Einthoven 
bekannt war, der aber erst jetzt allmählich mehr berücksichtigt wird. Am 
schönsten und augenfälligsten sieht man den Einfluß der Lage beim 
Situs inversus 4 ) (Waller, Nikolai, Hoke und andere); hier ist die 
Lage des Ausgangspunktes der Erregung gegenüber der Norm verkehrt 
Die Änderung der Lage des Herzens kann durch extrakardiale 
Umstände hervorgerufen sein oder durch kardiale; zu den letzteren 
gehören die Größenänderungen der einzelnen Herzabschnitte, seien 
sie bedingt durch Dilatation oder Hypertrophie oder beides. 
Wie die Hypertrophie eines Herzabschnittes die Lage des Herzens 
und damit nach seiner Meinung die Form des E.-K. verändern könnte, 
hat Th. Groedel in der erwähnten Abhandlung erörtert; diesbezüglich 
möchte ich zunächst darauf hinweisen, daß auch lediglich durch 
Dilatationen der einzelnen Herzabschnitte die Lage des Herzens Ver¬ 
änderungen erfährt, und daß sich auch beide Umstände — Hypertrophie 
und Dilatation — daran beteiligen können. 

Lediglich aus dem in Fig. 1 von Th. Groedel abgebildeten Elektro¬ 
kardiogramm könnte heute niemand die Diagnose: »Kongenitale Pulmonal¬ 
stenose mit Verdacht auf Septumdefekt" stellen, wie ja auch Th. Groedel 
nicht aus diesem E.-K., sondern an der Hand der übrigen von ihm an¬ 
gegebenen Anhaltspunkte jene Diagnose gemacht hat, die sich auf Grund 
der anatomischen Untersuchung von J. G. Mönckeberg als richtig 
erwies. 

Aber nicht nur jene Diagnose, sondern überhaupt die Diagnose eines 
angeborenen Vitiums läßt sich aus dem E.-K. allein bis jetzt nicht stellen. 

Daß bei angeborenen Vitien das E.-K. bei Abi. I so aussehen kann, 
wie es Th. Groedel und vor ihm Nicolai-Steriopulo abgebildet 
haben, das ist nicht anzuzweifeln; man kann aber nicht lediglich aus einem 
solchen E.-K. ein angeborenes Vitium diagnostizieren, sondern ein solches 
E.-K. kann nur an die Möglichkeit denken lassen, daß vielleicht ein an¬ 
geborenes Vitium vorliegt. 

Ich habe in meiner kürzlich erschienenen Abhandlung darauf 
aufmerksam gemacht, »daß man nach der Form des Elektrokardio¬ 
gramms die Vergrößerung der linken Kammer von der Leitungs¬ 
unterbrechung des rechten Schenkels nicht unterscheiden kann", unter der 
Voraussetzung der gleichen äußeren Ableitung und der Richtigkeit der 


2) Deutsche med. Wochschr. No. 1, Januar 1909. 

3) Verhandl. des Kongr. für innere Medizin, April 1909. 

4) Th. Groedel sagt bei Besprechung des Einflusses der Herzlage auf 
die Form des E.-K.: „Situs inversus kommt hierbei selbstverständlich nicht in 
Betracht.“ (Ztlbl. f. Herz- u. Gefäßkh. 5, 8 [1913].) 




ORIGINALE 


107 


Angaben anderer über das Aussehen des Elektrokardiogramms nach 
Leitungsunterbrechung des rechten Schenkels. 

Auch Th. Oroedel hat in seinem Falle an eine »Schädigung des 
Reizleitungssystems" gedacht; da jedoch die anatomische Untersuchung 
Mönckeberg’s keine solche ergab, hat er das von ihm abgebildete E.-K. 
durch eine abnorme Lagerung des Herzens zu erklären versucht. Analoge 
Elektrokardiogramme bei Abi. 1 kann man nun auch, wie Groedel 
selbst bemerkt, bei Mitralstenosen beobachten. Ich verweise z. B. 
auf Fig. 25, S. 513 der Mitteilung von W. v. Wyß 5 ) aus der Klinik 
von Gerhardt Es geht daraus hervor, daß jenes bei Abi. I gewonnene 
E.-K. nicht typisch ist für eine bestimmte Erkrankung. Da 
jedoch die Hypertrophie der rechten Kammer bei den Erkrankungen 
gemeinschaftlich ist, ließe dies daran denken, daß, wie es Einthoven 6 ), 
S. 570, 1908 angegeben hat, ein negatives Ri 7 ) für die Hypertrophie des 
rechten Herzens charakteristisch sei. 

Ich 8 ) habe jedoch analoge Kurven bei Abi. I an Hundeherzen 1909, 
Fig. 11 veröffentlicht, die sicher nicht durch Hypertrophie der 
rechten Kammer bedingt waren; das Herz schlug retrograd und 
ich bemerkte damals ausdrücklich: »das Besondere ist hier jedoch die 
Negativität von R"; ob der Ausgangspunkt der Kammeraktion in einem 
Schenkel des His’schen Bündels lag, vermag ich nicht zu sagen. Es be¬ 
stand Altemans der rechten und linken Kammer; die Negativität von Ri 
war bei der großen wie kleinen Systole vorhanden. Dieses negative Ri 
trat nur vorübergehend auf; vorher (Fig. 10) wie nachher (Fig. 12) war 
Ri positiv. Dafür, daß eine Lageänderung des Herzens das negative 
Ri hervorgerufen habe, besteht gar kein Anhaltspunkt; es wurde gar nichts 
an der Versuchsanordnung geändert. Es läßt sich daher nur annehmen, 
daß das negative Ri in diesem Falle durch eine Änderung des 
Ausgangspunktes der Erregung in den Kammern entstanden ist; der 
Ausgangspunkt liegt vielleicht im linken Ventrikel. Aus einem nega¬ 
tiven Ri können wir also die Diagnose der Hypertrophie 
der rechten Kammer nicht stellen; wir können nur unter anderen 
Möglichkeiten auch an eine Hypertrophie der rechten Kammer denken, 
wenn wir ein negatives R i sehen, insofern, als die bis jetzt vorliegenden 
Erfahrungen gezeigt haben, daß ein negatives Ri auch b«j Hypertrophie 
der rechten Kammer vorhanden sein kann. 

Analoges gilt mutatis mutandis für die Diagnose der Hypertrophie 
der linken Kammer von dem Elektrokardiogramm, wie ich schon kürzlich 
zeigte. 

Ich möchte nun hier zu dem, was ich in meiner eingangs zitierten 
Abhandlung gesagt habe, noch hinzufügen, daß W. v. Wyß E.-K. von 
einem Falle publiziert hat mit positiven R i, in dem er es für wahrschein¬ 
lich ansah, daß es »sich um eine nur teilweise Blockierung mit vorzugs¬ 
weiser Schädigung des linken Schenkels" handelte. 

Die E.-K. zeigen das Vorhandensein einer Überleitungsstörung an 

5) Deutsch. Arch. f. klin. Med. 108, 506 (1911). 

6) Pflügers Arch. 122, 517 (1908). 

7) Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, daß, wenn bei 
Abi. I das Kammerelektrokardiogramm mit einer negativen Zacke beginnt, man 
diese nach der Nomenklatur von Einthoven mit Q bezeichnen sollte, wie ich 
dies auch 1909 (Pflügers Arch. 127, S. 160) getan habe. 

8) Zeitschr. f. exp. Path. u. Therap. 7, 363 (1909). 



108 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


O 


und die Sektion ergab eine Läsion des Reizleitungssystems. Leider han¬ 
delte es sich aber um einen Fall von »Mitralinsuffizienz und Stenose und 
Aorteninsuffizienz". Da nun die abgebildeten E.-K. Ähnlichkeit haben mit 
solchen bei Abi. 1, bei denen von verschiedenen Autoren Hypertrophie 
des linken Ventrikels (siehe z. B. Fig. 31 in der zitierten Mitteilung von 
Einthoven) angegeben wurde, ist es fraglich, ob die Form des E.-K. 
eventuell auf diese oder auf die Leitungsunterbrechung des linken Schen¬ 
kels, zu beziehen ist, wozu hinzukommt, daß aus dem angegebenen histo¬ 
logischen Befund eine vollständige Läsion des linken Schenkels nicht 
zweifellos hervorgeht. 

Aus diesen Ausführungen sehen wir wieder, daß wir auf Grund 
der bis jetzt vorliegenden Erfahrungen lediglich aus der 
Form des E.-K. weder eine Hypertrophie der rechten oder 
linken Kammer, noch eine Leitungsunterbrechung des 
rechten oder linken Schenkels des Reiz leitun gs Systems 
diagnostizieren können. 

Es sei noch darauf hingewiesen, daß die Form des E.-K. bei Abi. 1 
in den Fällen von H. Eppinger und O. Stoerk 9 ), wo es sich laut 
Angabe um eine Schädigung des rechten Tawaraschenkels gehandelt 
hat, und in dem Fall von W. v. W y ß, in dem eine vorzugsweise Schä¬ 
digung des linken Schenkels vermutet wurde, sehr ähnlich ist. Ohne 
weitere Vermutungen an die Fälle von Eppinger und Stoerk 10 ) zu 
knüpfen, begnüge ich mich darauf hinzuweisen, daß wir weiterer, auf sehr 
eingehender histologischer Untersuchung basierender Erfahrungen be¬ 
dürfen, um zu wissen, wie beim Menschen nach einseitiger Leitungs¬ 
unterbrechung eines Tawaraschenkels das Elektrokardiogramm bei den 
verschiedenen Ableitungen aussieht. 

Anschließend an diese Bemerkungen möchte ich die Gelegenheit be¬ 
nützen, um in aller Kürze darauf aufmerksam zu machen, woran wir 
bei der Erklärung der verschiedenen E.-K. des Menschen bei ein und 
derselben Ableitung zu denken haben. 

Wie wir seit mehr als 30 Jahren wissen, hat an der Froschkammer 
bei Ableitungen von der Basis und Spitze die primäre Zacke bei Reizung 
an der Spitze die entgegengesetzte Richtung von der bei Reizung an der 
Basis. Das hat Waller 1887 auch am Säugetierherzen beobachtet. Bei 
der von Waller 11 ) im Jahre 1889 eingeführten indirekten Ableitung ent¬ 
spricht »Ableitung von der rechten Hand oder dem Munde ungefähr 
der Ableitung von der Basis, Ableitung von der linken Hand, dem Anus 
oder der unteren Extremität ungefähr der Ableitung von der Spitze." 

Der normale Ausgangspunkt der Herztätigkeit ist nach rechts gelegen. 
Liegt er, wie bei Situs inversus nach links, so bekommen wir bei der¬ 
selben Ableitung (1) ein Elektrokardiogramm mit entgegengesetzt gerichteten 
Zacken. Beim Situs inversus ist die Lage des Herzens und die Form 
des Elektrokardiogramms das Spiegelbild der normalen Lage und des 
entsprechenden Elektrokardiogramms. 

Ich habe nun am 21. Juli 1911 folgenden Versuch an einem Katzenherzen 
gemacht. Bei einer Katze schnitt ich am Ende einer Versuchsreihe die Kammern 
an der Atrioventrikulargrenze ab und ließ die Kammern in der Lage liegen. 


9) Zeitschr. f. klin. Med. 71, 157. 

10) Siehe meine eingangs zitierte Mitteilung. 

11) Philosoph. Transact. 180, 169 (1889). 



0 


o;r.i g i n a l e 


109 


wie sie vor der Abschneidung (Basis — kopfwärts) lagen. Bei Ableitung II 
(r. Vorderbein, 1. Hinterbein) erhielt ich von den etwa 30 mal pro Minute 
regelmäßig schlagenden Kammern das E.-K. in Fig. 1. Unmittelbar, nachdem 
ich diese Reihe von E.-K. aufgenommen hatte, legte ich die Kammern so, daß 
die Spitze kopfwärts lag, ohne vorn und hinten an der Lage des Herzens 
etwas zu ändern. Bei derselben indirekten Ableitung II erhielt ich'nun von den 
weiter regelmäßig schlagenden Kammern E.-K. von der Form in Fig. 2. Wie 
man sieht, ist dieses E.-K. fast genau das Sp|i ege 1 bi 1 d von dem E.-K. in Fig. 1. 



Fig. 1. Elektrogramm der abgeschnit- Fig. 2. Dasselbe wie in Fig. 1, aber 
tenen Kammern eines Katzenherzen bei Spitze der Kammern kopfwärts. 

Ableitung II. Basis der Kammern kopf¬ 
wärts. Zeit in */& Sek. 


Statt wie bei den Froschherzversuchen bei der gleichen Ableitung und 
Lage der Kammer diese einmal an der Basis, einmal an der Spitze zu 
reizen, wurde hier an dem spontan schlagenden Katzenherzen bei der 
gleichen Ableitung die Lage der Kammer geändert. Da nun das 
E.-K. in Fig. 2 das Spiegelbild des E.-K. in Fig. 1 ist, kann es sich in 
diesem Falle nur darum handeln, daß der Ausgangspunkt der Herz¬ 
tätigkeit derselbe b 1 ieb, aber seine Lage zu den Ableitungs¬ 
stellen sich geändert hat, und zwar in der entgegengesetzten 
Richtung. 

Aus alledem ersehen wir: Bei der gleichen Ableitung ändert 
sich das E.-K. mit der Änderung der Lage des Ursprungs- 
reizortes, was ich seit 1909 schon wiederholt betont habe, weil dieser 
Umstand für die Deutung der Elektrokardiogramme von der größten 
Wichtigkeit ist, aber immer noch zu wenig berücksichtigt wird. 

Beim Warmblüterherzen, das menschliche Herz eingeschlossen, liegen 
die Verhältnisse (wie bekannt, aber erst in der letzten Zeit mehr berück¬ 
sichtigt) insofern komplizierter, als wir es mit zwei Kammern zu tun haben, 
von denen jede auf dem Wege eines Tawaraschenkels zur Kontraktion 
angeregt wird. Dort, wo jeder Schenkel, beziehungsweise seine ausein¬ 
andergehenden Fasern die betreffende Kammer in Erregung versetzt, dort 
ist der Ausgangspunkt der Erregung für jede Kammer. 

Die beiden Kammern können von einem Ausgangspunkt in Er¬ 
regung versetzt werden, wie wir dies vom Experiment her kennen (Reizung 
einer kleinen Stelle durch einen elektrischen oder mechanischen Reiz, oder 
primäre Erregung einer Kammer durch einen Tawaraschenkel). Die ganz 
genaue Aufsplitterung jedes Schenkels kennen wir noch nicht, wenn 
wir auch darüber durch die histologischen Untersuchungen von Aschoff- 
Tawara Vieles gelernt haben. Unter pathologischen Umständen werden 
gewiß auch Leitungsstörungen in den einzelnen Zweigen jedes Schenkels 
Vorkommen. 










110 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. D 


Wie wir nun gesehen haben, kommt es auch zu einer Änderung 
des E.-K., wenn sich nur der Ausgangspunkt der Herztätigkeit mit Be¬ 
zug auf die Ableitungsstellen ändert, ohne daß der Ausgangs¬ 
punkt im Herzen selbst sich ändert Dies kann nun- in verschiedener 
Richtung und in verschiedenem Qrade bei einer Änderung der Lage des 
Herzens eintreten. Wir haben demnach bei der Deutung der Ver¬ 
schiedenheit des Elektrokardiogramms des Menschen bei der gleichen 
äußeren Ableitung auf die verschiedene Lage des Ausgangspunktes 
der Erregung Rücksicht zu nehmen und an folgende 4 Möglichkeiten zu 
denken: 

1) Normaler Ausgangspunkt im Herzen und normale Lage des Herzens. 

2) Normaler Ausgangspunkt i m Herzen und abnorme Lage des Herzens. 

3) Abnormer Ausgangspunkt i m Herzen und normale Lage des Herzens. 

4) Abnormer Ausgangspunkt i m Herzen und abnorme Lage des Herzens. 

Bei Berücksichtigung dieser vier Möglichkeiten werden wir in der 

Deutung des Elektrokardiogramms weiter kommen, wenn auch der Be¬ 
weis in jedem einzelnen Falle nicht leicht ist Besonders werden wir 
der Unterstützung der pathologischen Anatomen bedürfen, um 
von ihnen über die Lage des Herzens und seiner Teile mit Bezug auf 
die Längs- und Querachse des Körpers und über das Verhalten des Reiz¬ 
leitungssystems des Herzens in den Fällen unterrichtet zu werden, in 
denen intra vitam abnorme E.-K. aufgenommen werden. 


Erwiderung auf vorstehenden Artikel. 

Von 

Th. Groedel (Bad-Nauheim). 

Die Ausführungen H. E. Hering's sind durch einen von mir 
aufgestellten Erklärungsversuch für die Initialzacke des E.-K. veran¬ 
laßt worden (1913, No. 1 dieser Zeitschrift.). Auf Grund von Be¬ 
obachtungen an einem Falle von Vitium congenitum sowie auf Grund 
früherer Untersuchungen suchte ich die Richtung der Initialzacke 
aus der Lage der einzelnen Ventrikel zu den Ableitungspunkten zu er¬ 
klären, während andere Autoren dies aus der Lage des gesamten Her¬ 
zens versucht haben, wobei ich von allen übrigen Momenten, die hier 
notwendigerweise in Betracht zu ziehen sind, wie eigens bemerkt. Abstand 
nahm. Ich würde es gerne gesehen haben, wenn H. E. Hering die 
von mir aufgestellten Schlußsätze, die übrigens im Prinzip das gleiche 
sagen, was Hering in seinen Schlußsätzen, soweit diese meine Betrach¬ 
tungen betreffen, aufstellt, eingehend kritisiert hätte und nicht nur ein für 
die Grundidee gleichgiltiges Wort (Hypertrophie) oder einen vielleicht 
schlecht plazierten Satz. So wirft er mir vor, daß ich bei Besprechung 
der Herzlage sage, »situs inversus kommt hierbei nicht in Betracht“, über¬ 
sieht aber den folgenden Satz, aus dem hervorgeht, daß es sich um ver¬ 
schiedenartige Herzlagen mit g 1 e i c h e m E.-K. handelt. Das invertierte 
E.-K. des situs inversus ist aber bei keiner anderen Herzlage zu finden. 
Dann sagt Hering weiter, »aus dem E.-K. läßt sich die Diagnose eines 
angeborenen Vitiums nicht stellen". Ja, welcher gewissenhafte Arzt stellt 




o 


111 


ORIGINALE 


denn aus dem E.-K. allein die Diagnose, oder welcher beispielsweise allein 
aus dem Resultat der perkutorischen Untersuchung? Die Elektrokardio¬ 
graphie ist und soll uns nichts anderes sein als ein diagnostisches Hilfs¬ 
mittel. Wenn wir aber bis heute bei allen klinisch diagnostizierten kon¬ 
genitalen Vitien ausnahmslos eine negative Initialschwankung gefunden 
haben, und dies ist nicht, wie Hering sagt, nur von Nicolai-Sterio- 
p u 1 o und m i r festgestellt worden, sondern noch von einer ganzen Reihe 
von Untersuchem, so ist die negative Initialschwankung doch wohl typisch 
für kongenitale Vitien. Dem tut kein Abbruch, daß wir die negative 
1-Zacke auch bei bestimmten anderen Erkrankungen finden. Oder ist 
vielleicht der hohe Blutdruck nicht typisch für Schrumpfniere, weil wir 
ihn auch bei Aorteninsuffizienz u. s. w. finden? Und so wie für das kon¬ 
genitale Vitium, sind noch für eine ganze Reihe von Kreislaufstörungen 
aus großem Kurvenmaterial Typen aufgestellt worden. Sollen wir viel¬ 
leicht auf alles, was die Praxis empirisch feststellt, verzichten, solange es 
uns das Experiment noch nicht restlos erklären kann? 


Bemerkungen zur vorstehenden 
Erwiderung. 

Von 

Prof. H. E. Hering (Prag). 

Th. Oroedel sagt auf Seite 7: 

„Wir wollen bei unseren Erörterungen davon absehen, wie weit die 
verschiedenen in Betracht kommenden Faktoren Einfluß auf die Form des 
E.-K. haben können, und uns nur die Frage vorlegen, wie weit die Herzlage 
die Form des E.-K. beeinflußt. Wenn bis jetzt von dem Einfluß der Lage 
des Herzens auf das E.-K. die Rede war, so wurde stets die Lage des 
ganzen Herzens in Betracht gezogen; man sprach vom Tropfenherzen, vom 
quergestellteu Herzen, von Dextroversionen (Situs inversus kommt hierbei 
selbstverständlich nicht in Betracht) u. a. m.“ 

In diesem eingeklammerten Satz bezieht man das „hierbei" auf die 
Lage des Herzens. Th. Groedel meint, ich hätte den folgenden Satz 
übersehen. Es ist aber im folgenden vom Situs inversus nicht mehr die 
Rede und daß die Bedeutung des „hierbei" aus dem Folgenden sich er¬ 
gibt, ließ sich aus der Stilisierung nicht entnehmen. 

Th. Groedel hat, wie ich ausdrücklich angeführt habe, die Diagnose 
„Kongenitale Pulmonalstenose mit Verdacht auf Septumdefekt" nicht aus 
dem E.-K. allein gestellt. Es lag demnach meines Erachtens kein Grund 
für ihn vor, gegen meine Angabe, daß sich die Diagnose eines angeborenen 
Vitium aus dem E.-K. allein bis jetzt nicht machen läßt, etwas zu sagen. 

In meiner Mitteilung habe ich übrigens nicht gesagt, daß jenes E.-K. 
„nur" von Nicolai-Steriopulo und Th. Groedel festgestellt wurde. 
Ich werde an anderer Stelle Gelegenheit nehmen, auf den Begriff pathog- 
nomisches Symptom zurückzukommen. 



112 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Referate. 

1. Niriali ul Mtkiligiscki Iiatnii aal Histalii». 

Plaut, Martha, Über zwei weitere Fille von Defekt des Herzbeutels. 

(Frankf. Zs. f. Path. 12, 1 , 1913.) 

Mitteilung zweier Fälle von partieller Defektbildung des Herzbeutels 
bei einem 30- resp. einem 18jährigen Manne. V. führt die Mißbildung 
zurück auf eine frühzeitige Atrophie des linken Ductus Cuvieri und eine 
damit in Zusammenhang stehende Nichtausbildung der linken Membrana 
pleuro-pericardiaca, bedingt durch eine frühzeitige Ausbildung einer Quer- 
anastomose zwischen den beiden Venae jugulares. Schönberg (Basel). 

Coenen, Christian. Ober Endokardschwielen. Aus dem path. 
Instit. Bonn. (Dissertation Bonn 1912.) 

Verf. erörtert die vorliegende Literatur und beschreibt ausführlich 
8 Fälle aus obigem Institut. (In einem derselben fehlte die Mitralis resp. 
war nicht mehr erhalten.) Eine Endokarditis der Aortenklappen und in 
7 Fällen auch eine solche der Mitralis stellt durch die an den Mitral¬ 
klappen hervorgerufenen degenerativen Folgezustände mittelbar eine Ur¬ 
sache für die Endokardschwielen dar. Dieser Befund stützt die Anschau¬ 
ung der führenden Pathologen, daß für die Schwielenbildung zumeist eine 
Endokarditis verantwortlich zu machen ist. Ein entzündlicher Charakter 
kommt den Endokardschwielen nicht zu. Fritz Loeb (München). 

Anitschkoff, N. N. Über histologische Veränderungen des isolierten 
Herzens. (Russ. Wratsch 51, 1912.) 

Die Isolierung geschah nach der durch Botscharoff modifizierten 
Methode Langendorff’s. V. fand in erster Gruppe der Fälle, bei wel¬ 
chen die Herzen die ganze Versuchszeit hindurch gut funktionierten, schon 
nach 1—2 Stunden der Versuchszeit wesentliche Veränderungen, welche 
im Zerfall der kontraktilen Substanz der Muskelfasern, in Oedem des 
Herzmuskels und in Degeneration der intrakardialen Nervenknötchen be¬ 
standen. Bei dieser Gruppe sah man deutliche Veränderungen des His- 
schen Bündels erst nach 9Vz—12 Stunden der Versuchszeit, ln der 
zweiten Gruppe der Fälle, bei welchen die Herzfunktion nur 1—2 Stun¬ 
den kräftig, im weiteren Verlaufe der Versuchszeit aber viel schwächer 
war als gewöhnlich, fand man dieselben Veränderungen wie bei der ersten 
Gruppe, jedoch ausgesprochener, besonders fielen, oft schon frühzeitig, 
die ödematösen Veränderungen des His'schen Bündelsauf. In der dritten 
Gruppe (1 Fall) gelang es überhaupt nicht regelmäßige und kräftige Herz¬ 
kontraktionen auszulösen — und das Mikroskop zeigte tiefe degenerative 
Veränderungen im His’schen Bündel. Die vierte Gruppe bildeten Fälle, 
in welchen die regelmäßige Herztätigkeit am Anfänge des Versuches 
unterbrochen, das Herz einige Stunden aufs Eis gelegt und nachher 
wieder auf 1 Stunde in Tätigkeit gesetzt wurde. In diesen Fällen fand 
man Veränderungen etwa wie bei der ersten Gruppe, sodaß man an nehmen 
kann, daß die Ruhestellung des Herzens auf Eis verhältnismäßig wenige 
Strukturveränderungen verursacht. L. Nenadovics (Franzensbad). 



REFERATE I 


113 


Hensen, H. Ober einen Fall von Aneurysma der Aorta ascendens 
mit Erzeugung von Pulmonalstenose und Perforation in die Pulmonal¬ 
arterie. (Frankf. Zs. f. Path. 12, 1 , 1913.) 

Bei einem 56jährigen Manne fand sich bei der Sektion an der 
Aortenwurzel ein Aneurysma, das sich gegen die Pulmonalarterie vor¬ 
bauchte und in diese zweimal perforierte. Am Herzen fand sich Hyper¬ 
trophie beider Kammern. Als Ätiologie für das Aneurysma wird hoch¬ 
gradige Arteriosklerose angenommen. Klinisch war über dem Herzen ein 
lautes systolisches und diastolisches Blasen zu hören. Herztöne waren 
über sämtlichen Ostien verdeckt, die Dämpfung deutlich, besonders nach 
rechts, verbreitert. Für Aneurysma bestanden keine charakteristischen 

Symptome. Schönberg (Basel). 


Fuchs, Robert. Zur Ätiologie der Thrombose. (Dissertation 
Würzburg 1912. 38 S.) 

In den meisten postoperativen Thrombosefällen ist eine besondere 
Blutinfektion anzunehmen. Fritz Loeb (München). 


Dantona, Q. Sülle rotture traumatiche dell’aorta. (Archivio p. 1. 
Scienze mediche, 4, 1912.) 

Histologische Beschreibung des Befundes zweier Fälle. Verf. be¬ 
schäftigt sich mit dem Mechanismus, durch welchen die traumatischen 
Rupturen der Aorta Zustandekommen können und besonders mit den 
hydrodynamischen Erscheinungen, die sich im Inneren der Aorta im 
Augenblicke des Traumas ereignen. Er kommt zur Schlußfolgerung, daß 
die Projektion der ventrikulären Welle eines der Elemente ist, die am 
meisten zur Erzeugung der Aortenruptur beitragen. Er betont ferner die 
leichte Verletzbarkeit der Media durch Trauma und die hervorragende 
Widerstandsfähigkeit der Adventitia, welcher letzteren es zu verdanken 
ist, daß das Gefäß noch widerstehen und zur Heilung übergehen kann. 

M. Sapegno (Turin). 


Brazzola, F. Contributo allo studio delle miocarditi nelle infezioni 
acute. (Boli. Scienze Mediche, 4, 1912.) 

Verf. wendete seine Aufmerksamkeit auf die Veränderungen, die man 
bei der Maul- und Klauenseuche beobachtet 

In den Gefäßen fand er zuweilen eine körnige fettige Entartung der 
Intima; in der Media stets eine Homogenisierung der Muskelfasern, zu¬ 
weilen auch Vakuolen; in der Adnentitia eine leukozytäre Infiltration; im 
Bindegewebe eine leukozytäre und fibrinöse Infiltrierung; in den Muskel¬ 
fasern des Myokards zuerst das Auftreten von Granulationen, dann eine 
der wachsigen Entartung sehr ähnliche Homogenisierung, bedingt durch 
einen wahren und echten sarkolytischen Prozeß, nicht durch Koagulation. 
Diese letztere Läsion betrifft vereinzelte Fasern oder Fasernherde: sie hat 
eine Verlagerung der Weißman'schen Segmente und eine Zerstückelung 
der Muskelfasern zur Folge. 



114 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


a 


Es entwickeln sich zu gleicher Zeit Alterationen des vaskulären und 
muskulären Bindegewebssystems, welche toxischen Ursprunges sind. 

M. Sapegno (Turin). 

II. Piysitlifii iid uyiriiiitilli Patliluie. 

Hürthle, K. Ober die Beziehung zwischen Druck and Geschwindig¬ 
keit des Blutes in den Arterien. (Pflügers Arch. 147, 525, 1912.) 

Die Untersuchung der Abhängigkeit des Blutstroms von den einzel¬ 
nen Faktoren wird dadurch unsicher gemacht, daß es nicht gelingt, die 
Weite der Qefäßbahn unverändert zu erhalten. Verf. untersucht daher 
die Beziehungen zwischen Druck und Geschwindigkeit während eines 
Pulsschlages, also in einer so kurzen Zeit, daß der Tonus der Blutgefäße 
als unverändert angesehen werden kann. Es werden nun zunächst Ver¬ 
suche an einem Schema angeführt, welche zur Prüfung der Apparate 
sowie zur Kritik der Methode dienen. Durch die gleichzeitige Registrie¬ 
rung von Druck und Stromstärke in einem Querschnitt der arteriellen 
Bahn lassen sich Aufschlüsse gewinnen über den Mittelwert des Druckes, 
der Stromstärke und des Widerstandes innerhalb eines Pulsschlages; 
durch eine Analyse der Kurven kann dann auch die Volumelastizität des 
zwischen Stromuhr und Kapillaren gelegenen Teiles der Bahn und ihr 
Einfluß auf die Stromstärke berechnet werden; diese wird daher einer¬ 
seits durch Druck und Widerstand, andrerseits durch Druck und Volum¬ 
elastizität bestimmt. Die in der Cruralis und Carotis von Hunden aus¬ 
geführten Versuche zeigen, daß nur ausnahmsweise in der Carotis der 
Druck der Stromstärke proportional ist; die tatsächlich vorhandenen Be¬ 
ziehungen sind sehr verwickelt. In der Mehrzahl der Carotis- und bei 
allen Cruralispulsen ist im ersten Teil des absteigenden Schenkels die 
registrierte Stromstärke größer als die berechnete (aktive Kontraktion der 
Arterien?). Im zweiten Abschnitte der Diastole ist, besonders bei Vagus¬ 
pulsen, das Umgekehrte der Fall, wobei Zunahme der Widerstände infolge 
des durch den sinkenden Druck kleiner werdenden Gefäßlumens ursäch¬ 
lich in Betracht kommt. J. Rothberger (Wien). 

Hürthle, K. Ist eine aktive Förderung des Blutstromes durch die 
Arterien erwiesen? (Pflügers Arch. 147, 582, 1912.) 

Die im Beginne der diastolischen Drucksenkung beobachtete Ab¬ 
weichung zwischen registrierter und berechneter Stromstärke (s. vorige Mit¬ 
teilung) veranlaßt den Verf. die im Titel gestellte Frage kritisch zu prüfen. 
Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß ein Physiologe vom Range Hürthle’s 
sich dieser Aufgabe unterzieht, da die in der Klinik immer mehr Ein¬ 
gang gewinnende Lehre von der aktiven Anteilnahme der Arterien an der 
Blutbeförderung auffallend viel teleologische Argumente heranzieht, und 
die wenigen Tatsachen, welche zur Stütze dienen sollen, dringend der 
Nachprüfung bedürfen. Wie wohl mancher, der sich mit Kreislauffragen 
beschäftigt, erwartet haben mag, ist diese Nachprüfung vernichtend aus¬ 
gefallen. 

Hürthle kommt zu dem Schlüsse, »daß keine einzige der ange¬ 
führten Beobachtungen oder Überlegungen einen Beweis für eine aktive 
Förderung des Blutstromes durch die Blutgefäße enthält.“ Diese Annahme 
ist daher eine unbewiesene Hypothese. J. Rothberger (Wien). 



115 


O 


REFERATE II 


Wiggers, C. J., Eberly, K. C. and Wenner, H. L. (University 
of Michigan). The pressor influence of augmented breathing. (Der druck¬ 
steigernde Einfluß verstärkter Atmung.) (Joum. of exp. med. 15, 174, 1912.) 

Nach ausgiebigen Blutverlusten wird der Blutdruck vor dem voll¬ 
ständigen Abfall bewahrt, wenn verstärkte Atmung einsetzt; diese bis zu 
drei Stunden dauernde Dyspnoe führt zu langsamem Wiederansteigen des 
Drucks und der Zustand des Tieres bessert sich. Dagegen führen alle 
jene Maßnahmen zu Druckabfall und Tod, welche, wenn auch nur für 
kurze Zeit, die dyspnoeische Atmung abschwächen oder sistieren; insbesondere 
ist hier Morphium kontraindiziert. Die verstärkte Atmung wirkt also 
mechanisch als drucksteigerndes Mittel, u. z. akzessorisch unter normalen 
Bedingungen, kompensatorisch bei gesunkenem Blutdruck. Die von 
Henderson geäußerte Ansicht, daß das Ansteigen des Blutdruckes bei 
der Inspiration ausschließlich auf Pulsbeschleunigung zurückzuführen ist, 
bedarf einer Einschränkung, denn die Atmung erzeugt auch dann noch 
eine bedeutende Beschleunigung des Blutstroms, wenn nach großen Blut¬ 
verlusten der venöse Zufluß zum Herzen abgenommen hat und keine 
Änderung der Schlagfrequenz eintritt. Es kann demnach zwar der in den 
ersten Stadien der Inspiration auftretende Druckanstieg auf die Puls¬ 
beschleunigung bezogen werden; aber die dann auftretende und noch im 
Beginn der Exspiration anhaltende Steigerung beruht einzig und allein 
auf der mechanischen Wirkung der Respiration. Henderson hat ge¬ 
zeigt, daß die nach starken Schmerzen folgende Hyperpnoe zur Apnoe und 
tödlichem Shock führen kann. Das ist aber bei der nach starken Druck¬ 
senkungen auftretenden Verstärkung der Atmung nicht der Fall. Hier 
muß also der günstige mechanische Effekt bei weitem überwiegen. 

J. Rothberger (Wien). 

Gerlach, Paul (Rostock). Vergleichende Versuche Ober die Wirkung 
rhythmischer und kontinuierlicher Durchspülung. (Pflügers Arch. 147, 
71, 1912.) 

Vorläufig fehlt eine exakte Grundlage für die von den meisten Autoren 
gemachte Annahme, daß für die Funktion überlebender Organe eine 
rhythmische Durchspülung der kontinuierlichen vorzuziehen sei. Verf. 
untersucht diese Frage, indem er die Lebenstätigkeit der Nervenzentren 
von Fröschen prüft, welche mit Ringerlösung einmal rhythmisch, dann 
kontinuierlich durchströmt werden und deren Reflexerregbarkeit durch 
0,25—0,35 mg Strychnin (direkt in das Gefäßsystem injiziert) gesteigert 
wurde. Es werden dann an der Haut des Unterkiefers kurze tetanische 
Reize appliziert und die Zahl der Reaktionen bestimmt. Als Kriterium 
für die Funktionen der Nervenzentren dient 1. die Erholung nach Er¬ 
müdung durch rhythmische Reizung, 2. der Grad der Erholung nach 
vorangegangener Erstickung, 3. die zur Erholung nach Erstickung er¬ 
forderliche Zeit und 4. die nach Narkose (Alkohol, Kohlensäure) zur Er¬ 
holung erforderliche Zeit Es zeigt sich, daß keiner der Nachteile ex¬ 
perimentell bestätigt werden kann, welche gewöhnlich der kontinuierlichen 
Durchspülung zugeschrieben werden (schlechtere Ernährung der Gewebe, 
schlechteres Durchfließen, stärkere Oedembildung). Bei beiden Durch¬ 
strömungsarten nimmt die Menge der durchfließenden Flüssigkeit langsam 
und gleichmäßig ab. Bezüglich der Oedembildung konnte bei mäßiger 
Durchflußgeschwindigkeit kein Unterschied zwischen kontinuierlicher und 
rhythmischer Speisung gefunden werden; bei schnellerer Durchströmung 



116 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND OEFÄSSKRANKHEITEN V. 


O 


ist der Rhythmus sogar schädlich. Es dürfte also der Rhythmik im Kreis¬ 
läufe nicht die hohe Bedeutung zukommen, die ihr gewöhnlich zuge¬ 
schrieben wird; sie dürfte vielmehr einfach eine mechanische Notwendig¬ 
keit darstellen, deren Nachteile durch die Elastizität der Gefäßwände so¬ 
weit ausgeglichen werden, daß das Blut an den Orten des Stoffaustausches 
ganz gleichmäßig fließt. J. Rothberger (Wien). 

de Heer, J. L. Die Dynamik des Säugetierherzens im Kreislauf in der 
Norm, bei Aortenstenose und nach Strophantin. (Pharmak. Institut Utrecht.) 
(Pflügers Arch. 148 , 1, 1912.) 

Verf. verzeichnet in 26 Versuchen am dezerebrierten Hunde (4 bis 
14 Vb kg) Ventrikeldruck und Ventrikelvolum gleichzeitig, u. zw. unter 
normalen Bedingungen, dann bei Verengerung der Aorta und endlich 
nach Injektion von 1 mg g-Strophantin T h o m s. Zur Druckmessung dient 
eine durch eine Lungenvene in den linken Ventrikel eingeführte, mit einem 
Franck-Petter’schen Manometer verbundene Kanüle; die Messung des 
Volumens erfolgt mit dem Ventrikelplethysmographen von Rothberger. 
Zur meßbaren Stenosierung der Aorta dient ein eigenes Kompressorium. 
Verf. beschreibt zunächst an der Hand einer bei raschein Gang aufge¬ 
nommenen Kurve den Verlauf der Druck- und Volumschwankungen 
während einer einzelnen Herzkontraktion, wobei sich wieder deutlich 
zeigt, daß es keine aktive Diastole gibt. Die Versuche mit schrittweiser 
Stenosierung der Aorta zeigen, daß während der Anspannungszeit 
der Druck immer steiler ansteigt und ein immer höheres Niveau erreicht 
(bis zu 420 mm Hg), während die Dauer der Anspannungszeit nahezu 
unverändert bleibt. Während der Austreibungszeit wird das Druckmaximum 
erst bei höheren Graden der Kompression höher, wobei die Kammer¬ 
druckkurve sich verbreitert (20—30% bei ungefähr gleicher Pulsfrequenz); 
die Austreibungszeit ist also verlängert. Der diastolische Minimaldruck 
im Ventrikel nimmt erst bei stärkster Kompression beträchtlich zu; die 
Tatsache, daß der maximale Druck im Ventrikel bei mäßiger Stenosierung 
nicht steigt, erklärt sich daraus, daß der gesamte zu überwindende 
Widerstand hauptsächlich durch den Gefäßtonus dargestellt, durch die 
Stenosierung also zunächst nicht erhöht wird. Ist der Gefäßtonus niedrig, 
dann zeigt sich die Zunahme des Maximaldruckes schon bei geringerer 
Stenosierung. Bei plötzlicher Verengerung zeigt schon die nächste Systole 
eine erhöhte Spannung. Erhebliche Veränderungen in der Form der 
Volumkurve sind hingegen bei zunehmender Stenosierung nicht nachweis¬ 
bar, das Schlagvolumen wird aber immer kleiner; erst bei maximaler 
Stenose wird es durch Mitralinsuffizienz wieder allmählich größer. Diese 
tritt bei allen Hunden ein, w'enn die Aorta zu einem sternförmigen Spalt 
verengt ist. Das diastolische und das systolische Kammervolum wird mit 
fortschreitender Abnahme des Schlagvolums immer größer. Die Aorta 
kann allmählich bis zu einem fast kapillaren Spalt verengt werden, ohne 
daß der Blutdruck um mehr als 10—30% sinkt; dabei leistet der Ven¬ 
trikel noch eine beträchtlich vergrößerte äußere Arbeit. Durch zunehmende 
Aortenstenose wild sowohl der Vagus- wie der Akzeleranstonus erhöht. 
Das Strophantin führt zu einer Zunahme des gesamten Widerstandes 
der Gefäße, außerdem aber auch zu einer Vergrößerung der Ventrikel¬ 
energie, welche sich in schnellerer Verkürzung der Muskelelemente und 
Beschleunigung der Austreibung dokumentiert. 

J. Rothberger (Wien). 




o 


REFERATE II 


117 


Henderson, Y. und Johnson, F. E. Zweierlei Art und Weise 
des Verschlusses der Herzklappen. (Heart 4, 69, 1912.) 

»Wenn der Blutstrom durch ein Ostium plötzlich aufhört, sei es 
durch Aufhören des Antriebs von hinten oder durch Anwachsen des Wider¬ 
stands von vorn, bricht sich der Strahl. Der hinter dem Ostium befind¬ 
liche Teil der Flüssigkeitssäule stoppt, während der vor ihr befindliche 
fortfährt sich gerade nach vorwärts zu bewegen. Das Moment dieser 
Vorwärtsbewegung erzeugt einen kleinen Bezirk von negativem Druck 
zwischen dem hinteren und vorderen Teil der Flüssigkeitssäule, analog dem 
Kielwasser eines Schiffs. In diesem Bezirk wird von allen Seiten her 
Flüssigkeit angesogen, und dieses Einströmen von den Seiten her bringt 
die Klappensegel in eine Stellung der Annäherung. Der nächst der Basis 
gelegene Teil der Klappensegel bewegt sich zuerst einwärts und die freien 
Ränder der Klappen werden zuletzt in die Verschlußstellung gebracht. 
Bei diesem »Einroll-Modus" des Verschlusses kommt kein Regurgitieren vor. 

Bei dem zweiten Typus wird die Klappe durch statischen Rückdruck 
.geschlossen. Dieser schwingt die Klappensegel um ihre Basis wie Türen 
um ihre Angeln, so daß ihre freien Ränder zuerst einander sich nähern. 
Dieser Modus involviert eine größere oder kleinere, zuweilen eine sehr 
große Regurgitation von Blut, da die Klappensegel in die Stellung hinein¬ 
schwingen." 

Wahrscheinlich schließen sich die Semilunarklappen stets nach dem 
ersten Modus. Ebenso garantiert die unmittelbar vor der Kammerkontraktion 
stattfindende Vorhofsystole normaler Weise den »Einroll-Modus" des Ver¬ 
schlusses der Atrioventrikularklappen. Bei langsamem Herzschlag und bei 
langer diastolischer Periode der Kammern wird dagegen, wenn keine Vor¬ 
hofsystole der Kammerkontraktion voraufgeht, der »Angel-Typus" des 
Verschlusses auftreten und damit eine beträchtliche Regurgitation zustande 
kommen. J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Berezin, W. j. Ober das Gewöhnen des isolierten Herzens an 

Morphium and Nikotin. (Russ. Wratsch, 43 u. 44, 1912.) 

Schlußfolgerungen: 1. Das isolierte Herz zeigt die größte Empfind¬ 
lichkeit gegenüber der ersten Durchströmung der genannten Gifte. Bei 
wiederholter Durchströmung des Nikotins hört das Herz bei gewissen 
Bedingungen auf, in typischer Weise auf dasselbe zu reagieren. 2. Das 
Einströmen des Morphiums und Nikotins in das Herz kennzeichnet sich 
anfangs auffallend, bei fortgesetzter Durchströmung erholt sich die Herz¬ 
tätigkeit, (die Sättigungsphase nach Prof. Krawkoff), so daß die Am¬ 
plitude bei Nikotin sogar die Norm erreicht, der Rhythmus bleibt dagegen 
etwas langsamer als normal. 3. Nach einer langdauernden Durchströmung 
des Morphiums oder des Nikotins beobachtet man in der Phase der Gift¬ 
entfernung eigentümliche Störungen in der Herztätigkeit: bei Morphium 
Arhythmie, gruppierte Systolen, auffallende Beschleunigung des Rhythmus 
mit Verkleinerung der Amplitude und manchmal Herzstillstand. Die Ent¬ 
fernung des Giftes übt somit auf das Herz eine toxische Wirkung aus 
und ist den Abstinenzerscheinungen analog, umsomehr als die Erschei¬ 
nungen nach einer nochmaligen Giftdurchströmung verschwinden. 

L. N e ii a d o v i c s (Franzensbad). 



118 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


III. KliilL 

i) Bin. 

Robinson, G. C. Elektrographische Studien über die Todesart des 
menschlichen Herzens. (Joum. of exp. Med. 14, 291, 1912.) 

Verf. konnte bei 7 Patienten vor und in dem Moment, in dem das 
Herz zu schlagen aufhörte, Elektrokardiogramme aufnehmen. Die Fälle 
waren folgende: akute Poliomyelitis anterior (2), Pneumokokken-Menin- 
gitis (1), fibrinöse Pneumonie (4). Der Tod bei Poliomyelitis war be¬ 
dingt durch Atemlähmung bei sonst munteren Kindern. Die Kriterien des 
Todes waren neben der Muskelerschlaffung und dem Allgemeineindruck 
des Patienten Aufhören der Respiration und Abwesenheit von Herztönen. 
In 4 von den 7 Fällen schlugen die Kammern l 1 /*—18 Minuten länger 
als die Vorhöfe. In 2 Fällen dauerten die Vorhofskontraktionen länger 
und in einem hörten beide zusammen auf. Unter diesen Fällen kam 
dreimal komplette A-V-Dissoziation vor. In 5 von 7 Fällen war die Leitung 
verzögert. Die Pulszahl war gewöhnlich langsam, die der Kammern 
13,6 bis 47, die der Vorhöfe 20 bis 65. Kammerflimmern kam zweimal 
vor, und zwar ohne Vorhofflimmern. Die Herzaktion war imstande, die 
Saite des Galvanometers in Bewegung zu setzen für 6—35 Minuten nach 
dem klinischen Tode. 

Die charakteristischen Veränderungen im Elektrokardiogramm be¬ 
standen in einer Fusion der R- und T-Zacke zu einer großen Zacke. 
Kleinere Veränderungen wurden ebenfalls notiert Verf. schließt, daß »im 
menschlichen Herz kein Punkt als ultimum moriens angesehen werden 
kann." Alfred E. Cohn (New York). 

Taussig, A. E. Kompletter und dauernder Herzblock nach Digitalis¬ 
darreichung bei Vorhofflimmern. (Arch. of Int. Med. 10, 335, 1912.) 

Verf. berichtet über zwei Fälle von Vorhofflimmern, bei denen unter 
dem Einfluß von Digitalis die Ventrikel langsam und regelmäßig zu schlagen 
anfingen und hiermit auch fortfuhren, bis der Tod 10 resp. 64 Tage 
später eintrat, obwohl Digitalis von dem Augenblicke an, wo der lang¬ 
same regelmäßige Ventrikelpuls anfing, nicht mehr gegeben wurde. Verf. 
folgert, daß kompletter Herzblock vorlag, und daß dieser ein äußerst un¬ 
erwünschtes Ereignis darstellte, da das Befinden beider Patienten weit 
schlechter nach seinem Auftreten wurde und da bald darauf der Tod ein¬ 
trat. In einem Falle kamen lange- Pausen, die von schnellen Schlägen 
gefolgt waren, beim Auftreten des langsamen Rhythmus vor und es war 
wahrscheinlich, daß partieller Block dem kompletten vorausging. Die 
Pulszahl war schließlich auf 30—40 Schläge pro Minute reduziert, und 
der Rhythmus war während 64 Tage regelmäßig. Der Rhythmus war 
nicht durch Vagusdruck, Atropin oder Digitalis zu beeinflussen. Bei der 
Autopsie wurde Verkalkung eines Teiles des Kammerseptums als Ursache 
für die Zerstörung des A-V-Bündels gefunden. Verf. glaubt, daß während 
der Digitalisdarreichung und wahrscheinlich auf ihre Rechnung das stark 
geschädigte Reizleitungssystem völlig und dauernd funktionell zugrunde 
ging. G. C. Robinson (New York). 

Groß et Heullv, Plaie du coeur: gudrison spontande. (Revue 
medicale de l’Est. 275, 1912.) 



o 


REFERATE lila 


119 


Sechs Monate vor der Wirbelsäulenfraktur, an deren Folgen der 
34 jährige Patient am 26. Tage verstarb, hatte derselbe einen Messerstich 
in die Präkordialgegend erhalten. Er konnte noch einige Schritte machen 
und sank dann zusammen. Keine äußere Blutung. Nach Hause gebracht, 
gewann der Verletzte das Bewußtsein wieder, aber er war äußerst schwach, 
sehr beengt und verspürte lebhafte Schmerzen in der Präkordialgegend. 
Er blieb drei Wochen zu Bett und einen Monat nach dem Unfall konnte 
er die Arbeit wiederaufnehmen, verspürte nur dann und wann präkordiale, 
nach der Basis der linken Lunge und der Leber ausstrahlende Schmerzen 
und hatte bei stärkerer Anstrengung ein Oppressionsgefühl. — Die deut¬ 
lich sichtbare Narbe war 4 cm nach innen und 3 cm unterhalb der 
Brustwarze. Irgend etwas Pathologisches wies die Auskultation nicht nach, 
kein Blasen, kein Reiben; die Töne deutlich wahrnehmbar. Spitzenstoß 
im 5. sp. i., nach innen von der Mamillarlinie. Bei der Autopsie fand 
man eine totale, kardiale Symphyse, ln der Mitte der Vorderwand des 
linken Ventrikels findet sich, sehr gut sichtbar, die Narbe von der Stich¬ 
wunde. Am geöffneten Herzen, an der Vorderseite des Ventrikel-lnnem, 
an einer genau der Wunde der Außenfläche des Ventrikels entsprechen¬ 
den Stelle eine weißliche, harte, durch das Balkenwerk verdeckte, aber 
gleichwohl gut sichtbare Narbe. Es darf sonach als sicher gelten, daß 
der Kranke eine penetrierende Wunde des linken Ventrikels hatte. Ein 
Hämoperikard war die Folge und dank der Bildung einer Symphysis 
pericardii kam es zur Heilung. Die Fälle von Spontanheilung von Herz¬ 
wunden bleiben durchaus sehr seltene Vorkommnisse, sie kommen aber 
immerhin häufiger vor als allgemein angenommen wird. In der bedeutenden, 
vom Autor herangezogenen Statistik von Loison (Revue de Chir. 1899), 
welche 277 Beobachtungen aus den letzten 30 Jahren umfaßt, beträgt die 
Mortalität 84,8 Prozent: 23 Verletzungen durch Nadeln mit 9 Spontan¬ 
heilungen, i. e. 39,1 Prozent; 90 Fälle von Verletzung durch stechend¬ 
schneidende Instrumente mit 11 Spontanheilungen = 12,2 Prozent; end¬ 
lich auf 109 Fälle von Schußverletzung 3 Heilungen = 2,7 Prozent. 
Sicher ist sehr selten Gelegenheit gegeben, bei einer Autopsie eine spon¬ 
tan geheilte, penetrierende Herzverletzung zu finden und das Interesse 
dieser Beobachtung wird noch dadurch vergrößert, daß die retrospektive 
Diagnose der Verletzung nach den anamnestischen Daten gestellt wurde, 
ohne daß irgend ein Symptom sie hätte bestätigen können. 

H. Netter (Pforzheim). 

Bauer, Julius. Die Herzstörungen bei endemischem Kropf. (Deutsche 
med. Wochenschr. 38, 1966, 1912.) 

Die bisher gebräuchliche Einteilung und Charakterisierung der bei 
Kropfigen beobachteten Herzstörungen umfassen nach Bauer nicht alle 
bei denselben vorkommenden Herzveränderungen. Der Befund bei diesen 
von Bauer beschriebenen Fällen wird mit dem bei den bekannten Formen 
von Herzstörungen verglichen. 

Diese Fälle gehören sicherlich nicht zu den mechanischen Kropf¬ 
herzen. Von den Kraus’schen Kropfherzen sind sie verschieden durch 
das Fehlen der Tachykardie, der Verstärkung des Spitzenstoßes bei nor¬ 
maler Thoraxform und auffallenden subjektiven Herzbeschwerden. Doch 
bestehen mannigfache Übergänge von den Kraus'schen zu dem be¬ 
schriebenen Typus der Kropfherzen und Bauer stellt diesen als torpiden 
dem Kraus'schen erethischen degenerativen Typus gegenüber. Auch 



120 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


von der thyreopathischen Herzhypertrophie Minichs ist er deutlich 
unterschieden. 

Der kausale Zusammenhang zwischen der geschilderten Herzaffektion 
und einer Funktionsstörung der Schilddrüse ist nicht sicher zu erweisen, 
aber doch wahrscheinlich, da es sich gezeigt hat, daß die typische torpide 
Herzaffektion nur bei Menschen mit mehr oder minder vergrößerter 
Schilddrüse gefunden wurde. 

Die Fälle der in Rede stehenden Affektion, die trotz auskultatorischer 
Herzgeräusche an der Pulmonalis keine Vergrößerung des Herzens auf¬ 
weisen, führen hinüber zu den von Rolly und Kühnei und auch von 
Fr. v. Müller als Pseudochlorosen bezeichneten Krankheitsfällen mit ähn¬ 
lichen Herzbefunden, welche die ersteren auf eine eventuell die Thyreoidea 
beeinflussende veränderte Funktion der Ovarien, letzterer auf eine Hyper- 
thyreosis zurückführt. 

Für die meisten Fälle von endemischem Kropf ohne Herzvergrößerung, 
ohne »chlorotische“ Beschwerden und blasses Aussehen, nur mit dem 
Herzbefund der Pseudochlorose kommt eine Funktionsstörung der Keim¬ 
drüsen als Ursache der Herzaffektion gar nicht in Betracht, sondern nur 
ein Kausalzusammenhang mit der Funktionsstörung der Schilddrüse. 

Es ergibt sich aber aus den von einander verschiedenen Fällen die 
Wahrscheinlichkeit einer innigen Verwandtschaft der ovariellen und 
thyreogenen Herzstörungen. — Verfasser geht dann noch genauer auf 
diese Wechselbeziehungen zwischen weiblichen Keimdrüsen und Thyreoidea 
ein und erwähnt unter anderem den Zusammenhang des Uterusmyoms 
mit Funktionsstörungen der Ovarien und der Schilddrüse, wodurch nicht 
selten das Vorkommen Basedowischer Zustände bei Myomen erklärt wird. 
Bauer fand bei 14 Uterusmyomen stets eine ausgesprochene Struma. 

Was die Art der Funktionsstörung der Schilddrüse bei Kropfherzen 
betrifft, so hatte man im allgemeinen im Gegensatz zu Min ich ange¬ 
nommen, daß es sich um eine Hvperthyreosis handele. Bei der torpiden 
Form des Kropfherzens von Bauer ist das nicht der Fall. Vielmehr 
liegt sowohl dieser als auch wahrscheinlich den anderen Formen des 
thyreotoxischen Kropfherzens eine Dysthyreose zugrunde. 

Die Erklärung des Herzbefundes bei dem torpiden Kropfherz stützt 
sich, was das systolische Geräusch betrifft, auf die Annahme einer abnorm 
weiten Pulmonalis, als prädisponierendes Moment, wie ja überhaupt ein 
Status hypoplasticus beim endemischen Kropf sehr häufig ist. Die wich¬ 
tigste Ursache für das Zustandekommen des Geräusches ist die schon de 
norma vorhandene erhöhte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes bei 
Kropfherzen, die sich beim torpiden Kropfherz in der auffällig großen 
Differenz zwischen systolischer und diastolischer Herzgröße vor dem 
Röntgenschirm, also als eine sehr lebhafte Pulsation dokumentiert 

Die Akzentuation des 2. Pulmonaltons erfährt eine Erklärung wiederum 
durch die Annahme eines Status hypoplasticus analog der Anschauung 
Lüthjes inbezug auf seine Erfahrungen über die Akzentuation des 
2. Pulmonaltons bei Kindern. 

Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

Tornai, j. (Budapest). Einige Beiträge zur Diagnostik der Krank¬ 
heiten des Kreislaufs. (Wiener Klin. Wschr. 40, 1912.) 

Verf. macht aufmerksam auf die Möglichkeit, die Richtung des dia¬ 
stolischen Schwirrens bei Mitralstenose zu palpieren (nämlich von oben 




O REFERATE lila 121 

nach unten) insbesondere bei — therapeutisch hervorgerufener — Brady¬ 
kardie. Diskussion auch verschiedener anderer differential diagnostischer 
Kriterien der Mitralstenose gegenüber der Aorteninsuffizienz. Von den 
sonstigen diagnostischen Winken, die Verf. in diesem Artikel gibt, ist er¬ 
wähnenswert, daß bei der Differentialdiagnose zwischen organischer und 
funktioneller Aorteninsuffizienz folgender Kunstgriff vielleicht verwendbar 
ist: bindet man die Extremitäten ab, so daß eine venöse Stauung eintritt 
(auch therapeutisch empfehlenswert!), so wird durch diese dem arteriellen 
Kreislauf zugute kommende Blutentziehung und Drucksenkung eine Zeit¬ 
lang das diastolische Geräusch der funktionellen, nicht valvulären Aorten¬ 
insuffizienz zum Verschwinden gebracht, während das organische Geräusch 
der insuffizienten Aortenklappen nicht wesentlich verändert wird. Nach¬ 
prüfungen dieser recht interessanten Befunde wären wünschenswert. 

E. Stoerk (Wien). 

Adamkiewicz, Die „Entartungsreaktion“ des Herzmuskels. Ein 

Beitrag zu den Beziehungen des Zuckers zur Herzkraft (Deutsche 
med. Wochenschr. 38 , 1727, 1912.) 

Verf. berichtet kurz über die Krankengeschichte eines Patienten, der 
wegen Rheumatismus eine Entziehungskur des Zuckers längere Zeit durch¬ 
geführt habe, darauf an Herzschwächezuständen erkrankt sei. In dieser 
Periode der Erkrankung habe Patient von einer Veröffentlichung einer 
Arbeit des Autors gehört, in der derselbe den Zucker als die Hauptquelle 
der Kraft und des Rhythmus des Herzens bezeichne. 

Nach Wiederaufnahme des Zuckers in seine Ernährung haben sich 
die Herzbeschwerden des Patienten verloren. 

Im Anschluß an diese »höchst interessante“ Krankengeschichte, wie 
sie der Autor bezeichnet, verbreitet er sich über die Entartungsreaktion 
des Körpermuskels und bezeichnet als »Entartungsreaktion" des erkrankten 
Herzmuskels die Erscheinung, daß das erkrankte Herz arhythmisch wird, 
wenn das mittlere Maß überschreitende Anforderungen an das Herz ge¬ 
stellt werden. Er unterscheidet mechanische und chemische Ursache dieser 
»Entartungsreaktion" für einen sonst noch nicht als krank imponierenden 
Herzmuskel. 

Die mechanische bei Steigerung der an das Herz gestellten Arbeits¬ 
ansprüche, die chemische bei Abweichung der Blutmischung von der 
physikalischen. 

Die aus solchen Ursachen auftretenden Arhythmien sind das Zeichen 
von Herzschwäche, »auf molekulären Veränderungen des Herzmuskel¬ 
fleisches beruhenden Degenerationszeichen des Herzmuskels." 

Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

Hegler, Arhythmia perpetua und Vorhofflimmern. (Ärztlicher Ver¬ 
ein in Hamburg.) (Deutsche med. Wochenschr. 38 , 1261, 1912.) 

Hegler demonstriert einen ca. 35jährigen Patienten mit kompen¬ 
sierter Mitralinsuffizienz und -Stenose, bei dauernd unregelmäßigem Pulse 
und wechselnder Füllung desselben. Im Elektrokardiogramm: Die Vor¬ 
hofszacke fehlt, die F-Zacke der Nachschwankung vorhanden, zwischen 
F- und J-Zacken zahlreiche kleine Zacken, 350—400 in der Minute, der 
Ausdruck der als Vorhofflimmern bekannten Konzentration der Vorhöfe, 
deren Folge der Pulsus irregularis perpetuus. 

Robert baumstark (Bad Hamburg v. d. H.) 



122 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Vaquez und Lautry. Syphilitische Aortitis. (Soc. med. des 
höpitaux.) (Ref. Berl. klin. Wochschr. 49 , 1957, 1912.) 

Salvarsan ist nach den Autoren ein sehr gutes Hilfsmittel bei Be¬ 
handlung der Aortitis, wenn es in kleinen Dosen und mit Vorsicht ver¬ 
wendet wird. In 27°/o der Fälle von Aortitis und Aneurysma trat dau¬ 
ernder Nachlaß der Funktionsstörungen mit klinisch und radiographisch 
nachgewiesener Veränderung des objektiven Befundes ein. In 35% er¬ 
reichte man nur Besserung der Funktion, in 38% keine Besserung. Die 
besten Resultate erzielte man bei Aortitis ohne Aneurysma. Vor der Sal- 
varsanbehandlung soll aber erst Hg und Kal. jodat. versucht werden. 

F. Weil (Beuthen). 

Bruns, O. Über die Blntzirkul&tion in der atelektatischen Lange. 

(D. Arch. f. klin. Med. 108 , 5 u. 6, 1912.) 

In der ausgedehnten atmenden Lunge befindet sich in einem ge¬ 
gebenen Augenblick mehr Blut als in der kollabierten, atelektatischen 
Lunge. Selbst bei Überdeh'nung des Brustkorbes und der Lungen durch 
extrathorakalen Überdruck von 30 ccm Wasser tritt keine Verengerung 
der Alveolarkapillaren ein. Die Durchblutungsgröße nimmt auch hier 
noch zu. Bei intrapulmonaler Luftdruckerniedrigung nimmt die Durch¬ 
blutungsgröße der Lunge deutlich zu. 

.Die Untersuchungen gipfeln also in dem Resultat, daß die respira¬ 
torisch gedehnte Lunge reichlicher durchblutet wird als während der 
Exspirationsphase. Für die klinische Pathologie ist von Interesse der 
Nachweis, daß bei der Pneumothoraxlunge die Durchblutung eingeschränkt 
wird, daß also die günstigen Erfolge einer Pneumothoraxtherapie nicht 
einer Hyperämisierung des Lungengewebes verdankt werden. Dagegen 
kann eine energische Einengung des kleinen Kreislaufs bei der Pneumo¬ 
thoraxtherapie leicht zu Hypertrophie des rechten Herzens führen. Der 
Nachweis, daß während der Unterdruckatmung d. h. während intra¬ 
pulmonaler Luftdruckerniedrigung die Durchblutungsgröße der Lungen 
zunimmt, legt es nahe, diese Behandlungsmethode da anzuwenden, wo es 
gilt, den venösen Rückfluß nach dem linken Herzen hin zu fördern und 
die Tätigkeit des fechten Herzens zu erleichtern. Die Gefahr, daß bei 
intensiver inspiratorischer Dehnung des Brustkorbes und der Lungen die 
Lungenkapillaren überdehnt und dadurch verengert werden, besteht nicht. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

J a n o w s k i, M. W. und K r i 1 o f f, D. O. Über Stauungserscheinungen 
in den Blutgefäßen. (Berichte der K. Mil.-Mediz.-Akademie in St. Peters¬ 
burg 1, 1912.) 

Staut man im Arm das venöse Blut durch Anlegen einer Riva- 
Rocci’schen Manschette, deren Druck den systolischen Blutdruck nicht 
erreicht, so steigt der venöse Blutdruck, u. zw. in Abhängigkeit vom 
Manschettendruck und von der Wiederholung der Stauung. Bei einmaliger. 
Stauung erreicht der venöse Blutdruck in den meisten Fällen die Höhe 
des Manschettendruckes nicht. Dies hängt von dem Spasmus der kleinen 
Arterien ab. Wenn folglich die Blutgefäße an der Dekompensation der 
Blutzirkulation teilnehmen, so geschieht dies nicht in Form einer Muskel¬ 
schwäche, sondern in Form einer Störung der Koordination der Muskel- 



0 


REFERATE IIIb 


123 


tätigkeit derselben. Sistiert man im Arm die Blutzirkulation völlig, indem 
man den Manschettendruck über den systolischen Blutdruck steigert, so 
offenbaren sich drei Typen der. Menschen: 1. der arterielle und venöse 
Blutdruck sind etwa gleich, 2. der systolische Blutdruck ist größer als 
der venöse, 3. der systolische Druck ist kleiner als der venöse. Der 
dritte Typus ist viel öfter zu treffen als der zweite. Der durch Blut¬ 
stauung hervorgerufene Spasmus der Gefäße hängt von dem intravasku¬ 
lären Druck ab; mit Wegfall des letzteren erschlaffen die Gefäße. »Wenn 
der intravaskuläre Blutdruck als ein Reiz für die Kontraktion der Mus¬ 
kulatur der Blutgefäße gilt, so müssen diese zu Ende der Systole mehr kon¬ 
trahiert erscheinen, als zu Ende der Diastole, d. h. sie müssen sich rhythmisch 
kontrahieren und dilatieren." L. Nenadovic» (Franzensbad). 

Punin, K. W. Zar Frage über die aktive Rolle der Blatgefifie bei 
der Blatzirkalation. (Berichte der K. Mil.-Mediz.-Akad. in St Petersburg 
2, 1912.) 

Verf. beobachtete an einem Kranken mit Aorteninsuffizfenz, daß der 
Blutdruck und die Blutfülle, in den beiden Armen zu gleicher Zeit ge¬ 
messen, different waren, wobei die größeren Zahlen an einem Tage rechts, 
am anderen links und umgekehrt waren. Dabei stellte sich folgende Un¬ 
regelmäßigkeit heraus: als der statische Blutdruck verhältnismäßig nicht 
hoch war, wurden alle vier Phasen der Korotkow’schen Schallerschei¬ 
nungen beobachtet und die Versorgung des Armes mit Blut war unbe¬ 
deutend; mit der Erhöhung des statischen Blutdruckes schwindet die Ge- 
räuschphase und die Blutversorgung des Armes zeigt große Ziffern auf. 
Bei den angestellten Experimenten mit gymnastischer Übung, mit kaltem 
und heißem Handbade wurde ein verschiedenes Verhalten des Blutdruckes 
und der Blutversorgung konstatiert Diese Erscheinungen führt Verf. auf 
eine aktive Tätigkeit der Arterien zurück, wobei die maximale Erschlaffung 
des Gefäßes mit der Herzsystole und die Kontraktion mit der Diastole 
zusammenfällt L. Nenadovics (Franzensbad). 

Carbonera, A. Sol modo di contenersi dell’arteria omeralenell’artero- 
sderosi. (La Clinica Medica Italiana, 11, 1911.) 

Bei Arteriosklerotikern wird, bei gebeugtem Vorderarm, eine deutliche 
Schlängelung der Arteria humeralis sichtbar, während bei gestrecktem 
Arm eine solche Schlängelung nur in sehr vorgeschrittenen Stadien der 
Arteriosklerose zum Vorschein kommt Verf. bezieht sich auf diejenigen, 
die auch während der sphygmischen Zwischenräume fortbestehen und 
auch durch einfache Betastung und zuweilen nur durch diese nachweis¬ 
bar sind. M. Sapegno (Turin). 

Tedeschi, E. L’arteriosclerosi periferica considerata del punto 
di vista clinico. (El Tommasi, 3, 1911.) 

Schlußfolgerung: Die peripherische Lokalisierung der Arteriosklerose 
kann als Teilerscheinung eines ausgebreiteten Gefäßprozesses oder als 
isolierter Prozeß auftreten oder bei einem allgemeinen Prozeß die Haupt¬ 
lokalisierung dieses darstellen. 

Unter die interessantesten klinischen Bilder sind gewisse Formen von 
Gangrän der Extremitäten und die periphere Claudicatio intermittens ein¬ 
zureihen; es ist ferner auch nicht auszuschließen, daß gewiße Gewerbe¬ 
krämpfe auf eine periphere Gefäßsklerose zurückzuführen seien. 



124 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Einige Symptomenkomplexe, welche eine große Ähnlichkeit mit dem 
intermittierenden Hinken haben, hängen wahrscheinlich nur indirekt mit 
dem arteriitischen Prozeß zusammen, indem sie ein wahrer klinischer Aus¬ 
druck funktioneller Störungen eines Nerven zu sein scheinen, welcher 
durch einen in seinen Nährgefäßen lokalisierten Prozeß beeinflußt wird. 
Das ätiologische Moment, welches am häufigsten die peripherische Lokali¬ 
sierung der Gefäßsklerose befördert und bedingt, ist ohne Zweifel der 
gewerbliche Faktor. Die periphere umschriebene Arteriosklerose ist nicht 
selten ein anfängliches frühzeitiges klinisches Zeichen einer Arteriosklerose, 
welche sich zuweilen später stärker entwickeln und ausbreiten wird. 

M. Sapegno (Turin). 

Jona, G. Sindromi vascolo ematologiche associate. (Rivista veneta 
di Scienze mediche, 8, 1912.) 

Klinische und pathologisch-anatomische Untersuchungen über einen 
Fall, in dem Aplasie des arteriellen Systems, Hämophilie, apiastische 
Anämie und Purpura haemorrhagica nebeneinander bestanden. 

Verf. ist der Ansicht, daß bei dem betreffenden Pat. eine Arterien¬ 
aplasie bestand: in Zusammenhang mit diesem Zustande bestand während 
mehrerer Jahre Hämophilie; die wiederholten Blutungen erzeugten, ebenso 
wie bei den Versuchen von Blumenthal und Morawitz, einen apiasti¬ 
schen Zustand der hämopoetischen Organe. 

Schließlich traten infolge einer follikulären Enteritis toxische end- 
arteriitische und kapillaritische herdweise Läsionen auf, welche, durch die 
Hämophilie und die apiastische Anämie befördert, das Auftreten der 
Purpura bedingten. M. Sapegno (Turin). 

Ferrannini, L. und Scabia, R. II polso venoso neH’uomo affati- 
cato. (Riforma medica, 44, 1912.) 

Schlußfolgerungen (kurz zusammengefaßt): Die Anstrengung (Militär¬ 
marsch) hat eine positiv chronotrope Wirkung von verschiedener Inten¬ 
sität, verändert aber nicht den Rhythmus des Pulses. Die respiratorischen 
Schwankungen des Phlebogramms werden ausgesprochener; die Dauer der 
atrialen Welle wird kürzer (inotroper positiver Zustand); die Leitungs¬ 
fähigkeit des kontraktilen Reizes vom Atrium auf den Ventrikel erfährt 
keine Modifizierung; in einzelnen Fällen kehrt sie, wenn sie im Ruhe¬ 
zustände eine mangelhafte war, zur Norm zurück; die ventrikuläre Welle 
nimmt eine größere Kraft an; die Dauer der Ventrikelsystole nimmt 
meistens ab; aus der Ventrikularwelle verschwindet meistens mehr oder 
minder vollständig die sekundäre Stauungsondulierung; meistens wird 
die Dauer der dritten negativen Phase eine längere; die präsphygmische 
Periode verhält sich in wechselnder Weise, meistens nimmt ihre Dauer 
ab; ebenso erfolgt meistens eine Verkürzung der Dauer der sphygmischen 
Periode, der postsphygmischen Periode und der Füllungsperiode, mit 
einer Verminderung des systolischen und diastolischen Raumes. 

M. Sapegno (Turin). 


IV. MetMik. 


Frank, S. Meara, Homer Coffen and Crehore, A. (New York). 

A comparison ©f simultaneous polygraph and micrograph tracings. (Ein 




a 


REFERATE IV 


125 


Vergleich gleichzeitig aufgenommener polygraphischer und mikrographischer 
Kurven.) 0- of exper. med. 16 , 280, 1912.) 

Die Verff. wollen entscheiden, ob der von Crehore und Meara 
angegebene Mikrograph dem gewöhnlich verwendeten Polygraphen (Er¬ 
langer und Hirschfelder) überlegen sei, und machen daher gleich¬ 
zeitig mit beiden Apparaten Aufnahmen, Aus dem Vergleich ergibt sich, 
daß der Mikrograph die am Herzen und den Blutgefäßen auftretenden 
Bewegungen richtiger wiedergibt, wobei die Abwesenheit von Schleuderung 
besonders wertvoll ist. Der Mikrograph, welcher sich vorzugsweise für 
die Darstellung der Herztöne eignet, soll die anderen graphischen Me¬ 
thoden nicht verdrängen, dürfte aber doch für die Verwendung in der 
Klinik in vielen Fällen vorzuziehen sein. J. Rothberger (Wien). 

Samojloff, A. (Kasan). Ober einige Punkte der Saitengalvanometrie. 

(Pflügers Arch. 149 , 483, 1913.) 

Erwiderung auf einige kritische Bemerkungen von N. Cybulski. 
Verf. weist nach, daß Cybulski zu seinen abweichenden Ergebnissen 
durch eine unrichtige Versuchsanordnung gelangt sei, indem er die 
Aktionsströme des Muskels mit einer zu wenig gespannten Saite bei zu 
schwacher Vergrößerung aufnahm. Ferner zeigt Verf., daß die Periodizität 
der Saite bei Einschaltung und Ausschaltung einer E. M. K. ganz gleich 
ist, wenn man in richtiger Weise den Widerstand im Saitenkreise dabei 
unverändert läßt; dagegen wird die Periodizität bei der Ausschaltung der 
E. M. K. verstärkt, wenn man, wie dies Cybulski tat, den Fehler macht, 
den Saitenkreis selbst zu unterbrechen. Diese Versuchsergebnisse des 
Verf. sind durch mustergiltige Kurven und sehr klare schematische Ab¬ 
bildungen illustriert. J. Rothberger (Wien). 

Kriloff, D. O. Ober die Bestimmung des Blutdruckes nach Ehret 
im Vergleiche mit oszillatorischer'und auskultatorischer Methode. (Berichte 
der K. Mil.-Med.-Akad. in St. Petersburg 5, 1912.) 

Schlußfolgerungen: 1. Nach der Ehret’schen Methode wird die untere 
Grenze der Korotkow’schen Töne bestimmt. 2. Die Ehret’sche Me¬ 
thode ist weniger empfindlich, als die auskultatorische, da das Ge¬ 
hör feiner ist, als der Tastsinn. 3. Der Ehr et'sehe Puls und die 
Korotkow’schen Töne sind durch die rasche Anspannung der kollabierten 
Arterienwand während der Herzsystole bedingt. 4. Die Erschlaffung der 
Arterienwand entsteht durch den Manschettendruck und die Kollabierung 
während der diastolischen Pulsphase. 5. Die Bedingungen, unter welchen 
die Korotkow'schen Töne und Geräusche Zustandekommen, sind ver¬ 
schieden, so daß man diese auch unabhängig von einander beobachten 
kann. 6. Die Korotkow'schen Töne entstehen stets unterhalb der Man¬ 
schette. 7. Bei normalem Tonus der Arterien weisen Mn. und Mx. nach 
oszillatorischer, auskultatorischer und palpatorischer Methode in der über¬ 
wiegenden Mehrzahl der Fälle dieselben Zahlen auf. 8. Bei bedeutender 
Steigerung des Gefäßtonus gibt die oszillatorische Methode die verlä߬ 
lichsten Zahlen. 9. Bei einem bedeutenden Sinken des Gefäßtonus, wo¬ 
bei die Korotkow’schen Töne den einphasigen Typus aufweisen, ent¬ 
spricht der diastolische Blutdruck der unteren Grenze der starken Töne. 
10. Die Korotkow’schen Schallerscheinungen sind deutlicher, wenn man 
die Messung von hohem Druck nach abwärts vornimmt. Die Ursache 
liegt in einer stärkeren Erschlaffung der Gefäßwand unter der Wirkung 



126 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


der Aufhebung der Blutzirkulation, als unter der Wirkung der diastolischen 
Kollabierung. 11. Aus demselben Grunde wird manchmal bei Steigerung 
des Gefäßtonus der diastolische Druck pünktlicher bestimmt, wenn man 
von abwärts geht, als umgekehrt. 12. Bei breiter Manschette wird der 
diastolische Blutdruck nach Ehret deutlicher bestimmt, als bei enger, 
da erstere auf die Arterie eine stärkere depressorische Wirkung 
ausübt. 13. Die breite Manschette stellt der Blutzirkulation größere 
Hindernisse in den Weg, als die schmale. Deshalb vermißt man bei ersterer 
die Geräusche öfter als bei letzterer. 14. Mx. und Mn. weisen bei breiter 
Manschette niedrigere Ziffern auf als bei schmaler. 15. Der Vergleich 
der auskultatorischen Methode mit der oszillatorischen ermöglicht es, sich 
ein Urteil über den Gefäßtonus zu bilden. 16. Strasburger’s Methode 
gibt keine verläßlichen Resultate bei der Bestimmung des diastolischen 
Blutdruckes: die erreichten Zahlen sind höher als die tatsächlichen. 

L. Nenadovics (Franzensbad). 


V. Tbjrapii. 

Deveaux, De la morphine dans les affections mitrales (Morphium 
bei Mitralaffektionen). (These, Lille, 1912.) 

•Das Vorhandensein einer Mitralaffektion bildet keine Gegenanzeige 
für die Anwendung von Morphium, selbst wenn die an das Herzleiden 
gebundenen Erscheinungen sehr stark sind. Auch die Dyspnoe infolge 
von Asystolie kann mit schwachen Morphium-Injektionen wirksam be¬ 
handelt werden. Die Zyanose des Gesichts und die Zeichen passiver, 
venöser Kongestion, ebenso die peripheren Ödeme, sind keine Kontra¬ 
indikationen für seine Anwendung. Auch Eiweiß im Urin bildet keine 
Gegenanzeige, wenn die Anwesenheit desselben an eine Herzaffektion ge- 
knüft und durch Nierenstauung erzeugt ist. Selbst bei der Arteriosklerose, 
wo die Albuminurie in einem gewissen Maße den primären renalen Ur¬ 
sprung erkennen läßt, kann das Morphium, bei genauer Überwachung, 
mit Nutzen angewendet werden. 

Das Morphium verbessert die Situation der Kranken mit Mitral¬ 
affektionen durch zwei verschiedene Mechanismen: Zunächst, indem es 
ihnen Ruhe verschafft, ihre Dyspnoe lindert, das Gefühl von Asphyxie 
nimmt und damit eine Wiedergewinnung der Nervenkraft ermöglicht. Dann 
auch, indem es eine tonische Wirkung auf die Zirkulation ausübt und 
hierdurch besonders die respiratorischen und zirkulatorischen Zentren be¬ 
einflußt 

Bei Anwendung in schwacher Dosis scheint das Morphium eine 
primäre Wirkung auf das Herz auszuüben. Es verlangsamt und verstärkt 
die Kontraktionen. In manchen Fällen ist diese Wirkung nur vorüber¬ 
gehend, aber bei nicht zu vorgeschrittenem Leiden kann es zu dauer¬ 
haften Resultaten führen und so zu einer Rückkehr zu relativer Gesund¬ 
heit beitragen. 

Die Tagesdosis kann ohne Nachteil 1 cg in einmaliger Injektion sein, 
die man zur Herbeiführung des Schlafes zu normaler Zeit mit Vorteil 
abends gibt. 

Die Anwendung des Morphiums hindert nicht die anderer Herztonica 
und bereitet oft sogar deren Wirkung vor. H. Netter (Pforzheim). 



D 


REFERATE V 


127 


Finkelnburg, Ober Atropinwirkung bei Herzirregnlaritii Nieder¬ 
rheinische Gesellschaft für Natur und Heilkunde, Bonn. (Deutsche med. 
Wochenschrift 38, 1116, 1912.) 

Finkelnburg demonstriert die Kurven eines 27jährigen Mannes, 
der seit dem 15. Lebensjahr an Herzbeschwerden und allgemein neu- 
rasthenischen Störungen leidet. Es fand sich eine kontinuierliche Bige- 
minie. Die Extrasystolen gingen von den Vorhöfen aus. Es lag ein 
verkürzter Bigeminus vor. Nach Atropin schwand auf der Höhe der 
Atropinwirkung die Bigeminie fast vollständig. Es handelte sich um eine 
wirkliche Beseitigung der Bigeminie, die nach Abklingen der Atropin¬ 
wirkung wieder eintrat. 

Digitalis hatte diesen Einfluß nicht. Der Herzbefund früher und 
jetzt ganz normal. Robert Baumstark (Bad Homburg v. d. H.) 

Kraus, E. Zur intravenösen Strophantininjektion. (Prager med. 
Wochenschr. 26 , 387, 1912.) 

Bei einem Fall von paroxysmaler essentieller Tachykardie (49 jährige 
Frau) mit bedrohlichsten Zeichen akutester Dilatation sämtlicher Herz¬ 
höhlen, Dyspnoe, Zyanose, Leberschwellung, spärlichem Urin, schnellem 
kleinen Puls (weit über 220) und einem Blutdruck von kaum 100 mm 
Hg, wurde als ultimum refugium eine intravenöse Injektion von 0,001 g 
Strophantin Boehringer angewandt, mit durchgreifendem Erfolg: in'zwei 
Stunden war die akuteste Dilatation des Herzens total zurückgebracht und 
die Tachykardie in kürzester Zeit in ein normalschlagendes Herz umge¬ 
wandelt Nach zweitägigem Gebrauch von Digipuratum Knoll wurde 
ein Herzbefund erhoben, „wie er gesünder nicht sein konnte“. Blutdruck 
125 Hg, 64 rhythmische Pulse, reichlicher Urin. 

H. Netter (Pforzheim). 

Busquet, H. Action cardiaque comparöe de l’extrait physiologique 
de digitale et des autres pröparations digitaliques. (Compt. rend. Acad. 
des Sc, Paris 2. Sept 1912.) 

B. zeigt, daß das physiologische Digitalis-Extrakt ein Cardiotonicum 
ist, das mit den schon bekannten Digitalis-Produkten neben ähnlichen 
Wirkungen deutliche Unterschiede in dem Effekt auf das Herz aufweist. 
Es erzeugt weder Bradykardie noch Extrasystolen, noch fibrilläre Tremu- 
lationen. Diese letzteren Tatsachen vermehren unsere pharmakodyna- 
mischen Kenntnisse bezüglich der Digitalis, sind aber auch von allge¬ 
meinem Interesse: sie sind geeignet, aufs neue zu zeigen, daß ein sehr 
scharfer Unterschied in der Wirkung besteht zwischen den pflanzlichen 
physiologischen Extrakten, mit denen die moderne Pharmakopoe bereichert 
wurde, und der aus den gleichen Vegetabilien gewonnenen chemischen 
Zusammensetzungen. 

Man sieht, welchen Irrtum man begeht, wenn man die pharmako- 
dynamischen Eigenschaften der Gesamtheit der in einem Pflanzenkörper 
enthaltenen Substanzen und diejenigen eines daraus gewonnenen kristalli¬ 
sierten Prinzips als identisch betrachtet. H. Netter (Pforzheim). 



128 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Bücherbesprechungen. 

Vierordt, Hermann. Perkussion und Auskultation. 11. Auflage. 
(H. Laupp’sche Buchhandlung, Tübingen.) 

Die zahlreichen Auflagen, welche das Werkchen erlebt hat, dokumen¬ 
tieren besser als Worte die große Beliebtheit dieses Kompendiums. Immer¬ 
hin dürfen einige Mängel nicht verschwiegen werden. 

Unter dem Bestreben kurz zu sein, läßt der Autor zuweilen die 
Klarheit der Darstellung leiden. Wenn er z. B. den amphorischen Klang 
nach Zamminer erklärt »wenn ein momentan erregter Ton eine im 
Verhältnis zu seiner Höhe langsame Intensitätsabnahme, also lange 
Dauer zeigt und zugleich vorzugsweise frei von beigemischtem Ge¬ 
räusch ist," so läßt sich wohl behaupten, daß die Mehrzahl der Stu¬ 
denten sich unter dieser Definition nichts denken, geschweige denn sie 
behalten kann. 

Wenn von physiologischen und pathologischen Veränderungen der 
»Herzdämpfung" die Rede ist (S. 19 und 20), so sollte es heißen der 
absoluten Herzdämpfung. 

Die praktisch viel wichtigeren Veränderungen der relativen Herz¬ 
dämpfung oder besser gesagt der wahren Herzgröße (nach Moritz) 
wären zweckmäßiger Weise ebenfalls aufgezählt mit einem Hinweis darauf, 
daß eine Herzveränderung um so ernster zu bewerten ist, eine je stärkere 
Herzvergrößerung sie bedingt hat. 

Der Stimmfremitus ist nicht als einfache »Fortleitung des Stimm¬ 
schalls durch das Röhrensystem der Bronchien (und die Lungenalveolen) 
bis zur Brustwand" (S. 39) aufzufassen, sondern als Resonanzerscheinung 
in der Lunge (s. Selling, D. A., 90 , 1907). 

Die Angabe, daß Rasselgeräusche »oft durch Husten verschwinden“ 
(S. 41), dürfte dahin umzuändem sein, daß öfter Rasselgeräusche erst 
nach dem Husten hörbar werden. 

Von dem Satz, daß die »Brustwand über der Kaverne meist einge¬ 
sunken sei" (S. 48), gibt es sehr viele Ausnahmen. 

Der Satz »der zweite Ton der Aorta ist auffallend schwach 
(wegen der geringen Füllung des Gefäßes)" (S. 69), trifft jedenfalls 
für sehr viele Fälle von Mitralinsuffizienz nicht zu. Eine geringe 
Füllung der Aorta ist bei kompensierter Mitralinsuffizienz überhaupt nicht 
vorhanden. 

Bei Insuffizienz der Aortenklappen ist die Herzdämpfung nicht nur 
in der Länge, sondern ganz besonders nach links verbreitert. 

Die Herzfigur nimmt bei Insuffizienz der Aortenklappen eine ganz 
charakteristische Form an, die auch perkutorisch in der Regel gut nach¬ 
weisbar ist. A. Weber (Gießen). 


Für die Redaktion verantwortlich: Professor Dr. J. O. MÖnckeberg, Gießen, Wilhelmstratte 9. 
Verlag: Theodor Steinkopff Dresden u. Leipzig. Druck: Fr. Tittel Nach!., Dresden. 





Zentralblatt 

für 

Herz-nnd CjeHLsskrankbeiten 

Unter Mitarbeit von 

Geh. Rat Prof. Dr. L. Amman, Fretbnrf i. Br.; Sr. Exx. Geh. Rat Prot. Dr. Cb. BXumlbr, Freibarg 
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Herausgegeben von 

Professor Dr. J. 0. Müncheberg, Gießen. 


Erscheint am 1. und 16. 

Dresden und Leipzig 

Preis halbjährlich 

jedes Monats 

Verlag von Theodor Stelokopff. 

M. 8.—. 


¥. Jahrgang. 

15. M8rz 1913. 

Nr. 6. 

Referate. 


I. Rinili ul patkiligische Antiiii ml Bistiligii. 

MoSejko, B. Ober das Gefäßsystem von Amphioxus. Vorläufige 
Mitteilung. (Anatom. Anzeiger 42, 19, 1912.) 

Unter der Haut des erwachsenen Amphioxus findet sich ein zusammen¬ 
gesetztes und regelmäßig angeordnetes Gefäßnetz, das von den von 
Langerhans beschriebenen Segmentalvenen unabhängig ist Es besteht 
erstens aus zahlreichen Metamervenen entsprechend der Zahl der Myomeren, 
zweitens aus Intermuskularvenen. die jedes Myomer begleiten, und drittens • 
aus Kollateralästen, die in die Metamervenen münden und das Blut aus der 
Rücken- und Bauchflosse zu führen. Sie bilden auf den Flossen ein reich¬ 
liches Netz und anastomosieren mit den Flossenvenen der anderen Seite. 
Der vordere Ast der ersten Metamervenen bildet ein reichlich verzweigtes 
Gefäß auf dem lippenförmigen Auswuchs des Vorderendes und anasto- 
mosiert mit dem Gefäß der anderen Seite. Außerdem liegt ein Kapillar¬ 
netz in der Gegend der Rumpfmuskeln und mündet in die Metamervenen. 
Die Kapillaren zweier Metamervenen kommunizieren ebenfalls mit ein¬ 
ander. Der V. hält das beschriebene Gefäßsystem beim Amphioxus für 
homolog dem »Seitengefäßsysteme" der Teleostier und dem oberflächlichen 
Lymphgefäßsystem der Amphibienlarven. Schönberg (Basel). 

Rlukow, Stanislaw. Hydronephrose durch Gefißanomalien. (Aus 
der K. chir. Univ.-Klinik zu Breslau.) (Dissertation Breslau 1912. 33 S.) 

1. Unter Hydronephrose durch Gefäßanomalien versteht man eine 
Erweiterung des Nierenbeckens, welche durch Knickung oder Strangulation 
des Ureters durch das anormale Gefäß verursacht worden ist 





130 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


2. Sie wird erzeugt durch abnorm verlaufende akzessorische Nieren¬ 
gefäße, welche erst die Knickung und Strangulation des Ureters zustande 
bringen. 

3. Dieselbe ist gekennzeichnet klinisch durch das Bild der inter¬ 
mittierenden Hydronephrose. • 

4. Die Prognose ist für die Niere immer sehr ernst zu bewerten, 
für den Patienten günstig. 

5. Die Therapie sucht, wenn möglich unter Beibehaltung der Niere 
die abnorm verlaufenden akzessorischen Nierengefäße auszuschalten und 
den Urinabfluß durch die tiefe Implantation oder Anastomose des Ureters 
mit dem Nierenbecken zu ermöglichen. Bei Zerstörung des Nieren¬ 
parenchyms, welche die weitere Funktion der Niere ausschließt, ist Ne¬ 
phrektomie angezeigt. Die Pyonephrosen müssen aufgemacht werden. 

Fritz Loeb (München). 


IL PIjiialMii nl UMriititilli Pilhliili 

Weber, Arthur. Ober die Dikrotie des Pulses. (D. Arch. f. klin. 
Med. 108, H. 3 u. 4, 1912.) 

Verf. suchte zunächst durch das Tierexperiment die Frage nach der 
Bedeutung der Reflexion an der Peripherie für das Zustandekommen des 
Dikrotismus zu lösen. Er fand 1. Verschwinden der Dikrotie nach 
Unterbindung der peripheren Arterien; 2. Wiederauftreten der Dikrotie, 
wenn man nach Unterbindung der Arterien die Blutdrucksteigerung be¬ 
seitigt, und 3. das Verschwinden der Dikrotie unter dem Einflüsse des 
Suprarenins. Je jünger die Tiere und demzufolge je elastischer die 
Arterienwand war, desto größer war die zur Eizielung des Resultates not¬ 
wendige Supraren inmenge. 

Das Verschwinden der Dikrotie nach Unterbindung der peripheren 
Arterien erklärte sich Verfasser so, daß bei der prallen Füllung der Ge¬ 
fäße, zu der die Unterbindung führt, die Arterienwand maximal gespannt, 
nahezu starr ist. Damit wäre aber ein Zustand gegeben, wie er am Ende 
der Systole in der Aortenwurzel normaler Weise vorhanden ist, in der 
ja auch keine Dikrotie entsteht. Das Wiederauftreten der Dikrotie beim 
allmählichen Leerbluten durch einen Stich in das unterbundene Gefäß ist 
eine Folge des Nachlasses der maximalen Anspannung der Gefäßwand. 
Aus den Versuchen ergibt sich also, daß die Reflexionen nicht die alleinige 
und entscheidende Rolle spielen, sondern daß die Dikrotie auch Bezieh¬ 
ungen zum Blutdruck hat. Als das wesentlichste Moment für die Ent¬ 
stehung der Dikrotie sind nach Verfasser die Eigenschwingungen des 
Gefäßes zu betrachten. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Fahr, G. Ober gleichzeitige Registrierung der Herztöne' und des 
Elektrokardiogramms. (Heart 4, 147, 1912.) 

Verf. kommt zu folgenden Schlußsätzen: 

1. Der erste Herzton beginnt mit einer oder mehreren Vibrationen 
von längerer Periode und viel kleinerer Amplitude. Diesen ersten Vi¬ 
brationen folgt eine Anzahl anderer von kürzerer Periode und größerer 
Amplitude und zwar gehen die ersten kontinuierlich in die folgenden 
über. Die ersten sind in den meisten vom 2. Interkostalraum aus auf¬ 
genommenen Kurven nicht zu sehen. 



o 


REFERATE II 


131 


2. Der erste Ton an der Spitze beginnt 0,02—0,04 Sekunden vor 
dem Anfang des ersten Tons über dem 2. Interkostalraum. Das kommt 
daher, weil die ersten Schwingungen nur wenig zu der Gegend über den 
großen Gefäßen hin übertragen und daher nicht leicht hier registriert 
werden. 

3. Die ersten Schwingungen entsprechen genau der Periode der 
steigenden Spannung im Ventrikel und die folgenden dem Beginn der 
Entleerung des Ventrikels; demnach besitzen wir ein Mittel bestimmt zu 
sagen, wann das Herz sich zu kontrahieren beginnt und wann der Druck 
in den Ventrikeln gleich dem in den großen Arterien ist und die Ent¬ 
leerung beginnt 

4. Der erste Ton über der Spitze beginnt 0,01 Sekunden, vordem 
der Gipfel der R-Zacke erreicht ist, falls die ersten Schwingungen regi¬ 
striert werden, sonst nach dem Gipfel der R-Zacke und in ihrem kata- 
kroten Schenkel. Die Q-R-S-Gruppe ist der Ausdruck der Kontraktion 
der Herzwand. 

5. Der erste Ton beginnt ungefähr 0,02—0,03 Sekunden nach dem 
ersten Zeichen des Kammer-Aktionsstromes. 

6. Die Gipfel der R-Zacke bei den 3 Ableitungen fallen in etwas 
verschiedene Phasen des Herzschlages. 

7. Die Regel, daß Ableitung II — Ableitung 1 = Ableitung III, 
ist experimentell bewiesen. 

8. Die Herztöne haben von Schlag zu Schlag keine absolut konstante 
Form. Obwohl die Tonform praktisch bei oberflächlicher Untersuchung 
die gleiche bleibt, ändert sie sich insofern, als das Zeitintervall zwischen 
zwei leicht erkennbaren Spitzen des registrierten Tons um ein oder zwei 
Tausendstel einer Sekunde von Schlag zu Schlag verschieden lang ist. 
Die relative Höhe der Spitzen ändert sich auch von Schlag zu Schlag. 

J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Drozynski, L. Ober postmortale Herzkontraktionen beim Menschen. 

(Med. Kl. 35, 36, 1912.) 

Bei einem 55jährigen Paralytiker erfolgte nach einer linksseitigen, 
auf einen Teil des betreffenden Unterlappens beschränkten Pneumonie 
nach einem 2 tägigen soporösen Zustande durch rasch einsetzenden Atem- 
und Herzstillstand ein plötzlicher Tod. Eine halbe Stunde nach dem 
Exitus fand die Sektion statt. Nach der Eröffnung des Herzbeutels und 
Untersuchung des Herzens in situ, wobei nichts Auffälliges bemerkt wurde, 
begann die Kopfsektion durch einen das Gehirn in Höhe des II. Wurzel¬ 
segments vom Rückenmark trennenden Schnitt. In demselben Augenblick 
sah man am Herzen lebhafte Pulsationen, die so deutlich und stark 
waren, daß man sie auf die Entfernung von einigen Metern sehen konnte. 
Die Kontraktionen gingen von der Einmündungsstelle der oberen Hohl¬ 
vene aus und pflanzten sich nach dem Herzohr und auf die Hinterwand 
fort Die obere Hohlvene selbst zeigte keine Bewegungen. Die gleich¬ 
zeitig bestehenden Ventrikel pulse waren schwächer und stimmten inbezug 
auf Rhythmus und Phase mit den in der Minute 50—60 gleichmäßige 
Schläge machenden Vorhofspulsen nicht überein. Das linke Herz be¬ 
teiligte sich nicht an den Kontraktionen. Nach etwa einer halben Stunde 
wurde das Herz im Zusammenhänge mit den Halsorganen und Lungen 
nach vorheriger Unterbindung der Aorta abdominalis und vena cava inf. 
aus der Leiche herausgenommen. Auch jetzt hielten die Kontraktionen, 



132 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. G 


allerdings schwächer und mit Unterbrechungen, noch über 2 Stunden an. 
Unter eingehender Berücksichtigung der Literatur stellt Verf. alle die 
Umstände zusammen, die seiner Meinung nach für ein Zustandekommen 
der postmortalen Herzkontraktionen in seinem Falle von Wichtigkeit 
waren, wobei er besonderen Wert legt auf das isochrone Auftreten der 
Herzpulsationen mit der Durchtrennung des Rückenmarkes oder mit den 
dazu führenden Manipulationen, wofür er eine kausale Verknüpfung für 
denkbar hält. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Hering, H. E. (Prag). Ober die Koeffizienten für das Auftreten 
postmortaler Herzkontraktionen. (Med. Kl. 43, 1912.) 

Für das Auftreten postmortaler Herzkontraktionen sind nach Verf. 
zum mindesten 2 Koeffizienten erforderlich: 1. ein reaktivierbarer Zustand 
des Herzens; 2. ein reaktivierender Umstand. 

Für Punkt 1 kommen wieder 2 Umstände wesentlich in Betracht: 
1. die Todesart des Individuums; 2. das Intervall T-S zwischen dem Tod 
(T) des Individuums und der Sektion (S). H. kritisiert nun im folgenden 
den von L. Drozynski in der Med. Kl. 35 u. 36 beschriebenen Fall 
und den Versuch seiner Deutung der postmortalen Herzkontraktionen. 
Die Ursache dieser sieht er in dem Sauerstoffzutritt nach Eröffnung des 
Thorax und des Perikards und in einem reaktivierbaren Zustande des 
Herzens. In dem Falle von Drozynski handelte es sich um das Herz 
eines an Bronchopneumonie verstorbenen Paralytikers, das ohne künstliche 
Durchströmung wieder schlug. Es geht daraus hervor, daß das Herz 
infolge Mangels an Sauerstoff seine Tätigkeit einstellte, d. h. das Herz ist 
erstickt, hat also infolge nicht ausspülbarer Stoffwechselprodukte seine 
Tätigkeit eingestellt. Auch in den 3 Fällen, wo dem Verf. die Wieder¬ 
belebung gelang, handelte es sich um Bronchopneumonien. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Eyster, J. A. E. und Meek, W. J. Herzirregularitäten bei Mor¬ 
phiumvergiftung der Hunde. (Heart 4, 59, 1912.) 

Durch Morphium wird die Schlagfolge bei Hunden verlangsamt und 
unregelmäßig. Beides wird bedingt durch Störung der Leitung zwischen 
dem Ursprungspunkt der Herztätigkeit und dem Vorhof und zwischen 
dem Vorhof und der Kammer. Dieser Effekt des Morphiums ist dem des 
Atropins entgegengesetzt. Während der Erholung werden Übergangsstadien 
von partiellem sino-aurikulärem und atrio-ventrikulärem Block zu normaler 
Reizleitung beobachtet. Am Elektrokardiogramm sind bestimmte Ände¬ 
rungen (Reduktion der T-Zacke, Anwachsen des Intervalls R-T, Größe der 
positiven T-Zacke) unter der Wirkung von Morphin und Atropin zu 
konstatieren. J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Ogawa, S. Ober die Resorption wirksamer Bestandteile aus Digitalis¬ 
blättern und Digitalispräparaten. (D. Arch. f. klin. Med. 108, 5 u. 6, 1912.) 

1. Durch kolorimetrische Bestimmung des abgeschiedenen »Roh¬ 
digitoxins" läßt sich die Menge der chloroformlöslichen Glykoside wie in 
den Digitalisblättern und ihren Präparaten auch im Magen und Darm¬ 
inhalt von Versuchstieren ermitteln. Auf diesem Wege kann die Re¬ 
sorption der »Digitoxinfraktion", d. i. der therapeutisch wirksamsten 
Digitalisbestandteile nach Einführung der Blätter und ihrer Präparate, 
verfolgt werden, 2. Die Glykoside der Digitoxinfraktion bleiben während 


0 


REFERATE lila 


133 


der Dauer einiger Stunden den Verdauungssäften gegenüber resistent. 
Sie werden im Magen überhaupt nicht, im Darm nur relativ langsam 
resorbiert Auf der langsamen Resorption beruht jedenfalls ein großer 
Teil der Verzögerung der Digitaliswirkung bei interner Einführung. 
3. Experimentelle Erschwerung des Pfortaderkreislaufes hebt die Resorption 
fast vollständig auf. Es ist möglich, daß manche Nichterfolge der internen 
Digitalismedikation bei abdominaler Stauung auf diese abnorme Verlang¬ 
samung in der Resorption der wirksamen Bestandteile und auf ihre all¬ 
mähliche Zerstörung bei allzu langdauerndem Kontakt mit den Darm¬ 
fermenten zurückzuführen sind. 4. Daraus ergibt sich die Bedeutung, die 
den Unterschieden der Resorbierbarkeit bei den einzelnen Digitalis¬ 
präparaten zukommt. Aus dem gereinigten Digitalisextrakt Digipuratum 
werden die wirksamen Bestandteile wesentlich rascher resorbiert, als aus 
den Digitalisblättern. Insbesondere ist die Verweildauer des Digitoxins 
im Magen nach Einführung des Digipuratum kürzer als nach Einführung 
des Blätterpulvers oder auch Infuses. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

III. Kliiik. 

a) Ion. 

Lioubenetzky, G. A. Ober die Pulsfrequenz bei Arhythmia 
perpetua. (Russ. Wratsch, 49, 1912.) 

Bei A. p. ist der Puls bekanntlich meist beschleunigt, es kommen 
jedoch auch Fälle mit Bradykardie vor. Verf. beschreibt einen Fall, in 
welchem durch Digitalisdarreichung der Puls von 70 auf 48—42 kam, 
wobei sogar der Pulsrhythmus normal wurde. Am Elektrokardiogramm 
konnte Verf. sehen, daß der normale Rhythmus durch totale Blockierung 
verursacht wurde (P-Zacke fehlte, R-Zacken wiesen gleichmäßigen Abstand 
voneinander auf, und J-Zacken waren vorhanden). Verf. kommt zu der 
Schlußfolgerung, daß bei Vorhofflimmern (A. p.) sowohl die Pulsfrequenz, 
als auch der Übergang zum normaleren Rhythmus von der Leitungs¬ 
fähigkeit (Dromotropismus) des His'sehen Bündels abhängt. 

L. Nenadovics (Franzensbad). 

Pletnew, Dimitri. Einiges über Bradykardie. (Fortschr. d. Med. 
24, 1912.) 

Verf. teilt die Bradykardien in echte, wo bei dauernd verlangsamtem 
Puls auf je einen Puls eine Kontraktion des Herzens in allen seinen 
Teilen erfolgt, und in Pseudobradykardien, wo die Zahl der Herz¬ 
kontraktionen resp. der Kontraktionen verschiedener Abschnitte des Herzens 
mit der Pulszahl nicht zusammenfällt. 

In der ersten Gruppe ist die Bradykardie bedingt von einer Ursache, 
die ihren Einfluß auf den Nervus vagus oder das Herz sensu stricto aus¬ 
übt. Dieser Einfluß kann direkt oder auf dem Wege des Reflexes er¬ 
folgen. 

Die toxische Bradykardie kann exogenen oder endogenen Ursprungs 
sein. Zu ersterer gehören die von Nikotin, Digitalis, Blei u. s. w. hervor¬ 
gerufenen Fälle; zu den Bradykardien endogenen Ursprungs gehören, um 
ein Beispiel zu nennen, die Fälle, die man bei Ikterus und Urämie findet. 
Eine Stellung für sich nehmen die Bradykardien in der Rekonvaleszenz 
nach infektiösen Krankheiten ein. Ihre Ätiologie ist noch ungeklärt. 



134 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. B 


Die Pseudobradykardie kann in 2 Gruppen geteilt werden: Brady- 
sphygmie und Bradysystolie. Unter Bradysphygmie versteht man eine 
Herztätigkeit, bei der die Zahl der Pulselevationen geringer ist als die der 
Herzkontraktionen. Die Bradysystolie besteht darin, daß die Pulszahl 
und die Zahl der Ventrikelkontraktionen einander korrespondieren, wäh¬ 
rend die Vorhöfe in häufigerem Rhythmus schlagen. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Kaufmann, Rudolf und Popper, Hugo. Beiträge zum Studium 
der Pulsarhythmien. I. Mitteilung. (D. Arch. f. klin. Med. 108, 5 u. 6, 
1912.) 

Verfasser bringen die Analyse des Mechanismus der Herzaktion von 
atrioventrikulärer paroxysmaler Tachykardie bei einem 47 jährigen Manne. 

Das Studium der Kurven ergab zunächst, daß in diesem Herzen 
2 Reizherde tätig waren, von denen der eine an der normalen Stelle, der 
andere im Tawara’schen Gebiet seinen Sitz hatte. Es war ferner er¬ 
sichtlich, daß die vom normalen Punkt ausgehenden selteneren Vorhof¬ 
kontraktionen wie eine Extrasystole zwischen die häufigeren und in regel¬ 
mäßigen Intervallen stehenden Tawara’schen Kontraktionen eingefügt 
waren: die Reizperiode der Tawara’schen Kontraktionen war trotz des 
Dazwischentretens der nomotopen erhalten; demnach war die Annahme 
begründet, daß die nomotope Kontraktion bei ihrem Ablauf jedesmal den 
fälligen Tawara’schen Reiz vernichtet habe. Die weiteren Kurven¬ 
ausmessungen ließen das Bestehen eines dritten »intermediär“ gelegenen 
Reizherdes erkennen. Wenn nur die vom »Pacemaker" und vom 
Tawara’schen Knoten ausgehenden Reize zu Ventrikelkontraktionen führ¬ 
ten, so war der Puls rhythmisch, waren alle 3 Reizherde in Aktion, so 
wurde der Puls arhythmisch; gingen alle Reize vom Tawara’schen Knoten 
aus, so war der Puls rhythmisch und sehr frequent (Anfall von paroxys¬ 
maler Tachykardie). In allen drei Fällen war die Vorhoffrequenz die 
gleiche, nämlich 192. Daraus, und aus dem Zahlenverhältnis der normalen 
und Tawara’schen Kontraktionen, das in verschiedenen Kurven ein ver¬ 
schiedenes war und in den aus den Kurven sich ergebenden einfachen 
Verhältnissen (48—64—96) wechselte, schlossen Verff., daß Keith-Flack- 
scher und Tawara’scher Knoten im selben Rhythmus arbeiteten, daß aber 
ein in den verschiedenen Kurven wechselnder Grad von Blockierung 
unterhalb des Keith-Flack'schen Knotens bestand. Höhere Grade von 
Blockierung der nomotopen Reize hatten zur Folge, daß noch ein dritter 
Herd in Wirksamkeit trat, dessen Ort nicht mit Sicherheit konstatiert 
werden konnte. Für die von ihm ausgehenden Reize, welche mit den 
vom unteren Teil des Tawara'schen Knotens ausgehenden in analoger 
Weise interferierten, wie die nomotopen, mußte ebenfalls eine wechselnde 
Blockierung angenommen werden. Die vollständige Blockierung der 
oberhalb der Atrioventrikulargrenze gelegenen Reize führte zur paroxys¬ 
malen Tachykardie (Tawara’scher Typus). 

Der Fall zeigt also, daß wenigstens bei gewissen Formen der par¬ 
oxysmalen Tachykardie der ganze supraventrikuläre Abschnitt des Herzens 
mit Einschluß des Tawara'schen Knotens sich in erhöhtem Reizzustande 
befindet, und legt den Gedanken nahe, daß auch andere Fälle von Ta- 
waratachykardien durch den gleichzeitigen Einfluß erhöhter Reizbiidung 
und durch Hemmung des Reizablaufs im Vorhof zustande kommen. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 



o 


REFERATE lila 


135 


Lewis, Th. Beobachtungen Ober eine eigenartige und nicht unge¬ 
wöhnliche Form extremer Beschleunigung der Vorhofaktion. „Vorhofflattern". 

(Heart 4, 171, 1912.) 

Fälle von stark beschleunigter Vorhofaktion (216—234 Schläge in 
der Minute) bei langsamem Kammerpuls sind von verschiedenen Seiten 
als seltenes Vorkommnis beschrieben worden. Nach den Untersuchungen 
des Verf. sind solche Fälle nicht selten, werden aber leicht übersehen, 
falls sie nicht elektrokardiographisch aufgenommen werden. Verf. teilt 
8 Fälle mit, bei denen als höchste Vorhofpulszahl 335 gezählt wurde, 
und fügt diesen 8 weitere Fälle anderer Autoren bei. Aus der Zusammen¬ 
fassung geht hervor, daß es sich meist um ältere Individuen handelt und 
daß die Beschleunigung Monate oder Jahre hindurch anhält; doch können 
auch kürzere Paroxysmen Vorkommen. Der Vorhofrhythmus ist das Re¬ 
sultat heterogener ektopischer Ursprungsreize und steht nicht unter 
nervöser Kontrolle. Die Pulszahl ist meist außerordentlich konstant und 
praktisch unbeeinflußbar durch Stellung, Anstrengung oder Nervenreizung. 
Gewöhnlich beträgt die Kammerschlagzahl die Hälfte der Vorhofschlag¬ 
zahl; sie kann aber auch die gleiche sein oder irgend ein Grad von 
Herzblock kann vorliegen. So variiert die Kammerschlagzahl zwischen 
30 und 300. Die Ventrikel können regelmäßig oder unregelmäßig schlagen. 

»Vorhofflattern“ ist einerseits nahe verwandt ähnlichen Tachykardien 
von geringerer Schlagzahl, andererseits dem Vorhofflimmern. Übergänge 
kommen vor. Auch wenn Vorhofflattern viele Monate bestanden hat, 
kann es durch Digitalis oft schnell zum Verschwinden gebracht werden. 
Digitalis führt zunächst zu temporärem Vorhofflimmern; nachher wird der 
normale Rhythmus wieder hergestellt und dieser kann dann bestehen 
bleiben. J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Falconer, A. W. und Dean, G. Beobachtungen an einem Falle 
mit langem A-C-Intervall und kurzen Anfällen von im Reizleitungssystem 
entstehender Tachykardie. (Heart 4, 137, 1912.) 

Der Fall betraf einen 41jährigen Bäcker mit lautem systolischem und 
diastolischem Geräusch an der Aorta, systolischem und präsystolischem 
Geräusch an der Spitze und systolischem Geräusch über der Trikus- 
pidalis. Das a-c-Intervall war konstant verlängert, bei Darreichung 
von Digitalis trat ein kompletter Herzblock auf. Frequente Extra¬ 
systolen waren stets vorhanden, und zwar meist als einzelne Schläge, 
gelegentlich aber auch in Gruppen von zwei und drei Schlägen und 
seltener als kurze Paroxysmen von fünf oder sechs Schlägen. Der Ur¬ 
sprungsort für die Extrasystolen mußte nach den Kurven in das A-V- 
Bündel verlegt werden. — Bei der Autopsie fand sich eine Aorteninsuffizienz 
und unterhalb der Aortenklappen ein mit verrukösen Exkreszenzen be¬ 
decktes und ulzeriertes Insuffizienzzeichen. Mikroskopisch erwies sich das 
Septum membranaceum stark entzündlich infiltriert; stellenweise erinnerten 
die Infiltrate an die der rheumatischen Myokarditis. Das A-V-Bündel war 
im mittleren Drittel teils diffus, teils herdförmig infiltriert Im Myokard 
fand sich, außer kleinen subendokardialen Infarkten, nichts Besonderes. 

J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Robinson, G. C. und Draper, G. Rhythmisch wiederkehrende 
Veränderungen des Herzschlages beim Menschen. (Heart 4, 97, 1912.) 

Die Kurven von drei Fällen werden interpretiert, denen nur der 




136 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


phasische Charakter von Rhythmusänderungen gemeinsam war. In dem 
ersten Falle (17 jähriger, sonst gesunder Knabe) war die Rhythmusänderung 
das Resultat von ektopischen aurikulären Extrasystolen, die abwechselnd 
Ventrikelkontraktionen und keine solchen nach sich zogen. In dem zwei¬ 
ten Falle (7jähriges Mädchen mit Mitralinsuffizienz) wechselte die Vorhof¬ 
schlagzahl rhythmisch und periodisch so langsam, daß die Ventrikel ihren 
eigenen Rhythmus aufnehmen konnten, der periodische Wechsel war be¬ 
dingt durch Digitalisdarreichung. In dem dritten Falle (56 jähriger, sonst 
gesunder Mann) traten ektopische Vorhofextrasystolen in Gruppen schneller 
hintereinander als die Schläge des normalen Sinusrhythmus auf; die 
Stelle, von der sie ausgingen, wurde periodisch der Schrittmacher des 
Herzens. — Die beiden Fälle mit ektopischen Vorhofextrasystolen ge¬ 
hören offenbar in das Gebiet der paroxysmalen Tachykardie. In den 
ersten beiden Fällen schien der nervöse Kontrollmechanismus des Herz¬ 
schlages abnorm zu sein und spielte eine wichtige, wenn auch nicht aus¬ 
schließliche Rolle bei der Produktion der rhythmischen Änderungen. Der 
dritte Fall liegt in dieser Beziehung unklarer. 

J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Stuart Hart, T. Paroxysmale Tachykardie. (Paroxysmen durch 
ventrikuläre Impulse. Vorhöfe antworten auf Ventrikel. Erklärung zweier 
Punkte abnormer Kammerreizbarkeit.) (Heart 4, 128, 1912.) 

Unter 17 Fällen von paroxysmaler Tachykardie hat Verf. nur einen 
einzigen gefunden, der sicher ventrikulären Ursprungs ist Dieser betraf 
einen 49 jährigen Mann, dessen genaue Untersuchung auf beträchtliche 
Myokardschädigungen an verschiedenen Abschnitten schließen ließ. So 
deutete der abnorme P-Komplex im Elektrokardiogramm auf eine Schä¬ 
digung des Vorhofmyokards, die Verlängerung des P-R-Intervalls auf eine 
Schädigung des Reizleitungssystems und der abnorme Q-R-S-Komplex 
(vorzeitige ventrikuläre Schläge von zwei Typen, Perioden von Tachykardie, 
aus ventrikulären vorzeitigen Schlägen zusammengesetzt, Alternation) auf 
eine Schädigung des Kammermyokards hin. Die Form der Tachykardie 
zeigte viel Ähnlichkeit mit der von Lewis durch Unterbindung des 
Ramus descendens der linken Kranzarterie beim Hunde erzeugten. Die 
Myokardveränderungen waren wahrscheinlich bedingt durch Erkrankung 
der Kranzarterien infolge von Syphilis und Alkohol-Abusus. 

J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Goteling Vinnis, E. W. Extrasystole und das Treppenphänomen. 

(Heart 4, 123, 1912.) 

Bei einem fast 60 jährigen, seit etwa 40 Jahren an paroxysmaler 
Tachykardie leidenden, sonst ganz gesundem Manne beobachtete Verf. in 
dem Intervall zwischen zwei Anfällen ventrikuläre Extrasystolen, die von 
»Bowditch’schen Treppen“ gefolgt waren. Verf. neigt dazu, in diesem 
Phänomen eine reine Kontraktilitätsaffektion zu erblicken. 

J. G. Mönckeberg (Gießen). 


Schott, Eduard. Die Erhöhung des Druckes im venösen System 
bei Anstrengung als Maß für die Funktionstüchtigkeit des menschlichen 
Herzens. (D. Arch. f. klin. Med. 108, 5 u. 6, 1912.) 




o 


REFERATE IV, V 


137 


Mit der von Moritz und Tabora ausgearbeiteten Methode hat 
Verfasser den Venendruck bei Herzgesunden und Herzkranken nach An¬ 
strengungen gemessen, wobei die von dem Untersuchten geleistete Arbeit 
darin bestand, daß er ein Bein bis zu einem Winkel von etwa 60° gegen 
die Unterlage heben und das Bein nun solange in dieser Stellung halten 
mußte, wie es eben der Versuchsperson möglich war. Herzgesunde In¬ 
dividuen zeigen bei der beschriebenen Art der Anstrengung während der 
ganzen Versuchsdauer entweder gar keine Veränderung im Verhalten des 
venösen Drucks oder die Steigerung ist eine äußerst geringe. Je stärker 
klinisch eine Insuffizienz des Herzens ausgeprägt ist, um so stärker steigt 
der venöse Druck bei Anstrengung an und zwar wurden Steigerungen 
des Druckes von 1,5 bis zu 11,8 cm Wasser notiert, wobei die höchste 
Steigerung die schwersten Fälle zeigten. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

II. litiUik. 

P u n i n, K. W. Eine neue Konstruktion des Apparates zur Messung 
der Blutversorgung. (Berichte d. K. Mil.-Med.-Akad. in St Petersburg, 
5, 1912.) 

Beschreibung und Zeichnung des betreffenden Apparates, welcher 
eine Modifikation des Apparates von Prof. Janowski darstellt. Das Prin¬ 
zip der Messung ist folgendes: Auf den Oberarm werden zwei Riva- 
Rocci'sche Manschetten angelegt. Die obere stellt man unter einem 
Druck von 350 mm Hg, um die Arterien, die untere unter 80 mm Hg, 
um die Venen abzuschließen, nachdem man vorher durch Hebung des 
Armes das venöse Blut hat abfließen lassen. Dann wird der Unterarm 
in einen Meßzylinder mit Wasser von indifferenter T. gesenkt. Nachdem 
der Wasserspiegel bestimmt wurde, wird aus der oberen Manschette die 
Luft herausgelassen und nach 10—15 Sekunden in derselben der Druck 
wieder auf 350 mm gebracht. Die während 10—15 Sek. aus dem Zy¬ 
linder ausgeflossene Wassermenge dient als Maß des während dieser Zeit 
in den Arm zugeflossenen Blutes. L. Nenadovics (Franzensbad). 

Oroedel, Theo und Groedel, Franz. Kombinierte röntgen- 
kinematographische and elektrokardiographische Herzuntersuchnngen. (D. 

Arch. f. klin. Med. 109 , 1 u. 2, 1912.) 

Verf. berühren zunächst die technischen Schwierigkeiten, die sich 
ihrer Versuchanordnung entgegenstellten. Das Nähere muß im Original 
nachgelesen werden. Die Versuche bestätigen, daß die A-Zacke der Vor¬ 
hofkontraktion entspricht. Auf Grund der Versuche müssen Verf. 
annehmen, daß die Kontraktion des Muskels an der J-Zacke beteiligt ist. 
Das halten Verf. für das wichtigste Ergebnis: Von der F-Zacke ist zu 
sagen, daß in ihrem Verlaufe die Ventrikelkontraktion sich «zu maximaler 
Höhe steigert, und daß mit dem Ende der F-Zacke sofort die Ventrikel¬ 
diastole einsetzt. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 


V. Therapie. 

Hasenfeld, A. Einige meiner Erfahrungen in der Behandlung von 
Zirkulationsstörungen alter Leute. (Orvosi Hetilap, 50, 1912.) 



138 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Alte Leute, Arteriosklerotiker mit hohem Blutdruck ertragen sehr gut 
die Chloroformnarkose. Bei Pneumonie im hohen Alter gibt Verf. von 
Anfang an und in der Rekonvaleszenz vasomotorische Mittel: Coffein, 
Kampher, Strychnin und Adrenalin (dieses immer nur subkutan), und 
teilt nicht die Ansicht, daß man auch Herzmittel von allem Anfang an 
geben soll; letztere wendet er im Notfälle intravenös an. Das schwere 
Atmen alter Leute hängt manchmal von der Verknöcherung der Rippen¬ 
knorpel oder von der flächenförmigen Verwachsung der Lunge an die 
Brustwand ab. In solchen Fällen helfen die Herzmittel wenig, dagegen hilft 
die Atmungsgymnastik. — Der hohe Blutdruck ist nicht immer die Folge 
einer bereits bestehenden Arteriosklerose oder Nephritis, sondern 
wird als funktionelle Hypertension sehr oft getroffen bei Neurasthenie, 
Luxuskonsumption und im Klimakterium. Derselbe führt zu Arteriosklerose, 
zu Herzhypertrophie und Herzdegeneration, zu frühzeitigem Altwerden. 
Rechtzeitig erkannt und behandelt kann man der Arteriosklerose Vorbeugen. 
Bei hohem Blutdruck der Neurastheniker soll man jeden psychischen 
Insult ausschalten, Nervina, Narcotika, Badekuren, Massage und Gymnastik 
verordnen. Im Klimakterium hilft eine Milch-, vegetabilische Diät, seelische 
Ruhe, leichte Abführmittel, Brom und Alkalien. Bei Luxuskonsumption 
ist am Platze Vegetarismus für einige Wochen, und dann jede Woche 
1—2 Tage Karell’sche Milchkur; erfolgreich ist auch die Bauchmassage. 
V. verwendet bei plethorischen Leuten auch Venaesectio, die er nach 
1—2 Monaten wiederholt Um einer Herzinsuffizienz vorzubeugen, soll 
man bei alten Leuten alles vermeiden, was eine psychische Depression 
verursachen könnte; die Obstipation darf man nicht mit Abführkuren, 
sondern mit Einläufen behandeln; man soll Abmagerungskuren vermeiden 
und jede Störung der Verdauungsorgane sorgfältigst behandeln, dabei aber 
sofort auch die Zirkulation unterstützen. — Das Befinden der alten 
Arteriosklerotiker wird durch Jod günstig beeinflußt (0,5 JNa pro die — 
jahrelang!). Schlechte Resultate gibt Jod bei drohender Herz- und Nieren- 
insuffizienz. Schlecht vertragen Jod die Frauen im Klimakterium. Gegen 
Kopfschwindel hilft Tiodine, subkutan. — Morphium darf man mutig ver¬ 
ordnen alten Leuten mit Arteriosklerose, mit Klappenfehlern, mit Asthma 
und Myokarditis. — Digitalis bleibt auch im hohen Alter das souveräne 
Mittel bei Zirkulationsstörungen, gleichviel bei hohem Blutdruck, Myo¬ 
karditis oder Myodegeneratio. Bei hohem Blutdruck soll man Digitalis 
mit Coffein oder Theobrominpräparaten kombinieren. Ist der Blutdruck 
200—240 mm Hg, so macht Verf. Venaesectio oder Venaepunctio, welche 
besonders bei Asthma cardiale wohltätig wirkt. Auch intravenös darf 
man alten Leuten Digitalis und Strophantin geben. Verf. macht bei 
hohem Blutdruck eine Venaesectio vor der intravenösen Strophantin- oder 
Digitaleninjektion. Um bei alten Leuten den wiederkehrenden Attacken von 
Asystolie, Stenokardie, Asthma und Stauungsbronchitis vorzubeugen, ist 
eine chronische Digitalisdarreichung angezeigt (Fol. dig. titr. 0.10—0.20 
pro die, bezw. in der Woche durch 2—3 Tage). — Verf. schickt alte 
Leute in Kurorte (COg-Bäder) nur im Anfangsstadium der Herzkrankheit 

L. Nenadovics (Franzensbad). 



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Pür die Redaktion verantwortlich: Professor Dr.J. O. Mttnckeberg, Gleiten, Wilhelmstrafie 9. 
Vertag: Theodor Steinkopff Dresden n. Leipsig. Druck: Pr. Tlttel Nackt., Dresden. 




Zentralblatt 

für 

Herz- nnd Ciefässkrankbeites 

Unter Mitarbeit von 

Gab. Rat Prof. Dr. L. Aschoff, FrMbarg i. Br.; Sr. Exz. Geb. Rat Proi. Dr. Cb. BIümlrr, Ftaoibmrg 
I. Br. ; Prof. Dr. E. Bariä, Fern; Prof. Dr. L. Brauer, Hamburg ; Prot Dr. F. Chvostzk, Wien; Prof. 
Dr. H. Ehret, Straubarg i. Eis.; Prof. Dr. W. Einthoven. Leiden; Prof. Dr. D. Gerhardt, Würzbarg; 
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Dr. M. Herz, Wien; Geh. Rat Prof. Dr. H. Hochhaus, Köln; Prof. Dr. A. Hoffman n, Düsseldorf; Prof. 
Dr. A. Karra, London; Hofrat Prof. Dr K. ▼. KAtly, Budapest; Prof. Dr. A. ▼. Koranyi, Budapest; 
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Rostock; Prof. Dr O. Müller. Tübingen; Prof. Dr. E. Münzer, Prag; Prof. Dr. G. F. Nikolai, Berlin; 
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Herausgegeben tob 

Professor Dr. J. 0. Mönckeberg, Gießen. 


Erscheint am 1 . und 15 . 

Dresden nnd Leipzig 

Preis halbjährlich 

jedes Monats. 

Verlag von Theodor Stelnkopff. 

M. 8 .—. 


V. Jahrgang. 1. April 1913. Nr. 7. 


Aus der 11. medizinischen Klinik der Charit#. 

Direktor: Oeheimrat Prof. Dr. Kraus. 

Die diastolischen Schwankungen des 

Venenpulses; 

ihre Entstehung und ihr Verhalten unter normalen 
und pathologischen Bedingungen. 

(Mit fünf photographischen Originalkurven) 
von 

Dr. Reinhard Ohm, 

Stabsarzt an der Kaiser Wilheims-Akadamie für das militärärztliche Bildungs¬ 
wesen und Assistent der Klinik. 

ln meinen Arbeiten »Der Venenpuls im Lichte neuer photogra¬ 
phischer Methodik" (Zeitschrift für experimentelle Pathologie u. Therapie 
1912, Bd. 11) und „Nachträge zur Manometerwirkung der Jugularvene" 
(Deutsche med. Wochenschrift 1912, Nr. 48) konnte ich auf die Deutung 
der diastolischen Schwankungen des Venenpulses in ihren Einzelheiten 
nicht erschöpfend eingehen. Ich bin jetzt auf Grund weiterer Unter¬ 
suchungen mit meinen Methoden und eines eingehenden Vergleichstudiums 
der normalen mit den pathologischen Kurven in der Lage, den diasto¬ 
lischen Schwankungen eine bestimmte Deutung zu geben. 

Bekannt war, daß der normale Venenpuls diastolisch ansteigt. In 
seinem Lehrbuch der klinischen Untersuchungsmethoden führt Sahli 
mehrere Momente an — hierunter auch die diastolische Auxokardie — 
welche das Anschwellen des Venenpulses in der Diastole herbeiführen 










154 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


sollen. Ich verzeichne nun mit meiner Methode mehrere Schwankungen 
in der Diastole, die sich scharf von einander absetzen. Ich werde 
weiter zeigen, daß die diastolische Auxokardie nicht nur ein Moment, 
sondern das Moment sein muß, welches die Schwankungen erzeugt, 
und zwar alle in die Herzdiastole fallenden Erhebungen, und daß sie in 
einer bisher ganz ungekannten Weise auf die Gestaltung der Kurve wirkt 
Ich lasse die Besprechung an der Hand normaler und pathologischer 
Kurven folgen (siehe die beigeheftete Tafel mit den photographischen 
Originalkurven), wobei ich auf meine früheren oben zitierten Arbeiten 
verweise. 

Wenn im Beginn der Ventrikeldiastole die Muskulatur erschlafft, so 
beginnen die Ventrikel sich nicht gleich zu füllen, sondern es vergeht 
ein kurzer Zeitmoment, die sogenannte postsphygmische Periode Macken¬ 
zies, bis der Druck in den Ventrikeln bei fortschreitender Erschlaffung 
soweit gesunken ist, daß der Vorhofdruck überwiegt Dann erst fließt 
Blut aus den Vorhöfen ab, und die Ventrikelfüllung beginnt 

Während der kurzen postsphygmischen Periode muß aber schon 
durch die Muskelerschlaffung Auxokardie entstehen, d. h. der intrathora- 
cische Druck steigt durch Volumzunahme des Herzens. Das führt zu 
einer Anstauung des Blutes in der Jugularvene, und so entsteht der auf¬ 
steigende Schenkel der diastolischen Welle d. (siehe Kurve I). In dem 
Anstieg und zwar zeitlich hart auf den Fußpunkt der Welle folgend, 
liegt mit dem zweiten Herzton zusammenfallend, das Pulmonalklappen¬ 
schlußzäckchen z. Dieses zeitliche Verhalten ist zu erwarten. Denn erst 
beginnt die Ventrikelerschlaffung; dann schließen die Semilunarklappen. 
Die Erschlaffung schreitet weiter fort bis zum Gipfelpunkt der Welle d. 
Hier liegt der Moment, in dem die Ventrikelerschlaffung so weit fort¬ 
geschritten ist, daß Vorhofblut abfließen kann, also der Moment der 
Oeffnung der Atrioventrikularklappen. Es tritt nun Gefälle ein und infolge¬ 
dessen fließt auch Venenblut nach. So erklärt sich der Abfall der 
Welle d. Dieser Abfall geht aber normalerweise nicht unter die Abszisse; 
es kommt also nicht zu einer diastolischen Entleerung von Venenblut 
Es tritt vielmehr dadurch, daß nun die Ventrikelfüllung fortschreitet 
und das Herz stark anschwillt, starke auxokardiale Drucksteigerung im 
Thorax auf. Die Vene schwillt von neuem an, und es kommt nun zur 
Bildung der ansteigenden Linie D. Dieser Linie setzt sich dann später 
die Vorhof- oder präsystolische Schwankung pr auf. 

Noch übersichtlicher als in Kurve I erscheinen die geschilderten Ver¬ 
hältnisse in der normalen Kurve II. Die Pulsperiode ist hier länger, 
daher in ihren Einzelheiten besser zu übersehen. Das Pulmonalklappen¬ 
schlußzäckchen hebt sich bei der etwas flachen, dicken Zeichnung nicht 
scharf ab. Auf den Abfall der Welle d folgt eine kurze Periode von 
Bewegungslosigkeit. Dieses Plateau bedeutet, daß der Druck im Mano¬ 
meter und die Auxokardie zu dieser Zeit sich noch das Gleichgewicht 
halten. Dann aber überwiegt die Auxokardie durch Ventrikelfüllung, in¬ 
dem letztere fortschreitet; und die Kurve steigt unter Bildung der leicht 
gebogenen Linie D wieder an. 

Die diastolischen Schwankungen des Venenpulses werden also durch 
intrathoracische Druckerhöhungen seitens des Herzens erzeugt, genau so 
wie umgekehrt die systolische Entleerung der Vene durch die systolische 
Meiokardie, also intrathoracische Drucksenkung und damit verbundene 





Kurve I 


Kurve IV 


Kurve V 







o 


ORIGINALE 


155 


Aspirationswirkung zustande kommt Demgegenüber entstehen bekanntlich 
die präsystolische und systolische Welle durch direkte Drucksteigerung, 
die erstere durch die Vorhofsystole, die zweite mit dem Trikuspidal- 
klappenschluß. Allen Druckerhöhungen aber in Systole und Diastole 
gemeinsam ist die Hemmung im Abfluß des Venenblutes. Die damit 
verbundenen Anstauungen der Vene erfahren eine konstante Unter¬ 
stützung durch den kontinuierlichen Zufluß aus der Peripherie. Es 
müssen also die in Atemstillstand registrierten Schwankungen des Venen¬ 
pulses direkt auf die Herztätigkeit bezogen werden. In meinen früheren 
Arbeiten wies ich bereits darauf hin, daß ich nur Kurven, die im Atem¬ 
stillstand gewonnen sind, verwerte. 

Der Entstehungsmodus der diastolischen Schwankungen des Venen¬ 
pulses, wie ich ihn oben geschildert habe, findet seine Bestätigung in 
den nun zu besprechenden pathologischen Kurven. Zu Kurve III sei 
folgendes bemerkt: Sie entstammt einer leichten Mitralinsuffizienz. 
In der Schallkurve ist das systolische Mitralinsuffizienzgeräusch als solches 
nicht gut zu erkennen, weil bei der Aufnahme zu stark gedämpft wurde 
und das Geräusch sehr kurz war. Im Venenpuls sieht man zunächst als 
Ausdruck geringer Stauung eine zu große systolische Rückstauungswelle sr 
(vgl. dazu die normalen Kurven I u. II). Im Anschluß an sr steigt die 
Schwankung d mit einer gewissen Celerität an. Das Pulmonalklappen¬ 
schlußzäckchen kommt dadurch relativ höher oben im Anstieg von d zu 
liegen; es ist sehr kräftig, weil die Pulmonalklappe unter höherem Druck 
geschlossen wird. Dann erfolgt der Abfall von d und zwar geht der 
Abfall unter die Abszisse herunter (vgl. den Fußpunkt des ansteigenden 
Schenkels). Der Grund hierfür ist die Drucksteigerung im Manometer; 
und zwar überwiegt der Druck über der zu dieser Zeit bestehenden 
Auxokardie im Beginne der Ventrikelfüllung. Das dürfte der Grund sein, 
warum d weiter abfällt als bei normalen Druckverhältnissen. Erst bei 
fortschreitender Ventrikelfüllung steigt die Kurve in Form der bogen¬ 
förmigen Linie D auxokardial wieder an. Der erhöhte Druck und das 
hiermit zusammenhängende veränderte Verhalten der Schwankung d dürfte 
die Folge einer nicht vollkommenen oder noch nicht völlig ausgebildeten 
Kompensation des Mitralfehlers sein. 

Eine schon hochgradigere Druckerhöhung ist aus der Kurve IV zu 
entnehmen, die von einem jungen Mädchen mit einem Tropfenherzen 
stammt Hier fällt die Welle d so stark ab, daß es neben dem systoli¬ 
schen Abfluß sk zu einer wirklichen diastolischen Entleerung dk kommt 
Es ist hier die Vernichtung der auxokardialen Kraft im Beginne der 
Ventrikelfüllung durch die im Manometer herrschende Drucksteigerung be¬ 
sonders stark. In der Linie D erhält die Ventrikelfüllungsauxokardie wieder 
das Übergewicht. Die Kurve steigt an. Schuld an der Druckerhöhung 
trägt außer der Kleinheit des Herzens besonders auch die schlechte Vorhof¬ 
tätigkeit (vgl. die kleine präsystolische Schwankung). 

Daß das Verhalten des rechten Vorhofs von wesentlichem Einfluß 
auf den Druck im Manometer ist, läßt sich leicht an Kurve V demonstrieren, 
die von einer gut kompensierten Mitralinsuffizienz stammt. Die sehr 
starke Vorhoftätigkeit (vgl. die kräftige präsystolische Schwankung pr) 
führt zu einer guten Entleerung und damit zu einer Druckabnahme. 
Die diastolische Schwankung d fällt daher nicht unter die Abszisse, sondern 
verhält sich wie bei normalen Kurven. In normaler Weise steigt daher 
die Kurve in Linie D ventrikelfüllungsauxokardial wieder an. 




156 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Über das Verhalten des Venenpulses bei Zuständen hochgradigster 
Stauung, die das Bild des positiven Venenpulses geben, vergleiche meine 
früheren Arbeiten! 

Zusammenfassung. 

1) Der Anstieg der diastolischen Welle d entsteht auxokardial durch 
Ventrikelerschlaffung während der postsphygmischen Periode. 

2) Der Gipfel der d Welle entspricht dem Moment der Öffnung 
der Atrioventrikularklappen. 

3) Der Abfall von d ist bedingt durch Nachfließen von Venenblut, 
sobald nach Öffnung der Trikuspidalklappe Gefälle vom Vorhof zum 
Ventrikel eintritt 

4) Der geringere oder größere Abfall von d hängt ab vom geringe¬ 
ren oder größeren Druck im rechten Vorhof. 

5) Die Schwankung D entsteht mit fortschreitender Ventrikelfüllung 
durch die hiermit verbundene starke Auxokardie. 


Referate. 

L liruli ul jilhliiiich liitiaii ui liitiliiii. 

Oberndorfer, Luetische Aortenerkrankung und Aorteninsaffizieaz. 

(Vortr. im Ärzte-Verein München). (Berl. klin. Wochenschr. 49,2501,1912.) 

Ausführliche Besprechung der pathologischen Anatomie der luetischen 
Aortitis. Nach der Ansicht von O. nimmt diese Erkrankung zweifellos 
an Häufigkeit zu. Sie fand sich bei 6,9 °/o der bisher am neuen Kranken¬ 
haus München-Schwabing vorgenommenen Obduktionen. 

F. Weil (Beuthen). 

Benary, W. Beiträge zur Lehre von der Aortensyphilis. (Aus 
dem path. Inst. d. allg. Krankenh. zu Hamburg-Eppendorf.) Dissertation 
(Kiel 1912). 38 S. 

Die Verwertung von 54 Fällen hat zu einer Reihe von Feststellungen 
geführt. Das Durchschnittsalter von Patienten mit Aortensyphilis beträgt 
48,6 Jahre, durchschnittlich 22,9 Jahre nach stattgehabter Infektion. In 
etwa der Hälfte der Fälle stellt die Aortenaffektion die einzige Manifestation 
der Lues dar. Häufiger als die Kombination mit Lues tertiaria ist die 
Kombination der Aortenlues mit Metasyphilis. Etwa % aller Fälle bietet 
taboparalytische Symptome. Die Aortenlues macht nur Symptome, wenn 
sie zu Aortenaneurysmen, Klappenaffektionen oder Koronarostienverengerung 
führte. Dies tritt in etwa der Hälfte aller Fälle ein. Unter diesen Um¬ 
ständen scheint die Affektion fast ausnahmslos in vivo diagnostiziert zu 
werden und ist fast ausnahmslos die Todesursache des Individuums. 
Sonst wird die Affektion in vivo häufig nicht erkannt,- was aus dem 
Fehlen charakteristischer Symptome leicht verständlich ist, und das Indi¬ 
viduum pflegt anderen interkurrenten Erkrankungen zu erliegen. Bei 
Aneurysmen der Aorta muß man mit 33% Wahrscheinlichkeit auf Per¬ 
foration rechnen. Treten bei relativ jugendlichen Individuen mit der 
Möglichkeit einer vorangegangenen syphilitischen Infektion stenokardische 
Anfälle auf, so muß man an Aortenlues mit Koronarostienverengerung 





o 


REFERATE I 


157 


denken und nach den Zahlen des vorliegenden Materials auf eine mors 
subita innerhalb einiger Tage bis etwa zwei Monate nach dem ersten 
Auftreten der Anfälle rechnen. Fritz Loeb (München). 

Stein, A. K., (Syphilidolog. Klinik d. Militär-Mediz. Akademie, 
St Petersburg.) Veränderungen der Arteria iliaca communis bei Syphili¬ 
tikern. (Virchows Archiv 211, 1, 1913.) 

Bei vergleichender Untersuchung der pathologischen Veränderungen, 
die bei Syphilitikern einerseits in der Aorta, andererseits in der dicht be¬ 
nachbarten Arteria iliaca communis vorgenommen wurde, boten die Aa. 
iliacae ein ganz anderes pathologisches Bild dar als die Aorta. Während 
in letzterer die Doehle-Heller'sehe Mesaortitis gefunden wurde, zeigten 
die Iliacae nicht entzündliche Veränderungen vom Typus der gemeinen 
Arteriosklerose (Hyperplasie der Intima mit sekundären degenerativen Ver¬ 
änderungen derselben.) Daneben aber fanden sich kompensatorische 
Veränderungen der Adventitia, bestehend in Hypertrophie der normaler¬ 
weise in derselben vorhandenen glatten Muskelfasern und der elastischen 
Elemente. Die Media war mehr oder weniger stark fibrös entartet, 
zeigte aber keine Entzündungserscheinungen. 

Verf. glaubt zu den 2 bisher festgestellten Arten von syphilitischen 
Gefäßerkrankungen (entzündliche Mesaortitis und Endarteriitis obliterans 
der kleinen Gefäße) diese 3. nicht entzündliche Form für die Gefäße 
mittleren Kalibers aufstellen zu können. W. Koch (Berlin). 

Dorn er, Sehr seltene Komplikation eines Aortenaneurysmas. (Verein 
f. inn. Med. u. Kinderhlkd., Berlin.) (Berl. klin. Wochenschr. 50, 184,1913.) 

Es wird ein Fall von Aortenaneurysma geschildert, einen 61 jährigen 
Mann betreffend, bei dem jedes Schlucken fester oder flüssiger Speisen 
einen sofortigen Hustenreiz auslöste. Die Sektion ergab ein Aorten¬ 
aneurysma, welches zu einer Usur mehrerer Wirbelkörper, zu einem De- 
kubitalgeschwür und einer Fistel zwischen linkem Bronchus und Speise¬ 
röhre geführt hatte. Vortr. hat nur zwei ähnliche Fälle in der Literatur 
gefunden. F. Weil (Beuthen). 

Ne über, E. (Patholog.-anat. Institut, Budapest.) Die Gitterfasern 
des Herzens. (Zieglers Beiträge, 54, 350, 1913.) 

Die Muskelfasern des Herzens besitzen ein wohlcharakterisiertes 
Gitterfasergerüst, das aus geschlängelten Längsfasern und aus umspinnenden, 
die Muskelbündel quer oder schräg überbrückenden Fasern besteht und 
welches wahre Anastomosen bildet. 

Bei krankhaften Prozessen verhalten sich die Gitterfasern so, dass 
man bei Herzhypertrophie ebenfalls eine Vermehrung und Dickenzunahme 
des Gitterfasergerüstes, die sich aus dem Muskelschwund erklärt, fest¬ 
stellen kann. Bei parenchymatöser Herzmuskelerkrankung bleiben die 
Gitterfasern anscheinend unbeteiligt, gehen aber bei fibröser, schwieliger 
Myokarditis zugrunde, während dafür die elastischen Elemente zu 
wuchern beginnen. Bei akuten Herztnuskelprozessen, beginnender Nekrose 
und Blutungen tritt der Untergang der Gitterfasern erst später in Er¬ 
scheinung, da sie eine ziemlich hohe Resistenz besitzen. Schweren 
Schädigungen vermögen sie aber auf die Dauer ebensowenig Widerstand 
zu bieten wie andere Gewebe. W. Koch (Berlin). 



158 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


O 


Wagner, Metastatisches Karzinom des Herzmuskels. (Demonstrat. in 
d. Oeselisch, f. inn. Med. u. Kindhlkd. zu Wien.) (Berl. klin. Wochenschr. 
49, 2389, 1912.) 

Bei einer alten Frau wurde ein Plattenepithelkarzinom der Sub- 
maxillargegend exstirpiert 8 Monate später Pleuritis, Perikarditis. Plötz¬ 
licher Exitus. Obduktion ergab ausgedehnte Karzinommetastasen in der 
Pleura, im Perikard, im rechten Ventrikel. F. Weil (Beuthen). 

Kröner, Max. Beitrag zur Lehre von der Echinokokkenkrankheit. 

Dissertation (Erlangen 1912). 33 S. 

Der mitgeteilte Fall betrifft einen 25 jährigen Mann und stellt die 
seltene Kombination eines Echinokokken im Herzen und im Oehim dar. 
(Zweiter Herzechinokokkus des path. Inst. Erlangen.) Die klinischen 
Symptome des Falles wiesen fast ausschließlich auf einen raumbeengenden 
Prozeß im Gehirn hin. Krankheitserscheinungen, welche auf ein Herz¬ 
leiden hinwiesen, fehlten. Auch die durch 3 Zysten im r. Großhirn ver¬ 
ursachten Krankheitserscheinungen stehen in Mißverhältnis zur Grösse 
und Ausdehnung derselben. — Es konnte in diesem Fall keine Eosino¬ 
philie nachgewiesen werden. — Für die Lokalisation der Parasiten kommt 
in erster Linie ihre eigene, vitale Tätigkeit in Betracht Erst in zweiter 
Linie sekundär mechanisch-begünstigende Momente. 

Fritz Loeb (München). 


IL ftfiiiliiii ul iinriintilli Pitk1 1 11i l 

Unger, W. Über den Wärmestillstand des Froschherzens. (Pflügers 
Arch. 149, 364, 1912.) 

Der durch allmählige Erwärmung erzeugte, durch Abkühlung wieder 
aufhebbare Stillstand des Froschherzens, der nicht zu verwechseln ist mit 
der irreparablen Wärmestarre, betrifft den Vorhof bei Temperaturgraden 
zwischen 36 und 40°, die Kammer schon bei 22—37° (Suspensions- 
Kurven). Bei wiederholter Erwärmung nimmt die Resistenz immer mehr 
ab, so daß dann schon durch viel niedrigere Temperaturen Stillstand er¬ 
zeugt werden kann. Abkühlung mit eisgekühlter Ringerlösung ist wirk¬ 
samer, es kann dann auch ein durch höhere Temperatur herbeigeführter 
Stillstand noch rückgängig gemacht werden. Bei Verwendung der mano¬ 
metrischen Registriermethode ist die Erwärmung scheinbar weniger wirk¬ 
sam; das beruht aber auf dem ständigen Flüssigkeitsaustausch mit der 
kühleren Lösung im Manometer. Der Vorhofstillstand erfolgt ganz all¬ 
mählich «asymptotisch", der Kammerstillstand dagegen plötzlich. Versuche 
an der elektrisch gereizten Kammer zeigten, daß bei der Erwärmung zu¬ 
nächst die zurückgeleiteten Vorhofschläge ausbleiben. Damit ist zugleich 
auch die Erklärung des reparablen Wärmestillstandes gegeben; der zuerst 
durch die Wärme geschädigte Teil des Froschherzens ist das Reizleitungs¬ 
system, auf dessen funktionellem Versagen der plötzliche Stillstand der 
Kammer beruht. Diesem gehen oft Allorhythmien, Gruppenbildungen 
und unvollständige Diastolen voran. Die Schlagfrequenz nimmt mit der 
Erwärmung zu, das Maximum liegt dicht vor dem Stillstände, geht aber 
unmittelbar vor diesem letzteren noch etwas zurück. Die höchste be¬ 
obachtete Vorhofsfrequenz betrug 194.8 pro Min. (Einzelschlag 0.308 Sek.). 

J. Rothberger (Wien). 



o 


REFERATE II 


159 


Moog, Otto. Beiträge zur Gefäß- und Herzwirkung des g-Stro- 
phantins und des Extractum Digitalis depuratum am Frosch. (Pharm. 
Inst, Heidelberg.) (Dissertation Heidelberg 1912, 27 S.) 

Moog hat auf Veranlassung von Gottlieb die Gefäßwirkung von 
Strophantin-g am Kaltblüter untersucht, (Kasztan hat Untersuchungen am 
Warmblüter angestellt: Arch. f. exp. Path. 63, S. 405) und sie in Parallele 
zur Wirkung auf das isolierte Froschherz gestellt Versuche ergaben eine 
deutlich verengernde Wirkung des Strophantin-g in der Konzentration 
von 1:2500 und darüber. 1:20 Millionen erwies sich am Froschgefä߬ 
apparat als der Schwellenwert der Wirksamkeit des Strophantin-g. Im 
Vergleich mit Digitoxin wirkt Strophantin-g etwa 10 mal schwächer vaso- 
konstriktorisch. Der Schwellenwert der Wirksamkeit für das isolierte 
Froschherz ist ungefähr bei einer Konzentration von 1:1 Million anzu¬ 
setzen. Verdünnungen, die schon eine deutliche Reaktion am Gefä߬ 
apparat hervorrufen, sind am Herzen noch wirkungslos. Die Versuche 
mit Strophantin-g an den überlebenden Organen des Frosches haben 
Ergebnisse geliefert, die den Resultaten mit Digitoxin analog sind. Es 
scheint danach, daß die Gefäßwirkung der Substanzen der Digitalisgruppe 
am Frosche die Herzwirkung übertrifft Im Vergleich zu den Strophan¬ 
tin-g-Kurven zeigen die mit Digipuratum gewonnenen weit größere Regel¬ 
mäßigkeit in ihrem Verlauf. Im allgemeinen wirken die Lösungen auch 
um so stärker, je konzentrierter sie sind. Der Schwellenwert für eine 
sichere Wirksamkeit des Extractum Digitalis depuratum läßt sich etwa bei 
1:1 Million Ringer abnehmen. Die gefäßverengernde Wirkung der im 
Digipurat enthaltenen Gerbsäureverbindungen des Rohdigitoxins ist nicht 
geringer als die des reinen Digitoxins selbst. Trotz der im allgemeinen 
im Vergleich zum Digitoxin sogar größeren Wirkungsstärke des Digipurat 
findet sich bei den Versuchen mit abgestuften Konzentrationen merk¬ 
würdigerweise eine Zone, in der die Wirksamkeit des Digipurats sogar 
erheblich hinter der Wirksamkeit der entsprechenden Digitoxinlösung 
zurückbleibt Es ist dies die Konzentration von etwa 1:10000. Es ist 
möglich, daß die Gegenwart der Gerbsäure in einer bestimmten Zone 
der Konzentration des Digipurats die gefäßverengernde Wirkung stört und 
verringert. Daß der Schwellenwert der sicheren Wirksamkeit der Digi- 
puratumlösung bei noch deutlich höheren Verdünnungen, als dem Gehalt 
des Präparates an reinem, kristallisiertem Digitoxin entspricht, liegt, könnte 
auf den Eigenschaften der Gerbsäureverbindungen des Digitoxins beruhen. 
Verf. hat auch die Wirkung der «digitoxinfreien Fraktion" geprüft; ihr 
kommt nur eine im Vergleich zum Digitoxin der Glykoside sehr geringe 
gefäßverengernde Wirkung zu. Die Versuchsergebnisse mit Digipurat 
lassen sich wie folgt resümieren: 1. Das Digipurat verengert die Frosch¬ 
gefäße. Der Schwellenwert liegt bei einer Konzentration von 0,01 der 
Lösung zu 1000 Ringer, d. h. 1 g: 1 Million. 2. In den schon deut¬ 
lich gefäßverengernden Dosen hat das Digipurat auf das Froschherz über¬ 
haupt noch keinen Einfluß. Auch die stärkeren Konzentrationen, die schon 
eine bedeutende Gefäßwirkung entfalten, beeinflussen die Herzaktion nur 
im Sinne der Frequenzhalbierung oder Systolenvergrößerung, ohne aber 
das Herz zum Stillstand zu bringen. Aus allen Versuchen ist zu folgern, 
daß sich die Beeinflussung der Gefäße auch an Kaltblütern nachweisen 
läßt, ja daß sie bei diesem im Verhältnis zur Herzwirkung sogar be¬ 
sonders stark hervortritt 

Hält man die Versuche des Verf. mit Strophantin und diejenigen 




160 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


von Ulm (Dissertation Heidelberg 1912) mit Digitoxin zusammen, so er¬ 
gibt sich, daß beide Digitalissubstanzen stark verengernde Agenden an 
den überlebenden Hautmuskelgefäßen des Trendelenburg’schen Prä¬ 
parates darstellen. Das Strophantin ist dabei im Vergleich zu Digitoxin 
bedeutend schwächer wirksam (etwa 10—20 mal schwächer). Beide Sub¬ 
stanzen wirken im Vergleich zu Adrenalin langsamer ein, sodaß das 
Maximum der Wirkung nicht bei vorübergehender Beimengung zur 
Durchleitungsflüssigkeit, sondern erst bei etwa 15 Minuten lang dauernder 
Durchleitung großer Verdünnungen eintritt. Noch 1:10 Mill. Strophantin 
ist dann sicher wirksam. So hohe Verdünnungen, ja sogar noch zehnmal 
stärkere Konzentrationen von Strophantin erweisen sich als unwirksam auf 
das Froschherz; dasselbe schlägt viele Stunden lang fort, als wenn es 
mit reiner Ringerlösung gespeist wäre. Auch die Gesamtheit der in den 
Digitalisblättern vorkommenden wirksamen Glykoside wirkt in Form der 
schwach alkalischen Lösung ihrer Gerbsäureverbindungen, wie sie im 
Extractum Digitalis depuratum (Digipuratum) vorliegt, stark verengernd 
auf die Froschgefäße. Die Verengerung ist stärker, als dem Digitoxin¬ 
gehalt der Lösung entspricht, sodaß auch eine vasokonstriktorische Wir¬ 
kung der anderen das Digitoxin begleitenden Glykoside anzunehmen ist 
Doch scheinen andere Substanzen in einer bestimmten Zone der Kon¬ 
zentration die gefäßverengernde Wirkung des Digipuratums zu stören. Auch 
die Konzentrationen von Digipuratum, die schon eine bedeutende Gefä߬ 
wirkung entfalten, beeinflussen das Froschherz noch nicht. Auch für die 
Gesamtheit der wirksamen Substanzen der Digitalisblätter liegt also der 
Schwellenwert für die Wirkung auf die Froschgefäße weit niedriger als 
der Schwellenwert für die Wirkung auf das Froschherz. Aus allen Ver¬ 
suchen ist zu folgern, daß Herzwirkungen der Digitalissubstanzen am 
Frosch immer von Gefäßwirkungen begleitet sein müssen. Dieses ein¬ 
deutige Resultat läßt sich selbstverständlich nicht einfach auf andere Tier¬ 
arten oder gar auf die Anwendung der Digitalis am Menschen übertragen. 
Doch ist es für die Bewertung der Gefäßwirkungen der Digitalis von In¬ 
teresse, daß sich die Beeinflussung der Gefäße auch am Kaltblüter nach- 
weisen läßt, ja daß sie bei diesem im Verhältnis zur Herzwirkung sogar 
besonders stark hervortritt. Fritz Loeb (München). 

Hartung, C. Zur Frage der Wertbestimmung von Digitalis- 
präparaten. (Arch. f. exp. Path. u. Pharmakolog. 5, 69, 1912.) 

Anläßlich der Prüfung eines neuen, von der Gesellschaft für chemische 
Industrie in Basel hergestellten Digitalispräparates, Digifolin, erörtert 
Hartung namentlich die Verwendbarkeit der Versuche am isolierten 
Froschherzen zur qualitativen und quantitativen Wertbestimmung von 
Digitalispräparaten. Das nach Straub oder Böhm isolierte Herz eignet 
sich besonders zur Untersuchung reiner chemischer Körper; zur Beurteilung 
ihres Digitalischarakters beobachtet Hartung 1. die systolische Wirkung; 
2. den regularisierenden Einfluß auf unregelmäßige Herztätigkeit; 3. die 
Fähigkeit, die Arbeit eines schwach oder nicht maximal arbeitenden 
Herzens zu steigern. Paleuische Präparate geben am isolierten Herzen 
wegen ihrer Verunreinigungen (Kali) in höheren Konzentrationen nicht 
verwertbare Resultate. Ein Vorzug der Versuche am isolierten Herzen 
vor denen am ganzen Tier liegt beim Vergleich verschiedener Digitalis¬ 
präparate darin, daß der Einfluß ihrer verschiedenen Resorptionsgeschwindig¬ 
keit verringert wird. Wertbestimmungen verschiedener Proben des gleichen 



o 


REFERATE 11 


161 


Präparates können am ganzen Frosch vorgenommen werden, jedoch genügt 
eine so kurze Reaktionszeit, wie sie Focke neuerdings benutzt (87»—10 
Min.), nicht. Hartung schlägt sowohl für die Versuche am isolierten 
Herzen wie am ganzen Frosch eine Wirksamkeitsskala vor, die es nach 
Feststellung von 4 Punkten erlaubt, verschiedene Präparate genau gegen 
einander auszuwerten. Nach beiden Methoden entspricht 1 cm 3 Digifolin- 
ampulleninhalt 0,2 mg Strophantin (Therns.). 

K. Fleischhauer (Berlin). 

Holste, A. Ober das Verhalten der Stoffe der Digitalingruppe gegen 
Fermente. (Arch. f. exp. Path. u. Pharmakologie 5, 68, 1912.) 

Nachdem Schmiedeberg auf die Möglichkeit hingewiesen hatte, daß 
die Unsicherheit in der Wirkung der Digitalis damit zusammenhinge, 
daß die wirksamen Digitalisbestandteile durch die Fermente im Darm¬ 
kanal gespalten würden, untersuchte Holste, ob und in welchem Maße 
verschiedene Fermente die Wirksamkeit an Digitaliskörpern beeinflussen. 
Zur Untersuchung kamen Digitalisinfus, verschiedene Strophantinpräparate, 
Helleborein, Oleandrin, Digitoxin und Digitalin. Als Fermente wurden 
Diastase, Enudrin, Pankreatin, Trypsin benutzt, außerdem frischer Speichel, 
künstlicher Magensaft und ein Auszug aus Dünndarmschleimhaut. Die 
Wirksamkeit wurde nach einem von Schmiedeberg, Krailsheimer und 
Holste angewandten Verfahren (Zeit bis zum Eintritt des Ventrikel¬ 
stillstandes) gemessen. Es ergab sich, daß die verschiedenen Stoffe der 
Digitalingruppe durch Verdauungsfermente mehr oder weniger rasch un¬ 
wirksam gemacht werden können; am wenigsten resistent erwies sich 
Digitalisaufguß. Hiernach wird die Unsicherheit in der Wirkung der 
klinischen Digitalistherapie per os zum Teil auf die Spaltung der wirk¬ 
samen Digitalisbestandteile durch Verdauungsfermente zurückgeführt 

K. Fleischhauer (Berlin). 

Grünwald, H. F. Zar Frage der Digitalisspeicherung im Herzen. 

(Arch. f. exp. Path. u. Pharmakologie 5, 68, 1912.) 

Die zur Erklärung der bekannten kumulativen Wirkung der Digitalis¬ 
präparate theoretisch geforderte Aufspeicherung der Digitaliskörper im 
Herzmuskel konnte bisher auf chemischem Wege nicht nachgewiesen 
werden. Auch Versuche mit biologischen Methoden hatten keine ein¬ 
deutigen Resultate. Grünwald versuchte die Frage in zwei Versuchs¬ 
reihen mit verschiedener Anordnung zu lösen. In „Kreislaufversuchen“ 
brachte er nacheinander verschiedene ausgeschnittene Froschherzen an 
einen Williams'schen Apparat, der eine bestimmte Menge von in Ringer, 
gelösten Digitalin enthielt. War ein Herz vergiftet, so wurde ein neues 
eingeschaltet, ohne daß die Speisungsflüssigkeit erneuert wurde. Das Er¬ 
gebnis dieser Versuchsreihe war, daß die Zeit bis zum Eintritt der Ver¬ 
giftung mit jedem späteren Herzen zunahm, und daß sich die Art der 
erreichten Stillstände änderte. Kamen die ersten vergifteten Herzen zu 
einem systolischen Stillstand, so trat bei den späteren in längerer Zeit 
nur ein diastolischer Stillstand ein, der als das Zeichen einer geringeren 
Digitaliswirkung anzusehen ist. Die Wirksamkeitsabnahme der vergiften¬ 
den Lösung zeigt an, daß ihr durch die Vergiftung eines jeden Herzens 
eine gewisse Digitalinmenge entzogen wird. 

ln einer zweiten Versuchsreihe stand mit dem Williams'schen 
Apparat eine Mariotte’sche Flasche in Verbindung, von der immer neue 



162 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEITEN V. 


O 


Giftlösung bestimmter Konzentration dem System und dem Herzen zu¬ 
strömte. Die beim Eintreten des Herzstillstandes verbrauchte Flüssigkeits¬ 
menge wurde bestimmt und die gleiche Giftlösung dann einem zweiten 
Herzen zugeführt. Das Ergebnis dieser Versuche zeigte zunächst, daß 
die Digitaliswirkung nicht nur von der Konzentration der Giftlösung ab¬ 
hängig ist, sondern auch von der absoluten Giftmenge. Außerdem er¬ 
gaben sie ebenso wie die » Kreislaufversuche“, daß während der Digitalis¬ 
vergiftung Digitalin aus der gebrauchten Lösung verschwindet und vom 
Herzen aufgenommen wird. K. Fleischhauer (Berlin). 

Kauffmann, R. Ober den Einfluß des Schmerzes nnd der Digitalis 
auf die Herzarbeit des normalen Menschen. (Aus der physiol. Abteilung 
[Leiter Dr. A. Born stein] am allgemeinen Krankenhause St Georg in 
Hamburg.) (Zeitschr. f. exp. Path. u. Ther. 12, 165, 1913.) 

Autor untersucht mit der von Born stein geübten Stickstoffmethode 
die Herzarbeit der Digitalis beim Menschen. 

Digalen hat in seinen Versuchen ein verringertes Minutenvolum mit 
herabgesetzter Pulsfrequenz und erhöhtem Blutdruck bei leicht vermehrter 
Schlagarbeit und nicht veränderter Minutenarbeit zur Folge. 

Bei der Messung der Herzarbeit mit der N-Methode für pharma¬ 
kologische Zwecke ist zu beachten, daß O 2 - Atmung eine geringe 
Herabsetzung der Pulsfrequenz bei gleichbleibendem Blutdruck bewirkt wird, 
ferner daß Schmerz (z. B. bei Injektionen) eine Erhöhung des Minuten¬ 
volums, Blutdruckes und der Herzarbeit bedingt. J. Ri hl (Prag). 

Waledinski, J. A. Einfluß der Kohlensiurebäder auf das Elektro¬ 
kardiogramm. (Zs. f. phys. diätet Therap. 7, 18, 1913.) 

Den Versuchstieren, Kaninchen, wurden Elektroden in Speiseröhre 
und Mastdarm eingeführt und vor dem Bad, in bestimmten Zeitpunkten 
während des Bades und nach dem Bad wurde das Elektrokardiogramm 
geschrieben. W. gelangt zu folgenden Schlüssen: Das erste CO 2 -Bad 
bewirkt stets eine ziemlich stark ausgeprägte Abnahme der Höhe sämt¬ 
licher Zacken. Die folgenden Bäder gehen mit einer nur unbedeutenden 
Abnahme der Zackenhöhe einher. Die herabsetzende Wirkung der Kohlen¬ 
säurebäder auf die Höhe der Zacken hält auch in den auf das Experiment 
folgenden Tagen an. F. Weil (Beuthen). 

Straub, W. (Freiburg i. Br.) Das elektromotorische Verhalten der 
Gifte der Muskarin- und Atropingruppe am Froschherzventrikel. (Zentr. 
f. Phys. 26, 990, 1913.) 

Verf. vertritt die Ansicht, daß Muskarin nicht, wie allgemein 
angenommen wird, auf die Vagusendigungen, sondern auf den 
Herzmuskel selbst wirkt. Er führt nun Versuche an, in welchen vom 
bloßgelegten Froschherzen die Aktionsströme direkt abgeleitet werden, 
wobei die eine Fadenelektrode mit Muskarin getränkt ist Nach kurzer 
Zeit verändert sich das E.-K. in der Weise, daß das Verbindungsstück 
zwischen der Zacke R und der Nachschwankung immer mehr hinaufrückt 
und die Tendenz zur Verschmelzung in eine einzige Zacke besteht. Das 
Muskarin wirkt noch in einer Verdünnung von 1:50000. Da Muskarin 
immer kalihaltig ist und Kali ähnlich wirkt, wurden auch Versuche mit 
Pilokarpin ausgeführt, welche zu analogen Resultaten führen. Atropin 
allein bewirkt die entgegengesetzte Veränderung des E. K. und ist in 



o 


REFERATE II 


163 


einer Verdünnung von 1 : 1000 imstande, die Wirkung von Muskarin 
1 : 10000 aufzuheben. Ebenso wirkt Skopolamin. Andererseits kann die 
Atropinwirkung durch Muskarin wieder durchbrochen werden, doch sind 
dazu viel grössere Dosen notwendig. Verf. sieht in seinen Versuchen 
eine Stütze, wenn auch keinen Beweis für seine Annahme, daß hier eine 
direkte Wirkung auf die Herzmuskulatur vorliegt, denn auch die Mög¬ 
lichkeit einer gleichzeitigen Wirkung auf die Herznerven kann nicht aus¬ 
geschlossen werden. J. Rothberger (Wien.) 

Dratschinski (Paris). Contribntion k l’ftude de l’influence de 
Findol sur les scldroses. (Annales de l'Institut Pasteur, 408, Juni 1912.) 

Wie Metschnikoff Parakresol, so hat sein Schüler Dratschinski 
Indol und dessen Einfluß auf das Gefäßsystem studiert, das heißt in 
weiterem Sinne den Einfluß der Darmgärungen und der Darmgifte auf 
die Arterienwandungen. Hier interessieren uns nur kleine, lang verab¬ 
reichte Dosen, welche beim Kaninchen atheromatöse Degeneration der 
Aorta in der Gegend der Semilunarklappen erzeugen; daneben treten beim 
Kaninchen und Meerschweinchen Nierensklerose, beim Affen und Meer¬ 
schweinchen Leberzirrhose, beim Affen Nebennierensklerose und leichte 
Himgefäßsklerose auf. A. Blind (Paris). 

Maass, Th. A. und Plesch, J. Wirkung des Thorium X auf die 
Zirkulation. (Aus der II. med. Univ.-Klinik [Geh. Rat F. Kraus] und dem 
Tierphysiologischen Institut der Landwirtschaftlichen Hochschule [Geh. 
Rat N. Zuntz].) (Zeitschr. f. exp. Path. u. Ther. 12, 85, 1912.) 

In Versuchen an isolierten, nach modifizierter Jacobi’scher Methode 
durchströmten Froschherzen sahen die Autoren, daß die recht große 
Dosis von 40 elektrostatischen Einheiten pro cm 8 einen deutlich schädigenden 
Einfluß auf das Herz zeigte, in der Art, daß der arterielle Druck auf 
die Hälfte, das Minutenvolumen auf ein Neuntel des ursprünglichen 
Wertes herabsank und die Herzleistung außerordentlich vermindert wurde. 
Ausspülung mit Ringerlösung brachte eine wesentliche Besserung der 
normalen Herztätigkeit mit sich. Wiederholte Vergiftungen riefen die 
gleichen nur etwas abgeschwächten Wirkungen hervor wie die erste Ver¬ 
giftung. 

Bei einem Versuch mit hochgradiger Reduktion des Druckes, gegen 
den das Herz zu arbeiten hatte, trat auf Zufuhr von 0,218 elektrostatischer 
Einheiten eine deutliche Erhöhung der Herztätigkeit ein, die in einer 
starken Zunahme des Minuten- und Pulsvolumens zur Geltung kam. 

In Versuchen mit der Engelmann’schen Suspensionsmethode trat 
auf große Dosen eine Abnahme der Exkursionen des Atriums ein, während 
die Ventrikelexkursionen Zunahmen (Intravenöse Injektion des Mittels in 
die Bauchdeckenvene.) 

Bei plethysmographischen Untersuchungen am Froschherzen wird bei 
intravenöser Injektion größerer Aktivitätsmengen (100—1000 elektrostat. 
Einh.) die Mittellage des Herzens nach der Seite der Diastole verschoben, 
wobei die Kontraktionen selten größer werden. 

Dief Autoren folgern, daß das Thorium X ebenso wie die Radium 
emanation einen ausgesprochenen Einfluß auf das Kaltblüterherz ausübt' 
Der Wirkungsmechanismus scheint der zu sein, daß die diastolische 
Dehnbarkeit des Herzens eine Zunahme erfährt. Die hierdurch gegebene 
Möglichkeit der absoluten Vergrößerung der Herzarbeit tritt im all- 




164 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


gemeinen nicht in Erscheinung, da die Systolen gegen höheren Druck 
nicht stark genug sind, den ihnen durch die größere Füllung des Herzens 
gestellten höheren Anforderungen zu entsprechen. Erleichtert man ihnen 
die Arbeit in der Art, daß man das Herz nur gegen geringen Wider¬ 
stand arbeiten läßt, so schaffen sie in der Tat größere Auswurfvolumina, 
d. h. die Arbeit des Herzens erfährt eine direkte Zunahme. 

Versuche über die Beeinflußbarkeit des Blutdruckes von Warmblütern 
durch Thorium-X-Injektionen blieben im wesentlichen ergebnislos. Aus 
Kaninchenversuchen scheint hervorzugehen, daß die Erregbarkeit der 
herzhemmenden Vagusfasern oder der nervösen Endelemente unter 
Thorium-X-Wirkung zunächst eine Abnahme erfährt, der bisweilen dann 
eine geringe Zunahme der Erregbarkeit zu folgen scheint 

J. Ri hl (Prag). 

Plesch, J., Karczag, L. und Keetman, B. Das Thorium X in der 
Biologie und Pathologie. (Aus der II. med. Klinik, Geh. Rat F. Kraus.) 
(Zeitschr. f. exp. Path. u. Ther. 12, 1, 1912.) 

Aus dem Abschnitt dieser Arbeit „Wirkung des Thorium X auf die 
Zirkulation des Menschen“ sei hervorgehoben: Aus Versuchen am Menschen 
läßt sich sagen, daß sowohl durch die Emanation als durch die Injektion 
des Thorium X eine blutdrucksenkende Wirkung hervorgerufen werden 
kann. 

Es läßt sich nach den Autoren im allgemeinen der Satz aufstellen, daß, 
je höher der Blutdruck umso größer der Sturz, und daß dieser Sturz 
wieder von der Größe der angewendeten Aktivitätsmengen abhängt. 

J. Ri hl (Prag). 

Fr£dericq, H. Die Erregbarkeit des Herzvagus und ihre Ver¬ 
änderungen unter dem Einfluß des Koffeins. (L’excitabilitl du vagus car- 
diaque et ses modifications sous l’influence de la cafeine.) (Archives 
internationale de Physiologie 13, 107, 1912.) 

Es ist bekannt, daß nach einer Koffeineinspritzung die Vaguserregung 
ein stärkeres Resultat hat wie zuvor. Wenn der Vagus durch eine fort¬ 
dauernde Faradisation längere Zeit gereizt wird, so erscheint seine „Er¬ 
müdung" schneller. Diese Tatsache scheint in Widerspruch mit der ersten 
Tatsache zu stehen. In Wirklichkeit spricht sie für die Hypothese von 
Henri jean, welcher denkt, daß die „Vagusermüdung“ keine echte Ermüdung 
sei, sondern daß die systolische Tendenz des Herzmuskels einmal so stark 
wird, daß sie die Hemmung überwindet. Das Koffein ist ein Gift, welches 
die systolische Tendenz merklich erhöht und zwar in größerem Maße als 
die Erhöhung der Vaguswirkung. Wybauw (Brüssel-Spa). 

Austo ni, A. Contributo critico e sperimentale allo studio dell’azlone 
degli estratti corticali e midollari di ghiandola surrenale sul cuore dei 
mammiferi. (Padova, 1911.) 

Kleine Dosen des Extraktes aus der medullären Portion der Neben¬ 
niere bewirken nur eine Verstärkung der Kontraktion; größere Dosen be¬ 
schleunigen den Herzrhythmus und steigern durch eine spastische Wirkung 
den Tonus des Herzmuskels. 

Die Verlangsamung der Herzschläge ist durch die Reizung des zen¬ 
tralen und peripheren Hemmungsapparates infolge von einer durch Vaso¬ 
konstriktion eintretenden Drucksteigerung bedingt Die Beschleunigung 



REFERATE II 


165 


der Herzschläge ist hingegen bedingt durch eine direkte Stimulierung des 
Myokards und durch eine Paralyse oder Parese des zentralen und peri¬ 
pheren Inhibitionsapparates. Die Änderungen der Stärke der Herzschläge hän- • 
gen von der direkten Wirkung des Nebennierenextraktes auf die Herzfasern ab. 

Der Extrakt aus der Rindenportion der Nebenniere enthält jedoch 
einen Stoff, der die Herzschläge durch eine Reizung des nervösen 
Hemmungsapparates verlangsamt M. Sapegno (Turin). 

Wolf er, P. Experimentelle Stadien zur Reservekraft des hyper¬ 
trophischen Herzens. (Arch. f. exp. Path. u. Pharmok. 5, 68, 1912.) 

Die Reservekraft des hypertrophischen Herzens im Vergleich zu der 
des normalen wird von verschiedenen Autoren verschieden eingeschätzt 
Während Martins sie auf Grund klinischer Erfahrungen für bedeutend 
kleiner hält, kamen Krehl-Romberg zu der Ansicht, daß der hyper¬ 
trophische Herzmuskel dieselbe Reservekraft besitzt wie der normale und 
die gleiche Fähigkeit, gesteigerten Ansprüchen zu genügen. Wolf er ver¬ 
suchte diese Frage in verschiedenen Versuchsreihen zu entscheiden. Als 
Mittel zur Steigerung der Herzarbeit, deren Leistung eine Inanspruchnahme 
der Reservekraft verursachen sollte, benutzte er plötzliche Aortenkompression 
durch Ligatur. Die Reaktion des Herzens auf diese erhöhte Belastung 
wurde an dem Ablauf der Karotisblutdruckkurve in den 3 auf die Kom¬ 
pression folgenden Stunden beurteilt. Zur Erzeugung von Herzhyper¬ 
trophie wurde eine Gruppe von Kaninchen durch subkutane, dann intra¬ 
venöse Injektion von Adrenalin vorbehandelt, eine zweite durch künstliche 
Stenosierung der Aorta vermittelst Ligatur. Einer kleinen Serie von Tieren 
brachte Wolf er eine künstliche Aorteninsuffizienz bei. Eine genaue An¬ 
gabe des Gewichts der einzelnen Herzabschnitte, ihres Verhältnisses zu 
einander und zu den Nieren zeigte, daß es mit allen 3 Vorbehandlungen 
gelungen war, Herzhypertrophie zu erzeugen. Die Gewichtszunahme des 
1k. Ventrikels war am größten nach der künstlichen Aortenstenose ohne 
Klappenläsion. Die mit Adrenalin vorbehandelten Tiere zeigten die größte 
Veränderung der Proportionalzahlen der Vorhöfe. 

Der Einfluß der zur Prüfung der Reservekraft ausgeführten Aorten¬ 
ligatur war in allen 3 Gruppen im wesentlichen der gleiche, wie in den 
Kontrollversuchen an nicht vorbehandelten Tieren. Es folgte unmittelbar 
auf die Kompression unter nicht näher analysierten Arhythmien eine in¬ 
tensive Blutdrucksteigerung, die in verschieden langer Zeit zur normalen 
Druckhöhe abfiel. Im weiteren Verlauf sank der Druck auf niedere 
asystolische und diastolische Werte, auf denen er verschieden lange ver¬ 
harrte; beobachtet wurde 3 Stunden lang. Gesetzmäßige Unterschiede 
zwischen dem Verhalten der verschieden vorbehandelten Tiere konnten nur 
für die Adrenalintiere festgestellt werden. Bei ihnen wurde der Maximal¬ 
wert des Blutdrucks nach Aortenverschluß später erreicht und blieb länger 
bestehen. Im übrigen verhielten sich auch die Tiere innerhalb der ein¬ 
zelnen Versuchsreihen (auch in den Kontrollversuchen) so verschieden, 
daß keine für eine bestimmte Gruppe charakteristische Kurve fixiert 
werden konnte. Auf Grund seiner Resultate schließt sich Wolfer der 
Ansicht an, welche dem hypertrophischen und normalen Herzen dieselbe 
Reservekraft zuschreibt. K. Fleischhauer (Berlin). 

Roh de, E. Über den Einfluß der mechanischen Bedingungen auf 
die Tätigkeit und den Sanerstoffverbrauch des Warmblüterherzens. (Arch. 
f. exp. Path. u. Pharmak. 5, 68, 1912.) 



166 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


In einer früheren Arbeit hat Rohde das Bestehen naher Beziehungen 
zwischen Tätigkeit des Herzens und seinem Sauerstoffverbrauch wahrschein¬ 
lich gemacht In den vorliegenden Versuchen — über deren Anordnung 
und Begründung im Original nachgelesen werden muß — beobachtete 
er systematisch die Reaktionsweise des isolierten Säugetierherzens auf 
verschiedene Änderungen der mechanischen Bedingungen im Sinne Ficks 
und Franks. Es ergab sich zunächst, daß Erhöhung des Anfangsdrucks 
sowohl bei isometrischer wie bei isotonischer Kontraktion mit einer 
Steigerung des Sauerstoffverbrauchs einhergeht. Die Frage nach einem 
Faktor der Herztätigkeit, an dem sich ein quantitativer Zusammenhang mit 
dem Stoffwechsel unter verschiedenen Bedingungen verfolgen ließe, führte 
zu der Antwort, daß zwischen der meßbaren Druckleistung des lk. Ven¬ 
trikels (Pulszahl und Pulsdruck) und dem Og-Verbrauch eine annähernd 
einfache Proportion besteht. Dies konnte sowohl bei spontanen wie ab¬ 
sichtlich erzeugten Änderungen der Pulszahl oder der Druckgröße be¬ 
obachtet werden. Nach dieser Feststellung liegt die Möglichkeit zu weiteren 
Versuchen darüber vor, in welcher Weise das nahe Verhältnis zwischen 
02 -Verbrauch und Spannungsleistung durch pharmakologische Mittel be¬ 
einflußt werden kann. K. Fleischhauer (Berlin). 


III. KllllL 
i) Im. 

Rumpf, Zur Begutachtung und Behandlung der traumatischen Herz- 
und Gefäßerkrankungen. (Med. Kl. 45, 1912.) 

Verf. betont die Notwendigkeit sorgfältiger und genauer Erhebungen 
über das ganze vor dem Unfall liegende Leben des zu Beurteilenden, um 
sich Klarheit zu verschaffen über die Momente, die schon in früherer Zeit 
einen ungünstigen Einfluß auf das Herz ausgeübt haben oder zu offen¬ 
kundigen oder mit Wahrscheinlichkeit anzunehmenden krankhaften Er¬ 
scheinungen geführt haben, und über den Einfluß, welchen der Unfall 
auf die vorhandene Störung als auslösende Bedingung gehabt hat An 
einer Reihe von Beispielen zeigt dann Verf., wie akute und chronische 
Erkrankungen des Zirkulationsapparates durch einen Unfall hervorgerufen 
und wie schon bestehende verschlimmert werden können. Bei der Be¬ 
handlung traumatischer Herz- und Gefäßerkrankungen ist in frischen 
Fällen die möglichste Beruhigung der Kranken die wichtigste Aufgabe. 
Eine Spritze Morphium oder ein anderes Beruhigungsmittel pflegt bei 
einer traumatischen Erkrankung des Herzens besser zu wirken als Kam- 
pher. Die Verordnung von Ruhe gehört auch für später zu den wich¬ 
tigsten ärztlichen Maßnahmen schon deshalb, weil die traumatischen Er¬ 
krankungen das Gemeinsame haben, daß häufig durch größere oder kleinere 
Blutergüsse in das Herz und seine Umgebung ein hochgradiger Reizungs¬ 
zustand längere Zeit unterhalten wird. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Boliarsky, N. N. Ein zweiter Fall von Stichwunde des Herzens. 
Naht Genesung. (Russ. Wratsch, 51, 1912.) 

L. Nenadovics (Franzensbad). 

Lachwitz, Friedrich. Zur Kasuistik der traumatischen Herzfehler. 

(Aus der k. med. Univers.-Klinik zu Göttingen.) (Dissertation Göttingen 
1912, 32 S. Hubert & Co.) 



REFERATE IHa 


167 


Relativ am häufigsten kommt ein traumatischer Herzfehler zustande 
durch direkte Zerreißung einer oder mehrerer Klappen, und zwar handelt 
es sich dabei in den meisten Fällen um die Zerreißung der Aortenklappen, 
vereinzelt der Pulmonalklappen, während das Mitralsegel resp. seine Sehnen¬ 
fäden viel seltener einreißen. Zerreißungen ganz gesunder Klappen ge¬ 
hören allerdings zu den Seltenheiten, in den meisten Fällen handelt es 
sich um vorher krankhaft veränderte Klappen. Der Mechanismus der 
Klappenrupturen ist so zu denken (Stern), daß es sich dabei um eine 
Sprengung, eine Platzruptur handelt. Die hierzu nötige Drucksteigerung 
im Thorax wird durch das Trauma bewirkt. Ein solches Trauma kann 
ein direktes oder ein indirektes sein. Findet z. B. eine starke Quetschung 
des Thorax statt, trifft ein heftiger Stoß oder Schlag die Herzgegend oder 
findet durch einen Fall eine heftige Erschütterung des Körpers statt, so 
handelt es sich um ein sog. direktes Trauma, während zu den indirekten 
Traumen ungewöhnliche starke Muskelanstrengungen und plötzlich ein¬ 
setzende heftige Gemütsbewegungen zu rechnen sind. Außer den Klappen¬ 
fehlern, welche durch Zerreißung der Klappen entstehen, sind auch die¬ 
jenigen zu den traumatischen Herzfehlern zu rechnen, die sich im Verlaufe 
einer Endokarditis ausbilden, die im Anschluß an ein Trauma der Brust, 
besonders der Herzgegend, aufgetreten ist Manchmal wurde neben einer 
Endokarditis auch eine Perikarditis im Anschluß an ein Trauma festgestellt. 
Von den Klappen des Herzens werden, ebenso wie im Verlauf akuter 
Infektionskrankheiten, von der durch ein Trauma entstandenen Endokar¬ 
ditis ausnahmslos die des linken Herzens befallen, und zwar Aorten- und 
Mitralklappen etwa in gleicher Häufigkeit. Unter Umständen kann es 
auch nach einer Verletzung an irgend einer peripheren Körperstelle und 
nach Eindringen von Mikroorganismen zu einer sekundären septischen 
Endokarditis und damit zu einem Herzfehler kommen. Derartig entstandene 
Herzfehler müssen natürlich auch als Unfallsfolgen angesehen und dem¬ 
entsprechend begutachtet werden, gehören aber nicht in die Gruppe der 
traumatischen Herzfehler. Auch die Fälle von relativer Mitralinsuffizienz, 
die sich im Anschluß an eine nicht allzu selten auftretende traumatische 
Myokarditis einstellen, werden vielfach zu den traumatischen Herzfehlern 
gerechnet Streng genommen zu Unrecht Auch im Verlauf von trauma¬ 
tischen Herzneurosen kommt es öfter zum Auftreten von relativen In¬ 
suffizienzen, die aber ebenfalls keine eigentlich traumatischen Herzfehler 
darstellen. Als vollkommen einwandsfrei können eigentlich nur diejenigen 
Fälle angesehen werden, bei denen durch die Autopsie die traumatische 
Entstehung des Herzfehlers erwiesen wurde. Verfasser teilt eine Reihe 
von Fällen aus der Literatur mit und fügt diesen 4 Fälle aus der Göttinger 
Universitätsklinik hinzu, die er ausführlich bespricht. Im ersten Fall 
handelt es sich um ein Vitium cordis nach Trauma und zwar im wesent¬ 
lichen um eine Mitralinsuffizienz. Im zweiten Fall handelt es sich um 
eine Insuffizienz der Aortenklappen mit sekundärer unbedeutender Schlu߬ 
unfähigkeit der Mitralklappe, sowie um Erweiterung der aufsteigenden 
Aorta. Traumatische Ruptur der Aortaklappe. Im dritten Falle wurde 
die Diagnose gestellt auf Aorteninsuffizienz und Dilatatio arcus aortae. Im 
vierten und letzten Falle auf Aorteninsuffizienz und traumatisches Aneurysma. 

Absolut beweisend für die traumatische Entstehung eines organischen 
Herzfehlers sind die vier mitgeteilten Fälle nicht, da kein Fall zur 
Autopsie kam. Die Anamnesen und klinischen Befunde stützen aber diese 
Diagnose völlig. Fritz Loeb (München). 



168 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Tornai, Jözsef. Zur Symptomatologie der Pericarditis adhaesiva. 

(Orvosi Hetilap, 50, 1912.) 

Schlußfolgerungen: 1. Jeder Fall von Pericarditis adhaesiva hat auch 
eigene Eigentümlichkeiten, weil die Verwachsungen verschiedene Lokali¬ 
sation, Ex- und Intensität haben können. 2. Bei einem Kranken war nur 
bei tiefer Einatmung eine starke trichterförmige Einziehung des linken 
Rippenbogens, und an dieser Stelle auch ictus c. paradoxus zu konstatieren. 
3. Bei einem Verdacht auf p. a. soll man den Brustkorb des Kranken bei 
guter Beleuchtung von verschiedener Richtung und in verschiedener 
Körperstellung inspizieren u. zw. bei tiefer Einatmung, da die ge¬ 
dehnten Verwachsungen bei oberflächlicher Atmung nicht zum Vorschein 
kommen. 4. Manchmal beobachtet man bei tiefer Einatmung als charak¬ 
teristisches Symptom, eine trichterförmige Einziehung des untersten Teiles 
des Brustbeines u. zw. mit paradoxem Herzstoß in dieser Vertiefung. 
5. An einem Kranken, bei welchem das Herz an die vordere Brustwand 
angewachsen war, konnte man bei ruhigem Atmen den Herzstoß 
kaum palpieren, dagegen zu Ende einer starken Einatmung war der Herz¬ 
stoß fast hebend und die Töne auch stärker geworden. 6. Fast bei jeder 
Pericarditis chron. adhaesiva ist die Leber vergrößert. Dies hängt von 
der entzündlichen Verdickung der Leberkapsel (Zuckergußleber) ab. 7. In 
der Ätiologie der peric. adh. spielt die tuberkulöse Infektion eine be¬ 
deutende Rolle. 8. Wenn im Anschluß an p. a. Ödeme auftreten, so ist 
für sie charakteristisch, daß sie nicht nur in unteren, sondern auch in 
oberen Körperteilen erscheinen; manchmal sogar nur in oberen Körper¬ 
teilen, oder doch da stärker, als in unteren. 9. Das Röntgenbild 
der p. a. behält stets die bekannte Dreieckform. Aber in vielen Fällen 
sieht man von den Kanten desselben seitwärts dorn- und streifenartige 
Schatten abgehen. 10. Wenn der Zwerchfellmuskel genug stark ist und 
sich frei bewegt, so kann man bei der Durchleuchtung sehen, daß er das 
Herz bei jeder Einatmung in toto und mit Gewalt an sich zieht 

L. Nenadovics (Franzensbad). 

Lang, P. F. Über einige Bewegungen der Brustwand und des Epi- 
gastriums, welche durch die Herztätigkeit bedingt sind. (Russ. Wratsch, 
38, 1912.) 

Verf. hat an Kranken mit verschiedenen Herzfehlern die Bewegungen 
des Sternums, der Brustwand und des Epigastriums registriert und gleich¬ 
zeitig Kardio- und Sphygmogramme aufgenommen. Auf Grund dieser 
Beobachtungen, welche in 44 Bildern veranschaulicht erscheinen, kommt 
der Verf. zu folgenden Schlüssen: Im Gegensatz zu Mackenzie wurde 
bei Dilatation und Hypertrophie des rechten Ventrikels (Stenosis v. 
bicuspidalis) eine positive der Ventrikelsystole synchrone Hervorwölbung 
jenes Teiles der Brustwand konstatiert, welcher dem rechten Ventrikel an¬ 
liegt. Zugleich wurde auch eine durch die Bewegungen des rechten 
Ventrikels verursachte Hervorwölbung des Epigastriums beobachtet. Bei 
Aortenklappeninsuffizienz erscheinen folgende Bewegungen der Brustwand 
als charakteristisch: solange der Herzmuskel seine Kraft und seinen Tonus be¬ 
wahrt — ein systolisches Einziehen sowohl der Gegend an der Brustwand, die 
der vorderen Herzfläche anliegt, als auch des Epigastriums und ein 
typischer positiver Herzspitzenstoß; wenn der Herzmuskel schwächer wird 
und seinen Tonus zu verlieren beginnt: das systolische Einziehen und 
der Spitzenstoß werden schwächer und als auffallendste Bewegung tritt 



169 


REFERATE lila 


ein protodiastolischer Stoß der Brustwand in der ganzen Herzgegend auf. — 
Bei Insuffizienz der Mitralklappe werden komplizierte Bewegungen der 
Brustwand und des Epigastriums beobachtet, es überwiegt immerhin die 
systolische Hervorwölbung, bedingt durch den hypertrophierten rechten 
Ventrikel. — Für die Insuffizienz der Trikuspidalklappe ist das systolische 
Einziehen und die diastolische Hervorwölbung der Brustwand in der 
ganzen Herzgegend charakteristisch. L. Nenadovics (Franzensbad). 

Bauer, Julius und Helm, Friedrich. Über Röntgenbefunde 
bei Kropfherzen. (D. Arch. f. klin. Med. 109, 1 u. 2, 1912.) 

Bei Individuen mit Kropfherzen wird auffallend häufig eine charak¬ 
teristische Konfiguration des Herzschattens im Röntgenbilde gefunden, ohne 
daß dieselbe konstant und stets vollkommen ausgebildet, andrerseits für 
das Kropfherz spezifisch wäre. Diese Herzkonfiguration ist folgendermaßen 
gekennzeichnet: Vorwölbung des linken mittleren Herzschattenbogens, vor¬ 
wiegend dessen oberen Anteiles (Pulmonalisbogens), lebhafte Pulsation 
desselben, sowie des ganzen linken Herzrandes. Aorta hochstehend, 
häufig schmal. Die Herzspitze meist plump, dabei die größte quere 
Herzbreite den normalen Durchschnittswert in der Regel nicht überragend, 
im Gegenteil, sogar häufig nicht erreichend. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Thierry, Hedwig. Beitrag zur Symptomatologie der Thyreosen. 

(Dissertation München 1912.) 

Unter Thyreosen sind Krankheitsbilder zu verstehen, die hervor¬ 
gerufen werden durch eine quantitative oder qualitative Veränderung der 
Schilddrüsentätigkeit, einen Hyper- oder aber einen Dysthyreoidismus, wie 
jetzt mehr angenommen wird. Kr ecke stellte als wesentliches Einteilungs¬ 
prinzip den Grad der vorhandenen Herzstörungen auf. 3 Grade der Thyreosen. 
Thyreosen ersten Grades sind Erkrankungen, bei denen es auf 
Grund einer Struma zu Störungen des Stoffwechsels und des Nerven¬ 
systems gekommen ist, bei denen aber die Störungen am Herzen nicht 
über das subjektive Gefühl von Herzklopfen hinausgegangen sind. 
Thyreosen zweiten Grades sind Erkrankungen, bei denen objektiv 
eine Tachykardie bis zu 120 Schlägen nachweisbar ist. Als Thyreosen 
dritten Grades werden diejenigen Fälle bezeichnet, die eine hoch¬ 
gradige Tachykardie von ständig über 120 Schlägen aufweisen, bei denen 
es zu schweren Störungen des Nervensystems und des Stoffwechsels ge¬ 
kommen ist Es kamen an der Klinik Krecke, München, deren Material 
die Verfasserin bearbeitet hat, in den letzten 3 Jahren 240 Strumen zur 
Operation. Darunter 140 Thyreosen; 118 Frauen und nur 22 Männer. 
Allen an einer Thyreose leidenden Patienten ist das Vorhandensein einer 
Struma gemeinsam. Wie bei der Basedow’schen Krankheit das vor¬ 
nehmlich leidende Organ das Herz ist, so findet man auch bei allen 
thyreotischen Störungen die Erscheinungen am Herzen in allererster Linie 
stehend und die Schwere des einzelnen Falles besonders bedingt durch 
das Verhalten des Herzens. Unter den Herzstörungen, die durch Struma 
hervorgerufen werden, muß man grundsätzlich 2 verschiedene Arten unter¬ 
scheiden: 1. die mechanische Art der Schädigung, das sog. pneu mische 
oder Rose'sche Kropfherz und 2. das thyreotische Kropf¬ 
herz. Das erstere hat mit den thyreotischen Herzstörungen nichts zu 
tun. Das Herz ist der empfindlichste Indikator für die abnormen Schild- 




170 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


drüsenprodukte, die im Blute kreisen. Symptome vom Herzen aus be¬ 
standen in den vorliegenden 140 Fällen von Thyreosen 134 mal = in 
95°/o der Thyreosen und in 56% der Strumen. Unter 55 schweren 
Thyreosen trat 46 mal eine postoperative Tachykardie ein, die in einzelnen 
Fällen sehr hohe Grade annahm. Als charakteristisch für die thyreogene 
Tachykardie gegenüber anderen Herzfehlern ließ sich in den vorliegenden 
Fällen nachweisen: 1. Die schwere, oft nur sehr langsame Beeinflussung 
des Herzens durch Digitalis. 2. Die geringen anatomischen Veränderungen 
am Herzen; auch bei schwerster Tachykardie war selten mehr als eine 
leichte Arhythmie vorhanden. 3. In den meisten Fällen das Fehlen von 
Geräuschen über den Klappen. Nur in einigen Fällen war ein systolisches 
Geräusch vorhanden, sonst waren die Töne rein. 4. Die gut erhaltene 
Triebkraft des Herzmuskels. Jeder einzelne Herzschlag war an der Radialis 
deutlich fühlbar, keine Pulswelle blieb aus. 5. Die sofortige Verschlech¬ 
terung der Tachykardie auf nur kleine Jodmengen oder einige Thyreoidin- 
tabletten. 

Außer am Herzen selbst ließ sich die Beeinflussung des kardio¬ 
vaskulären Systems durch den Hyperthyreoidismus auch am peripheren 
Gefäßsystem feststellen. Die hierher gehörenden Symptome scheinen oft 
zu den am frühesten auftretenden Zeichen einer beginnenden Thyreose 
zu gehören. Es ist 1. das Gefühl aufsteigender Hitze, 2. die Hyperidrosis. 
Diese kardiovaskulären Symptome konnten 80 mal also in 57% der 140 
Thyreosen beobachtet werden. Fritz Loeb (München). 

Kretzer, Victor. Schmerzen und Hyperalgesien bei Herzkranken. 

(Dissertation Heidelberg 1912, 37 S., 5 Fig.) 

Nach dem vom Verf. auf Anregung von Prof. Krehl untersuchten 
Krankenmaterial kommen Schmerzen bei Herzkranken in 70—75% vor, 
bei den meisten nur nach Anstrengungen. Die heftigsten Schmerzen 
kamen bei luetischen und arteriosklerotischen Aortafehlern, Myokarditis 
und akuter Perikarditis vor. Ob der Zustand der Kompensation oder 
Dekompensation besteht, spielt keine Rolle. Stark dyspnoische, schwer 
kranke Patienten (meist dekompensierte Myokarditiden und Mitralfehler) 
waren in der Mehrzahl der Fälle schmerzfrei. Schmerzen kommen ent¬ 
weder nur links oder links und rechts vor; bei Mitralerkrankungen meist 
in den unteren (unterhalb der linken Mamilla), bei Aortenerkrankungen 
meist in den oberen Brustteilen. Hyperalgesien (am häufigsten Head’sche 
Zonen) kamen etwa bei der Hälfte aller Herzkranken vor, bei 15—20% 
scharf abgrenzbar. Nicht die Schwere der Herzaffektion des Patienten, 
sondern der Allgemeinzustand (Erschöpfung, Neuropathie) ist dabei ma߬ 
gebend. Bei Aortenerkrankungen sind meistenteils die 1. und 2., bei 
Mitralerkrankungen die 5. und 6. dorsale Zone beteiligt; bei Myokarditis 
besteht größere Variabilität. Fritz Loeb (München). 

Tornai, Jözsef. Einige Beiträge zur Diagnostik der Blutkreislaufs¬ 
organe. (Orvosi Hetilap 36, 1912.) 

Das bei Mitralstenose zu palpierende diastolische Rauschen hat die 
Richtung von oben nach unten. Man kann dies gut verfolgen, wenn die 
Diastole durch Herzmittel (medikamentöse Bradykardie) verlängert wird. 
— Das diastolische Geräusch bei Mitralstenose hört man oft auch an der 
Aorta gut. Wenn man jedoch am 5. Punkt (linker Rand des Sternums, 
entsprechend dem 3. Rippenknorpel) auskultiert, so merkt man, daß es 




REFERJATE lila 


171 


von der Tiefe kommt, auch hat es einen crescendo-Charakter (<), wo¬ 
gegen das diastolische Geräusch bei Aorteninsuffizienz einen decrescendo- 
Charakter (>) aufweist. Für Mitralstenose spricht auch der Umstand, 
daß man an den Carotiden, der Subclavia oder auch A. bronchialis kein 
derbes Geräusch hört, welches da bei Aorteninsuffizienz stets zu hören ist. 
Gegen Aorteninsuffizienz spricht es, wenn an der Aorta nebst diastolischem 
Geräusch ein akzentuierter erster Ton hervortritt, welcher an der Herz¬ 
spitze für die Mitralstenose oft charakteristisch erscheint Bei Mitral¬ 
stenose und Mitralinsuffizienz ist das punctum maximum der Geräusche 
oft nicht an der Herzspitze, sondern entsprechend der Lage des Ostiums 
links vom Sternum im dritten, ja sogar im vierten Interkortalraume. — 
Manchmal ist es zweckmäßig, auch am Rücken zu auskultieren. So hört 
man öfters links von dem 5. Rücken-Wirbel systolisches und diastolisches 
Geräusch von der Mitralinsuffizienz und -Stenose, und rechts von dem 
2. oder 3. Rückenwirbel das systolische Geräusch von der Aortenstenose. 
— Ob das systolische Geräusch an der Aorta von einer Stenose oder 
von einer Sklerose der Intima herstammt, entscheidet der Umstand, daß 
es in letzterem Falle am 5. Punkte schwächer als an der Aorta (2. Inter¬ 
kostalraum rechts vom Sternalrand) oder gar nicht zu hören ist. —' Die 
Frage, ob ein diastolisches Geräusch an der Aorta deren organische oder 
nur relative (diktatorische) Insuffizienz bedeutet, kann experimentell ent¬ 
schieden werden, indem man nach Vorschlag des Verfassers die untern 
Extremitäten mit Gummischlauch umschnürt und eine venöse Hyperämie 
bewirkt: infolge der im Herzen verminderten Blutmenge verschwindet das 
Geräusch bei relativer Insuffizienz ebenso, wie bei einem gelegentlichen 
Blutverluste. L. Nenadovics (Franzensbad). 

Schönthaler, Friedrich. Bericht Aber die in den letzten 4 Jahren 
an der Heidelberger medizinischen Klinik beobachteten Hypertonien. 

(Dissertation Heidelberg 1912. 39 S. J. Hörning.) 

An obiger Klinik kamen von April 1907—April 1911 450 Hypertonie¬ 
fälle zur Beobachtung, von denen 44 starben. Verf. verarbeitete nur die 
Fälle, bei denen der Maximaldruck in der Brachialis nach Riva-Rocci, 
v. Recklinghausen gemessen mehr als 140 Hg betrug. 302 Kranke 
hatten eine Drucksteigerung unter 200 mm Hg, davon starben 26. Bei 
148 Kranken überschritt die Erhöhung des arteriellen Druckes 
200 mm Hg und erreichte in einem Fall mit 272 mm Hg die oberste 
Grenze. In den 450 Fällen war diagnostiziert: 88mal chronische Nephritis, 
64 mal chron. interstitielle Nephr., 8 mal reine Granu laratroph ie, 19 mal 
Nephr. parenchymatosa, 64 mal Nephritis und Arteriosklerose, 14 mal 
Nephritis und Myocarditis, 148 mal Arteriosklerose (manchmal + Myo- 
carditis), 35 mal Myocarditis, 10 mal Vitium cordis. — Ganz im Vorder¬ 
grund stehen Schrumpfniere, interstitielle Nephritis und Arteriosklerose. 
Unter den 450 Fällen von Hypertonie sind 148 Kranke mit Druckwerten 
von 200 mm Hg und mehr. Von diesen haben spez. Gew. über 1015 
73 Kranke, von 1010—1015 51 Kranke, unter 1010 21 Kranke. — Der 
Funktionskomplex, der sich um die Verminderung des spez. Gew. und 
die Erhöhung der Harnmenge gruppiert, ist ein Zustandbild, das unter 
den mannigfachsten Umständen vorkommt: 148 Kranke hatten über 
200 mm Hg Druck; unter ihnen haben echt nephritische Erscheinungen 
im Sinne der Schrumpfniere 24 Kranke. Nicht eindeutige Nierenerschei¬ 
nungen 106 Kranke. Kein Eiweis hatten nur 16 Fälle mit Druck- 



172 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


werten über 200 mm Hg. Die Mehrzahl der Kranken mit 
Hypertonie zeigt renale Veränderungen; wenn nur die Fälle 
mit Druckhöhen über 200 berücksichtigt werden, sind cs 87,84 %. Auf¬ 
fallend treten bei den Kranken mit Hypertonie arterielle Veränderungen 
klinisch und anatomisch hervor. Von den 450 Hypertonien sind 44 ad 
exitum gekommen, 43 zur Sektion. Sektionsdiagnose: 10 mal gen. 
Schrumpfniere, 14 mal Schrumpfniere + allgem. Arteriosklerose, 3 mal S. + 
Sklerose der Nierenarterien, 1 mal sekundäre Schrumpfniere, 3 mal diese 
+ Arteriosklerose, 5 mal parenchymat. Nephritis, 3 mal Arteriosklerose, 
2 mal diese + Myocarditis, 1 mal Pyelonephritis, 1 mal hydronephrotische 
Schrumpfniere. Es spielen also arterielle Prozesse bei mehr als 
der Hälfte der Fälle (58%) eine Rolle. — Übersicht: I. Eigent¬ 
liche Nephritis. Albuminurie und Zylindrurie. A. Gute Harnmengen, 
Niederes oder mittleres spez. Gew. —1010. Wenig Albumin. B. Gute 
Harnmengen, Niederes oder mittleres spez. Gew. — 1015. Mehr Albumin. 
C. Die andern. II. Die übrigen Hypertonien. Kein oder wenig 
Eiweiß. Cylinder oder keine. Harnmenge nicht erhöht Spez. Gew. 
nicht niedriger. Fritz Loeb (München). 

W y b a u w (Brüssel-Spa). Ober die Regulierung des Blutdrucks. (De 
In rdgulation de la pression sanguine.) (Policlinique, 1, 1. Jan. 1913.) 

Verf. zeichnet systematisch das absolute Sphygmogramm seiner Pa¬ 
tienten auf. Obwohl er die Defekte der Methode kennt, glaubt er doch, 
sie sei ein sehr nützliches Mittel um zu beurteilen, inwiefern die normalen 
Kompensiervorrichtungen gestört sind. Der Minimaldruck ist der wich¬ 
tigste, da er die Schnelligkeit des Blutes in den Kapillargefäßen bedingt 
Den Maximaldruck soll man betrachten als die Druckhöhe, zu welchen 
das Herz das Blut bringen muß, um bei dem bestehenden Gefäßzustand 
des Patienten den Minimaldruck normal zu erhalten. Aus den Kurven 
sieht man, wie die Gefäße eine beschleunigte oder verlangsamte Herz¬ 
wirkung kompensieren, und umgekehrt, wie das Herz die Gefäßwirkung 
kompensiert. Verf. untersucht auch die Fälle mit erniedrigtem oder er¬ 
höhtem Blutdruck und glaubt, daß man meistens aus der Schnelligkeit 
des Abfalls des absteigenden Schenkels des absoluten Sphygmogramms 
wohl ein Bild haben kann von der bevorstehenden Herz-Gefäßkompensation, 
obwohl er die Störungen, welche durch Änderungen der Elastizität der 
Gefäße entstehen, nicht vergessen will. 

Wie diese Kompensationsvorrichtungen nicht nur auf den Druck 
sondern auch auf die Schnelligkeit des Blutes und auf die Quantität des 
den Geweben zugeführten Blutes wirkt, wird auch in breiten Zügen ge¬ 
schildert. (Autoreferat) 

Hoefler, Edmund. Diagnostische Bemerkungen zu einem Fall 
von offenem Foramen ovale cordis. (Aus der 2. medizinischen Klinik zu 
München.) (Dissertation München 1912.) 

Der ausführlich geschilderte Fall betraf eine 45 jährige Frau. Es 
findet sich kein Symptom, das in diesem Falle unmittelbar oder auch 
durch Kombination mit anderen Symptomen eine exakte Diagnose des 
offenen foramen ovale ermöglichte, ln diagnostischer Hinsicht hat der 
Fall einiges gelehrt: 1 Foramen ovale apertum wird klinisch offenbar 
erst bei Mitral- und Trikuspidalfehlern. 2. Ein Mitral- oder Trikuspidal- 
fehler wird durch ein foramen ovale apertum in seiner Prognose bedeutend 



o 


REFERATE lila 


173 


verschlechtert 3. Trotzdem besteht so gut wie keine Möglichkeit, das fora- 
men ovale apertum zu diagnostizieren, da besonders ein offener ductus 
arteriosus völlig die gleichen Symptome wie foramen ovale apertum auf¬ 
weisen kann. 4. Diese Symptome sind notwendigerweise: ein systolisches 
Geräusch etwa in der Höhe des dritten Zwischenrippenraumes neben dem 
Brustbein. Ein auffälliger akustischer Charakter dieses Geräusches. Systo¬ 
lische, umschriebene Pulsation in der Gegend der deutlichsten Geräusch¬ 
bildung. 5. Es kann nur eine „Wahrscheinlichkeitsdiagnose" festgestellt 
werden. Selbe ist berechtigt bei den genannten Symptomen im Zusammen¬ 
hang mit Annahme sonstiger Herzmißbildungen. Auffallende Weite der 
Pulmonalis stärkt den Verdacht. 6. Es hat sich gezeigt, daß eine Ver- 
grösserung des r. Herzens mit gestauten Lungenvenen auf der Röntgen¬ 
platte mit Sicherheit für einen tuberkulösen oder malignen Lungenprozeß 
angesprochen werden konnte. Es scheint daher größte Vorsicht in der 
Diagnose der Hilusprozesse am Platze zu sein. 7. Als ein sehr wichtiges 
Ergebnis erscheint die Feststellung, daß ein lediglich stark erweiterter 
Herzabschnitt von normaler Dicke Pulsation von ausgesprochen hebendem 
Charakter hervorbringen konnte, also ein Symptom, das bisher als sicheres 
Zeichen von Hypertrophie angenommen wurde. 

Fritz Loeb (München). 

Hozada Echenique (Tucuman, Argentinien). Un cas de poiils 
lent chez une fillette de onze ans. (Archives de Mldecine des Enfants 
15, 694, 1912.) 

Das 11 jährige Mädchen hatte im Juli, Anfangs August, am 30. August 
und 7. Dezember 1910 Anfälle gehabt, welche folgendermaßen verliefen: 
leichte Zuckungen mit Bewußtseinsverlust, Kongestion des Gesichtes, Si- 
stieren der Atmung, Abgang von Urin und Fäces; der Anfall dauerte von 
einer bis zwanzig Minuten und endete mit Stöhnen, Schreien und tiefen 
Inspirationen; nach demselben blieb das Kind kraftlos mehrere Tage bett¬ 
lägerig. Es trat am 15. Dez. 1911 in die Abteilung ein. Man fand 33 
Pulsschläge per Minute mit etwas Arhythmie, aber sonst nichts. Die 
epileptiformen Anfälle traten nicht mehr auf, waren aber durch Ohnmachts- 
anfälle ersetzt, während welcher der Puls sich noch mehr verlangsamte 
und während welcher der Blutdruck noch niedriger wurde. Es trat keine 
Besserung auf trotz Belladonna, Quecksilber und Jodkaliverabreichung. 
Die Eltern entzogen die Patientin weiterer Beobachtung. 

A. Blind (Paris). 

Savini, E. (Paris). Etndes sur la tachycardie paroxystique. (Arch. 
des Mal. du Coeur, Nov. und Dez. 1912.) 

An der Hand von 18 eigenen Beobachtungen hat Savini in der 
Abteilung von Vaquez aus den tachykardischen Anfällen eine Gruppe 
isoliert, in welcher die Paroxysmen in enger Beziehung mit der Funktion 
der Genitaldrüsen stehen, namentlich bei Frauen. Man kennt den Gegen¬ 
satz des Einflusses der Sekretionsprodukte der Schilddrüse und der Ovarien. 
Tachykardie tritt nun anfallsweise auf, wenn das Ovarium die Wirkung 
der Thyroldsekretionen nicht neutralisiert. Dies kommt vor in der Zeit 
der Pubertät, auch in der Zeit des normalen Sexuallebens und des 
Klimakteriums, sowohl des natürlichen als auch des chirurgischen. Diese 
Auffassungsweise ist experimentell zwar schwer zu begründen, wohl aber 
hat sie therapeutisch zu sehr interessanten Resultaten geführt, so zwar, 
daß Kuh- oder Lammovarien in trockener Pulverform die Anfälle nicht 



174 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEITEN V. ■ 


nur von einander entfernte, sondern sogar heilte; das Okrein, d. h. der 
Extrakt der corpora lutea, hat weniger gute Wirkung als die ganze Drüse; 
ThyroTdextrakte haben umgekehrte Wirkung und verschlimmern den Zu¬ 
stand der Patientinnen. Die Dosen des Ovariumpulvers wechseln von 
1,50 gr bis 4 gr. Meist werden dieselben gut ertragen, aber einmal trat 
eine heftige Urticaria auf, was nach der modernen Anschauungsweise der 
Ätiologie mit dem Kalziumstoffwechsel in Beziehung steht. Deshalb ist 
es ratsam, zu gleicher Zeit etwas chlorsaures oder milchsaures Kalzium, 
oder auch die entsprechenden Kalisalze zu verabreichen; die hemmende 
und kräftigende Wirkung des Kaliums auf das Herz ist ja schon lange, 
aber besonders seit Lauder Brunton, bekannt. Wir können nur kurz 
die Verdauungs- und Nervensymptome, welche die paroxysmale Tachykardie 
begleiten, andeuten und auf deren therapeutische Bekämpfung hinweisen. 

Die klinische Beschreibung und die Einteilung der Anfälle ist sehr 
ausführlich und recht interessant ausgefallen, doch würde ein ausführlicheres 
Referat fast eine Übersetzung benötigen. Es sei nur hervorgehoben, daß 
der Anfall vereinzelt auftreten kann, daß ein leichter Anfall bis zu einer 
Akme ansteigen und stufenweise endigen kann, daß die ersten Anfälle 
schwach sein und progressiv immer heftiger werden können und immer 
länger dauern können, so daß sie schließlich letal endigen (Fall XI), 
daß endlich die Anfälle verschmelzen und einer dauernden Form von 
Tachykardia perpetua zur Grundlage dienen können; auch andere 
Arhythmien wie Bradykardie mit Bradysphygmie, pulsus bigeminus ab¬ 
wechselnd mit Tachykardie, sowie eine sofort chronische Tachykardie 
können zur Beobachtung kommen. Subjektiv werden Herzklopfen, Steno¬ 
kardie, Seitenstechen, Dyspnoe empfunden; der Blutdruck steigt eher als daß 
er sinkt, obwohl der tastende Finger den Radialpuls schwach fühlt; dies 
rührt davon her, daß die jeweilige Blutmenge, welche jede Systole in die 
Arterien treiben kann, bei der schnellen Schlagfolge nur eine geringe ist 
und sein kann und als niederer Blutdruck imponiert: diese Bestätigung 
widerspricht der klassischen Ansicht Debore’s und Boulay's. (Soc. 
M6d. des Höp. Paris 1890.) A. Blind (Paris). 


I) filflll. 

Bari 6 et Colombe (Paris). Deiix cas d’aortite chronique ab¬ 
dominale avec crises gastriques symptomatiques. (Soc. Med. des Höpitaux 
de Paris. 31. Jan. 1913.) 

Bei zwei Patienten mit arterieller Aorteninsuffizienz traten im vor¬ 
geschrittenen Stadium der Erkrankung Anfälle von Unterleibskrisen auf, 
welche durch heftige Schmerzen mit Brechen charakterisiert waren und 
durch Vornüberbeugen des Rumpfes gelindert wurden. Bei einem Pa¬ 
tienten traten die Anfälle während der Verdauung auf, beim anderen 
waren sie von den Mahlzeiten ganz unabhängig; manchmal begleiteten 
sie Schmerzen in der Brustaorta, zu anderer Zeit waren sie selbst¬ 
ständig. Bei einem der zwei Kranken war der Blutdruck in der Arteria 
dorsalis pedis erhöht. Bei der Sektion fand sich bei beiden eine unvoll¬ 
ständige Obliteration der Arteria coeliaca durch eine Atheromplatte, welche 
zu vorübergehenden Ischämieanfällen Anlaß gab, gleichwie bei inter¬ 
mittierendem Hinken. Claisse hat einen gleichartigen Fall gesehen 
und konnte durch Inhalation von Amylnitrit sofort die Anfälle unter¬ 
brechen. Ri bi er re hat bei zwei Patienten mit Aortitis abdominalis den 



o 


REFERATE IV 


175 


Blutdruck der Fußarterie gegenüber der Radialis erhöht gefunden, glaubt 
aber trotzdem diesem Symptom nicht zu viel Wert geben zu dürfen, da 
dasselbe auch sonst bei gesunden Menschen oder bei anderen Krankheiten 
als Aortitis abdominalis Vorkommen kann. A. Blind (Paris). 

Pissavy (Paris). Andvrysme de l’aorte thoracique. Etüde semliolo- 
gique et thlrapeutique. (La Quinzaine thlrapeutique 13, 10. Febr. 1913.) 

Aus diesem klinischen Vortrag sei hervorgehoben, daß neben Lues 
auch Atherom Aneurysma veranlassen kann; als klinische Zeichen werden 
besonders neuralgische Schmerzen betont; als therapeutisches Hilfsmittel 
wird neben den antisyphilitischen Behandlungen, die besonders durch 
ihren Einfluß auf die konkomittierende Mediastinitis als schmerzstillend 
wirken, die lang fortgesetzte und intensive Jodkaliumkur empfohlen; 
Gelatinelösungeinspritzung hat Verf. einen Exitus durch Thrombose des 
truncus anonymus gegeben; deshalb wird von dieser Maßnahme abgeraten. 

A. Blind (Paris). 

Pissavy (Paris). Valeur reelle et importanee röciproque de quel¬ 
ques facteurs Itiologiques de l’artdrio - scldrose. (Societi Medicale des 
Höpitaux. 7. Feb. 1913.) 

Die Statistik des Verf. erstreckt sich auf 400 Patienten und ergibt, 
daß 5% von 20 bis 40, 34% von 41 bis 60, 71 % von 61 bis 80 Jahre 
alt sind; bei Männern kommt Arteriosklerose bei 30°/o, bei Frauen nur 
bei 5 % vor. Was die Ätiologie anlangt, so finden sich 11 % ohne be¬ 
kannte Ursache, 13% bei Syphilitikern, 44% bei Alkoholikern, 40% bei 
Bleivergiftung, 33% bei Malaria, 17% bei Tabakintoxikation. Diese Be¬ 
obachtungen stimmen mit den gewöhnlich angegebenen ätiologischen 
Momenten überein, mit Ausnahme der Lues, welche nur bei 13% — 
also kaum mehr als bei den Fällen unbekannter Ätiologie — vorkommt. 

A. Blind (Paris). 


iv. mm. 

Mosler, E. (Med. Poliklinik Berlin). Das Individualisieren der Per- 
kussionsintensitit bei der Schwellenwertperkussion (Goldscheider) des 
Herzens. (Berl. klin. Wochenschr. 49, 2171, 191 £.) 

Die Perkussionsintensität, die zum Schwellenwert führt, ist bei allen 
Individuen verschieden je nach der Dicke der dämpfenden Fett- und 
Muskelschicht. Um jedesmal den Schwellenwert zu ermitteln, d. h. die¬ 
jenige Perkussionsstärke, die gerade dann nicht mehr gehört wird, wenn 
die Herzkontur erreicht ist, empfiehlt M. vor der eigentlichen Herzperkussion 
sich erst über die notwendige Intensität dadurch zu orientieren, daß man 
im Gebiet sicherer Herzdämpfung so lange immer schwächer werdend 
perkutiert, bis man eben nichts mehr hört. Mit der so bei jedem Indi¬ 
viduum einzeln zu ermittelnden Perkussionsintensität wird dann die 
eigentliche Untersuchung der Herzgrenzen ausgeführt 

F. Weil (Beuthen). 

Hecht. Phonographische Kurven der Herztöne. (Demonstrat. in d. 
Gesellsch. f. inn. Med. u. Kinderhlkd. zu Wien.) (Berl. klin. Wochenschr. 
49, 2342. 1912.) 

• Bei Erwachsenen bilden über den venösen Ostien des Herzens die 
Töne einen Trochäus, über den arteriellen einen Jambus. H. konnte den 



176 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Befund Hochsingers bestätigen, daß bei Kindern bis zum dritten Lebens¬ 
jahr der trochäische Rhythmus über allen Ostien zu hören ist Er erklärt 
diese Differenz der kindlichen Herztöne gegenüber jenen der Erwachsenen 
dadurch, daß die 2 Herztöne beim Kinde von verschiedener Höhe sind, 
und daß der höhere Ton meist als der lautere empfunden wird. 

F. Weil (Beuthen). 

Kleissel, R. Die Verwendung der Recklinghansen’schen Gleichung 

S 

An =dS zur Bestimmung der relativen Größe des Sekundenvolumens und 

d P 

der relativen Inhahsznnabme. (Bert klin. Wochenschr. 49, 2083, 1912.) 

Mittels der angeführten Gleichung führt K. nicht nur eine Bestimmung 
der relativen Größe des Sekundenvolumens (S) aus, sondern auch eine 
Funktionsprüfung des gesamten Herz-Gefäßapparates. Einzelheiten der in 
4 Fortsetzungen erschienenen Arbeit müssen im Original nachgesehen 
werden. F. Weil (Beuthen). 


I. Thripii. 

Cushny, A. R., Marris, H. F. und Silberberg, M. D. Die 
therapeutische Wirkung der Digitalis. (Heart 4, 33, 1912.) 

1. Die Körper der Digitalisgruppe verlangsamen den Puls in einer 
gewissen Anzahl von Fällen mit Sinusrhythmus. In der Regel wird diese 
Verlangsamung durch Atropin aufgehoben; sie ist daher inhibitorisch. 
ln anderen Fällen bleibt jedoch die Verlangsamung und der Block durch 
Atropin unbeeinflußt; dann sind sie auf direkte Wirkung der Digitalis 
auf die Überleitungsfasern vom Sinusknoten auf die Vorhöfe und von 
den Vorhöfen auf die Ventrikel zurückzuführen. 

2. Bei Vorhofflimmern verlangsamen Digitalis und ihre Verwandten 
das Herz durch direkte Wirkung auf das Herz und nicht durch Reizung 
des Hemmungsmechanismus, denn Atropin stellt die ursprüngliche Schlag¬ 
zahl nicht wieder her. Die Reduktion der Schlagzahl ist durch eine 
direkte Herabsetzung der Leitfähigkeit oder der Reizbarkeit des Herzens 
durch Digitalis bedingt Doch wird vermutet, daß diese Funktionen in¬ 
direkt reduziert werden durch die verbesserte Ernährung des Herzens in¬ 
folge der vermehrten Kontraktionskraft Vorherige Injektion von Atropin 
beeinflußt nicht wesentlich die schnelle Herzaktion nach intravenöser In¬ 
jektion von Strophantin. 

3. Die Reizung der Hemmung durch Digitalis spielt daher keine 
Rolle bei der wohltuenden Wirkung der Droge, die einzig ihrer direkten 
Wirkung auf den Herzmuskel zuzuschreiben ist. 

J. G. Mönckeberg (Gießen). 

Plesch, j. (Berlin). Ober die Dauer der therapeutischen Wirkung 
von Thorium X. (Bert klin. Wochenschr. 49, 2305, 1912.) 

Aus der sonst nicht für dieses Zentralblatt in Betracht kommenden 
Arbeit sei nur die Mitteilung erwähnt, daß in einem Fall von Hypertonus 
arteriarum auf arteriosklerotischer Grundlage mit häufigen stenokardischen 
Anfällen durch die einmalige Injektion von 200 elektrostatischen Einheiten 
Thorium X ein dauernder niedrigerer Blutdruck und vollkommenes. Si- 
stieren der Anfälle erreicht wurde. F. Weil (Beuthen). 


Fflr die Redaktion verantwortlich: Professor Dr. J. O. Mönckeberg, Gießen, Wilhelmstraße 9. 
Verlag: Theodor Steinkopff Dresden u. Leipzig. Drnck: Fr. Titte! Nachf., Dresden, 





Zentralblatt 

für 

Herz-and (lelMrankhciteo 

Unter Mitarbeit tos 

Geh. Rat Prof. Dr. L. Ascaorr, Fretborf i. Br.; Sr. Exz. Geh. Rat Prot. Dr. Ca. BXumlrr, Freftmrg 
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Herausge geben tob 

Professor Dr. J. G. Mönckeberg, Gießen. 


Erscheint am 1. und 15. 

Dresden und Leipzig 

Preis halbjlhrlkh 

jedes Monats. 

Virlao von Theodor Stelniopff. 

M. 8.—. 


V. Jahrgang. 

15. April 1913. 

Nr. 8. 

Referate. 


L liruli ui pitkiligiscli Iiitiiii ui listiligii. 

Morison, A. Malformation of the heart, foramen primnm. (Mi߬ 
bildung des Herzens, Foramen primum.) (Proc. Roy. Soc. 6, Section f. st 
of disease of children 21, 1912.) 

5 Monate altes Kind mit Atemnot, Zeichen einer Bronchitis und 
einem systolischen Geräusch über der Herzbasis, keine Cyanose. Tod 
unter zunehmender Atemnot. Die Sektion ergab außer Zeichen einer 
Bronchopneumonie einen Defekt in der unteren Hälfte des Septum 
Atriorum, wie ihn Keith als foramen primum beschrieben hat und der 
mit dem offenen Foramen ovale nichts zu tun hat Keith hat 5 der¬ 
artige Fälle mitgeteilt (Lancet 2, 435, 1909.) 

S. Kreuzfuchs (Wien). 

Broadbent, Sir J. (London). Aneurysma der Aorta, Rnptnr indem rechten 
Vorhof, rezidivierender Pleuraerguß, nebst Bemerkungen Ober Aneurysmen 
der Aorta, die mit benachbarten Gefäßen kommunizieren. (Proc. roy. soc. 
6, med. Section 1.) 

40jähriger Mann, der zwischen die Puffer zweier Eisenbahnwagen 
geriet und bei dem sich ohne äußere Verletzung gleich darauf schwere 
Dyspnoe einstellte. Es entwickelte sich ein beträchtliches Ödem beider 
unteren Extremitäten und des Scrotums. Das Herz war stark nach rechts 
und etwas nach links verbreitert, es bestand ein systolisches und diasto¬ 
lisches Geräusch über der Aorta. Pleuritis dextra. Keine Cyanose des 
Gesichtes. Tod 6 Wochen nach dem Unfälle. Die Autopsie ergab: 
Rechter Vorhof beträchtlich dilatiert (faustgroße Höhle), rechter Ventrikel 









178 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


ebenfalls stark erweitert Valvula tricuspidalis für die Hand durchgängig. 
Mitral- und Aortenklappen normal. Hinter dem rechten hinteren Zipfel 
der Aorta fand sich knapp oberhalb der Klappe eine sackartige Erweiterung, 
die in den rechten Vorhof führte. Es hatte den Anschein, als hätte die 
sehr enge Kommunikationsöffnung während der Systole von der darunter¬ 
liegenden Klappe der Aorta geschlossen werden können, sodaß eine 
Kommunikation zwischen Aorta und rechtem Vorhof nur während der 
Diastole bestand. Im Anschlüsse an diesen Fall bespricht Broadbent 
die einschlägige Literatur. S. Kreuzfuchs (Wien). 

Tsiwidis, A. (Patholog. Institut, Berlin.) Ober drüsenihnliche 
Epithelbildungen bei Perikarditis. (Virchows Archiv 211, 1, 1913.) 

Bei 8 von 15 Fällen produktiver Perikarditis konnte Verf. drüsen¬ 
ähnliche Epithelbildungen unabhängig von dem Alter des betreffenden 
Individuums nachweiseri. (Sie fanden sich sowohl bei einem Säugling 
von 15 Tagen wie bei einem 58-jährigen Individuum.) Diese Epithel¬ 
neubildungen finden sich nur bei Fällen mit neugebildetem Bindegewebe 
(Granulationsgewebe und Narbengewebe). Man findet lückenähnliche 
Hohlräume der verschiedensten Gestalt, welche mit Epithelien ausgekleidet 
sind, die ebenfalls je nach Raumbedingung alle möglichen Formen, 
Plattenepithel ähnliche, kubische und langgestreckt zylindrische, annehmen 
können. Die Epithelien sind Abkömmlinge des normalen Deckepithels, 
weshalb sich die drüsenähnlichen Epithelbildungen auch nur nach aussen 
von der Grenzelastica finden. Doch entstehen die Epithelneubildungen 
nicht nur am Orte des etwa haftengebliebenen alten Epithels, sondern 
auch durch den Exsudatstrom fortgeschwemmte Epithelien können ent¬ 
fernt von ihrem normalen Platze zwischen Granulationsgewebe in noch 
nicht resorbierten Fibrinmassen erhalten bleiben und bei Resorption des 
Fibrins die entstehenden Lücken drüsenartig auskleiden. Diese beobach¬ 
teten Epithelneubildungen sind als regenerative Wucherungsprodukte in¬ 
folge Reizzustandes aufzufassen. W. Koch (Berlin). 

Vorpahl, Fr. (Patholog. Institut, Greifswald.) Ober Sinusthrombose 
und ihre Beziehung zu Gehirn- und Piablutungen. (Zieglers Beiträge 55, 
322, 1913.) 

Beschreibung von 3 Fällen von Sinusthrombose mit Blutungen im 
Gehirn und der Pia, bei denen die Thrombose nicht als marantisch ge¬ 
deutet und keine Entzündungserscheinungen bezw. Infektionskeime ge¬ 
funden werden konnten. Da die Piavenen z. T. Thromben älteren Stadi¬ 
ums als die Sinus zeigten und in einem Falle die Thrombose der Pia¬ 
venen nur einseitig gefunden wurde, glaubt Verfasser die Ursache der 
Sinusthrombose in diesen Fällen auf die Hämatome in der Pia und die 
Venenthrombose zurückführen zu können. W. Koch (Berlin). 


IL Pljsloluii ui ixjiriiutilli Patbiliqii 

Wiewiorowski, P. Das Verhalten der Venenklappen bei der 
experimentellen Umkehr des Blutstroms. (Dissertation Breslau 1912.) 

Über das Problem der Umkehr des Blutstromes und die Wieting- 
sche Operation hat Verfasser zusammen mit Coenen schon an anderer 
Stelle (Beitr. z. klin. Chir. 75) Mitteilung gemacht. In vorliegender Arbeit 



o 


REFERATE II 


179 


sieht er sich besonders durch Angaben von Bern heim (Annals of 
surgery, Febr. 1912) veranlaßt, weitere Mitteilungen über das Verhalten 
der Venenklappen bei retrograder Injektion der Venen bezw. bei der 
arteriovenösen Anastomose zu machen, seine früheren Versuche nachzu¬ 
prüfen und zu ergänzen. Bei diesen Untersuchungen stellt er sich drei 
Fragen: 1. Die Verteilung der Venenklappen in der Extre¬ 
mität? Antwort: in der für die arteriovenöse Anastomose bei angio- 
sklerotischer Gangrän größtenteils in Frage kommenden unteren Extremität 
ist diese Verteilung derart, daß im Hauptvenenstamm eine genügende 
Anzahl druckfester Venenklappen vorhanden ist, welche den rückläufig 
in die Vene eingeleiteten Blutstrom aufhalten können. In den Anastomosen 
fehlen die Klappen z. T. gänzlich oder sie liegen teilweise so, daß ein 
Abfluß durch dieselben nach anderen zentralwärts strömenden Venen¬ 
gebieten möglich ist. — Frage 2: Die Druckfestigkeit der Venen¬ 
klappen und ihr Verhalten bei retrograder Injektion? 
Antwort: Die Druckfestigkeit der Venenklappen ist eine sehr hohe, sodaß 
gegebenenfalls eine Venenklappe schon imstande ist, den rückläufigen 
Blutstrom aufzuhalten. In dem Falle, daß einige Klappen dennoch be¬ 
zwungen werden, bleiben noch Klappen genug übrig, um den rück¬ 
läufigen Blutstrom aufzuhalten und sein Ablaufen durch die Anastomosen 
zu bewirken oder mindestens zu befördern. — Frage 3: Das Ver¬ 
halten der Venenklappen bei der Umkehr des Blutstromes, 
d. h. bei Anlegung der arteriovenösen Anastomose am lebenden Organis¬ 
mus? Antwort: Die Venenklappen tragen nach Anlegung der arterio¬ 
venösen Anastomose wesentlich zur Thrombose bei. — Somit bilden die 
Venenklappen ein Haupthindernis für das Gelingen der experimentellen 
Umkehr des Blutstromes. Fritz Loeb (München). 

Loeb, O. Über experimentelle Arterienverfinderungen beim Kaninchen 
durch aliphatische Aldehyde. (Arch. f. exp. Path. u. Pharmakolog. 69,1912.) 

Die Versuche Loebs gehen von einer Angabe Kunkels aus, daß 
sich bei Arbeitern in Essigsäurefabriken infolge chronischer Aldehyd¬ 
wirkung neben Bindegewebswucherungen zwischen den Leberacinis 
Veränderungen an den Gefäßen zeigen, wobei die Intima häufig, die 
Adventitia immer verdickt sei. Es zeigte sich, daß bei einer bestimmten 
Kaninchenrasse (Hunde verhalten sich anders) gesetzmäßig nach Dar¬ 
reichung verschiedener aliphatischer Aldehyde per os oder subkutan mehr 
oder minder ausgedehnte herdförmige Veränderungen der Aorta auftraten, 
die in einzelnen Fällen in genügend langer Beobachtungszeit zu Aneurysmen¬ 
bildung führen konnte. Die mikroskopische Anatomie dieser Prozesse 
wird nicht näher beschrieben. Während die Veränderung bei verschie¬ 
denen aliphatischen Aldehyden regelmäßig eintrat (z. B. Formaldehyd, 
Azetaldehyd, Paraldehyd, Helmitol u. s. w.), fehlten sie bei Aldehyden der 
Benzolreihe, bei Alkoholen und Ketonen auch dann, wenn diese Gifte zu 
schwerer Kachexie geführt hatten. An der Entstehung der durch die 
alipathischen Aldehyde erzeugten Arterienveränderung sind Blutdruck¬ 
steigerung, Kachexie und interkurrente Infektionskrankheiten nicht beteiligt. 
Loeb weist zur Erklärung dieser Aldehydwirkung auf die stark redu¬ 
zierende Eigenschaft der wirksamen Körper hin und betont den in seinen 
Versuchen hervortretenden Zusammenhang zwischen chemischer Konstitution 
und Wirkung. Fleischhauer (Berlin). 



180 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


O 


Farmachidis, C. Ricerche sperimentali sulla genesi deU’aterona 
aortico e solle alterazioni del miocardio da esso dipendeoti. (Riforma 
medica No. 33, 1912.) 

Verf. hat untersucht, ob man durch eine lokale mechanische oder 
chemische Läsion der äußeren Tunica der Aorta ascendens einen entzünd¬ 
lichen Prozeß und somit histologische Alterationen der Aorta selbst her- 
vorrufen kann, und ob diese Läsionen einen Einfluß auf das Myokard 
haben. 

Er wendete bei seinen Versuchen Kaninchen an und benutzte als 
angreifende Substanz Zinkchlorid. 

Makroskopisch beobachtete er: mehr oder minder beträchtliche Ver¬ 
dickung der Aortenwand; Anwesenheit von leicht erhabenen weißlichen, 
und von verkalkten gelben Plaques; in einem Fall Bildung von harten 
emporragenden Schuppen, welche die ganze innere Fläche der Aorta asc 
bedeckten. 

Mikroskopisch beobachtete er: in einigen Präparaten Verdickung der 
Intima infolge von Infiltrierung und von Zellwucherungen; in anderen 
Zerfall mit Anwesenheit von Kalkplättchen; Kleinzelleninfiltrierung der 
Media und der Adventitia; Endarteriitis der Vasa vasorum; horizontale 
hypertrophische, dissoziierte, zerstückelte elastische Fasern. 

Am Myokard: Hypertrophie des linken Ventrikels, hämorrhagische 
Herde, Verfettungsherde. M. Sapegno (Turin). 

Torrini, G. Ricerche sull’endocardite da bacillo deH’inflaenza. 

(Annali Istituto Maragliano, No. 5—6, 1911.) 

Verf. untersuchte, ob, wenn man Tieren Influenzabazillen und ihre 
Toxine einimpft, endokarditische Läsionen auftreten; er wandte die Technik 
von Ribbert und Devenhi an (Nebennierenextrakt Bakterienkultur oder 
Toxine). 

Verf. glaubt behaupten zu können, daß der Influenzabazillus und 

seine Toxine eine elektive pathogene Wirkung auf die endokardiale Serosa 
besitzen, und daß es möglich ist, auf dem erwähnten Wege wahre und 
echte endokarditische Prozesse, so wie man sie in der Klinik beobachtet, 
herbeizuführen. M. Sapegno (Turin). 

Hering, H. E. (Prag). Ober die frequenzändernde Wirkung des 
Vagus, Muskarins und Nikotins auf die automatisch schlagenden Kammern 
des Säugetierherzens. (Wissenschaftl. Gesellsch. deutscher Arzte in Böhmen, 
11. Dez. 1912.) 

Die von Hering 1905 und seinem Schüler Rihl 1906 angegebene 
frequenzändernde Wirkung des Vagus auf die automatisch schlagenden 
Kammern des Säugetierherzens ist eine zweifellose, wenn auch geringere 
als auf die supraventrikulären Herzabschnitte. Analoge Wirkung von 
Muskarin und Vagusreizung. Hering durchschnitt beim Hund das 
His'sche Bündel und injizierte Muskarin. Resultat: Vorhofstillstand; die 
automatisch schlagenden Kammern schlagen noch seltener (z. B. um 
7,5 Schläge pro Minute seltener als vor Muskarin Wirkung). Die Frequenz¬ 
herabsetzung erweist sich also als etwas stärker als bei Vagusreizung, ist 
aber von derselben Größenordnung. Nikotininjektion nach Bündel- 
durchschneidung zeigte: Vorhofstillstand, Beschleunigung der automatisch 
schlagenden Kammern (z. B. um 25 Schläge pro Min. mehr als vor der 
Injektion) und außerdem schlagen die Kammern verstärkt. 



o 


REFERATE II 


181 


In den Kammern des Säugetierherzens werden die Vagusfasem nicht 
von Ganglienzellen unterbrochen. E. Stoerk (Wien). 

Loewi, O. Untersuchungen znr Physiologie und Pharmakologie des 
Herzvagus. I. Mitteilung: Über den Einfluß von Chloralhydrat auf den 
Erfolg der Vagus-Reizung. (Arch. f. experim. Path. u. Pharmakol. 5, 
70, 1912.) 

• Geringe Mengen Chloralhydrat versetzen das Kaninchen- und Frosch¬ 
herz in einen vorübergehenden Zustand, in dem es auf Vagus-Reiz mit 
einer stärkeren Hemmung reagiert als vor der Vergiftung; auch der 
Schwellenwert der eben wirksamen Vagus-Reizung sinkt Diese Steigerung 
der Vaguswirkung fällt in eine Periode geringer Pulsverlangsamung. 
Zur Erklärung wird angenommen, daß während der Minderproduktion 
von Herz-Reizen der Zahl nach auch eine Abnahme in der Intensität der 
Reizbildung stattfindet. An die Steigerung der Vaguswirkung unter 
Chloralhydrat schließt sich eine Abnahme an. Diese wird nicht durch 
Lähmung im Bereich des Vagussystems erklärt, sondern durch eine «Er¬ 
regung der Reizerzeugung" durch kleinste Chloraldosen. Kampher ver¬ 
ringert den Erfolg elektrischer Vagus-Reizung gleichfalls; denselben Ein¬ 
fluß hat es auf die Wirkung von Pilokarpin und Muskarin. Aus den 
Versuchen wird auf eine an der Vaguswirkung meßbare veränderliche 
Intensität der Reizbildung geschlossen, die in der spontanen Frequenz 
nicht zum Ausdruck zu kommen braucht Angeblich hat Herzhemmung 
durch Vagus-Reizung eine derartige Intensitätssteigerung in der Funktion 
der reizbildenden Apparate zur Folge, die es unmöglich macht, Vagus¬ 
stillstände beliebig lange zu unterhalten. 

II. Mitteilung: Über die Bedeutung des Kalziums für die Vagus- 
Wirkung. 

Die schon mehrfach gemachte Beobachtung, daß bei Kalkmangel eine 
Wirkung elektrischer Vagus-Reizung auf das Herz nicht mehr zustande 
kommt, wird bestätigt. Jedoch fand Loewi, daß bei sehr geringgradiger 
Calciumentziehung durch Oxalsäure eine Steigerung des Vagus-Reizerfolges 
eintritt. Muskarin- und Pilokarpinwirkung findet sich auch bei solchen 
Herzen, die sich infolge von Kalziumentziehung durch elektrische Vagus- 
Reizung nicht mehr beeinflussen lassen. 

III. Mitteilung: Vaguserregbarkeit und Vagusgifte. 

Es wird gezeigt, daß der Erfolg elektrischer Vagus-Reizung bei 
schwacher Muskarin- und Pilokarpinwirkung gesteigert, bei starker Ver¬ 
giftung verringert ist. In Versuchen, in denen die Giftwirkungen von 
Muskarin und Pilokarpin auf einander oder auf elektrische Vagus-Reizungen 
superponiert werden, findet Loewi eine Stütze der Ansicht, die Muskarin- 
und Pilokarpinwirkung auf das Herz durch Vagus-Reizung erklärt. 

K. Fleischhauer (Berlin). 

Gottlieb, R. und Ogawa, S. (Pharmakol. Institut Heidelberg). 
Über die Resorption von Digitoxin aus Digitalispräparaten und über ihre 
Beziehung zu Wirkung und Nebenwirkung derselben. (Münch, med. 
Wochenschr. 59, 2265 u. 2339, 1912.) 

Das Digitoxin, der wirksamste Bestandteil der Digitalis, wird nicht 
im Magen, sondern erst im Darm resorbiert Die Resorption erfolgt 
relativ langsam und ist im günstigsten Falle erst nach 5—6 Stunden voll¬ 
endet Bei Zuständen schwerer Zirkulationsstörung im Pfortaderkreislauf 
wird die Resorption noch weiter erschwert. 




182 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Aus dem Extractum Digitalis depuratum (Digipurat) wird das Digi¬ 
toxin bedeutend rascher resorbiert als aus dem Blätterpulver der Folia 
Digitalis titrata. Unter Digitoxin wird hier die Gesamtheit der in Chloro¬ 
form löslichen Digitalisglykoside verstanden. 

Übelkeit und Erbrechen, die wichtigsten Störungen bei innerlicher 
Digitalismedikation, können entstehen: 1. durch lokale Reizwirkung im 
Magen, meist schon innerhalb der ersten Stunde nach kurzdauernder 
Salivation eintretend, einhergehend bei nicht allzu toxischen Dosen mit 
geringen Allgemeinerscheinungen; 2. durch Resorption toxischer Gaben, 
nach langdauemder Salivation etwa 6—7 Stunden nach der Aufnahme des 
Mittels einsetzend und begleitet von deutlichen Allgemeinerscheinungen. 
Beides läßt sich durch geeignete Versuchsanordnung bei Katzen sehr gut 
auseinanderhalten. Gleichfalls läßt sich an Katzen nachweisen, daß das 
Digipurat die Magenschleimhaut deutlich weniger reizt, als die Blätter. 
Es ist leicht festzustellen, daß letztere Tatsache auf Substanzen zurück¬ 
zuführen ist, welche die therapeutisch wirksamen Bestandteile in den 
Blättern begleiten, dahingegen im Digipurat fehlen (Saponine). 

Die Digitalispräparate wirken im allgemeinen um so stärker magen¬ 
reizend, je länger ihre Verweildauer im Magen ist Die Verweildauer und 
Resorption waren am günstigsten nach Digipurat in Lösung, demnächst 
bei Digipurat in Suspension; der Pulvis fol. Digit titr. verhielt sich 
wesentlich ungünstiger; das Infus wird aus dem Darm fast so gut resor¬ 
biert, wie das Digipurat, verweilt aber lange im Magen und ruft am 
schnellsten Erbrechen hervor. 

Weitere interessante Einzelheiten sind im Original nachzusehen. 
(Teilweise wörtlich zitiert.) S. Schoenewald (Bad-Nauheim). 

Rohden, Fr. von (Ingweiler). Zur Blutzirkulation bei geschlossenem 
und offenem Thorax und deren Beeinflussung durch Über- und Unterdrück. 

(D. Arch. f. klin. Med. 109, 3. u. 4. H., 1913.) 

Mit der von Heß (D. Arch. f. klin. Med. 106, 1912) angegebenen 
Bestimmung der Durchblutungsgröße der lebenden Lunge ließ sich durch 
Blutgasanalyse folgendes feststellen: 1. Bei geschlossenem Thorax ist die 
Kapazität der Lungenkapillaren abhängig vom intrapulmonalen Druck. 
Bei Erhöhung findet eine schlechtere, bei Erniedrigung eine bessere 
Durchblutung statt. 

Die Verhältnisse in vivo entsprechen also prinzipiell durchaus den 
Befunden, die schon früher an herausgeschnittenen Lungen erhoben wurden. 

2. Bei offenem Thorax ist der Blähungseffekt des extrapulmonalen 
Unterdrucks größer als der des gleichen intrapulmonalen Überdrucks. 

3. Bei offenem Thorax findet bei intrapulmonalem Überdruck eine 

schlechtere Durchblutung der Lunge statt als bei gleich großem extra¬ 
pulmonalem Unterdrück. Damit ist am lebenden Organ der experimentelle 
Beweis erbracht für die physiologische Überlegenheit des Sauerbruch- 
schen Unterdruckverfahrens gegenüber dem Brauer’schen Überdruck¬ 
verfahren. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Holzbach, E. (Tübingen). Experimentell pharmakologische Studie 
zur Frage der Behandlung der peritonitischen Blutdrucksenkung, mit spezieller 
Berücksichtigung der die Kapillaren und kleinen Gefäße beeinflussenden Gifte: 
Arsen, Adrenalin, Baryt und Veronal. (Arch. f. exp. Path. u. Pharmakol. 
70, 1912.) 



o 


REFERATE 11 


183 


Bei der Entstehung der peritonitischen Kreislaufschwäche spielt die 
Lähmung der kleinen Gefäße und Kapillaren eine bestimmende Rolle. 
Eine ähnliche Veränderung dieser üefäßgebiete findet sich im Verlauf der 
Arsenvergiftung, die am Herzen zu einer diastolischen Erschlaffung führt. 
Holzbach zeigte an der Hand von Protokollen zunächst für den Frosch, 
daß beide Schädigungen durch Adrenalin »antagonistisch“ beeinflußt und 
überkompensiert werden können. Auffallend ist in den Versuchen am 
ganzen arsenvergifteten Frosch, daß nur die erste Adrenalininjektion 
wirksam ist; Kaninchen dagegen reagieren auch nach Arsen in der be¬ 
kannten Weise auf jede Adrenalininjektion mit einer neuen kurzdauernden 
Blutdrucksteigerung. 

Da das Veronal, ohne die Herztätigkeit primär zu schädigen, die 
kontraktilen Gewebselemente der Kapillaren direkt lähmt und auch die 
peritonitische Kreislaufschädigung angeblich ohne primäre Schwächung 
des Herzens entsteht, wiederholte H. seine Versuche auch am veronal- 
vergifteten Kaninchen. Auch hier wirkte Adrenalin blutdrucksteigernd, 
wenn auch weniger als Baryt. Aus einigen besonderen Versuchen am 
kurarisierten Tier zieht H. den Schluß, daß Adrenalin an der Gefäßwand 
peripher von den sympathischen Nervenendigungen angreift. In weiteren 
Versuchen mit experimenteller Peritonitis glaubt H. zeigen zu können, 
daß die Entstehung der Blutdrucksenkung lediglich auf eine toxische 
Lähmung der Kapillargefäßwände zurückzuführen ist, eine primäre Lähmung 
von Gefäßzentren wird abgelehnt Für die Therapie der peritonitischen 
Blutdrucksenkung werden hiernach peripher angreifende Mittel gefordert. 

K- Fleischhauer (Berlin). 

Roh de, E. (Heidelberg) und Ogawa, S. Gaswechsel and Tätigkeit 
des Herzens unter dem Einfluß von Giften und Nerven-Reizung. (Archiv 
f. exp. Path. u. Pharmakol. 69, 1912.) 

Nachdem E. Rohde in einer früheren Arbeit gezeigt hat, daß sich am 
isolierten spontan schlagenden Säugetierherzen bei isometrischer Zuckung 
ein Parallelismus zwischen Druckleistung und Os- Verbrauch nachweisen 
läßt, untersuchte er, ob sich beide Größen unter dem Einfluß verschiedener 
Herzgifte und Nerven-Reizung in entsprechender Weise verändern. Wäh¬ 
rend die Versuche mit Vagus- und Accelerans-Reizung nicht zu befriedi¬ 
genden Resultaten führten, ergaben sich für einzelne Gifte bestimmte Ver¬ 
änderungen. Adrenalin und Strophantin führen am normalen Herzen zu 
einer Steigerung des O2- Verbrauchs, der eine Zunahme der Druckleistung 
parallel geht. Während des systolischen Stillstands unter Strophantin 
findet noch ein erheblicher Sauerstoffverbrauch statt. Hierdurch wird die 
Auffassung gestützt, die in dem systolischen Stillstand einen aktiven 
Muskelvorgang sieht. Unter der Wirkung lähmender Gifte (Atropin, 
Chloralhydrat, Cyankali, Muskarin) und beim Absterben war die Fähigkeit 
des Herzens, chemische Energie in Spannungsenergie zu verwandeln, ver¬ 
ringert, sodaß die Tätigkeit stärker sank als der O2- Verbrauch. Die ein¬ 
zelnen Faktoren des Energiewechsels sind also nicht in einem notwendigen 
Verhältnis mit einander verknüpft. Während die Störung der Energie¬ 
wandlung bei der Chloralhydratvergiftung durch Adrenalin beseitigt wer¬ 
den konnte, rief eine Vermehrung der herabgesetzten Herzschläge durch 
direkte elektrische Muskel-Reizung keine Verbesserung der O2 -Ausnutzung 
hervor. Rohde führt diese Adrenalinwirkung auf Reizung der Accelerans- 
Endapparate zurück und zieht aus ihr den Schluß, daß sich der Einfluß 



184 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


des sympathischen Nervensystems nicht nur auf die Reizerzeugung, son¬ 
dern auf die gesamten energetischen Zellvorgänge erstreckt 

K. Fleischhauer (Berlin). 

Lewin, L. (Berlin). Calotropis procera, ein neues digitalisartig 
wirkendes Herzmittel. (Med. Kl. 6, 1913.) 

Es handelt sich um die Asclepiadea Calotropis procera, welche vor¬ 
wiegend in Afrika und Asien vorkommt und von den Einwohnern als 
Giftpflanze gekannt ist, deren milchiger Saft als schnell tötendes Gift 
bei Verbrechen verwandt wird. Bei der chemischen Untersuchung der 
Pflanze fand Verf., daß die Calotropismilch ein bei Warm- und Kalt¬ 
blütern digitalisartig wirkendes Naturprodukt ist, das in der einzig prak¬ 
tischen Form, nämlich des von Salzen, Harz und Eiweiß befreiten Serums, 
eine klinische Verwendung finden kann. Das jahrelang haltbare Mittel 
läßt sich innerlich und subkutan verwenden. 

Bei Fröschen erfolgt nach einer meist eintretenden vorübergehenden 
Zunahme der Herzschläge nach subkutaner Beibringung von durchschnitt¬ 
lich 0,1 g eine Verminderung. Die Füllung des Ventrikels nimmt immer 
mehr und mehr ab, während seine Arbeitsleistung zeitweilig wächst 
Peristaltische Bewegungen gehen dem systolischen Kontraktionsbeharren 
voran, das schließlich in einem systolischen Stillstand endet Die Vorhöfe 
füllen sich übermäßig mit Blut, dem das Eindringen in den Ventrikel 
gewehrt ist. Bei Kaninchen beginnt etwa 3—5 Minuten nach der sub¬ 
kutanen Beibringung von 0,3—0,7 der Milch die Atmungszahl zuzu¬ 
nehmen und die Koordination der Bewegung zu leiden; nach 6—15 Min. 
kommt es zu Atmungsstörungen; nach 30—40 Min. tritt der Tod unter 
Atmungskrämpfen ein. J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Holste, A. Systole and Diastole des Herzens unter dem Einfluß 
der Digitalis-Wirkung. (Arch. f. exp. Path. u. Pharmakol. 70, 1912.) 

Bei Applikation von Digitaliskörpern auf die Oberfläche des Herzens 
tritt statt des systolischen Stillstandes ein diastolischer ein. Zur Erklärung 
dieser Tatsache wurde angenommen, daß die äußeren Schichten des Herz¬ 
muskels anders auf Digitalis reagieren als die inneren. Weschenin da¬ 
gegen zog aus Versuchen, die eine Abhängigkeit der Form des Still¬ 
standes bei isolierten mit Digitalis-Ringer gespeisten Froschherzen von 
der Konzentration der Giftlösung zeigten, den Schluß, daß gleiche Gift¬ 
konzentration bei endo- und exokardialer Anwendung zu der gleichen 
Art des Stillstandes führt Holste zeigte nun in zahlreichen Versuchen, 
daß Ringer’sche Flüssigkeit in einer gewissen Zeit den Herzmuskel 
durchdringe und dann auch seine äußeren Schichten benetzt Ist die zur 
Vergiftung gewählte Giftkonzentration eine geringe, so ist genügend Zeit 
zu diesem Durchtreten der Giftlösung zu den äußern Muskelschichten 
vorhanden und es kann ein diastolischer Stillstand erfolgen. Wird jener 
Vorgang dagegen durch rasche Vergiftung mit starker Konzentration oder 
dadurch verhindert, daß statt Ringer eine Speisungsflüssigkeit mit größerer 
Viskosität angewandt wird, so bleibt die Wirkung des Strophantins auf 
die inneren Herzmuskelfasem beschränkt und es tritt ein gesetzmäßiger 
systolischer Stillstand ein. K. Fleischhauer (Berlin). 

Holste, A. Ober den Einfluß der Giftmenge und Giftkonzentration 
der Stoffe der Digitalingruppe auf die Wirkung am Froschherzen. (Arch. 
f. exp. Path. u. Pharmakol. 70, 1912.) 




REFERATE lila 


185 


In Versuchen am William’schen Apparat zeigte Holste für Stro¬ 
phantin den maßgebenden Einfluß der Konzentration des Giftes für seine 
Wirkung, im Gegensatz zu dem der absoluten Giftmenge. Wenn es auch 
nicht ausgeschlossen wird, daß das Herz im Verlauf der Vergiftung eine 
minimale Giftmenge aufnimmt, so besteht doch keine spezifische An¬ 
ziehung des Gifts von seiten des Herzens, also keine Speicherung. 

K. Fleischhauer (Berlin). 

Straub, W. (Freiburg i. Br.) Bemerkungen zu der Untersuchung 
von H. F. Grünwald: Znr Frage der Digitalisspeicherung im Herzen. 

(Arch. f. exp. Path. u. Pharmakol. 71. 1913.) 

In der erwähnten Arbeit kam Grünwald zu dem Resultat, daß die 
Digitaliswirkung nicht nur abhängig von der Giftkonzentration sondern 
auch von der absoluten Giftmenge sei, und daß die Vergiftung mit einer 
Speicherung des Giftes im Herzen einherginge. Beide Resultate setzte 
Grünwald in Gegensatz zu den von Straub (Biochem. Zs. 28, 1910) 
vertretenen Ansichten über den Chemismus der Strophantinwirkung. 
Straub weist jetzt zunächst darauf hin, daß seine Folgerungen nur auf 
Strophantin gezogen sind, während Grünwald mit Digitalin-Merk, einem 
Gemisch von unbekannter quantitativer Zusammensetzung arbeitete. Der 
Ausdruck »Speicherung“ wurde von beiden Autoren in verschiedenem 
Sinne gebraucht und von Grünwald mißverstanden. Einen minimalen 
»Verbrauch" von Gift fand Straub auch im Verlauf der Strophantin¬ 
vergiftungen, wenn er auch geringer war als bei Digitalinvergiftungen. Strau b 
schlägt vor, das Wort »Speicherung“ für den Vorgang zu reservieren, in 
dem, wie z. B. bei der Alkaloidvergiftung das Gift »bis auf ein theoretisch 
zu verlangendes, praktisch nicht mehr auffindbares Minimum in den 
Organen seiner Affinität aufgenommen wird“, sodaß bei bestehender Voll¬ 
wirkung das vergiftete Organ voll von Gift in einer praktisch giftfreien 
Umgebung ist K. Fleischhauer (Berlin). 


III. KliliL 

i) Im. 

Ri hl, J. (Prag). Ober anfallsweise auftretende regelmäßige Kammer- 
systolie ia Fällen von Irregulär» perpetuus. (Aus der propädeutischen Klinik 
der deutschen Universität in Prag.) (Zeitschr. f. exp. Path. u. Ther. 12, 
303, 1913.) 

Bei Patienten mit P. i. p. kann es zu tachykardischen Anfällen kommen, 
bei denen, wie aus gleichzeitig aufgenommenen Arterien- und Venenpuls¬ 
kurven hervorgeht, die Kammern trotz des weiteren Bestandes eines Vor¬ 
hofflimmerns ganz regelmäßig schlagen. 

Letztere Erscheinung weist darauf hin, daß die Kammer-Tachysystolie 
einer heterotopen Reizbildung ihre Entstehung verdankt 

Der Umstand, daß die Kammer-Tachysystolie plötzlich beginnt und 
aufhört, ferner daß sie durch Vagusdruck zum Verschwinden gebracht 
werden kann, macht es möglich, dieselbe auf das Auftreten heterotoper 
Ursprungsreize zu beziehen und mit einer Acceleransbewegung in Zu¬ 
sammenhang zu bringen; es handelt sich demnach um eine paroxysmale 
Kammer-Tachysystolie in Fällen von P. i. p. (Autoreferat) 



186 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


H e r i n g, H. E. (Prag). Zar Erklärung des Herzalternans. (Zugleich eine 
Kritik der einschlägigen Arbeiten von Leon und Henri Frdddricq.) 
(Zeitschr. f. exp. Path. u. Ther. 12, 325, 1913.) 

H. E Hering weist die Meinung von Henri Frdddricq, daß 
irgendwelche in Frdddricq's Mitteilung veröffentlichten Versuche zu 
Hering’s Anschauung über den Herzalternans nicht passen würden, zurück. 

Frdddricq’s Kurven zeigen nicht den von ihm angenommenen 
Unterschied zwischen der großen und kleinen Systole in dem Sinne, daß 
die große eine «contracture", die kleine eine »secousse simple" darstellt. 

Die Existenz eines Vorhofalternans wurde weder von Hering noch 
von seinen Schülern geleugnet; Hering hat vielmehr schon 1903 durch 
seinen Schüler Groß den Vorhofalternans beschreiben lassen. 

J. Rihl (Prag). 

Lingbeek, M. S. (Amheim). Mitralstenose, vollkommen anregel* 
mäßiger Puls. Vorhofflimmern. (Mitraaistenose, volkomen onregelmatige 
pols, „auricular fibrillatiort .) (Nederlandsch Tijdschrift voor Geneeskunde, 
2, 1818, 30. Nov. 1912.) 

Verf. glaubt, daß die Mitralstenose häufiger vorkommt, als man ge¬ 
wöhnlich denkt. Die Symptome ändern von einem Puls zum andern sehr. 
Wenn man sagt, daß gewöhnlich bei Mitralstenose Kurzatmigkeit nach 
jeder Anstrengung auftritt, so ist das nicht für alle Fälle wahr; einige 
Patienten können sogar vieles leisten. Die Krankheit kann Jahre dauern; 
oft schlägt der Puls plötzlich in die Pulsus irregularis perpetuus-Form 
über. Verf., welcher seine Abhandlung eher als eine allgemeine Über¬ 
sicht mit persönlichen Anschauungen geschrieben hat, gibt die verschie¬ 
denen Theorien an, welche den Irregularis perpetuus erklären wollten, bis 
zur Entdeckung des Vorkammerflimmerns. Digitalis ist die wirksamste 
Droge. Verf. will, daß man die Patienten auch während der Kompensations¬ 
periode mit kleinen, intermittierenden Digitalisgaben behandelt 

Wybauw (Brüssel-Spa). 

Siciliano, L. (Florenz). Bigeminismo cardiaco. (Riv. crit. di 
Clinica Medica No. 12, 1912.) 

Klinische Untersuchung und Besprechung eines Falles von regelmäßigem 
Bigeminismus, der sich infolge einfacher Kunstgriffe in einen alternierenden 
Rhythmus mit besonderen Periodizitätscharakteren umwandelte. 

Die vollständige Regelmäßigkeit der Bigeminie, die Leichtigkeit mit 
welcher auf den bigeminalen Rhythmus der alternierende folgte, die be¬ 
sonderen zeitlichen Beziehungen, die man zwischen den einzelnen Schlägen 
des einen und des anderen Rhythmus beobachten kann, legen dem Verf. 
die Annahme einer Entzweiung der automatischen Funktion der nervösen 
Zentren nahe: jeder der beiden Perioden soll eine vorwaltende Kontraktion 
einer der beiden Ventrikel entsprechen. Verf. neigt zur Annahme einer 
funktionellen Hemisystolie. M. Sapegno (Turin). 

Rdnon, L., Gdraudel et Thibaut, D. (Paris). Syndrome de 
Stokes-Adams mortel sans Idsion du coeur et du systdme nervenx. (Socidte 
Mddicale des Höpitaux de Paris, 17. Jan. 1913.) 

Klinisch bestand in diesem letalen Falle von Stokes-A|dams eine 
Bradykardie von 26 Schlägen mit Reihen epileptiformer Insulte, welche 
durch Herzpausen von 50 Sekunden hervorgerufen wurden; zwischen den 




□ 


REFERATE Ula 


187 


Pausen schlug das Herz 70 mal per Minute, um am Ende der Anfalls¬ 
reihe wieder auf 26 zurückzukommen. Während sechs Monaten trat 
wöchentlich ein Anfall ein, dann einer täglich, schließlich mehrere täglich. 
Patient erlag einem derselben. 

Anatomisch wurde das His’sche Bündel auf 1970 Serienschnitten, 
der Keith- und Flack'sche Knoten, die Gegend der Koronarvenen¬ 
mündung im rechten Vorhof, das subendokardiale Purkinje’sche Faser¬ 
bündel normal befunden, sowie auch die Medulla oblongata und der N. 
vagus. Graphische Aufzeichungen wurden nicht aufgenommen. Nichts 
desto weniger ist der Fall wichtig: es ergibt sich aus demselben, daß der 
Stokes-Adams'sche Komplex ohne Herz- und Gefäßläsionen auftreten 
und funktioneller Natur sein kann. Toxische, speziell digitalische Atrio¬ 
ventrikulardissoziation bestätigen diese Annahme. Die Verff. führen sechs 
ähnliche Fälle an. A. Blind (Paris). 

Rathery, F. et Lian (Paris). Du ponls lent permanent par brady- 
cardie totale. — Bradycardies nerveuses. — Pouls lent permanent par 
dissociation auriculo-ventriculaire d’origine nerveuse. (Societö Medicale des 
Höpitaux de Paris, 17. Jan. 1913.) 

Fünf Beobachtungen mit graphischen Aufzeichnungen und Elektro¬ 
kardiogrammen beweisen, daß langsamer, kongenitaler Puls von totaler 
Bradykardie abhängen kann. Diese Bradykardie ist meist wenig ausge¬ 
sprochen, 50, 40 oder 32 Schläge, welche nach Anstrengungen leicht an- 
steigen; Atropinprobe bleibt negativ. Die graphischen Aufzeichnungen 
sind normal, aber verlangsamt. Anfälle fehlen, doch haben die Patienten 
Neigung zu Ohnmächten oder zu Schwindel, worauf schon Gallavardin 
hingewiesen hat. Solche Fälle hängen also nicht von Atrio-Ventrikular- 
dissoziation ab, aber nur graphische Aufnahmen erlauben eine sichere 
Diagnose. Die totale Bradykardie beruht auf einer Schädigung oder auf 
funktioneller Störung des Vagus oder des Sinus. 

Eine andere Reihe von Beobachtungen erlauben eine nervöse per¬ 
manente Bradykardie aufzustellen, im Gegensatz zu Vaquez und Esmein, 
welche nur eine temporäre annahmen. Es bestehen andere Formen als 
die Bradykardie infolge von Herzpausen, namentlich solche infolge von 
Atrio-Ventrikulardissoziation und von totaler Bradykardie (Jellinek und 
Cooper, Hewlett, Laslett einerseits, Lian und Lyon-Caen, 
Danielopolu, Laslett andererseits). Manchmal kommt Mediastinitis in 
der Gegend der Herznervenplexus in Betracht (Mollard, Dumas und 
Rebattu): Verff. haben einen solchen Fall mit keuchhustenartigen An¬ 
fällen und radiographischer Mediastinitis um die Aorta beobachtet, in 
welchem Atropin den Puls von 45 auf 60 Schläge beschleunigte; auf¬ 
fallend ist, daß die Aufzeichnungen einen reinen Typus von Atrio-Ventrikular¬ 
dissoziation ergaben mit Luciani'sehen Perioden. A. Blind (Paris). 

Böttger, August (Univ.-Kinderklinik Berlin). Über Herzstörungen 
nach Scharlach. (Dissertation Berlin 1912.) 

Verf. beschreibt Fälle, welche die Möglichkeit des Entstehens eines 
Vitium cordis nach Scharlach völlig erweisen. Diese Möglichkeit ist 
sicher vorhanden und verdient größere Beachtung. 

Fritz Loeb (München). 

Tedeschi, E. (Genua). Perturbamenticircolatori provocati dal lavoro 
muscolare nei tubercolosi. (11 Ramazzini,, 1912, No. 4—5.) 




188 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEFTEN V. □ 


Die Muskelarbeit bringt bei zahlreichen Tuberkulosekranken latente 
Läsionen des Zirkulationssystems, wie eine Erschöpfbarkeit des Myokards 
und mit vasomotorischen Störungen zusammenhängende Anomalien des 
Gefäßtonus, zum Vorschein. M. Sapegno (Turin). 

Ferrannini, A. (Neapel). Element! extracardiaci del compenso nei 
via cardiaci. (Riv. veneta di Scienze Mediche 7, 1911.) 

Von den Modifizierungen, die im kardio-vasalen Apparat auf Herz¬ 
fehler folgen, stellen einige ein wahres und echtes Kompensum dar, 
während andere eine einfache Anpassung darstellen, welche verhängnisvoll 
sein kann. 

So stellen bei der Aorteninsuffizienz die erhöhte Kraft des Myokards 
des linken Ventrikels und die Hypertrophie und die Erweiterung dieses 
Herzteiles keine Kompensation, sondern eine Anpassung dar, weil sie die 
Störung der Bluthydraulik, welche in dem Abwechseln von starker aktiver 
Hyperämie und von systolischem Überdruck mit Ischämie und diasto¬ 
lischem Unterdrück besteht, verstärken. 

Dagegen neigt die gute Elastizität und Tonizität — kompensatorische 
Elemente — des Gefäßsystems dazu, die erwähnten Schwankungen zu 
beseitigen. In der Tat, in den schweren chronischen Fällen von Asystolie 
findet man bei der Autopsie ein unversehrtes Myokard und ganz schwere 
Veränderungen der peripheren Arterien. 

Um bei Kranken mit Aorteninsuffizienz den Gefäßzustand zu prüfen, 
wendet Verf. Paraganglin an: wenn die Gefäße auf diesen Stoff nicht 
reagieren, so ist die Prognose stets eine sehr ungünstige. 

Bei der absoluten Mitralinsuffizienz stellt ebenfalls die Hyperkinesis 
der Ventrikel, besonders des rechten, nicht eine Kompensation, sondern 
eine Anpassung dar; die Kompensation dieses Klappenfehlers wird hin¬ 
gegen von folgenden Faktoren abgegeben: muskuläre Integrität der Vv. 
suprahepaticae und der V. cava inf., Inkolumität der intrahepatischen Ge¬ 
fäße; Zwerchfell; gastrointestinale Peristaltik, Nierenfilter, normale Struktur 
des bronchopneumonalen Apparats u. s. w. 

Diese Elemente sind ebenfalls von Nutzen bei der Mitralstenose 
und der Aortenstenose; bei diesen Herzfehlern stellt die Hyperkinesis des 
linken Vorhofes resp. des linken Ventrikels zu gleicher Zeit eine Anpassung 
und eine Kompensation dar. 

In letzteren Fällen soll sich die Therapie an das Herz, in ersteren 
an die Gefäße wenden. M. Sapegno (Turin). 

Fukhiero, A. e Reverdito, H. Insufficienza delle valvole aortiche 
e sifilide. (II Morgagni 1, 1911.) 

In 56,2% der Fälle von Insuffizienz der Aortenklappen war die 
Wassermann’sche Reaktion positiv; in der Ätiologie dieser Affektion 
kommt somit der Lues der erste Platz zu. M. Sapegno (Turin). 

Gailavardin, Louis (Lyon). Bruit de dddoublement mitral et 
troisi&me bruit du coeur. (Arch. des Mal. du Coeur, Dez. 1912.) 

Nach Pezzi und Lutenbacher und nach Lian, deren Arbeiten 
über den Doppelton bei Mitralstenose hier referiert worden sind, bringt 
Gailavardin auch seine Auffassung dieses Symptoms, welches er schon 
1905 (Lyon Medical) studiert hatte. Schon damals hatte er den dritten 
Ton als einen neu auftretenden Ton (bruit surajoutö), der an der Mitral- 




REFERATE lila 


189 


klappe seine Entstehung nehme und von einem diastolischen Klappen der 
Segel herrührte, aufgefaßt. Seit Hirschfelder,A.G.Gibson,W. Einthoven 
Thayer an zahlreichen Herzen junger Leute einen dritten normalen Ton 
beschrieben haben, welcher leicht nach etwas körperlicher Anstrengung zu 
auskultieren ist, sieht L. Qallavardin den zweiten Teil des Doppeltones 
als eine Verstärkung dieses fast normalen dritten Herztones an. Man er¬ 
klärt den dritten Herzton folgendermaßen: sofort nach der diastolischen 
Erschlaffung der Ventrikelwand stürzt das Blut in die Herzkammer und 
schwellt die Mitralklappen, wie der Wind ein Segel; die rasche Spannung 
derselben oder vielleicht auch ein Aneinanderstoßen der Klappen verur¬ 
sacht einen Ton, welcher eben den dritten Ton darstellt Es ist leicht zu 
begreifen, daß bei anormaler Bildung der Mitralklappen, wie sie eben bei 
Stenose des Atrio-Ventrikular-Ostiums vorliegt, dieser Ton deutlicher und 
heftiger auftritt Diese Auslegung erklärt auch, weshalb der zeitliche Ab¬ 
stand der zwei Teile des Doppeltones nicht konstant bleibt und mit der 
Herzfrequenz ab- oder zunimmt: bei Tachykardie hat sich der Ventrikel 
weniger vollkommen entleert als bei Bradykardie: somit ist er beim Be¬ 
ginn der Diastole wieder schneller mit Blut angefüllt als bei langsamer 
Schlagfolge und vollkommener Entleerung und der zeitliche Abstand 
zwischen den zwei Tönen ist kürzer. Bei langsamem Pulsschlage ist das 
Umgekehrte der Fall. A. Blind (Paris). 

Hecht, A. F. Ober die physiologischen Herzschallverhältnisse im 
KindesaHer. (Vortrag, gehalten in der Sitzung der pädiatrischen Sektion 
der »Gesellsch. f. inn. Med. u. Kinderheilk. in Wien" am 31. Okt 1912; 
abgedruckt in den »Mitteilungen“ d. Gesellschaft 12, 2, 1913.) 

Hecht greift auf die Behauptung Hochsinger’s zurück, daß beim 
Kinde — im Gegensätze zum Erwachsenen — »der erste Herzton über 
den zweiten auch an der Basis überwiegt''. Nach Diskussion einschlägiger 
Literaturangaben demonstriert Verf. Kurven von simultanen Herzton¬ 
aufnahmen und Elektrokardiogrammen, die einer eingehenden Besprechung 
unterzogen werden. Der Verfasser resümiert: Es gelingt mittels der 
Edelmann’schen Saitengalvanometer-Registrierung die Herztöne, die 
Amplitudenverhältnisse des ersten zum zweiten Herztone an der Herzbasis 
festzustellen, während an der Herzspitze Verzerrungen des Klangbildes 
des ersten Tones diese Untersuchungsmethode unzuverlässig machen. 

Bei starken pulsatorischen Erschütterungen der ganzen Herzgegend 
ist diese Fehlerquelle auch an den arteriellen Ostien nicht auszuschließen. 

Die Amplitude des ersten Herztones ist im Säuglingsalter und frühen 
Kindesalter viel größer als die des zweiten, während im späteren Kindes¬ 
alter und gegen die Pubertät zu der zweite Herzton hinter dem ersten nur 
wenig zurücksteht, ihn manchmal erreicht oder auch gar nicht selten 
übertrifft. 

Hochsinger’s Behauptung, daß im frühen Kindesalter an der Basis 
des Herzens im Gegensatz zum späteren Leben ein trochäischer Rhythmus 
besteht, erhält.hierdurch eine objektive Stütze. Davon abweichende Be¬ 
obachtungen finden in der Beeinflussung der subjektiven Schallperzeption 
durch die Tonhöhe eine Erklärung. E. Stoerk (Wien). 

Kürt, L. Zar dorsalen Auskultation des Herzens und der Gefäße. 

(Wien. klin. Wsch. 3, 1913.) 




190 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Nach eingehender Würdigung der bisherigen Literatur, und Mitteilung 
eigener Beobachtungen, faßt der Autor seine Anschauungen etwa folgender¬ 
maßen zusammen: 

Bei Kindern meistens, bei Erwachsenen seltener, sind die Herztöne 
— links von der Wirbelsäule deutlicher — am Rücken (schon in der 
Norm) hörbar. Zweiter Ton akzentuiert Direkte Auskultation vorzuziehen. 

I. Herztöne: 

1. Akzentuation des ersten Tones in den unteren dorsalen Partien 
häufig bei: a) kachektischen, b) bei mäßiger Hypertrophie des linken 
Ventrikels, c) Mitralstenose. 

2. Der akzentuierte 2. Pulmonalton rechts, der akzentuierte 2. Aorten¬ 
ton etwas höher und links von der Wirbelsäule gewöhnlich hörbar. 

II. Klappengeräusche: 

1. Aortengeräusche am ausgesprochensten in der Höhe des 1. oder 
2. Brustdoms rechts und links von der Wirbelsäule, diastolische Geräusche 
seltener zu hören, am lautesten unter diesen: rauhe Aorteninsuffizienz¬ 
geräusche bei Mesaortitis luetica. 

2. Geräusche im Stromgebiete der Lungenarterien haben ihr 
punctum maximum über dem 4. Brustdorn. 

3. Mitralgeräusche: punctum maximum meist unterhalb des 
6. Brustdorns links von der Wirbelsäule. Bei stark erweitertem linkem 
Vorhof gelegentlich rechts unterhalb des 5. Brustdorns. 

Details und differentialdiagnostische Winke müssen im Original 
nachgelesen werden. E. Stoerk (Wien). 

Clarac et Pezzi (Paris). Pulsation sus-daviculaire d’origine 
cardio - pneumatique et arhythmie complexe. (Arch. des Mal. du Coeur, 
Dez. 1912.) 

In der Vaquez'schen Abteilung wurde im März 1911 und Juni 1912 
ein 57jähriger Patient mit Mitralinsuffizienz jeweils . während mehrerer 
Monate beobachtet. Zahlreiche graphische Aufzeichnungen und Elektro¬ 
kardiogramme geben der Arbeit einen Wert, welchen das Referat nur an¬ 
deuten, aber nicht abspiegeln kann. Es sei hervorgehoben: 1. Das Auf¬ 
treten eines negativen Phlebogramms, welche Erscheinung von der Druck¬ 
verminderung im Thorax während des Herzsystole abhängt 2. Das Be¬ 
stehen zweier rhythmogenetischer Zentren im Herzen, welche die Arhythmie 
1911 beherrschen, so zwar, daß bald der Impuls von der Mündung der 
Vena cava, bald vom Tawara’schen Knoten ausging. 3. Während des 
zweiten Spitalaufenthaltes war die Arhythmie anscheinend vollständig, doch 
kamen auch hier noch, bald sinusale, bald atrio-ventrikuläre Rhythmus¬ 
perioden vor, so daß die Arhythmie nicht als definitiv anzusehen ist 
Vorhofflimmern wurde durch Elektrokardiogramm schön nachgewiesen, 
doch wurden die Flimmerbewegungen hin und wieder durch eine legitime 
Vorhofkontraktion unterbrochen. A. Blind (Paris). 

Martinet, A. (Paris). Le Syndrome hyposphyxique. (Presse Medi- 
cale 105, 21. Dezember 1912.) 

Hyposphyxis {vno unter, atpv^ig Pulsation) ist durch einen relativ 
schwachen Puls und schwachen Herzimpuls charakterisiert, in Folge welcher 
Anstauung des Blutes in dem Venensystem zustande kommt Die Studien 



o 


REFERATE Illb 


191 


der arteriellen Kardiopathien haben zu einer vollständigen Vernachlässigung 
der venösen Hypertension, Plethora und Sklerose geführt. Bei Hyposphyxis 
findet man 1 .) arteriellen Unterdrück, sowohl als absoluten Wert, als auch 
als Differenzialdruck; 2.) Bluthyperviskosität, mindestens im Verhältnis zum 
arteriellen Druck. Dies ergibt sich am deutlichsten aus der Betrachtung 
des Verhältnisses von p: r, des Pulsdruckes zur Viskosität. Normalerweise 
ist dasselbe ungefähr 75 ; bei Hyposphyxis findet man bisweilen 1 oder 
weniger, sogar 0,33. — Klinisch ist der Radialispuls schwach; mit dem 
Polygraphen kommt er schlecht, im Gegensatz zu dem Jugularphlebo- 
gramm, das ausgezeichnet deutlich aufgezeichnet wird. Die Gesichtsfarbe 
ist rot, oftmals mit einem leichten zyanotischen Farbenton. Die Extremi¬ 
täten sind kühl, oft feucht und auch etwas zyanotisch; Kälte wird schwer 
ertragen und Schmerzhaft empfunden. Sehr häufig, in % der Fälle be¬ 
steht Leberstauung, oft mit Cholelithiasis verbunden; Hämorrhoiden und 
Varicen in allen Graden sind sehr gemein; Oligurie, Obesität, zum min¬ 
desten im Vergleich zur Muskulatur, vervollständigen das Bild. Die Aus¬ 
kultation gibt negative Befunde, außer bei Mitral- und Trikuspidalfehlern; 
hingegegen zeigt die Radiologie das von den deutschen Autoren als 
»Tropfenherz“ beschriebene Herz. Subjektiv klagen solche Patienten über 
leichte Ermüdbarkeit, Kopfschmerz, Lumbago, Rückenschmerzen, Waden¬ 
schmerz und andere Folgen der Venenplethora; dann über dyspeptische 
und nervöse Beschwerden, Herzklopfen, Angstgefühl. Beklemmung bis zur 
falschen Angina pectoris, Folgen der schlechten Durchblutung und des 
schwachen Herzimpulses. — Am deutlichsten tritt dieser Syndromen- 
komplex auf bei Mitralkranken, bei Tuberkulösen, bei chronischen Lungen¬ 
krankheiten wie Emphysem, bei Kyphose. Aber am häufigsten ist er bei 
jungen Frauen und Mädchen, welche sitzendes Leben führen, ihre Musku¬ 
latur nicht üben und kleine Herzen haben. Auch hereditär kommt 
Hyposphyxie oft zur Beobachtung. A. Blind (Paris). 

Brunton, SirLauder(London). Transitorybigeminalpulse. (Transi¬ 
torischer Pul8us bigeminus.) (British med. Journal 2703, 1016, 1912.) 

Fall von transitorischem Pulsus bigeminus bei einem 19jährigen 
Burschen mit Drüsenschwellung und Albuminurie, bei vollkommen ge¬ 
sundem Herzen. L. B. meint, daß es sich um eine partielle Interferenz 
zweier Rhythmen (muskulärer oder nervöser oder beider zugleich) handelt 
und zieht zum Vergleiche die Interferenz von Licht- und Schallwellen 
heran. S. Kreuzfuchs (Wien). 


Rein hold, R. (Städt Krankenhaus, Hannover.) Ober die luetische 
Erkrankung der Aorta. (Münch, med. Wochenschr. 59, 2289 und 2347, 
1912.) 

Der Zusammenhang zwischen der Lues und Aortenaffektionen ist 
seit Ambroise Par 6 und S£nac bekannt Seitdem die Doehle- 
Heller'sche spezifische Aortitis mit ihrem Sitz in der Media und Adven- 
titia von Chiari und Benda bestätigt wurde, Spirochätenbefunde in 
der Aorta und positive Wassermann'sehe Reaktion dann weiterhin als 
Beweismittel herangezogen werden konnten, gilt die syphilogene Natur 
eines großen Prozentsatzes der Aortenaneurysmen und Aorteninsuffizienzen 



192 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


für unbestritten. Dasselbe gilt für das gemeinsame Auftreten von Tabes 
und Aortenerkrankungen. Daneben ist es wohl sicher, dass die Lues auch 
zu frühzeitiger Entstehung der gewöhnlichen Arteriosklerose disponiert 

Auf Grund des klinischen Befundes sind die luetischen nicht von 
den übrigen Aortenerkrankungen zu trennen; für die syphilitische Ent¬ 
stehung sprechen jugendliches Alter, Fehlen allgemeiner Arteriosklerose, 
Neigung zur Erweiterung der Aorta, auch der Pulsus differens kommt 
besonders häufig der spezifischen Aortitis zu. 

Die Erkrankung tritt meist erst 6—41 Jahre nach der Infektion auf. 
Die Herzerkrankungen des sekundären Stadiums der Syphilis (Herzklopfen, 
Arhythmien, leichte Dilatationen) haben keinen nachweisbaren Zusammen¬ 
hang mit jenen Aortenerkrankungen. 

Die Erkrankung beginnt meist schleichend, selten akut Bezüglich 
der Diagnose ist an den Zusammenhang mit tabischen Symptomen zu 
denken. Im Endstadium der luetischen Aortenerkrankung treten nicht 
selten psychische Störungen auch ohne begleitende Paralyse auf. Häufig 
sind Komplikationen von Seiten der Nieren. 

Bei positivem Wassermann ist eine energische spezifische Therapie 
indiziert, namentlich bei jüngeren Individuen. Bei Nephritiden ist Hg 
vorsichtig anzuwenden. Im übrigen ist Jod, Quecksilber und trotz der 
anfänglichen Warnungen auch das Salvarsan zu geben. 

Die Prognose aller luetischen Aortenerkrankungen ist sehr dubiös. 

S. Schoenewald (Bad Nauheim). 

Gossage, A. (London). Coarctation of the aorta. (Atresie der Aorta.) 

(Proc. Roy. Soc. 6 , Clinical Section 1, 1912.) 

53 jährige Frau, die 13 mal geboren hat, vor 3 Jahren Hemiplegie, 
die nach kurzer Zeit zurückging. Am Rücken zahlreiche geschlängelte 
Arterien, einzelne geschlängelte Arterien in den Achselhöhlen und der 
Brust Herz etwas verbreitert. Radialpulse deutlich, Blutdruck 200—225. 
Femorales kaum fühlbar. Das Röntgenbild ergibt in der seitlichen Durch¬ 
leuchtung plötzliches Abbrechen des Aorten Schattens in der Höhe des 
3. Brustwirbels. G. nimmt eine angeborene Obliteration der Aorta des- 
cendens an. S. Kreuzfuchs (Wien). 


II. Iitkilik. 

Dessauer, Fr. (Frankfurt a. M.) und Küpferle, L. (Freiburg i. B.) 

Bewegungsaufnahmen des Herzens mit Röntgenstrahlen. (Münch, med. 
Wochenschr. 59, 2672, 1912.) 

Aufnahmen der Bewegung des Herzens während einer einzigen Herz¬ 
revolution in größerer Anzahl zu machen, erfordert zweierlei: Abkürzung 
der Expositionszeit, soweit, daß die Herzbewegung als Bewegungsvorgang 
auf der Platte nicht mehr sichtbar ist; sodann die Wechslung der photo¬ 
graphischen Platten. Die erstere Forderung gilt durch den Blitzinduktor 
mit Patron Unterbrechung gelöst Der letzteren wollen die Autoren durch 
ihre Plattenwechselmaschine näher kommen, welche 6 Aufnahmen in 1,2 
Sekunden gestatten. 

Eingehende Beschreibung des Apparates mit einer Aufnahmeserie. 

S. Schoenewald (Bad Nauheim). 



o 


REFERATE V 


193 


T. Tlinpii. 

Siebert, W. (Salzuflen). Herz aad Morphins. (Beihefte zur Med. 
Klinik 6, 1912.) 

ln der Arbeit ist die reichhaltige Literatur über diesen Gegenstand 
zusammengetragen und einer kritischen Würdigung unterzogen worden. 
Im allgemeinen kommt der Verf. zu dem Schluß, die Medikation dort 
zu empfehlen, wo neben Beseitigung schmerzhafter Sensationen ein Über¬ 
maß außerordentlicher resp. Muskelarbeit ausgeschaltet und somit die An¬ 
forderung an das Herz vermindert werden soll. Morphium wirkt aber 
bisweilen auch unmittelbar durch tatsächliche Besserung eines verzweifelten 
Zustandes und schließlich kann auch die Digitalis, die entweder bereits 
versagt hatte oder im Moment keine Wirkung zeigte, dadurch zur Geltung 
gebracht werden, daß zuvor eine Zeitlang Morphium, gleichsam als Vor¬ 
bereitung gegeben wird. 

In die Arbeit sind eingestreut vier Krankengeschichten aus dem 
Rumpel’schen Krankenmaterial in Hamburg, welche Fälle betreffen, in 
denen selbst bei Zuständen hochgradiger Herzinsuffizienz durch konse¬ 
quente Morphiumanwendung eine weitgehende, oft jahrelang anhaltende 
Besserung der Beschwerden erzielt wurde. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Mendelsohn, Martin (Berlin). Herzkrankheiten und Weingenuß. 
(Allg. Med. Centr.-Ztg. 42, 1912.) 

Verf. hält einen mäßigen Weingenuß zur psychischen Anregung bei 
Herzkranken unter Kontrolle des Arztes für unschädlich und empfiehlt 
dafür einen in Südfrankreich gekelterten Wein »St. Raphaels Wein“ als 
besonders zuträglich. Dieser Wein, der den Charakter eines Süd¬ 
weins hat, enthält reiche Mengen Tannin und Eisen und ca. 14% 
Alkohol, durch reine Traubengärung entstanden. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 

Pick, J. (Berlin). Die physikalische Behandlung des Lungen* 
emphysems und der Arteriosklerose. (Allg. Med. Centr.-Ztg. 32, 1912.) 

Das Emphysem sieht Verf. als Folge einer rein mechanischen Über¬ 
dehnung der Lungenalveolen durch gesteigerte Inspiration bei unvoll¬ 
ständiger Exspiration an. Die Schädigungen der Gefäßwände bei 
Arteriosklerose betrachtet er in der Hauptsache als eine Folge häufig 
wechselnder und über das normale Maß hinausgehender Schwankungen 
des Blutdrucks. Für beide Erkrankungen empfiehlt er eine sach¬ 
gemäße und regulierbare Unterdruckatmung, welche durch Beschleu¬ 
nigung des Lungenkreislaufes das rechte Herz und den Lungenkreis¬ 
lauf entlastet und beim Emphysem auch für eine vollständige exspira- 
torische Entleerung der Lungen sorgt 


J. Ruppert (Bad Salzuflen). 



194 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


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Für die Redaktion verantwortlich: Professor Dr. J. O. Mönckeberg, Gießen, Wilhelmstraße 9. 
Verlag: Theodor Steinkopff Dresden u. Leipzig. Druck: Fr. Tittel NachL, Dresden. 




Zentralblatt 

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M. 8.—. 


V. Jahrgang. 

1. Mal 1913. 

Nr. 9. 


(Aus dem pathologischen Institut der Universität Breslau und der 
inneren Abteilung des israelitischen Krankenhauses xu Breslau.) 

Die Beteiligung des Herzens an der 
Amyloiderkrankung. 

Von 

Privatdozent Dr. R. Stumpf (Breslau). 

Bei allgemeiner Amyloiderkrankung bleibt das Herz von dem Ent¬ 
artungsprozeß zwar nicht verschont, seine Beteiligung tritt aber gegenüber 
Leber, Milz, Nieren, Nebennieren und Darm in der Regel so sehr in den 
Hintergrund, daß man nur selten in der Lage sein dürfte, schon makro¬ 
skopisch die Diagnose auf Herzamyloid zu stellen. 

P. Hübschmann 1 ), der vor einigen Jahren eine Anzahl von Herzen 
in dieser Richtung untersuchte, konnte aber darauf hinweisen, daß bei 
allgemeiner Amyloiderkrankung fast immer durch die mikroskopische 
Untersuchung auch im Herzen Amyloid, zuweilen in beträchtlicher Menge, 
nachzuweisen ist. 

Er fand es über alle drei Wandschichten ausgebreitet, meint aber, 
daß der Prozeß im Myokard mit fleckweisen Herden, jedoch ohne Bevor¬ 
zugung einer bestimmten Stelle, seinen Anfang nähme. 

*) Anmerkung bei der Korrektur: Prof. Mönckeberg macht mich 
noch auf einen möglicher Weise hierhergehörigen Fall aufmerksam, den er in 
Lubarsch-Ostertags Ergebnissen, 14, 1910, ausführlich mitgeteilt hat 

J ) P. Hübschmann, Über Herzamyloid. (Virchow’s Archiv 187.) 











202 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Es kann nicht in Erstaunen setzen, daß die zwar beinahe regelmäßig 
vorhandene, aber doch immerhin geringgradige Infiltration des Blutgefäß- 
Bindege websapparates des Herzens in den von Hübschmann unter¬ 
suchten Fällen sich nicht im klinischen Bilde bemerkbar gemacht hat. 

Immerhin kommt es vor, daß bei allgemeiner, in gewöhnlicher Weise 
lokalisierter Amyloidose das Herz ganz besonders stark an der Erkrankung 
beteiligt ist. Virchow, Rokitansky, Hayem haben darüber berichtet 

Im Gegensatz zu der klinisch, wie pathologisch-anatomisch zumeist 
ganz in den Hintergrund tretenden Beteiligung des Herzens bei der all¬ 
gemeinen Amyloiderkrankung der gewöhnlichen Art stehen aber einige 
wenige Beobachtungen, bei welchen das Herz allein oder doch weit 
stärker als alle anderen Gebiete des Körpers von Amyloid durchsetzt 
war, bei denen dagegen Leber, Milz und Nieren frei davon waren. Es 
sind dies die in der neueren Literatur von Wild 2 ), Steinhaus 3 ), Beneke 
und Bönning 4 ) ausführlicher mitgeteilten Fälle, zu denen ein weiterer 
von mir sezierter hinzukommt, der in seinem makroskopischen und 
histologischen Bilde völlig mit den genannten übereinstimmt 5 ). 

Nicht immer war hier ein greifbares ätiologisches Moment für die 
Entstehung des Amyloids anzugeben. Ja, in einem Falle (Steinhaus) be¬ 
traf die Erkrankung einen bis dahin anscheinend völlig gesunden Mann, 
bei dem auch die Sektion keine der sonst bei allgemeiner Amyloidosis 
zu findenden Erkrankungen aufdecken konnte. Zweimal war chronischer 
Katarrh der Bronchien vorhanden, ln dem von mir beobachteten Falle 
fand sich aber eine ausgebreitete, offenbar ganz schleichende Tuberkulose 
des Peritoneums. 

Bei der geringen Zahl der Beobachtungen lassen sich natürlich 
irgendwelche verallgemeinernde Schlüsse nicht ziehen. Doch muß auf¬ 
fallen, daß bei sämtlichen Fällen außer dem Herzen gerade der Bauchfell¬ 
raum und der Magendarmkanal noch vorzugsweise mitergriffen waren. 

Wild gibt an, daß bei der 56jährigen Frau „das Bauchfell durch¬ 
gehend etwas verdickt und mit harten, durchscheinenden, tautropfen¬ 
ähnlichen, durchschnittlich hirsekorngroßen Amyloid - Knötchen besetzt 
gefunden wurde". Auch die Gefäße des Netzes waren hart und verdickt 
Amyloid war ferner im Magen, wie in der Darmwand in reichlicher 
Menge, besonders in der Submucosa, vorhanden. Außerdem fand er 
Blasenwand und Zunge verhärtet. Mikroskopisch wurde endlich noch in 
einigen Inguinaldrüsen und in der Lunge Amyloid nachgewiesen. 

Im Falle Steinhaus war die Magenwand in ihrer Muskelschicht 
um das Mehrfache verdickt und von homogener glasiger Beschaffenheit. 
In der Schleimhaut fand man, wie in derjenigen des Darmes, zahlreiche 
weißlich graue tuberkelähnliche Knötchen. 

Endlich führen Beneke und Bönning an, daß in ihrem Falle 
die Arterienwände der kleinen Schleimdrüsen des Magens amyloide Flecken 
enthielten. Über Peritoneum und Darm sind keine Angaben gemacht 

2 ) Wild, Beitrag zur Kenntnis der amyloiden und hyalinen Degeneration 
des Bindegewebes. (Zieglers Beiträge 1.) 

3) Steinhaus, ^ber eine seltene Form von Amyloid-und Hyalininfiltration • 
am Zirkulations- und Digestionsapparat. (Zeitschr. f. klinische Medizin 4A.) 

4 ) Beneke und Bönning, Ein Fall von lokaler Amyloiderkrankung des 
Herzens. (Zieglers Beiträge 44.) 

5 ) Ich verdanke die Möglichkeit, den Fall näher zu untersuchen, Herrn Ge¬ 
heimrat Sandberg, Vorstand der inneren Abteilung des israelitischen Kranken¬ 
hauses, in welchem die Patientin Aufnahme gefunden hatte. 



ORIGINALE 


203 


« 

Wie schon erwähnt, bestand bei meiner Beobachtung im Peritoneum 
neben einer schweren Amyloidosis des Bindegewebes noch eine tuberkulöse 
Erkrankung, so daß ich nicht anstehe, sie als ätiologischen Faktor heran¬ 
zuziehen. Außerdem war die ganze Lunge von Amyloid durchsetzt. Das 
Herz ist somit nirgends ausschließlich befallen gewesen. Um so be¬ 
merkenswerter ist, daß Leber, Milz und Nieren immer frei von Amyloid 
waren. 

Diese Tatsache hebt die Beobachtungen als etwas Besonderes und 
wohl nicht Zufälliges aus dem sonstigen Bilde der allgemeinen Amyloid¬ 
erkrankung heraus. 

Es möchte sich empfehlen, darauf zu achten, ob das Herz bei all¬ 
gemeiner Amyloidosis in Folge von Magen-Darmerkrankungen auch sonst 
eine besonders starke, relativ vermehrte Mitbeteiligung aufweist. 

Sehen wir nun zunächst einmal zu, welche klinischen Erscheinungen 
die Durchsetzung des Herzmuskels mit amyloiden Massen verursacht hat. 

Da die Muskelfasern in großen Gebieten fast ganz zugrunde 
gehen, kann eigentlich eine Beeinträchtigung der Herztätigkeit kaum aus- 
bleiben. Aber es ist in hohem Maße erstaunlich, wie lange die stark 
reduzierte Muskulatur noch im Stande ist, die zur dauernden Arbeit not¬ 
wendige Kraft aufzubringen, trotzdem wir bei der mikroskopischen Unter¬ 
suchung in manchen Gesichtsfeldern nur noch wenige erhaltene Muskel¬ 
fasern nachweisen können. 

In Wild’s Fall bestand Herzschwäche und Lungenemphysem; das 
Herz des von Steinhaus beobachteten Mannes war perkutorisch etwas 
vergrößert, ln meinem Falle wurde die 47jährige Frau sterbend unter 
den Erscheinungen der Herzschwäche eingeliefert. 

Vergleichen wir damit den autoptischen Befund, so sehen wir, daß 
dreimal eine Vergrößerung des Herzens festgestellt wurde. 

Beneke-Bönning berichten, daß das Organ in allen Teilen etwas 
hypertrophisch war. Das Herz des obengenannten Mannes (Fall Stein¬ 
haus) war stark vergrößert. 

Das nämliche gilt von meinem Falle. Hier wog das Herz der 
mittelgroßen Frau 480 Gramm. 

Ist die Vergrößerung des Organes lediglich durch die erheblichen 
Mengen von Amyloidsubstanz zu erklären, welche alle Teile durchsetzen, 
oder ist anzunehmen, daß sich die Infiltration in dem durch anderweitige 
Umstände vergrößerten Herzen eingestellt hat? 

In keiner der Beobachtungen ist eine solche Ursache angegeben. Sie 
fehlt auch in meinem Falle, bei dem ich nicht daran zweifle, daß es nichts 
anderes als die große Amyloid-Menge ist, welche die bedeutende Zunahme 
des Herzvolumens in seinen sämtlichen Abschnitten herbeigeführt hat. 
Die allerdings sehr hochgradige Verminderung der Muskelsubstanz wird 
eben überreichlich durch die Einlagerung der Amyloidmassen kompensiert. 

Das makroskopische Bild der Erkrankung ist ein höchst charakte¬ 
ristisches. 

Das viszerale Blatt des Herzbeutels ist in der Regel verdickt und 
von zahlreichen, kleinen Knötchen besetzt, die vorzugsweise dem Verlauf 
der größeren Gefäße folgen, und in reicher Ausbreitung auch auf den 
Vorhöfen lokalisiert sein können. Sie sind glasig durchscheinend oder 
weißlich grau. Steinhaus vergleicht sie mit kleinen Tuberkeln, denen 
sie in der Tat sehr ähnlich sehen. 

Die Vorhöfe, wie die Ventrikel sind auffallend starr und unnachgiebig. 



204 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


O 


Die Herzmuskulatur selbst besitzt eine blaß-braune oder gelblich¬ 
graue Farbe und wird auf das dichteste von glasigen Streifen und kleinsten 
Knötchen durchsetzt, die schon makroskopisch durch Peri- und Endokard 
durchschimmern. 

Ein überraschendes Bild bietet die Innenwand des Herzens dar. 
Das Endokard ist mit außerordentlich dicht stehenden, kleinen glasigen 
Knötchen übersät, die in besonders hochgradigen Fällen alle Wandteile 
gleichermaßen überziehen. Es sieht aus, als habe man die Flächen mit 
feinkörnigem Sand bestreut 

Die Klappen können bis zu ihrem freien Rande gleichfalls von 
kleinsten Knötchen bedeckt sein, wenn auch hier deren Zahl meist eine 
etwas geringere zu sein pflegt. 

In meinem Falle waren besonders die Semilunarklappen betroffen; 
ein anderes Mal sind die Atrioventrikularklappen bevorzugt Auch die 
in das Herz einmündenden und aus ihm hervorgehenden Gefäße können 
an der Veränderung teilnehmen. Die Intima ist in solchem Falle, wie 
das Endokard, übersät von jenen Knötchen. Nach der Peripherie zu wird 
die Beteiligung der Gefäße, wie es scheint, in der Regel allmählich eine 
geringere. Die Amyloidinfiltration kann sich aber bis in die Lebervenen 
erstrecken. Bemerkenswert ist ferner, daß die Lungen zuweilen in hoch¬ 
gradigem Maße an der Erkrankung teilnehmen. 

Das mikroskopische Bild ist das bei hochgradiger Amyloidosis übliche. 

Im Perikard sind vorzugsweise die tieferen Schichten schollig oder 
mehr diffus infiltriert Jene oben erwähnten zahlreichen, oft dem Gefä߬ 
verlauf folgenden Knötchen gaben in meinem Falle überall scharfe Amyloid¬ 
reaktion. 

Im Herzmuskel trifft man, wie oben erwähnt, vielfach Stellen, an 
welchen das Gesichtsfeld fast ganz von Amyloidmassen eingenommen 
wird, zwischen denen nur noch einzelne durch Druckatrophie schwer 
geschädigte Muskelfasern liegen. Die Muskulatur selbst nimmt soweit 
ich sehe, an der Amyloidinfiltration nicht teil, wie ich entgegen Beneke 
und Bönning ausdrücklich hervorheben möchte. Diese Autoren be¬ 
richten von diffuser Infiltration der Muskelfasern mit Amyloid, das die 
Fibrillen von einander isoliert. 

Eine solche Beteiligung des Herzmuskels in Gestalt einer amyloiden 
»Umwandlung der Plasmasubstanz“ wäre sicher etwas ganz Ungewöhnliches, 
da weder die quergestreifte, noch die glatte Muskulatur amyloid zu ent¬ 
arten pflegen. 

Man sieht allerdings da und dort bei Methylviolettfärbung an Längs¬ 
schnitten einen rötlichen Schimmer des Protoplasmas, der aber an Quer¬ 
schnitten niemals zu bemerken ist und ich bin der Ansicht, daß hier ein 
Durchscheinen einer unterliegenden, im Bindegewebe gelegenen Amyloid¬ 
infiltration vorliegt; wir können wohl an dem durch zahlreiche Unter¬ 
suchungen bestätigten Ergebnis festhalten, daß sich die Amyloidmassen nur 
um die Muskelfasern herumlegen und sie zur Atrophie bringen, ohne daß 
diese selbst von ihnen durchsetzt würden. 

Das Amyloid lagert sich vielmehr im intermuskulären Bindegewebe 
ab, wobei die Entartung an der Grenze von Perimysium intemum und 
Muskelfaser beginnt, um von hier allmählich nach außen an Masse zu¬ 
zunehmen, wie dies schon früher von Eberth dargelegt worden ist 

Wich mann hat mit Nachdruck die Ansicht vertreten, daß sich die 
Amyloidsubstanz ausschließlich interfibrillär ablagere, und daß niemals 




ORIGINALE 


205 


bewiesen sei, daß die Infiltration auch in den Bindegewebsfasern selbst 
erfolge. Er glaubt diese Auffassung gerade am Amyloid des Herzens be¬ 
weisen zu können. 

M. B. Schmidt hat ihm in seinem Referat auf der Versammlung 
der pathologischen Gesellschaft 1904 schon widersprochen. 

Auch Hübschmann teilt seinen Standpunkt nicht. Ich selbst möchte 
diesen beiden durchaus beipflichten. Gerade bei der Amyloidinfiltration 
im Bindegewebe des Herzens hat man sehr gut Gelegenheit, festzustellen, 
daß einzelne, bis dahin dünne und zarte Fasern sich plötzlich verdicken 
und mit Methylviolett die rote Färbung annehmen. Was das Verhalten 
der Herzmuskelfasern anlangt, so sieht man als Folgen der Ernährungs¬ 
schädigung stärkere braune Pigmentierung oder ausgedehnte vakuoläre 
Degeneration des Protoplasmas. 

Neben dem Bindegewebe sind auch die Blutgefäße von amyloiden 
Massen durchsetzt; doch scheinen die Kapillaren weniger beteiligt zu sein. 

M. B. Schmidt beschrieb in den Herzklappen mit Amyloid ausge¬ 
füllte, anastomosierende und verzweigte Netze, die er als Lymphgefäße 
anspricht. Ich habe an diesen Stellen vergeblich nach solchen Bildern 
Ausschau gehalten; nur in den Alveolarsepten der Lungen sah ich einige 
Male neben den Blutkapillaren einen mit diesen parallel laufenden Raum, 
der einige freie Zellen, darunter auch Staubzellen, enthielt und wohl als 
Lymphbahn aufzufassen ist, in dem ein dicker Amyloidstrang lag. 

Der durch solche Beobachtungen erbrachte Nachweis, daß sich bei 
allgemeiner Amyloidose diese Substanz im Innern von Lymphgefäßen 
wahrnehmen läßt, erinnert an die Mitteilung M. B. Schmidt’s, der auch 
bei lokalen Amyloidgeschwülsten das Amyloid in kleinen Lymphbahnen 
auffinden konnte. 

Die erwähnten kleinen Knötchen, welche dem Endokard, wie der 
Intima der großen Gefäße ein so eigenartiges Aussehen verleihen, bestehen 
aus scholligen Ablagerungen amyloider Substanz, die dicht unter dem 
Endothel liegen, das sie nach innen vorwölben. In den großen Gefäßen, 
besonders im Anfangsteil der Pulmonalis findet man außerdem noch eine 
diffuse Amyloidose der gesamten Gefäßwand, während in den kleinen Ge¬ 
fäßen nur die knötchenförmige Ablagerung nachzuweisen ist. 

Erwähnt sei endlich noch, daß in den von Wild und Steinhaus 
mitgeteilten Beobachtungen nicht alles, was makroskopisch glasig durch¬ 
scheinend aussah, die Amyloidreaktion gezeigt hat, sondern als Hyalin 
anzusprechen war. 

Ob hier zuerst hyaline Entartung Vorgelegen hat, der die amyloide 
Infiltration nachgefolgt ist, oder ob das Amyloid an manchen Stellen seine 
Reaktion verloren hat, sodaß es als Hyalin erscheint, ist nicht zu entscheiden, 
wie die Frage des Verhältnisses beider Prozesse zu einander ja überhaupt 
noch ungelöst ist. 

Alle diese Fälle von vorwiegender Erkrankung des Herzens gehören 
in die Gruppe der atypischen Lokalisation des Amyloids, die M. B. Schmidt 
als ungewöhnliche Anfänge einer allgemeinen Amyloiderkrankung bezeichnet. 

Worauf die Bevorzugung des Herzens und der Anfangsteile der 
großen Gefäße beruht, ist in allen Beobachtungen dunkel geblieben. 

Es lassen sich in dieser Hinsicht auch aus der Reihenfolge der 
Wandererkrankung keine weiteren Schlüsse ziehen. 

Kyber,®) der die histologischen Verhältnisse der Amyloidinfiltration 
*) Kyber, Untersuchungen über die amyloide Degeneration. (Dorpat 1871.) 



206 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


im Herzen und den großen Gefäßen genauer untersucht hat, gibt an, daß 
zuerst das Endokard der Vorhöfe betroffen wird, dann folgen die beiden 
Ventrikel, von denen wieder der rechte stärker ergriffen sei. 

Diese Angabe läßt sich dahin ergänzen, daß in der Regel der linke 
Vorhof stärker erkrankt ist als der rechte, während der Ventrikel die 
geringste Beteiligung zu zeigen pflegt. 

Von Hübschmann ist die Möglichkeit einer Schädigung der Reiz¬ 
leitung durch die Amyloidinfiltration in Erwägung gezogen worden. 

Bei der hochgradigen, alle Teile betreffenden Durchsetzung des 
ganzen Herzens in meinem Falle kann von vornherein angenommen 
werden, daß auch das Bindegewebe in der Umgebung des spezifischen 
Fasersystems von der Erkrankung mitbetroffen ist 

Ich war wegen der erforderlichen, möglichst vollständigen Erhaltung 
des Präparates nicht in der Lage die Knoten zu untersuchen, mußte mich 
vielmehr darauf beschränken, eine Stelle aus der oberen Wand des Septums 
zu entnehmen, in der auf das Vorhandensein von Bündelfasem gerechnet 
werden konnte. 

Wie zu erwarten war, fand sich hier das Bindegewebe völlig von 
Amyloid durchsetzt Subendokardial sieht man dazwischen einige Gruppen 
atrophischer, von Amyloid umgebener Muskelfasern, die dem Reizleitungs¬ 
system angehören dürften. 

Es ist möglich, daß die so bewirkte Atrophie der spezifischen Fasern 
schädlich auf die Tätigkeit des Herzens einwirkt Doch wird man die 
eintretende Herzschwäche mit dem gleichen Rechte auch auf den schlechten 
Zustand der übrigen Herzmuskulatur zurückführen können. 


(Aus dem Institut für allgem. u. exper. Pathologie in Wien) 

Zur Diagnose der einseitigen 
Blockierung der Reizleitung in den 
Tawara’schen Schenkeln. 

Von 

C. J. Rothberger und H. Winterberg. 

Bei der Redaktion eingegangen am 13. März 1913. 

Als seinerzeit der eine von uns mit Eppinger 1 ) Versuche über die 
Folgen der Durchschneidung der Tawara'schen Schenkel des Reizleitungs¬ 
systems ausführte, wurde nur die Ableitung Anus-Oesophagus angewendet; 
dies schien auch hinreichend zu sein, da nach einseitiger Durchschneidung 
ungemein augenfällige Veränderungen des E.-K. auftraten. Aber schon 
kurze Zeit nach der Publikation der erwähnten Arbeit wies Kahn 2 ) darauf 
hin, daß zur Diagnose der einseitigen Leitungsunterbrechung beim Men¬ 
schen die Kenntnis der bei einer Ableitung auftretenden Veränderungen 
ungenügend erscheine und in neuerer Zeit hat sich auch H. E. Heri ng 8 ) in 
ähnlicher Weise geäußert. 

>) Eppinger und Rothberger, Zeitschr. f. klin. Med. 70, 1, 1910. 

*) Kahn, briefliche Mitteilung. 

3 ) Hering, Deutsche med. Woch. 46, 1912. 



a) Abi. I b) Anus-Oesophagus 


Nach Durchsch n dTawara’schen Schenkels. 



C ) Abi. 1 ! d) Anus-Oesophagus 


RörHBERGER. C. J. und WJNIDOR STEIN KOPEF, DRESDEN und LEIPZIG. 

Reuleitung in de t 







o 


originale 


207 


Eigene Erfahrungen am Menschen hatten uns gezeigt, daß man bei 
Aorteninsuffizienz bei Abi. III nicht selten Kammerelektrogramme sieht, 
welche einer linksseitigen Extrasystole sehr ähnlich sind, was einer Leitungs¬ 
unterbrechung im rechten Schenkel entsprechen würde. Ein derartiger 
Zusammenhang erschien uns nun immer sehr unwahrscheinlich, da nicht 
einzusehen war, wie ein Aortenfehler gerade zu einer Schädigung des 
rechten Schenkels führen sollte; zudem zeigte Abi. I meist gerade um¬ 
gekehrt Kammerelektrogramme vom Typus der rechtsseitigen Extrasystolen, 
was uns wieder zur Diagnose der rechtsseitigen Blockierung nicht zu 
passen schien. 

Wir hatten daher die Ergänzung der früheren Durchschneidungs¬ 
versuche längst in unser Programm aufgenommen, haben aber erst jetzt, 
im Zusammenhänge mit Versuchen über die Lokalisation des Ausgangs¬ 
punktes ventrikulärer Extrasystolen die uns nach dieser Richtung not¬ 
wendig erscheinenden Experimente vorgenommen und wollen nun kurz 
über die Ergebnisse berichten. 

Die Operation wurde wieder an narkotisierten Hunden ausgeführt 
und die für Abi. I und Anus-Oesophagus bestimmten Elektroden mit der 
Po h Eschen Wippe verbunden; dadurch war — bei Einschaltung eines 
Kondensators — ein unmittelbarer Übergang von einer Ableitung zur 
andern ermöglicht. 

Zunächst sei betont, daß auch in unseren jetzigen Versuchen der 
von Eppinger und Rothberger aufgefundene Zusammenhang zwischen 
der typischen Veränderung des E.-K. und der Leitungsunterbrechung in 
einem Tawara’schen Schenkel ausnahmslos bestätigt wurde. Außerdem 
hat sich gezeigt, daß nach einseitiger Durchschneidung die Ver¬ 
änderungen in der Form des E.-K. sowohl bei Abi. I wie bei 
Ableitung Anus-Oesophagus immer gleichsinnig erfolgen, so 
daß nach Durchschnei düng des rechten Schenkels das E.-K. bei beiden 
Ableitungen die Form der linksseitigen Extrasystole annimmt und um¬ 
gekehrt 4 ) 

Wir führen die folgenden Versuche als Beispiele an und bemerken, 
daß die Autopsie die Tatsache der vollständigen Durchschneidung zweifel¬ 
los sichergestellt hat 

Fig. 1 zeigt die Folgen der Durchschneidung des rechten Tawara- 
schenkels, nach welcher das E.-K. bei Abi. I und bei Abi. Anus-Oeso¬ 
phagus den Typus der linksseitigen Extrasystolen annimmt. Die Ver¬ 
größerung der bei Abi. I nach der Durchschneidung gewonnenen Aus¬ 
schläge beruht darauf, daß wir die Empfindlichkeit des Galvanometers 
erhöhten. 

Fig. 2. zeigt die Folgen der Durchschneidung des linken Tawara- 
schenkels, nach welcher das E.-K- bei beiden Ableitungen den Typus der 
rechtsseitigen Extrasystolen annimmt. Eines besonderen Kommentars be¬ 
darf diese Figur wohl nicht 

Nachdem Kontrollversuche uns gezeigt haben, daß Abi. III dieselben 
Resultate gibt wie Ableitung von Anus und Oesophagus, können wir so¬ 
mit betonen, daß nur dann die Diagnose der einseitigen 

4 ) Dies gilt jedoch nach unseren bisherigen Erfahrungen nur für die voll¬ 
ständige einseitige Leitungsunterbrechung. Nach Durchschneidung einzelner 
Zweige, z. B. des linken Schenkels scheinen bei Abi. I und Anus-Oesophagus 
auch gegensinnige Veränderungen vorzukommen. Diesbezüglich sind weitere 
Versuche im Gange. 



208 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Blockierung der Reizleitung beim Menschen gestellt werden 
darf, wenn Abi. I und Abi. 111 gleichsinnige atypische Kammer- 
elektrogramme zeigen. Dadurch wird die Differentialdiagnose gegen¬ 
über einer großen Reihe von Fällen ermöglicht, in welchen bei Berück¬ 
sichtigung nur einer Ableitung ähnliche Bilder gewonnen werden; ins¬ 
besondere kommen hier Fälle mit ausgesprochener Hypertrophie einer 
Kammer in Betracht. 


Referate. 

I. loraali ui patkologiscfefi iiatiiii ui listiligii 

Letulle (Paris). Myocardite syphilitique. (Soci£t6 Anatomique, 
7. Febr. 1913.) 

Bei der Sektion einer alten Frau mit chronischer Nephritis fand 
Letulle im hypertrophischen Herzen entzündlich-fibröse Schwielen, welche 
die Muskelfasern ersetzten und welche von Riesenmuskelfasern umgeben 
waren; es bestanden keine Qefäßalterationen. Es ist sicher syphilitische 
Myokarditis, ln der Spitzengegend bestand daneben parietale Endokarditis. 

A. Blind (Paris). 

Möllendorff, W. v. Ober Anlage und Ausbildung des Kiemen- 
lungenkreislaufs bei Anuren (Bombinator Tachypus). (Anatom. Hefte 47, 
1, 1913.) 

Verf. faßt seine Befunde folgendermaßen zusammen: 

1. Es besteht bei Bombinator schon beim ersten Erscheinen der 
Lungenanlage ein netzförmig angelegtes Gefäßsystem; dieses erhält seinen 
Zufluß aus der Aorta und läßt das Blut dem Sinus venosus Zuströmen. 

2. Der Abflußweg wird paarig angelegt, entsprechend den durch den 
Zustand der Seitenplatten bedingten topographischen Verhältnissen. 

3. Der spätere Zustand, daß die Lungenarterie von der vierten Kiemen¬ 
vene entspringt, wird dadurch hergestellt, daß sich von der Aorta ein 
Längsstamm abspaltet, der die Verbindung der dritten und vierten Kiemen¬ 
vene und der Lungenarterie mit der zweiten Kiemenvene übernimmt 

4. Die definitive Lungenvene entsteht durch Zusammenschluß der 

ursprünglich paarigen Anlagen. Schönberg (Basel). 

Ne über ge r, H. Ein Fall von vollkommener Persistenz der linken 
Vena cardinalis posterior bei fehlender Vena cava inferior. (Anatom. An¬ 
zeiger 43, 3/4, 1913.) 

Bei einer wegen Magenkarzinom zur Autopsie gekommenen Frau 
wurde obige Anomalie beobachtet, ln bezug auf die nähere Deutung des 
Falles sei auf das Original verwiesen. Schönberg (Basel). 

Kretz, R. Über die Lokalisation der Lungenembolien. (Ctbl. f. 

Path. 14, 5. 1913.) 

Nach kurzem Eingehen auf die Reye'sche Arbeit bringt K. zur 
Stütze seiner Hypothesen einen weiteren Fall. Bei einem 22jährigen 
Manne mit einer krebsartigen Neubildung im rechten Hoden und Durch¬ 
bruch der Tumormassen in die rechte Vena iliaca finden sich zahlreiche 
Metastasen in den Lungen, wobei die Bezirke beider Oberlappen, die 
nach Kretz das Blut aus den oberen Hohlvenen aufnehmen, von den 
Geschwulstmassen verschont blieben. Schönberg (Basel). 




O REFERATE II 209 


il. Plysiiliiii ui ixpirimtilli Pitliliftii. 

Welsch et Lecha-Marzo. Recherches sur la pathoglnie des 
ccchymoses endocardiques. (Arbeit aus dem Institut für gerichtliche Me¬ 
dizin in Lüttich von Prof. Corin.) (Le Courrier Medical 5, 51—53, 
1912.) 

Subendokardiale Ekchymosen treten auf, wenn der Blutdruck durch 
Gefäßspasmus plötzlich ansteigt und wenn zugleich ein Trauma auf das 
Endokard wirkt. Das Trauma des Endokards ist schwer begreiflich, doch 
kann es bei blutleerem Herzen durch das Zusammenstößen der Ventrikel¬ 
wandungen zustande kommen. Experimentell ruft man es hervor bei 
einem morphinisierten Hunde mit künstlicher Atmung, welchem man 
rasch die Venae pulmonales unterbindet; die linke Herzhälfte erhält kein 
Blut mehr; der Blutdruck sinkt rasch, es treten Krämpfe auf, während 
welcher der Blutdruck etwas steigt; er sinkt rasch und das Tier stirbt. 
Bei der Sektion findet man die rechte Herzhälfte von Blut gestaut, die 
linke ganz blutleer; auf der hinteren Wand des linken Ventrikels, unter¬ 
halb der Semilunarklappen, auf der Vorwölbung, sitzt eine Ekchymose. 
Im Momente, wo der Blutdruck ansteigt, wirkt kein Gegendruck im blut¬ 
leeren linken Ventrikel auf die subendokardialen Gefäße und dieselben 
stoßen auf die gegenüberliegende Ventrikelwandung; so ist das Ansteigen 
des Blutdruckes und das Trauma bewerkstelligt und der Blutaustritt er¬ 
klärt, also haemorrhagia per rhexim. Im rechten Ventrikel finden sich 
keine subendokardiale Blutungen. A. Blind (Paris). 

Claude et Po.rak (Paris). Sur l’action cardiovasculaire de certains 
extnüts d’hypophyse. (Soc. de Biologie de Paris, 25. Januar 1913.) 

Der gewöhnliche Hypophysenextrakt erhöht bekanntlich den Blut¬ 
druck. Sind die Extrakte jedoch ihrer Lipoide beraubt und streng ge¬ 
reinigt, so wirken sie blutdruckerniedrigend. Bei 30 Patienten, bei wel¬ 
chen dieses Extrakt zur Anwendung kam, sank regelmäßig der Maximal¬ 
druck und der Differenzialdruck, bei unverändertem Minimaldruck. 

A. Blind (Paris). 

Lewin, L. Calotropis procera. Ein neues digitalisartig wirkendes 
Herzmittel. (Arch. f. exp. Path. u. Pharmakol. 2, 71, 1913.) 

Präparate aus Saft, Rinde und Wurzel von Calotropis procera werden 
schon seit mehreren Jahrhunderten in Indien und Afrika therapeutisch 
und als Pfeilgifte gebraucht. Der lange unverändert haltbare Milchsaft 
der Pflanze wirkt auf Schleimhäute entzündungserregend. Resorption er¬ 
folgt nach subkutaner Injektion rasch und führt bei Dosen von 0,3—0,7 gr 
in 30—40 Minuten zum Tod. Dieser erfolgt nach anfänglicher Atem¬ 
beschleunigung unter Dyspnoe und Krämpfen; die Herzaktion ist zuerst 
beschleunigt, dann verlangsamt, endlich systolischer Herzstillstand. Das 
noch nicht rein dargestellte Gift ist in dem von Harz und Eiweiß be¬ 
freiten Serum des Milchsaftes enthalten und wird von Lewin Calotropin 
genannt. K. Fleischhauer (Berlin). 

Pezzi et Clerc (Paris). Arhythmie compl&te apris excision des 
oreillettes. (Societe de Biologie, 25. Jan. 1913.) 

Bei isoliertem Kaninchenherzen, welche mit Nikotinlösung durchblutet 
wird, kann nach Abtragung der Vorhöfe komplete Arhythmie auftreten. Dieselbe 
ist dann vertrikulärer, nicht sinusaler Natur. A. Blind (Paris). 




210 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Bond, George S. Die Beziehung der Atrioventrikularregion zu 
der Kontraktionsfolge des Herzens. (Heart 4, 1, 1912.) 

Der Autor experimentierte an Herzen großer Frösche, die heraus¬ 
geschnitten und in Locke'sehe Lösung getaucht wurden. Der rechte 
Vorhof wurde geöffnet, sodaß das Herz von innen und außen beobachtet 
werden konnte. Man konnte sehen, daß die Muskulatur des Atrioventrikular¬ 
ringes sich zwischen der der Vorhöfe und der Kammern kontrahierte. 
Der Autor glaubt, daß die Pause zwischen der Kontraktion der Vorhöfe 
und der Kammer eher auf diese Kontraktion des Ringes als auf die Er¬ 
regungsleitung zurückzuführen ist, und daß ein wahrer Knotenrhythmus 
(nicht die komplette Irregularität) von der atrioventrikularen Ringmuskulatur 
seinen Ursprung nimmt. Alfred E. Cohn (New-York). 

Laurens, H. (Phys. Inst. Freiburg i. B.) Die atrioventrikuläre 
Erregungsleitung im Reptilienherzen und ihre Störungen. (Pflügers Arch. 
150, 139, 1913.) 

Die an isolierten oder in situ belassenen Herzen von Eidechsen und 
Schildkröten mit der Suspensionsmethode oder unter direkter Beobachtung 
mit der Binokularlupe ausgeführten Versuche ergaben zunächst im Gegen¬ 
sätze zu Imchanitzky, daß das vom Sinus zum Ventrikel ziehende 
Lig. dorsale für die Überleitung der Erregung vollständig belanglos ist. 
Die gegen jeden operativen Eingriff besonders empfindlichen Eidechsen¬ 
herzen reagieren fast immer mit Hemmungserscheinungen, durch welche 
man sich nicht täuschen lassen darf. Das a-v-Verbindungssystem, welches 
bei den Fischen noch einen geschlossenen Ring darstellt, zeigt bei den 
Reptilien bereits eine gewisse Differenzierung, so. daß die einzelnen 
Teile funktionell von verschiedener Bedeutung sind. Nur die beiden 
seitlichen, rechts und links gelegenen Verbindungsbündel zwischen Vor¬ 
höfen und Kammer dienen zur Reizübertragung; dabei kann eine dünne 
Brücke des einen oder anderen Bündels zur Aufrechterhaltung der Koordi¬ 
nation ausreichen. Durchtrennung eines Bündels hat nur vorübergehende 
Störungen zur Folge. Der links und ventral gelegene Anteil dieser 
lateralen Bündel ist der wichtigste Teil. Die dorsale und die ventrale 
Verbindung ist dagegen allein nicht imstande die Koordination aufrecht¬ 
zuerhalten, ihre Durchschneidung stört die Überleitung nicht. Nach 
Durchtrennung des Vorhofseptums kann ein vorübergehender Stillstand 
des ganzen Herzens oder nur der Kammer eintreten. Die normale 
Frequenz des Eidechsenherzens beträgt 50, die der Schildkröte 27.8 pro 
Minute, die normale Überleitungszeit 0.51, bezw. 0.60 Sek. Alle Grade 
von Überleitungsstörung konnten erzeugt werden; dabei ergab sich, daß 
zum Zustandekommen von Vs-Ausfall nicht nur die Vorgänge im Leitungs¬ 
system, sondern auch ein im Ventrikel selbst gelegener Faktor vorhanden 
sein muß. Entgegen Gas keil hängt die Häufigkeit des Vs-Ausfalles 
nicht nur von der Dicke der zurückgebliebenen a-v-Brücke ab; selbst 
die schwersten Grade partiellen Blocks (auch vollständige Dissoziation) 
können nach einiger Zeit wieder der normalen Schlagfolge Platz machen. 

J. Rothberger (Wien). 

Rothberger, C. J. und Winterberg, H. (Wien). Über den 
Einfluß von Strophantin auf die Reizbildungsfähigkeit der automatischen 
Zentren des Herzens. (Pflüger’s Arch. 150, 217. 1913.) 

Die an Hunden ausgeführten elektrokardiographisehen Untersuchungen 




REFERATE I! 


211 


ergeben, daß der Sinusknoten durch Strophantin zunächst gereizt wird. 
Der Grad der besonders einige Zeit nach nervöser Isolierung des Herzens 
auftretenden Frequenzsteigerung zeigt, daß die Wirkung der Digitalisstoffe 
ihrer Größe nach den Ausfall des Acceleranstonus meist genau kompensiert. 
Bei größeren Dosen erfolgt eine Schädigung, schließlich eine Lähmung 
des Sinusknotens. Die Untersuchung der extrakardialen Herznerven 
zeigt, daß die Erregbarkeit der Accelerantes nicht wesentlich verändert, 
die Wirkung der hemmenden Nerven dagegen bedeutend verstärkt wird, 
wobei namentlich die Dauer der Hemmungseffekte stark zunimmt. Diese 
verstärkte Hemmung lässt sich manchmal durch Atropin, fast immer durch 
Acceleransreizung aufheben, solange nicht komplette Lähmung eingetreten 
ist. Die Steigerung der .Reizbildungsfähigkeit des Tawara'sehen Knotens 
tritt mehr zurück: im sog. therapeutischen Stadium dominiert der Sinus¬ 
knoten, von welchem bei stärkerer Vergiftung die Führung des Herz¬ 
schlags gewöhnlich unmittelbar auf die tertiären Zentren übergeht (»toxisches 
Stadium"). Auch hier gibt es aber, so wie beim Baryum, ein Stadium, 
in welchem der Erregungsablauf noch normal ist, während sich durch 
Acceleransreizung bereits Anfälle extrasystolischer ventrikulärer Tachykardie 
auslösen lassen; nur hat man beim Strophantin viel weniger Spielraum 
als beim Baryum und erzielt auch fast nie eine so hochgradige Tachy¬ 
kardie. Zum Schlüsse wird der Einfluß von Strophantin auf die Form 
des Elektrokardiogramms besprochen und zu den Angaben von Selen in 
Stellung genommen. Das Strophantin kann, besonders nach längerer 
nervöser Isolierung des Herzens die im E. K. auftretenden Ausfalls¬ 
erscheinungen abschwächen, die Normalform wieder hersteilen und auch 
so den fehlenden Acceleranstonus ersetzen. J. Rothberger (Wien). 

Ken Kure, Ober die Pathogenese der heterotopen Reizbildung 
unter dem Einflüsse der extrakardialen Herznerven. Aus dem experim.- 
pathol. Institut der deutschen Univ. in Prag (H. E. Hering). (Zeitschr. 
f. exp. Path. und Ther. 12, 389, 1913.) 

Die sehr ausführliche und gründliche Arbeit ergab folgende Resultate: 

Infolge faradischer oder dyspnoischer Erregung des linken Accelerans 
wurde das Auftreten atrioventrikulärer Automatie beobachtet; meistens war 
der rechte Accelerans unversehrt; bei dyspnoischer Acceleranserregung war 
das rechte Ggl. cerv. inf. samt der Ansa Vieusseni exstirpiert. 

Diese Erscheinung trat nur an solchen Hunden auf, denen Morphin 
verabreicht worden war. Vaguserregung zeigte sich als ein das Auftreten 
der atrioventrikulären Automatie fördernder Umstand, insofern in vielen 
Fällen, in denen linksseitige Acceleransreizung allein keine atrioventrikuläre 
Automatie bedingte, nach einer zweckmäßigen Kombination dieser 
Acceleransreizung mit einer Vaguserregung, sowohl faradischer als dys¬ 
pnoischer, atrioventrikuläre Automatie auftrat. Steigerung des Vagustonus 
infolge Morphins kann unabhängig von einer faradischen Accelerans¬ 
erregung atrioventrikuläre Automatie bedingen. 

Das Auftreten der atrioventrikulären Schlagfolge erfolgte bei atro- 
pinisierten Tieren wie bei kombinierter Erregung des Accelerans und des 
Vagus teils mit einem Schlag, indem die während des Bestandes der 
atrioventr. Automatie vorhandene Intervallverkürzung ganz unvermittelt 
auftrat, teils mehr oder minder allmählich, indem erst nach einer Reihe 
von Schlägen sich das Intervall bis auf jenen Wert verkürzte, den es 
schließlich beibehielt. Ebenso ging das Verschwinden der atrioventr. Auto- 




212 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. n 


matie teils mit einem Schlag, teils allmählich vor sich, ln manchen Fällen 
blieb der Rhythmus der Vorhofschläge bei dem allmählichen Entstehen 
und Verschwinden erhalten; in diesen Fällen wird angenommen, daß im 
Beginn und am Ende der atrioventr. Automatie vorübergehend Vorhof 
und Kammer von zwei verschiedenen Reizbildungsstellen aus (nomotope 
und atrioventrikuläre Reizbildungsstelle) in Erregung versetzt werden. In 
anderen Fällen von allmählichem Entstehen und Verschwinden, bei denen 
dieses mit Änderung des Vorhofrhythmus wie des Kammerrhythmus ein¬ 
hergeht, erscheint es wahrscheinlicher, daß die Änderungen im Intervall 
Änderungen im Ausgangspunkt der Reizstelle innerhalb des Überleitungs¬ 
systems anzeigen. 

Die Schlagfrequenz der während dyspnoischer Vaguserregung infolge 
linksseitiger farad. Acceleransreizung hervorgerufenen atrioventrikulären 
Automatie kann unter Umständen sehr hohe Werte (in einem Falle 360 
in der Min.) erreichen. Diese Tatsache läßt sich nicht allein durch Ver¬ 
schiedenheiten der anatomischen Innervationsverhältnisse der atrioventr. 
Reizbildungsstelle erklären, sondern fordert noch die Annahme einer ge¬ 
steigerten Reizbildungsfähigkeit der atrioventr. Reizbildungsstelle. 

Die durch kombinierte Wirkung des Vagus und des Accelerans ent¬ 
standene atrioventr. Automatie läßt sich durch farad. Erregung eines Vagus 
oder durch Steigerung einer dyspnoischen Vaguserregung frequenzhemmend 
beeinflussen bezw. unterdrücken. Infolge einer farad. Vaguserregung oder 
Steigerung der dyspnoischen Vaguserregung während des Bestandes einer 
atrioventr. Automatie kommt es gelegentlich unter Herabsetzung der Schlag¬ 
frequenz zu einer vorübergehenden Änderung des Ausgangspunktes der 
atrioventr. Reizbildung in dem Sinne, daß dieser mehr gegen die Kam¬ 
mer zu liegen kommt. Diese Erscheinung läßt sich vielleicht dadurch 
erklären, daß die Vaguserregung die mehr gegen den Vorhof gelegenen 
atrioventr. Reizbildungsstellen stärker frequenzhemmend beeinflußt, als die 
mehr gegen die Kammer zu gelegenen Stellen, und auf diese Weise durch 
Herabsetzung der Frequenz der von dem mehr vorhofwärts gelegenen 
Reizbildungsstellen ausgehenden Erregungen das Inerscheinungtreten einer 
in dem mehr kammerrückwärtsgelegenen Abschnitten sich vollziehenden 
Reizbildung fördert. 

In einem Falle unserer Beobachtung konnten periodische Schwankungen 
der Frequenz, die mit periodischen Änderungen im Ausgangspunkt der 
Ursprungsreize einhergingen, in ursächlichen Zusammenhang gebracht 
werden mit periodischen Änderungen im Tonus der extrakardialen Herz¬ 
nerven, die in Beziehung standen zur Ateminnervation. In dem nämlichen 
Falle ließ sich feststellen, daß die mit den erwähnten Tonusänderungen 
der extrakardialen Herznerven in Verbindung stehenden Perioden atrioventr. 
Schlagfolge immer weniger Herzschläge umfaßt, schließlich nur durch 
einen einzelnen atrioventr. Schlag repräsentiert wurden, der in Form einer 
Extrasystole auftrat. 

Bei der durch Steigerung des Vagustonus erzeugten atrioventr. Auto¬ 
matie konnte. das Auftreten von Herzschlägen mit normaler Sukzession 
von Vorhof und Kammer in Form von Extrasystolen beobachtet werden. 
Es wird die Bedeutung der beiden letzt erwähnten Beobachtungen für 
die Auffassung, daß Extrareize Ursprungsreize sein können, diskutiert. 

Bezüglich der klinischen Betrachtungen, die sich der Mitteilung der 
experimentellen Ergebnisse anschließen, sowie vieler interessanter Details 
sei auf das Original verwiesen. J. Ri hl (Prag). 




o 


REFERATE II 


213 


Einthoven, W., Fahr, Q. und de Waart, A. (Leyden). Über 
die Richtung und die manifeste Größe der Potentialschwankungen im 
menschlichen Herzen und über den Einfluß der Herzlage anf die Form 
des Elektrokardiogramms. (Pflügers Arch. 150, 275, 1913.) 

Die Verff. bilden zunächst das E.-K. eines Falles von Situs inversus 
ab und besprechen dann den Einfluß der Atembewegungen auf die Form 
des E.-K. auf Grund von systematischen Untersuchungen an 10 gesunden 
Männern (von 19—65 Jahren), welche während der Aufnahme einige tiefe 
Atemzüge in .ein Spirometer machten. Dabei werden bei Abi. I die 
Zacken während der Exspiration größer, während der Inspiration kleiner; 
bei Abi. III ist es umgekehrt, bei Abi. II sind die Veränderungen nur 
gering; die Ableitung II ist daher immer dann anzuwenden, wenn man 
den Einfluß der Atembewegungen möglichst zu vermeiden wünscht. Es 
kommen auch Abweichungen von dieser Regel vor, welche näher be¬ 
schrieben werden. Die Zacken R und T werden im allgemeinen in den 
verschiedenen Phasen der Atmung ungefähr gleichmäßig vergrößert oder 
verkleinert. (Abweichungen werden näher beschrieben.) Die Maxima und 
Minima der Zacken fallen genau mit den äußersten Respirationslagen zu¬ 
sammen; anders ist es dagegen mit dem durch Änderungen des Vagus¬ 
tonus bedingten Wechsel in der Pulsfrequenz: hier besteht eine deutliche 
Verschiebung. Als Ursache für die Änderung in der Zackengröße kommt, 
wie näher ausgeführt wird, nur die Lageveränderung in Betracht, welche 
das Herz bei der Atmung erfährt, wobei aber parallele Verschiebung des 
Herzens ohne Einfluß ist. Die Größe der bei den verschiedenen Ab¬ 
leitungen gewonnenen Zacken richtet sich nach dem Gesetze: Abi. III = 
Abi. II — Abi. I, wobei zu berücksichtigen ist, daß die mit denselben 
Buchstaben bezeichneten Zacken nicht in identische Phasen der Herz¬ 
periode fallen. (Näheres siehe Original.) Nun wird das «Schema des 
gleichseitigen Dreiecks“ erläutert, mit welchem man aus dem bei den 
3 Ableitungen aufgenommenen Kurven die wirkliche Richtung der Po¬ 
tentialunterschiede im Körper bestimmen kann; dabei kann unter Berück¬ 
sichtigung der während der Atmung geänderten Zackengröße der Winkel 
bestimmt werden, um den sich das Herz während der Atmung gedreht 
hat Als »manifesten Potentialunterschied im Herzen" (Pm, 
Rm, Tm) bezeichnen die Verff. »diejenige Größe, die sich bei einer der 
drei Stromableitungen ergibt, sobald die Stromrichtung zwischen den Ab¬ 
leitungsstellen mit der Richtung des resultierenden Potentialunterschiedes 
im Herzen übereinstimmt“, wobei nur die Potentialunterschiede in der 
Frontalebene berücksichtigt werden. Die manifeste Größe einer Zacke 
kann, wie des näheren ausgeführt wird, aus der Höhe der registrierten 
Zacken berechnet und in absolutem Maße (Zehntel eines Millivolts) ange¬ 
geben werden. Änderungen der manifesten Größe einer Zacke können 
nicht durch Drehung des Herzens eritstehen, sondern beruhen auf anderen 
Einflüssen (Änderung des Vagustonus). Der Einfluß veränderter Körper¬ 
lage (rechte und linke Seitenlage), welcher hauptsächlich die Größe der 
Zacke S verändert, beruht auf einer Drehung des Herzens um eine 
sagittale Achse; da hierbei die übrigen Zacken nahezu unverändert 
bleiben, folgt daraus, daß diese in ungefähr frontalen Flächen gebildet 
werden. Steigerung der Herzfrequenz führt zu einer Zunahme der mani¬ 
festen Größe von T. Die bei Hypertrophie des linken Herzens auf¬ 
tretende Negativität der Zacke R bei Abi. III muß auf einem geänderten 
Erregungsablauf beruhen; würde man sie durch Lageveränderung des 



214 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


O 


Herzens zu erklären suchen, so würde man einen unmöglichen Wert be¬ 
kommen. Mit Hilfe des Schemas des gleichseitigen Dreiecks werden 
sich auch beginnende Hypertrophien diagnostizieren lassen. In einem 
Anhänge wird endlich gezeigt, wie man die Richtung und die manifeste 
Größe des resultierenden Potentialunterschiedes berechnet 

J. Rothberger (Wien). 

Cohn, Alfred E. Über die Unterschiede in den Wirkungen der 
beiden Vagi in bezug auf Schlagfolge und Erregungsleitung im Hunde- 
herzen. Qourn. of Exp. Med. 16, 732, 1912.) 

ln einer Serie von 54 Hunden wurden die Wirkungen der Reizung 
der peripheren Stümpfe beider Vagi auf das Herz studiert. Kurven wur¬ 
den vermittelst des Saitengalvanometers und, bei geöffneter Brusthöhle, 
vermittelst der Suspensionsmethode von Vorhöfen und Kammern aufge¬ 
zeichnet Als Reiz wurde der faradische Strom von konstanter Stärke 
benutzt 

Eine bestimmte und ganz konstante Differenz in der Reizwirkung 
beider Vagi wurde beobachtet. Bei Reizung des rechten Vagus wurde 
der gewöhnliche Effekt erzielt: die normale Aktivität beider Vorhöfe und 
Kammern hörte meist während der Reizungsperiode auf. Gelegentlich 
kontrahierten sich die Kammern während der Hemmungsperiode, doch 
produzierten diese Kontraktionen stets abnorme elektrische Komplexe und 
waren offenbar ektopische Schläge. 

Wurde der linke Vagus bei demselben Hunde gereizt, so trat eine 
Differenz im Reizungseffekt bei 88% der 54 Experimente ein. Die 
Vorhöfe hörten nicht zu schlagen auf, obwohl die Kontraktionszahl herab¬ 
gesetzt war. Die Wirkung auf die Kammern war nicht konstant. Nor¬ 
male Ventrikelkontraktionen hörten vollständig auf in 24 Versuchen, 
während in einer andern Gruppe von 24 Versuchen Ventrikelkontraktionen 
jedem zweiten, gelegentlich jedem dritten, vierten oder mehr Vorhofschlage 
folgten, sodaß also inkompletter Herzblock vorlag. In 8 Versuchen war 
die einzige Wirkung ein Anwachsen des a-v-Intervalls. In den wenigen 
Experimenten, in denen die normalen Ventrikelkontraktionen aufhörten, 
begegnete man Kontraktionen mit abnormen elektrischen Komplexen. Die 
Zahl dieser abnormen Kammerkontraktionen war eine andere als die der 
verlangsamt schlagenden Vorhöfe, und komplette atrioventrikuläre Disso¬ 
ziation war das Resultat. 

Die Erklärung für die Phänomene, die der Reizung des linken Vagus 
folgten, ist die, daß der Haupteffekt in einer Herabsetzung der atrio¬ 
ventrikulären Leitfähigkeit besteht. In der ersten Gruppe hören die 
Kammern auf zu schlagen, weil sie infolge der starken Herabsetzung der 
Leitfähigkeit von den Vorhöfen keine Impulse empfangen. Wenn der 
Kammermuskel reizbar ist, so können abnorme Reize gebildet werden, 
und daraus resultiert ein idioventrikulärer Rhythmus. Ist ein leichterer 
Grad der Herabsetzung der Leitfähigkeit die Folge der Reizung, so 
passiert jeder 2. oder 3. Vorhofschlag durch das A-V-Bündel und erzeugt 
eine Kammerkontraktion. Ein noch leichterer Grad der Herabsetzung 
hat eine Verlängerung des a-v-Intervalls zur Folge. 

Der Autor glaubt, daß die beigebrachten Tatsachen keine Diskussion 
über den Mechanismus der Wirkungen benötigen, die von der Reizung 
des rechten Vagus oder von der negativ chronotropen Wirkung des linken 
Vagus resultieren. G. Canby Robinson (New-York). 



o REFERATE lila 215 

III. Klllik. 

a) lan. 

Griffith, Wardrop T. Some cardiac Problems. (Einige herz- 
probleme.) (British med. Journal 2702, 913, 1912.) 

Vortrag über die Ergebnisse der Sphygmographie unter Zugrunde¬ 
legung eigener, zum Teil neuer Beobachtungen des Autors. Zu einem 
kurzen Referat nicht geeignet. S. Kreuzfuchs (Wien). 

Alderson, G. G. Mitral Stenosis: peripheral emboli causing partial 
monopiagia with Symptoms simulating cerebral embolism. (Mitralstenose, 
periphere Emboli mit partieller Monoplegie unter dem Eindrücke einer Hirn¬ 
embolie.) (British med. Journal 2704, 1096, 1912.) 

Bei einer 42jährigen an Mitralstenose leidenden Frau trat plötzlich 
unter Nausea und Schwindel eine Lähmung des linken Armes und einige 
Tage darauf unter den gleichen Begleiterscheinungen Lähmung der linken 
unteren Extremität auf. Plötzlicher Tod 14 Tage darauf. Die Obduktion 
ergab außer Stenose der Mitralklappe einen 5 cm langen ovalen Thrombus 
im rechten Vorhof und einen embolischen Verschluß der linken Arteria 
brachialis und der unteren Hälfte der linken Arteria femoralis. Keine 
zerebralen Veränderungen. S. Kreuzfuchs (Wien). 

Nobecourt (Paris). Les affections congenitales da coeur chez les 
enfants. (Journal de M6decine de Paris 7, 135, 15. Febr. 1913.) 

Vorlesung, gehalten an der Klinik für Kinderkrankheiten, welche klar 
die schwierige Aufgabe löst, in kurzer Zeit die angeborenen Herzfehler, 
deren Ursache, Folgen und Behandlung auseinanderzusetzen. 

A. Blind (Paris). 

Wetterwald (Paris), Contribution k l’&tude dinique et thdrapeu- 
tique des angines de poitrine. (Journal de Mldecine de Paris 7, 138, 
15. Febr. 1913.) 

Bei wahrer Angina pectoris mit Koronaritis und Aortitis kommen 
thorakale und brachiale Neuralgien und Neuritiden vor, welche zu lokalen 
Infiltrationen, Ödemen und zu Cellulitis Veranlassung geben und lebhafte 
Schmerzen, die mit denen der Angina verwechselt werden können, hervor- 
rufen. Manuelle Behandlung, besonders Petrissage, bemeistert dieselben 
schnell, kann jedoch nicht zur Differenzialdiagnose beitragen, noch das 
Grundleiden beeinflussen. A. Blind (Paris). 

Aubertin, Ch. et Parvu (Paris). La chorde du coeur. (Presse 
Medicale 8 , 69. 25. Januar 1913.) 

Es handelt sich hier nicht um die Komplikationen der Chorea von 
Seiten des Endo- oder des Perikards, sondern um die wirkliche Chorea 
des Herzens. Nach einer historischen Übersicht, welche bei dem Wenigen, 
was wir kennen, nicht beträchtlich ist, wird die Beobachtung eines 9jährigen 
Mädchens angeführt, welches mit ziemlich heftiger Chorea aufgenommen 
wurde. Von Seiten des Herzens fand sich eine auffallende Arhythmie 
mit sonst normal gespanntem Pulse von 80 Schlägen. Anstrengung war 
ohne Einfluß auf die Herzaktion. Die Auskultation ergab eine ausge¬ 
sprochenere Arhythmie als der Puls sie vermuten ließ: man hörte hin 
und wieder kleine unvollständige Systolen, daneben. aber blieben die zwei 



216 ZENTRALßLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


Herztöne als Intensität und auch zeitlich normal; es bestand kein anormales 
Geräusch. Subjektiv wurde kein Herzklopfen empfunden. Dieser Zustand 
dauerte mehr als 6 Monate, also lange nach der Heilung der eigentlichen 
Chorea. Die graphischen Aufzeichnungen und die Elektrokardiogramme 
ergaben: 1. Atrio-ventrikuläre, supranodale Extrasystolen, 2. Isolierte Vor¬ 
hofkontraktionen, 3. Atypische, nur am Elektrokardiogramm wahrnehmbare 
Schwingungen, welche der Fibrillation bei Arhythmia perpetua ähnlich 
sahen. Auffallend ist, daß dieser Zustand ohne irgend welche Zeichen 
von Herzinsuffizienz, ohne irgendwelche infektiöse Beteiligung des Endo¬ 
kardes und ohne subjektive Empfindung verlaufen konnte. Es mag wohl 
der erste, mit den modernen Hilfsmitteln studierte Fall von Herzchorea 
sein. A. Blind (Paris.) 

Milian et Sauphar (Paris). Cardiopathies et h£r6dosyphilis. (Soc. 
Medicale des Höpitaux de Paris, 31. Jan. 1913.) 

Ein 18jähriges Mädchen ohne irgendwelche Infektionskrankheit in 
ihrer Anamnese leidet an reiner Mitralstenose und hat positive Wasser- 
mann’sche Reaktion. Die Mutter hat deutliche hereditärsyphilitische 
Stigmata. Die ältere Schwester der Patientin ist normal, doch wird nach 
Reaktivierung durch Arsenobenzoleinspritzung der Wassermann bei der¬ 
selben positiv. Zwei jüngere Schwestern leiden beide an Mitralinsuffizienz 
und haben die eine ohne weiteres, die andere nach Reaktivierung posi¬ 
tiven Wassermann. Hereditäre Lues kann also nicht nur Mitralstenose, 
sondern auch Mitralinsuffizienz veranlassen. A. Blind (Paris). 

Brühschwein, A. Ueber Komplikation der Schwangerschaft mit 
Herzkrankheiten. Dissertation (Erlangen 1912). 

Unter den an der Erlanger Frauenklinik während der letzten 15 Jahre 
beobachteten Geburten waren 103 Fälle = 1,76% mit Herzfehlern, von 
denen 89,3% ohne Störung verlaufen sind, selbst bei geringer Dekom¬ 
pensation. 

Die Mortalität beläuft sich auf 4,8%, ist also grösser als der Befund 
Jaschkes, (0,32%), wobei Verf. erwähnt, daß es sich auch bei den an 
der Erlanger Klinik vorgekommenen Todesfällen um besonders schwere 
Klappenfehler handelte. 

78,6 % aller herzkranken Frauen bleiben während dieser Zeit voll¬ 
ständig ohne Beschwerden, nur da waren Störungen zu verzeichnen, wo 
der Herzfehler entweder besonders schwer oder mit Erkrankung des Herz¬ 
muskels oder mit Nephritis kompliziert war. Das gleiche gilt von den durch 
Herzfehler bedingten Störungen bei der Geburt, die sich auf 10,7% be¬ 
laufen und nach Abrechnung der Todesfälle und der 2 Fieberfälle im 
Wochenbett 4 = 3,8% betragen. 

Die Notwendigkeit zur Beschleunigung der Geburt oder zur künst¬ 
lichen Unterbrechung der Schwangerschaft ergab sich in 6,8% (davon 
zur künstlichen vorzeitigen Unterbrechung 4,8) und zwar gaben die 
Indikation hierzu schwere Dekompensation oder leichtere Kompensations¬ 
störungen dann, wenn durch interne Therapie keine Besserung des All¬ 
gemeinzustandes mehr zu erzielen war. Dabei konnte man beobachten, 
daß operative Eingriffe gut vertragen wurden, daß also die Vornahme 
einer Operation von seiten des erkrankten Herzens durchaus nicht kontra¬ 
indiziert ist. Welchen Einfluß die Art des einzelnen Herzfehlers auf den 
Verlauf der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbettes ausübt. 




REFERATE lila 


217 


darüber läßt sich keine allgemeine Regel aufstellen; doch wird eine 
Stenose des Mitralostiums z. B. die Prognose weit ungünstiger gestalten 
als eine einfache Insuffizienz, wobei aber auch die Akkommodationsfähigkeit 
des Herzens eine Rolle spielt. Ist bereits eine Erkrankung des Herz¬ 
muskels selbst vorhanden, so ist von Anfang an die Prognose wesentlich 
ungünstiger. Fritz Loeb (München). 

Hochsinger, C Ober bedeutungslose Geräusche in der Präkordial- 
gegend von Kindern und Jugendlieben. (Vortrag gehalten in d. Ges. f. inn. 
Mediz. u. Kinderhlk. in Wien am 27. Febr. 1913; erscheint ausführlich 
in den »Mitteilungen" der Gesellschaft.) 

Verf. vertritt gegenüber Potain und Hermann Müller den Stand¬ 
punkt, daß nicht alle »bedeutungslosen“ Geräusche am Herzen der 
Kinder Herzlungengeräusche seien. Es kommen bei Kindern auch echte 
»akzidentelle" Geräusche vor. Verf. hat als erster die Herzlungengeräusche 
bei Kindern beschrieben und ihr Vorkommen auch schon in der Säug¬ 
lingsepoche wahrgenommen. Trotzdem hat Schlieps in einer größeren 
Arbeit bei Besprechung der Herzlungengeräusche der einschlägigen aus¬ 
führlichen Untersuchungen H.’s leider keine Erwähnung getan. 

Die Ergebnisse seiner Forschungen auf diesem Gebiete faßt Hoch- 
singer folgendermaßen zusammen: 

1) Geräusche in der Präkordialgegend ohne pathologische Bedeutung 
kommen in jeder Epoche des Kindesalters vor, sind aber erst nach dem 
3. Lebensjahre häufiger und zwischen dem 10. und 14. Lebensjahre am 
allerhäufigsten. 

2) Man kann diese Geräusche einteilen 

a) in solche, welche durch eine Beeinflussung der inspiratorisch 
gefüllten Lungenränder seitens der Herzkontraktionen zustande kommen, 
sogenannte Herzlungengeräusche und 

b) in solche, welche im Herzinnern selbst entstehen, sogenannte 
akzidentelle oder funktionelle Herzgeräusche. 

3) Diese bedeutungslosen Geräusche zeigen gewisse Unterschiede, 
welche eine klinische Abgrenzung ermöglichen. Das Wichtigste ist, daß 
die Herzlungengeräusche bei der Exspiration oder bei exspiratorischem 
Sistieren der Atmung verschwinden, während die intrakardialen akzidentellen 
Geräusche vom Atmungsstillstand unbeeinflußt bleiben. Körperliche und 
psychische Erregung wirkt auf beide Geräuschformen verstärkend. 

4) Intrakardiale akzidentelle Geräusche kommen nach seinen Er¬ 
fahrungen im Säuglings- und frühen Kindesalter nicht vor, wohl aber 
Herzlungengeräusche, aber auch diese ganz außerordentlich selten. 

5) Die Differenz der Anschauungen über das Vorkommen oder 
Fehlen von akzidentellen Herzgeräuschen in der frühesten Kindheit beruht 
darauf, daß zwischen Herzlungengeräuschen, akzidentellen und atonischen 
intrakardialen Geräuschen der Kinder bisher nicht genügend differenziert 
wurde. 

6) Der von Schlieps eingeführte Terminus »atonische Herzgeräusche" 
deckt sich nicht mit dem, was die Autoren akzidentelle oder funktionelle 
Herzgeräusche nennen, ist aber sehr bezeichnend für jene Geräusche, 
welche bei nachweisbaren Zuständen von kindlicher Herzatonie (niederer 
Blutdruck, schlechte Arterienfüllung, dilatative Schwäche) Vorkommen. 
Diese Geräusche besitzen, gegensätzlich zu den kardiopulmonalen und 
akzidentellen Geräuschen, eine erhebliche pathologische Bedeutung, sind 




218 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


aber gleichfalls im frühen Kindesalter außerordentlich selten. Sie ver¬ 
schwinden durch blutdrucksteigernde Einwirkungen und werden in Ruhe¬ 
lage deutlicher. E. Stoe.rk (Wien). 

Bouchut et Mazel (Lyon). Sur un cas de souffle diastolique 
anlmique de la base du coeur. (Arch. des Mal. du Coeur, 3, März 1913.) 

Bei einem 62jährigen Landmann mit Nephritis — große weiße, 
sklerotische Niere — traten mehrmals profuse Darmblutungen auf, welche 
den Blutdruck von 28 mit Recklinghausen auf 23 sinken ließen; 
nach der ersten Hämorrhagie wurde an der Basis des stark hyper¬ 
trophischen Herzen ein systolisches und diastolisches Geräusch gehört, 
welches mit der Besserung sich verringerte, jedoch nach einem neuen 
Blutverlust wieder sehr laut auftrat; diese Beobachtung wiederholte sich 
mehrmals. Bei der Sektion fand sich kein Aortenklappenfehler, auch kein 
Lungenfortsatz, welcher ein extrakardiales kardio-pulmonäres Geräusch er¬ 
klärt hätte. Es liegt kein Anhaltspunkt vor, um eine Fortleitung eines 
Venengeräusches anzunehmen; die einzige Auslegung der Tatsache ist 
wohl die, das Geräusch der Anämie zuzuschreiben. A. Blind (Paris). 

Heitler, M. Über Herzperfcnssion. (Wiener klin. Wschr. 44, 1912.) 

Historischer Überblick über die Entwicklung der Herzperkussion. 
Zusammenfassende Bemerkungen über des Verf. klinischen und experi¬ 
mentellen Erfahrungen über Volumveränderungen des Herzens und gleich¬ 
zeitige Pulsveränderungen. Subtile technische Winke zur Fingerperkussion 
— experimentell gestützt — zu kurzem Referate nicht geeignet 

E. Stoerk (Wien). 

Lian, Camille et Marcorelles, Etienne (Paris). La bradycardie 
de la eoliqne de plomb. (Presse M£dicale 12, 109, 8. Febr. 1913.) 

Bei mehreren Fällen von Bleikolik wurde die Bradykardie speziell 
studiert und graphisch aufgezeichnet; sie ergab sich als eine totale Brady¬ 
kardie nervösen Ursprunges und als unabhängig von der Erhöhung des 
Blutdruckes; sie wurde durch Atropin aufgehoben. Diese Daten gehen 
sehr deutlich und klar aus dieser Arbeit hervor. Wie bei der ikterischen 
Bradykardie (cf. Arch. des Mal. du Coeur, Januar 1912) steigt die Zahl 
der Systolen schon beim Aufsitzen der Patienten im Bett; Atropin in 
Gaben von einem halben Milligramm ließ die Pulsschläge von 52 auf 84, 
von 50 auf 120, von 46 auf 75, von 53 auf 110 ansteigen; der Blut¬ 
druck war zwar erhöht, aber die Zahlen standen in keinem direkten Ver¬ 
hältnis zu der Pulszahl, so daß die Regel Mareys nicht in Betracht kam; 
sowohl die Auskultation, als auch die graphischen Aufzeichnungen er¬ 
gaben, daß es sich um wirkliche Bradykardie, und nicht um Brady- 
sphygmie handelte. Die Bradykardie hängt also wie die Bleikolik selbst 
direkt von der Intoxfkation ab; es ist schwierig anzunehmen, daß sie von 
der von Mosny bei schweren Intoxikationen nachgewiesenen Bleimeningitis 
(Revue de M£decine, Juni 1907 und Soc. de Biologie, 23. Juli 1904) 
oder von einer speziellen Einwirkung auf die Nervenkerne in der Medulia 
oblongata abhänge; die Giftwirkung ist wohl in dem Stamm des Vagus 
oder in dessen Endigungen im Vorhofsinus zu suchen. 

A. Blind (Paris). 

Rggnier, G. (Paris). Un cas de poiils alternant an conrs d’nne 
nlphrite chronique. (Arch. Mal. du Coeur, 2, 97, Februar 1913.) 

Die Beobachtung von Pulsus alternans stammt von einer 32 jährigen 
Frau jnit chronischer postskarlatinöser Nephritis; die üble Prognose, 



o 


REFERATE Illb 


2lQ 


welche dieses Symptom nach Jean Heitz (Arch. des Mal. du Coeur) 
mit sich trägt, wurde auch hier bestätigt: die Patientin erlag ziemlich 
schnell; der. Blutdruck blieb bis ans Ende hoch und schwankte zwischen 
Mx. 22 bis 24 und Mn. 13 bis 16. Die graphischen Aufnahmen an 
der A. radialis zeigen sehr deutlich den pulsus alternans und die Reh- 
berg’sche Probe, welche in einer teilweisen Kompression der A. brachialis 
mit der Binde des Oszillometers besteht, lassen denselben noch viel deut¬ 
licher zutage treten. Jugularpulskurven beweisen, daß es sich nicht um 
Extrasystolen handelt, welche eine Abwechselung einer starken mit schwacher 
darauffolgender Systole hervorrufen könnten. Auf den Kardiogrammen, 
welche nach der Pachou’schen Methode aufgezeichnet wurden, tritt die 
Alternierung nicht auf; jedoch sind die Kurven, gleichwie die des Venen¬ 
pulses, dadurch interessant, daß die präsystolische Welle vorzeitig und 
heftig auftritt: dieses Phänomen kam klinisch als Galopprhythmus zum 
Ausdruck, welcher durch Palpation und durch Auskultation sehr leicht 
nachweisbar war. A Blind (Paris). 

Heitz, Jean et Clarac, G. (Paris). La mort subite dans l’arythmie 
compl&te. (Arch. des Mal. du Coeur, 3, 175, März 1913.) 

Die Mehrzahl der von Pulsus irregularis perpetuus befallenen Patienten 
erliegt progressiver Herzinsuffizienz. Doch kommt auch plötzlicher Exitus 
— Minutentod — zur Beobachtung; Hering (Münch. Med. Wochschr. 
15. Nov. 1912) hat zwei solche Fälle, Lewis (Heart 4, 319, 1910) 
leider zu kurz einen anderen beschrieben. Verff. haben deren drei be¬ 
obachtet, wovon der eine nach genauer Beobachtung mit graphischen 
Aufnahmen und Elektrokardiogramm zur Sektion kam; dieselbe wurde 
sehr sorgfältig ausgeführt und ergab trotzdem keinen Aufschluß über die 
eigentliche Todesursache; die anderen zwei Fälle aus der Privatpraxis 
konnten nicht post mortem untersucht werden, sind aber klinisch dem 
ersteren genau vergleichbar. Die Untersuchung bei Lebzeiten wies zweifel¬ 
loses Vorhofflimmern nach (s. Kurven dieser Arbeit), und es ist wahr¬ 
scheinlich, daß dieses Flimmern sich plötzlich auf den Ventrikel erstreckte. 
Diese Annahme findet einen weiteren Anhaltspunkt in der Tatsache, daß 
der Arzt bei der sofortigen Auskultation des sterbenden Patienten ani 
Herzen noch ein dumpfes Sausen wahrnehmen konnte, daß die Atmung 
noch einige Minuten andauerte, daß das Gesicht, der Hals und der 
obere Teil der Brust stark zyanotisch wurden. Trotzdem bleiben die 
Umstände, welche gleichzeitige Störung der Funktion des Vagus, des 
Sympathicus, des His’schen Bündels erfordern, dunkel, denn diese drei 
Apparate müssen ja, nach dem Tierexperiment zu schließen, in Betracht 
kommen, um Kammerflimmern zu veranlassen. Eine leichte Kritik des 
Wortes „plötzlicher Tod" (mort subite): es handelt sich eher um „mort 
rapide“ „rascher Tod" als um plötzlichen Tod. Klinisch dürften diese 
Erfahrungen bei der Stellung der Prognose des pulsus irregularis perpetuus 
ihre Anwendung finden. A. Blind (Paris). 


I) filfiH. 

Förster, Otto. Der Radialispuls bei eleviertem Arm. Dissertation 
(München 1912). 

Förster will in erster Linie eine zuverlässige, experimentelle Basis 
für die Kenntnis der Radialispulse bei Elevation des Armes beibringen. 



220 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Seine Untersuchungen sind nur mittels des Sphygmographen gemacht 
Im wesentlichen kommt er zu einer Bestätigung der Angaben von 
Flaskamp (Der Radialispuls bei verschiedener Haltung des Armes, 
Dissertation Gießen 1907), während seine Ermittlungen von denen anderer 
Autoren wesentlich abweichen. In den einzelnen Kapiteln wird berichtet 
über: Versuchsanordnung, Methodik, Form der in Herzhöhe geschriebenen 
Kurve, Kurve bei eleviertem Arm, der zweckmäßigste Pelottendruck, die 
Elastizitätskonstante E., das Verhalten des zentralen Pulses. Einer kurzen 
Erörterung der Literatur folgt eine Tabelle der Mittelwerte. 

Fritz Loeb (München). 

Berger, V. Zur Mechanik der Aneurysmabildung bei der kongeni¬ 
talen Isthmusstenose der Aorta. (Aus der inneren Abt. des städt Krankenh. 
[Louisenhospital] Dortmund.) (Dissertation Bonn 1913, 24 S., H. Trapp.) 

Neben den Aneurysmen mit arteriosklerotischer und syphilitischer 
Ätiologie stellen die aneurysmatischen Erweiterungen der Aorta, die sich 
auf dem Boden kongenitaler Störungen entwickeln, seltene Formen dar. 
Das pathologische Geschehen ist ein prinzipiell anderes als bei den Pro¬ 
zessen erstgenannter Art. Ein zirkumskriptes stenosierendes Stromhindemis 
gibt den Anlaß zur Entstehung des Aneurysmas und zwar an einer Stelle, 
die auch physiologisch eine gewisse Einengung des Gefäßes bedingt, an 
dem Gefäßabschnitt zwischen Art. subclav. sin. und der Einmündungsstelle 
des Ductus Botalli. Dem Verf. sind etwa 110 solche Fälle aus der 
Literatur bekannt geworden. Er beschreibt einen selbstbeobachteten Fall, 
der insofern bemerkenswert ist, als er geeignet erscheint, den Mechanis¬ 
mus der aneurysmatischen Erweiterung und schließlichen Ruptur der Aorta 
asc. zu verfolgen. Es handelt sich um einen 41jährigen bisher stets ge¬ 
sunden Maurer, der während der Arbeit kurz nach dem Heben schwerer 
Steine zusammenbrach. Er mußte nach Hause gebracht werden, zeigte 
hochgradige Blässe, erbrach mehrmals. In den nächsten Stunden verspürte 
er quälenden Druck auf der Brust. Unter zunehmender Atemnot trat der 
Tod ein. Die anatomische Diagnose ergab: Aneurysma et ruptura aortae 
asc. Stenosis aortae ex ducL Botalli persistente. Haemorrhagia permaxima 
in mediastinum posticum. Dilatatio ventriculi sinistri cordis. 

Der mitgeteilte Fall, dessen Details im Original studiert werden 
müssen, zeigt, daß auch rein mechanische Einflüsse in seltenen Fällen zur 
Erklärung der Aneurysmabildung an der Aorta asc. ausreichen. Jede andere 
Ursache für die Gefäßerweiterung ist in diesem Falle auszuschließen, ins¬ 
besondere fand sich für eine Syphilis des Gefäßsystems kein Anhaltspunkt. 
Auch arteriosklerotische Intimaveränderungen fehlten. Abgesehen von 
einigen kleinen gelblichen Plaques an der aneurysmatischen Stelle war die 
Intima der Aorta und der übrigen Gefäße zart und glatt. Derartige kleine 
Zeichen von Arteriosklerose finden sich aber auch bei nicht verengten 
Aorten sehr häufig am Isthmus und besonders an der Einmündungsstelle 
des Ductus Botalli. Fritz Loeb (München). 


iv. mm. 

Porta, Sylvius (Siena). Sur l'anastomose vasculaire. Technique 
personnelle. (Presse Medicale 8, 73—74. 25. Jan. 1913.) 

Die persönliche Technik Porta’s der Gefäßanastomose besteht in 
folgendem: die beiden Enden des Gefäßes werden in je vier Lappen ge¬ 
spalten; durch die Mitte der Basis je zweier gegenüberliegender Lappen 



REFERATE IV 


221 


wird ein doppelter Faden gestochen und die Enden der Fäden werden 
seitlich von den Lappen geknüpft Im Inneren des Gefäßes tritt also nur 
eine minimale Fadenstrecke auf. Bei strengster Asepsis sollen die Re¬ 
sultate ausgezeichnete sein. A. Blind (Paris). 

Josu6 et Godlewski (Paris). L’auscultation da poals veineux. 
(Soci£te M£dicale des Höpitaux de Paris. 14. Februar 1913.) 

Die Auskultation des Jugularvenenpulses wird am flachliegenden 
Patienten zwischen den zwei Schenkeln des rechten M. stemo-cleido- 
mastoideus mit einem kleintrichterigen Stethoskop, welches in der Richtung 
des Mediastinums angesetzt wird, vorgenommen. Man hat den Eindruck, 
einen Galopprhythmus zu hören, d. h. man hört drei Töne, welche den 
drei Gipfeln des Phlebogrammes entsprechen. Der erste präsystolische 
Druck entspricht der Vorhofkontraktion, der zweite, welcher mit dem 
Radialpuls synchron ist, entspricht der Kammersystole, der dritte entspricht 
dem Schluß der Pulmonalklappen. Bei pathologischen Vorgängen kann 
die Verlangsamung der Kontraktionswelle vom Vorhof zum Ventrikel 
aus der Verlängerung der Pause zwischen dem ersten und dem zweiten 
Tone erkannt werden; besteht Atrioventrikulardissoziation, so nimmt man 
die vereinzelten Vorhofsystolen wahr; bei Vorhofflimmern fehlt der systolische 
Ton; bei sinusaler Bradykardie hört man normalen Rhythmus mit längerer 
diastolischer Pause. Wenn sich diese Angaben bestätigen, können sie 
klinisch großen Wert erlangen. A. Blind (Paris). 

Dehio, Karl (Dorpat). Untersuchungen zar auskultatorischen Me¬ 
thode der Blutdruckbestimmung an lebenden Menschen. (Nova Acta. 
Abh. derkaiserl. Leop.-Carol. Deutschen Akad. d. Naturf. 97, No. 11, 1912. 
18 S., 1 Tafel.) 

Die Ergebnisse seiner, zur Kritik der Korotko w’schen Methode der Blut¬ 
druckbestimmung unternommenen Versuche faßt derAutor wie folgt zusammen: 

1. Das Auftreten der lauten Töne bezeichnet den Moment, wo der 
vollständige Kollaps der Arterie in der Phase des Wellentales zum ersten 
mal erreicht ist und der minimale Blutdruck von dem Außendruck der 
Manschette überwunden wird. 

2. Das Auftreten dieser lauten Töne kann mit einer für klinische 
Zwecke genügenden Genauigkeit zur Abschätzung des minimalen Blut¬ 
druckes am lebenden Menschen benutzt werden. 

3. Das Verschwinden, der Töne entspricht dem Moment, wo zum 
ersten Mal die Arterie auch auf der Höhe der Pulswelle verschlossen bleibt 
und somit auch der maximale Blutdruck vom Außendruck der Manschette 
überwunden wird. 

4. Dieser Moment kann zur Bestimmung der Größe des maximalen 
Blutdruckes am lebenden Menschen benutzt werden, doch ist im Auge 
zu behalten, daß hier das Korotkow’sche Verfahren gelegentlich zu 
niedrige Werte ergibt und daher stets die Palpation der Arterie nach 
Riva-Rocci kontrolliert werden sollte. 

5. Der praktische Arzt wird gut tun, am Krankenbett zur Bestimmung 
des minimalen Blutdruckes die Auskultation der Arterie nach Korotkow 
und zur Bestimmung des maximalen Blutdruckes die Palpation der Arterie 
nach Riva-Rocci zu benutzen. 

6. Zur objektiven Wiedergabe und zur wissenschaftlichen Verwertung 

der Ergebnisse der Blutdruckmessung am Menschen ist die graphische 
Methode am besten geeignet. Fritz Loeb (München). 



222 ZENTRAUBLATT FOR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


I. Tlirnii. 

Charlier et Dufour (Lyon). Traitement par le Serum g£latin€ 
d’un an£vrysme de l’aorte coexistant avec une tuberculose pulmonaire. 

(Gazette M£dicale de Paris 184, 42, 5. Febr. 1913.) 

Ein 41 jähriger Kellner, der Syphilis überstanden hatte, trat wegen 
Lungentuberkulose in die Abteilung ein; er hatte ein orangengroßes 
Aneurysma der äufsteigenden Aorta, welches bei jedem Hustenstoß sich über 
der linken Clavicula vorwölbte, und welches Patient mit der Hand kom¬ 
primierte, um dessen Ruptur zu verhindern. Da Jodpräparate wegen der 
Lungentuberkulose kontraindiziert waren, wurden zwei Serien von je 9 
Einspritzungen von 20 Kubikzentimetern sorgfältigst sterilisierten Gelatine¬ 
serums eingespritzt, welche bestens ohne Temperatursteigerung ertragen 
wurden. Sehr rasch verringerte sich das Aneurysma, wurde hart und ver¬ 
wandelte sich in ein nußgroßes hartes Gebilde, welches beim Husten 
nicht anschwillt, und welches hinter dem Claviculakopf fühlbar ist 

A. Blind (Paris). 


Bücherbesprechungen. 

Gilbert, A. (Paris). Clinique M&icale de 1’Hötel-Diea de Paris. 
(Paris 1913, chez Bailiier et fils, 19 rue d’Hautefeuille. 312 Seiten.) 

Medizinische Klinik des Hötel-Dieu! ist der Titel des Buches, das 
nur selten in der Bibliothek eines französischen Arztes fehlt, und das 
unser Altmeister Trousseau zahlreichen medizinischen Generationen 
hinterlassen hat. Immer und immer kann man darin Nützliches schöpfen 
und sich der perfekten Sprachform unseres großen Klinikers freuen. 

Gewiß hat Gilbert, sein junger Nachfolger, nicht ohne Zögern, 
diesen selben Titel der Zusammenfassung seiner ersten, in den Räumen 
des ehrwürdigen, Jahrhunderte alten Hötel-Dieu gehaltenen Vorlesungen, 
gegeben. 

In Form einer interessant illustrierten Inauguralvorlesung, in welcher 
er kurz die Geschichte seines Hospitals — eines der ältesten Europas — 
erzählt, erfüllt er ihm gegenüber eine kindliche Pflicht. 

»Was hat aber dieses in dem Zentralblatt für Herzkrankheiten zu 
tun?" wird der Leser fragen. Kaum aber wird er das Buch aufgeschlagen 
haben, so wird er sich überzeugen, daß es unserm Spezialfach nicht fremd 
ist: zuerst wird er 4 Kapitel über Nephritiden, skarlatinöse, erysipelatöse, 
akut- und chronisch-syphilitische Nephritis, und 2 Kapitel über deren 
Behandlung finden, danach 2 meisterhafte Vorlesungen über die Reynaud- 
sche Krankheit mit Sklerodermie und eine andere über die symmetrische 
Gangrän der Extremitäten. Sind das nicht unbestreitbar Gefäßkrankheiten ? 
Und wenn auch die essentielle paroxysmale Hämoglobinurie, welche den 
Inhalt des letzten Kapitels bildet, nicht in diese Klasse gehört, wird sie 
doch unfehlbar jeden Kardiologen interessieren. Ist nicht das Blut ein 
unzertrennlicher Bestandteil des Kreislaufapparates? 

Außerdem ist der Text durch prächtige Krankenabbildungen, Repro¬ 
duktionen anatomischer und mikroskopischer Präparate, zahlreiche Radio¬ 
graphien und Kurven bereichert Die übrigen Kapitel behandeln die 
hypertrophische Drüsentuberkulose und den einfachen acholurischen Ikterus, 



KONGRESS-BERICHTE 


223 


diesen so sonderbaren Symptomenkomplex, welchem Gilbert stets seine 
besondere Beachtung zugewandt hat. Seit seiner Jugendzeit, in welcher 
er schon mit seinem Lehrer Ha not Nachforschungen über die Leber¬ 
krankheiten unternahm, ist Gilbert seinem Lieblingsfach treu geblieben, 
und in seinen wertvollen Entdeckungen, denen er diese Kapitel widmet, 
nimmt wohl die familiäre Cholämie den ersten Platz ein. 

Es ist bedauerlich, hier nicht die kritische Zusammenfassung jedes 
Vortrages unternehmen zu können, aber die zahlreichen Tatsachen, die 
großen Gedanken, die Logik und die tiefe Wissenschaft des Werkes 
machen seine Zersetzung unmöglich ohne alles zu verderben. Die Schön¬ 
heit und die Klarheit der Sprache und des Stiles erlauben unserm Zeit¬ 
genossen den Vergleich mit Trousseau und Dieulafoy, den Meistern 
des Hötel-Dieu, die dort zur Zeit unserer Väter und Großväter dozierten, 
furchtlos zu ertragen. 

Dies alles wird mich unterstützen und wird erklären, weshalb ich hier 
über dieses schöne und gute Buch gesprochen habe, obwohl es sich nur 
auf dem äußersten Grenzgebiete der Kardiologie befindet 

A. Blind (Paris). 


Kongress - Berichte. 

IX. Kongreß der Deutschen Röntgen-Gesellschaft, Berlin, 29. u. 30. Mira 1913. 

Berichterstatter: Prof. Dr. Max Levy-Dorn, Leitender Arzt am 
Rudolf Virchow-Krankenhause in Berlin. 

Vorsitzender: Dr. M. Immelmann (Berlin). 

Von Vorträgen und Demonstrationen aus dem Gebiete der Herz- 
und Gefäßkrankheiten und der Technik seien folgende erwähnt: 

P.Krause (Bonn) zeigte zwei Fälle von Eventeratio diaphragmatica 
mit starker Verschiebung des Herzens nach rechts. F. M. Groedel 
(Frankfurt a. M.) hat einen Röntgenkinematographen gebaut, der auf 
langen Filmbändem die Aufnahme von zehn und mehr Herzbildern pro 
Sekunde ermöglicht. Auch für die elektrokardiographische Bestimmung 
der jeder einzelnen Aufnahme entsprechenden Bewegungsphase des 
Herzens hat Vortragender zusammen mit Th. Groedel ein Verfahren 
ausgearbeitet Die Vorführung der Bilder mißglückte aus äußeren Gründen. 

Bangert (Berlin) berichtet über eine Wolframröhre mit scharfem 
Brennpunkt und über ein Meßgerät, das auf der ionisierenden Wirkung 
der Röntgenstrahlen beruht und zugleich Intensität, Dosis, sowie Härte¬ 
grad durch Zeigerausschlag abzulesen gestattet. Bangert und Utecht 
(Berlin) beschreiben ein neues Einzelschlaginstrumentarium für 
Wechselstrom, das mit einem Gleichrichterapparat kombiniert ist und 
Expositionen von l /ioo—Vio und mehr Sekunden lückenlos gestattet. 

B. Walter (Hamburg) spricht über die Schutzwirkung verschieden 
dicker Bleischichten und derjenigen verschiedener Glassorten. Lorey 
(Hamburg) zeigt einen Apparat für stereoskopische Momentauf¬ 
nahmen und einen transportablen Apparat für Kurzzeitaufnahmen. 

P. Krause (Berlin) hat eine Röntgenröhre konstruiert, die besonders 
harte Strahlen aussendet und für die Tiefentherapie Vorteile verspricht. 
Diskussion: Walter (Hamburg). J.K.H.Schütze(Berlin)empfiehlt eineneue 




224 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Luftkühlröhre. Dessauer (Frankfurt a. M.) gibt einen Apparat an, 
der es gestattet mit Wechselströmen zwei Röhren so schnell hintereinander 
zu betreiben, als ob sie zugleich aufleuchteten. Die stereoskopische 
Durchleuchtung wie stereoskopische Kinematographie soll hier¬ 
durch vervollkommnet werden. 

W. Alwens (Frankfurt a. M.) demonstriert mit Hilfe des Pro¬ 
jektionsapparates (Anaglyphenmethode) Stereoskopbilder, die mit jenem 
Apparat aufgenommen waren. 

Zum Vorsitzenden für den nächsten Kongreß wird Levy-Dorn 
(Berlin) gewählt. 


Eingesandt. 

(Ohne Verantwortung der Redaktion.) 

Die Fürstlich Waldeck’sche Kurverwaltung ln Bad Pyrmont 

schreibt über Pyrmonter Kurmittel: Von allgemeinem Interesse dürfte es 
sein, daß mehrere auswärtige bekannte Forscher mit unsern hiesigen Kur¬ 
mitteln äußerst interessante wissenschaftliche Versuche ange¬ 
stellt haben. So wurde von Prof. Schaefer (Breslau) in Verbindung mit 
unserm einheimischen Arzt, San.-Rat Dr. C. Seebohm, in einer Abhandlung, 
welche in Heft 4 der Zeitschrift „Radium in Biologie und Heilkunde“, 2, 1913 
in Leipzig erschien, eine Untersuchung der Quellen, der Dunsthöhle und der 
Moorerde hinsichtlich ihrer Radioaktivität veröffentlicht. 

Weitere wissenschaftliche Untersuchungen über photokatalytische 
Wirkungen der Pyrmonter Eisenwässer wurden von dem bekannten 
Berliner Universitäts-Professor Dr. C. N e u b e r g an der Kgl. Landw. Hochschule 
angestellt. Andere Versuche, die auf experimentell-biologischer Grundlage den 
Nachweis über die Aufnahmefähigkeit der Eisensubstanzen unserer Quellen im 
Verdauungstraktus bringen werden, bezw. an Hand elektrokardiographischer 
Studien den Einfluß unserer Quellen speziell bei Herzkranken behandeln, sind 
dem wissenschaftlichen Abschluß nahe. 

Auch stehen neue Analysen unserer Quellen auf Grund der 
neuesten Forschungen sowohl nach chemischer als auch physikalischer Rich¬ 
tung bevor. 

Es sind somit eine Reihe neuer wissenschaftlicher Unterlagen geschaffen, 
auf denen ein weiterer Ausbau unserer Kur-Interessen und -Erfolge auch für 
die Zukunft gewährleistet wird. vaube. 


Wodurch hat sich Fluinol im Flüge die Sympathie der Arzte 
erworben? Weil dessen ausgezeichnete Erfolge durch die unerreichte Güte 
der bei der Darstellung verwandten Ausgangsmaterialien bedingt sind. Weil 
es auf wissenschaftlicher Grundlage nach einem besonderen Verfahren aus ver¬ 
schiedenen als besonders heilsam erkannten Coniferennadeln hergestellt wird 
und daher eine zuverlässige, gleichmäßige Wirkung verbürgt. Dr. E. Cattani, 
dirigierender Arzt der Kuranstalt Engelberg, berichtet: „Ich bediene mich des 
Fluinols von Herrn Alfred Schmidt, Apotheker, Pharmaz. Chem. Laboratorium, 
Düsseldorf-Oberkassel, bereits seit dem Jahre 1899 in der Kuranstalt 
Engelberg. Vor und nach dieser Zeit habe ich auch anderweitige Fichtennadel¬ 
präparate gebraucht, so daß mir heute ein Urteil erlaubt sein dürfte. Auf 
Wunsch des Herrn Schmidt stehe ich nicht an, zu erklären, daß sein Fluinol 
sowohl punkto Heilwirkung als auch in bezug auf Annehmlichkeit, Reinlichkeit 
und Billigkeit mich diese ganze Zeit hindurch völlig befriedigt hat, und 
ich dieses Präparat in der Balneo-Therapie nicht missen 
möchte.“ 


Für die Redaktion verantwortlich: Proleaior Dr. J. O. Mönckeberg, Gießen, WUhelmstraße 9 . 
Verlag: Theodor Steinkopff Dresden n. Leipzig. Druck: Fr. Titlcl Nacbl., Dresden. 





Kongress - Nummer. 


Zentralblatt 

für 

HerzndMskrankheiteo 

Unter Mitarbeit von 

Geh. Rat Prot. Dr. L. Aschotf, Freibarg i. Br.; Sr. £xz. Geb. Rat Proi. Dr. Cb. BXuxler, Fre ibarg 
i. Är. ; Prof. Dr. E. Bari£, Paris; Prof. Dr. L. Brauer. Hamburg ; Prof. Dr. F. Chvostex, Wien; Prof. 
Dr. H. Ehret, Strassburg i. Eis.; Prof. Dr. W. Einthoven. Leiden; Prof. Dr. D. Gerhardt, Würxburg; 
Prof. Dr. J. Grober, Jena; Prof. Dr. A. Hasenfeld, Budapest; Prof. Dr. H. E. Hering, Prag; Dosent 
Dr. M. Herz, Wien; Geh. Rat Prof. Dr. H. Hochhaus. Köln; Prof. Dr. A. Hoffmann, Düsseldorf; Prof. 
Dr. A. Keith, London; Hofrat Prof. Dr. K. ▼. Kätly, Budapest; Prof. Dr. A. v. Koranyi, Budapest; 
Prof. Dr. F. KovXcs, Wien; Geh. Rat Prof. Dr. Fr. Kraus Berlin; Dr. Th. Lewis, London; Geh. Rat 
Prof. Dr. O. Lurarsch, Kiel; Dr. J. Mackenzie, London; Geh. Rat Prof. Dr. Fr. Martius, 
Rostock; Prof. Dr 0. Müller, Tübingen; Prof. Dr. E. Münzer, Prag; Prof. Dr. G. F. Nikolai, Berlin; 
Hofrat Prof. Dr. K. ▼. Noordbn, Wien; Prof. Dr. W. Obrastzow, Kiew: Prof. Dr. Th. v. Openchowski, 
Charkow; Hof rat Prof. Dr. N. Ortner, Wien; Reg.-Rat Prof. Dr.J. Pal, Wien; Prof. Dr. L. RAnon, Paris; 
Prof. Dr. H. Sahli, Bern; Prof. Dr. A. Samojloff, Kasan; Prof. Dr J. Strasburger. Frankfurt a. M.; 
Prof. Dr. A. Strubell, Dresden; Prof. Dr. H Vierordt, Tübingen ; Direktor Dr. F. Volharh, Mannheim. 


Heraasgegeben tob 

Professor Dr. J. 0. Mönckeberg, Düsseldorf. 


Erscheint am 1. und 15 

Dresden and Leipzig 

Preis halbjährlich 

jedes Monats. 

Virlag von Theodor Stelnkopff. 

M. 8.—. 


V. Jahrgang. 15. Mal 1913. Nr. 10. 


Kongressberichte. 

IV. Internationaler Kongress für Physiotherapie. 

Berlin, 26.—30. März 1913. 

Bericht von E. Silber mann (Kudowa). 

Die physikalische Behandlung der Kreislaufstörungen. 

O. Müller (Tübingen): Balneotherapie. 

Physikalische und pharmakologische Therapie stehen heute als gleich¬ 
wertige Faktoren in der modernen Therapie nebeneinander. Beide zu¬ 
nächst auf Grund reiner Empirie angewandt, haben erst allmählich ihre 
wissenschaftliche Sanktion erhalten und heute ist die Wirkung der hydro¬ 
therapeutischen Maßnahmen fast ebenso gut erklärt wie die der Digitalis¬ 
körper. 

Auch bei der Wirkung der Bäder müssen wir unterscheiden zwischen 
Herz- und Gefäßwirkung. 

Einfache Wasserbäder von 34° C. sind annähernd indifferent für 
den Kreislauf. Unterhalb des Indifferenzpunktes bewirken sie eine starke 
Verengerung der Haut- und Muskelgefäße, Blutdrucksteigerung und kom¬ 
pensatorische Erweiterung der Gefäße im Innern des Körpers. Herzschlag¬ 
volumen und Frequenz sinken. Bäder oberhalb des Indifferenzpunktes 
bis 38° und 39° C. bewirken Erweiterung der peripheren Gefäße, Sinken 
des arteriellen Druckes, kompensatorische Verengerung der Organgefäße, 
Steigen des Herzschlagvolumens und der Frequenz. 

Hydroelektrische Bäder, ohne Rücksicht auf die Art des angewandten 
Stromes, von 34° C. bewirken Verengerung der Gefäße in der Peripherie, 
Blutdrucksteigerung und Vermehrung des Herzschlagvolumens. Der Effekt 
ist der gleiche, wie bei sensibler Reizung ohne Schmerz übende Tätigkeit 
des Herzens. 











226 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Die Wirkung der Kohlensäurebäder stellt sich nach den Untersuch¬ 
ungen des Vortragenden folgendermaßen dar: Als wirksamster Faktor bei 
C02-Sool-Bädern kommt neben dem sensiblen, durch die Gasblasen be¬ 
wirkten und dem chemischen der thermische in Betracht. Der COa- 
und Salzgehalt wirkt anregend auf die Herztätigkeit ein, durch Vergrößerung 
des Schlagvolumens und leichte Steigerung der Frequenz. Die Temperatur 
aber zeigt ihre Wirkung hauptsächlich an den Gefäßen, die je nach der 
Höhe derselben eine Erweiterung oder Verengerung erfahren und auf 
diese Weise mehr schonend oder übend wirken. Durch entsprechende 
Dosierung der Bäder in bezug auf CO 2 - oder Salzgehalt und auf Tem¬ 
peratur lassen sich die verschiedensten Abstufungen erzielen. 

Die verschiedenen Temperaturen der C02-Bäder wirken in folgender 
Weise: C02-Bäder unter 34 0 C. steigern die bei jedem Herzschlag ausge¬ 
worfene Blutmenge, vermindern aber die Schlagfrequenz, sodaß eine 
ruhigere, aber um so ausgiebigere Herztätigkeit zustande kommt. An 
der Peripherie kontrahieren sich die Gefäße, der Blutdruck steigt, die 
Arterien im Körperinnern erweitern sich. Auf diese Weise wird den 
inneren Organen eine größere Blutmenge zugeführt und die gleichzeitig 
einsetzende vertiefte Atmung bewirkt einen besseren Abfluß aus den Venen. 
Die Gefäßkontraktion stellt zwar an sich eine Erschwerung für das Herz 
dar, wirkt aber andererseits übend. Der dichte Mantel von Kohlensäure¬ 
bläschen, der den Körper umgibt, bewirkt einen geringeren Wärmeverlust, 
wie bei dem einfachen Wasserbade von gleicher Temperatur, und die 
Kapillargefäße sind bei dem behaglichen Wärmegefühl erweitert 

Beim C02-Bade über 34° C. liegen die Verhältnisse ganz anders. 
Die vom Herzen bei jedem Schlag ausgeworfene Blutmenge wird ge¬ 
steigert, aber gleichzeitig nimmt auch die Schlagfrequenz zu. Die peri¬ 
pheren Arterien erweitern sich, die Arterien des Körperinnern verengern 
sich und die lebenswichtigen inneren Organe erhalten bei erniedrigtem 
Blutdruck weniger Blut, die Arbeit des Herzens wird erleichtert, das Herz 
wird geschont. 

Bei der indifferenten Temperatur von 34° C. erfährt die bei jedem 
Schlag vom Herzen ausgeworfene Blutmenge nur eine geringe Steigerung 
und eine leichte Vermehrung der Schlagfrequenz. Die Kapillaren erwei¬ 
tern sich, während die wichtigen arteriellen Strombahnen ziemlich unbe¬ 
einflußt bleiben. 

Diese Erfahrungen machen daher eine entsprechende Dosierung in 
Bezug auf Temperatur, CO 2 - und Salzgehalt erforderlich und Müller warnt 
daher vor sogenannten Hauskuren, die ohne ärztliche Beobachtung und ohne 
Unterbrechung des Berufes ausgeführt werden. Nur genaue Abwägung 
aller in Betracht kommenden Einzelheiten und sachgemäßes richtiges Ver¬ 
halten des Patienten können einen günstigen Erfolg zeitigen. 

Ähnlich wie bei den CXVBädern liegen die Dinge bei Sauerstoff¬ 
und Luftperlbädern, doch haben diese Arten Bäder aus mancherlei Gründen 
nicht die praktische Bedeutung wie CO 2 - und elektrische Bäder; sie sind 
auch milder als die gleichen C02-Bäder. 

Müller fordert zum Schluß nochmals große Vorsicht in der An¬ 
wendung von Bädern bei Kreislaufstörungen; nur genaue Kenntnis der 
theoretischen Grundlagen in Verbindung mit praktischer Erfahrung kann 
für den Patienten gute Erfolge bringen. 

H. Vaquez (Paris): Diattherapie. 

Prophylaktisch kann durch geeignete Diät dem Eintritt von Herz- 




o 


KONGRESS-BERICHTE 


227 


und Gefäßkrankheiten ganz besonders in den Fällen von dauernd erhöhtem 
Blutdruck bei Nierenkrankheiten und Arteriosklerose entgegengewirkt wer¬ 
den. Ganz besonders muß in diesen Fällen der Alkohol wegen seiner 
blutdruckerhöhenden Wirkung vermieden werden, während sich bei anderen 
Nahrungsstoffen eine derartige Wirkung nicht nachweisen ließ. Für die 
Fälle ausgesprochener Arteriosklerose kommt es ferner darauf an, — ab¬ 
gesehen von der Einschränkung des Alkoholgenusses — dem Patienten 
nur möglichst kleine Nahrungsmengen zu geben, die Fleischzufuhr herab¬ 
zusetzen und die Speisen möglichst salzarm zu gestalten, ln höheren 
Graden der Erkrankung wird Milchdiät und vorwiegend vegetabilische 
Kost ein Haupterfordernis sein müssen. Bei leichteren Herzerkrankungen 
kommt eine bestimmte Diät kaum in Betracht. Treten aber schwerere 
Störungen auf, so wird auch die Fleischkost zugunsten der vegetabilischen 
zurücktreten müssen und auch die Einschiebung von Milchtagen wird 
sich für solche Fälle empfehlen. Ein weiteres Erfordernis für die Störungen 
der Kompensation ist die möglichste Einschränkung der Flüssigkeits¬ 
zufuhr, um auch auf diese Weise dem Herzen die Arbeit zu erleichtern. 
Sind die Herzerkrankungen Folgen von Nierenerkrankungen, so muß die 
von Strauß und Widal angegebene kochsalzfreie Diät eingeführt werden. 

R. Zander (Stockholm): Kinesiotherapie. 

Bei der Bewegungstherapie haben wir zwischen aktiver und passiver 
zu unterscheiden. Bei der ersteren spielt sich der Prozeß in den Gelenken, 
bei letzterer in den Geweben ab. Charakteristisch für die schwedische 
Gymnastik ist die verschiedenartige Kombination beider Methoden. Auf 
die Zirkulation wirkt die passive Bewegung insofern ein, als durch sie 
der Füllungszustand der Venen geändert wird. Eine Art passiver Be¬ 
wegung sind die gymnastischen Respirationsbewegungen. Die durch die 
Respiration hervorgerufene wechselnde Verteilung der Blutmenge, der be¬ 
förderte Zu- und Abfluß des Blutes bilden eine bedeutende Unterstützung 
für die Arbeit des Herzens. Auch die aktiven Bewegungen haben auf 
die Blutverteilung einen großen Einfluß. Die dem arbeitenden Muskel 
in erheblicherem Maße zufließende Blutmenge bewirkt kompensatorisch 
ein Abströmen derselben von den inneren Organen, ein für pathologische 
Fälle hochbedeutsamer Vorgang. Der arbeitende Muskel hat aber auch 
einen erhöhten Sauerstoffbedarf, der vom gesunden Herzen nur dann nicht 
befriedigt werden kann, wenn die Ansprüche außerordentlich gesteigert 
werden. Beim kranken Herzen liegt die Grenze wesentlich tiefer, und 
es besteht daher für die Bewegungstherapie die Aufgabe, diese Akkomo¬ 
dation durch Training herbeizuführen. Zieht man weiterhin in Betracht, 
daß ein geübter Muskel bei gleicher Tätigkeit ein geringeres Sauerstoff¬ 
bedürfnis durch bessere Ausnützung des vorhandenen hat als ein unge¬ 
übter, so ist leicht einzusehen, wie durch systematische Übung eine 
bessere Versorgung des Organismus bei geringerem Sauerstoffbedürfnis 
herbeigeführt werden kann. Als einfachste Übung käme das Gehen in 
Betracht; doch wirkt dasselbe zu einseitig, da nur oder wenigstens in der 
Hauptsache die Beinmuskeln in Bewegung sind. Es ist ferner darauf zu 
achten, daß die Übungen möglichst automatisch vor sich gehen, da jede 
gleichzeitige psychische Anstrengung den Effekt durch Erhöhung des Blut¬ 
drucks stören muß. Daher werden in Schweden die sogenannten För¬ 
derungsbewegungen bevorzugt, weil diese eine Mittelstufe zwischen aktiver 
und passiver Bewegung bilden. Aber auch hier muß natürlich die Übung 
dem jeweiligen Zustande des Patienten angepaßt werden. 



228 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Landouzy (Paris) und Heitz (Royat): Die wissenschaftlichen 
Grundlagen der Balneotherapie. 

Soweit bei der Balneotherapie Herz- und Gefäßkrankheiten in Frage 
kommen, sind genaue Untersuchungen mittels der Sphygmographie, Plethys¬ 
mographie, Blutdruckmessungen, oszillometrischen Bestimmungen, Ortho¬ 
diagraphie erforderlich. Große Bedeutung legen die Vortragenden auch 
der Elektrokardiographie für die Beurteilung der Veränderungen im Ver¬ 
laufe der Kur bei. 

A.Straßer(Wien): Die wissenschaftlichen Grundlagen der Hydrotherapie. 

Im Vordergrund der thermisch-hydrotherapeutischen Maßnahmen steht 
immer die Wirkung auf den Blutkreislauf und die Änderung der Blut¬ 
verteilung. Aber es ist nach Str.’s Ansicht durchaus nicht immer möglich, 
durch irgend welchen thermisch-chemischen Reiz die Blutverteilung nach 
Gefallen zu dirigieren; im Gegenteil nur in vereinzelten Fällen gelingt 
es, bestimmte Regionen mit einer größeren Blutmasse zu versorgen. Es 
ist ferner zu berücksichtigen, daß das Minutenvolum für die inneren 
Organe einen höheren Wert zeigt als für die Muskeln. Da aber die 
Muskelmasse an sich erheblich größer ist als die Masse der inneren 
Organe, so wird eine Änderung der Blutfülle auch eine bedeutende Ver¬ 
schiebung der Blutverteilung zur Folge haben müssen. Die Veränderung 
der Zirkulation drückt sich in Veränderungen des Blutdrucks aus, als Re¬ 
sultante der Veränderung der Herztätigkeit und des Gefäßzustandes. 

Des weiteren geht Vortr. auf die Änderungen der Blutbeschaffen¬ 
heit etc. ein. die aber hier von geringerem Interesse sind. 

R. Stähelin (Basel): Einfluß der täglichen Luftdrnckschwankungen 
auf den Blutdruck. 

St. hat an einer Reihe von Patienten mit stationärer Lungentuberkulose 
Blutdruckmessungen angestellt und konnte feststellen, daß plötzliches Ab¬ 
sinken des Luftdrucks auch ein Absinken des Blutdrucks zur Folge hatte. 
Auffallend ist, daß diese Verhältnisse sich bei anderen Kranken nicht zeigten. 
Eine endgültige Erklärung vermag Verf. hierfür nicht zu geben. 

A. Strubell (Dresden): Ober den Einfluß physikalischer Maßnahmen 
anf den Kreislauf. 

Eine physikalische Beeinflussung der Blutverteilung kann erfolgen: 
1. durch Veränderung des gesamten Blutvolumens, 2. durch Veränderung 
der Tätigkeit der beiden Motoren, d. h. des rechten und linken Herzens, 
3. durch Veränderung der Widerstände. Das Blutvolumen kann ver¬ 
ändert werden durch Flüssigkeitsbeschränkung bezw. Entziehung, oder 
durch Aderlaß. (Str. zieht die Arteriotomie der Venaesectio vor.) Die 
Herztätigkeit kann reflektorisch durch die periphere Reizung sensibler 
Nerven beeinflußt werden und zwar wie die Versuche im von Basch'sehen 
Laboratorium zeigen, Herzarbeit begünstigend und Blutdruck vermehrend 
auf dem Wege des Accelerans, Herzarbeit verschlechternd und Blutdruck 
senkend auf dem Wege des Vagus, in beiden Fällen aber unter Ver¬ 
mittelung des Vasomotorenzentrums. Strubell hat durch verfeinerte 
Technik das Wechselstrombad auch für diejenigen Fälle von Blutdruck¬ 
steigerung und Arteriosklerose nutzbar gemacht, wo es bisher kontra¬ 
indiziert war und in 82°/o dieser Fälle eine Blutdrucksenkung beobachten 
können. Analog den Wechselstrombädern sind in ihrer Wirkung auch 
die COj-Bäder: periphere Reizung der Wärme-, Kälte- und sensiblen 
Nerven, Beeinflussung der Herzarbeit und der arteriellen Gefäßspannung. 




229 


O KONGRESS-BERICHTE 


unter gleichzeitiger Erweiterung der Kapillaren. Str. warnt vor zu lang¬ 
dauernden, zu starken und zu kühlen CCVBädem. Sollen die COg-Bäder 
die Herzarbeit verbessern, ohne das Herz selbst nicht erheblich mehr zu 
belasten, so dürfen sie nicht zu kühl gegeben werden. Im Elektrokardio¬ 
gramm konnte Strubell nachweisen, daß der Reizablauf im Herzen beim 
Wechselstrombad günstig beeinflußt wird. Warme Bäder setzen die Herz¬ 
arbeit herab und wirken ungünstig auf den Kreislauf. Das wichtigste 
aber bei allen physikalisch - therapeutischen Maßnahmen, es sei Balneo- 
oder Mechanotherapie, ist die Änderung der pathologischen Blutverteilung. 

G. F. Nicolai (Berlin): Über die Bedeutung der Elektrokardiographie 
für die Beurteilung herztherapeutischer Maßnahmen. 

Bei der Behandlung von Herzkranken hat man eigentlich nur zwei 
wirksame Mittel an der Hand, die Erleichterung der Herztätigkeit durch 
Ruhe, und die Kräftigung des Herzens durch Arbeit. Da man also nur 
die Wahl hat zwischen zwei an sich entgegengesetzt wirkenden Faktoren, 
so muß man ganz bosonders vorsichtig in der Wahl der Therapie sein 
und darf dieselbe nur auf einer durchaus gesicherten Diagnose aufbauen. 
Im großen und ganzen gilt es zu unterscheiden zwischen organischen 
Fehlern, bei denen Ruhe und Schonung hauptsächliches Erfordernis ist, 
und zwischen nervösen Herzkrankheiten, bei denen gerade eine Steige¬ 
rung der körperlichen Tätigkeit Heilung bringt. Gerade diese Unter¬ 
scheidung aber erleichtert das elektrokardiographische Verfahren. Es wird 
dieses an dem Beispiel der Herzunregelmäßigkeit geschildert Mit diesem 
— von den Patienten so sehr gefürchteten — Symptom konnte der Arzt 
früher nichts rechtes anfangen, denn man glaubte, daß es bei schweren 
Herzkrankheiten, aber auch in ganz harmlosen Fällen Vorkommen könnte. 
Heute wissen wir, daß es ganz verschiedene Arten von Herzunregelmäßig¬ 
keiten gibt, von denen die einen so schwer sind, daß sie das Leben ge¬ 
fährden können (Überleitungsstörungen und völlige Dissoziation), andere 
aber wirklich harmloser Natur sind (Extrasystolie, respiratorische Arhythmie), 
während dritte (Pulsus irregularis perpetuus) ein ernst zu bewertendes 
Symptom schwerer Herzerkrankung darstellen. Eine praktisch brauchbare 
Methode, diese verschiedenen Arten von Arhythmie zu unterscheiden, 
bietet aber nur das elektrokardiographische Verfahren. 

Weiter führt N. aus, daß heute- mehr als je für den Herzarzt die 
Pflicht dauernder Überwachung seiner Therapie bestehe durch ein objektives 
Verfahren, das jederzeit vergleichende Befunde gebe. Als solche kämen 
Röntgenverfahren, Blutdruckmessung und Elektrokardiographie in Frage. 
Aus den verschiedensten Gründen hält daher N. die Elektrokardiographie 
für die Herztherapie für unentbehrlich und empfiehlt deren Anwendung 
nicht nur allen denen, die sich wissenschaftlich mit dem Studium der 
Herzkrankheiten befassen, sondern vor allem auch den praktischen Ärzten, 
welche die Herzkrankheiten heilen wollen. 

B. Lewinsohn (Altheide): Zur klinisch-balneologischen Therapie der 
Kreislaufstörungen. 

Entgegen den Anschauungen von Hirsch und O. Müller, welche die 
CO*-Bäder nur in Fällen leichter Herzinsuffizienz angewandt wissen wollen, 
wo ein gewisses Kräftemaß noch vorhanden ist, dehnt L. die Indikationen 
auch auf die schweren Fälle aus, will jedoch dieselben nur im Sanatorium 
angewandt wissen, wo im Hause selbst die Bäder verabfolgt werden und 
gleichzeitig eine strenge Bettruhekur durchführbar ist. Also leicht Herz¬ 
kranke in den Kurort, schwere Insuffizienzen in die Anstaltsbehandlung. 



230 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND OEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


F. K r o n e (Sooden-Werra): Vergleichende praktische Erfahrungen in der 
Balneotherapie der Kreislaufstörungen im Kohlensiurebad und im Solbad. 

K. ist der Ansicht, daß CO 2 - Stahlbäder, COs-Solbäder und einfache 
Solbäder bei Herzerkrankungen das gleiche leisten. Wollte man schon 
einen Unterschied zwischen diesen Arten der Bäder machen, so möge 
man bei den Herzerkrankungen auf deren Ursachen zurückgehen und die 
COa-Stahlbäder bei anämischen Herzkranken anwenden, dagegen in allen 
den Fällen, wo Skrophulose, Störungen in den Atmungsorganen oder 
Rheumatismus ätiologisch in Betracht kommen, COs-Solbäder oder einfache 
Solbäder zur Behandlung heranziehen. Für Arteriosklerose empfiehlt K. 
am meisten einfache Solbäder. 

J. Sieb eit (Flinsberg): Verhalten des Blutdrucks im Mittelgebirge. 

Einen fast gesetzmäßigen Abfall des erhöhten Blutdrucks bei Arterio- 
sklerotikern konnte S. lediglich unter der klimatischen Einwirkung im 
Mittelgebirge beobachten. Dieser Abfall trat auch dann ein, wenn keiner¬ 
lei Bäder oder sonstige Heilfaktoren zur Anwendung kamen. Er glaubt 
daher, daß das Klima an sich schon eine wesentliche blutdruckherabsetzende 
Wirkung habe. Des weiteren konnte er beobachten, daß der bei Anämischen 
herabgesetzte Blutdruck während der üblichen Kurdauer von 4 Wochen 
sich nicht bis zur Norm erhebt, und zwar auch dann nicht, wenn der 
Hämoglobingehalt des Blutes ein normaler geworden war. Diese Tatsache 
sucht S. damit zu erklären, daß wahrscheinlich Mängel in der Ernährung 
der Gefäße bestehen, die sich erst allmählich ausgleichen. 

M. Hirsch (Salzschlirf): Zur Frage der Arteriosklerose vor dem 
30. Lebensjahre. 

Die in der Literatur niedergelegten Angaben über das Vorkommen 
frühzeitiger Arteriosklerose hat H. einer eingehenden Kritik unterzogen 
und ist dabei zu dem Resultat gelangt, daß die als Arteriosklerose ange¬ 
sprochenen Fälle im 1. Jahrzehnt kaum als solche zu deuten sind, ebenso 
wenig wie die im 2. Jahrzehnt. Anders dagegen liegt es mit den Fällen 
im 3. Jahrzehnt. Hier wird im direkten Gegensatz dazu häufig Neu¬ 
rasthenie diagnostiziert, wo bereits Arteriosklerose besteht H. fordert da¬ 
her eine möglichst genaue Präzisierung des Begriffs Arteriosklerose, um 
auch bereits in diesen beginnenden Fällen die Diagnose stellen und die 
therapeutischen Maßnahmen treffen zu können. 

R. Klotz (Tübingen): Behandlung der akuten Blntdrocksenknng mit 
Hypophysenextrakt 

Pituitrin bewirkt eine Kontraktion der kleinsten Gefäße und ruft da¬ 
durch Blutdrucksteigerung hervor mit einer Verstärkung der Herztätigkeit 
Die Drucksteigerung ist von längerer Dauer, jedoch nur mäßig hoch, so 
daß die an das Herz gestellten Anforderungen auch nicht zu große sind. 
Indiziert ist das Pituitrin in allen Fällen akuter Blutdrucksenkung, wie 
sie bei großen raschen Blutverlusten, durch Shockwirkung oder Toxine 
hervorgerufen wird, also bei Gefäßerschlaffung im Splanchnicusgebiet 
In solchen Fällen ist durch gleichzeitige intravenöse Applikation physio¬ 
logischer Kochsalzlösung eine wesentliche Erhöhung der Wirkung zu er¬ 
zielen. Auch die Darreichung von Exzitantien kann Hand in Hand mit 
der Pituitrininjektion gehen. Eine Wiederholung der Injektion kann nach 
Ablauf der Wirkung — mindestens nach 12 Stunden — erfolgen. Von 
akuten Krankheiten geben Pneumonie, Diphtherie, Peritonitis etc eine 
Indikation für die Pituitrininjektion. 



KONGRESS-BERICHTE 


231 


S. Lilienstein (Nauheim): Die Phlebostaseals physikalisches Heil¬ 
mittel bei Kreislaufstörungen. 

Mittels des Phlebostaten (bestehend aus 2 Hohlbinden, Manometer, 
Gebläse und Ablaßventil) werden beide Oberarme 3—5 mal je 1—2 
Minuten lang unter einem Druck von 80—100 mm Hg — in jedem 
Falle etwas unterhalb des Minimaldrucks — gestaut. Entsprechend der 
Entlastung des rechten Ventrikels tritt bei kardialer Dyspnoe fast momen¬ 
tan eine Vertiefung der Atmung und Verminderung der Atemfrequenz ein; 
es zeigt sich ferner Pulsverlangsamung und teilweises Verschwinden der 
Zyanose. Der hebende und verbreiterte Spitzenstoß geht häufig deutlich 
zurück. Durch fortgesetzte Behandlung läßt sich eine Dauerwirkung er¬ 
zielen. Nach den Angaben des Vortr. sind derartige Erscheinungen bei 
gesundem Herzen oder rein nervösen Herzstörungen nicht zu beobachten, 
so daß wir hier ein einfaches differentialdiagnostisches Hilfsmittel zur 
Hand hätten. L. vergleicht die Wirkung der Phlebostase mit der der 
COa-Bäder, die ja auch eine Dauerwirkung trotz der kurzdauernden An¬ 
wendung hervorbringen. Besonderer Wert ist auf die genaue Dosierung 
der Behandlung, auf Kontrolle des Druckes und Beschränkung der Stau¬ 
ungsdauer auf jeweils 5 x 1V* Minuten zu legen, wodurch auch eine am¬ 
bulante Verwendung der Phlebostase ermöglicht wird. 

R. W y b a u w (Spa): Versuche an einem Kreislaufmodell mit Hinsicht 
auf die Kohlensäurebider. 

Das COa-Bad wirkt weniger auf den Minimal- als auf den Maximal¬ 
druck. Mittels einer graphischen Methode konnte W. den Nachweis er¬ 
bringen, daß die im COa-Bade veränderte Pulsamplitude im wesentlichen 
auf einer Änderung des Maximaldruckes beruht. Sowohl bei Steigen wie 
bei Sinken des letzteren war der Minimaldruck fast unverändert, in beiden 
Fällen war aber gewöhnlich eine Pulsverlangsamung zu konstatieren. 
Versuche an einem künstlichen Modell ließen ihn ferner zu dem Schluß 
kommen, daß die den Blutdruck verändernden Faktoren nicht bei allen 
Patienten in gleicher Weise wirken, und daß eine Gefäßkontraktion nicht 
in jedem Falle eine Vermehrung der Herzarbeit bedeutet. 

Kuhn (Schlachtensee): Ober leichtere Basedowerkrankungen und ihre 
günstige Beeinflussung durch hygienisch-klimatische Faktoren. 

K. hat seine Untersuchungen an Rekruten angestellt und kommt auf 
Grund des großen Materials zu dem Schluß, daß ein Zusammenhang 
zwischen Tuberkulose und Basedow nicht besteht. Sein Material weist 
ebensoviel Fälle mit wie ohne Tbk. auf. Therapeutisch wurde bei den 
Basedow-Patienten mit gutem Erfolg Sport unter günstigen hygienischen 
Verhältnissen angewandt. Dienstuntauglichkeit oder auch nur vorüber¬ 
gehende Dienstunfähigkeit trat nicht ein. 

O. B r u n s (Marburg): Die wettere Ausgestaltung der Unterdruckatmung 
für die Behandlung der Atmungs- und Kreislaufstörungen. 

Durch das Atmen am Unterdruckapparat wird künstlich eine Differenz 
hergestellt zwischen dem atmosphärischen Druck und dem in den Luft¬ 
wegen und dem Lungeninnern. Die Folge davon ist eine Erweiterung 
der Strombahn des Lungenkreislaufs, ein permanentes Druckgefälle, das 
zu einem beschleunigten und vermehrten Abfluß des Venenblutes nach 
dem rechten Herzen führt und so die Arbeit desselben erleichtert. Br. 
wendet nur Unterdruckwerte bis zu höchstens 20 cm Wassersäule an und 
konnte experimentell eine erhöhte Durchflußgeschwindigkeit des Blutes im 



232 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


Lungenkreislauf und Vergrößerung des Schlagvolumens des linken Herzens 
feststellen. Die Indikationen ergeben sich hiernach von selbst: Insuffizienz 
der Atmungsorgane und dadurch bedingte Störungen des Kreislaufs, 
Mitralfehler, Koronarsklerose und Cor adiposum. Auch Stenokardien 
schwinden unter dieser Behandlung. Beim Bronchialasthma stellt die 
Unterdruckatmung eine gute Atemgymnastik dar. Sogar bei einfachen 
und sekundären Anämien konnte durch Sitzungen von zusammen 1 Stunde 
täglich ein Ansteigen der Blutkörperchenzahl und des Hämoglobingehaltes 
festgestellt werden. 

G. v. Bergmann und Fr. Hapke (Altona): Kreislauftherapie bei 
veränderten Druckverhältnissen der Lungenluft 

Das von Albrecht angegebene Verfahren zur Behandlung von Herz¬ 
krankheiten, das eine Kombination von Über- und Unterdruckatmung 
darstellt, ist von Hapke geprüft worden und ergab nach jeder Sitzung 
eine objektive Besserung der Kreislaufverhältnisse, die jedoch in der 
gleichen Intensität nicht allzulange anhielt. Obwohl die von Albrecht 
angenommene Dauerwirkung noch nicht vollgültig bewiesen ist, muß man 
doch dieser Behandlungsart größere Beachtung schenken, da sie in jedem 
Falle als herzschonende Therapie ebenso wie alle anderen Arten in Be¬ 
tracht kommt Sowohl schon bestehende Dekompensationszustände des 
Herzens, als auch z. Z. kompensierte Herzen, bei denen prophylaktisch 
gewirkt werden soll, geben die Indikation für diese Behandlung. Denn 
die Änderung der Druckverhältnisse der Lungenluft bewirkt eine bessere 
Arbeit der einzelnen Herzabschnitte, eine Änderung der Blutverteilung 
im Lungenkreislauf, bessere Durchblutung der Koronararterien und schafft 
so Zustände im gesamten Kreislauf, die für den ganzen Organismus von 
Bedeutung sein müssen. 

E. Hirsch (Nauheim): Zur Behandlung von Herzschwäche und 
Kreislaufstörungen mit der Bruns’schen Unterdruckatmung. 

Durch die U.-A. wird die Herztätigkeit noch mehr als durch die 
normale Atmung unterstützt. Vortr. hatte schon früher bei allen Formen 
von Herzschwäche durch systematische Tiefatmungen eine Besserung er¬ 
zielt. Die Untersuchungen mit dem Bruns'schen Verfahren wurden an 
Gesunden und Kranken vorgenommen und ergaben nach 1—2 Min. 
U.-A. einen kräftigeren, volleren Puls; Zyanose und Dyspnoe schwanden; 
subjektiv wurde von den Patienten besseres Befinden und vor allem 
besserer Schlaf angegeben. Störungen irgend welcher Art sind nie be¬ 
obachtet worden. Mittels des Frank'sehen Spiegelsphygmographen wurden 
die schon vorher festgestellten Resultate bestätigt, bei denen sich auch 
eine deutliche Zunahme der Pulsamplitude zeigte, was nach O. Müller 
und H. Sahli, da es sich hier um zentrale Pulse handelt, auch als Zunahme 
des Schlagvolumens zu deuten wäre. Das Bruns'sche Verfahren sei 
jedenfalls als gutes Mittel in der physikalischen Therapie sehr zu empfehlen. 

L. Pick (Berlin): Zur Therapie der Dysbasia angiosclerotica. 

Das intermittierende Hinken erfordert zur erfolgreichen Behandlung 
einmal eine Beeinflussung der Blutviskosität und ferner eine bessere 
Durchblutung der erkrankten Extremität. Ersteres wird durch die Dar¬ 
reichung von Jod, letzteres durch Unterdruckatmung erreicht. P. kombiniert 
beide Heilmethoden in der Weise, daß er trockene Jodnebel durch Wasser 
leitet und durch eine Gesichtsmaske inhalieren läßt. Da die Maske gegen 
das Gesicht hermetisch abgeschlossen ist, wird eine dem Unterdrück 



KONGRESS-BERICHTE 


233 


identische Atmungserschwerung herbeigeführt, die an einem mit der Flasche 
verbundenen Anaeroidmanometer genau abgelesen werden kann und sich 
nach Bedarf modifizieren läßt. Die Erfolge dieser Behandlungsmethode 
sind günstig. Abgesehen von dem besseren subjektiven Befinden des 
Patienten konnte objektiv ein Nachlassen der Kälte in der erkrankten 
Extremität und Wiederauftreten der Pulsation der Art. dorsalis pedis fest¬ 
gestellt werden. Die Behandlung muß mehrere Monate hindurch fort¬ 
gesetzt werden. 

F. Meyer (Kissingen): Der gastrokardiale Symptomenkomplex und 
seine Behandlung im Bade. 

Als gastrokardialen Symptomenkomplex bezeichnet man den durch 
die Hochtreibung des linken Zwerchfells bei labilem oder reizbarem 
Herzen hervorgerufenen Zustand von Atemnot, Blutdrucksteigerung und 
unregelmäßiger Herztätigkeit, wie er ähnlich bei Angina pectoris auftritt. 
Experimentelle Untersuchungen durch Gasauftreibung des Magens haben 
eine Übereinstimmung mit dem klinischen Bilde gegeben. Daher können 
auch therapeutisch nur Maßnahmen in Betracht kommen, die einerseits 
die Gasbildung verhindern, andererseits die bereits bestehende beseitigen. 

H. Günzel (Soden): Behandlung des Morbus Basedowii. 

Von dem Gedanken ausgehend, daß der Symptomenkomplex des 
Basedow als ein im Sympathikusgeflecht sich abspielender, mehr oder 
weniger hochgradiger krankhafter Erregungs- und Reizzustand aufzufassen 
ist, hat G., analog ähnlichen Krankheitsfällen, den Leduc’schen Strom an¬ 
gewandt und die Elektroden in den seitlichen Halsdreiecken oder auch 
direkt an der Schilddrüse angelegt. Die Stromstärke betrug 4—10 M. A., 
die Dauer der einzelnen Sitzungen 5—10 Min. Die positive Doppel¬ 
elektrode wurde in den Halsdreiecken, die negative am Thorax, Nacken 
oder Oberarm angelegt. Objektiv konnte nach jeder Sitzung langsamere 
und ruhigere Atmung, verringerte Pulsfrequenz, Nachlassen der Herz- 
palpitation, auch subjektiv, konstatiert werden. Nach etwa 5—9 Sitzungen 
konnte auch Verkleinerung der Schilddrüse und Zurückgehen des Ex¬ 
ophthalmus festgestellt werden, ebenso wie die gesamten Krankheits¬ 
erscheinungen zurückgingen. Nach 25—30 Sitzungen wurde eine monate¬ 
lange Pause gemacht und nur in schwereren Fällen trat ein Rezidiv ein, 
während die leichteren rezidivfrei blieben (4—5 Jahre Beobachtungszeit). 

A. Selig (Franzensbad): Experimentelle Studien zur Beeinflussung des 
Blutdrucks. 

Das Bestreben, den gesteigerten Blutdruck herabzusetzen, veranlaßte 
S. zu experimentellen Versuchen an Kaninchen mit chemischen Agentien, 
die als Resultat ergaben, daß Jod erst nach großen Dosen und kurze Zeit 
vor dem Tode des Tieres den Blutdruck zum Sinken bringt, Blei steigert 
ihn, Salpeter und Atophan lassen ihn ganz unbeeinflußt. S. kommt daher 
zu dem Schluß, daß die physikalischen Heilfaktoren der COs-Bäder, Dampf¬ 
bäder, Halbbäder erheblich rascher eine Blutdrucksenkung herbeizuführen 
imstande sind, und auch bei wiederholten Kuren eine Dauerwirkung er¬ 
reichen lassen. 

Havas (Pöstyen): Die funktionelle Herzkontrolle bei Thermalbade¬ 
kuren. 

Unter funktioneller Herzkontrolle versteht H. die Beobachtung der 
Veränderungen von Puls und Blutdruck bei bestimmter Anordnung der 
Badeprozedur, durch welche erreicht wird, daß die die Blutdruckmessung 



234 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


störenden äußeren Einflüsse ausgeschaltet werden. Eine größere Über¬ 
anstrengung des Herzens besteht, wenn während des Bades neben starker 
Blutdrucksenkung Tachykardie, Arhythmie, Zyanose oder Dyspnoe auftritt 
Bei Insuffizienzen leichteren Grades verharrt der Blutdruck in der Trocken¬ 
packung noch 20—30 Min. nach dem Bade 20—25 mm Hg oder noch 
mehr unter dem Anfangswert. Auch die Pulsfrequenz zeigt wenig Tendenz 
zum Sinken. Die durch fortgesetzte überanstrengende Bäder gesetzte 
dauernde Schädigung des Myokards zeigt sich objektiv in Verschlimmerung 
des klinischen Befundes der Kreislauforgane, subjektiv in »nervösen“ 
Störungen. 

J. Jacob (Kudowa): Zur mechanischen Sicherung der Diagnose und 
zur mechanischen Behandlung von Herzfehlern. 

lßjähriger junger Mann, leicht zyanotisch, seit früher Kindheit leicht 
kurzatmig. Herzstoß normal, rechtes Herz erweitert, deutlich pulsierend, 
systolisches, mithin fortgepflanztes Geräusch im 2. I. R. links. Kein ver¬ 
stärkter 2. Pulmonalton. Die Differentialdiagnose schwankt zwischen 
Aneurysma, Insuff. valv. mitralis, offenem Ductus Botalli und Pulmonal¬ 
stenose. Durch tiefe Einatmung wurde das Geräusch erheblich verstärkt; 
nur das Fehlen einzelner anderer Symptome machte die Diagnose ange¬ 
borene Pulmonalstenose sicher. 

9 jähriges Mädchen, zyanotisch, Puls 160, starkes sichtbares, weiches 
Pulsieren des 2. und 1. I. R. links. Die aufgelegte Hand fühlt bis in 
die Fossa supraclavicularis ein starkes Schwirren. Herz beiderseits er¬ 
weitert Starkes systolisches Geräusch im 1. und 2. I. R. links und ein 
systolisches und diastolisches Geräusch über der Aorta. Inspiration ver¬ 
stärkt das linksseitige Geräusch nicht, läßt aber das Pulsieren in den 1. R. 
verschwinden. Diagnose: offener Ductus Botalli und Aortenstenose. 

Atemgymnastik brachte in beiden Fällen Besserung. J. empfiehlt 
daher dieselbe für die Behandlung der Herzfehler. 

j. Jacob (Kudowa): Wann ist Bergsteigen für Herzfehler nützlich, 
schädlich oder überflüssig? 

An der Hand der von Gerte 1 angeführten Beispiele kommt J. zu 
dem Schluß, daß bei überlastetem rechtem Herzen die systematische Terrain¬ 
kur von Vorteil ist, da die Arbeit des rechten Herzens auf diese Weise 
erleichtert wird, dem gesamten Herzmuskel aber eine bessere Ernährung 
zuteil wird. 

F. Kirchberg (Berlin): Die Wirkung der Massage bei Arteriosklerose 
und chronischer Kreislaufschwiche. 

Bei Arteriosklerose und Kreislaufschwäche empfiehlt K. systematische, 
dauernde Anwendung sowohl der Ganzmassage wie auch der Bauchmassage, 
als einer Art Vasomotorenübung, d. h. Gewöhnung der Gefäße an prompte 
Reaktion. Gleichzeitig wirkt sie durch Erweiterung der peripheren Gefä߬ 
bahnen blutdruckherabsetzend, bewirkt eine bessere Ernährung der Gefäße 
selbst, durch Steigerung des Stoffwechsels eine Herabsetzung der Vis¬ 
kosität des Blutes und Eliminierung im Körper kreisender Noxen. Von 
Wichtigkeit ist ferner die Beeinflussung des Abdomens durch Atmungs¬ 
gymnastik und Bauchmassage, besonders in den mit Enteroptose einher¬ 
gehenden Fällen von Arteriosklerose, und Herabsetzung des intraabdomi- 
nalen Drucks. Dies geschieht mit Hilfe des Kirchberg-Dräger'schen 
Saugapparates unter event. Zuhilfenahme der Bruns’schen Unterdruck¬ 
atmung. Es kommt ferner bei gewissen Zuständen von Arteriosklerose 



KONGRESS-BERICHTE 


235 


auch die Teilmassage in Betracht, so bei Hyperästhesien, Gefäßkrisen, 
Dysbasia angiosclerotica. 

Zum Studium der Wirkung der Therapie muß neben der Blutdruck¬ 
messung vor allem das Elektrokardiogramm herangezogen werden. 

A. Haupt (Soden): Die physikalische Therapie der chronischen Bronchitis 
und des Emphysems unter besonderer Berücksichtigung der durch sie be¬ 
dingten Kreislaufstörungen. 

Die Beziehungen der chronischen Bronchitis und des Emphysems 
zu den Kreislauforganen sind so eng, daß derartige Leiden nur in solchen 
Bädern zur Behandlung kommen sollten, die neben den spezifischen Heil¬ 
mitteln für Erkrankungen der Atmungsorgane gleichzeitig solche für die 
Behandlung von Kreislaufstörungen zur Verfügung haben. 


XVI. Tagung der Deutschen pathologischen Gesellschaft. 

Marburg a. L., 31. März—2. April 1913. 

Bericht von S. Schönberg (Basel). 

Auf der 16. Tagung der Deutschen pathologischen Gesellschaft 
wurden folgende Vorträge und Demonstrationen aus dem Gebiete der 
Herz- und Gefäßkrankheiten gehalten: 

M. A. Ve rse (Leipzig). Vortragender demonstriert Präparate eines Falles 
von ausgebreiteter Phlebitis und Periphlebitis syphilitica der Venen des 
gesamten Zentralnervensystems, die, im Sekundärstadium entstanden, einer¬ 
seits zu einer weiteren Entzündung der weichen Häute mit Übergreifen 
auf die nervöse Substanz selbst, andererseits zu ausgedehnten neuritischen 
Veränderungen in den Wurzeln bis in die Spinalganglien hinein Anlaß 
gegeben hatte. Diese Erscheinungen sowohl als auch Degenerationsherde 
im Rückenmark konnten auf eine direkte Einwirkung der Spirochaeten 
zurückgeführt werden, welche von den entzündeten Venen aus zum Teil 
sehr reichlich Häute, Nerven und stellenweise auch die äußeren Mark¬ 
schichten der Medulla spinalis durchsetzten. (Autoreferat.) 

C. Kaiserling (Berlin) demonstriert ein Gehirn mit einem großen 
Aneurysma einer oberflächlichen Arterie der Konvexität bei einem Arterio- 
sklerotiker. Daneben fanden sich große mit Blut gefüllte Hohlräume, 
deren Provenienz aus Arterien oder Venen nicht mehr erkennbar war. 

A. Binder (Barmen) demonstriert ein walnußgroßes Aneurysma der 
Art. lienalis am Milzhilus, das in die unmittelbare Umgebung perforierte, 
wo der Bluterguß zunächst abgekapselt wurde. An einer zirkumskripten 
Stelle der sonst derben, schwartigen Kapsel war die Wand offenbar dünner 
und weniger widerstandsfähig; hier erfolgte eine Perforation in die Bauch¬ 
höhle mit tötlicher Blutung. In der stark vergrößerten Stauungsmilz 
fanden sich neben alten Infarktnarben große frische hämorrhagische keil¬ 
förmige Infarkte. Der 47 jährige Mann litt seit einigen Jahren an heftigen, 
anfallsweise auftretenden Schmerzen in der Milzgegend. Der Milztumor 
wurde klinisch festgestellt, doch konnte eine bestimmte Diagnose nicht 
gestellt werden (Abszeß? Echinococcus? Aneurysma?). Der Blutbefund 
war negativ. Es bestand allgemeine Atherosklerose mäßigen Grades, die 
mit jahrelang bestehender Gicht in Zusammenhang zu bringen sein dürfte. 

(Autoreferat). 



236 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


J. G. Mönckeberg (Gießen): Zur Entwicklungsgeschichte des Atrio- 
ventrikularsystems. 

Die entwicklungsgeschichtlichen Untersuchungen von Franklin P. 
Mall an menschlichen Embryonen haben ergeben, daß das Atrioventrikular¬ 
system nichts anderes als den Rest der primitiven Muskulatur des Ohr¬ 
kanals an der hinteren Seite des letzteren (dort, wo Sinusquerstück und 
Ventrikel dicht benachbart sind) darstellt. Diese Befunde erfahren eine 
Bestätigung in dem Verhalten des Systems bei schweren Septumdefekten. 
Es geht daraus hervor, daß die Muskulatur des Ohrkanals deshalb hinten 
an der Zirkumferenz des Ohrkanals persistiert, weil hier infolge der 
Ventrikelseptumanlage die Bildung der Atrioventrikularklappen, die zur 
Kontinuitätsunterbrechung der Ohrkanalmuskulatur führt, ausbleibt. Dem¬ 
entsprechend wird im Cor biloculare, in dem die Ventrikelseptumanlage 
fehlt und es daher an der ganzen Zirkumferenz des Ohrkanals zur Klappen¬ 
bildung kommt, auch hinten die Muskulatur des Ohrkanals unterbrochen, 
so daß das Atrioventrikularsystem hier fehlt. Für die normale hintere 
muskuläre Verbindung tritt in solchen Fällen eine der akzessorischen Ver¬ 
bindungen, die Franklin P. Mall in bestimmten Stadien der normalen 
Entwicklung als vorübergehende Erscheinung beobachtet hat, sozusagen 
vikariierend ein und wird zum persistierenden Atrioventrikularsystem. In 
einem zweifellos sehr seltenen Falle konnte Vortr. neben der normalen 
Verbindung eine persistierende akzessorische Verbindung nachweisen, die 
sich mit jener vereinigte. (Demonstration von Querschnittsbildem je eines 
Falles von Foramen primum, Cor triloculare biventriculosum, Cor bilo¬ 
culare und Foramen primum mit Transposition der Ventrikel etc.) 

(Autoreferat.) 

Carl Sternberg (Brünn): Beitrage zur Herzpathologie. 

a) Defekt im Septum atriorum mit Spaltbildung im Aorten¬ 
zipfel der Mitralklappe, weiter Art. pulmon. und enger Aorta. Das Herz 
entspricht vollständig einem von Rokitansky festgestellten Typus der 
Defekte des Vorhofseptums. Es handelt sich offenbar um ein Stehenbleiben 
des Septum I auf einer frühen Entwicklungstufe; der Defekt entspricht 
dem Ostium 1 Born. 

b) Cor triatriatum biventriculare. Durch Divergenz der 
beiden Anteile des Vorhofsseptum von vorne nach hinten ist der rechte 
Vorhof in zwei Teile geteilt. Somit bestehen eigentlich drei unvollständig 
von einander geschiedene Vorhöfe, von welchen der linke die Lungen¬ 
venen, der mittlere, der dem Spatium interseptale entspricht, die untere 
Hohlvene aufnimmt. Außerdem besteht ein Defekt im hinteren Abschnitt 
der Vorhofscheidewand, der gleichfalls einem persistenten Ostium 1 Born 
entspricht Es handelt sich mithin um eine Hemmungsbildung des Sep¬ 
tum I und fehlerhafte Stellung des Septum II, die vielleicht durch eine 
abnorme Einmündung der unteren Hohlvene (zu weit nach hinten be¬ 
ziehungsweise links) bedingt war. 

c) Haemangiomyxom im linken Vorhof. Der Tumor saß 

hinter der Valvula foraminis ovalis, füllte den linken Vorhof fast ganz 
aus und verlegte das Mitralostium. In seinem histologischen Aufbau 
stimmt er mit den bereits wiederholt beschriebenen Fällen von Myxom 
im linken Vorhof völlig überein. (Autoreferat) 

R. Beneke (Halle a. S.): Über Luftembolie im großen Kreislauf. 

Luftembolie im großen Kreislauf wird klinisch fast gar nicht be¬ 
achtet, woran die Seltenheit des Vorkommens, die Schwierigkeit der ana- 




o 


KONGRESS-BERICHTE 


237 


toniischen Diagnose und das rasche Verschwinden der Luftblasen im Blut 
schuld sein mag. Erst neuerdings hat Brauer die Aufmerksamkeit auf 
solche Embolien, speziell Hirnembolien, nach Lungenverletzungen gelenkt, 
nachdem bei einigen Sektionen durch Beneke und Frankel die Mög¬ 
lichkeit erwiesen worden war. Vortr. weist darauf hin, daß außer bei 
Lungen Verletzungen, bei denen meist wohl gleichzeitig ein Pneumothorax 
oder eine Venenneubildung in der Lunge zur Entwicklung des Übertritts 
der Luft in die Lungenvenen erforderlich ist, auch bei intaktem Kapillar¬ 
system Luft aus den Lungenalveolen in das Venenblut gelangen kann, 
wozu nach Ewald und Kobert nur eine Druckhöhe erforderlich ist, 
welche durch die natürlichen Respirationsbewegungen geleistet werden 
kann. Vortr.' hat mit Erfolg die grundlegenden Experimente von Bichat 
(Eintreibung von Luft oder Wasserstoffgas in die Lunge durch Trachea¬ 
kanüle) nachgemacht und auch feststellen können, daß auch Kohlensäure 
sofort nach der Einblasung in großen Mengen in den großen Kreislauf 
schaumförmig übergeht. Der Tod erfolgt bei diesen Experimenten in 
kürzester Zeit, offenbar hauptsächlich durch Verlegung des linken Herzens 
oder durch Luftembolie des Gehirns. 

Vortr. glaubt nun weiterhin annehmen zu dürfen, daß tödliche Luft¬ 
embolie im großen Kreislauf oder vielleicht auch nur Herderkrankungen 
im Gehirn auch beim Menschen durch schwere Respirationsstörungen 
(eventuell Krämpfe) zustande kommen können und zwar vorwiegend bei 
kleinen Kindern. Er fand Luftembolie in 2 Fällen bei Neugeborenen 
(das eine starb „asphyktisch", nachdem l 1 /* Stunden lang Schultze’sche 
Schwingungen gemacht worden waren, das andere am 2. Lebenstage unter 
Respirationskrämpfen, welche vielleicht durch eine Tentoriumblutung aus¬ 
gelöst waren); die Luft fand sich im linken Vorhof und Ventrikel, wie 
auch im rechten Herzen als charakteristischer feinblasiger Schaum. Zwei 
weitere Fälle betrafen 3-monatige Kinder, welche beide an Gaumenspalte 
litten und relativ plötzlich starben, das eine gleich nach einer Vernähung 
der Lippen, das andere nach Beginn einer Bronchopneumonie. In dem 
einen fand sich die Luft im linken und rechten Herzen, im anderen nur 
in letzterem; sie war, da gar kein Grund zur Aufnahme von Luft in das 
Venensystem des großen Kreislaufes bestanden hatte, vielleicht durch den 
großen Kreislauf vom linken Herzen aus in das Venensystem resp. das 
rechte Herz gekommen, in Analogie zur Caisson-Krankheit. 

ln diesen Fällen schien der Tod durch die .Luftembolie veranlaßt 
oder wenigstens beschleunigt worden zu sein. Ob manche Fälle rätsel¬ 
hafter ausgedehnter oder kleiner anämischer Hirnerweichungen, welche im 
Anschluß an die Geburt nicht so selten sind, auf Luftembolien des Ge¬ 
hirns zurückzuführen sind, muß die Zukunft lehren. 

Vortr. empfiehlt zur sicheren Feststellung der Luftfüllung des Herzens 
die Sektion unter Wasser, was sich bei kleinen Kindern in großen Trögen 
leicht ausführen läßt. (Autoreferat.) 

Th. Fahr (Mannheim): Über GefäßverSnderungen am Pankreas. Ein 
Beitrag zur Frage der Arteriosklerose an den kleinen Organarterien und 
ihrer Beziehung zur Blutdrucksteigerung. 

Die vergleichenden Untersuchungen, die Vortr. an den Gefäßen des 
Pankreas, der Nieren und anderer Organe bei der genuinen Arterio¬ 
sklerose und bei der sekund. Schrumpfniere vorgenommen hat, führen 
ihn zu dem Resultat, daß die Blutdrucksteigerung für die Entstehung der 
Arteriosklerose an den kleinen Organarterien von untergeordneter Bedeu- 



238 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


tung ist, daß aber umgekehrt die Arteriosklerose der kleinen Organarterien 
zu Blutdrucksteigerung und Herzhypertrophie führt 

Bei der Entstehung der Arteriosklerose an den kleinen Organarterien 
beschuldigt Vortr. in erster Linie funktionelle Momente. 

Er erläutert seine Vorstellung speziell an dem Beispiel der chron. 
Glomerulonephritis. Infolge entzündlicher Veränderung und fortschreitender 
Verödung der Knäuel ist die Durchblutung der Glomeruli erschwert und 
Vortr. stellt sich vor, daß infolgedessen die Nierenarterien funktionell 
stärker in Anspruch genommen werden, und daß aus dieser stärkeren 
funktionellen Inanspruchnahme stärkere Abnutzung und weiterhin arterioskl. 
Prozesse resultieren, die an vielen anderen Organen trotz des bei der chron. 
Glomerulonephritis u. U. jahrelang erhöhten Blutdrucks vermißt werden. 
Auch am Pankreas sind bei der chron. Glomerulonephritis die Gefäß- 
veränderungen wesentlich geringfügiger wie bei der genuinen Arterio¬ 
sklerose, bei welcher das Pankreas sich in einem großen Prozentsatz der 
Fälle in sehr erheblichem Maße an den Gefäßveränderungen beteiligt. 
Unter 135 Fällen von Arteriosklerose einschließlich genuiner Schrumpf¬ 
niere fand Vortr. 54 mal ganz ansehnliche, 13 mal starke Gefäßveränderungen 
am Pankreas. (Autoreferat) 

C. Benda (Berlin) empfiehlt die Sudan- oder Scharlachfärbung 
ganzer in Formalin gehärteter Organe zur makroskopischen Demonstration 
von Verfettungen, besonders am Herzen und Gefäßsystem, wodurch die 
an älteren Sammlungspräparaten sonst unansehnlich werdenden Fettansamm¬ 
lungen bei Konservierung in einem Glyzerin-Kaliacetatgemisch (nach 
Kaiserling) sehr prägnant zur Anschauung kommen. So eignet sich 
die Methode für fettige Degeneration und Lipomatose des Myokards, für 
Intimaverfettung und Atherom der Gefäße. B. demonstriert ein Präparat 
mit ausgedehnten Lipoideinlagerungen im Endokard des linken Atriums 
und der Intima der Lungenvenen bei einem jungen Mädchen, welches an 
schwerer parenchymatöser Nephritis und Lipämie zugrunde ging. Das 
Lipoid ist an den genannten Stellen in herdförmigen Infiltraten großer 
Zellen, sogenannter Xanthomzellen angehäuft, die ein dickes oberfläch¬ 
liches Polster bilden. In der Tiefe finden sich noch fettige Degenerationen, 
die dem gewöhnlichen Atherom entsprechen. (Autoreferat) 

A. Binder (Barmen) bespricht einen primären Tumor des Herzens, der 
fast den ganzen rechten Vorhof ausfüllte und sich in der Gegend der 
Vorhofscheidewand in den linken Vorhof an der Vorderwand und am 
Herzohr unter dem Epicard vorwölbte. Nach oben hin erwies sich die 
Vena cava sup. von Geschwulstmassen thrombosiert, ihre Wand durch 
Geschwulstwucherung infiltriert; im Anschluß an den Geschwulstthrombus 
folgte totale Thrombose der großen Halsgefäße. Der Tumor stammt von 
einem 33jährigen Manne, der etwa 2 Monate vor seinem Tode mit 
Schmerzen unter dem linken Rippenbogen, Atemnot, Angstgefühl erkrankte. 
Der Zustand verschlimmerte sich trotz therapeutischer Versuche, es traten 
Oedeme in der oberen, später erst in der unteren Körperhälfte auf und 
der Exitus erfolgte unter den Zeichen der Herzinsuffizienz. Die klinische 
Diagnose wurde auf Mediastinaltumor (Aneurysma?) gestellt. — Mikro¬ 
skopisch erwies sich der Tumor als sehr unreifes, rasch_wachsendes 

Rundzellensarkom, während die Mehrzahl der wenden) bekannten 
Herzsarkome Spindelzellsarkome waren. (Autkreferat) 

Rieh. Paltauf demonstriert einen seltenen und eigenartigen 



e 


239 


KONGRESS-BERICHTE 


Defekt in der Vorhofscheidewand. Bei einer 53jähr. Frau mit schweren 
arteriitischen Veränderungen am linken arteriellen Ostium (Insuffizienz und 
Stenose) und der Aorta, die an Verblutung aus einem chronischen Magen¬ 
geschwür gestorben war, fand sich im hinteren oberen Teil des Vorhof¬ 
septums, unter der Einmündung der Vena cava sup. eine Lücke von ca. 
1,4 cm Durchmesser; das for. ovale geschlossen. Dabei mündete eine 
zweite obere Lungenvene unter einer Endokardfalte an der hinteren unteren 
Einrahmung des Defektes, während eine große untere Lungenvene 
innerhalb desselben, eine kleinere neben demselben im linken Vorhof 
einmünden. Die Lücke erklärt sich als das Ostium der in der rechten 
Vorhofwand verlaufenden Lungenvene, deren vordere Wand dehisziert 
ist; so mündet diese nun in den rechten Vorhof; im Einklang damit 
steht, daß die hintere Umrandung der Lücke einem kurzen Gange ent¬ 
spricht. Hepburn hat einen ganz ähnlichen Fall beobachtet, aber an¬ 
ders gedeutet. Preiss sah bei Einmündung einer linken Vena cava sup. 
am Sinus coronarius eine Lückenbildung, die auch durch Dehiszenz der 
Wand und eine Kommunikation mit dem linken Vorhof entstanden war. 

Es können somit durch abnorme in der Vorhofwand verlaufende 
Venen und partielle Dehiszenz ihrer Wand neben abnormer Einmündung 
derselben auch Septumdefekte entstehen, die mit der Entwicklung des 
Septums nichts zu tun haben, auch genetisch keine Defekte desselben vor¬ 
stellen, sondern die Ostien von Venen sind. Der demonstrierte Fall 
scheint einen Typus einer derartigen Anomalie vorzustellen. 

_ (Autoreferat.) 


XXX. Deutscher Kongreß für innere Medizin. 

Wiesbaden, 15.—18. April 1913. 

Bericht von K. Reicher (Bad Mergentheim). 

Folgende Vorträge aus dem Gebiete der Herz- und Gefäßkrankheiten 
wurden gehalten: 

P. Morawitz und Zahn (Freiburg): Untersuchungen über den 
Koronarkreislauf. 

Über die Physiologie der Koronargefäße, besonders auch über den 
Einfluß arzneilicher Einwirkungen auf dieses so wichtige Gefäßgebiet ist 
noch wenig Sicheres bekannt, denn es war bisher nicht möglich — wegen 
der großen technischen Schwierigkeiten — Versuche an den Kranzgefäßen 
lebender Tiere vorzunehmen. Alles, was man bisher wußte, erstreckte 
sich auf das Verhalten dieser Gefäße am herausgenommenen überlebenden 
Herzen. Die dort gewonnenen Erfahrungen entsprachen nur sehr unvoll¬ 
ständig den Vorstellungen, die man sich am Krankenbette über dieses 
Gefäßgebiet gebildet hatte. Es erschien daher notwendig, an Herzen zu 
experimentieren, die sich in nervöser Verbindung mit dem Zentralnerven¬ 
system befinden, also am lebenden Tier. Solche Versuche waren bisher 
wegen der verborgenen Lage jenes Gefäßgebietes als aussichtslos nicht in 
Angriff genommen worden. 

Die Vortragenden beschreiben ein Verfahren, mit dessen Hilfe es 
gelingt, am lebenden, narkotisierten Tier alles den Herzmuskel durch¬ 
strömende Blut aufzufangen und zu messen. 

Eine besonders starke Wirkung auf die Gefäße des Herzens kommt 
dem Nikotin zu. Es zieht die Gefäße erst stark zusammen und lähmt 
sie später. Damit gewinnt man für das relativ häufige Vorkommen von 



240 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


D 


Erkrankungen dieses Gefäßgebietes bei starken Rauchern eine neue Grund¬ 
lage des Verständnisses. Erweiternd wirken besonders die Nitrite, z. B. 
das Nitroglyzerin, ferner das Coffein und ähnliche Körper. Diese sind 
ja schon seit langer Zeit als Herzmittel, besonders bei Sklerose der Herz¬ 
gefäße, in Gebrauch. Eine enorme Verbesserung der Herzdurchblutung 
ruft auch das Adrenalin hervor, das viele andere Gefäßgebiete stark ver¬ 
engt, die Herzgefäße aber erweitert. 

Die neue Methode scheint geeignet zu sein, eine sichere experimen¬ 
telle Grundlage für viele Fragen zu bieten, die sich bei der Beobachtung 
der so häufigen und wichtigen Erkrankungen der Kranzgefäße des mensch¬ 
lichen Herzens ergeben. 

H. Quincke (Frankfurt): Ober den Blutstrom im Aortenbogen. 

Qu. untersuchte an Leichen die Strömung in der Carotis dextra u. sin., 
er fand dieselben beiderseits gleich. Eine reichlichere Blutversorgung der 
linken Hirnhälfte kann also weder für die Erklärung der Rechtshändigkeit 
der Menschen noch für die größere Häufigkeit der linksseitigen embo- 
lischen Hirnerweichung herangezogen werden. In Übereinstimmung mit 
letzterer Tatsache gelangten in Qu.'s Versuchen suspendierte feste Körper 
mit dem Flüssigkeitsstrom häufiger in die linke als in die rechte Carotis; 
das muß auf dem asymmetrischen Abgang der Zweige des Aortenbogens 
beruhen. 

D. Gerhardt (Würzburg): Zur Lehre von der Dilatation des Herzens. 

G. teilt einige Beobachtungen mit, welche dafür sprechen, daß die 
herkömmliche Unterscheidung zweier Formen von Herzerweiterung (einer 
rein kompensatorischen und einer infolge von Überanstrengung) in dieser 
Schärfe nicht zu Recht besteht. Ferner bespricht er die Beziehungen 
zwischen Erweiterung der Vorhöfe und Unregelmäßigkeit des Pulses. 

O. Bruns (Marburg): Experimentelle Untersuchungen zur Frage der 
akuten Herzermudung und Dilatation. 

Es kam darauf an, die Vorgänge und Veränderungen zu studieren, 
wie sie am gesunden Herzen als Folge hochgradiger körperlicher z. B. 
sportlicher Anstrengungen eintreten können. 

Dabei stellte sich im Tierversuch heraus, daß sehr starke und sehr 
lang anhaltende Anstrengungen des Herzen bei dem einen früher, bei 
dem andern später zu einer in vielen Fällen irreparablen Herzschädigung 
führen. Dieselbe besteht in einer Herzerweiterung und Abnahme der 
Pumpkraft des Herzmuskels. Diese letztere ist nicht die Ursache der 
Herzerweiterung. Es führt vielmehr die durch die Anstrengung bedingte 
Herzschädigung zu einer Abnahme der Elastizität des Herzmuskels bezw. 
zu einer erheblichen elastischen Nachdehnung dieses muskulösen Organs. 

Diskussion: 

1) Schott (Nauheim): Durch die Untersuchungen von D. Gerhard 
und O. Bruns werden die Versuche von A. Schott aufs Glänzendste 
bestätigt, daß bei gesunden Menschen durch anstrengende Ringversuche eine 
Dehnung des Herzens entstehen kann. A. Schott hob auch als der Erste 
die Unterschiede zwischen kompensatorischer und diktatorischer Hyper¬ 
trophie hervor. Er bezog den Ausdruck nur auf größere Herzfüllung 
bei Aortenfehlern im Verhältnis zur Ausdehnung. 

2) H. E. Hering (Prag) würdigt das Verdienst von Schott, die 
Begriffe der Stauungsdilatation und kompensatorischen Dilatation scharf 
getrennt zu haben. Mit ersterer wird gewöhnlich der Begriff der Herz- 



o 


KONGRESS-BERICHTE 


241 


schwäche verbunden, Hering schlägt jedoch für den Ausdruck Stauungs¬ 
dilatation inkompensatorische Dilatation vor. 

3) Moritz (Cöln): Das diastolische Herzvolumen kann im 
Bereiche der Norm einem beständigen Wechsel unterworfen sein. Das 
wirksame Moment ist hierbei die Füllung. Demgegenüber stehen Ver¬ 
änderungen der Herzgröße, welche durch Erkrankungen des Muskels ver¬ 
ursacht werden, sogen, myogene Dilatationen oder Stauungsdilatationen im 
Sinne von Schott Wenn der Herzmuskel gezwungen wird, sich gegen 
einen höheren Aortendruck zu entleeren, dann nimmt sein diastolisches 
Volumen zu. Der erweiterte Herzmuskel ist dann imstande, eine größere 
Kraft zu entwickeln, ähnlich wie ein stark gedehntes Gummiband sich 
auch kräftiger zusammenzuziehen vermag. Im Gegensatz zu Schott hat 
Moritz selbst bei maximalster Anstrengung bei Gesunden niemals eine 
Herzdilatation gesehen, sondern nur bei Kranken. Das Herz verkleinert 
sich vielmehr bei anstrengender Arbeit, wenn es dieselbe gut verträgt. 

4) O. de la Camp (Freiburg): Untersuchungen beim Skiwettlaufen 
auf dem Feldberg zeigten interessanterweise beim Sieger absolut kein 
vergrößertes, im Gegenteil ein verkleinertes Herz und keine Veränderung 
in der Pulsamplitude, dagegen die maximalste Steigerung des Blutdrucks. 
Alle andern Läufer hatten verminderten systolischen und diastolischen 
Blutdruck. Je später der Fahrer am Ziel ankam, desto ausgesprochener 
waren Herzdilatationen und sonstige Störungen im Kompensationsmechanis¬ 
mus. Fast alle Fahrer wiesen eine mehr oder weniger starke Albuminurie 
auf, die stärkste unter Ausschwemmung von zahlreichen Zylindern der 

Sieger. 

• 

E. Mosler (Berlin): Der Atemstillstand in tiefer Inspirationsstellung, 
ein Versuch zur Beurteilung der Kreislauffunktion. 

Der Vortragende mißt 5 Minuten lang am Riva-Rocci’schen 
Apparat oder an dem von ihm empfohlenen Metallmanometer »Tykos" 
den Blutdruck. Dann läßt er langsam und so tief als möglich inspirieren 
und den Atem auf der Höhe der Inspiration 25 Sekunden lang anhalten. 
Sodann müssen die Patienten wieder gewöhnlich atmen. Nach Beendigung 
der Atempause notiert er nun den Blutdruck von Minute zu Minute. 
Bei diesem Verfahren unterscheidet er folgende Gruppen. 

1) Der Blutdruck bleibt nach dem Versuch unverändert: Bei allen 
gesunden und denjenigen kranken Herzen, die noch als gut leistungsfähig 
anzusprechen sind. 

2) Der Blutdruck ist beträchtlich gestiegen: Bei den gut leistungs¬ 
fähigen hypertrophischen Herzen. 

3) Der Blutdruck ist gefallen: Bei nicht mehr leistungsfähigen Herzen 
mit und ohne erhöhten Blutdruck. 

4) Der Blutdruck steigt anfangs, fällt dann, um erst allmählich zur 
Norm zurückzukehren: Grenzfälle zwischen Gruppe 2 und 3. 

Der Vortr. bespricht eingehend die physikalischen und physiologischen 
Bedingungen seines Versuches und setzt auseinander, weshalb er sich be¬ 
rechtigt glaubt, das psychogene Moment vernachlässigen zu dürfen. 

Fr. Hapke (Altona): Kreislaufdiagnostik mit dem Energometer. 

Hapke hat an der v. Bergmann'schen Abteilung des Altonaer 
Krankenhauses eingehende Untersuchungen mit Hilfe des von Th. Christen 
angegebenen Energometers angestellt. Es handelt sich darum, mit Hilfe 
dieses Verfahrens dynamische Verhältnisse des Kreislaufes graphisch 




o 


242 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


in Kurvenform zu registrieren. Die einzelnen Punkte dieser Kurven 
werden direkt gemessen, bezw. durch einfache Berechnung gewonnen. 
Es gehören stets zwei Kurven zusammen, die eine zeigt den systolischen 
Füllungszuwachs an, der gegen steigende Stauungsdrucke stattfindet, die 
andere gibt die dazu gehörige jedesmalige Energie an, die die Pulswelle 
entgegen diesem Stauungsdrucke aufwendet Der systolische Füllungs¬ 
zuwachs wird direkt in Kubikzentimetern, die Energie in Gramm mal 
Zentimeter gemessen. 

Hapke war daran gelegen, die klinische Berechtigung der Methode 
zu prüfen. Zu diesem Zwecke hat er zunächst Untersuchungen darüber 
angestellt, ob die energometrisehen Resultate im Einklang mit dem sonst 
klinisch klaren Bilde standen. Es wurden in dieser Hinsicht die ver¬ 
schiedensten Kreislaufverhältnisse, normale und pathologische, sowie thera¬ 
peutisch und funktionell beeinflußte untersucht. 

Diese auf breiter Basis angelegten Untersuchungen haben ergeben, 
daß innerhalb geringer Fehlergrenzen bei demselben Individuum unter 
denselben Verhältnissen stets dieselbe Kurve sich ergibt, daß dagegen bei 
pathologischen Kreislaufsverhältnissen das ganze Gesicht der Kurven ein 
anderes ist. Man kann direkt von Kurventypen sprechen, da bestimmte 
Kreislaufveränderungen, soweit sie im Pulse ihren Ausdruck finden, sich 
häufig durch einen besonderen Typ dokumentieren. Aufs deutlichste 
spiegelt sich in den Kurven die Änderung von Pulsverhältnissen, seien 
sie therapeutisch oder funktionell beeinflußt, wieder und zwar stets im 
Einklang mit dem klinischen Bilde. Die Unterschiede sind so große und 
deutliche, daß sie völlig außerhalb der Fehlergrenzen liegen. 

Hapke zeigt eine Reihe von Kurven: normale und pathologische, 
namentlich auch solche, die eine deutliche Änderung bei funktionell be¬ 
einflußten Kreislaufsverhältnissen aufweisen; er erklärt dieselben an Hand 
der klinischen Beobachtungen. 

Diese ausgedehnten Untersuchungen — die bis jetzt noch nicht an¬ 
gestellt waren — haben die klinische Berechtigung der Methode bewiesen. 
Wir haben in dieser Methode ein wesentliches Hilfsmittel in der Be¬ 
urteilung dynamischer Kreislaufverhältnisse, das die palpatorisch nur 
schätzungsweise zu beurteilenden Pulsverhältnisse bei weitem an Exaktheit 
übertrifft. 

Man mache sich stets klar, daß eine ideale objektive Methode vorliegt, 
alle dynamischen Verhältnisse am Pulse zu beurteilen. Da man Puls¬ 
diagnostik treibt, ist klar, daß die den Puls bedingenden Faktorengruppen, 
Herz und Gefäße, auf diese Weise nicht unterscheidbar sind. Aber in 
klinischer Hinsicht kommt es uns auf eine Beurteilung des Gesamtkreis¬ 
laufes, der Gesamtblutspeisung an und hierfür gibt diese Methode wenig¬ 
stens eine richtige Pulsbeurteilung. Ferner ist es auch sehr häufig mög¬ 
lich, auszusagen, ob die Kurven infolge eines Versagens des Herzens oder 
infolge einer Änderung in der Peripherie andere geworden sind. Denn 
ganz mit demselben Recht, wie der Arzt aus einem Schlechter- oder 
Besserwerden des Pulses Schlüsse auf Herz und Kreislauf überhaupt zieht, 
können jetzt in präziserer Weise und in demselben Sinne diese Aussagen 
gemacht werden. 

A. Strubell (Dresden): Der Einfluß der Leibesübungen auf das 
Elektrokardiogramm and die Funktion des Herzens. 

St. hat als der Erste mit der Elektrokardiographie die Teil¬ 
nehmer eines sportlichen Ereignisses aufgenommen, und zwar waren es 



o 


KONGRESS-BERICHTE 


243 


Schwimmer bei einer Schwimmkonkurrenz am 14. März 1909 in Dresden. 
Über diese Versuche hat St. bereits auf dem Kongreß für Innnere Me¬ 
dizin in Wiesbaden 1909 berichtet. Nun hat er seine Untersuchungen 
auch auf Skifahrer, Ringer und Sportsleute anderer Gattung ausgedehnt. 
Im allgemeinen erhellt auch aus diesen Untersuchungen der günstige 
Einfluß der rationell betriebenen Leibesübungen auf die Herzfunktion. 
Dagegen müssen alle Übertreibungen, die infolge von starken Arterien¬ 
drucksteigerungen und übergroßer Herzanstrengung dasselbe überdehnen, 
ganz entschieden als schädlich bezeichnet werden. So ist z. B. der Ring¬ 
sport, wenigstens in der Form, wie ihn die Berufsringer betreiben, ent¬ 
schieden als ungünstig für das Herz zu betrachten, trotz der damit ver¬ 
bundenen hochgradigen Stärkung der Muskulatur. Diese Ringer sterben 
denn auch jung, meist vor dem 40. Jahre. Günstig können nur diejenigen 
Sportzweige auf das Herz einwirken, welche ohne allzu große Steigerung 
der Widerstände das Herz allmählich durch die gesteigerte Arbeit stärken, 
so z. B. der Skisport. Hier sollten freilich die einzelnen Sportsleute wo¬ 
möglich klinisch und elektrokardiographisch überwacht werden, um 
Schädigungen hintanzuhaltcn, wie sie eine übertriebene Betätigung, zu 
hohes Alter oder latent bestehende Kreislauferkrankungen mit sich bringen. 

Ganter (Tübingen) und Zahn (Heidelberg): Ober das Elektro¬ 
kardiogramm des Vorhofes bei normotroper und heterotroper Automatie. 

Es ließ sich feststellen, daß bei Entstehung der Herzreize an der 
normalen Stelle (Sinusknoten) der Aktionsstrom des Vorhofs sich im wesent¬ 
lichen als eine einfache positive Zacke darstellt. Verliert der Sinusknoten 
die Führung des Herzens, was im Experiment durch Ausschaltung dieser 
Gegend mittels Kälte oder Exzision herbeizuführen ist, so tritt, was schon 
in früheren Versuchen bewiesen werden konnte, der Atrioventrikularknoten 
an seine Stelle. Die Änderung des Reizentstehungsortes dokumentiert 
sich nun auch im Verlauf des Vorhofaktionsstroms, indem bei ihm zu¬ 
nächst eine ausgesprochene negative Zacke auftritt, die bei der üblichen 
Ableitung meist allein die Vorhofsaktion anzeigt Diese typische 
Änderung findet sich auch in denjenigen Fällen, bei denen nach Aus¬ 
schaltung des Sinusknotens der Vorhof vor den Kammern schlägt. Es 
ließ sich mit Sicherheit feststellen, daß unter diesen Verhältnissen der 
Herzreiz von den obersten Ausläufern des Atrioventrikularknotens (Gegend 
der Einmündungsstelle der Koronarvenen) ausgeht. Denn durch Abkühlung 
auch dieses Teils des Atrioventrikularknotens werden die Vorhöfe zum 
Stillstand gebracht, während die Kammern in langsamerem Rhythmus 
event weiter schlagen. Es wird aus diesem Verhalten der Schluß 
gezogen, daß in den Vorhöfen des Säugerherzens nur 2 Ge¬ 
biete zur Bildung von regelmäßigen Herzreizen befähigt sind: 
Der Sinusknoten und die verschiedenen Teile des Atrio¬ 
ventrikularknotens. 

Wird bei der üblichen Ableitung beim Menschen eine 
negative Vorhofszacke im Elektrokardiogramm gefunden, so 
kann daraus geschlossen werden, daß die Reizentstehung im 
obersten Teil des Atrioventrikularknotens stattfindet. 

Ein unter pathologischen Verhältnissen auch beim Menschen be¬ 
obachtetes Auftreten von Herzjagen (Tachykardie) konnte im Tierversuch 
an Katzen herbeigeführt und näher analysiert werden. Es zeigte sich 
dabei ebenfalls eine negative Vorhofszacke und die Kühlung der obersten 
Atrioventrikularknotenabschnitte brachte die Tachykardie zum Verschwinden. 



244 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Damit ist bewiesen, daß diejenigen Tachykardien, die mit 
negativer Vorhofszacke im Elektrokardiogramm verlaufen, vom 
obersten Teil des Atrioventrikularknotens ihren Ausgang 
nehmen. 

A. Bittorf (Breslau): Ober das Elektroangiogramm. 

Die lange strittige Frage nach der Mitbeteiligung der Schlagadern 
an der Blutbewegung wurde durch Ableitung elektrischer Ströme von den¬ 
selben mit Hilfe des sogen. Saitengalvanometers zu lösen gesucht. 

Es gelang beim Menschen unter gewissen Bedingungen derartige 
Ströme von der Körperoberfläche (Bein) abzuleiten. Noch leichter ist 
der Nachweis des Auftretens elektrischer Ströme bei jedem Puls an der 
freigelegten Schlagader von Tieren (Kaninchen, Hunden). Es ließ sich 
ferner zeigen, daß diese Strömungen durch die direkte pulsatorische Deh¬ 
nung der Gefäßmuskeln erzeugt werden, während das Herz-Gefäß-Nerven- 
system keinen Einfluß auf ihre Entstehung zu haben scheint. 

Diskussion zu den Vorträgen Mosler-Bittdorf: 

1) Vollhard (Mannheim). 

2) v. Bergmann (Hamburg-Altona): Bei der dynamischen Be¬ 
trachtungsweise des Pulses bekommt man keinen Aufschluß über Zentrum 
und Peripherie getrennt, sondern nur die Resultante. Auf Grund der¬ 
selben kann man trotzdem mit Sicherheit sagen, daß zu einem bestimmten 
Zeitpunkt der Puls besser oder schlechter wird und hat auf diese Art 
objektive Anhaltspunkte für die Beurteilung von der Einwirkung medi¬ 
kamentöser und hydrotherapeutischer Eingriffe. 

3) Th. Christen (Bern) begrüßt die ausführliche Nachprüfungseiner 
dynamischen Kreislaufdiagnostik. Die Richtigkeit seiner Messungen hat 
er neuerdings an einem versenkten künstlichen Puls studieren können, 
wobei sich wieder die völlige Unabhängigkeit der Resultate von der Dicke 
der Weichteile ergab. Eine neue Tabelle ermöglicht die direkte Ablesung 
des Untersuchungsergebnisses ohne vorhergehende Multiplikation. 

4) E. Magnus-Alsleben (Würzburg). 

5) H. E. Hering (Prag) weist auf seinen Erklärungsversuch des 
Elektroangiogramms hin. 

6) J. Ri hl (Prag) konnte in einem Falle von andauernder Vorhof- 
Tachysystolie eine deutliche Verkürzung des Intervalles Vorhofsystole- 
Ventrikelsystole nachweisen. Angesichts des Verhaltens des Elektrokardio¬ 
gramms schloß R. auf heterotrope Reizbildung. 

Friedei Pick (Prag): Zur Kenntnis der Adams-Stokes’schen Krankheit 

P. beobachtete einen Fall von Adams-Stokes von 1892 bis zu 
dessen Tod 1913. Patient vollendete dabei seine Studien, wurde Zahnarzt 
und übte seinen Beruf bis zu seinem Tode aus. Anatomisch fand sich eine 
totale Zerstörung des His'schen Bündels durch eine alte myokarditische 
Schwiele. Bemerkenswert ist an diesem Falle die fast völlig erhaltene 
Funktionstüchtigkeit des Herzens trotz der schweren Überleitungsstörung. 

Retzlaff (Berlin): Einfluß des Sauerstoffs auf die Blutzirkulation. 

Die Abnahme der Zyanose unter Sauerstoffatmung ist auf eine bessere 
Entleerung des kleinen Kreislaufes und dadurch erzeugte Entlastung des 
rechten Herzens zurückzuführen. 

R. Ohm (Berlin): Herzdiagnostik aus den gleichzeitig registrierten 
Bewegungsvorgängen des Herzschalles, Arterienpulses und Venenpulses mit 
eigenen Methoden. 




o 


REFERATE lila 


245 


Reinh. Ohm demonstriert photographische Kurven der gleichzeitig 
verzeichneten Bewegungsvorgänge des Arterienpulses, Venenpulses und der 
Herztöne bezw. -Geräusche von herzgesunden und -kranken Menschen 
mit eigenen hochempfindlichen Methoden. 

An den registrierten Herzschallschwingungen lassen sich bestimmte 
Klappenfehler von einander unterscheiden. Die Form des registrierten 
Venenpulses läßt im Einzelfall erkennen, ob die mechanische Arbeitsleistung 
des r. Herzens normal ist, und bei Klappenfehlern, ob der betr. Fehler 
gut kompensiert ist, oder ob Herzmuskelschwäche vorliegt. Über den 
Grad der Muskelschwäche, beurteilt an dem Grade der hiervon ab¬ 
hängigen Stauung im rechten Herzen, gibt die Venenpulskurve mit dieser 
Methode ebenfalls Auskunft 

L. Huismans (Köln): Der Ersatz des Orthodiagraphen durch den 
Teleröntgen. 

Huismans suchte den mit dem senkrechten Röntgenstrahl arbeitenden 
Orthodiagraphen durch die parallelen Strahlen des Teleröntgen zu er¬ 
setzen; die Möglichkeit dazu war erst vorhanden, als Fr. Dessauer 1909 
durch sein Blitzverfahren Herzphotographien in 1/200—1/300" bewirkte. 
Die technische Frage, sich die verschiedenen Herzphasen im Röntgenbilde 
sichtbar zu machen, lösten Dessauer und Küpferle 1912 durch ein 
mit 1/12" Verspätung arbeitendes Relais — sie stellten in 10 Bildern 
aus 10 aufeinanderfolgenden Herzperioden die gesamte Herztätigkeit dar. 
Huismans löste die Frage, wie man durch Vorberechnung nur ein 
Bild in d e r Phase des Herzens erzeugen kann, in welcher es seine größte 
Ausdehnung hat, am Ende der Herzdiastole, indem er den Teleröntgen 
und das Einzelschlaginduktorium mit einem Relais für Verspätung und 
einem Sphygmographenhebelkontakt verband. Eine einfache Zurückrechnung 
ermöglicht eine Photographie am gewünschten Punkte. Das Schema für 
die Einstellung des Relais ist am Apparat befestigt und kann ohne weiteres 
abgelesen werden. Der Apparat gestattet auch einen Einblick in die 
Funktion des Herzmuskels, er arbeitet mit großer Genauigkeit, ist ver¬ 
hältnismäßig billig und zum Patent angemeldet. 

Referate. 

IIL Hüllt 

a) Im. 

Etienne, G. (Nancy). L’intersystole chez l’homnie. Demonstration 
dinique de son existence chez l’homme et du m6canisme de la fermeture 
des valvules anriculo-ventricnlaires. (Arch. des Mal. du Coeur, März 1913.) 

Etienne ist der erste, welcher die Intersystole, die Chauveau beim 
Pferde und Pachou beim Hunde nachgewiesen hatten, zugleich wie G. 
Pezzi und H. Sabri (Arch. Mal. du Coeur, Okt. 1911 u. Zentralbl. 4,20, 
1912) am Kardiogramm und wie Bard am Phlebogramm nachweist, und 
zwar nicht nur beim kranken sondern auch beim gesunden Menschen. 
Er benutzte dazu den Jacquet'schen Apparat und Mackenzie'sche 
Trommeln; das Kardiogramm wurde nicht nach Pachou in der linken 
Seitenlage, sondern in dorsaler, leicht nach links gewendeter Lage und 



246 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND QEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


zwar drei mal bei kranken, drei mal bei gesunden Medizinern aufgenommen. 
Die Intersystole tritt auf dem Kardiogramm als eine kurze, spitze oder 
leicht abgerundete Zacke gerade vor der aufsteigenden Linie der Systole 
auf und dauert ungefähr ein fünfzehntel Sekunde; auf dem Phlebogramm 
sieht man zwischen der aufsteigenden Linie der Vorhofkontraktion 
— Mackenzie’s a-Welle — und der Welle c eine intersystolische 
Zacke. Zeitlich entsprechen sich die zwei Zacken genau. Es handelt sich 
nicht um einen elastischen Rückstoß, sondern um eine aktive Kontraktion 
des Ventrikels oder eines Teiles desselben, id est der Papillarmuskeln: 
deshalb ist dieselbe bei Herzen mit trabekulärer Hypertrophie deutlicher 
als bei Normalzustand. Dieser Umstand erklärt ihre graphisch prä¬ 
systolische Lage zwischen der Vorhof- und der systolischen Ventrikel¬ 
kontraktion; anatomisch sind die Fasern des His’schen Bündels, welche 
in die Pfeiler streben, kürzer als die, welche im Ventrikel endigen. 
Damit die Pfeilerkontraktionen im Blute eine Welle erscheinen lassen, welche 
kräftig genug ist um zur Aufzeichnung zu kommen, müssen die Atrio¬ 
ventrikularklappen schon geschlossen sein. Daraus kann man schließen, 
daß der Verschluß dieser Klappen in drei Phasen verläuft: 1. Anlehnung 
der Klappen an einander durch den Blutdruck, welcher durch die Vorhof¬ 
kontraktion erzeugt ist. 2. Wirklicher Verschluß durch die Papillarmuskel- 
kontraktion und Spannung derselben, um der Kammersystole und dem 
dadurch bedingten Hochdruck widerstehen zu können. 3. Noch dichterer 
Verschluß durch die Kammersystole selbst. In Wirklichkeit schließen sich 
also die Klappen schon am Ende der Diastole. A. Blind (Paris). 

Ken Kure, Klinische Beobachtungen über den Einfluß der Vagus- 
erregung auf das Auftreten heterotoper Herzreize. Aus der mediz. Klinik 
der Univ. Tokyo (Abt des T. Aoyama). (Zeitschr. f. exp. Path. und 
Ther. 12, 460, 1913.) 

In zwei Fällen wurde durch Analyse gleichzeitig aufgenommener 
Arterienpuls- (bezw. Herzspitzenstoß-) und Venenpulskurven das Vorhanden¬ 
sein einer heterotopen Bradykardie festgestellt, die auf Vaguserregung be¬ 
zogen werden muß. Im ersten Falle handelte es sich um eine ventrikuläre 
und atrioventrikuläre Bradykardie von etwa 20 Schlägen p. M. infolge 
Steigerung des Vagustonus; nach Atropin trat eine Beschleunigung der 
Frequenz auf 76 Schläge mit normaler A-V-Sukzession ein; durch Vagus¬ 
druck konnte Herzstillstand von über 10 Sek. hervorgerufen werden; 
während der Änderung des Ausgangspunktes der Ursprungsreize schlug 
das Herz relativ rhythmisch. Im zweiten Falle trat infolge rechtsseitigen 
Vagusdruckes Herzstillstand mit nachfolgender Kammerautomatie auf; 
während des Bestandes der Kammerautomatie folgte jedesmal dem auto¬ 
matischen Kammerschlage in einem konstanten Intervall ein Herzschlag 
von normalem a-c-Intervall in Form einer Extrasystole. 

J. Ri hl (Prag). 

Vaquez, H. et Bordet, E. (Paris). Etüde radiologique de la 
symphyse cardiaque et des adhlrences partielles du pdricarde. (Arch. 
Mal. du Coeur, 1. Jan. 1913.) 

Perikardsymphyse kann entweder durch Abrundung des Herzschattens 
oder durch verschiedene Zacken an diesem Schatten ihren Ausdruck finden: 
am wichtigsten sind aber die Verschiebungen der Schattenbilder des Her¬ 
zens und des Diaphragmas; bald ist es nur die Spitze, bald nur eine 
oder die andere Seite des Herzbildes, welche unverändert ihre Lage be- 



□ 


REFERATE lila 


247 


hält; manchmal bleibt auch die linke Hälfte oder ein Teil derselben bei 
der Respiration unbeweglich, was durch enge Verwachsung des hyper¬ 
trophischen Herzens, des Perikardes und des Diaphragmas sich erklärt. 
Das Wenckebach’sche gekreuzte Respirationsprofil, welches von Ver¬ 
wachsung des Herzens mit dem unteren Teil des Sternums abhängt, kann 
auch von Nutzen sein. Klinische Beispiele beweisen jedoch, daß auch 
diese Hilfsmittel, selbst in erfahrener Hand, nicht immer ausreichen, die 
schwierige Aufgabe der richtigen Diagnose einer trockenen Perikarditis 
richtig und vollständig zu erledigen. A. Blind (Paris). 

Janowski, M. W. Ober die klinische Bedeutung der Blutdruck¬ 
messung. (Ber. d. K. Milit.-Med.-Akad. in St. Petersb. 1, 1913.) 

Bei der Bestimmung des Blutdruckes nach Korotkow entspricht die 
dritte Phase der Druckdifferenz zwischen dem seitlichen systolischen und 
dem seitlichen diastolischen Blutdrucke. Es gibt aber Fälle, in welchen 
diese Phase bei auskultatorischer Bestimmung nicht zum Vorschein kommt, 
dagegen die Bestimmung des diastolischen Blutdruckes nach Reckling¬ 
hausen große Oszillationen des Zeigers aufweist. Wenn somit bei dieser 
Schwingung der Gefäßwandung der Druck im Inneren des Gefäßes nicht 
verändert wird (Wegfall der Korotkow’schen 3. Phase), so kann man dieses 
nur durch eine aktive Kontraktion der Gefäßmuskulatur erklären, u. zw. 
geschieht diese rhythmisch wie die Herzaktion, indem mit der Herzsystole 
die Erschlaffung, mit der Herzdiastole die Kontraktion der Gefäßmuskulatur 
einhergeht. Eine Verkürzung der dritten Korotkow'schen Phase be¬ 
deutet eine Steigerung der Gefäßreizbarkeit, und eine Verlängerung der¬ 
selben eine Reizlosigkeit des Gefäßes (wie man sie z. B. bei Dekompen¬ 
sation beobachten kann), falls keine Insuffizienz des Aortenostiums be¬ 
steht, bei welcher diese Phase nicht nur verlängert, sondern endlos erscheint. 
Die Reizbarkeit des Gefäßes kann man ermitteln, indem man den Druck 
beim Aufhören des Tones nach Korotkow und den diastolischen seit¬ 
lichen Blutdruck nach oszillatorischer Methode bestimmt. Ist die Differenz 
zwischen diesen beiden Ziffern positiv, so ist die Gefäßreizbarkeit erhöht, 
ist sie dagegen negativ, so ist diese erniedrigt. Das beste Instrument zur 
Blutdruckmessung ist das Sphygmomanometer Hegerstädt’s. Der Blut¬ 
druck, am Finger nach Gärtner bestimmt, entspricht dem minimalen 
Blutdruck in der Oberarmarterie. Ist die Differenz zwischen beiden etwa 
null, so kann man den Arterientonus als normal bezeichnen. Ist diese 
Differenz positiv vergrößert, so weist das auf eine Erhöhung des Gefäßtonus 
hin, wie sie z. B. bei Arteriosklerotikern zu treffen ist, ist sie dagegen negativ, 
so weist das auf eine Verminderung des Gefäßtonus, auf die Erweiterung 
der Arterie hin. Es kommen Fälle vor, in welchen während der De¬ 
kompensation des Blutkreislaufes der Blutdruck größer ist, als nach der 
Herstellung derselben. Nachdem in diesen Fällen der Gefäßtonus un¬ 
verändert blieb, und der Blutdruck in der Fingerarterie während der 
Dekompensation ebenfalls größer war, als nach der Herstellung des Kreis¬ 
laufes, so kann man jene paradoxe Erscheinung nicht etwa durch eine 
Kontraktion der peripherischen Blutgefäße erklären; vielmehr muß man 
annehmen, daß die Gefäßmuskulatur ebensolche Triebkraft für das Blut 
darstellt, wie der Herzmuskel. So stammt auch die Dekompensation in 
diesen Fällen nicht aus der Herzmuskelschwäche, sondern aus der In¬ 
suffizienz der rhythmischen Tätigkeit der Gefäßmuskulatur und der In¬ 
koordination derselben her, und die Herzmittel beeinflussen dieselbe in 



248 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


□ 


gleicher Weise wie den Herzmuskel, indem sie deren rhythmische Kon¬ 
traktion verstärken. Die beste Methode zur Bestimmung des venösen 
Blutdruckes hat Ziplaew angegeben. Sein Apparat besteht aus einem 
Gummiballon, welcher mit einem Wassermanometer in Verbindung steht 
Man legt den Ballon auf eine oberflächliche Vene, die im Verlaufe einiger 
Zentimeter keine Anastomose aufweist. Dann drückt man mit einem 
Finger das Blut aus derselben nach aufwärts aus und schließt sie von 
oben mit dem Finger ab. Nun verringert man den Druck auf den 
Ballon allmählich und beobachtet am Manometer, bei welchem Druck das 
Blut in die entleerte Vene hineindringt. Die Bestimmung des venösen 
Blutdruckes in Verbindung mit der Bestimmung des arteriellen gab ein 
Mittel in die Hand die Schnelligkeit der Blutzirkulation zu beurteilen. 
Da kam man auch darauf, daß diese mit dem Pulsdruck nicht parallel 
einhergeht. So kommen Fälle vor, in welchen die Zirkulation beschleunigt 
wurde trotz der Verringerung der Amplitude und verlangsamt erschien 
trotz der Vergrößerung derselben. Auch diese Beobachtungen führen 
uns zu der Annahme des »peripherischen Herzens“. Die Bestimmung 
des Blutdruckes ist zweckmäßig bei kleinem und hartem Puls, in welchem 
Falle die bloße Palpation täuschen kann. Durch Messung des Blutdruckes 
an einer peripherischen und einer zentralen Arterie kann man den 
Gefäßspasmus ermitteln. Ist bei hochgradiger Arteriosklerose der Blut¬ 
druck an einer zentralen Arterie klein, so muß man an Herzschwäche 
denken. Hoher Blutdruck ist ein differential-diagnostisches Symptom für 
Schrumpfniere gegenüber diabetes mellitus. 

L. Nenadovics (Franzensbad). 

I) MH. 

Letulle, Maurice (Paris). Diagnostic des anlvrismes de l’aorte. 
(Presse M£dicale 22, 214, 1913.) 

Die Radiologie hat die Diagnose der Aortaerweiterungen auf ein 
neues Gebiet gebracht: so hat Letulle mit Aubourg seit drei Jahren 
27 Aortenaneurysmen erkannt, welche ganz latent verliefen, einfach des¬ 
halb weil er alle chronischen Kranken seiner Abteilung mit Röntgenstrahlen 
untersuchen ließ, und zwar nicht nur Atheromkranke oder solche mit 
Hypertension, sondern alle chronischen Nephritiker, solche mit Leber¬ 
sklerose, mit Tabes, mit chronischer Bronchitis und mit Bronchiektasie, 
mit Lungensklerose und mit mehr oder minder sicherer Syphilis. Die 
Frequenz der Aneurysmen erschien ihm so hoch, daß er anfangs an einen 
Trugschluß nach dem Schattenbilde dachte, aber so oft sich die Gelegen¬ 
heit bot, wurde der Befund durch die Sektion bestätigt Nichts desto 
weniger können Irrtümer Vorkommen: so fand sich bei einer 42jährigen, 
nicht syphilitischen Patientin ein nicht pulsierender Tumor vor dem 
5.—8. Rückenwirbel, welcher ganz unabhängig von der Aorta schien. 
Nach mehrfacher Untersuchung und reiflicher Überlegung wurde die fiebernde, 
an heftigen Interkostalneuralgien leidende Patientin dem Chirurgen über¬ 
antwortet, welcher auf ein Aneurysma stieß. Nach einigen Tagen starb 
die Frau und die Sektion ergab ein sacciformes Aneurysma der auf¬ 
steigenden Aorta, welches durch feste Blutgerinnsel ganz angefüllt war 
und die Wirbelkörper arrodiert hatte. Man mag sich deshalb erinnern, 
daß auch nicht pulsierende Tumoren Aneurysmen sein können. 
_ A. Blind (Paris). 

KOr die Redaktion verantwortlich: Professor Dr. J.G.Mönckeberg, Düsseldorf, MoorenstraSe. 
Verlag: Theodor Steinkoplf Dresden n. Leipzig. Druck • Fr. Tlttel Nacht., Dresden. 





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Terlag von Theodor Stelnkopff. 

M. 8.—. 


V. Jahrgang. 1. Juni 1913. 


Nr. 11. 


(Aus dem Prager Handelsspitale, Vorstand: Prof. Dr. E. Münxer.) 

Klinisches und Theoretisches zur Lehre 
vom Pulsus alternans. 

Von 

E. Münzer, 

unter Mithilfe von Dr. A. Keil, Sekundärarzt des Handelsspitals. 

Am 28. Oktober 1912 wurde der 35 Jahre alte Karl Sch., der viele 
Wochen hindurch Pulsus alternans zeigte, in das Handelsspital aufge- 
nommen. Über die Resultate der Beobachtungen an diesem Kranken 
möchte ich im folgenden Bericht erstatten. Berechtigung hierzu liegt 
insofern vor, als einerseits noch vor wenigen Jahren das Vorkommen 
eines Pulsus alternans beim Menschen bezweifelt wurde, andererseits die 
Zahl der bisher mitgeteilten sicheren Fälle noch so gering ist, daß jede 
einzelne Beobachtung Wert besitzt. 


I. 

Klinischer Teil. 

Herr Sch. gab bei der Aufnahme an, seit Oktober 1911 leidend zu sein. 
Anfangs hatte er Seitenstechen und Atembeschwerden, Erscheinungen, 
die sich vorübergehend besserten. Im Februar 1912 traten die Beschwerden 
jedoch so intensiv auf, daß er gezwungen war, das Bett zu hüten. Der be¬ 
handelnde Arzt verschrieb Digitalis, worauf sich der Zustand besserte. 

Ende September 1912 erkrankte Herr Sch. an Luftröhrenkatarrh, der nach 
einigen Tagen schwand; dann aber kamen Herzbeschwerden, die den Kranken 
zwangen, das Spital aufzusuchen. 













250 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


Herr Sch. hat früher etwas getrunken, ca. 5 Glas Bier täglich; wenig ge¬ 
raucht. Die sonstige Anamnese ohne Interesse. 

St. pr. Es handelte sich um einen mittelgroßen, ziemlich kräftigen Mann 
von normaler Hautfarbe; keine Oedeme. Die Zunge rein, feucht; Hals lang, 
schmal; die Oberschlüsselbeingruben beiderseits stark vorgewölbt, zeigen starke 
Venenpulsation; keine Drüsenschwellung. Brustkorb gut gewölbt; in der Herz¬ 
gegend diffuse, mit dem Pulse isochrone Erschütterung zu konstatieren. Per¬ 
kussion und Auskultation der Lunge vorne normale Verhältnisse ergebend. 
Herzdämpfung nach innen bis zum rechten Sternalrand reichend, überschreitet 
nach links die Mammillarlinie um etwa 2 cm. 

Ml = 13 cm 

Mr = 2,4 cm Umfang der Brust 92 cm. 

1 = 14 cm. 

215 max. 

Puls ziemlich regelmäßig, 120 Schläge in der Minute; Blutdruck ———— 

150 min. 

Wurfarbeit der Pulswelle etwas erhöht. Die Auskultation des Herzens ergibt 
begrenzte Töne an allen Ostien. Unterleib in Toraxniveau. Epigastrium s. str. 
ein wenig vorgewölbt, Leber den Rippenbogen handbreit überschreitend; Höhe 
der Leberdämpfung in der Mammillarlinie 16 cm; Milz nicht zu tasten. Im 
Unterleib keine freie Flüssigkeit. 

Die Perkussion der Lunge rückwärts ergibt nichts pathologisches; aus¬ 
kultatorisch überall vesikuläres Atmen, nur ad basim beiderseits katarrhalisches, 
kleinblasiges Rasseln zu hören. Im Harne deutlich Eiweiß (ca. 1 %o)> kein 
Zucker, deutlich Urobilinogen. 

Die Behandlung bestand in Bettruhe, Milchdiät und Darreichung eines 
Pulvers von Digitalis -j- Theobromin pur. 

Unter dieser Behandlung schwoll anfangs die Leber rasch ab, der Puls 
wurde jedoch nicht ruhiger. Nun wurden auch hydriatische Prozeduren ver¬ 
sucht und zwar CO„ Bäder und tägliche kühle Teilwaschungen. Der Kranke 
fühlte sich im großen und ganzen besser, klagte aber über zeitweise Kopf¬ 
schmerzen und erbrach hie und da. 

Am 17. November 1912 etwas Fieber; Belag auf beiden Tonsillen, der 
mikroskopisch diphtheritischer Natur zu sein schien; infolgedessen wurde 
der Kranke isoliert und erhielt Diphtherieserum (1500 Einheiten) eingespritzt. 
Darauf rascher Abfall der Temperatur.. Abstoßung der Membranen, sodaß 
Herr Sch. bereits am 26. November 1912 wieder vollkommen genesen war. 

Im Harne fand sich um diese Zeit nur eine Spur Eiweiß, das Herz arbeitete 
wesentlich ruhiger und die Pulsfrequenz betrug am 30. November 1912 nur 
84 Pulse in der Minute. 

Doch schon am 2. Dezember 1912 zeigte der Puls seine alte Frequenz 
und der Blutdruck eine Höhe von 190/130. 

Am 11. Dezember 1912 in der Nacht Anfall von Lungenödem, der rasch 
vorüberging. Die Herzaktion war ständig beschleunigt, zeigte ca. 120 Pulse in 
der Minute; die Leber kaum zu tasten. Am 13. Dezember 1912 wurde ein 
kleiner Aderlaß gemacht ohne Einfluß auf den Blutdruck. 

Am 16. Dezember 1912 wird zum ersten Male deutlich Pulsus alternans 
konstatiert, dabei andauernd starke Pulsation der Vena jugularis, der zweite 
Aortenton deutlich akzentuiert. 

An diesem Tage wurde der Puls auch graphisch aufgenommen und gleich¬ 
zeitig die Atmung verzeichnet. 

Am nächsten Tage, dem 17. Dezember, erfolgte neuerliche Aufnahme von 
Puls und Herzstoß, Puls und Atmung (Fig. 10), Puls und Venenpuls (Fig. 1). 

Der Fig. 10 entnehmen wir, daß die Atmung keinen Einfluß auf den Puls 
ausübt, insbesondere nicht auf den Alternanscharakter des Pulses. 

22. Dezember 1912. Neuerliche Aufnahme des Status ergibt einen voll¬ 
kommen unveränderten Befund gegenüber der am ersten Tage durchgeführten 

Untersuchung. Die Herzdämpfung ^ cm' ^‘ e Herztöne sind verstärkt, 

Pulsfrequenz 120. Der Puls: deutlicher Alternans. Leberdämpfung etwas ge¬ 
ringer als bei der Aufnahme. Höhe der Leberdämpfung in der Mammillarlinie 
U'/a cm; keine Oedeme. Teile der an diesem Tage gemachten graphischen 
Aufnahmen sind in Fig. 2 und 4 wiedergegeben. Fig. 2: Gleichzeitige Aufnahme 
von Venen- und Arterienpuls. Fig. 4: Gleichzeitige Aufnahme des Herzstoßes 
und Arterienpulses. 





ORIGINALE 


251 


23. Dezember 1912. Aufnahme mit zwei Manschetten. Bei 180 mm Hg 
Druck wird die kleinere Pulswelle von der unteren Manschette nicht mehr ver¬ 
zeichnet, d. h. der Maximaldruck für den kleineren Puls ist niedriger als jener 
des großen Pulses. (Eine ähnliche Beobachtung wurde bereits von Joachim 1 ) 
gemacht.) 

27. Dezember 1912. Der Kranke betont ständig, daß er sich beim Herum¬ 
gehen wohler fühle als beim Liegen. Schlaf unruhig, zeitweise Erbrechen. 

30. Dezember 1912. Aufnahme des Elektrokardiogramms im physiolo¬ 
gischen Institute der deutschen Universität®). Die Aufnahme wurde in Ab¬ 
leitung I und II gemacht. (Fig. 7, 8, 9.) 

Schon an dieser Stelle möchte ich betonen, daß über meinen Wunsch 
gleichzeitig mit dem Elektrokardiogramm die Pulsaufnahme in der von mir an¬ 
gegebenen Weise mittels der um den Oberarm gelegten Manschette erfolgte. 
Gegenüber der früher von der Karotis aus mit dem Trichter gewonnenen Puls¬ 
aufnahme gewinnen wir so sicher ganz exakte Pulsbilder. Dieses ist aber 
speziell bei den Pulsunregelmäßigkeiten von besonderer Bedeutung, hat sich 
auch in dem vorliegenden Falle gut bewährt, wie die Figuren lehren. 

1. Januar 1913. Bestimmung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Puls¬ 
wellen nach der von mir angegebenen Methode. Es zeigt sich, daß der Pulsus 
altem ans im ganzen Gefäßsystem vorhanden ist, also sowohl in den oberen, 
als in den unteren Extremitäten. Bei dieser Gelegenheit wird noch einmal 
Herzstoß und Venenpuls aufgenommen. (Fig. 3, 5.) 

2. Januar 1913. Da der Puls trotz Digitalisdarreichung dauernd be¬ 
schleunigt bleibt und die Klinik einerseits, die experimentelle Forschung anderer¬ 
seits der Meinung Ausdruck gibt, daß Digitalis diesen Herzzustand (den Pulsus 
alterans) berbeiführt oder unterstützt, wurde das Digitalis ausgesetzt. 

Herr Sch. fühlt sich nachher recht schwach und zeigt noch am 6. Januar 
1913 Pulsus altemans. 

An diesem Tage wird nun Chinin intern gegeben und zwar 0,2 g dreimal 
täglich, dabei abends ein Pulver Theobromin. 

Am 7. Januar 1913 Pulsus alternans nicht mehr vorhanden; im Harne 
viele granulierte und hyaline Zylinder. 

9. Januar 1913. Die graphische Aufnahme des Pulses (Fig. 11) zeigt, 
daß der Pulsus altemans verschwunden ist, jeder zweite bis dritte Schlag aller¬ 
dings etwas kleiner scheint. Die Pulsfrequenz 130, der Blutdruck noch immer 
210/170. Die Wurfarbeit der Pulswelle ausgesprochen klein. 

An diesem Tage wurde auch die Herztätigkeit von zwei Stellen gleich¬ 
zeitig mit Trichtern aufgenommen und zwar von der Herzspitze und vom fünften 
linken Interkostalraume, dicht neben dem sternum (Fig. 6). Es zeigen beide 
Kurven, die nicht ganz exakt dem Originale entsprechen, keine Gegeusinnigkeit, 
auch sonst keine Andeutung des ja auch im Pulse nicht mehr zum Ausdruck 
kommenden Alternans. 

11. Januar 1913. Geringes Oedem beider Beine. Chinin wird ausgesetzt 
und zweimal täglich Theobromin gereicht. 

13. Januar 1913. Leicht ikterisches Aussehen; Beine abgeschwollen, Um¬ 
fang des Unterleibes in Nabelhöhe 95 cm; im Harne deutlich etwas Urobilinogen. 
Der Puls (Fig. 12) zeigt kaum eine Unregelmäßigkeit; die Pulswelle ist sehr klein. 

16. Januar 1913. Puls 120, kein Alternans, Umfang des Unterleibs in 
Nabelhöhe 100 cm; wieder leichtes Oedem der Beine. 

17. Januar 1913. Digitalis 0,05 + Chinin 0,2 + Theobromin 0,5 wird 
täglich zweimal gereicht. Atmung ist vesikulär, Herztöne begrenzt, zweiter 
Pulmonaliston akzentuiert; Umfang des Leibes 102 cm, Beine ein wenig ge¬ 
schwollen. 

19. Januar 1913. Starkes Oedem der Beine, Blutdruck abgefallen auf 160/110. 
Wurfarbeit klein. Der Kranke erhält jetzt Pulver Kalomel + Digitalis ää 0,05, 
+ Theobromin 0,4; im Ganzen 10 Pulver ohne Wirkung auf die Diurese. 

21. Januar 1913. Puls 124, klein, kein Alternans; starkes Oedem der Beine; 
Umfang der linken Wade 38,5 cm, der rechten Wade 39,7 cm; das Oedem der 


*) G. Joachim, Das Elektrokardiogramm des Pulsus alternans beim Men¬ 
schen. Münch, med. Wochenschr. 58, 1950 (1911). 

*) Herrn Prof. F. Hofmann, dem Vorstande des physiologischen Inst., 
danke ich an dieser Stelle bestens für die Freundlichkeit, mit der er mir die 
Hilfsmittel des Instituts zur Verfügung stellte, nicht minder Herrn Prof. R. Kahn 
für die Güte, mit der er die elektrokardiographischen Aufnahmen durchführte. 



252 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


Haut reicht bis zur Brust hinauf; Leber stark geschwollen. So bleibt der Zu¬ 
stand unverändert. Die Urincntleerung wird zeitweise etwas reichlicher, ist 
aber doch im großen und ganzen ungenügend. Auch Heißluftbäder im Bette, 
nochmalige Darreichung stärkerer Dosen Kalomel mit Digitalis bleiben ohne 
Erfolg auf das Oedem. Die Pulsspannung läßt mehr und mehr nach. 

Am 30. Januar 1913 wirft der Kranke Blut aus; der Kranke wird schwächer 
und schwächer, zeigt deutlich ikterische Verfärbung der Haut, der Ham enthält 
etwas Gallenfarbstoff und deutlich Urobilinogen. 

Am 2. Februar 1913 beträgt der Umfang der Waden beiderseitig über 45 cm. 

6. Februar 1913. Große Atemnot, Puls sehr klein und schwach, sodaß 
von da ab Kampferöl- und Koffein-Injektionen gemacht werden müssen. 

9. Februar 1913. Der Blutdruck 150/120, der Puls klein, weich. 

Am 10. Februar 1913 ist der Kranke nicht ganz orientiert und erliegt 
seinem Leiden an diesem Tage. 

Die klinische Diagnose lautete: Allgemeine Sklerose der peripheren Ge¬ 
fäße (vaskuläre Hypertonie); Nephritis chronica (mit etwas Schrumpfung). 
Sekundäre Herzhypertrophie; Herzschwäche (lange Zeit Pulsus alternans); 
Stauungsleber, Stauungskatarrh der Lunge mit Infarkten; allgemeiner Hydrops 3 ). 

Die Obduktion, ausgeführt vom Herrn Doz. Dr. Luksch (pathol.-anat 
Institut, Vorstand: Prof. Dr. Ghon) ergab: 

Chronische Nephritis mit leichter Atrophie; geringe Atherosklerose. Hoch¬ 
gradige Herzhypertrophie, bes. links. Schwielen in der Wand des linken Ven¬ 
trikels (auch im Septum). Globulöse Vegetationen in der Spitze des linken 
Ventrikels und im rechten Vorhof. Allgemeine Stauung. Hydrops ascites und 
Anasarca. Thrombose der femoralen Venen. Embolie der Lungenarterienäste 
und hämorrhagische Lungeninfarkte. 

Hämorrhagisch-fibrinöse Pleuritis rechts. Ikterus. 

Die uns besonders interessierenden Teile des Sektionsprotokolls seien 
hier ausführlich und wörtlich wiedergegeben: 

„Im Herzbeutel mäßig viel klares Serum; das Herz stark vergrößert 
u. zw. verbreitert. Über dem rechten Herzen ein Sehnenfleck. Das ganze Herz 
glatt, mäßig fett bewachsen. Der linke Vorhof erweitert, das linke Ostium 
venosum für 2 Finger durchgängig. Die Mitralklappe zart, ihre Sehnenfäden 
zart Der linke Ventrikel erweitert, seine Wand bis 2*/* cm dick. Seine Mus¬ 
kulatur blaß. In der Spitze zwischen den Trabekeln pilzförmige Thromben. 
Das Ostium arteriosum nicht verengt. Die Aortenklappen zart. Die Aorta im 
Isthmus 4 1 /* cm im Umfange. Die Aortawand leicht fleckig und in Form von 
Streifen verdickt. Rechter Vorhof erweitert. Zwischen den Trabekeln reich¬ 
liche pilzförmige Thromben, ebenso im rechten Herzohr. Die Klappen der 
rechten Herzhälfte zart. Muskulatur blaß. 

Die Nieren mittelgroß; die Kapsel gut abziehbar. Oberfläche leicht 
höckrig; Rinde dunkelrot mit roten Pünktchen, ungleich breit; Marksubstanz 
schwarzrot. Das Nierenparenchym derb. In den Nieren einzelne erbsengroße 
gelbe keilförmige Herde. 

Epi krise: Die klinische Diagnose lautete auf allgemeine Sklerose 
der peripheren Gefäße (vaskuläre Hypertonie). Sie bedarf 
einer weiteren Begründung umsomehr, als sie anscheinend im Wider¬ 
spruche steht mit der pathologisch-anatomischen Diagnose auf »Geringe 
Atherosklerose“. 

Klinisch war eine dauernde außerordentliche Blutdruck¬ 
steigerung festgestellt worden; das bedeutet, daß die Widerstände für 
die Zirkulation des Blutes durch die Gewebe gegen die Norm wesentlich erhöht 
sind. Diese Widerstandserhöhung kann nur beruhen auf einer wesent¬ 
lichen Verkleinerung des gesamten peripheren Blutbettes, die zustande 

s ) Ich will nicht unerwähnt lassen, daß in 4 von J. Rihl (Ztschr. f. exp. 
Path. u. Ther. 8, 1906) und in einem der von Fr. Volhard (Münchn. tnea. 
Wochenschr. 62, 13, 1905) mitgeteilten zwei Fälle ebenso wie in dem vor¬ 
liegenden der Blutdruck dauernd stark erhöht war. Die pathol.-anat Unter¬ 
suchung in zwei Fällen Rihl’s, die zur Autopsie kamen, gab ein ähnliches 
Resultat wie in diesem Falle. 




ORIGINALE. 


253 


kommt sei es durch eine sklerotische Verengerung des Lumens vieler 
kleiner Gefäße oder durch eine Kontraktion derselben. Die Annahme einer 
dauernden Kontraktion der kleinen Gefäße hat viele Anhänger gefunden, 
seitdem man häufig bei diesen Zuständen dauernder Blutdruckerhöhung 
autoptisch eine Vergrößerung der Nebennieren fand, .woraus man auf 
Hyperfunktion dieses Organes als Ursache der intra vitam beobach¬ 
teten vaskulären Hypertonie schloß. 

Ohne eine Entscheidung in dieser Hinsicht fällen zu wollen, 4 ) scheint 
mir die Annahme einer anatomischen Verengerung der kleinen Gefäße, 
d. h. einer Sklerose dieser kleinen Gefäße weitaus am wahrscheinlichsten. 
Einen Beweis für das Vorhandensein einer solchen Veränderung der Ge¬ 
fäße sehe ich in der Sch rümpf niere. Das Krankheitsbild der allgemeinen 
peripheren Gefäßsklerose wurde und wird vielfach als Ren granu latus be¬ 
zeichnet. In Wirklichkeit findet man bei den Autopsien anatomisch wohl eine 
außerordentliche Vergrößerung des Herzens, aber die Niere ist häufig gar nicht 
oder sehr wenig geschrumpft. An der allgemeinen Gefäßsklerose beteiligen sich 
eben die Nierengefäße häufig, aber nicht immerund in verschiedenem Grade. 

Immer und immer führt diese allgemeine Sklerose der 
kleinen Gefäße zu einer außerordentlichen Steigerung der 
Widerstände für die Zirkulation, d. h. zu einer außerordent¬ 
lichen Steigerung des Blutdruckes mit konsekutiver sekundärer 
Herzhypertrophie. 

Die neben der Blutdrucksteigerung das Krankheitsbild sonst be¬ 
herrschenden Erscheinungen werden davon abhängen, welche peripheren 
Gefäßgebiete an der Erkrankung besonders beteiligt sind. Sind es die 
Gefäße des Gehirnes, dann werden wiederholte Schlaganfälle das Krank¬ 
heitsbild kennzeichnen und Ernährungsstörungen des Gehirnes (Gedächtnis¬ 
schwäche u. s. w.) nicht ausbleiben; sind die Nierengefäße stark miterkrankt, 
dann kommt es zur starken Schrumpfung der Niere. Und in diesem 
grob-anatomisch sichtbaren Schwunde von Nierengewebe scheint mir der 
Beweis gelegen, daß eben auch der dauernden Blutdrucksteigerung eine 
Sklerose und nicht eine einfache dauernde erhöhte Gefäßspannung der 
kleinsten Gefäße zugrunde liegt. 

Das vorliegende Krankheitsbild wurde von der Blutdrucksteigerung 
beherrscht, als deren Ursache also sei es eine verbreitete Sklerose der 
kleinsten Gefäße, sei es — was weniger wahrscheinlich — eine allgemein 
erhöhte Gefäßspannung anzusehen ist Darum mußte auch die Diagnose 
gestellt werden auf: 

Allgemeine Sklerose der peripheren Gefäße (vaskuläre 
Hypertonie). 

Der pathologisch-anatomischen Diagnose nach war nur »Geringe Athero¬ 
sklerose“ vorhanden; diese Diagnose bezieht sichaufdiegrößeren Ge¬ 
fäße. Auch klinisch wurde eine Veränderung der großen Gefäße ausge¬ 
schlossen, da diese ganz bestimmte Erscheinungen macht, die hier fehlten. D i e 
Sklerose bzw. der Verschluß der präkapillaren Gefäße (mit dem 
daraus folgenden Schwunde eines Teiles der Gefäße und des 
betroffenen Gewebsgebietes) ist aber makroskopisch-anatomisch 

4 ) Vielleicht darf ich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß L. Frank 
(Dtsch. Arch. f. klin. Med. 103, 397, 1911) in eigenen dieser Frage gewidmeten 
Untersuchungen zum Schlüsse kommt, „daß das chromaffine System an der 
Entstehung dieser chronischen Hypertonie des Menschen par excellence nicht 
beteiligt ist.* 



254 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


schwer oder gar nicht festzustellen. Nur an einem Organe, das 
wie die Niere, ein Oefäßorgan darstellt, kommt der Verschluß der kleinen 
Gefäße schließlich auch grob sichtbar zum Ausdrucke. In anderen Geweben 
des Körpers ist diese periphere Gefäßsklerose vielleichtmikroskopisch 
nachzuweisen; ich schreibe vielleicht, weil der mikroskopischen Anatomie 
in dieser Hinsicht die Entscheidung zufällt, bisher aber entsprechende 
Untersuchungen fehlen. Mir scheint es sicher, daß diese allge¬ 
meine Verengerung der kleinsten Gefäße mit sekundären nekro- 
biotischen oder rein atrophischen Prozessen auch in anderen 
Organen als der Niere anatomisch nachgewiesen werden wird, 
sobald einmal die pathologischen Anatomen ihre Aufmerksam¬ 
keit auf diesen Punkt richten werden. 

Die Herzhypertrophie war Folge der erhöhten Kreislaufwiderstände, 
des erhöhten Blutdruckes. Infolge der Erkrankung bezw. Verengerung der 
kleinsten Gefäße kam es im Herzen selbst zum Schwunde eines Teiles 
derselben und sekundär zur Myomalacie des Herzens, zur Schwielen¬ 
bildung. Diese, sowie die andauernde Überanstrengung des Herzens, 
das ja gegen so außerordentlich erhöhte Widerstände jahraus jahrein zu 
arbeiten hatte, erschöpften schließlich die Herzkraft, es kam zur Herz¬ 
muskelschwäche, als deren erstes Zeichen die Steigerung der Puls¬ 
frequenz anzusehen ist. Dann aber kam es bei Fortschreiten der Muskel¬ 
schwäche zum Pulsus alternans, bis schließlich die Herzkraft soweit ab¬ 
nahm, daß sie zur Überwindung der Kreislaufwiderstände nicht reichte. 

Nun noch einige Bemerkungen zur Therapie. 

Der Kranke hat lange Zeit Digitalis genommen. Als wir dieses 
aussetzten, zeigte der Puls noch fast 6 Tage lang Altemans- 
charakter. In Hinsicht auf die Angaben der experimentellen Forscher 
ließen wir dann innerlich Chinin geben und sahen nun rasch den Alter¬ 
nans schwinden. Ob aber hierauf das Verschwinden des Alternans be¬ 
zogen werden darf, ist mehr als fraglich. 

Es darf in dieser Hinsicht nicht unerwähnt bleiben, daß neuerliche 
Darreichung von Digitalis nun den Alternans nicht mehr zum Vorschein 
brachte, daß vielmehr eine zunehmende Herzschwäche vorlag, die sich 
auch durch die ständige Abnahme des Blutdruckes dokumentierte. Wäh¬ 
rend der Blutdruck anfangs maximal 215 betragen hatte und die Puls¬ 
amplitude eine Höhe von 60 mm Hg und mehr besaß, sank der Blut¬ 
druck schließlich auf 160/110, ja sogar später auf 150, sodaß die Ampli¬ 
tude, wie auch die Pulsaufnahme zeigte (siehe Fig. 10), außerordentlich 
gering war. 


II. 

Liegt Pulsus alternans vor? 

Zunächst mußte bewiesen werden, daß der im vorliegenden Falle 
beobachtete rhythmische Wechsel von großen und kleinen Pulsen nicht 
durch Extrasystolie herbeigeführt wurde, daß es sich nicht um einen 
Pulsus bigeminus, sondern um echten Pulsus alternans handelt 

K. F. Wenckebach 5 ) sieht als Kriterien eines Pulsus alternans, 
deren Vorhandensein »mit großer Wahrscheinlichkeit“ auf Pulsus alter¬ 
nans schließen läßt, an, daß 

5 ) K. F. Wenckebach, Die Arhythmie als Ausdruck bestimmter Funktions¬ 
störungen des Herzens. (Leipzig 1903.) S. 115. 



o 


ORIGINALE 


255 


»1) das Phänomen wochen- und monatelang unter verschiedenen 
Umständen bestehen blieb, was mit dem Auftreten von Extrasystolen nicht 
vereinbar ist; 

2) der Altemans nicht in andere Pulsformen überging, höchstens 
auf kurze Zeit sich verwischte; 

3) der Unterschied der Periodendauer vor und nach der kleinen 
Systole immer nur sehr gering war, es sei denn, daß die kleine Welle 
etwas verfrüht oder etwas verspätet, oder vielleicht abwechselnd in der 
einen oder in der anderen Weise auftrat; 

4) die schwachen Kontraktionen als Nicht-Extrasystolen nur schwache, 
sonst aber normale Herztöne zu hören gaben." 

Alle diese Bedingungen erscheinen im vorliegenden Falle erfüllt. 
Um aber nicht nur mit größter Wahrscheinlichkeit urteilen zu können, 
sondern mit aller Sicherheit die Annahme einer Extrasystolie als Ursache 
einer Pulsalternierung ausschließen zu können, sind eine Reihe von Unter¬ 
suchungen nötig und zwar: 

a) gleichzeitige Aufnahme des Arterien- und Venenpulsesj 

b) gleichzeitige Aufnahme des Herzstoßes und Arterienpulses; 

c) Aufnahme des Elektrokardiogrammes. 

Nach allen drei Richtungen haben wir den Kranken untersucht und 
ich lege im nachfolgenden einen Teil der aufgenommenen Bilder vor. 

Ad a): Die Fig. 1, 2, 3 bringen die Aufnahmen des arteriellen und 
venösen Pulses. Der arterielle Puls wurde nach der von mir angegebenen 
Methode teils mit der breiten, teils mit der schmalen um den Oberarm 
geschlagenen Manschette unter Einschaltung des entsprechend konstru¬ 
ierten Erlangerballons gewonnen. Der venöse Puls wurde in der üb¬ 
lichen Weise mit dem Trichter von der Vena jugularis externa aufge¬ 
nommen. Letzterer war, wie bereits in der Krankengeschichte erwähnt, 
außerordentlich stark, sodaß wir zur Verringerung der großen 
Ausschläge mitunter den seitlichen Hahn der Schreibtrommel offen lassen 
mußten, um so die Ausschläge ein wenig zu dämpfen. Eine in dieser 
Weise gewonnene Kurve ist in Fig. 2 wiedergegeben. Im übrigen 
stimmen die Fig. 1 und 2 sehr gut überein. Wir sehen den typi¬ 
schen Pulsus alternans. 1, 3, 5, 7 sind die großen, 2, 4, 6, 8 die 
kleinen Pulswellen. Die ersteren hatten bei dieser Aufnahme im Durch¬ 
schnitte eine Dauer von 11,45 mm = 0,48", die kleineren eine solche 
von 10,47 mm = 0,44" (Geschwindigkeit der Trommelbewegung in 
0,2" = 4,75 mm). 

Puls e nach dem 4. Pulse (Fig. 1) ist durch eine Extrasystole aus¬ 
gelöst, er kommt frühzeitig, die zugehörige Vorhofwelle a e ist wesentlich 
stärker als die anderen a-Wellen und die dem extrasystolischen Pulse e 
folgende Pulswelle 5 ist wesentlich größer als die entsprechenden vorher¬ 
gegangenen großen Wellen 3, 1; auch tritt der Alternanscharakter nach 
dem extrasystolischen Pulse e wesentlich deutlicher in Erscheinung, d. h. 
der Unterschied zwischen Puls 5 und 6 ist wesentlich größer als der zwischen 
1 und 2 bezw. 3 und 4. Es sind dies Verhältnisse, aufdie schon von anderer 
Seite und in ganz vorzüglicher Weise von J. Ri hl 6 ) die Aufmerksamkeit ge¬ 
lenkt wurde, Beobachtungen, die wir nur vollinhaltlich bestätigen können. 

Die in Fig. 3 wiedergegebene Aufnahme fand am 1. Januar 1913 

6 ) J. Ri hl, Ober Herzalternans beim Menschen. (Ztschr. f. exp. Path. 
u. Ther. 3, 1906.) 



256 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 0 


an einem anderen Apparate statt, dessen Trommel eine Geschwindigkeit 
von 8,5 mm in 0,2 " zeigte. Bei dieser Aufnahme zeigten die Pulse fast 
gleiche Dauer; der größere Puls zeigt eine Länge von 20,51 mm = 
0,482 ", der kleinere eine solche von 20,01 mm = 0,470". 

Was den Venenpuls betrifft, so zeigt derselbe ausgesprochenen Vor¬ 
hofcharakter, die a-Wellen beherrschen denselben. Dabei zeigt sich mit 
voller Sicherheit (Fig. 1 , 2 ), daß die den größeren arteriellen Pulsen ent¬ 
sprechenden Vorhofwellen ebenfalls größer erscheinen, also ai, a 3 , a 5 , 

39, an (Fig. 1, 2) sind größer als die den kleineren arteriellen Pulsen 
entsprechenden Vorhofwellen a 2 , a<, a 6 , as u. s. w. Daß es sich hier um 
wirklich größere Wellen und nicht um durch Niveauunterschiede der Fu߬ 
punkte bedingte Höhenunterschiede handelt, lehrt die einfache Beobach¬ 
tung und Ausmessung der Zacken. Die Zackenhöhe vom Beginn der 
a-Zacke bis zu ihrem Gipfelpunkte ist an jenen Vorhofwellen, die den 
großen arteriellen Pulsen vorangehen bezw. entsprechen, größer als bei 
jenen Vorhofwellen der kleinen Pulse. Vielleicht darf noch darauf hin¬ 
gewiesen werden, daß der Unterschied der arteriellen Pulse am Venen¬ 
pulse dadurch zum Ausdrucke kommt, daß die c-Zacke der großen Pulse 
viel deutlicher in Erscheinung tritt, als die c-Zacke der kleinen Pulse. 

Die von J. Ri hl 7 ) angeführten Verhältnisse, die einen Vorhofalternans 
vortäuschen können, wo ein solcher nicht vorhanden ist, fallen bei Be¬ 
urteilung der vorliegenden Aufnahme weg; diese ist ganz eindeutig und 
zeigt mit Sicherheit, daß der rechte Vorhof und die linke Kammer in 
gleicher Weise alternierende Pulswellen erzeugten, kurz, daß die zugrunde 
liegende Tätigkeitsänderung das ganze Herz betraf. 

Nicht unerwähnt will ich lassen, daß, wie Fig. 3 zeigt, nicht jedesmal 
und bei jeder Aufnahme die Veränderungen am Venenpulse in gleich 
schöner Weise in Erscheinung treten (was auch in methodischen Fehlern 
der Aufnahme mitunter begründet sein mag). 

Ad b): Die Fig. 4 und 5 bringen gleichzeitige Aufnahme des Herzens 
und des Pulses, während Fig. 6 in der Weise gewonnen wurde, daß ein 
Trichter in der Gegend der Herzspitze, ein zweiter am 5. Interkostalraume 
dicht neben dem linken Sternalrande auf die Brustwand aufgesetzt wurde. 
Diese letztere Aufnahme (Fig. 6) gibt also ein Bild der Herzaktion an 
zwei verschiedenen Stellen der Herzoberfläche. Fig. 4 und 5 zeigen, daß 
in unserem Falle bei ausgesprochenem Pulsus alternans die einzelnen Herz¬ 
stöße vollkommene Gleichzeitigkeit besaßen; aber auch ein Alternieren 
der Größe war nicht festzustellen, auch nicht in Fig. 6, bei der ent¬ 
sprechend den Hering’schen Anregungen die Herzaktion von zwei ver¬ 
schiedenen Stellen zur Verzeichnung gelangte; allerdings fand diese Auf¬ 
nahme zu einer Zeit statt, als der Alternans am Pulse nicht mehr nach¬ 
weisbar war. Jedenfalls zeigt das Herz einen vollkommen regelmäßigen 
Rhythmus und von einer Extrasystolie kann auch nach diesen Aufnahmen 
nicht die Rede sein. 

Ad c): Während noch vor wenigen Jahren die zwei eben genannten 
Untersuchungsmethoden (Aufnahme von Arterien- und Venenpuls einer¬ 
seits, Aufnahme von Herzstoß und Venenpuls andererseits) zur Entscheidung 
der Frage, ob Alternans, ob ßigeminie vorliege, herangezogen werden 
mußten, sind wir jetzt im stände, leicht und sicher die Entscheidung zu 
treffen durch Aufnahme des Elektrokardiogramms. 

7 ) J. RihI, Experimentelle Untersuchungen über das Verhalten des Venen¬ 
pulses bei Herzalternans. (Ztschr. f. exp. Path. u. Ther. 10, 1912.) 











D 


257 


ORIGINALE 


Nachdem O. Adler 8 ) gezeigt hatte, daß wir experimentell durch 
Glyoxylsäure P. a. hervorrufen können, haben R. H. Kahn und F. 
Starkenstein 9 ) das Elektrokardiogramm des experimentell erzeugten 
Pulsus alternans studiert und lehren: „Sämtliche Herzschläge des Alternans 
sind also von normalem Ablauf“ und betonen weiter, „daß im zweifelhaften 
Falle die Aufnahme des Elektrokardiogramms ohneweiters eine Differential¬ 
diagnose zu ergeben scheint". An dieser Stelle heben sie hervor, daß das 
Elektrokardiogramm des menschlichen Alternans bisher noch nicht auf- 
genommen sei. 

In der Zwischenzeit ist. diese Lücke ausgefüllt worden und es hat 
sich gezeigt, daß ein Unterschied zwischen experimentellem und mensch¬ 
lichem Alternans im Elektrokardiogramm nicht besteht. 

In dieser Richtung liegen besonders die Angaben vor von: A. 
Strubell 10 ) aus dem Jahre 1909, der (Tafel 19, Fig. 23 seiner Arbeit) 
ein allerdings nicht ganz gelungenes Bild vorlegt. 

Unbefriedigend ist auch die Aufnahme, die A. Hof mann 10 ) vom 
Pulsus alternans (Fig. 7 seines Aufsatzes) bringt, und ebenso die von 
W. von Wyss 10 ). Dagegen hat G. Joachim 10 ; ein ziemlich gutes 
Elektrokardiogramm bei einem einschlägigen Falle vorgelegt und auch 
Th. Lewis 10 ) bringt drei Elektrokardiogramme, ohne daß allerdings die 
gleichzeitig aufgenommenen Pulse sehr deutlich wären. 

Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß W. Einthoven 11 ) in 
seinem Vortrage auf der Naturforscherversammlung 1911 ein Elektro¬ 
kardiogramm eines Pulsus alternans bringt. Das Elektrokardiogramm in 
diesem Falle (Fig. 28, S. 107) unterscheidet sich wesentlich vom normalen 
und wird als Elektrokardiogramm bei Läsion des rechten Schenkels des 
atrioventrikulären Verbindungsbündels bezeichnet. Die den verschiedenen 
Pulsen entsprechenden Elektrokardiogramme sind gleich. 

Nun sei der Vollständigkeit wegen noch darauf hingewiesen, daß 
R i h 1 (I. c. No. 5), wie ich einer Fußnote seiner Arbeit entnehme, eben¬ 
falls die Beobachtung machte, daß ausgesprochener Herzalternans im 
Elektrokardiogramm nicht zum Ausdrucke zu kommen braucht. 

Schon mit Rücksicht auf die Seltenheit der Aufnahme dürfte es also 
gerechtfertigt erscheinen, das Elektrokardiogramm des vorliegenden Falles 
mitzuteilen, dies umsomehr, als wie bereits früher erwähnt, gleichzeitig 
der arterielle Puls in exakter Weise aus der um den Oberarm ge¬ 
schlungenen Manschette unter Einschaltung eines Erlangerballons in 

s ) O. Adler, Wirkung der Glyoxylsäure auf den Tierkörper. (Arch. f. 
exp. Path. u. Pharm. 66, 207, 1907.) 

fl ) R. H. Kahn und E. Starkenstein, Die Störungen der Herztätigkeit 
durch Glyoxylsäure (Pulsus alternans) im Elektrokardiogramme. (Pflügers 
Arch. 183, 579, 1910.) 

,0 ) A. Strubell, Klinik des Elektrokardiogramms. (26. Kongr. f. inn. 
Medizin 1909.) 

A. Hof mann, Die Arhythmie des Herzens im Elektrokardiogramm. 
(Münchn. mediz. Wochenschr. 56, 44, 1909.) 

W. v. Wyss, Beiträge zur Klinik des Elektrokardiogramms. (Dtsch. Arch. 
f. klin. Med. 103.) 

G. Joachim, Das Elektrokardiogramm des Pulsus alternans beim Men¬ 
schen. (Münchn. mediz. Wochenschr. 58, 37, 1911.) 

Th. Lewis, Notes upon Alternation of the heart. (The Quarterly Journ. 
of Medicine, Januar 1911, 141.) 

ll ) W. Einthoven, Neuere Ergebnisse auf dem Gebiete der tierischen 
Elektrizität. (Naturforscherversammlung 1911.) 



258 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEF ASSKRANKHEITEN V. 0 


der von mir angegebenen Weise 12 ) aufgenommen wurde. Es zeigte sich, 
daß diese Art der Pulsaufnahme die Aufnahme des Elektrokardiogramms 
in keiner Weise beeinträchtigt und wesentlich exaktere Pulsbilder liefert 
als die bisher übliche Methode der Aufnahme des Karotispulses mit dem 
Trichter, die übrigens häufig und gerade in den Fällen von Herzarhythmie 
versagt. Wir möchten also auf diese Art der gleichzeitigen Pulsaufnahme 
besonders aufmerksam machen. 

In den hier mitgeteilten drei Aufnahmen Fig. 7, 8 und 9 entspricht 
die obere Kurve der Pulskurve, die untere Kurve ist das Elektrokardio¬ 
gramm u. zw. Fig. 7 bei Ableitung I, Fig. 8 und 9 bei Ableitung II. 

Die Elektrogramme lehren zunächst mit vollster Sicherheit, daß wirk¬ 
lich Pulsus altemans vorliegt Wir sehen, daß das Elektrogramm 
des kleinen Pulses mit jenem des großen vollkommen 
identisch ist. 

Das Elektrogramm bei Ableitung I (Fig. 7) zeigt eine merkwürdig 
breite, wenig hohe P-Zacke. die außerdem auf der Höhe selbst auffallend 
zackig erscheint Die R-Zacke ist sehr hoch, einphasisch. Die T- 
Zacke ist sehr klein und nach abwärts gerichtet Der Abstand der R- 
Zacken von einander ist vollkommen gleich, während die gleichzeitig 
aufgenommenen Pulse nicht nur verschiedene Höhe, sondern auch ver¬ 
schiedene Dauer besitzen. Die Ausmessung der Pulskurve und des 
Elektrokardiogramms ergab folgendes: Der Abstand des großen vom 
kleinen Pulse oder einfacher gesagt, die Dauer des großen Pulses beträgt 
(Fig. 7) 19,75 mm, jene des kleinen Pulses 18,5 mm, oder, da die 
Trommel eine Geschwindigkeit von 7,5 mm = 0,2" zeigte, hatte der 
größere Puls eine Dauer von 0,526 ", der kleinere eine solche von 0,493". 
Der Abstand der R-Zacken von einander beträgt aber fast durchwegs 
19,0 mm. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse bei der in Ableitung II 
gewonnenen Aufnahme (Fig. 8, 9). Ich gebe in nachfolgender Tabelle 
die Ausmessung wieder: 


Elektrokardiogramm. Ableitung II. 
0,2" = 7,5 mm 


Dauer der großen Pulse: Dauer der kleinen Pulse: 


18.5 

20,0 

20.5 • 

20,0 

19.5 

20,0 

20.5 


158 , 0:8 = 19,75 mm . 


18,75 

19.5 

18.5 
19,0 

18.5 
18,75 
19,0 

15.5 


132,00:7 = 18,85 mm 


e.21,0 

21.5 .18,0 

20.5 .18,0 

20,5.19,5 


>*) E. Münzer, a) Apparat zur objektiven Blutdruckmessung. (Möncbn. 
mediz. Wochenschr. U, 37, 1907.) 

b) Apparat zur graphischen Blutdruckbestimmung und Puisaufnabme 
(Sphygmo-Tonograph). (Zentralbl. f, Herzkrankh. 2, 305, 1910.) 














a 


ORIGINALE 


259 


Wir sehen, ich nehme nur die vor der Extrasystole e gelegenen Pulse, 
daß die großen Pulse eine Länge von 19,75 mm, die kleinen eine solche 
von 18,85 mm besitzen, oder mit anderen Worten, der Abstand vom 
großen Pulse zum kleinen ist etwas größer, als von diesem kleinen zum 
nächsten größeren, der kleine Puls kommt also um ganz geringe Zeit 
verspätet, er ist nachzeitig. 

Sehr interessant sind nun die Elektrogramme bei Ableitung 11, ein¬ 
mal wegen der Form des Elektrogrammes, dann aber, weil um diese Zeit 
auch Extrasystolen zur Beobachtung kamen. 

Das Elektrogramm bei Ableitung II, Fig. 8 und 9 zeichnet sich 
durch eine ziemlich hohe P-Zacke mit spitzwinkligem Höhenpunkte aus; 
die R-Zacke zeigt einen kleinen, nach aufwärts gerichteten und einen eben¬ 
sogroßen nach abwärts gerichteten Anteil. Die Nachschwankung, 
die bei Ableitung I (Fig. 7) sehr klein und nach abwärts gerichtet war 
fehlt bei dieser Aufnahme vollkommen, eine Erscheinung, die. 
ja bereits von Kraus und Nicolai 13 ) als Zeichen schwerer Erkrankung 
des Herzmuskels angesehen wurde; diese Annahme findet durch die 
vorliegende Beobachtung ihre volle Bestätigung. 

Nach R/4 in Fig. 8 und R/6 in Fig. 9 kommt nun eine R-Zacke 
(Re), der nur eine ganz kleine, bzw. keine P-Zacke (Pe) vorangeht und 
bei der die R-Zacke selbst im nach aufwärts gerichteten Teile unverändert 
erscheint, der nach abwärts gerichtete Teil aber wesentlich größer ist als 
in den anderen Elektrogrammen, also auch größer als der nach aufwärts 
gerichtete Teil ist; endlich zeigt sich nach diesen beiden Elektrogrammen 
eine starke Nachschwankung (Te). Es handelt sich in diesen beiden 
Fällen um Extrasystolen, die dem Elektrogramm nach das eine Mal (Fig. 8) 
vom Ventrikel ausgingen —■ die P-Zacke fehlt — im anderen Falle (Fig. 9) 
doch am Vorhofe einsetzten, da hier eine kleine Pe-Zacke der Re-Zacke 
vorangeht. 

Diesen Extrasystolen entsprechen im Pulsbilde Trigemini (Puls¬ 
gruppe 3, 4, e in Fig. 8, Gruppe 5, 6, e in Fig. 9). Diese Trigemini 
bestehen also aus einem Alternanspaare 3, 4 bzw. 5, 6 und einer Extra¬ 
systole e. Interessant ist, daß die Extrasystole im Elektrogramm sehr stark 
zum Ausdrucke kommt, während ihr mechanischer Effekt, die Pulswelle 
sehr gering ist. 

Die der Extrasystole folgende Pulswelle (Puls 5 in Fig. 8 und Puls 7 
in Fig. 9) ist wesentlich größer als die sonst vorhandenen größeren Pulse 
bei der gleichen Aufnahme, während im Gegensätze dazu der folgende 
kleinere Puls des Alternans (Puls 6 der Fig. 8 und Puls 8 der Fig. 9) 
kleiner ist als der kleinere Puls des Alternans bei dieser Aufnahme, d. h. 
der Alternans kommt, worauf bereits früher hingewiesen wurde, nach der 
Extrasystole besonders stark zum Ausdrucke. 

Der Abstand der R-Zacken von einander ist in den beiden Abbildungen 
Fig. 8 und 9 überall der gleiche und auch genau gleich groß wie in 
Fig. 7; die Extrasystolen kommen wesentlich früher. Die Zeitdifferenz 
von Ri-Rc-Rs (Fig. 8) bzw. von Re-Re-R7 in Fig. 9 ist aber fast 
doppelt so groß wie die zweier normaler R-Zacken voneinander. Die 
kompensatorische Pause nach der Extrasystole ist also vollkommen aus¬ 
gesprochen. 


u ) Fr. Kraus und G. F, Nicolai, Das Elektrokardiogramm. (Leipzig 
1910.) 




200 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. □ 


Die von R. H. Kahn und E. Starken stein (1. c.) für den ex¬ 
perimentell erzeugten P. alternans festgestellte Tatsache gilt in gleicher 
Weise auch vom menschlichen Alternans: Auch beim menschlichen 
Alternans sind die den alternierenden Pulswellen ent¬ 
sprechenden Herzschläge elektrokardiographisch von 
normalem Ablaufe. 

Die eingangs gestellte Frage, ob es sich im vorliegenden Falle um 
einen Pulsus alternans gehandelt hat, erscheint nicht nur durch die Auf¬ 
nahme des Arterienpulses, Venenpulses und des Herzstoßes, sondern auch 
durch die Aufnahme des Elektrokardiogrammes zweifellos gesichert. 

III. 

Wesen des Alternans. 

Was den experimentell erzeugten Pulsus alternans betrifft, sieht K. F. 
Wenckebach (1. c.), S. 103 und 104, gestützt auf die Untersuchungen 
Engelmann's, O. Franck's und besonders F. B. Hofmann's das Wesen 
dieser Pulsform in einer Störung der Kontraktilität. 

In der letzten Zeit hat H. E. Hering 14 ) die Ansicht entwickelt, daß 
es sich beim Alternans um eine periodisch auftretende partielle Asystolie 
handelt, so zwar, „daß zur Zeit der partiellen Aktionsschwäche ein Teil 
der Muskelfasern asystolisch ist, d. h. sich nicht mit kontrahiert. Wie 
kann es dazu kommen, daß ein Teil der Muskelfasern sich nicht mit 
kontrahiert? Dadurch, daß dieser Teil auf den ankommenden Leitungsreiz 
nicht anspricht. 

Warum spricht dieser Teil auf der Leitungsreiz nicht an? Weil er 
sich noch in der refraktären Phase befindet, d. h. mit anderen 
Worten, weil dieser Teil der Muskelfasern eine längere refraktäre Phase 
besitzt als andere Muskelfasern, die auf den Leitungsreiz ansprechen. Wie 
kommt es zu einer Verlängerung der refraktären Phase? Durch irgend 
eine schädigende Ursache." Und im Schlußsätze 5) seiner Arbeit sagt 
er: „Zur Zeit des Alternans setzt sich die bestehende Aktionsschwäche 
des Herzens demnach zusammen aus der alternierenden partiellen Asystolie 
und der nicht alternierenden Hyposystolie." 

Als das wesentlichste des Alternans sieht also H. E. Hering die 
periodisch auftretende partielle Asystolie an. 

Bevor wir weitergehen, ist es nötig darauf hinzuweisen, daß die An¬ 
nahme einer partiellen Asystolie von H. E. Hering wohl mit triftigen 
Gründen gestützt wird, experimentell aber nicht erwiesen ist, da sie sich, 
wie dieser Autor selbst betont, „nicht direkt experimentell nachweisen läßt“, 
so daß „der direkte experimentelle Beweis hierfür noch übrig" bleibt. 

Nehmen wir die partielle Asystolie als erwiesen an. Diese erklärt 
H. E. Hering aus einer Verlängerung der refraktären Phase eines Teiles 
der Herzmuskelfasern so zwar, daß diese auf den ankommenden Reiz 
nicht reagieren, an der Kontraktion nicht teilnehmen. H. E. Hering 
sieht also in Störungen der refraktären Phase die Hauptursache des 
Pulsus alternans. Die refraktäre Phase, von Marey entdeckt, von Engel- 
mann bis ins feinste Detail studiert, besagt, daß eine Herzmuskelzelle 
unter gewissen Umständen (während der Systole) auf einen Reiz nicht 
reagiert oder nur auf einen exzessiv großen Reiz, d. h. sie ist um diese 

14 ) H. E. Hering, Die Erklärung des Herzalternans und seine Beziehung zu 
den extrakardialen Herznerven. (Ztschr. f. exp. Path. u. Ther. 10, 1912.) 



o 


ORIGINALE 


201 


Zeit gar nicht oder nur sehr schwer reizbar, bzw. gar nicht oder nur sehr 
w'enig kontraktil. Störungen dieser zwei fundamentalen Eigen¬ 
schaften müssen einer Störung der refraktären Phase zugrunde 
liegen, sie bedingen. Mit der Annahme einer Störung der refraktären 
Phase scheint- mir also die Frage nach der Ursache des Pulsus alternans 
nicht gelöst, es ergibt sich vielmehr die weitere Frage nach dem Verhalten 
der hier maßgebenden Grundeigenschaften d. h. die Frage ob es sich um 
eine Störung der Reizbarkeit oder Störung der Kontraktilität handelt. 

H. E. Hering selbst spricht (1. c. Seite 17 und auch sonst) wieder¬ 
holt von nicht anspruchsfähigen i. e. nicht reizbaren Muskelfasern, ohne 
sich aber in dieser Hinsicht entschieden auszusprechen; ja er glaubt, wie 
wir dem Schlußworte des entsprechenden Kapitels (Seite 18) entnehmen, 
»besondere bisher unbekannte Verschiedenheiten der Muskelfasern der 
Kammern" gefunden zu haben. 

Wie aus dem obigen hervorgeht, scheint mir in den Ausführungen 
H. E. Hering’s wesentlich und nicht ohne Bedeutung für die Auf¬ 
fassung des Pulsus alternans der Gedanke, daß sich neben einer eventuellen 
allgemeinen Störung der Herzsystolie eine besondere Störung eines Teiles 
der Muskelfasern findet, die zum rhythmischen Ausfall der Kontraktion 
dieses Teiles der Muskelfasern und damit zum alternierenden Erfolg der 
Gesamtkontraktion führt. 

Der Gedanke einer solchen partiellen Asystolie ist, w-ie ich K. F. 
Wenckebach (I. c. S. 103) entnehme, schon vor langer Zeit von 
LJ. J. Muskens ausgesprochen worden, der diese Nichtbeteiligung eines 
Teiles der Muskelfasern an der Kontraktion auf Störungen der Reizleitung 
zurückführen wollte. Übrigens hat sich L. J. J. Muskens 16 ) noch ein¬ 
mal zur vorliegenden Frage geäußert und das Zustandekommen des P. a. 
durch die Annahme zu erklären gesucht, »daß nur bei den großen Kon¬ 
traktionen ein bestimmter Teil der Muskelmasse durch die Kontraktions¬ 
welle erreicht wird, während dieser Teil des Muskels von der Kontraktion 
während der kleinen Vs ausgeschlossen ist“, (»that only in the large 
contractions a particular part of the muscular mass is reached by the 
contraction-wave; whereas this part of the muscle is excluded from the 
contraction in the small Vs"). 

Nun tritt auch H. E. Hering 16 ) mit anderer Begründung für die 
Annahme einer solchen partiellen Asystolie zur Erklärung des P. alternans an. 

Weitere Untersuchungen werden feststellen müssen, wie weit diese 
Annahme Berechtigung besitzt und wieweit diese Anschauungen auf die 
menschliche Pathologie übertragen werden dürfen. 

Was den menschlichen Alternans anbelangt, unterscheidet K. F. 
Wenckebach zwei Formen, a) jene, bei der der kleinere Puls etwas 
vorzeitig erfolgt, die Distanz vom großen zum kleinen Puls also kleiner 
ist, als jene vom kleinen zum großen und b) jene Form, bei der der 
kleinere Puls etwas verspätet kommt, die Dauer des großen Pulses also 
etwas größer ist, als jene des kleinen. 


<•’*) L. J. J. Muskens, Genesis of the alternating Pulse. (Journal of 
Physiology 36, 104-112, 1907.) 

,6 ) Siehe auch H. E. Hering, Das Wesen des Herzalternans. (Münchn. 
med. Wochenschr. 56, 1417, 1908.) 



262 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Die erstgenannte Form mit vorzeitigem, kleinerem Pulse hält H. E. 
Hering nicht für wirklichen Alternans, glaubt vielmehr, daß es sich in 
diesen Fällen um Extrasystolie handeln dürfte. K. F. Wenckebach da¬ 
gegen verteidigt für eine Reihe von Fällen dieser Art mit viel Geschick 
den Alternanscharakter derselben. • 

Bei jener Form des P. alternans, bei der der kleinere Puls etwas 
verspätet kommt, nimmt K. F. Wenckebach neben der Störung der 
Kontraktilität, die nach ihm Grundbedingung für den Alternans bildet, noch 
eine Störung der Reizleitung an als Ursache der Verspätung der kleineren Welle. 

Wie liegen diese Verhältnisse in unserem Falle? Wir sehen in allen 
unseren Bildern (Fig. 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 9, 10) große und kleine Pulse 
miteinander rhythmisch abwechseln. Die Pulse sind unter ganz gleichen 
Bedingungen aufgenommen: Gegenüber demselben Druck, aus derselben 
Manschette und von demselben Schreiber werden in rhythmischem Wechsel 
große und kleine Pulse geschrieben, d. h. das Blutvolumen, das den 
Puls erzeugt, ist in rhythmischem Wechsel bald größer bald 
kleiner. Dieser Pulswechsel ist nicht nur in den oberen, sondern, wie 
mich eigene Aufnahmen lehrten, in gleicher Weise auch in der unteren 
Extremität vorhanden; und nicht nur von der linken Kammer, auch vom 
rechten Vorhofe wurden in gleicher Weise verschieden große Wellen in 
rhythmischem Wechsel erzeugt. Wir können also mit aller wünschens¬ 
werten Sicherheit sagen, daß die Kontraktion des ganzen Herzens in 
rhythmischem Wechsel einmal größer, einmal kleiner war, daß das Herz 
bei der einen Systole etwas mehr, bei der nächsten etwas 
weniger Blut auswarf. 

Was können wir aus dem Mitgeteilten für den vorliegenden Fall ferner 
schließen: daß die Reizerzeugung sowie die Reizleitung ungestört sind, 
lehren dfe Elektrogramme; der gleiche Schluß ist wohl auch bezüglich der 
Reizbarkeit berechtigt. Es bleibt also, sofern wir die Ergebnisse der 
Enge 1 man n'sehen Arbeiten zur Grundlage unserer Betrachtungen wählen, 
nur übrig, eine Störung der Kontraktilität der Herzmuskel¬ 
fasern als Ursache der alternierenden Herztätigkeit im vor¬ 
liegenden Falle anzusprechen. 

Unter der Annahme einer partiellen Asystolie im Sinne von Musken’s 
und vor allem H. E. Hering’s, d. h. unter der Annahme, daß nur ein 
Teil der Muskelfasern eine solche Störung dieser Grundfunktion zeigt, 
daß er sich auf jeden zweiten ankommenden Reiz nicht kontrahiert, wer¬ 
den uns dann auch alle bei den graphischen Aufnahmen gemachten ein¬ 
zelnen Beobachtungen gut verständlich. 

Um nun auch zu der Frage Stellung zu nehmen, ob es sich um 
einen Alternans mit vorzeitiger oder nachzeitiger kleinerer Welle handelt, 
sowie zu der Frage, ob vielleicht doch die Reizleitung gestört ist, ver¬ 
weise ich auf die bereits gemachten Angaben, die ich im nachfolgenden 
ein wenig ergänze: 

Bezüglich der Pulsdetails sehen wir durchwegs bei allen Pulsen, daß 
die Entfernung des größeren zum kleineren Pulse mitunter — selten — 
ebenso groß wie die vom kleineren zum größeren, meist aber etwas 
größer ist. In den Fig. 7, 8, 9, in denen speziell die Fußpunkte aller 
Pulswellen ziemlich auf eine Linie fallen, zeigt sich durchwegs, daß die 
kleinere Welle etwas geringere Dauer besitzt als die größere, oder anders 
ausgedrückt, daß der kleinere Puls etwas verspätet kommt, ein Verhältnis, 
das aber auch in allen anderen Aufnahmen deutlich in Erscheinung tritt. 


ORIGINALE 


a 


263 


Der größere Puls hat, wie bereits erwähnt, fast durchwegs eine Dauer 
von 0,526", bzw. (Fig. 1, 2) von 0,48", der kleinere eine solche von 
0,493" bzw. (Fig. 1, 2) von 0,44". Wir können also für den vor¬ 
liegenden Fall behaupten, daß die Reize im Herzen vollkommen gleich¬ 
zeitig einsetzen, die P- und R-Zacken im Elektrogramm zeigen alle voll¬ 
kommen gleiche Distanz, sind von einander alle gleichweit entfernt, daß 
aber der mechanische Erfolg der Herzkontraktion bei der kleineren Kon¬ 
traktion etwas verspätet zum Ausdrucke kommt. 

K. F. Wenckebach hat, wie oben erwähnt wurde, diese Verspätung 
der Kontraktion auf gewisse Störungen der Reizleitung zurückgeführt Der 
Nachweis für eine solche ist aber, soviel ich sehe, bisher nicht geführt 
worden. 

Ich bin in der Lage, nach meinen Aufnahmen für die anscheinende 
Richtigkeit dieser Annahme eintreten zu können. Zu diesem Behufe 
wurde bei der am 22. Dezember 1912 gemachten Arterien- und Venen¬ 
pulsaufnahme, von der ein Teil in Fig. 2 wiedergegeben erscheint, die 
Distanz As-Vs bestimmt. Der As entsprechende Zeitpunkt ist ja in der 
Abbildung ziemlich deutlich. Als Beginn der Vs wurde der Beginn der 
Arterienpulswelle gesetzt. Diese Distanz wurde nun für 6 große und 6 
kleine Pulse ausgemessen und es ergaben sich hierbei folgende Resultate: 

Distanz As—Vs 


bei den großen Pulsen: 
5,50 mm . . . 

5,50 „ ... 

5,55 m ... 

4,85 v ... 

5,75 „ ... 

5,75 „ . . . 


bei den kleinen Pulsen: 
. . 5,75 mm 

. . 5,45 „ 

. . . 6,00 », 

. . . 5,50 » 

. . . 6,25 « 

. . . 6,25 „ 


32,90:6 = 5,45 m 


35,20:6 = 5,86 mm 


Die Distanz As—Vs ist bei den großen Pulsen kleiner als bei den 
kleinen; sie beträgt, wie wir feststellten, im Durchschnitt bei den großen 
Pulsen 5,45 mm, bei den kleinen Pulsen 5,86 mm. Der Reiz wird also 
zur Zeit der kleinen Pulse anscheinend langsamer vom Vorhof zur Kammer 
geleitet als zur Zeit der größeren Pulse. 

Die Leitungsverzögerung beträgt 5,86—5,45 = 0,41 mm; da die Um¬ 
drehungsgeschwindigkeit der Trommel so war, daß 4,0 mm = 0,2 ", ent¬ 
spricht die Distanz von 0,41 mm einer Verspätung von 0,021 ". — 

Es ist also anscheinend neben der Störung der Kontraktilität auch 
eine gewisse Störung der Reizleitung hier rhythmisch nachweisbar. Ich 
will es nicht unterlassen, hier auf eine andere, viel wahrscheinlichere Er¬ 
scheinung hinzuweisen: Studieren wir die Elektrogramme in der eben an¬ 
gedeuteten Richtung, dann finden wir, daß die Distanz P—R bei den 
kleinen Pulsen ebenso groß ist wie bei den großen; der Aktionsstrom tritt 
also beim kleineren Pulse nach derselben Zeit im Ventrikel auf als beim 
größeren. Das muß uns doch in der Auffassung dieser Verlängerung der 
Distanz As—Vs beim kleineren Pulse ein wenig vorsichtig machen. Dar¬ 
nach erscheint uns die schon von H. E. Hering angedeutete Möglichkeit 
sehr naheliegend, daß vielleicht der kleinere Puls des P. alternans des¬ 
wegen ein wenig verspätet kommt, weil infolge der etwas schwä¬ 
cheren Oesamtkontraktion es eben etwas länger dauert, 
ehe die Aortenklappen eröffnet werden; die Anspannungszeit 









264 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


dauert also eine kleine Zeit länger und daher kommt diese kleinere 
Pulswelle um einen kleinen Zeitraum verspätet 

Wir konnten also für den vorliegenden Fall zeigen: 

1) Daß es sich um einen sicheren Pulsus alternans handelt und 

2) um einen Pulsus alternans mit einer nachzeitigen kleineren Welle. 

Ich will nicht unerwähnt lassen, daß K. F. Wenckebach die Vor¬ 
zeitigkeit der kleineren Welle in einem Teile seiner Fälle durch die 
größere Geschwindigkeit der kleineren Pulswelle erklären will. Die theo¬ 
retischen Deduktionen, auf die er sich hierbei stützt, sind gut begründet 
und die Möglichkeit ihres Zutreffens war zuzugeben; über ihre Richtig¬ 
keit könnte aber nur das Experiment entscheiden. Ich habe im vor¬ 
liegenden Falle die Fortpflanzungsgeschwindigkeit beider Wellen nach der 
von mir angegebenen Methode 17 ) bestimmt und dabei folgende Resultate 
erhalten: 

Herz-Wade 115 cm 

Herz-Oberarm 37 ,, 

78 cm — Oberarm — Wade 
Manschettendruck 160. 


Die räumliche Differenz des Be¬ 
ginnes der primären Wellen be¬ 
trägt in Millimetern: 

Die räumliche Differenz des Be¬ 
ginnes der primären Wellen be¬ 
trägt in Millimetern: 

bei den größeren Pulsen 

2,0 

0,2"= 1,4 

8,48 mm 1,9 

2,1 

1,9 

1,9 

2,1 

2,1 

2,4 

2,0 

19,8:10 = 

1.98 mm = 0,0467" 

bei den kleineren Pulsen 

2,0 

1,8 

2,2 

2,3 

2,1 

2,0 

1,7 

2,5 

2,9 

19,5:9 = 

2,16 mm = 0,0509" 

Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit 
der primären Pulswellen zwischen 
Aorta und Wade bei den kleineren 
Pulswellen beträgt 

= 15,3 m 

Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit 
der primären Pulswellen zwischen 
Aorta und Wade bei den größeren 
Pulswellen beträgt 

= 16,6 m 




Nach dieser Bestimmung haben die beiden Wellen eine fast gleiche 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit, denn eine Differenz von 15,3 und 16,6 m 
liegt innerhalb der Fehlergrenzen. 

Wir sehen also aus der obigen Aufnahme: 

1) Daß der Pulsus alternans in der Wade in ganz gleicher Weise 
zum Ausdrucke kommt, wie in der oberen Extremität, eine Tatsache, die 

17 ) E. Münzer, Sphygmo-tonograpliische Studien. (Pflügers Arch. 186, 
443, 1910.) 





o 


ORIGINALE 


265 


zwar von vornherein wahrscheinlich war, die aber doch nirgends, soweit 
mir bekannt, sicher festgestellt erscheint; 

2) ergibt sich aus der obigen Aufnahme, daß die beiden Pulswellen, 
die großen und die kleinen, eine ganz gleiche Fortpflanzungsgeschwindig¬ 
keit besitzen, jedenfalls die kleinere Welle keine größere Fortpflanzungs¬ 
geschwindigkeit als die große Welle zeigt und endlich 

3) sehen wir, daß die beiden Wellen eine größere Fortpflanzungs¬ 
geschwindigkeit besitzen als dies bei gesunden Gefäßen der Fall ist, denn 
die Fortpflanzungsgeschwindigkeit in gesunden Gefäßen beträgt nach 
meinen eigenen Bestimmungen 18 ) höchstens 9—12 m in der Sekunde. 
Eine Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswellen von 15—16 m läßt 
mit Sicherheit größere Spannung der Gefäße diagnostizieren, wie denn 
auch in dem vorliegenden Falle allgemeine Sklerose der peripheren Ge¬ 
fäße mit sekundärer Herzhypertrophie diagnostiziert war. Es ist interessant, 
dem Obduktionsbefunde zu entnehmen, daß die Sklerose der großen Ge¬ 
fäße eine geringe war. 

• 8 ) E. Münzer, a) 1. c. No. 17. 

b) Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswellen in gesunden und 
krankhaft veränderten Blutgefäßen. (29. Kongr. f. inn. Medizin, Wiesbaden 1912.) 


(Aus der meditinischen Klinik xu Wiirxburg.) 

Über einen Fall von Herzalternans. 

Von 

Priv.-Doz. Dr. E. Magnus-Alsleben. 

Der Pulsus alternans ist zuerst von K. F. Wenckebach 1 ) als eine 
inotrope Störung gedeutet, und damit von ähnlichen durch Extrasystolen 
bedingten Pulsformen abgetrennt worden. Was die Einzelheiten der hier 
vorliegenden Änderung des Kontraktionsvermögens anbelangt, so hat 
Galli 2 ) auf Grund einer später noch einmal zu erwähnenden Beobachtung 
zuerst die Vermutung ausgesprochen, die Störung des Kontraktions¬ 
vermögens könnte darin gelegen sein, daß sich bei jeder zweiten Systole 
nur ein Teil des Ventrikels betätigt, und ein anderer gänzlich in Ruhe 
bleibt, d. h. also, daß eine partielle Asystolie vorläge. Galli hat diese 
seine Ansicht nur kurz angedeutet, und im Detail nicht genau ausgearbeitet. 
Trotzdem dürfen wir wohl ohne Bedenken annehmen, daß er den gleichen 
Vorgang im Auge hatte, den H. E. Hering 3 ) später breiter ausgeführt 
hat. Hering meinte ferner, daß auch deduktive Schlüsse zur Annahme 
von partiellen Asystolien drängen, da die Existenz von Hyposystolien aus 
theoretischen Gründen unmöglich sei; jedoch haben P. S p i e ß und ich 4 ) 
darauf hingewiesen, daß Hering's theoretische Bedenken gegen das Vor- 

>) K. F. Wenckebach, Ztschr. f. klin. Med. 44 , 218, 1912. 

2) Galli, Münch. Med. Woch. 68, 1956, 1906. 

s ) H. E. Hering, Ztschr. f. experim. Pathol. u. Therapie 7, 363, 1909, da¬ 
selbst Literatur über zahlreiche frühere Mitteilungen. 

4 ) P. Spies und E. Magnus-Alsleben, Ztschr. f. experim. Pathol. und 
Therapie 9 , 213, 1911. 



266 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


kommen von Hyposystolien (wenigstens an pathologischen Herzen) nicht 
zwingend sind und wir glaubten, auf Grund von Beobachtungen beim 
experimentell erzeugten Alternans (vor allem am Langendorff-Apparat) 
dafür eintreten zu dürfen, daß beim Zustandekommen des Alternans 
Hyposystolien eine gewichtige Rolle zuzuschreiben sei. Neuerdings ver¬ 
mutet Hering 6 ) denn auch die Ursache des Alternans in einer nicht 
alternierenden Hyposystolie (Alternansdisposition) und einer alternierenden 
partiellen Asystolie. 

Die Zahl der klinisch beobachteten sicheren Fälle von Alternans ist 
nicht groß (Literatur siehe bei Hering), sodaß die kurze Mitteilung eines 
neuen Falles vielleicht gerechtfertigt ist. 

Die 38jährige Patientin, welche früher stets gesund war, erkrankte vier 
Wochen vor dem Spitaleintritt, bis zu welcher Zeit sie ihrer Arbeit nach¬ 
gegangen war, mit Kopfschmerzen, Atemnot und Herzklopfen, Schmerzen beim 
Wasserlassen, Erbrechen (einmal mit Blut) und Ohnmachtsanfällen. Der Ge¬ 
samtzustand verschlechterte sich dauernd, es traten Oedeme auf und am 
15. Juli 1912 wurde sie dem Spital überwiesen. Die magere blasse Frau hatte 
Oedeme an beiden Beiden, ein rechtsseitiges Pleuraexsudat (bis zum 6. Brust¬ 
wirbel), die Leber reichte bis zum Nabel. Ein Ascites war unsicher; der 
Spitzenstoß, deutlich hebend, war im 6. Interkostalraum bis in die vordere 
Axillarlinie zu fühlen. Die obere Herzgrenze war an der 3. Rippe, die rechte 
am rechten Sternalrand. Über allen Ostien drei Töne, ein Geräusch nicht sicher. 
Aktion regelmäßig, 90—100 Schläge in der Minute. Temperatur 36,8. Zwei 
Tage später am 17. Juli, bei Pulszahlen von 160—180 wurde ein Alternans 
konstatiert, und die Kurven 1, 2 und 3 aufgenommen. Dieser Alternans hielt 
mit ganz kurzen Unterbrechungen, während deren die Aktion normal war, zwei 
Tage lang an, um dann mit berleitungsstörungen (Kurve 4) zu wechseln; 
dieser Wechsel erfolgte manchmal alle paar Minuten. In dieser Zeit bestand 
ein systolisches Geräusch, das beim stärkeren Schlage des Alternans lauter 
und deutlicher war als beim schwächeren. Das Allgemeinbefinden zeigte keiner¬ 
lei Abhängigkeit von dem jeweiligen Herzrhythmus. Im Laufe der nächsten 
Wochen verschlechterte sich der Zustand dauernd, der häufige Wechsel von 
Alternans, Überleitungsslörungen und regelmäßigem Rhythmus hielt an. Manch¬ 
mal hörte man (bei regelmäßigem Pulse) Galopprhythmus. Geräusche, in ihrer 
Stärke sehr wechselnd, waren stets systolisch. Ein sicheres diastolisches Ge¬ 
räusch konnte niemals konstatiert werden. Der zweite Pulmonalton war 
akzentuiert zu hören und war deutlich zu fühlen. Die Temperatur nahm lang¬ 
sam zu, zuletzt zwischen 38 und 39. Der Puls 120—140. Unter den Erschei¬ 
nungen wachsender Herzinsuffizienz trat am 30. September 1912 der Tod ein. 
Bei der Sektion zeigte sich das Herz stark dilatiert, ein wenig hypertrophiert. 
Auf der Mitralklappe eine ziemlich erhebliche frischere Endokarditis, an der 
Aorta Spuren einer alten Entzündung. Der Herzmuskel gelblich blass, im Herz¬ 
beutel etwas vermehrte seröse Flüssigkeit. In der rechten Pleurahöhle ein 
etwas hämorrhagisches Exsudat In beiden Lungenspitzen, besonders links, 
alte verkäste tuberkulöse Herde. 

Es handelte sich also um eine 38jährige, früher stets gesunde Frau, 
welche ziemlich plötzlich, ohne nachweisbare Ursache, mit sehr schweren 
allgemeinen Krankheitserscheinungen (Atemnot, Herzklopfen, Blutbrechen 
u. s. w.) erkrankt war. Beim Spitaleintritt (vier Wochen nach Beginn der 
Krankheit) bestanden die Folgeerscheinungen einer Herzinsuffizienz 
(Pleuraexsudat, Oedeme). Das Herz war verbreitert, der Spitzenstoß 
hebend, es bestand meistens ein systolisches Geräusch mit einem ver¬ 
stärkten 2. Pulmonalton. Das Auffälligste war der sehr häufige Wechsel 
des Rhythmus. Nachdem einige Tage nach dem Spitaleintritt ein Alternans 
eingesetzt und zwei Tage lang bestanden hatte, hielt bis zum Tode ein 
Zustand an, in dem regelmäßige Schlagfolge (manchmal mit Galopp- 


6 ) H. E. Hering, Ztschr. f. experim. Pathol. u. Therapie 10,1912 (Literatur). 


Spitzenstoß 

Karotis 


■\r\r '/'^■\7 \j\JL/WVaaaA. 

\/^\Aruv^^v/Ar\r 


Kurve I. Pulsus altenia jugularis, unten Spitze. 




•en, 

Iler 

len. 


Karotis 
V. jugul. 

a) 



Kurve V. > bei gleicher Frequenz. 


E. MAGNUS-ALSLEBEN, ÜbeilOR STEINKOPF F, DRESDEN und LEIPZIG. 







o 


ORIGINALE 


267 


rhythmus) mit Ventrikelsystolenausfällen und Alternans abwechselte. 
Kurve I zeigt Spitzenstoß und Karotis aus den ersten Tagen während des 
andauernden Alternans. Das Fehlen einer jeden Rhythmusstörung am 
Herzen, und die Nachzeitigkeit der kleinen Welle an der Karotis beweist 
die echte Alternansnatur. Daß sich der Größenunterschied an der Gefä߬ 
kurve deutlicher ausprägt als am Kardiogramm, ist eine häufige 
Beobachtung. Im vorliegenden Falle kommt die größere Kraft jedes 
zweiten Herzschlages immerhin durch die Sichtbarkeit der Vorhofzacke zum 
Ausdruck. Zur Annahme eines divergenten Verhaltens zwischen dem das 
Blut austreibenden und dem den Spitzenstoß bildenden Teil, wie er nach 
Hering öfters vorkommt, liegt also hier kein hinreichender Grund vor; eine 
gegensinnige Alternierung bestand sicher nicht; dem größeren Herzschlage, 
d. h. hier dem mit der sichtbaren Vorhofzacke entsprach der größere 
Arterienpuls. Kurve II (Kardiogramm und Vena jugularis) zeigt wieder 
jeden zweiten Schlag mit einer Vorhofzacke; ferner sind die a-Wellen im 
Phlebogramm von auffallender Größe. Dieser letztere Umstand rührt 
offenbar daher, daß infolge der raschen Herzaktion jede Vorhofkontraktion 
schon in die Zeit der vorhergehenden Systole fällt und also das Blut 
nicht in den Ventrikel auszutreiben vermag. Das a-v-Intervall ist hier 
normal. Auf Kurve III (Elektrokardiogramm und Karotiskurve) sieht man 
in Übereinstimmung mit früheren Beobachtungen, daß die Alternierung 
im Elektrokardiogramm sich nicht zu verraten braucht. Kurve IV (Spitzen¬ 
stoß und Vene) zeigt Ventrikelsystolenausfälle (jeder 4.—5.) infolge zu¬ 
nehmender Überleitungsverzögerung. Die Vorhofzacken sind von normaler 
Größe nur da, wo der Vorhof sein Blut infolge eines Ventrikelsystolen¬ 
ausfalles in die Kammer austreiben kann. (Siehe die markierten Stellen 
der Kurve.) Schon beim nächsten Schlage fällt der Vorhof in das Ende 
der Systole infolge zunehmender Überleitungsverzögerung bei jedem 
Schlage in ein immer früheres Stadium, und so werden die Zacken 
schrittweise immer größer bis zur nächsten Intermittenz. Diese Kurve 
entspricht einer früher einmal von mir veröffentlichten 6 ). Kurve V (Teile 
aus unmittelbar hintereinander aufgenommenen Kurven) zeigt das allmäh¬ 
liche Verschwinden des Alternans bei gleichbleibender Frequenz. 

Noch einige Worte über den oben erwähnten Punkt, daß das systo¬ 
lische Geräusch beim Alternans in seiner Intensität wechselte. Derartiges 
ist früher schon von Galli 7 ) beobachtet, freilich war hier das Geräusch 
bei dem größeren Schlage stärker. In Galli’s Fall war es bei dem 
kleineren Schlage lauter. Dieser Umstand konnte die Annahme einer 
muskulären Insuffizienz infolge ungenügender Kontraktion als Ursache 
des Geräusches, wie es Galli geschlossen hat, tatsächlich nahe legen. 
Was diese muskulären Insuffizienzen betrifft, so habe ich 8 ) vor einer 
Reihe von Jahren auf Grund von Experimenten, unter denen es nur 
unter ganz extremen Bedingungen ausnahmsweise einmal gelang, eine 
relative Insuffizienz zu erzeugen, Bedenken geäußert, ob es berechtigt 
wäre, dieselbe als die gewöhnliche Ursache eines so außerordentlich 
häufigen Vorkommnisses, wie es doch anorganische, systolische Geräusche 
darstellen, anzusehen. Diese Versuchsresultate, die damals angezweifelt 
wurden, wurden später von J. Ri hl 9 ) und auf dem vorjährigen Wies- 

•) E. Magnus-Aisleben, Ztschr. f. klin. Med. «9, 1909, Kurve 8 und 9. 

*) Galli (1. c.) 

8 ) E. Magnus-Alsleben, Arch. f.experim.Path. u.Pharmak. 67,48, 1907. 

9 ) J. Rihl, Ztschr. f. experim. Path. u. Pharmak. 6, 55, 1909. 



268 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


badener Kongresse von H. E. Hering 10 ) auf Grund von neuen, den 
meinen ganz analogen Experimenten bestätigt, ln diesem Falle, wo ein 
durch die Sektion bestätigter Mitralfehler bestand, und wo die Verstärkung 
resp. ausschließliche Hörbarkeit des Geräusches mit dem stärkeren Schlage 
zusammenfiel, wird ja wohl die Erklärung darin gegeben sein, daß die 
stärkere Kontraktion eben zu einem stärkeren Rückströmen von Blut ge¬ 
führt hat 

Ferner sei auf einen Punkt hingewiesen: Es fehlte nämlich die sonst 
meistens beobachtete Abhängigkeit des Alternans von der Frequenz in dem 
Sinne, daß eine Zunahme der Frequenz den Alternans begünstigt und 
ein Verschwinden desselben meist mit einer Frequenzabnahme zusammen- 
fällt Hier kam und ging der Alternans unabhängig von der Frequenz 
(Kurve 5). 

Zusammenfassung: Im vorliegenden Falle kamen mehrere ver¬ 
schiedene Arhythmieformen nebeneinander vor. Es trat bei einer, an einer 
alten Lungentuberkulose und einer frischeren Endokarditis der Mitralis 
leidenden Patientin einige Wochen vor dem Tode ein Alternans auf; er 
wechselte mit Ventrikelsystolenausfällen und regelmäßigem Rhythmus. Die 
Alternierung war an Herz und Arterie gleichsinnig. Das systolische Ge¬ 
räusch war bei dem stärkeren Schlage des Alternans lauter als bei dem 
schwächeren. Das Elektrokardiogramm zeigte nichts von der Alternierung. 
Das Kommen und Gehen des Alternans war unabhängig von der Frequenz. 

u ) H. E. Hering, Kongreßverhandlungen 1912, S. 424. 


Referate. 

I. Niriali rbI Mthiliflischi Iiatnii and flistiluii. 

A b r i k o so f f, A. J. (Moskau). Zur Kasuistik der Parenchymembolien: 
Kleinhirngewebsembolie der Arteria coronaria cordis beim Neugeborenen. 

(Ztbl. für Path. 24, 6, 1913.) 

Bei einem Neugeborenen fand sich bei der Sektion eine Zerreißung 
des Sinus occipetalis und eine Zerstörung der hinteren Partien des Klein¬ 
hirns. Der absteigende Ast der linken Arteria coronaria war durch Klein¬ 
hirnpartikelchen embolisiert, die durch das offene Foramen ovale in den 
linken Blutkreislauf gelangt waren. Schönberg (Basel). 

Stann ig, J. Aortenruptur. (Gesellsch. f. inn. Med. u. Kinderhlkde. zu 
Wien. Ref. Berlin, klin. Wochschr. 50 , 469, 1913.) 

Das demonstrierte Präparat stammt von einem 28 jährigen Dienst¬ 
mädchen, welches nach einer Aufregung Schmerzen in der Herzgegend 
verspürte, nach einigen Tagen zusammenstürzte und unter Zyanose und 
dem Bild schwerer kardialer Störung ad exitum kam. Die Obduktion er¬ 
gab Verwachsung des Herzbeutels mit dem Epikard, Herzvergrößerung, 
geringe Verdickung der Mitralklappen, Verwachsung der vorderen Aorten¬ 
klappen, ein angeborenes ringförmiges Diaphragma, welches die Aorta 
stenosierte, und einen durchgängigen Ductus Botalli. 3 cm oberhalb der 
Aortenklappe war ein Riß, die Intima war durch das Blut bis zum Isthmus 
abgehoben. F. Weil (Beuthen). 



o 


REFERATE !1 


269 


Letulle (Paris). Lisions cardiaques multiples. (Bull.Socanatom.de 
Paris, 25. April 1913.) 

L. zeigt die Photographien eines Herzens mit folgenden sechs Ver¬ 
änderungen : Insuffizienz und Stenose der Mitralis, Insuffizienz und Stenose 
der Aortenklappen, Insuffizienz und Stenose der Tricuspidalis. 

H. Netter (Pforzheim). 

II. rii:lili|ii ul iiMrimtilli FitlilnlL 

Loewy, A. Das Thorium X in der Biologie and Pathologie. Be¬ 
merkung zu der Arbeit von Plesch, Karczag und Keetmann in dieser 
Zeitschrift 5, 164, 1913. (Zeitschr. f. exp. Path. u. Ther. 12, 573, 1913.) 

Polemische Bemerkungen zu der im Titel zitierten Arbeit betreffend 
die Gefäßwirkung der radioaktiven Stoffe. J. Ri hl (Prag). 

Hering, H. E. (Prag). Ober die vorhof-diastolische Welle ad, eine 
neue Welle des Venenpulses. (Pflügers Arch. 149, 594, 1913.) 

Verf. beschreibt eine bei den größeren Säugetieren und beim Menschen 
gewöhnlich im absteigenden Schenkel der a-Welle des Venenpulses ge¬ 
legene kleine Welle und bezeichnet sie als aa-Welle, da sie in die Diastole 
des Vorhofs fällt. Sie entsteht hauptsächlich durch die Vorhofskontraktion, 
ist von der Kammersystole unabhängig und besonders dann deutlich, wenn 
die rechte Kammer stärker gefüllt ist. Sie ist als Rückstoßwelle aufzufassen 
und entsteht durch das Zurückprallen des durch die Vorhofkontraktion 
in die Kammer getriebenen Blutes. J. Rothberger (Wien). 

Müller, O. und Förster, Bl. Zur Frage des Herzschlagvolumens. 
Zweite Mitteilung. Aus der med. Poliklinik zu Tübingen (Vorstand.O. 
Müller). (Zeitschr. f. exper. Path. u. Ther. 12, 472, 1913.) 

Die Autoren verzeichneten an narkotisierten und meist auch kurari- 
sierten Katzen bei künstlicher Ventilation nach Eröffnung der Brusthöhle 
das Plethysmogramm beider Herzkammern und schrieben gleichzeitig aus 
der eröffneten einen Karotis den Blutdruck mit einem Quecksilbermano¬ 
meter, während sie von der freigelegten, aber uneröffneten anderen Karotis 
einen Flammenpuls aufnahmen, wie sie ihn beim Menschen an der un¬ 
eröffneten Subclavia registrierten, und zwar bei Vagusreizung, Muskarin¬ 
vergiftung und Erstickung. In einigen Versuchen wurde an Stelle des 
Flammenpulses die räumliche Ausdehnung der uneröffneten linken Karotis 
resp. Anonyma mit einem Schlayer’schen Volumschreiber verzeichnet. 

Die Autoren kommen auf Grund ihrer Versuche zu dem Ergebnis, 
daß man für klinische Zwecke mit Hilfe des Müller’schen Verfahrens 
der sogenannten zentralen Flammentachographie (entgegen der Meinung 
von Kries) einen Schluß auf das Schlagvolumen ziehen kann, wenn man 
sich bewußt bleibt, daß man es dabei nur mit Näherungswerten zu tun hat. 

J. Ri hl (Prag). 

Müller, O. und Oesterlen, Th. Zur Frage des Herzschlag- 
volnmens. Dritte Mitteilung. Aus der med. Poliklinik zu Tübingen (Vorst. 
O. Müller). (Zeitschr. f. exp. Path. u. Ther. 12, 489, 1913.) 

Um zu untersuchen, ob die Amplitude des zentralen Pulses (sei es 
nun die des Flammen-, oder Volumen-, oder Druckpulses der Subclavia 
resp. Karotis) auch bei wesentlich verändertem Kaliber der peripher ge¬ 
legenen Arterien und starker Drucksteigerung oder Drucksenkung in 



270 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


gleicher Weise als ungefähres Maß des Schlagvolumens brauchbar ist wie 
bei mittlerer Ruhelage der Vasomotoren und normalen Werten des Mittel¬ 
druckes, wurde die Kammerplethysmographie des Herzens an narkotisierten, 
gelegentlich auch kurarisierten, künstlich geatmeten Katzen durchgeführt 
und gleichzeitig die räumliche Ausdehnung der freigelegten, nicht eröffneten 
Karotis resp. Anonyma durch einen Schlay er'sehen Volumschreiber 
und das Plethysmogramm der einen Vorderpfote, sowie der Blutdruck 
der linken Karotis mit einem Quecksilbermanometer aufgenommen. 

Die Autoren untersuchten auf diese Weise den Einfluß der Abkühlung 
und Erwärmung des Tieres im Vollbade, die Wirkung von Adrenalin, 
Chlorbarium, Digalen, Strychnin, Natrium nitrosum und der Erstickung 
mit dem Ergebnis, daß sich in der Regel die Volum- (und übrigens auch 
die Druck-)Amplitude der zentralen Gefäße in der Weise ändert, daß man 
aus ihr Schlüsse auf gleichsinnige Änderungen des Herzschlagvolumens 
mit praktisch hinreichender Genauigkeit machen kann. 

Die Autoren präzisieren das Resultat der gesamten experimentellen 
Untersuchungen zur Frage des Herzschlagvolumens folgendermaßen: 

Die mit der sogenannten zentralen Flammentachographie bei der Ein¬ 
wirkung von Bädern und Arzneimitteln erhaltenen Resultate waren völlig 
richtig, während die gasanalytischen Methoden (Plesch, Schapals und 
Bornstein) zu unzutreffenden Ergebnissen geführt haben. 

Die Richtigkeit ersterer Resultate ist keinem Zufall zu danken, son¬ 
dern liegt im Wesen der Amplitudenmessung des zentralen Pulses be¬ 
gründet. Zwar ergaben sich sowohl bei variierender Pulsfrequenz wie 
bei wechselndem Mitteldruck gewisse Fehlerquellen; doch sind diese in 
der Regel so gering, daß sie selbst bei Summation der ungünstigen Mo¬ 
mente die praktische Brauchbarkeit der Methodik kaum in Frage stellen 
dürften. Über die Richtung, in welcher sich das Herzschlagvolumen 
ändert, wird man bei einiger Größe der eintretenden Schwankungen 
innerhalb der Breite der beim Menschen für gewöhnlich in Betracht 
kommenden Verhältnisse zutreffend orientiert, und das ist, wie die Unter¬ 
suchungen bei Einwirkung von Bädern und Arzneimitteln gezeigt haben, 
von praktischer Bedeutung. 

Der klinischen Verwendbarkeit der Methodik sind gewisse Grenzen 
gezogen, indem nur bei unverrückt festsitzenden Rezeptoren und inner¬ 
halb verhältnismäßig kurzer Zeitläufe relative Anhaltspunkte für inzwischen 
eingetretene gröbere Veränderungen des Herzschlagvolumens erhalten 
werden können. Doch gibt es, wie die Erfahrung gelehrt hat, zurzeit 
kein klinisches Verfahren, welches ebenso genaue oder gar genauere Auf¬ 
schlüsse gewährt. 

Die Methode der zentralen Flammentachographie wird in Zukunft 
durch die Schreibung des zentralen Pulses nach Frank zu ersetzen sein, 
bis es möglich ist, die Druckamplitude zentraler Gefäße nicht nur nach 
relativem, sondern auch absolutem Maße darzustellen. 

J. Ri hl (Prag). 

Hildebrand, Fritz. Experimentell erzeugte lokale Atherosklerose 
und ihre Beziehungen zur Niere. (Dissertation Heidelberg 1912, 42 S. 
3 Tabellen.) 

Ausgehend von der Arbeit von Summikawa (Zieglers Beitr. 34, 
242,1903) wurde versucht, an einem Gefäß (Carotis von Kaninchen resp. 
Hund) durch chemische Einflüsse (Jod/ Scharlachöl und Chlorzink in 
5% Lösung) atherosklerotische Veränderungen zu erzeugen. Am besten 




BÜCHERBESPRECHUNGEN 


271 


wirken Jodpinselungen bei künstlich verengertem Qefäß. Das Bild der 
Atherosklerose war vom 20. Tag ab deutlich erkennbar. Nach der Fest¬ 
stellung dieser lokalen Veränderungen hielt Verf. die Möglichkeit für ge¬ 
geben, den Einfluß dieser Veränderungen auf die Funktion eines Organes 
zu studieren. Er wählte zu diesem Behuf die Nieren, die als paariges 
Organ gute Vergleichsmöglichkeit bieten. Es wurden energische Be¬ 
tupfungen der Nierenarterie mit Jod vorgenommen. (Versuche an sieben 
Hunden und sieben Kaninchen.) Die Versuche an Hunden ergaben keine 
verwertbaren Resultate, während bei Kaninchen die Veränderungen auch 
an der Nierenarterie äußerst charakteristisch waren und den an der 
Karotis erzielten vollkommen entsprachen. Dabei war die Funktion der 
Niere aber nicht gestört. Versuche mit Cantharidin ergaben jedoch einen 
erheblichen Unterschied in der Funktion der rechten und linken Niere. 
Dieser Unterschied war umso grösser, je mehr die Nierenarterie athero- 
sklerotisch verändert war. Aus seinen Versuchen schließt der Autor, daß 
die Atherosklerose der Nierenarterie an und für sich keinen nachteiligen 
Einfluß auf die Niere ausübt, daß diese aber, sobald sie von einem 
schädigenden Agens getroffen wird, in ihrer Widerstandskraft herabgesetzt 
ist, somit die Atherosklerose einen locus minoris resistentiae schafft. 
Verf. glaubt auf Grund seiner Experimente nicht recht an die Entwick¬ 
lung einer Schrumpfniere durch Atherosklerose, dagegen scheint ihm die 
Annahme berechtigt, daß sich eine Schrumpfniere dann entwickeln kann, 
wenn eine Entzündung das in seiner Blutversorgung gestörte Organ trifft. 

_ Fritz Loeb (München). 

Bücherbesprechungen. 

Strubeil, A. Das Wechselstrombad. Eine monographische Studie. 
(Verlag von Theodor Steinkopff, Dresden und Leipzig, 1913. 210 S. mit 

8 Tafeln. Preis M. 7.—, gebd. M. 8.—.) 

In der Einleitung gibt Verf. einen historischen Überblick über die 
Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen über die Wirkungsweise der 
Wechselstrombäder, wobei in kritischer Weise die z. T. einander wider¬ 
sprechenden Befunde der Autoren besprochen werden. Es folgt dann eine 
Beschreibung der eigenen Methodik und 40 instruktive Krankengeschich¬ 
ten, unter denen auch nicht solche fehlen, die von einer ergebnislosen 
Anwendung der Wechselstrombäder berichten. Gerade in diesen Fällen 
bemüht sich Verf., die Ursache des Versagens zu ergründen und zu er¬ 
klären. Die Bedeutung des Wechselstrombades sieht Verf. in der Arterien¬ 
druck und Pulsfrequenz herabsetzenden Wirkung. Die Indikationen für 
die Anwendung der Methode sieht Verf. in fast allen Erkrankungen des 
Zirkulationsapparates organischen und nervösen Ursprungs. Auf die Be¬ 
einflussung der auf arteriosklerotischen Erkrankungen beruhenden Zirku¬ 
lationsstörungen geht er des näheren ein. 

Die Wirkungsweise einer physikalischen Heilmethode zu erklären ist 
besonders schwierig und bei der Beurteilung ihres Wertes ist dem sub¬ 
jektiven Ermessen ein weiterer Spielraum eingeräumt als bei arzneilichen 
Heilmethoden. Immerhin möchte ich sagen, daß es dem Verfasser ge¬ 
lungen ist, besser wie seinen Vorgängern auf diesem Gebiet eine Grund¬ 
lage zu finden, von der aus es möglich ist, uns ein Bild von der Wir¬ 
kung des Wechselstrombades zu machen und Indikationen und Kontra¬ 
indikationen genauer zu bestimmen als es bisher möglich war. 

J. Ruppert (Bad Salzuflen). 



272 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


O 


Krehl und Marchand, Handbach der allgemeinen Pathologie. 

2. Band. 2. Abteilung (Leipzig 1913. S. Hirzei. 535 S. Preis geh. 19M.) 

Der neue Band des Krehl-Marchand’schen Handbuches bringt 
die allgemeine Pathologie des Herzens und der Gefäße (F. Moritz und 
D. v. Tabora), die Thrombose und die Embolie (R. Beneke), die 
Störungen der psychischen Funktionen (A. Ho che), die allgemeine Patho¬ 
logie des Gesichtssinnes (C. v. Heß), die pathologischen Störungen der 
Hautsekretion (A. Schwenkenbecher), endlich die Störungen der Leber¬ 
und Pankreassekretion (R. Kretz und K. Hel ly). Die ursprünglich be¬ 
absichtigte Einteilung in größere zusammenhängende Abschnitte und die 
Anordnung der Kapitel nach ihrem Inhalte ließ sich aus äußeren Gründen 
nicht streng durchführen. 

Dem Charakter des vorliegenden Zentralblattes entsprechend be¬ 
schränken wir uns auf die Besprechung der auf das Herz und das Ge¬ 
fäßsystem bezüglichen Kapitel. 

Zunächst gibt F. Moritz in einem 112 Seiten umfassenden, außer¬ 
ordentlich inhaltsreichen Abschnitte eine ausgezeichnete Darstellung der 
Anomalien der Dynamik des Herzens und der Gefäße, des Blutdruckes 
und der ihn bestimmenden Faktoren, ferner der Anomalien des Lumens 
und der Masse des Herzens und der Gefäße, ln weiteren Abschnitten 
bespricht Moritz die Störungen im Lungenkreisläufe und die Anomalien 
in der Funktion der Ventileinrichtungen des Kreislaufs, endlich die ab¬ 
normen Beziehungen des Nervensystems zu den Kreislaufsorganen. Die 
Anomalien der Schlagfolge und der Schlagfrequenz des Herzens behan¬ 
delt v. Tabora in einem nur 18 S. umfassenden Abschnitte; in einem 
so engen Rahmen läßt sich eine ausreichende Darstellung der Rhythmus¬ 
störungen des Herzens wohl nicht geben. So enthalten denn auch die 
einzelnen Unterabteilungen dieses Abschnittes nur das Allernotwendigste, 
wie man.es etwa in einem Lehrbuche erwarten würde. Schematische Ab¬ 
bildungen sind eingefügt, um das Verständnis der dargelegten Ano¬ 
malien zu fördern. 

Gegenüber diesem äußerst knapp gehaltenen Abschnitte muß es 
überraschen, daß die folgenden von Beneke verfaßten Kapitel über 
Thrombose und Embolie recht ausführlich gehalten sind und einen Umfang 
von 242 Seiten aufweisen, wobei die Besprechung der Thrombose 170 Seiten 
erforderte. In diesem letzteren Kapitel wird nach einer historischen Ein¬ 
leitung zunächst die Morphologie der Gerinnung dargestellt; die folgen¬ 
den Abschnitte behandeln die allgemeine Morphologie, die allgemeine 
Ätiologie, die allgemeine Topographie und endlich die allgemeine Semio- 
logie der Thrombose, ln dem nun folgenden Kapitel über die Embolie 
werden die bestimmenden Wege und Kräfte, die Arten der Embolie, 
dann ihre anatomischen und klinischen Folgen, endlich das Vorkommen 
der Embolie dargestellt. 

Die dem Charakter eines Handbuches voll und ganz entsprechenden, 
außerordentlich lesenswerten Ausführungen Beneke’s sind durch zahlreiche 
farbige, z. T. schematische Abbildungen in ausgezeichneter Weise illustriert. 

Auch in dem vorliegenden Bande des Krehl-Marchand’schen 
Handbuches bilden die überaus reichhaltigen Literaturverzeichnisse einen 
besonderen Schatz. Die Ausstattung ist eine vorzügliche, wobei insbe¬ 
sondere die farbigen Abbildungen besonders hervorzuheben sind. Der 
Schlußteil des zweiten Bandes soll hauptsächlich die noch fehlenden Ka¬ 
pitel der Sekretionsstörungen und der Nervenpathologie enthalten und 
noch vor Ablauf des Jahres erscheinen. J. Rothberger (Wien). 


Für die Redaktion verantwortlich: Professor Dr. I. G. Mönckeberg, Düsseldorf. Moorenstrafte. 

Theodor Ktalnk nnll llratdan h I »In.l« . d. ***«*•-• »« *-i r\-»— 





Zentralblatt 

für 

flerzaidUskranklieiteD 

Unter Mitarbeit von 

Geh. Rat Prot Dr. L. Asoovr, Frettmrg i. Br.; Sr. En. Geb. Rat Prot. Dr. Cb. BXumlsr, Freibn 
1. Sr.; Prof. Dt. E. BariA, Paris; Prof. Dr. L. Brauer, Hamburg ; Prof. Dr. F. Chvostkk, Wien; Prof. 
Dr. H. Ehrst, Strassbarg i. Eis.; Prof. Dr. W. Einthoven. Leiden; Prof. Dr. D. Gerhardt, Wflrxbarg; 
Prof. Dr. J. Grober, Jena; Prof. Dr. A. Hasenfslp, Budapest; Prof. Dr. H. E. Hering, Prag; Doseat 
Dr. M. Herz, Wien; Geh. Rat Prof. Dr. H. Hochhaus, Köln; Prof. Dr. A. IIoftmann, Düsseldorf: Prof. 
Dr. A. Keith, London; Hofrat Prof. Dr. K. ▼. KAtly, Budapest; Prof. Dr. A. ▼. Koranyi, Budapest; 
Prof. Dr. F. Kovacs, Wien; Geh. Rat Prof. Dr. Fr. Kraus. Berlin; Dr. Th. Lewis, London; Geh. Rat 
PTof. Dr. O. Lubarsch, Kiel; Dr. J. Mackenzie, London; Geh. Rat Prof. Dr. Fr. Martius, 
Rostock; Prof. Dr. O. Müller, Tübingen; Prof. Dr. E. Münzer, Prag; Prof. Dr. G. F. Nikolai, Berlin; 
Hofrat Prof. Dr. K. ▼. Noordbn, Wien; Prof. Dr. W. ObrÄstzow, Kiew: Prof. Dr. Th. ▼. Openchowski, 
Charkow; Hofrat Prof. Dr. N. Ortnbk, Wien; Reg.-Rat Prof. Dr.T. Pal, Wien; Prof. Dr. L RAnon, Paris; 
Prof. Dr. H. Sahli, Bern; Prof. Dr. A. Samojlotf, Kasan; Prof. Dr. ]. Strasburoer, Frankfurt a. M.; 
Prof. Dr. A. Strubsll, Dresden; Prof. Dr. H. Vierordt, Tübingen ; Direktor Dr. F. Volhard, Mannheim. 

Herausgegeben tob 

Professor Dr. J. G. Mönckeberg, Düsseldorf. 


Erscheint am 1 . und 15 . 

Dresden and Leipzig 

Preis halbjährlich 

jedes Monats. 

Verlag von Theodor Stelnkopff. 

M. 8.—. 


T. Jahrgang. 

15. Juni 1913. 

Nr. 12. 

Referate. 


i. Pfefsiiliiii ul ixpirinitilli PithiliiiL 

Amerling, K. (Prag). Pulsus altemans am Froschherzen. (Fest¬ 
schrift für Prof. Thomayer, 5-15, 1913 (böhmisch). Mit 10 Kurven. 

Der Pulsus alternans, der am Herzen der Nephritiker Vorkommen 
kann, ist experimentell am Froschherzen, das in Wasser verschiedener 
Temperatur untergetaucht wurde, nachgewiesen. Dadurch öffnen sich 
weiterem Studium dieser Erscheinung, das bisher auf bloße Registrierung 
beschränkt war, weitere und aussichtsvollere Perspektiven. 

Jar. Stuchlik (München). 

Hürthle, Ober Anzeichen einer Förderung des Blutstroms durch 
aktive pnlsatorische Tätigkeit der Arterien. (Med. Sektion d. schles. Oesellsch. 
f. vaterländ. Kultur zu Breslau. Ref. Berl. klin. Woch. 50, 371, 1913.) 

Nachdem durch verschiedene Versuchsreihen die Möglichkeit einer 
aktiven pulsatorischen Tätigkeit der Arterienwand nahegelegt war, wurde 
nach Aktionsströmen gesucht. Tatsächlich gelang es, kurze systolische 
Bewegungen der Saite des Galvanometers zu registrieren und zwar bei 
künstlicher rhythmischer Durchströmung des Froschkörpers nach Ent¬ 
fernung des Herzens, an ausgeschnittenen Arterien vom Hund, sowie am 
Hinterbein des lebenden Hundes. 

In der Diskussion spricht Bittorf über seine unabhängig von H. 
vorgenommenen gleichgerichteten Untersuchungen und demonstriert Elektro- 
angiogramme vom Menschen. F. Weil (Beuthen). 











274 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Stern, E. Ober die Wirkung des Hochgebirgsblimas auf die Puls¬ 
frequenz. (Berl. klin. Wochschr. 50, 720, 1913.) 

Die Beobachtungen, die S. größtenteils an sich selbst in Straßburg 
und in Arosa angestellt hat, ergaben: Die Pulsfrequenz ist im Gebirge 
größer als in der Ebene. Muskelarbeit bewirkt im Gebirge einen größeren 
Anstieg der Frequenz. Die Kurve der Erholung nach Muskelarbeit fällt 
in der Ebene glatt ab, im Gebirge zeigt sie einen zweiten kleinen Anstieg 
(allerdings einen sehr kleinen, Ref.). Beim Bergabgehen steigt die Puls¬ 
frequenz noch weiter an. F. Weil (Beuthen). 


II. Elliik. 

a) len. 

Thomayer, J. (Prag). Zur Kenntnis der Perikarditiden. (Casopis 
ceskych lekaruv, 1, 1913 (böhmisch). 

Autor beschreibt, diskutiert und demonstriert bei zwei Fällen folgende 
Erscheinung: Bei Patienten mit schwachen Perikarditiden pflegt man zu¬ 
weilen auch das — so charakteristische — perikardiale Reibegeräusch 
nicht zu hören. Autor hat beobachtet, daß in vielen Fällen, in welchen 
beim liegenden Patienten das Geräusch nicht zu hören war, es sofort deut¬ 
lich hörbar gemacht wurde, wenn man den Patienten in aufrechte Stellung 
brachte. Auch bei solchen Perikarditiden, bei denen schon merkliches 
Exsudat vorhanden ist, verstärkt sich das Geräusch in genannter Position. 

Jar. Stuchük (München). 

Schäposchnikoff, B. M. (Odessa). Angina pectoris, ihre Patho¬ 
genese und Therapie. (Terapewtitscheskoje Obosrenije 5, 672, 1912.) 

Auf Grund einer großen Literatur und eigener Beobachtungen stellt 
der bekannte Odessaer Spezialarzt für Herzkrankheiten B. M. Schaposchni- 
koff, dessen Arbeiten über die Punktionstechnik bei Perikarditis auch in 
Deutschland sehr bekannt sind, folgende Hypothese auf: Die Angina 
pectoris vera entsteht auf dem Boden der Aortitis und der nachfolgenden 
Koronaritis. Die Neuritis des Plexus cardiacus wird nur in seltenen 
Fällen gefunden. Sie entwickelt sich nur dann, wenn der Entzündungs¬ 
prozeß auf die Adventitia der Aorta übergeht, d. h. bei der Periaortitis. 
Daher ist die Neuritis nur als eine neue Komplikation zu betrachten, 
und es besteht kein enger Zusammenhang zwischen der Neuritis und der 
Angina pectoris, die von der Koronararterien-Affektion abhängt. Die 
Neurose des Plexus cardiacus kann auch hier als Ausgangspunkt aller 
Irradiationsschmerzen, die bei Angina pectoris beobachtet werden, ange¬ 
nommen werden. Im allgemeinen ist der Begriff der Neurose nur dann 
anzunehmen, wenn nur funktionelle Störungen ohne organische Ver¬ 
änderungen, ohne schwere Paroxysmen und ohne plötzliche Herztodfälle, 
wie es bei Angina pectoris beobachtet wird, existieren. Die Theorie der 
Reflexe gibt auch keine klare und bestimmte Vorstellung von dem 
Organzustande während der Attacken der Angina pectoris. Daher liegt 
das Gewichtszentrum der Pathogenese der Angina pectoris in dem Spasmus 
der Koronararterien und der benachbarten arteriellen Gefäße, die von der 
Aorta thoracica stammen. Dieser Spasmus der veränderten und leicht 
erregbaren Gefäße steht scheinbar in einem engen Zusammenhänge mit 
der inneren Sekretion des Herzen selbst B. M. Schäposchnikoff 
glaubt, daß vielleicht bei der Angina pectoris-Attacke ein besonderes 



o 


REFERATE 11a 


275 


Hormon produziert wird, welches auf den Sympathikus einwirkt und in 
der Brusthöhle, sowie in den benachbarten Teilen die Vasokonstriktoren 
erregt, in der Abdominalhöhle aber das Gebiet der n. splanchnici paraly¬ 
siert. Das wird z. B. durch die Analogie der Pseudogastralgie mit den 
Symptomen, die durch die Hormonaleinspritzung hervorgerufen werden, wahr¬ 
scheinlich gemacht. Die Schwere der Erscheinungen hängt von der Quantität 
und der Konzentration des Hormons in jedem Falle ab. Man muß auch an¬ 
nehmen, daß dieses Hormon nicht zu lange im Blut bleibt, sondern während 
einiger Minuten zerstört wird. Da die Attacken öfters in der Nacht beobachtet 
werden, ist das auch ein Beweis, daß die Angina pectoris von toxischen 
Agentien hervorgerufen wird, die in der Nacht sich mehr im Blute an¬ 
häufen und weniger eliminiert werden. Dabei reagieren auch die Vaso¬ 
konstriktoren während des Schlafes energischer, und die Zeit der Reaktion 
ist länger als während der Wachzustände. Da das Adrenalin eine ganz 
entgegengesetzte Wirkung auf den Sympathikus besitzt, d. h. die Gefäße 
der Abdominalhöhle verengt, die Herz- und Lungengefäße aber erweitert, 
kann vielleicht das Adrenalin während der pseudogastralgischen Angina 
pectoris nützlich sein, da es die erweiterterten Gefäße verengert und den 
Blutdruck steigert. 

Die schwachen Seiten dieser Theorie bestehen darin, daß erstens die 
Rolle der Arteriosklerose nicht genügend gewürdigt wird, dann harrt noch 
die Theorie der inneren Sekretion des Herzens ihrer Beweise und endlich 
ist auch das Hormonal kein Hormon, wie genügend von M. Jacoby, 
Denks, Landsberg, A. D. Nürenberg u. a. hervorgehoben wird, 
sondern es wirkt nur durch Blutdrucksenkung, die gerade bei Angina pec¬ 
toris resp. abdominis seltener der Fall ist, als die durch Gefäßverengerung 
hervorgerufene Blutdrucksteigerung. 

Mich. J. Breitmann (St. Petersburg). 

Aubertin et Parvu (Paris). La constante urelque chez les hyper- 
tendus. (La Tribüne Medicale 1, 29.—31. Januar 1913.) 

Es gibt eine Anzahl Patienten, bei welchen die Hypertension das 
auffälligste Symptom darstellt, und bei welchen dieselbe ohne irgendwelche 
Zeichen von funktioneller Niereninsuffizienz auftritt. Die Frage, ob es 
sich hier um einen von Nephritis unabhängigen Vorgang oder um ein 
prodromales Symptom von Nierenerkrankung handelt, ist noch nicht ge¬ 
löst. Die Untersuchung der Ambard'sehen Uratkonstanten, welche die 
geringsten Störungen der Nierenfunktion angibt, konnte diese Frage be¬ 
leuchten. Verff. fanden bei Morbus Brightii mit Hypertension Werte von 
0,12 bis 0,14, bei Aortitis mit Hypertension 0,17 bis 0,19, bei einfacher 
Hypertension ohne Albumin oder mit Spuren desselben 0,076 bis 0,090, 
d. h. Zahlen, welche fast normal sind, und welche auf normale Nieren¬ 
funktion schließen lassen und welche erweisen, daß kein Verhältnis zwi¬ 
schen der Hypertension und der Erhöhung der Ambard'sehen Urat- 
konstanten besteht. A. Blind (Paris). 

Fischer, j. (Nauheim). Über die Beziehungen zwischen anhalten¬ 
der Blutdrucksteigerung und Nierenerkrankung. (Deutsch. Arch. f. klin. 
Med. 109, 469, 1913.) 

Zur Klärung der immer noch umstrittenen Frage, ob die konstante 
Hypertension durch Arteriosklerose oder durch Nierenerkrankung bedingt 
sei, hat Verf. mit Hilfe von Prof. Schlayer an der Romberg'schen 
Klinik an der Hand der Krankengeschichten und Sektionsprotolle die Frage 



276 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


O 


der Häufigkeit und Ausdehnung der Nierenschädigung bei konstant er¬ 
höhtem Druck zu beantworten gesucht. 

Die klinische und anatomische Verwertung von 550 Fällen mit 
dauernder Blutdrucksteigerung ergab, daß unter den Patienten mit einem 
dauernden Druck über 140 mm Hg 62% eine sichere Nierenschädigung 
aufwiesen. Unter den Patienten mit einem dauernden Druck von 160 
und mehr mm Hg dagegen, war in 80% der Fälle eine sichere Nieren¬ 
schädigung nachzuweisen. Nur in 3,6 °/o der letzten Klasse bestand kein 
Anhalt für Nierenerkrankung. 

Die anatomische Untersuchung ergab unter 42 obduzierten Fällen 
von dauernder Hypertension in 28 Fällen, welche klinisch sichere Nieren¬ 
schädigung aufwiesen, auch eine anatomische, die jedoch nicht immer 
entsprechend schwer und ausgedehnt war. In 14 Fällen, in welchen die 
klinische Diagnose der Nierenschädigung zweifelhaft war, fand sich 7 mal 
ausgedehnte Nierenschädigung, 7 mal dagegen nur fleckweise. 

In keinem einzigen obduzierten Falle von dauernder Hyper¬ 
tension fehlten anatomische Veränderungen an den Nieren im 
Sinne einer fortschreitenden Erkrankung resp. Nephritis. Auch 
da, wo klinisch keine Anzeichen für Nephritis bestanden, fehlten sie nicht. 
Mehrfach wurde makroskopisch zunächst Stauungsniere angenommen und 
idiopathische Herzhypertrophie diagnostiziert, während die nachträgliche 
genaue anatomisch-mikroskopische Untersuchung das Vorhandensein von 
ausgeprägten Nierenschädigungen nachwies. Es erhellt daraus deutlich die 
Notwendigkeit, in jedem Falle von konstanter Hypertension bezw. Hyper¬ 
trophie des linken Ventrikels die Nieren auch genau anatomisch mikro¬ 
skopisch zu untersuchen. 

Bezüglich der Frage der Bedeutung dieser anatomischen Veränderungen 
für die konstante Hypertension betont der Verf., daß wir mit Jores schon 
geringfügigen Affektionen der Niere eine wesentliche Bedeutung bei¬ 
messen müssen, und daß es nach dem Ergebnis der Studien Löhlein's 
und der funktionellen Untersuchungen Schlayer’s sehr fraglich sei, ob 
das anatomische Bild überhaupt die Ausdehnung einer vorhandenen 
Nierenschädigung mit absoluter .Sicherheit anzugeben imstande sei; einst¬ 
weilen sei dies zu verneinen. Klinisch müßten wir mit Romberg an¬ 
nehmen, daß einer dauernden Drucksteigerung über 160 mm Hg 
sogut wie stets eine Nierenschädigung zugrunde liegt. 

(Autoreferat.) 

Libensky (Prag). Orthodiagraphie als Kontrolle der Wirkung von 
Digitalis auf das Herz. (Casopis ceskych lekaruv, 11, 1913 (böhmisch). 

Verf. versuchte orthodiagraphisch die alte Frage, ob und wie 
Digitalis auf das Herz wirkt, zu beantworten. Zu dem Zwecke unter¬ 
suchte er orthodiagraphisch die Patienten in einer bestimmten Lage vor 
der Behandlung, und in derselben Lage während und nach der Behand¬ 
lung. Es hat sich gezeigt, daß bei den Mitralisfehlern und kombinierten 
Erkrankungen (z. B. Stenosis ostii ven. sin. -f insuff. mitr., oder sten. ostii 
ven. sin. + insuff. aortae u. a.) die rechte Herzhälfte immer verkleinert 
wird, wenn Digitalis verabreicht wurde, und die linke Hälfte (nicht immer) 
etwas vergrößert. Bei den Aortafehlern dagegen nur die linke Hälfte ver¬ 
kleinert, oft aber auch unverändert oder nur sehr wenig verändert. Auch 
das eventuelle Zurückkehren der linken Herzkammer in die normale Lage, 
aus welcher sie durch die Hypertrophie (event. Dilatation) der rechten 
Hälfte verdrängt wurde (was man bei Mitraliserkrankungen beobachten 



o 


REFERATE !Ia 


277 


kann), kann man orthodiagraphisch durch entsprechende Veränderungen 
der aufgefundenen Dimensionen leicht verfolgen. Klinisch läßt sich diese 
Methode therapeutisch und klinisch verwerten, weil die Größe der Ver¬ 
änderungen im geraden Verhältnis mit der durch Digitalistherapie geförderten 
Erkrankung steht; dadurch ist die Methode auch zum wichtigen klinischen 
Hilfsmittel geworden. Jar. Stuchlik (München). 

Blacher, W. K. Der Galopprhythmus bei der Diphtherie-Myokar¬ 
ditis. (Vortrag auf dem I. Allrussischen Kongreß der Kinderärzte in 
St. Petersburg, den 27.—31. Dez. 1912, samt Diskussion.) 

Der Galopprhythmus bei der Diphtherie-Myokarditis erscheint in der 
II. Periode der Krankheit, wenn der Puls frequenter, der Blutdruck höher 
und die Herzaktion mehr erregt wird. Da der Galopprhythmus von 
Extrasystolen immer begleitet wird, und da sein Bestehen nicht immer 
der Höhe des Blutdrucks entspricht, glaubt der Vortragende, daß der 
protodiastolische Galopp keine passive, sondern eine aktive Erscheinung ist 
und vom Zusammenwirken zweier Elemente abhängt — einerseits von 
dem erhöhtem Widerstand im großen Kreislauf mit seinen Folgen: dem 
erhöhtem Blutdruck in den Gefäßen und im Herzen selbst, und anderer¬ 
seits von einer positiven Erhöhung der Funktion des Herzmuskels selbst, 
einer erhöhten Erregbarkeit und Leitungsfähigkeit. 

Diskussion: Mich. J. Breitmann möchte noch ein Moment hervor¬ 
heben, d. i. die Konzentration des Sauerstoffs im Blut, die für die Herz¬ 
dynamik eine wichtige Bedeutung hat. Da bei der Diphtherie sehr oft 
das A-V-Bündel affiziert wird, werden nicht nur positiv, sondern auch 
negativ die wichtigsten Funktionen des Herzmuskels verändert, d. h. die 
Erregbarkeit, die Leitungs- und die Kontraktionsfähigkeiten, und es ent¬ 
stehen dementsprechend Extrasystolen, Tachykardien, sowie auch Brady¬ 
kardien, was teils auch von der vagotonischen oder sympathikotonischen 
Veranlagung des Patienten abhängt und verschiedene Fälle einer uner¬ 
warteten Wirkung der Arzneimittel oder eines plötzlichen Herztodes er¬ 
klären könnte. 

Priv.-Doz. P. P. Eminet (Charkoff), der den Blutdruck bei Scharlach¬ 
kranken untersuchte, schreibt ihm eine größere Rolle in der Beeinflussung 
der Herzarbeit, als den Herzzentren resp. der Herzinnervation zu. 

Mich. |. Br eit mann (St. Petersburg). 

Souques et Routier, Daniel (Paris). Electrocardiogrammes et 
polygratnmes dans la Maladie de Thomsen. (Soci£te de Neurologie de 
Paris, 6. Februar 1913.) 

Durch die Elektrokardiogramme ist nachgewiesen worden, daß bei der 
Thomsen'schen Krankheit die Herzkontraktionen normal verlaufen, wie 
es klinisch schon erwiesen war. A. Blind (Paris). 

Josu£ et Godlewski (Paris). L’dpreuve du nitrite d’atnyle. (So¬ 
ciety M£dicale des Höpitaux de Paris. 24. Jan. 1913.) 

Die Amylnitritinhalation kann zur Unterscheidung der totalen sinusalen 
Bradykardie und der Herzblockbradykardie dienen. Bei ersterer gibt 
Amylnitrit regelmäßig Herzbeschleunigung, dagegen bei Herzblock nicht 
Diese Probe, welche der Atropinprobe ähnlich ist, hat den Vorteil fast 
augenblicklich zu antworten, während die Atropinprobe fast 9 U Stunden in 
Anspruch nimmt; Atropinbeschleunigung bleibt oft auch aus, selbst bei 
normalem His’schen Bündel. Die Fälle wurden durch graphische Auf¬ 
nahmen und durch Elektrokardiogramme kontrolliert A. Blind (Paris). 



278 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Kraus, V. (Prag). Gangrän der Extremitäten bei Herz- und Gefä߬ 
erkrankungen. (Festschriftfür Prof.J. Thomayer, 53-57, 1913 (böhmisch). 

Unter den Patienten der böhm. med. Klinik (J. Thomayer) befan¬ 
den sich in letzten 10 Jahren folgende hierhergehörende Fälle: Eine Bein¬ 
gangrän infolge der Endarteriitis obliterans, tödlich, bei einer 59jährigen 
Frau; eine symmetrische Beingangrän bei Arteriosklerose, tödlich, bei einer 
56jährigen Frau; zwei Fälle von symmetrischer Gangrän der Extremi¬ 
täten bei Herzklappenerkrankung (endocarditis chron. valvulae bicuspid. et 
aortae, endocard. fibrosa valv. bicusp. et aortae), beide tödlich, bei 52- 
und 39 jährigen Frau. Betreffs der Beteiligung des Nervensystems ist der 
Autor der Meinung, daß die vasomotorischen Funktionen infolge schlechter 
Ernährung gestört werden und dadurch auch den Krankheitsverlauf be¬ 
fördern können. Jar. Stuchlik (München). 


Punin, K. W. Das Verhältnis zwischen dem Blutdrucke in der 
Oberarm- und der Fingerarterie. (Berichte der K. Milit.-Med.-Äkad. in 
St. Petersb. 1, 1913.) 

V. hat 837 Fälle untersucht ln 604 Fällen war der Blutdruck in 
der Fingerarterie (nach Gärtner) kleiner als der dynamische systolische 
Blutdruck in der Oberarmarterie (nach Korotkow); in 210 Fällen war 
derselbe höher oder gleich dem letzteren und in 23 Fällen war er höher 
oder gleich dem statischen systolischen Blutdrucke in der Oberarmarterie. 
Letztere Erscheinungen dienen als Beweis der aktiven rhythmischen Tätig¬ 
keit der Arterienwandung. L. Nenadovics (Franzensbad). 

Leo (Paris). Contröle systematique de la pression arterielle par 
l’oscillom&tre de Pachou dans l’emploi du s£rum physiologique. (Societe 
de Chirurgiens de Paris, 17. Jan. 1913.) 

Nach vielen Operationen bleibt der Blutdruck normal oder sogar 
erhöht. Bei schweren Infektionen oder nach Blutungen sinkt er auf 8, 
9 oder 10 cm Hg. In solchen Fällen wird physiologische Kochsalzlösung 
subkutan einverleibt bis der Maximaldruck auf 14 cm steigt; sinkt er 
wieder, gibt man aufs neue Serum. Die Kurve wird mit der Temperatur 
und der Pulsfrequenz aufgeschrieben und dient fast mathematisch zur 
Indikationsstellung der Seruminjektion. A. Blind (Paris). 

Petit (Alfort). La tuberculose de l’aorte. Soc. de Pathologie com- 
paree, 11. Febr. 1913. (Presse M6dicale 18, 172, 1913.) 

Die Tuberkulose der Aorta wurde mit Ausnahme eines etwas zweifel¬ 
haften Falles von Hanot beim Menschen noch nicht beobachtet, kommt 
aber nach Petit und Germain oft bei zahmen Fleischfressern vor. 
Die Adventitia schützt meist die Aorta selbst gegen die Tuberkulose des 
Mediastinums, jedoch können die Vasa vasorum die Infektion in die 
media mit dem Blutstrom eindringen lassen; die Media verteidigt sich 
schlecht und so kann der Tuberkel die Intima erreichen. Das 
Tuberkulom kann sich in das Lumen eröffnen und so eine Ulzeration 
veranlassen, gleich wie ein Atheromgeschwür. Es kann sogar vollständige 
Aortenruptur zu Stande kommen, doch wird der Blutaustritt durch eine 
mehr oder minder entwickelte Thronibenmasse verhindert. 

A. Blind (Paris). 




o 


REFERATE HI 


279 


Trunecek, K. (Prag). Les chocs des art&res sous-clavieres comme 
signe charactdristiqne de la scldrose de l’aorte thoracique. (Casopis 
ceskych Kkaruv, 9, 1913 (böhmisch). 

Autor empfiehlt zu diagnostischen Zwecken die Tatsache, daß bei den 
sklerotischen Wänden der Aorta die einzelnen Pulsstöße an der A. subclavia 
ganz deutlich zu fühlen oder zu sehen sind. Anatomisch läßt sich die 
Erscheinung dadurch begreifen, daß wir wissen, daß durch die sklerotischen 
Prozesse die Rigidität der Gefäßwand zu- und die Elastizität abnimmt 
und daß dadurch die Fortpflanzung der Stoßwellen beeinflußt wird; daß 
wir die einzelnen Pulsstöße an den Karotiden nicht sehen können, hat 
seinen Grund darin, daß diese eine gerade Fortsetzung der Aorta ascendens 
sind und deshalb die Welle an die Wände nicht anstoßen kann. Auch 
dann, wenn die Subclaviae nicht vollständig sklerotisch sind, kommt dieses 
Phänomen zum Vorschein; seine diagnostische Bedeutung gewinnt da¬ 
durch beträchtlich. Jar. Stuchlik (München). 

Hertz eil, C Die Stauungsreaktion bei Arteriosklerose. (Berlin, 
klin. Wochschr. 50, 535, 1913.) 

Unterbricht man bei einem ruhenden Patienten die Blutzirkulation 
in beiden Beinen und einem Arm vollständig durch pneumatische Kom¬ 
pression, so tritt ein am andern Arm zu messender Anstieg des Blutdrucks 
ein (Stauungsreaktion), der bei normalem Gefäßsystem durchschnittlich 
5 mm Hg beträgt, bei Arteriosklerotikern dagegen 60 mm und mehr er¬ 
reichen kann. Die Erklärung für diesen abnorm hohen Anstieg sieht H. 
darin, daß das arteriosklerotisch veränderte Gefäßsystem die dem normalen 
eigene Fähigkeit mehr oder weniger eingebüßt hat, sich in den nicht 
komprimierten Abschnitten des Kreislaufs kompensatorisch zu erweitern, 
woraus bei im übrigen unveränderten Kreislaufverhältnissen ein Blut¬ 
druckanstieg resultieren muß. Im positiven Ausfall der Stauungsreaktion 
sieht H. unter allen Umständen den Beweis für eine pathologische Ver¬ 
änderung der Gefäßwandungen im Sinne einer größeren Rigidität, und 
er betrachtet ihr Auftreten als eine Mahnung mit allen hydriatischen 
Prozeduren, die größere Anforderungen an die regulatorischen Funk¬ 
tionen des Gefäßsystems stellen, vorsichtig zu sein. 

F. Weil (Beuthen). 


III. Mitkidlk. 

Hecht, Adolf F. Ober die physiologischen Herzschallverhältnisse 
im Kindesalter. (Wiener Med. Wschr. 3, 1913.) 

Verf. weist mit Hilfe der Edel mann'sehen Saitengalvanometer- 
Registrierung nach, daß die Amplitude des ersten Herztones (an der 
Herzbasis) im Säuglingsalter und frühen Kindesalter viel größer ist als 
die des zweiten, während im späteren Kindesalter und gegen die 
Pubertät zu der zweite Herzton hinter dem ersten nur wenig zurücksteht, 
ihn manchmal erreicht oder auch — gar nicht selten — übertrifft. 
„Hochsinger’s Behauptung, daß im frühen Kindesalter an der Basis 
des Herzens im Gegensatz zum späteren Leben ein trochäischer Rhythmus 
besteht, erhält hierdurch eine objektive Stütze.“ Eine Fehlerquelle bei 
einschlägigen Untersuchungen — besonders an der Herzspitze — resultiert 
aus der gelegentlichen Verzerrung des Klangbildes, insbesondere bei 
starken pulsatorischen Erschütterungen der Thoraxwand. Details müssen 
im Original eingesehen werden. E. Stoerk (Wien). 



280 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Lipowetzky, L. Sphygmobolometrische Untersuchungen an Ge¬ 
sunden und Kranken mittels des Sahli’schen sphygmobolographischen Ver¬ 
fahrens. (D. Arch. f. klin. Med. 109, 5/6, 1913.) 

Auf Grund seiner Untersuchungen hält Verf. die Sphygmobolographie 
— d. h. die graphische Sphygmobolographie mittels des neuen für diesen 
Zweck von Sahli modifizierten Jaquet’schen Sphygmographen — für 
ein brauchbares klinisches Verfahren, um über den Zustand der Zirkula¬ 
tion, bezw. der Größe der Herzarbeit, sowie der Systole Aufschlüsse zu 
erhalten und speziell den Zustand der Zirkulation bei Herzkranken im 
Verlaufe einer Behandlung zu verfolgen. J. Ruppert(Bad Salzuflen). 


II. Tkiripii. 

Braunwarth, C. (Berlin), Fischer, J. (Nauheim). Über den Einfluß 
der verschiedenen Arten der Hochfrequenzbehandlung auf das kardio¬ 
vaskuläre System. (Ztschr. f. physik. u. diätet. Ther. 16, 1912.) 

Nach einer kurzen Darstellung der heute herrschenden Verschieden¬ 
artigkeit der Beobachtungen bez. der Beeinflussung des Blutdrucks und 
der Herzgröße durch die verschiedenen Arten der hochfrequenten Ströme, 
der Rumpfschen, der D’Arsonvalisation und der Diathermiebehandlung, 
deren Ursache nach Ansicht der Verf. vielleicht in der Verschiedenartig¬ 
keit der Apparatur bezw. der Technik der Anwendung begründet ist, 
besprechen die Verf. diese Unterschiede in der Apparatur und 
Technik bei den erwähnten drei Stromarten. Um einen Vergleich der 
erhaltenen Resultate mit denen anderer Autoren zu ermöglichen, ist es 
nötig, neben einer genauen Beschreibung der Apparatur und Technik auch 
die Art der Blutdruckmessung genauestens anzugeben. 

Die Verfasser kommen bei ihren an der Goldscheidcr’schen Poli¬ 
klinik an einem ziemlich großen Material angestellten Versuchen zu fol¬ 
genden Resultaten: 

Subjektiv hat bei der Rumpf'schen Methode der Behandelte das Ge¬ 
fühl des Faradisiertwerdens; bei der D’Arsonvalisation und der Diathermie¬ 
behandlung das einer mehr oder minder großen Wärme. Der D'Arsonva- 
lisation und Diathermiebehandlung kommt im Gegensatz zur Rumpf’schen 
Behandlung eine stark sedative Wirkung zu. Objektiv erhöht die Rumpf- 
sche Behandlung meist den Tonus. Die D’Arsonvalisation setzt in den 
meisten Fällen den Tonus herab, ein Absinken des Drucks von Behand¬ 
lung zu Behandlung konnte aber nicht festgestellt werden. Die Dia¬ 
thermiemethode setzt den erhöhten Tonus nicht nur noch mehr 
und konstanter als die D’Arsonvalisation herab, sondern läßt 
auch ein allmähliches Absinken desselben im Laufe der Be¬ 
handlung bei geeigneten Fällen erkennen. Herzdilatationen können 
bei allen drei Methoden zurückgehen. Die Ursache der Wirkung der 
hochfrequenten Ströme ist wahrscheinlich in einer Kombination von Wärme 
und spezifischer Wirkung der Elektrizität zusammen mit allgemeiner 
sedativer Wirkung zu suchen. (Autoreferat.) 

Plate, E. und Bornstein, A. Über den Einfluß der Herzvibration 
mit hoher Frequenz auf den Kreislauf. (Allg. Krankenhaus St Georg in 
Hamburg.) (Ztschr. f. physik. u. diätet. Ther. 17, 2, 1913.) 

Die Verfasser, die überhaupt gefunden haben, daß alle Arten von 



REFERATE IV 


281 


Herzkrankheiten durch die Vibration günstig beeinflußt werden, und daß 
allgemeine Kontraindikationen dagegen nicht bestehen, haben, indem sie 
Vibrationen mit möglichst hoher Frequenz benutzten, keine wesentliche 
Beeinflussung des Blutdrucks, der Pulsfrequenz und des Minutenvolums 
beobachtet 

Die Grundidee dieser Untersuchungen ist aber ganz unrichtig, da, 
wie ich es in meinem Lehrbuch der Vibrationstherapie genau begründet 
habe, sowie seit vielen Jahren meinen Zuhörern als Lektor auf den medi¬ 
zinischen Fortbildungskursen stets mit gleichem Erfolge zeige, die Beein¬ 
flussung des Kreislaufs keineswegs durch Vibrationen mit hoher Frequenz, 
sondern gerade nur durch sog. Konkussionen, d. h. seltenere, aber desto 
kräftigere Stoßvibrationen erzielt werden kann. Die hervorragendste Wir¬ 
kung der Vibrationen äußert sich in den kräftigeren Kontraktionen des 
Herzmuskels, sowie in einer auffallenden Verlangsamung des Pulses, was 
besonders bei höheren Graden der nervösen Tachykardie, bei Herz¬ 
dilatationen etc. in die Augen fällt 

Mich. J. Br eit mann (St. Petersburg). 

Hirsch, E. (Bad Nauheim). Zur Behandlung von Herzschwäche und 
Kreislaufstörungen mit der Brnns’schen Unterdruckatmung. (Vortrag a. d. 
intemat Kongr. f. Physiotherapie, März 1913.) 

Redner betont einleitend den Wert der Atmung für den Kreislauf, 
daß sie mithelfend im Sinne der Herztätigkeit wirke, und daß auch be¬ 
sonders in letzter Zeit darauf hingewiesen und zur Unterstützung des 
Kreislaufs systematische Atemgymnastik empfohlen worden sei. 
Er selbst habe schon stets bei allen Formen von Herzschwäche systema¬ 
tische Tiefatmungen angeordnet und gute Erfolge gesehen, daher er die 
Untersuchungen mit der Bruns’schen Methode mit großem Interesse 
gemacht habe. Es werden dann das Wesen und die physiologischen Wir¬ 
kungen derselben auf den kleinen und großen Kreislauf geschildert. Die 
Untersuchungen hat Redner an Gesunden und Kranken vorgenommen 
und übereinstimmend gefunden, daß der Puls nach 1—2 Min. U.-A. sich 
kräftiger und voller anfühlte, Zyanose und Dyspnoe sich besserten und 
subjektiv besseres Befinden und auch besserer Schlaf von den Patienten 
angegeben wurde. Irgendwelche Störungen seien nicht beobachtet worden. 
Zum objektiven Beweis der besseren Herztätigkeit hat Redner sphygmo- 
graphische Kurven vorgezeigt, die mit dem Frank’schen Spiegelsphygmo- 
graphen aufgenommen waren, auf denen man eine deutliche Zunahme der 
Pulsamplitude (Subclavia und Carotis) sehen konnte. Die früher 
mit dem einfachen Dudgeon - Apparat an der Radialis aufgenommenen 
Kurven hätten genau gleichsinnigen Ausschlag gegeben, daher er 
auch davon einige zeigen wolle. Redner führt nun Äußerungen von O. 
Müller und Sahli an, wonach man aus größerer Pulsamplitude des 
zentralen Pulses auf größeres Schlagvolum des Herzens schließen könne. 
Die Wahrscheinlichkeit hierfür sei sehr groß, zumal auch Bruns durch 
Tachographie und Plethysmographie eine Zunahme des Schlagvolumens 
bei U.-A. festgestellt habe. Es werden dann die Indikationen für die 
U.-A. besprochen und die Beobachtungen nochmals zusammen gefaßt, die 
damit schließen, daß die Bruns'sche U.-A. in gleicher Weise, wie COs- 
Bäder, Massage u. s. w. als gutes Mittel in die Reihe der physikalischen 
Heilmethoden aufgenommen zu werden verdient. (Autoreferat.) 



282 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


Kongressberichte. 

XV. Versammlung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie. 

Halle a. S., 14—17. Mai 1913. 

Auswahl aus dem Bericht von Karl Baisch, Oberarzt der Uni¬ 
versitäts-Frauenklinik in München. 

1. Vorsitzender: Veit (Halle a. S.); 1. Schriftführer: Karl Baisch 
(München). 

Thema des Kongresses. 

Die Beziehungen der Erkrankungen des Herzens und der Nieren, sowie 
der Störungen der inneren Sekretion zur Schwangerschaft. 

Fromme (Berlin): Die Beziehungen der Erkrankungen des Her¬ 
zens zu Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett 

Die Lehre von der Hypertrophie des Herzens bei normalen Schwan¬ 
geren kann nicht aufrecht erhalten werden. Eine Erstarkung des Herzens 
während dieser Zeit ist anzunehmen. Die Komplikation von Herz¬ 
erkrankungen mit Schwangerschaft kommt in etwa 20% vor. Von 200 
Frauen mit Herzerkrankungen sterben 3 während der Schwangerschaft, 
Geburt oder Wochenbett. 80% aller herzkranken Frauen bleiben von 
Symptomen ihrer Erkrankung verschont. In 5—9% kommt es zu Früh¬ 
geburt, in 4—8% zum Abort Von ausschlaggebender Bedeutung ist das 
Verhalten des Herzmuskels. Frauen mit Myokarditis sind besonders ge¬ 
fährdet. Frauen, die während Schwangerschaft und Geburt keine klinischen 
Erscheinungen ihrer Herzerkrankung haben, bedürfen keiner Therapie; es 
sind lediglich diätetische Maßnahmen anzuwenden. Bei leichteren Kom¬ 
pensationsstörungen hat in jedem Falle zuerst eine medikamentöse Therapie 
Platz zu greifen, ebenso bei schwereren Störungen, wenn es sich um 
Erstgebärende handelt, die vor der Gravidität keine Dekompensation hatten, 
oder um Mehrgebärende, bei denen frühere Graviditäten normal verlaufen 
waren und keine höheren Grade der Herzmuskelerkrankung vorhanden 
sind. Kommt man mit der medikamentösen Therapie nicht bald zum 
Ziele, so hat in jedem Monat die Unterbrechung der Schwangerschaft 
stattzufinden, ebenso wenn die Dekompensation des Herzens öfters in der¬ 
selben Schwangerschaft wiederkehrt. Mit der Beseitigung der Schwanger¬ 
schaft wird man weiter in allen den Fällen nicht allzulange zögern dürfen, 
wenn vor der Schwangerschaft Dekompensationserscheinungen vorhanden 
waren oder wenn frühere Schwangerschaften mit schweren Störungen ver¬ 
liefen. Bei Kompensationsstörungen während der Geburt ist diese durch 
operative Extraktion des Kindes abzukürzen. Jungen Mädchen, die schon 
vor der Ehe öfters schwere Dekompensationserscheinungen ihres Herzens 
hatten, muß die Heirat energisch widerraten werden. 

P. Schäfer (Berlin): Elektrokardiographische Untersuchungen bei der 
Gebärenden. 

Bei 35 Frauen konnte kurz vor und nach der Geburt ein Unterschied 
der Herzaktion durch Auskultation und Perkussion, Blutdruck und Puls 
nicht festgestellt werden. Bei der elektrokardiographischen Untersuchung 
ließ sich sich in 20 Fällen eine erhebliche Steigerung des Verhältnisses 
J:F feststellen. Bei sieben Fällen blieb das Verhältnis innerhalb der 
Fehlergrenzen gleich, während es sich in acht Fällen verminderte. Der 
Grund der Steigerung ist die Mehrarbeit des Herzens unter der Geburt, 



KONGRESS-BERICHTE 


283 


während eine Verlagerung des Herzens, Heben oder Senken der Spitze 
nur wenig Einfluß haben. 

H. Neu (Heidelberg): Zur Therapie der Herzerkrankungen in der 
Schwangerschaft 

In jedem behandlungsbedürftigen Fall der Komplikation Herzfehler 
'“!■ Gravidität ist die dem Herzleiden adäquate Behandlung einzuleiten; sie 
besteht in einer sachgemäßen Digitalisierung des Herzens; für die Be¬ 
handlung aller ernsteren Dekompensationen ist die endovenöse Strophanthin¬ 
therapie Fraenkel’s augenblicklich die beste Therapie. Die Graviditäts¬ 
unterbrechung wird nur befürwortet, wenn bei vorhergegangenen Gravi¬ 
ditäten ernsthafte und schwer zu beeinflussende Dekompensationen bestanden 
haben (z. B. bei progredienter Myokarderkrankung), dann aber erst nach 
vorausgeschicktem Digitalisierungsversuch mit intravenöser Strophanthin¬ 
injektion und unter der Bedingung konsekutiver Sterilisierung. Individuen 
mit Neigung zu offensichtlichen Insuffizienzen ist der Ehekonsens nicht 
zu erteilen. Bei Frühgraviditätsinsuffizienzen ist die schonende Uterus¬ 
entleerung angezeigt. Die chirurgischen Mittel zur Einleitung der Geburt 
sind wegen der schnellen Umschaltung des Kreislaufs die gefährlichsten 
und nur ganz ausnahmsweise zu wählen. Die Inhalationsnarkose bei Herz¬ 
fehlerkranken ist nicht unbedenklich. 

R. Jaschke (Gießen): Nierenerkrankungen in der Schwangerschaft 
herzkranker Frauen. 

Sowohl die normale Schwangerschaft an sich wie alle mit länger¬ 
dauernder Hypertonie einhergehenden Nierenerkrankungen stellen größere 
Ansprüche an die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels. Namentlich die 
rasch wechselnden starken Ansprüche unter der Geburt kommen dafür in 
Betracht. Während reine Klappenfehler in der Gravidität keine ungünstige 
Prognose geben und auch bei gleichzeitiger oder allein bestehender Herz¬ 
muskelerkrankung nur in etwa 9,5—1 % der Fälle ein irreparables Ver¬ 
sagen zu fürchten ist, verdüstert sich die Prognose ganz außerordentlich, 
wenn dazu noch die starken, durch eine hypertonische Nierenerkrankung 
gestellten Ansprüche sich gesellen. Bei Zusammentreffen dieser Kom¬ 
plikationen darf man daher nicht lange zuwarten, sondern muß bald 
durch Graviditätsunterbrechung eine Verminderung der an das Herz ge¬ 
stellten Anforderungen herbeiführen. 

K- Bai sch (München): Untersuchungen über das spätere Schicksal 
herz- und nierenkranker Schwangerer. 

Bai sch berichtet über Beobachtungen und Nachuntersuchungen bei 
205 herz- und 250 nierenkranken Schwangeren und Kreißenden, sowie 
über 450 Fälle von Schwangerschaftsniere aus der Münchener Frauenklinik 
innerhalb der letzten zwölf Jahre (21000 Geburten). Die Nephritis 
grav. fand sich mit 226 Fällen in 1,7°/ 0 . In 57% trat Eklampsie dazu. 
Von den Eklamptischen starb ein Viertel. Von den Nephritischen ohne 
Eklampsie ist nur eine Frau mit gleichzeitiger inkompensierter Myo- 
degeneratio cordis gestorben. In 40% erreichte die Schwangerschaft ihr 
normales Ende, 21% der Kinder waren tot, die übrigen unreif. Von den 
nachuntersuchten 110 Nephritischen sind 9 in den nächsten Jahren ge¬ 
storben, von 60 Eklamptischen 6 = 10%. Als dauernd invalid haben 
sich 10% erwiesen. Von 13 Frauen mit Bright’scher Niere sind 4 in 
der Klinik gestorben, 2 in den nächsten Jahren. Von 200 Schwangeren 
mit Klappenfehlern bekamen die Hälfte Kompensationsstörungen in der 
Schwangerschaft, ein Viertel hochgradig. 5 Frauen sind in der Geburt 



284 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. 


O 


gestorben. In den nächsten Jahren sind noch weitere 3 Frauen ihrem 
Herzleiden erlegen. Von den Nachuntersuchten sind 50% gesund, 
45% waren krank, 5% gestorben. Ein Drittel der Kinder wurde nicht 
ausgetragen. Von den Frauen mit Myokarditis sind 5 während der 
Geburt gestorben, 2 in den nächsten Jahren. In 40% aller Herzkranker 
traten atonische Blutungen auf. Die Therapie kann in leichten und 
mittelschweren Fällen konservativ mit interner Behandlung des Herzleidens 
sein, in schweren Fällen, insbesondere stets bei Myokarditis und bei 
Kombination mit Nephritis ist die Unterbrechung der Schwangerschaft 
indiziert 

M. W a 11 h a r d (Frankfurt a. M.): Herzleiden and Stoffwechsel Störungen 
in der Schwangerschaft. 

Insuffizienzerscheinungen der Aorta stehen nicht selten in Zusammen¬ 
hang mit Aortitis bzw. Aneurysma aortae. Aus einer eigenen Beobach¬ 
tung sowie aus der Literatur geht hervor, daß bei Eintritt von Wehen 
nicht selten Ruptura aortae eintritt. Es ist deshalb die Schwangerschaft 
durch Sectio caesarea zu unterbrechen und die Patientin zu sterilisieren. 
Die hypothyreotische Wachstumshemmung des Knochens führt 
in Gegenden, welche mit endemischem Kropf stark belastet sind, zum un¬ 
gleichmäßig allgemein verengten Becken und auf diesem Wege zu Stö¬ 
rungen des Geburtsverlaufes. Dies illustriert eine geographische Karte 
über die Verbreitung der kretinischen Degeneration im Kanton Aargau 
(Schweiz) von E. Bircher. 

Ph. Kreiss (Dresden): Herzfehler und Schwangerschaft 

Von den 23 577 Geburten, einschließlich Aborte der Jahrgänge 1903 
bis 1912 der Dresdner Frauenklinik wurde 26 mal, mithin in 1,1 %* aller 
Geburten, wegen hochgradig dekompensiertem Herzfehler die Schwanger¬ 
schaft artifiziell unterbrochen. Darunter waren 16 Fehler der Mitralklappen, 
3 Fehler der Aortenklappen, 7 Fälle von Erkrankungen des Myokards. 
Von diesen 26 Frauen starben 4, d. h. 15,5%, bei Abzug von 2 Fällen, 
die an Sepsis ad exitum kamen, nur 7,5%. Bezüglich der Frage der 
Schwangerschaftsunterbrechung wird folgender konservativer Standpunkt 
vertreten: Zuerst Versuch, ob die Dekompensation nicht mit Mitteln der 
internen Medizin zu beheben ist. Bei Mißlingen sofortige Unterbrechung 
der Schwangerschaft Ohne vorherigen Versuch ist auf Grund unserer 
Erfahrungen die Schwangerschaft zu unterbrechen: bei angeborener Pul¬ 
monalstenose, bei Perikarditis mit Exsudatbildung, bei frischer Endokarditis, 
bei ausgesprochener Insuffizienz, bei Kyphoskoliose, sowie in Fällen, in 
denen der Herzfehler mit Tuberkulose, Nephritis, perniziöser Anämie, 
großen Strumen etc. kombiniert ist. Derartige Komplikationen treffen wir 
in 50% aller Fälle, davon allein Nephritis in 34,6%. Bei der operativen 
Entbindung kommen bei lebensfähigem Kind der vaginale oder der klassische 
Kaiserschnitt in Betracht; ersteren lehnen wir bei stärkeren Stauungs¬ 
erscheinungen wegen Gefahr der Blutung ab und ersetzen ihn durch den 
klassischen Kaiserschnitt, womöglich in hoher, extraduraler Sakralanästhesie. 
In weniger ernsten Fällen bedienen wir uns der Metreuryse (14 mal von 
26 Fällen), 3 mal wurde atonische Nachblutung beobachtet. Auf 13 lebens¬ 
fähige Kinder haben wir eine Mortalität von 4 = 30% zu verzeichnen. 

H. S e 11 h e i m (Tübingen): Die Beziehungen der Fortpflanznngsfnnktion 
zum Herzen des Weibes. 

Seilheim zeigt an einer graphischen Darstellung, daß eine ausge¬ 
wachsene Frau während der Blüte ihrer Jahre zufolge der regelmäßigen 



o 


KONGRESS-BERICHTE 


285 


Verluste von Menstrualblut ihr eigenes, etwa bis zum 18. Jahre er¬ 
reichtes Körpergewicht verdoppelt Dazu kommt die Periode aufbauender 
stofflicher Leistung bei der Fruchtentwicklung und Ernährung des 
Kindes. Bei sechs Kindern hat die Mutter den eigenen Aufbau zweimal 
wiederholt Der nach diesen Leistungen gemutmaßte und nach der von 
Seil heim vorgenommenen physiologischen Untersuchung des Pulses 
wahrscheinlich gemachte Geschlechtsunterschied des Herzens entbehrt auch 
nicht einer anatomischen Grundlage. Im Gegensatz zur männlichen Kurve 
zeigt das weibliche Herzwachstum ganz deutlich vom 20. bis 40. Jahre 
ein Sistieren. Den zu erwartenden, zeitweise hohen Anforderungen an 
das weibliche Herz durch die Aufgaben der Fortpflanzung entspricht eine 
Retardierung der Massenzunahme für die Zeit, in welcher physiologischer¬ 
weise diese Mehrbelastung zu erwarten ist, mit der Möglichkeit einer 
wiederholten spielenden Anpassungsfähigkeit an wirklich eintretende Mehr¬ 
belastungen durch puerperale Vorgänge. 

Heynemann (Halle a. S.): Herz- and Zwerchfellstand in der 
Schwangerschaft 

Bei allen untersuchten 42 Schwangeren war das Zwerchfell am Ende 
der Schwangerschaft deutlich emporgedrängt, und zwar um V*—4 cm. 
Das Herz war dadurch schräger gestellt und am Übergang in die großen 
Gefäße gewissermaßen abgeknickt Hierdurch ist eine Vermehrung der 
Arbeitsleistung des Herzens am Ende der Schwangerschaft und die Ent¬ 
stehung der akzidentellen Schwangerschaftsgeräusche bedingt 

CR.Schlayer (München; auf Einladung des Kongresses): Die Indi¬ 
kationsstellung zur Schwangerschaftsunterbrechung bei Nierenveränderungen. 

Die Unterscheidung von Schwangerschaftsniere und echter Nephritis 
scheint Schlayer unzweckmäßig, ja fehlführend. Beide lassen sich oft 
nicht voneinander unterscheiden. Es fragt sich überhaupt, ob die Sonder¬ 
stellung der Schwangerschaftsniere gerechtfertigt ist. Er empfiehlt als 
Ausgang für die Indikation zur Schwangerschaftsunterbrechung die Art, 
wie die Nierenschädigung auf den Organismus einwirkt. Die Einwirkung 
einer Nierenschädigung kann sich äußern in Urämie, Herzhypertrophie 
mit Hypertension, Oedem und Veränderungen der Ausscheidung von 
Wasser, Salz etc. Auf Grund seiner klinischen Beobachtungen gibt 
Schlayer Anhalte, wann er bei den einzelnen Erscheinungen Unter¬ 
brechung oder Nichtunterbrechung, provozierten Abort oder Frühgeburt 
für indiziert hält. Er weist auf eine einfache Methode hin, welche ge¬ 
stattet, in vielen Fällen ein hinreichendes Urteil über den Zustand der 
kranken Niere zu erhalten: Verfolgung der Tagesausscheidung bei be¬ 
stimmter Mahlzeit. Diese Methode kann gleichzeitig auch zeigen, daß 
nicht selten eine vermeintlich harmlose Schwangerschaftsniere trotz Ver¬ 
schwindens des Albumins tatsächlich noch nicht ausgeheilt, sondern nur 
latent geworden ist So erklären sich Bai sch’s Befunde, daß Nieren¬ 
veränderungen während der Schwangerschaft doch häufiger als gedacht 
dauernde Nierenschädigungen zurücklassen. 

Ad. Schmidt (Halle; als Gast): Herzleiden and Schwangerschaft 

In der Praxis der Herzkrankheiten spielt heute die Bewertung der 
auskultatorischen Phänomene und überhaupt der Klappenfehler vielfach noch 
eine zu große Rolle. Die Intensität des Geräusches und die Akzentuation 
der Töne gehen keineswegs immer der Größe des Herzfehlers parallel. 
Das gilt auch für die Mitralstenose, deren Sonderstellung ich im übrigen 
anerkenne. Viel wichtiger sind die Größe des Herzens, die Verände- 



286 ZENTRALBLATT FÜR HERZ- UND GEFÄSSKRANKHEITEN V. O 


rungen des Pulses, die dauernde Stauung in der Leber und im kleinen 
Kreislauf, und vor allem die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels oder 
die Reservekraft Nicht jede Dekompensation des Herzens hat dieselbe 
schlimme Bedeutung für die Prognose. Es kommt darauf an, aus wel¬ 
cher Ursache sie entstanden war. welche Form sie zeigt und wie sie auf 
Digitalis und Ruhe reagiert. Wenn hier von der Myokarditis gesagt 
wurde, daß sie durch die Schwangerschaft und Niederkunft fast immer 
so verschlimmert wird, daß man aus ihr eine absolute Indikation zum 
künstlichen Abort ableiten muß, so kann sich das doch nur auf die 
schwereren Fälle beziehen. Es gibt aber zahlreiche leichtere Fälle, die 
sich lediglich in leichten Rhythmusstörungen, in einer auffallenden Be¬ 
schleunigung und einem Schwächerwerden des Pulses nach leichten 
körperlichen Anstrengungen erkennen lassen, für die eine solche Indikation 
nicht gilt. Und zwischen diesen und den schwereren Formen gibt es 
alle möglichen Übergänge. Man muß annehmen, daß die leichten Formen 
der Myocarditis nach Anginen und anderen Infekten bakteriell-toxischen 
Ursprungs sind. Es fragt sich, ob nicht auch die Schwangerschaft Herz¬ 
kranke mehr auf dem Wege toxischer Momente schädigt als durch 
mechanische Inanspruchnahme. In therapeutischer Hinsicht möchte ich 
vor der Aufstellung zu fester Normen warnen. Man soll sich nicht darauf 
festlegen, daß eine Myokarditis, eine Dekompensation in der ersten Hälfte 
der Schwangerschaft, eine Kombination von Herzleiden mit Nephritis 
jedesmal die künstliche Unterbrechung der Schwangerschaft indiziert 
Es bleibt nichts anderes übrig, als von Fall zu Fall zu entscheiden. 

Pankow (Düsseldorf): Häufigkeit und Bewertung der Herzfehler in 
graviditate. 

In 49,2 °/o der Schwangeren wurden akzidentelle Geräusche, in 8,2% 
Herzklappenfehler gefunden. Bei akzidentellen Geräuschen fehlte eine 
Verbreiterung der Dämpfung nach rechts; das Geräusch selbst war spät 
systolisch. Mitralstenosen gaben eine ungünstige Prognose. Bei ihnen 
sollte stets die Schwangerschaft unterbrochen werden, ebenso bei anderen 
Herzfehlern, wenn vor oder zu Beginn der Schwangerschaft bereits De¬ 
kompensationsstörungen vorhanden waren. Sonst soll unter medikamen¬ 
töser Behandlung möglichst abgewartet werden. 

Schlußworte der Referenten: 

Fromme (Berlin): Das Aufstellen strenger Gesetzestafeln bei der 
Therapie ist nicht angängig. Gefährdet sind vor allen Dingen ältere 
Frauen, die zahlreiche Schwangerschaften durchgemacht haben, und 
Frauen, die neben ihrem Klappenfehler oder allein infektiöse oder auf 
sklerotischer Basis beruhende Muskelerkrankungen haben. Gefährdet 
sind weiter besonders Frauen mit Mitralstenose, besonders mit höheren 
Graden dieses Fehlers, der sogenannten Knopflochstenose, und weiter 
Frauen, bei denen sich zu dem kranken Herzen weitere Komplikationen 
gesellen, wie vor allen Dingen die Nephritis, die rekurrierende Endo¬ 
karditis, alle Lungenerkrankungen, welche den kleinen Kreislauf er¬ 
schweren, weiter ein höherer Grad von allgemeiner Fettsucht. Dazu 
würden mit Walthard besonders auch die Frauen mit Aneurysma sehr 
gefährdet erscheinen. Was uns aber fehlt, ist immer die sichere Voraus¬ 
sage, wieviel Reservekraft in einem bestimmten Falle das kranke Herz 
noch hat. Einen gewissen Indikator stellt in jedem Falle die Belastung^- 




o 


INTERNATIONALE BIBLIOGRAPHIE 


287 


probe der Gravidität dar. Versagt das Herz schon in den ersten Monaten 
der Schwangerschaft, so deutet das gewöhnlich einen schweren Fall an. 
Funktionsprüfungen des Herzens sagen im allgemeinen nicht viel. Eher 
giebt einen gewissen Maßstab ab, wenn Neigung zu Oedemen besteht, 
vor allen Dingen, wenn bei Untersuchung der Kranken am Morgen im 
Bette geringe Grade von Lungenoedem in den untersten Partien der 
Lunge auftreten. Mit der unsicheren Prognose eines jeden Falles hängt 
es auch zusammen, daß man die Indikation resp. den besten Zeitpunkt 
für die Unterbrechung der Schwangerschaft so sehr schwer feststellen 
kann. Man muß das Alter der Patientin, die Art der Herzerkrankung 
berücksichtigen, ob vor der Schwangerschaft Kompensationsstörungen 
vorhanden waren, weiter, ob Komplikationen vorliegen. Es ist sehr zu 
überlegen, ob wir nicht durch zu langes Abwarten, hauptsächlich bei 
gleichzeitig bestehender Nephritis, die Lebensfähigkeit der betreffenden 
Kranken in ungeahntem Maße schädigen. Ich muß hier O. K. K ü s t n e r un¬ 
bedingt zustimmen, daß wir ja in fast allen Fällen über das weitere 
Schicksal der Frauen, wenn sie nach der Geburt die Klinik verlassen 
haben, garnicht orientiert sind. Die Untersuchungen von K. Bai sch, — 
wenngleich er nur die schwersten Fälle berücksichtigt zu haben scheint 
—, scheinen darauf hinzudeuten, daß die Prognose der Komplikation von 
Herzerkrankung mit Gravidität sehr viel trüber wird, wenn wir das 
spätere Schicksal der Frauen, ihre Vitalität, in den Kreis unserer Betrach¬ 
tung ziehen. 


Internationale Bibliographie. 

Bearbeitet von 

Dr. Fritz Loeb (München). 

XIII. 

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